Karibik – Kleine Antillen

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von Trinidad bis Sint Maarten

Von Berichten und von Kennern der Karibik – einige davon sind hier jahrelang hängen geblieben – nicht nur des Segelns wegen – wissen wir in etwa was uns erwartet. In der Nicht-Hurrikan Zeit von Dez. bis Mai ist in der Regel schönes Wetter (2009 war es offenbar allgemein nicht so toll). Dann auch warmes, klares Wasser, schöne Ankerplätze, aber auch überfüllte Häfen und Wassersportbetrieb bei auserlesenen Spots, viel Charterbetrieb und teilweise überrissene Preise… so war es! Das Bild wurde abgerundet durch gute Begegnungen mit Leuten aller Hautfarben und natürlich feinen Segelbedingungen.

15.12.2009

Start in Chaguarama / Trinidad bei guten Amwind-Bedingungen, etwas rauer See und z.T. stark NW setzender Strömung mit entsprechendem Vorhalt mit Kurs Grenada. Wir geniessen die neue Freiheit wieder auf See zu sein.

Holen Neffe Tobias ab und besuchen in den folgenden Tagen, jeweils mit langen Kreuzschlägen auf die See hinaus, die schönen Buchten an der Südostküste Grenadas.

21.12. 2009

Segeln in der Nacht bei angenehmen Bedingungen zurück nach Trinidad, wo wir anderntags in der Funkrunde hören, dass die Segelyacht T, die in der selben Nacht in Gegenrichtung unterwegs war, Opfer eines Piratenüberfalls war – komische Gefühle – war wochenlang Tagesgespräch weit herum, wie wir feststellen.

Miriam und Marc kommen an Bord – leider ist ein Koffer abhanden gekommen.

Feiern Weihnachten mal anders, nämlich bei BQ auf dem Marinagelände bei 28° C

27.12. 2009

Haben noch auf Koffer gewartet, vergeblich – segeln wieder nordwärts nach Grenada. Wegen des Piratenüberfalls vor ein paar Tagen segeln wir im Konvoi mit der Dänischen SY Naveren, nachts ohne Lichterführung und leichtem Umweg, wobei die Naveren mit 9 Personen an Bord, uns wie ein Schatten in knappen 3 – 4 Bootslängen Steuerbord achteraus folgt. Bei der relativ rauen See hätten es Piraten wohl ohnehin nicht so einfach geschafft, an Bord zu gelangen.

Es folgten herrliche Tage beim Segeln mit junger Crew, kleinen Etappen durch die Grenadinen dem schönsten Revier der Windward Islands. Neujahr auf Union Island, dann folgen Tobago Cays (Schnorcheln bei grossen Schildkröten), Canuan, Mustique mit Britania Bay, Bequia mit Admirality Bay. Wir geniessen das Bordleben, die Landgänge, den Sundowner, das Baden und Schnorcheln im klaren warmen Wasser. Nicht zu vergessen die feine Bordküche von Leena und der Crew – alles gute Köche – ich bin der einzige der nicht Kochen kann – im Abwasch bin ich aber Spitze! (jemand muss doch dies erwähnen)… Gehen ab und zu fein Essen in Uferbeiz – damit ich nicht zuviel abwaschen muss (;-).

Es folgt die letzte Etappe für unseren Besuch: wir starten am Mittag 4.1.2010 in der Admirality Bay auf Bequia, bekommen bei stark gerefften Segeln um Mitternacht die Winddüse im St Vincent-Channel zu spüren – „wir fliegen dahin“ – super – bergen aber das Grossegel komplett und schlüpfen bei Tagesanbruch in die traumhafte Marigot Bay auf St Lucia. Geniessen den letzten gemeinsamen Tag und Abend.

Miriam und Marc verlassen uns anderntags und 1 Tag später auch Tobias – es war eine selten schöne Zeit, die natürlich zu schnell vorüber war, mit unseren jungen Leuten.

Sind für kurze Zeit wieder zu zweit und segeln zur Rodney Bay und weiter nach Martinique. Im dazwischen liegende St-Lucia-Channel lieferten wir uns ein “Bord an Bord Race „ mit einer Canadischen Yacht. Dies während langer Zeit bei 25-30 Knoten Wind, einem hart am Wind Kurs, choppy Sea, Böen und Spritzern (Douchen) auf den 26 Seemeilen bis Martinique, wo die etwas kleinere „Herausforderer-Yacht“ mit 1 Stunde Rückstand eintrifft nachdem wir uns auf dem letzten Drittel der Strecke absetzten (;-).

Eher zum Missfallen der Bordfrau, dringt manchmal meine Lust am Wettkampf bei mir durch…

In Forte de France auf Martinique kommt Pedro von Lanzarote als neues Crew-Mitglied an Bord – er wollte ursprünglich mit uns den Atlantik überqueren und ist jetzt auf den Spuren seiner Jugend, als er als Funker auf einem Frachter in der Karibik unterwegs war.

19.01.2010

Nach kurzer Angewöhnung für Pedro segeln wir weiter zu den Leeward Islands, vorerst nach Dominica, wo wir der Küste entlang bis zum wenig touristischen Portsmouths segeln und das bisher wohl kürzeste Einklarierungsverfahren erleben. Mit Eric Spagetti, so sein Firmenname unternehmen wir mit seinem Ruder- und Motorboot eine eindrückliche Rivertour ins nahe Sumpfgebiet. Am nächsten Tag machen wir mit einem Kleinbus eine Inseltour auf die östliche Inselseite u.a. zu einem Indianerreservat, bei dem es ausser schönen Häusern (weil von Regierung subventioniert) nichts Besonderes gibt.

Nach 3 Tagen segeln wir zu den Iles du Saint auf Guadeloupe und etwas später nach Pointe à Pitre zur Marina im Zentrum des schmetterlingförmigen Guadeloups.

Wollen hier sofern möglich einiges erledigen und uns dann Richtung Kuba absetzen.

Die Ankerwinsch macht Sorge und es fehlen uns Karten bzw. Seehandbücher. Erledigen viele Internetanliegen, können aber mehrere To-dos nicht abhaken und planen statt direkt nach Dominikanischer Republik und Kuba abzulegen, weiter nordwärts nach Antigua – Sint Maarten evtl bis zu den Virgin Islands zu segeln und versuchen, fehlendes zu ergänzen – nachher dürfte es schwierig werden…

Lernen Rolf kennen der unter CH-Flagge eine Amel Santorin fährt – man staune er ist vom Nachbardorf Scheuren!…

Für die Weiterfahrt nordwärts wäre die naheste Verbindung die durch die Mitte von Guadeloupe führende Seestrasse mit vielen Untiefen und der Zugang ist mit einer Brücke gesperrt, die nur um 04.00 öffnet . Segler berichten von heikler Durchfahrt und schwieriger Beleuchtung der Bojen. Also umsegeln wir den westlichen Schmetterlingsflügel und gehen nachts in der Anse Deshaies am NW-Zipfel vor Anker.

29.01.2010

Segeln am Wind mit 24 – 31 Kn NE-Wind und starkem Seegang nach Antigua – für Pedro war’s speziell, erlebte er doch erstmals etwas rauere Verhältnisse mit denen er in der Karibik nicht rechnete. Dann Einfahrt in den geschichtsträchtigen English Harbor von Antigua. Der Hafen ist voller Segelyachten und wir müssen mehrmals neu Ankern, weil dieser nicht hält – es geht andern ebenso. Treffen auf Travor den Südafrikaner – haben ihn in Salvador und Trinidad auf der SY Gazelle gesehen – er hat jetzt auf Deutscher Super-Racingyacht angeheuert. In der Folge ist es relativ kühl und es gibt Böen und Regenschauer. Besuchen noch die Hauptstadt St. John, bekommen auch hier nicht was wir benötigen. Nach Rückkehr sind wieder mehrere Yachten auf Drift gegangen – also aufpassen und Ankerwache. Dann am nächsten Tag kurzer Landgang: Ausklarieren, Nelson-Museum, Internet (Wetter)

01.02.2010

Legen ab und segeln über Nacht bei hervorragenden Bedingungen mit raumem Wind von Steuerbord und schiebender Welle nach Sint Maarten, wo wir nach 99 sm in den Morgenstunden in der Südbucht ankern – hierher kommen auch alle Kreuzfahrtschiffe – zur Zeit gleich 6, welche mit ihren Touristen Phillipsburg „überschwemmen“.

Wir wechseln anderntags in die Simpson Bay – gehen auf Erkundungstour und erhalten hier was das Seglerherz begehrt – wir werden hier eine neue Ankerwinsch einbauen, eine Wante ersetzen (erst 1 Jahr alt mit Riss einer Litze), können die lang gesuchten sog. Monellnieten für Maststufen sowie Seeliteratur und diverses kaufen, das seit längerer Zeit auf der Einkaufsliste steht. Fahren am nächsten Tag bei Brückenöffnung in die Lagune zum Workpier, baue die alte Ankerwinsch aus – nach dem Weekend wird die neue eingebaut , was einige Anpassungen bedingt. Dazwischen feiern wir Geburtstag – bin jetzt Pensionär… hm (;-) – gehen zum Internet Leena und Pedro unternehmen eine Inseltour, während ich mir einen neuen Zahn einsetzen lasse; machen Einkäufe, etc. Es ist eine interessante Busy-Zeit und die Tage verfliegen nur so. Trotzdem bleibt jeweils Zeit für die abendliche Happyhour in der Strandbeiz, wo sich viele Segler und interessante Leute treffen und viele Schicksale von Segler/innen aus aller Welt erörtert werden.

Wir wollen Morgen 10.02.2010 nach Kuba ablegen.

Impressionen – Karibik – Kleine Antillen:

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Von Suriname nach Trinidad

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Die Zeit drängte wieder mal und bereits nach 10 Tagen schönem Flussleben verliessen wir am 28. Oktober nur ungern liebgewonnene Menschen und ihre Umgebung.

Aus Sicherheitsgründen beabsichtigen wir die 500 Seemeilen bis Trinidad mit relativ grossem Küstenabstand von 30 bis 100 sm, je nach Küstenverlauf, zu segeln.

Die, wegen langer Flussausfahrt , nicht ganz einfache Tidenberechnung ergab, dass wir gegen Abend die offene See erreichten.

Zunächst erwartete uns ein unbeschreibliches Farbenspiel am Himmel, hervorgezaubert durch die hinter Wolken untergehende Sonne.

Mit NE-Wind und gutem Speed ging’s in die erste Nacht, wobei wir besonders auf 3 Fischerboote achten mussten – wir hatten noch nicht den beabsichtigten Küstenabstand erreicht.

Von Freund Dorival erhalten wir via Funk die Wetterprognosen für unser Seegebiet und geben ihm unsere Position durch. Später gibt’s Halbmond und weitere Fischerboote. Am folgenden Vormittag flaute der Wind ab und drehte auf SE – zeitweise will nicht mal der Spinnaker richtig stehen. Immerhin brauchte es fast 1 Stunde Einsatz um diesen, bei rollender See mit 2 m Wellen (Fetch) aus N und Windwellen aus SE, zu setzen. Es gab mehrere Frachter und um 14.00 ein Fischerboot, 2 sm an Backbord achteraus und in einem Abstand von 75 sm zur Küste, was doch etwas erstaunlich ist… vorerst gleicher Kurs wie wir… verschwand aber später…

Die folgenden Tage fordern uns, ohne dass wir gut voran kommen. Ein paar Bemerkungen aus dem Logbuch: – plötzlicher Winddreher – schifften – neu trimmen – Regen – auffrischend – super – Speed 6.2 – 8.0 Kn – fällt zusammen – was kommt jetzt? – natürlich Winddreher – wieder schifften, trimmen – mühsam ist ein Kosewort. Dann plötzliches Rauschen hörbar und starke Beschleunigung spürbar – Boot luvt stark an – wir sind eben in einen stärkeren Squoll (Gewitterregen mit starken Böen) gesegelt – nach 10 Minuten ist’s vorbei, sowohl Regen als auch Wind…

Das Ganze ist mit ständigem Überwachen und mit Korrekturen am Windpilot verbunden, der ansonsten hervorragend steuert, aber bei den ständig auffrischenden und abflauenden bzw schwachen Winden aus verschiedener Richtung „leicht überfordert“ ist – wegen dem daraus resultierenden Schlafmanko zerrt es aber auch an uns selbst.

Nach Mitternacht des vierten Tages sind wir in 50 sm von der Ostküste von Trinidad unterwegs und runden später den NE-Zipfel. In dieser Region sind sehr starke Strömungen spürbar, wovor auch die Seekarten warnen. Sie können drastisch und kurz auftreten oder über mehrere Stunden anhalten. Wir werden bei Bohrinseln regelrecht darauf hin versetzt – das Überwachungsboot setzte sich bereits in Bewegung – drehte aber wieder ab als es offenbar sah, dass wir uns – mit Motorunterstützung – auf Distanz halten konnten. Die Stromversetzung brachte mich dazu, mich wieder ein Mal mit dem Stromdreieck auseinander zu setzen – Denksport!

Wie beabsichtigt erreichen wir bei Tageslicht den Entradapoint, eine schluchtartige Durchfahrt. Delfine zur Begrüssung und etwas Wildwasser bei der Einfahrt, hervorgerufen durch Tidenwechsel und N setzende Gegenströmung. Etwas später erreichen wir die Chaguarama-Bay, und legen gleich am Custom-Steg an. Als ich dem freundlichen Immigrationsoffizier erkläre dass wir soeben um 09.00 angekommen seien, meint er verblüfft wie das möglich wäre, es sei jetzt erst 08.20

(merke: Trinidad ist eine Stunde zurück). Auf der Suche nach einem Ankerplatz treffen wir auf die SY Anne X und ankern gleich daneben mit Landleinen – Wiedersehen – Ankertrunk – Neuigkeiten.

Impressionen – Von Suriname nach Trinidad:

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Von Franz. Guyana nach Suriname

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Gemäss uns vorliegenden Informationen haben wir neugierig gemischte Gefühle was uns erwarten wird in Suriname.

Nach einer schönen Woche bei den Palmeninseln von Iles du Salut, legen wir am 16. Oktober um 02.00 ab. Mit Leichtwind geht’s durch die sternklare Nacht. Am folgenden Mittag dümpeln wir dahin – aushalten oder Motor – wir entscheiden uns für gemächliches Weitersegeln. Die Wetterprognosen meldeten auch für den nächsten Tag mehr Wind als es tatsächlich gab – was sie nicht voraussagten war eine sich schnell nähernde schwarze Front – also stark reffen und langsam weiter – unsere neue Regenhutze bewährt sich dann bei etwas Turbulenzen und starkem Regen. Etwas schwierige Verhältnisse in der Folge: wenig Wind, drehend, auf Nase, viel Wind., Regen ohne Wind, dafür Welle… nicht gerade das aus dem die Seglerträume sind.

Mit der Anfahrt des Paramaribo-Rivers am Tag darauf wird das Wasser immer brauner und der Wind nimmt ständig zu. Plötzlich müssen wir gegen Wind von 27 Knoten sowie gegen enorme Strömung und Wellen ankämpfen. Dies hat zur Folge dass wir mit dem Boot 45° vorhalten müssen und in der betonnten Seestrasse kaum vorwärts kommen.

Da lässt man sich fast 200 sm von gemächlicher Fahrt einlullen und wird dann zum Schluss noch ganz anspruchsvoll gefordert.

Wir ankern in der Nähe anderer Segelyachten in Paramaribo – die freundliche Harbor-Police kam vorbei, füllte selber das Registrierungs-Formular aus! Werden dann noch gebeten, das Boot doch etwas zu verlegen, da wir (unbeabsichtigt) direkt vor dem Präsidentenpalast geankert hatten – klar kein Problem – bevor die Polizisten wieder in ihr Boot hinüber wechselten, bedankten sie sich für unsere Cooperation!

Mit Visabeschaffung und Taxifahrten zwischen Botschaft und Immigrationsbüro vergehen fast zwei Tage. Die MAS (Maritime Authorithy Suriname) brachte noch ein Formular vorbei – wir sollen es ausfüllen und dann zum nahen MAS-Büro bringen – machen wir – als wir dort eintreffen: 2 Sicherheitguard diskutieren, dann schickt uns ein weiterer Sicherheitsposten zum besagten Büro – drei weitere Personen beschäftigen sich mit unserem Formular das den Stempel ihres Büros trägt – niemand weiss etwas damit anzufangen – einem Franzosen erging es ähnlich – er meinte lapidar: „Folklore eben“

Paramaribo ist holländisch geprägt und viele Bauten und Strassen zeugen von der früheren Kolonialherrschaft. Wir verbringen alsdann in Domberg ca 10sm flussaufwärts unbeschwerte Tage in angenehmer Gesellschaft von ansässigen Holländern und mehreren holländischen Yachties, die viele Tipps und Hinweise geben, u.a. dass praktisch neben unserem Boot in der Ufervegetation ein kleines Krokodil lebe und es auch Piranhas gebe – beides aber ungefährlich – baden kein Problem was ich auch tue – denn es ist schon etwas besonderes – der Fluss hat hier oben Süsswasser, was auch für die Selbstreinigung des Unterwassers der NICONE sehr praktisch ist.

Impressionen – Von Franz. Guyana nach Suriname:

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Von Brasilien zu den Iles du Salut / Franz. Guyana

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Nach zweitägigem Aufenthalt verlassen wir am 30. September 2009 Fortaleza, unsere letzte Station in Brasilien. Vor uns 1000 Seemeilen bis Französisch Guyana.

Gekürzte Auszüge aus dem Logbuch:

  • Kleine Delphine machen Luftsprünge, wie zum Abschied, als wir am Mittag in Fortaleza bei strahlendem Wetter ablegen. Mit 13 Kn ENE ist es ein gemächlicher Einstieg bei ruhiger See auch in die mondhelle Nacht.
  • „Breezy whitecaping conditions with moderate choppy seas. Small short-periode wind waves. Seas: ESE 1,7 m at 6 sec. Winds: E13 to 17 knots” so die zutreffenden guten Prognosen am 2. Tag – die 3 W’s Wind, Wasser und Wellen sind ein verspieltes Team und die NICONE das Spielzeug – mal trickreich, mal herausfordernd und überbordend, dann wieder besinnend und behutsam – schön dies so zu erleben! Schiffsposition 02°19,9’ S – 040°24.1’ W – Speed 7 Knoten, Wind 19 Kn ESE, Wellen ESE 2.5 m / 8 sec.
  • 2. Nacht: trotz Windzunahme auf 24 – 27 Kn und reffen ist es „segeln wie auf Schienen“. Segeln dem Meerestiefengraben entlang, was wie erwartet auch die Fischerboote tun. Dachte an Lesen auf der Nachtwache – denkste – Fischerbooten ausweichen, Frachter auf Kollision anfunken, reffen, weitere Frachter – „bin auf Draht“ – es ist als fände hier ein Schiffsmeeting statt – als wäre der Atlantik nicht gross genug!
  • 3. Nacht: Wind lässt etwas nach, dafür macht sich stark WSW setzender Strom bemerkbar, so dass wir um 40° Vorhalt steuern müssen.
  • Am Tag darauf überqueren wir genau um 12.30 (15.30 UTC) den Äquator von Süd nach Nord auf Pos. 00°00,0’ – 0044°12,5 W. Der Wind hat soweit nachgelassen, dass wir auf See erstmals seit Verlassen von Salvador wieder mal normal am Tisch essen können. Erhalten von unserem Brasilianischen Freund Dorival das Seewetter via Funk – ein Super Service auch in den folgenden Tagen. Kurz vor Mitternacht typisches Prusten von Delfinen neben dem Boot – im hellen Mondlicht ist eine grössere Herde erkennbar!
  • Das Wetter meint es gut mit uns – machen Etmale um 140 Seemeilen – der Windpilot steuert uns die ganze Zeit anspruchslos und zuverlässig – eine geniale Erfindung!
  • Am 4.10. setzen wir am Mittag den Spinnaker was in den nächsten 14 Stunden eine Speederhöhung um 2 Kn/Std ergibt – nachts um 03.00 dreht der Wind so, dass eine „Übung Spi bergen“ auf dem Vordeck nötig wird, wobei der helle Mondschein, neben dem Decklicht hilfreiche Unterstützung bietet bis die 130 m2 Segelfläche geborgen sind. In den folgenden Tagen können wir ihn noch drei mal für längere Strecken setzen.
  • 5.10.: Gefühl schneller sein zu können – hier macht sich vom Amazonas in fast 150 Seemeilen Entfernung zu dessen Delta eine Gegenströmung bemerkbar! Leena zieht einen Thunfisch von 42 cm Länge (es gibt natürlich viel grössere) an Bord, welcher aber für uns als feines Abendessen mehr als genug hergibt. Müssen bereits wieder versuchen, die noch zu segelnde Distanz und Geschwindigkeit aufeinander abzustimmen, da wir nicht nach 2 Tagen / Nächten in der Dunkelheit am Ziel (betonnte Seestrasse mit Sandbanken nach Kourou) eintreffen wollen. Falls es keine Wetterüberraschungen absetzt, heisst dies Verlangsamung auf plus / minus 4,5 Kn Geschwindigkeit. Spiele (pflichtbewusst (;-)) noch etwas mit den Kommunikationsmitteln: Funk bzw. Wetter von Dorival, sowie Versand von div. E-mails via Pactor und Telefon via Satelit nach Hause.
  • In der Folge gab’s neben der bekannten Mitströmung vor allem Leichtwind mit gelegentlichem Auffrischen. Der Spi stand im einen Fall während 19 ½ Std und das Steuer hatten wir schon beinahe tagelang nicht angerührt. Eine Möwe umflog das Boot, setzte sich dann aufs Vordeck – um auszuruhen? – pflegte ihr Gefieder und hielt Ausschau – eine nette Begleitung während einer Stunde. Kämpfte selber (wie so oft) gegen Schlafmanko und verschlief beinahe meine Nachtwache – die Bordfrau hat damit weniger Probleme.
  • Am Abend des 7.10. verlassen wir die Brasilianischen Gewässer – Zeit um die Höflichkeitsflagge zu wechseln. Jetzt weht die Franz. Tricolore unter der Steuerbordsaling. In den frühen Morgenstunden steuern wir ganz in der Nähe der Iles du Salut die erste Tonne der Seestrasse nach Kourou / Franz. Guyana an. Weil evtl unser Freund Christoph mit seinem Boot dort ist, rufe ich auf gut Glück an und bin überrascht sofort seine Stimme zu hören. Als er uns noch mitteilt, dass er uns von den Inseln her sehe, biegen wir dorthin ab – schönes Wiedersehen nach Trennung in Salvador.

 

Die aus den drei Inseln Diable, Royal und St Joseph bestehenden Iles du Salut bieten uns in ihren Buchten während einer Woche Schutz und eine gastliche Zeit.

Es ist „wie in den Ferien“ (:-) – die Zeit vergeht schnell mit Lesen, Schwimmen, Kontakte mit anderen Yachties – zur Zeit 2 Franzosen- und 4 Schweizerboote, Bootpflege und Besuche der landschaftlich reizvollen und geschichtsträchtigen Gefangeneninseln, wo noch vieles sichtbar ist aus der Zeit der . Gut vorstellbar, dass es hier kein Entrinnen gab. Der berühmteste Gefangene Dreyfuss und Henri Charrière alias Papillon sind unmittelbar mit der Geschichte verbunden. Heutzutage werden die Inseln von Kourou aus von Legionären mit Versorgungsbooten bedient und unterhalten.

Impressionen – Von Brasilien zu den Iles du Salut / Franz. Guyana:
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Woche 27 und 28 29.06 – 12.07 2009

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schneller Trimaran im Hafen von Salvador

Leben mit der Tide in der Bucht von Salvador

Gemeinsam mit der „Spirit of Africa“, Cat, aus Südafrika wollen wir ein paar Orte in der Baia de todos os Santos besuchen, darunter nochmals Itaparica und den Rio Paraguaçu – weil es so schön war – und wir die Orte auch Roland und Miki zeigen wollen. Des weiteren haben wir vor einer Woche provisorisch mit „Enki“ einen Treff in Itaparica vereinbart – Christoph ist zur Zeit alleine mit einer Hallberg Rassy unter CH-Flagge unterwegs -.
Schon von weitem sehen wir sein Boot zwischen anderen Ankerliegern und gehen nach einer ruhigen Segelfahrt dort ebenfalls vor Anker. Er wird uns morgen weiter zum Rio Paraguaçu begleiten.
Fahren am folgenden Tag mit auslaufender Tide los um später mit einlaufender Tide den Rio Paraguaçu hinauf zu segeln – daraus wurde nichts – wegen Windmangel mussten wir das eiserne Segel (Motor) einsetzen und konnten auf gewissen Passagen die Genua als Motorunterstützung gebrauchen. Wegen des grösseren Tiefganges macht Christoph mit seinem Boot leicht grössere Umwege. Unterwegs nehmen wir mit der Nicone einen  Einbaumsegler in Schlepp – er kommt am Wind kaum voran und nimmt unser Angebot gerne an. Dazu entfernt er kurzerhand den Mast mit Gaffelsegel und paddelt dann noch etwas weiter als unsere drei Boote beim vereinbarten Ankerplatz eintreffen. Nehmen noch ein Bad – wegen Tidenströmung ist etwas Vorsicht geboten um nicht abgetrieben zu werden – treffen uns dann zum Ankertrunk auf Christophs Boot, und erfahren einiges über seine fünfjährige Reise, welche ihn zuletzt von Neuseeland kommend durch den Beagle-Kanal – südlich Magelanstrasse – nach Salvador führte.
Der Samstag gilt dem Marktbesuch in Maragojipe, den Leena und ich bereits früher  besuchten – dort herrscht im Gegensatz zum brasilianischen gemächlichen Tagesrhythmus ziemlich dynamisches Treiben, was noch durch eine laute Karnevalsgruppe untermauert wird.
Am Abend, zurück auf dem Boot werden wir Zeugen eines spirituellen Rituals, offenbar eines sog. Candoblé, das unter der schwarzen Bevölkerung in dieser Gegend zelebriert wird.. Es ist schon  dunkel als wir vom Ankerplatz aus eine Gruppe von sieben Personen in der Mitte des langen Steges von Maragojipe unter einer Laterne sehen. Aufmerksam wurden wir, weil eine Frau laut, beinahe schreiend zum Wasser hin und himmelwärts gestikulierte – die andern  standen herum und bewegten sich kaum bzw. nur die Arme und begleiteten die laute Frau mit „Sing-Sang“ –  dies dauerte eine knappe Stunde – dann bildete die Gruppe einen Kreis und hielt sich bei den Händen – es folgte leiser Gesang und spezielle Bewegungen von einzelnen – eine Frau hebt rhythmisch die Ferse an, ein Mann wiegt ständig seinen Oberkörper, ein anderer streckt die ganze Zeit die Arme zum Nachthimmel, einer bewegt ständig seine gebeugten Arme vor- und rückwärts, alsdann fährt noch ein Einbaum – ob dies etwas mit dem Ritual zu tun hatte? – unten dem Pier entlang.
Die Szene wirkte etwas gespenstisch aber friedlich – die letzten zehn Minuten stehen alle ruhig im Kreis und nach 11/2 Std machen sie sich auf den Weg.

Ein kurzer weiterer Segelausflug bringt uns, unter Beachtung der vielen Untiefen bzw. Sandbänke, mit raumem Wind zu einer Klosterruine, wo wir unmittelbar davor ankern und per Dingi an Land fahren. Wegen des tiefen Wasserstandes müssen die Dingis weit ans Ufer hinauf getragen werden. Das Kloster (Ruine!?) ist geschlossen. Im Dorf, das armselig wirkt, gibt es viele Jungs zu Pferd (statt Moped?), Familien, oder meist Frauen und Mädchen sitzen im Schatten vor den Häusern auf Treppen oder in Eingängen. Wie überall gibt es laute Musik – sie bedeutet den Brasilianern sehr viel und scheint jederzeit allen zu gefallen.
Wir segeln noch etwas weiter flussaufwärts – ohne Karten – es gibt keine – aber nach Tiefenmesser – kehren bald um und müssen höllisch auf Untiefen und zugleich auf die eben von den Fischern ausgelegten Netze achten – bei zunehmendem Wind kehren wir mit 12 Kräfte zehrenden Wenden zum Ankerplatz zurück den wir bei Sonnenuntergang erreichen – schön war’s jedenfalls.
Tags darauf fahren wir per Bus zu den sehenswerten Städten Sao Felix und Cachoeira. Leider ist an diesem Tag die berühmte Zigarrenfabrik Dannemann (heute mehr Museum) geschlossen. Dafür gehen Christoph und ich mit gemischten Gefühlen zu einem alten und alteingesessenen Coiffeur – der ist aber ein absoluter Meister seiner Gilde und der Schnitt kostete sage und schreibe nur 5 R£$ (Fr 2.60)! Die Begehung der Brücke welche Sao Felix mit Cachoeira verbindet ist mit losen Brettern etc schon fast ein Abenteuer für sich – immerhin gehen unzählige Fussgänger darüber, auch Zug und Autos, aber ab und zu soll es schon mal zu Todesstürzen gekommen sein…Auf der Rückfahrt am Abend sehen wir wie überall in den Dörfern auf einfachsten Plätzen Fussball gespielt wird – nicht vergebens bringt der Nationalsport Brasiliens so viele Stars hervor.
Es folgt ein Tag am Ankerplatz – alle drei Crews besprechen die weitere Planung: „Enki“ bleibt noch ein paar Tage hier, während wir morgen nordwärts fahren wollen und Christoph später wieder an vereinbarter Position bzw Ankerplatz bei der Insel do Frade treffen werden.
Alle benützen den Ankertag um kleinere Arbeiten am Boot zu erledigen. Leena sorgt für „gutes Innenleben“, backt feinen Kuchen, während ich mit Decksreinigung, Spleissen und Motorcheck beschäftigt bin. Bezüglich „nicht unterwegs sein“ verpassen wir heute wegen häufigem Regen nichts.
Mit leicht gemischten Gefühlen starten wir anderntags nach Sao Francisco de Conde ganz im Norden der Bai. Der Ort wird offenbar nur selten von Segelyachten angelaufen, müssen doch Fahrrinnen und der Tidenzeitplan genau beachtet werden um Grundberührungen mit Sandbänken zu verhindern. Die Fahrt ist spannend und braucht unsere volle Konzentration: an der untiefsten Stelle verringerte sich der  Abstand unter dem Kiel von 2.0 m ständig und erreichte den Wert von 10 cm – allerdings bei noch steigender Tide – müssen wir Anker werfen und warten? – die „Spirit of Africa“ mit weniger Tiefgang ist bereits weiter und gibt über Funk bekannt, dass es wieder tiefer würde – kurz danach lief sie selbst auf eine Sandbank auf, konnte sich aber ohne weiteres befreien – problemlos erreichen wir dann den Ankerplatz unmittelbar vor der Stadt. Später gehen wir bei Hochwasser mit dem Dingi von Roland (unseres scheint auseinander zu fallen – die Bodenverklebungen lösen sich (;-(!)  an Land und lernen eine wichtige Lektion: als wir nach 4 Std – es ist stockdunkel – zurück wollen, befindet sich das Wasser weit draussen – es ist Niedrigwasser – wie konnten wir das nur vergessen – mit selbstverständlicher Hilfsbereitschaft von drei Brasilianern (sie sind gar nicht erstaunt), tragen wir das Dingi durch zum Teil tiefen Morast zum Wasser – spendable Geste und ein herzliches Danke von uns – dann gelangen wir etwas verschmutzt bei unseren Booten an.
Noch ein Tag hier mit Besichtigung der hügeligen sehr schönen Stadt. Von oberhalb des Ortes gibt es einen guten Weitblick und es ist jetzt angesichts der Sandbänke und Untiefen bei Niedrigwasser kaum zu glauben, dass es mit tiefgehenden Booten möglich ist, hierher zu kommen. Auf dem trocken gefallenen Ufer gibt es viele Einbäume der Fischer. Hier wird besonders nach Crevetten gefischt – sind aber im Restaurant nicht zu bekommen – die flotte Wirtin öffnet aber das sonst geschlossene Restaurant am Abend extra für uns und hat feine Crevetten nach Brasilienart für uns bereit – wir sind von der warmen Gastfreundlichkeit und dem Interesse uns gegenüber gerührt. Bei dieser Gelegenheit findet natürlich ein reger Austausch über das Leben hier und dort statt.
Nach wiederum sehr ruhiger Nacht fahren wir bei regnerischem Wetter und Wind auf die Nase, bei auslaufender Tide zur Insel do Frade, wo wir wieder auf Christoph treffen wollen.
Als wir von einem Dorfrundgang und feinem Lunch zurückkehren ist auch Christoph dort vor Anker – aber die Spirit of Africa ist etwas landwärts abgedriftet – ohne Folgen. Umtrunk bei Christoph und späterer Planung bei uns – fahren morgen  nach Aratu. Wegen Engnis bzw. Untiefen und starkem Wind verlegen wir die Nicone sicherheitshalber in etwas tieferes Wasser in die Mitte der Bucht.
Die Nacht war dann aber absolut ruhig und die Fahrt nach Aratu erfolgte vorerst bei fast spiegelglatter See und halbwegs dann am Wind bis zur versteckten Einfahrt in die Bucht von Aratu, wo wir alle drei Boote ankern und einen netten und lustigen Abend in der Beiz der Marina haben, die von „Carlos mit dem Papagei auf der Schulter“ geführt wird. Er kann etwas Englisch, die Köchinen aber nicht. Sie wollten die letzte Flasche Wein, die sie hatten, nicht herausgeben, bevor sie nicht Carlos gefragt haben, der noch beim Segeln war… es klappte aber alles bestens – wir bekamen gutes Essen und die besagte einzige Flasche.
Am Sonntag noch ein Kurzausflug – alle auf der „Spirit of Africa“ zur weiter südlich gelegenen
Marina, um Preise und Umgebung auszukundschaften. In der Bucht findet eine kleine Regatta mit Snipe-Jollen statt, was mich an meine Jugend erinnerte, als ich mit Vater zusammen ein eben solches Boot baute – das Design ist noch dasselbe, aber natürlich haben Material und Ausrüstung geändert.
Morgen wollen wir zurück nach Salvador, wo es vieles zu erledigen gibt.

Impressionen – Woche 27 und 28   29.06 – 12.07 2009:

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