Von Brasilien zu den Iles du Salut / Franz. Guyana

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Nach zweitägigem Aufenthalt verlassen wir am 30. September 2009 Fortaleza, unsere letzte Station in Brasilien. Vor uns 1000 Seemeilen bis Französisch Guyana.

Gekürzte Auszüge aus dem Logbuch:

  • Kleine Delphine machen Luftsprünge, wie zum Abschied, als wir am Mittag in Fortaleza bei strahlendem Wetter ablegen. Mit 13 Kn ENE ist es ein gemächlicher Einstieg bei ruhiger See auch in die mondhelle Nacht.
  • „Breezy whitecaping conditions with moderate choppy seas. Small short-periode wind waves. Seas: ESE 1,7 m at 6 sec. Winds: E13 to 17 knots” so die zutreffenden guten Prognosen am 2. Tag – die 3 W’s Wind, Wasser und Wellen sind ein verspieltes Team und die NICONE das Spielzeug – mal trickreich, mal herausfordernd und überbordend, dann wieder besinnend und behutsam – schön dies so zu erleben! Schiffsposition 02°19,9’ S – 040°24.1’ W – Speed 7 Knoten, Wind 19 Kn ESE, Wellen ESE 2.5 m / 8 sec.
  • 2. Nacht: trotz Windzunahme auf 24 – 27 Kn und reffen ist es „segeln wie auf Schienen“. Segeln dem Meerestiefengraben entlang, was wie erwartet auch die Fischerboote tun. Dachte an Lesen auf der Nachtwache – denkste – Fischerbooten ausweichen, Frachter auf Kollision anfunken, reffen, weitere Frachter – „bin auf Draht“ – es ist als fände hier ein Schiffsmeeting statt – als wäre der Atlantik nicht gross genug!
  • 3. Nacht: Wind lässt etwas nach, dafür macht sich stark WSW setzender Strom bemerkbar, so dass wir um 40° Vorhalt steuern müssen.
  • Am Tag darauf überqueren wir genau um 12.30 (15.30 UTC) den Äquator von Süd nach Nord auf Pos. 00°00,0’ – 0044°12,5 W. Der Wind hat soweit nachgelassen, dass wir auf See erstmals seit Verlassen von Salvador wieder mal normal am Tisch essen können. Erhalten von unserem Brasilianischen Freund Dorival das Seewetter via Funk – ein Super Service auch in den folgenden Tagen. Kurz vor Mitternacht typisches Prusten von Delfinen neben dem Boot – im hellen Mondlicht ist eine grössere Herde erkennbar!
  • Das Wetter meint es gut mit uns – machen Etmale um 140 Seemeilen – der Windpilot steuert uns die ganze Zeit anspruchslos und zuverlässig – eine geniale Erfindung!
  • Am 4.10. setzen wir am Mittag den Spinnaker was in den nächsten 14 Stunden eine Speederhöhung um 2 Kn/Std ergibt – nachts um 03.00 dreht der Wind so, dass eine „Übung Spi bergen“ auf dem Vordeck nötig wird, wobei der helle Mondschein, neben dem Decklicht hilfreiche Unterstützung bietet bis die 130 m2 Segelfläche geborgen sind. In den folgenden Tagen können wir ihn noch drei mal für längere Strecken setzen.
  • 5.10.: Gefühl schneller sein zu können – hier macht sich vom Amazonas in fast 150 Seemeilen Entfernung zu dessen Delta eine Gegenströmung bemerkbar! Leena zieht einen Thunfisch von 42 cm Länge (es gibt natürlich viel grössere) an Bord, welcher aber für uns als feines Abendessen mehr als genug hergibt. Müssen bereits wieder versuchen, die noch zu segelnde Distanz und Geschwindigkeit aufeinander abzustimmen, da wir nicht nach 2 Tagen / Nächten in der Dunkelheit am Ziel (betonnte Seestrasse mit Sandbanken nach Kourou) eintreffen wollen. Falls es keine Wetterüberraschungen absetzt, heisst dies Verlangsamung auf plus / minus 4,5 Kn Geschwindigkeit. Spiele (pflichtbewusst (;-)) noch etwas mit den Kommunikationsmitteln: Funk bzw. Wetter von Dorival, sowie Versand von div. E-mails via Pactor und Telefon via Satelit nach Hause.
  • In der Folge gab’s neben der bekannten Mitströmung vor allem Leichtwind mit gelegentlichem Auffrischen. Der Spi stand im einen Fall während 19 ½ Std und das Steuer hatten wir schon beinahe tagelang nicht angerührt. Eine Möwe umflog das Boot, setzte sich dann aufs Vordeck – um auszuruhen? – pflegte ihr Gefieder und hielt Ausschau – eine nette Begleitung während einer Stunde. Kämpfte selber (wie so oft) gegen Schlafmanko und verschlief beinahe meine Nachtwache – die Bordfrau hat damit weniger Probleme.
  • Am Abend des 7.10. verlassen wir die Brasilianischen Gewässer – Zeit um die Höflichkeitsflagge zu wechseln. Jetzt weht die Franz. Tricolore unter der Steuerbordsaling. In den frühen Morgenstunden steuern wir ganz in der Nähe der Iles du Salut die erste Tonne der Seestrasse nach Kourou / Franz. Guyana an. Weil evtl unser Freund Christoph mit seinem Boot dort ist, rufe ich auf gut Glück an und bin überrascht sofort seine Stimme zu hören. Als er uns noch mitteilt, dass er uns von den Inseln her sehe, biegen wir dorthin ab – schönes Wiedersehen nach Trennung in Salvador.

 

Die aus den drei Inseln Diable, Royal und St Joseph bestehenden Iles du Salut bieten uns in ihren Buchten während einer Woche Schutz und eine gastliche Zeit.

Es ist „wie in den Ferien“ (:-) – die Zeit vergeht schnell mit Lesen, Schwimmen, Kontakte mit anderen Yachties – zur Zeit 2 Franzosen- und 4 Schweizerboote, Bootpflege und Besuche der landschaftlich reizvollen und geschichtsträchtigen Gefangeneninseln, wo noch vieles sichtbar ist aus der Zeit der . Gut vorstellbar, dass es hier kein Entrinnen gab. Der berühmteste Gefangene Dreyfuss und Henri Charrière alias Papillon sind unmittelbar mit der Geschichte verbunden. Heutzutage werden die Inseln von Kourou aus von Legionären mit Versorgungsbooten bedient und unterhalten.

Impressionen – Von Brasilien zu den Iles du Salut / Franz. Guyana:
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