Woche 25 und 26 15. – 28.06 2009

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geniessen diese Bergwelt

Projekt Dieseltanköffnungen – Autoausflug Chapada Diamantina – interessanter Rückweg

Wir wollen gegen Ende dieser Woche mit Freunden einen mehrtägigen Landausflug mit dem Auto unternehmen und vorher noch Visa und Zollpapiere für weitere 3 Monate Brasilienaufenthalt verlängern. Weil Festtage bevorstehen kehren wir mit dem Boot frühzeitig  nach Salvador zurück.

Dien Rückfahrt von der Insel Itaparica nach Salvador wollten wir eigentlich wegen Wind auf die Nase und Schlechtwetter unter Motor zurücklegen – daraus wurde nichts – der Motor spinnt wieder mal, d.h. offenbar reagiert er immer noch auf verschmutzten Diesel  – also Segel gesetzt und bei stark zunehmendem Wind und Wellen aufgekreuzt – die Heiligen der Bucht aller Heiligen sind uns wahrlich nicht gut gesinnt.

Ein Check der wiederholten Motorprobleme ergibt wie erwartet noch immer verschmutzten Diesel – jetzt ist aber „genug Heu drunten“ – die beiden Dieseltanks müssen komplett gereinigt werden – dazu müssen Öffnungen in die Tanks aus Nirosta gemacht werden – keine einfache Sache; sie müssen ja auch wieder absolut dicht verschlossen werden können – die Arbeiten wollen wir gemäss ausgearbeitetem Projekt nach unserem Landausflug mit „Marcelo und Assistenten“ anpacken.

Für die Verlängerung der Papiere benötigen wir einen Tag: 1. Marinabüro  – 2. Zollbüro – 3. Police Federal – 4. Emigrantenpolizei beim weit aussen liegenden Flughafen – 5. wieder zurück zum Zoll: dort haben und machen sie Probleme, dann ist plötzlich alles ok.

Unseren Landausflug starten wir mit 2 Autos – im einen mit Silvana (Brasilianerin fährt liebend gern) am Steuer, sowie Manfred und wir beide – im anderen die beiden Südafrikaner Roland und Miki.

Chapada Diamantina ist ein Nationalpark im Hinterland von Bahia mit Hochplateaus, grünen Tälern, Wasserfällen und Flüssen, ehemaligen Diamantenminenstädten, aber auch ausgedörrten Landstrichen. Die sehr armen Bewohner dieser Steppengebiete packen nach Dürren jeweils ihre Habseligkeiten und suchen Arbeit im Süden, um danach wieder hierher zurück zu kehren.

Nach 350 Km machen wir Halt in Lençois dem eigentlichen Ausgangspunkt von Chapada Diamantina und beziehen eine angenehme Pousada (Pension). Das Städtchen ist bereits für den Sao Joao (St. Johannes-Tag) aufs Feinste geschmückt. Hier wurden um 1820 die ersten Diamanten gefunden, was viele Glücksritter aus ganz Brasilien herlockte.
Eine eintägige Autotour führt uns durch die wilde prächtige Berglandschaft mit Naturstrassen, Flüssen und Wasserfällen – machen immer wieder Fotohalte.
Tags darauf geht’s zu einer kurzen Wanderung zu einem Fluss hinunter und diesem entlang über Stock und Stein zu einem gewaltig schönen und hohen Wasserfall, mit Sportangeboten wie Klettern, Seilrutsche, oder auch nur Baden in den Felsbecken – auf dem Rückweg, es ist heiss, geniesse ich ein „kühlendes Bad“ (ca 25° C), danach noch Fotos von den kleinen hier lebenden Affen und der üppigen Vegetation. Dabei huscht eine nicht zu übersehende ca. 2m lange Schlange über den Weg. Auf der Rückfahrt machen wir am Fusse eines zylinderförmigen Berges Halt und besteigen diesen unter Aufsicht eines Guides im oberen Teil – Die Aussicht ist phänomenal, ebenso die Vegetation. Beim Abstieg sehen wir zum zweiten Mal heute eine Schlange mit etwas weniger Umfang aber ebenso lang wie die erste.
Am 4. Tag fahren wir wieder ostwärts zur Küste. Da Richtung und Wegweiser nicht immer klar sind, fragen wir in den Ortschaften ab und zu nach dem Weg. In Jaçu erklären uns 2 Lastwagenmechaniker, dass es ab hier bis Melagres viele Überfälle gebe… es handelt sich um ein einsames Steppengebiet (Sertao), wo viele arme Leute leben. Am Ortsausgang treffen wir auf ein Polizeiauto und fragen nochmals bezüglich Sicherheit. Die freundliche Antwort ist ja, es gebe häufige Überfälle, aber da wir ja 2 Autos wären, sei die Gefahr weniger gross… die Polizisten geben noch ein paar Tipps, dann fahren wir los ins „Niemandsland“ – es hätte uns überhaupt nicht gewundert, wäre dort plötzlich ein bewaffneter Cowboy vom Kaliber eines Westernheldes wie Jon Wayne aufgetaucht. Die 40 Km durch die einsame Gegend mit schlechter Strasse waren wirklich abenteuerlich – alles gut gegangen, was wir am andern Ende der Strasse bei Km 0, bei der Strassenbeiz mit Saft direkt aus der Kokosnuss begiessen. Zur Küste hin gab’s Regenwetter und nach Bezug einer netten Pousada, einen Strandspaziergang – in der Nichtsaison wie jetzt ist es fast menschenleer. Geniessen am Abend bei ernsthafter und auch lustiger Unterhaltung feine Fische und spezielle Getränke.
Der folgende Tag ist Silvanas Tag – sie ist in der Gegend von Nazaré aufgewachsen und kennt hier Land und Leute. Wir besichtigen viele Töpfereien – alle am selben Ort und meistens Familienbetriebe in einfachen Hütten. Danach Besuch einer Schnappsbrennerei, wo nach alter Sitte Rum gebrannt wird – der Liter von hervorragender Qualität kostet direkt ab Brennerei 3.60 R$ (knappe 2 CHF). Wir beladen die Autos mit 5 Kisten – eine davon für uns (beliebter Geschenkartikel (;-). In Nazaré Besichtigung des Zentrums, darunter das  älteste  Kino von 1927, das in Brasilien noch in Betrieb ist, sowie die Kirche oberhalb der Stadt mit prächtige Aussicht. Am Abend wiederum feines Essen vis à vis Pousada – die Getränkeliste ist für einmal etwas länger als die der Speisen.
Dann geht unser toller Landausflug zu Ende – Fahrt via Insel Itaparica und Fähre zurück nach Salvador – wieder einrichten auf dem Boot und Kontaktpflege mit unseren Lieben zu Hause.
Der Rest der Woche ist zur Hauptsache den Diesel-Tanköffnungen gewidmet. Diese Arbeit stellt sich als hartnäckig und mühsam heraus, ist aber nötig damit die beiden Dieseltanks vollständig gereinigt werden können. Es stellte sich heraus, dass besonders der eine der beiden Tanks stark mit gallertartigen schwarzen Klumpen (sog. Diesel-Bakterien) verschmutzt war, welche zur Verstopfung der Filter und damit zu Motorproblemen führte. Nun schnurrt der Motor wieder wie eine Katze.

Impressionen – Woche 25 und 26   15. –  28.06 2009:

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Woche 24 08. – 14.06 2009

Ablegen zur nahen Insel Itaparica – weiter zum Rio Paraguaçu – und zurück

Die grosse Baja de todos os Santos – Bucht aller Heiligen – verfügt über zahlreiche Inseln und geschichtsträchtige Orte.

Vorerst segeln wir wieder mal unter besonderen Bedingungen – wir sind darauf abonniert – Richtung „Ferieninsel der Salvadorianer“. Mit gutem achterlichem Wind, viel Welle und noch mehr Regen geht’s nur unter Genua und Windpilotsteuerung mit 7 Knoten zwischen den auf Reede liegenden Frachtern hindurch, von denen doch prompt einer Anker auf und kurzfristig unter lautem Hupen Kurs auf uns zu hält – na denn, der ist stärker… wir weichen (halt) aus. Der Windpilot funktioniert tadellos, hält Kurs und „eiert“ nicht einmal gross, wie man dies von andern Modellen her kennt. Gerne gebe ich dieses Feedback über Funk an Manfred weiter, der darauf brennt, zu hören, dass es gemäss seiner Überzeugung gut gehen muss, nachdem er den Fehler entdeckt hatte.

In Itaparica gehen wir vor der Marina vor Anker, wo etwa 15 andere Boote vertäut sind – im Nachhinein vernehmen und sehen wir, dass in der sehr kleinen Marina kein Platz mehr ist und die Einfahrt „Sandbankgefährdet“ ist.

Wind und Regen legten noch zu und hielten auch noch am nächsten Tag an – keine Lust an Land zu gehen.

Dann endlich schön und nur leicht bewölkt – treffen auf junge Schweizer Familie aus Lausanne. Sie sind bereits 5 Monate hier auf ihrem Boot, bzw. Salvador und Umgebung und

wollen demnächst nach Franz. Guyana aufbrechen um dort Arbeit zu suchen und den Sohn in die nächst höhere Schule schicken.

Wir besuchen den historischen Ortsteil mit dem von den Holländern 1647 erbauten Fort, sowie den aus der Kolonialzeit stammenden Gebäuden – alles sieht gepflegt, freundlich und farbenfroh aus. Eine Frau fragt ob wir in der Marina seien und preist uns ihre Wäscherei und Eingemachtes an. Wir sind erstaunt, wie wir immer wieder sofort als Touristen erkannt werden, wo wir doch besonders heute darauf acht gaben, nicht aufzufallen und wie Einheimische (einfach) gekleidet, zu erscheinen…

Als besonders erholsam – wie Ferien (;-) – empfinden wir einen kurzen Dingi-Abstecher zu den nahen Sandbänken, welche bei Niedrigwasser trocken fallen.

Am Tag von Corpus Christi (Fronleichnam) gehen wir ein weiteres Mal ins Dorf – es sieht etwas ausgestorben aus. Wir sehen erstmals kleine freilebende Affen. Auf dem Dorfplatz spielt eine Band an einem Beizentisch sitzend brasilianische Rhythmen – wir sind als Zuhörer herzlich willkommen.

Bereits in Cabadelo empfahlen Stegfreunde den Besuch der Gegend des Rio Paraguaçu und das Küstenhandbuch spricht von 5 Sterne „not to be missed“ – also nahmen wir  die 20 sm in Angriff und segelten vorerst den Seestrassenzeichen folgend, zur Flussmündung und dann zum beabsichtigten Ankerplatz flussaufwärts. Wir fühlten uns in frühere Zeiten versetzt – Fischer mit Einbaumbooten; diese werden bei günstigem Wind mit Segel gefahren, ansonsten wird gerudert – rel. grosse Segelboote, sog. Serveios mit quadratischen Segeln dienen für (gemächlichen) Warentransport – es ist ruhig auf dem Fluss der links und rechts von Wald, meist Palmen gesäumt ist – paradiesisch auch der Ankerplatz hinter einer kleinen Insel, wo noch zwei Segelboote vor Anker lagen, was uns recht war, denn gemäss Empfehlungen sollte wegen ungebetenen Gästen nicht alleine geankert werden. Es war längere Zeit zurück, dass wir an einem solch friedlichen Ort vor Anker lagen.

Am folgenden Morgen lichteten wir früh den Anker – er sass fest im Schlick und musste inkl. 45 m ausgelegte Kette zuerst gereinigt werden – nach einem kurzen Stück ankerten wir erneut in einem Nebenarm, um im nahe gelegenen Ort Maragojipe den dort bekannten Samstags-

Markt zu besuchen – wiederum ein besonderes Ereignis: sehr grosser Gemüse- und Früchtemarkt zu unglaublich billigen Preisen – praktisch keine Autos, dafür Esel und Wagen, sowie jene Menge Schubkarren mit denen die Leute die gekauften Waren transportierten.

Selber mit frischem Gemüse und vielen Früchten kehrten wir zum Dingi zurück, das von einem alten Mann für ein paar Reais gehütet wurde – dann noch ein weiteres Stück fluss-aufwärts – mit Besichtigung von alten Kappellen und Kirchen am Wasser vom Boot aus – Rückkehr zum auserlesenen Ankerplatz – am Sonntag ging’s unter Motor gegen den Wind flussabwärts und ab Mündung hatten wir herrliche Segelbedingungen zurück nach Itaparica.

Impressionen – Woche 24 08. – 14.06 2009:

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Woche 21 bis 23 19. 05. – 07.06. 2009

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im Zentrum der Oberstadt Salvador

Salvador – Regen – Technik – Alltag
„Salvador – Stadt der Geheimnisse und Stadt bzw. Bucht aller Heiligen“

In der Hauptstadt Bahias – Seismozentrum afrobrasilianischer Lebensart – sind die Wurzeln der afrikanischen Vorfahren lebendig: in einer einzigartigen Küche, in Festen voll religiöser Inbrunst und dem grössten Strassenkarneval der Welt. Schwarze Götter mischen sich im grössten katholischen Land friedlich unter christliche Heilige, und mit 76 Kirchen setzt sich Salvador an die Spitze aller brasilianischen Städte.
Salvador empfängt uns vorerst mit schier unaufhörlichem Regen, Regen, Regen und sollte eine ganze Woche anhalten. Die Marina liegt in der Nähe des Fortes Sao Marcelo direkt beim Stadtzentrum – super, alles in kurzer Reichweite.
Üblicher Gang zu den Behörden: 1. Gesundheitsbehörde: wichtige Formularangelegenheit, 2. Police Federal – es fehlt uns ein Stempel vom Staat Paraiba – auf Geheiss des gelangweilten Chefs lässt die mürrische und arrogante Beamtin den Fehler (nicht unserer) gnädig durchgehen. 3. Capitanerie (und Marine-Ausbildung) – militärisch, aber sehr freundlich. 4. mit allen Dokumenten noch beim Marinabüro vorbeigehen, wo diese kopiert werden / ok – alles zum Nulltarif  –  ½ Tag damit vorbei.
Wir lernen Manfred (66) von Milano näher kennen: Oesterreicher, wohnhaft in Milano, war von dort aus weltweit für eine Firma tätig, er hat am Steg seine SY Maus, eine 36-Fuss Van de Stade, ist oft hier in Salvador,, erzählt uns von seinen Antarktis-Erlebnissen und ist Alleinsegler (www.manfredmarktel.it
Als er meinen Windpilot sieht, fragt er interessiert nach meinen Erfahrungen, weil er die  gleiche Windpilotanlage hat. Ich erzähle unsere leidige Geschichte – er hingegen hat nur gute Erfahrungen damit gemacht und findet sofort den Fehler an unserer Anlage heraus – es ist unglaublich, da ärgern wir uns so lange und da kommt jemand und weiss gleich Bescheid, nachdem sich etliche Leute darum gekümmert haben und sich auch Ferndiagnosen als Leerläufe erwiesen – ich bin noch skeptisch – anderntags will Manfred unbedingt auf kurze Testfahrt gehen, was wir dann auch tun – und siehe da, scheint tadellos zu klappen – kann es noch nicht so recht fassen und bin gespannt auf weitere Fahrten.
Aber damit lassen wir uns noch etwas Zeit und der Mechaniker für unsere Motor- und Dieselprobleme offenbar auch. Marcelo der Fachmann für alles kommt vorbei, will morgen mit Kostenvoranschlag und Motorenspezialist um 09.00 wieder da sein.
Weil starker Schwell in die Bucht steht, zerrt unser Boot kräftig an den Festmacherleinen und Klüsen – als Dämpfung befestigen wir Pneus als Reitgewichte an den Vorleinen – trotzdem ist in der folgenden stürmischen Nacht eine Muringleine zerrissen, ohne Folgen, da wir über eine zweite  verfügten.
Nach einer Woche wissen wir einiges über das Leben hier, nicht zuletzt durch Manfred, der gute Kenntnisse hat und uns diese gerne weitergibt. Aus der Nähe erfahren wir, dass das Leben für den grössten Teil der Brasilianer mehr einem täglichen Überleben gleichkommt als etwas anderes. Viele wollen etwas auf der Strasse verkaufen – viele dasselbe – es gibt viele Kinder die betteln und die Kleinkriminalität ist allgegenwärtig. Die Marina ist ein sicherer Hort – aber selbst hier tragen die Sicherheitsleute, die sie 24 Std bewachen, schusssichere Westen – ausserhalb ist das „unsichere Stadtleben“ ein Dauerthema: überall Polizei und Sicherheitsleute, selbst das Touristenbüro weist uns darauf hin keinen Schmuck oder Uhr zu tragen etc.etc. – Manfred gibt uns auch spezifische Verhaltenstips – so z.B. wo man sich nicht zu Fuss bewegen sollte, weil dort jeder Nichtbrasilianer überfallen werde –  auch erhalten wir Ratschläge was wir tun können bzw. unterlassen sollen.
Trotz allem sind die Leute sehr hilfsbereit, freundlich und offen.
Wir erfahren so verschiedene  Dinge wie:

50 Millionen (total 200 Mill.) Brasilianer haben nur ein Mindestmonatsgehalt von 430 R$ (250 CHF). Ein Ladenverkäufer erhält zusätzlich eine kleine Gewinnbeteiligung, falls er etwas verkauft – betritt man ein Geschäft, entsteht häufig der Eindruck es gebe mehr Verkäufer als Kunden…
Wenn jemand in Spitalpflege gehen muss, muss er/ sie oder Verwandte u.U. am Morgen um 02.00 beim Spital anstehen, um eine Aufnahme evtl. in 2 Wochen zu bekommen.
Die rel. kleine, bessergestellte gesellschaftliche Mittelschicht verdient 1200 – 1500 R$ (650 – 800 CHF) – diese Leute verfügen meistens über eine private Krankenkassenversicherung, welche aber ca. ein Drittel des Einkommens weg frisst.
Haben Sie gewusst dass es in Brasilien aber auch sehr, sehr reiche Leute, insbesondere Fazenda-Besitzer gibt, welche Farmen von der Grösse der Schweiz haben und es ständig noch Berichte gibt, dass wieder Leute aus dem Sklavenstatus entlassen wurden?
Die allgemeine Schulbildung ist dürftig – selbst die Universitätsausbildung ist kein Garant für nur annähernden europäischen Standard – bösartige Zungen behaupten, wenn jemand mitgeholfen hat einen Motor wieder instand zu stellen oder sogar einen Kurs gemacht hat, ist er bereits Ingenieur.
Auch Wohnen ist teuer, offenbar selbst in den einfachsten Häusern wie hier üblich. Viele meist jüngere Männer scheinen wohl deshalb auf der Strasse zu leben – schlafen am Boden oder auf den nachts leeren Tischen der Marktstände etc.
Man begegnet vielen Kindmüttern mit ihren Babys oder schwangeren Mädchen, welche nicht um Geld sondern um Nahrungsmittel betteln – kauft man ihnen dann z.B. Crackers und Milch wie gewünscht, sind sie überglücklich. Bei Kindern die um Geld für Nahrung betteln ist Vorsicht geboten, da sie offenbar dann oft alles andere als Nahrungsmittel kaufen – will man helfen, so offeriere man vor Ort z.B. ein Sandwich…
Salvador das heisst auch ständig und fast überall lautes Sprechen und Musik, afrikanische Rhythmen: Ausdruck von Lebensfreude durch Bewegung und Gestik

Nach 7 Regentagen gibt’s, kaum zu glauben, wieder schönes Wetter das 2 Tage anhält, dann ist es wieder regnerisch mit Aufhellungen dazwischen – die Temperaturen sind hier mit 26 – 28° – merke es geht dem Winter entgegen – etwas angenehmer als im 1000 Km nördlicher gelegenen Jacare von wo wir kamen.

Nach 2 Wochen ist auch unser Motor wieder in Ordnung und der Dieseltank (hoffentlich) von Dieselbakterien bzw. „Schlamm“ befreit. Wie sich herausstellte, war wie befürchtet das ganze Dieselsystem erneut wie letztmals auf  den Kanaren, verunreinigt. Abhilfe: 200 Lt ausgepumpt, 7 x mit jeweils ca 8 Lt Diesel „gespült“ – letzte „Spülung“ mit viel Antibakterienmittel versehen, 2 Tage im Tank gelassen – neuen Diesel eingefüllt – alten an Jura (Name) den Helfer verschenkt – er hat 7 Brüder und selber 3 Kinder und war überglücklich – von seinem Chef erfuhren wir, dass er den Diesel für 80 R$ sofort an die Fischer verkaufte (Anmerkung: Diesel wurde offenbar gesiebt und ist für die  robusten Motoren der Fischeboote noch gut brauchbar)
Ausserdem wurde die Wasserpumpe revidiert, die elektr. Dieselförderpumpe ersetzt, sowie der Motorservice gemacht, alles unter tüchtiger Mitarbeit des Eigners (;-), ansonsten ist es auch möglich, dass…
Von Manfred hören wir, dass ihm bei seiner letzten Reise von Salvador nach C. Town durch den Südatlantik der Diesel „einfror“ – brasilianischer Diesel war die Ursache, er enthält Parafin im Gegensatz z.B. zu Diesel aus dem südlicheren Uruguay – worauf er nur unter Segel weiter unterwegs war.

Mit Manfred haben wir viele reisetechnische Erfahrungen austauschen können und besprechen Ausrüstungs- und Sicherheits- Angelegenheiten. Diese betreffen neben Verhaltensfragen und segeltechnischen Massnahmen, besonders die Benützung  sicherheitsrelevanter Geräte unter rauhen Bedingungen unterwegs auf Hochsee. Hier nur kurze Stichworte u.a. zu:
–        Kurzwelle / Pactor : wenn man es genau nimmt, handelt es sich um eine überholte
aufwändige, verbindungstechnisch mühsame und veraltete Technik – auf die Gründe  komme ich zu einem späteren Zeitpunkt wohl noch zurück, da sicher viele ältere, eingefleischte und erfahrene User natürlich widersprechen werden – aber die Zeiten ändern sich…
Verschiedene Segler berichten, dass der Südatlantik ein grosses Loch bezüglich Pactor-Verbindungen aufzuweisen scheint…
Satellitentelefon: zukunftsgerichtet und hält (wenn noch nicht überall, jedoch immer mehr) preislich mit.
Anstelle herkömmlicher Treibanker, setzte sich in letzter Zeit der „Jordan-Series-Drogue“ (Reihen-Treibanker) durch. Mehrere Skipper berichteten vom erfolgreichen Einsatz dieser mit lauter kleinen Konen aus Segeltuch versehenen Leine bei Stürmen.
Rettungsinsel: soll wie bekannt nur im äussersten Notfall (z.B. „wirkliches“ Sinken der Yacht) verwendet werden – mühsam, schwierig und unerträglich wird es jedenfalls je nach Seegebiet, Windstärke und Wellen(höhe). Berichte Geretteter sprechen eine deutliche Sprache. Der Notsack – Beschaffenheit und  Inhalt – ist Bestandteil dieser Diskussion – dabei gibt es keine Rezepte (Anmerkung: wie sie gerne z. B. von gewissen Seefahrtsämtern herausgegeben werden).
Wir sind uns absolut einig – Vorbereitung ist bei Langfahrt die halbe Miete – hier steht mir etwas die Deformation professionell aus früheren Tätigkeiten im Wege bzw kommt uns zu gute – es gilt  immer die Bedingungen Mensch, Ort, Material abzuklären bzw. einzuschätzen und Mankos zu beseitigen. Nur unter diesen Voraussetzungen ist es möglich im Dringlichkeitsfall „richtig“ nach dem Prinzip von heute hier und jetzt zu handeln. Dies heisst eine Reise in einem bestimmten Seegebiet möglichst optimal vorbereitet antreten – allein darüber gibt es ganze Bücher – speziell sicherheits-relevantes (Rettungs-) Material muss dabei vorhanden und in qualitativ und funktionell gutem Zustand sein (prüfen). Das Handling damit muss bekannt und geübt sein!
In der Praxis ist dies für Alleinsegler wie Manfred oder kleine Crew wie wir von besonderer Bedeutung, wenn auch nicht immer einfach umzusetzen – wie try to do the best.

Impressionen – Woche 21 bis 23 19. 05. – 07.06. 2009:

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Woche 20 11. – 18.05. 2009

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truebe Schwachwindtage

In 7 Tagen von Jacare zum 600 sm entfernten Salvador da Bahia – kein besonderer Schleck

Nach 5 Wochen Jacare – etwas „in der Prairie“ – ist es schon fast ein Ereignis wenn jemand ankommt oder ablegen will – man kennt sich – hat neue Freunde, Kontakte und gemeinsame Erlebnisse – sieht man sich wieder mal? – etwas Wehmut ist dabei aber die Vorfreude auf Neues ist stärker.
Seit Wochen gibt es nur relativen Schwachwind vor der Küste, trotzdem wollen wir nicht länger zuwarten und rechnen mit langsamem Vorwärtskommen, da z.Teil auch noch Gegenwind zu erwarten ist und unser Boot hier im Flusswasser ein ziemlich verschmutztes Unterwasser bekam, das wohl etwas bremsen würde.
Bei Niedrigwasser und unter Beisein mehrerer Schiffsnachbarn legen wir um die Mittagszeit ab und segeln gegen die beginnende einlaufende Tide flussabwärts zum offenen Atlantik…
aber nicht sehr lange, denn bereits nach knapp 2 sm sehen wir uns gefangen in einem Fischernetz, das vom Ufer bis über die Flussmitte reichte und dort mit einer kaum sichtbaren Boje markiert war… das begann ja gut… nach 15 Minuten kam ein Fischerboot mit 2 Personen heran und die beiden begannen wie selbstverständlich, das am Kiel verfangene Netz zu lösen, wobei der jüngere von beiden mit Taucherbrille tauchen musste. Kein Lamento nichts: nach 20 weiteren Minuten sind wir frei, spendieren eine kleine Flasche Brandy und gegenseitiges freundliches tschüss.
…wir machen Witze: evtl. ist es das Hobby der Fischer, Yachties zu fangen und gegen „Wegzoll“ wieder zu befreien.
Dann nach der Ausfahrt der Seestrasse erreichen wir den blau-grünen Atlantik. Schon der Anblick ist etwas besonderes nach dem trüben Flusswasser des Paraiba-Rivers. Vorerst wollen wir etwas Seeraum gewinnen, d.h. ca 20 – 30 sm hinausfahren, um den nachts an der 50 m-Tiefenlinie operierenden Fischerbooten auszuweichen. Wegen Gegenströmung, Schwach- und Gegenwind müssen wir viel den eisernen Spi (Motor) einsetzen.  An diesem und den folgenden 2 Tagen und Nächten bleibt uns dies erhalten. Zwischendurch scheint Wind aufzukommen, also Segel setzen, doch nichts oder oft nicht lange, also wieder bergen etc. Wir kommen gerade mal mit durchschn. 3.5 Knoten voran…wir haben ja Zeit…
Der frühe Donnerstag (01.00 Uhr) beginnt mühsam: es gibt etwas mehr Wind; um von der Küste wieder etwas weg zu kommen wollen/müssen wir aufkreuzen – dabei regnet es seit Stunden in Strömen – Winddreher zu unseren Ungunsten – Frachter von achtern aufkommend – mehrere Wenden – wieder drehende Winde – „segeln an Ort“ – volles Programm! Am Vormittag dann wieder Schwachwind, der um 15.00 vollends abstellt – zweite Gelegenheit um mit Schnorchel ausgerüstet und gesichert das Unterwasser steuerbords grob von Bewuchs (Kleinstmuscheln) zu befreien – die erste Gelegenheit hatte ich am 2.Tag bei Flaute ergriffen und die Backbordseite grob gereinigt – nach 1 Std bin ich selber ziemlich fertig aber die Nicone ist von den gröbsten Verunreinigungen befreit – sie sollte somit schneller werden…
Ein Zwischenhalt in Recife haben wir von Beginn weg wegen den dort bekannten  Sicherheitsproblemen für Segler ausser Betracht gelassen, haben unterdessen auch Maceio ausgelassen um Zeit zu sparen (Papiere/Behörden, Ankern, Dingi aufblasen und wieder verräumen)
Am Tag vier, bei Halbdistanz, nach viel trübem und regnerischen Wetter, schlechtem Schlaf wegen Turbulenzen, Wellen, Schaukeln weil zu wenig Wind, sowie Killen der Segel sind wir etwas müde und besorgt: Der Motor hatte seit der Wegfahrt in Jacare schlechte Leistung, was ich vorerst auf den Bewuchs am Unterwasser aber auch Gegenströmungen zurückführte – der Windpilot liess uns nach pos. Erfahrungen im Stich – die vor 3 Monaten revidierte Wasserpumpe leckte erneut (Wasser in der Bilge) – es könnte abenteuerlich werden auf den restlichen 250 sm, falls kaum Wind, evtl. Motorausfall und es würde schwierig, dem hier häufigen Frachtverkehr an der südamerikanischen Küste ausweichen zu können etc.
Aber dann am Abend setzt anständiger Wind mit 14 bis sogar 22 Knoten aus Ost ein und hält bis in die Morgenstunden an – es gibt uns das Gefühl „durch die Nacht zu fegen“, juhui!
5. Tag: trüb, häufige Regenschauer, Wind achterlich aus NE, mal schwach, mal kurz heftig, weshalb wir den Spi (Risiko) nicht setzen – Segeln mit dem autom. Piloten – benützen den Benzingenerator zum Laden der Batterien – Motor stottert; wagen ihn nicht mehr zu gebrauchen – am Abend scheint der Wind zuzunehmen, diesmal vom Festland her bzw. aus W – war aber nichts, er drehte auf E – für die Nacht: Passatsegel weg, Genua, gerefftes Gross und Besan an Steuerbord.
6. Tag: letzte Nacht ruhig verlaufen – um 03.00 als sich die Wellen glätten, Check von  Dieseltank und Vorfilter – scheint aber nicht das Motorproblem zu sein – 1 Std später Frachteralarm – genau auf uns zu – haben ½ Std Zeit um auszuweichen – diesmal mit inzwischen gutem Wind kein Problem – abfallen später wieder angeluvt – ganzer Tag trüb und mit Unterbrüchen Regen, Regen – am Nachmittag, wir führen gerade Gespräche über Übersinnliches im Familienkreis, als Möve Adolf (wir nennen sie so) bei uns landete und uns lange begleitete, indem sie immer wieder angeflogen kam und sich neben unserem Boot ins Wasser setzte. Etwas später haben wir noch eine Zeit lang Delfinbegleitung.
Um 16.00 dreht der Wind rassig auf, die Wellen werden höher und mit gereffter Genua, gerefftem Gross und Besan rauschen wir nun mit SE-Wind in die hereinbrechende Nacht. Es ist eine etwas gespenstische Szene: Nachtessen einnehmen neben laufendem und lärmigen Generator, Regen entfernte Blitze, Wellen, Gischt und Lichter vermutlich von versch. Fischerbooten – müssen auf diese aufpassen wegen Kursänderungen – um 21.00 heftige Gewitterfront mit dazugehörigen Böen – wegen gerefften Segeln und bewegter See haben wir die ganze Nacht nur mässige Geschwindigkeit bei Windspeed von 18 – 22 Knoten.
7. Tag: Um 05.00 sollte die Dämmerung einsetzen – es blieb aber wegen tief hangenden Wolken und Gewittern finster – wir sind etwas „abgekämpft“ – um 0700 Wind bei Anfahrt von Salvador (noch 15 sm) bei 26 – 28 Kn, Wellen 3.5 – 5 m, Sicht wegen grau-schwarzen Regenwänden nur 0.5 – 1sm. Bei diesen schwierigen Verhältnissen und der schwierigen Anfahrt wegen Sandbank, Frachter auf Kollisionskurs (nehme Funkkontakt auf – können uns nur auf AIS sehen), sowie wegen Legerwall standen auch schwierige Entscheide bevor: sollen wir südlich an der Sandbank vorbei oder über die Sandbank (voraussichtlich noch höhere Wellen) oder in Landnähe auf Legerwall die SW-Ecke von Salvador passieren, um in die geschützte Bucht zu gelangen? Der Frachter muss/nimmt südl- Kurs um Sandbank – wir fahren zuerst auf Sandbank zu um später noch entscheiden zu können, ob wir darüber fahren oder doch an der Engstelle, wo die Wellen zwar auflandig aus S sind, der Wind aber dort jetzt achterlich aus E weht. Nach einem kurzen aber heftigen Versuch die Sandbank doch noch südlich zu umsegeln – der Frachter auf Kollision dürfte bis dahin diese schon erreicht haben – entscheiden wir die Sandbank oberhalb der nördlichen Tonne zu überfahren um etwas Reservedistanz zur nahen Küste zu haben. Alles offenbar richtig gemacht – wir erreichen die Bucht in Lee zwar etwas „angeschlagen“ aber problemlos – der Motor funktionierte und brachte uns am Fort vorbei zur Marina „Terminal Nautica da Bahia“, wo wir nach 7 Tagen anlegten.
Dort lernen wir „Manfred von Milano“ kennen, der uns erste gute Tips gibt. Dann schlafen wir zuerst 2 Stunden und melden uns nachher in der Marina, wo wir weitere gute Tips erhalten.

Impressionen – Woche 20 11. – 18.05. 2009:
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Woche 18 und 19 / 27. April bis 10. Mai 09

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Zug nach Cabadelo

Pactor, Stromaus- und Regenfälle, Portugiesisch, Computer, Verkehrsmittel, Pläne, Entschleunigung

Zusammenfassungen aus dem Logbuch:
nach einer Woche Abwesenheit (Aotoreise) wieder heimisch gemacht auf dem Boot.
Haben mit Bootsnachbar Gerwald des Öfteren über Pactor bzw. Verbindungen über Kurzwelle diskutiert, Versuche angestellt und Erfahrungen ausgetauscht. Unsere technischen Einrichtungen mit Literaturempfehlungen verglichen und Differenzen gefunden, welche zu Störungen oder keinem Empfang führen können. Offenbar ist aber diese „Ecke der Welt“ ein allg. Problem für alle Segler, welche Paktor insbesondere für Wetterinfos benützen. Habe mich etwas vermehrt in die Funktechnik eingelesen – schwierig für Nicht-Techniker. Mein „Erfolgserlebnis“: nachdem ich die Kabelverbindung von der Antenne (Achterstag) zum Tuner erneuert hatte, konnte ich entgegen aller Erwartungen eine Verbindung mit Halifax herstellen und dies trotz vieler möglicher Störquellen durch die andern Boote und deren Geräte etc. – wie sich herausstellte war dies aber offenbar nur möglich weil am Steg der Strom und somit die meisten Störquellen ausgefallen waren und der Pactor mit dem Bordnetz arbeitete.
Von wegen elektrischem Strom: es gab und gibt rel. häufige Stromausfälle, was auch mit den starken Regenfällen zu tun haben dürfte, aber dies gehört hier zum Alltag und „man lebt damit“ – verglichen mit einer Meldung von einem 2 stündigen Stromausfall in der Stadt Biel war es dort eine Katastrophe und auch noch 2 Tage danach immer noch ein Medienthema…
Mit Helene, gebürtige Polin, aufgewachsen in Paris, spricht auch portugiesisch,  ist schon längere Zeit in Brasilien, lernen wir einige wichtige Alltagsphrasen in Portugiesisch – ganz selten findet sich jemand unter den Brasilianern, der eine zweite Sprache spricht (wenn dann evtl etwas englisch). Der Unterricht macht Spass, obwohl die Aussprache für uns mit den vielen nasalen Lauten schwierig ist.
Sind häufig im Internet sofern dies funktioniert, und damit mit zu Hause und der Welt verbunden. Unterdessen haben auch mehrere Bekannte Skype eingerichtet, so dass wir mit ihnen oder sie mit uns gratis sprechen können – schon phantastisch auch wenn die Verbindungen nicht immer 100%ig sind. Mit Marc habe ich hervorragende Hilfe von zu Hause aus, wenn bei uns Computerprobleme anstehen und dies geschieht doch ab und zu. Da auch navigationstechnische Programme über den Computer laufen, ist es wichtig dass diese auf Langfahrt auch zur Verfügung stehen. Dazu haben wir alles auf einem älteren Compi zusätzlich abgesichert. Aber manchmal werden wir von den technischen Anforderungen eingeholt – in diesen Fällen kann dann Marc von der Schweiz aus auf unsere Systeme zugreifen und via Skype können die Probleme besprochen bzw. gelöst werden.
Mit Zug oder Bus, dann zu Fuss sind wir jeweils unterwegs für Einkäufe in Jacare, Cabadelo oder Joao Pessoa. Es kann schon auch vorkommen, dass ein Zug wegen technischem Defekt ausfällt, was aber gelassen hingenommen wird. Dann machen sich die Leute halt zu Fuss auf den Weg. Auch das mit den Bussen ist so eine Sache:  Fahrpläne gibt es nicht; es fährt eigentlich immer mal einer, nur das Warten kann dauern. Beim Überqueren von Strassen ist grösste Vorsicht geboten – der motorisierte Verkehr hat immer Vortritt – ein Menschen- oder Tierleben gilt nicht eben viel!
–     Während ich häufig mit technischen Arbeiten im, am und ums Boot beschäftigt bin,  schaut Leena zum Bootshaushalt, backt  ab und zu – so dunkles Brot ist schon eine feine Abwechslung – macht Reiseplanvorschläge zu Lande und zu Wasser, behält unsere Finanzen im Griff, treibt Sprache voran, pflegt Kontakte via SMS, Skype, E-mails, pflegt den Skipper falls mal etwas weh tut und achtet auf gesunde Verpflegung.
Wenn es um längerfristige Planung geht, tut man gut daran, die Seehandbücher, Routen, Distanzen, zu welchen (Jahres-) Zeiten, vorherrschende Strömungen und Winde zu studieren und wenn möglich Informationen von Seglern, welche die Gebiete besucht haben einzubeziehen. Vieles ist dann möglich, einiges nicht und anderes als Variante. Verlässt man nun z.B. Brasilien in Richtung Norden, gibt es wegen den vorherrschenden Winden und Strömungen praktisch kein Zurück mehr auf derselben Route. Will man jetzt weiter südwärts segeln, wird bis September vorwiegend Gegenwind herrschen – nicht gerade ein Traum, hunderte oder mehr Seemeilen praktisch alles am Wind zu segeln.
Wir entscheiden uns vorerst ca 600 sm südwestwärts „um die Ecke“ nach Salvador mit seiner riesigen Bucht, Inseln und Flussgebiete zu segeln. Dort wollen wir einige Zeit verbleiben, um dann voraussichtlich wieder nordwärts zurück zu kehren. Später weiter aufwärts – Franz. Guyana – Surinam – Guyana – um im Nov/Dez die Insel Trinidad als Ausgangspunkt für die Karibik zu erreichen. Dabei lassen wir jedoch alles offen um auch für andere Pläne bereit zu sein.
So nach und nach beginnen wir uns an den brasilianischen Lebensrhythmus zu gewöhnen – verstehen tun wir ihn noch nicht so recht – müssen uns wohl noch mehr Hintergrundinformationen aneignen. Jedenfalls ist, verglichen mit der mitteleuropäischen Lebensweise, Entschleunigung angesagt. Was spielen denn zwei Stunden oder 1 Tag später für eine  Rolle… das Leben hier richtet sich vor allem nach  der Sonne, Mondphasen und Gezeiten… wir lernen… aber manchmal fragen wir uns schon, ob so viel Gelassenheit wie hier nötig überhaupt lernbar ist…

Impressionen – Woche 18 und 19 / 27. April bis 10. Mai 09:

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