Landausflug nach St. Marta und Minca

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Unser Bootsnachbar Oliver und seine Frau Jane von der SY Waka Tete erwähnen wie schön die Gegend um Santa Marta mit dem Nationalpark der Sierra Nevada sei.

Da unsere geplante Flugreise nach Peru für kurze Zeit zu aufwändig und teuer wäre, kommt uns ein Ausflug zum Fuss der Sierra Nevada de Santa Marta gerade recht.

Oliver offeriert uns auch noch zum Boot am Anker zu schauen und bringt uns mit seinem Dingi an Land – damit unser Dingi nicht die ganze Zeit dort am etwas lädierten Dingisteg im Schmutzwasser bleiben muss.

Eine fünfstündige Busfahrt führt uns an z.T. verslumten Orten, über Sumpf- und Grasland mit Rinderzucht und armselig wirkenden Fischerdörfern in praller Sonne und umgeben von Plastikabfall, nach Santa Marta.

Die Stadt mit langem gepflegtem Strand und Promenade wurde 1525 gegründet und war wichtiger Ausgangsort bei den Plünderungen des Goldes der Sierra Navada durch die Spanier. Später spielte Santa Maria nur noch eine Nebenrolle neben dem aufstrebenden Cartagena. Heute ist es touristischer Ausgangspunkt für das Küstengebiet und die Sierra Nevada de Santa Marta. U.a. entsteht zur Zeit eine Marina. Hier starb 1830 Simon Bolivar, der als Befreier von den 6 Latein-Amerika-Ländern Kolumbien, Equador, Panama, Peru, Venezuela und Gründer von Bolivien gilt.

Wir wollen unsererseits nach Strand- und Stadtrundgang morgen weiter nach Minca (Capital ecologica), geniessen noch ein feines Nachtessen – danach suchte mich ein junger Angestellter des Restaurants in den nächtlichen Strassen und brachte mir mein liegen gelassenes Portemonnaie samt Kreditkarte …! Wow!

Mit dem Taxi geht es für 30’000 Pesos (ca 20 CHF) zum ca 15 Km entfernten Minca hinauf das sich auf 600 müM befindet und am Fuss der Sierra Nevada de Santa Marta liegt. Es ist ein Bergdorf mit 600 Einwohnern, davon 330 Kinder. Auf der einen Seite hat man einen unerhörten Ausblick Richtung St Marta und Karibik, währenddem sich im Hintergrund der Pico Colon, der höchste Berg der Welt der sich mit über 5700 m direkt aus dem Meer erhebt. Die einheimischen Indianerstämme glauben, dass dieses Gebirge das Herz der Welt ist.

Bis vor 5 Jahren gab es in diesem Gebiet ständige Schiessereien zwischen Guerillas und Paramilitär. ZumTeil gibt es noch Unruhen im Grenzgebiet zu Panama, aber die Bosse und bekannten Mörder werden, wie schon Plakate auf der kolumbianischen Insel Providencia zeigten gnadenlos verfolgt. Heute ist es friedlich hier und dürfte auch so bleiben. Präsident Uribe – Anmerkung: heute sind Wahlen für einen neuen Präsidenten – hatte erreicht, dass Kolumbien von seinem Drogen- und Schiesserei-Image wegkommt, besonders indem Familien unterstützt wurden, statt Kokain Kaffee und Kakao anzubauen.

Wir beziehen Unterkunft in der ausserordentlich schönen und gastfreundlichen Finca Mirador bei Fernando und Margarita.

Die Temperatur hier oben ist mit der leichten Bergbrise und ca 5° weniger als an der Küste, sehr angenehm. Siesta in der Hängematte und dann Dorfbesichtigung: freundliche Leute, relativ sauber dank einem Freiwilligen Projekt, wie wir am nächsten Tag erfahren. Es gibt relativ viele Motorräder, da auf den ausgewaschenen, schlechten und steilen Strassen nur mit diesen oder mit Allradfahrzeugen schneller als zu Fuss vorwärts zu kommen ist.

Nach feinem Frühstück zusammen mit Julia und Nicolas, Medizinstudenten und zur Zeit Backpackers aus Nürnberg, wandern wir zu den Wasserfällen des Rio Minca, eine Gegend fast wie an der Grossen Emme zu Hause in der Schweiz, die mich an vergangene herrliche Kanufahrten erinnert.

Am Nachmittag kommt eine Gruppe junger Leute – Englisch, Spanisch, Deutsch, Holländisch und Schweizerdeutsch ist heraus zu hören – mit einheimischen Kindern zur Finca, wo sie diese unterrichten.

Es geht lebhaft zu und her und als die Kinder entlassen wurden, lernen wir die Leute kennen. Es handelt sich um ein Freiwilligen-Projekt, zu dem sie sich aus Freude an der Sache und dem Gefühl, dass sie hier gebraucht werden, zusammen gefunden haben – eigentlich hatten alle andere Pläne. Sie wollen besonders für die einheimischen Kinder – inzwischen wollen auch viele Erwachsene mitmachen – etwas tun. Die Schule fällt 2 von 5 Malen in der Woche aus und es gibt nichts……. Kein Wunder sind sie hoch motiviert um an diesem Projekt mit Sport, Englisch, Kunst, Theater, Handwerk, ökologischen Aktionen etc teilnehmen zu dürfen. Nicht alle können alles machen, es wären zu viele. Jedenfalls eine äusserst gute Sache wie uns scheint, welche ausgezeichnet angelaufen ist und sich in Zukunft etablieren wird. Es werden weitere Freiwillige und Gelder für Material gesucht. Die Initianten haben aus eigenen Mitteln Schulhefte (für 1 Euro gibt’s 3), 1 Ball, 1 Gitarre, und anderes gekauft. Wer mehr erfahren oder mit kleinem Beitrag helfen möchte, wende sich an: Benny.Benz@yahoo.de. Erfahren auch einiges über die engagierten Leute selbst. Einige müssen irgendwann wieder nach Hause (Studium, etc.), wollen wieder kommen oder haben Land gekauft wie der Schweizer Giuseppe, der hier mit seiner kolumbianischen Freundin sesshaft werden will.

Am nächsten Morgen führe ich noch ein Gespräch mit Benjamin, dem Träger des Projektes – evtl ergeben sich Möglichkeiten via Schweiz – werde am Ball bleiben…

Mit dem Moto-Taxi wollen wir hinauf – zu weit um zu Fuss zu gehen – zur Kaffeeverarbeitungs-Anlage. Das bedeutet aufwärts, je ein Motorradfahrer mit Leena und einer mit mir -später abwärts ist nur ein Fahrer nötig und zur Verfügung – also zu dritt hinunter. Jorge ist Betriebsleiter, Mechaniker und Elektriker in einem, zeigt uns die Kaffeeverarbeitungs-Anlage und erklärt uns detailliert und geduldig auf Spanisch den Betriebsablauf: die Kaffeebohnen kommen von den weiter oben gelegenen Plantagen auf dem Wasserweg durch Rohre zur Verarbeitung. Der ganze Vorgang erfolgt organisch wofür der kolumbianische Kaffee bekannt ist. Von hier weg erfolgt der Transport mit Lastwagen nach St Marta und Cartagena sowie per Schiff weiter nach Europa. Jorge ist erfreut darüber, dass wir Schweizer sind und erklärt mit Augenzwinkern, dass der elektrische Teil der Anlage schweiz. Herkunft sei.

Indessen macht mir die Sommergrippe Mühe – Leena geht es seit Tagen wieder bedeutend besser. Wir beschliessen jedenfalls zurück nach Cartagena zu fahren, um auch wegen den Präsidentschaftswahlen zurück auf dem Boot zu sein. Ein gewisses Mass an Zweifel, ob dies ruhig verläuft, spielt dabei eine Rolle. Unnötig wie sich dann zeigt, aber… z.B. wurde von Freitag bis Sonntag nirgends Alkohol verkauft und vermehrt waren Sicherheitskräfte zu sehen.

Mit Hans (Vater Deutscher, Mutter Kolumbianerin) dem fröhlichen und theatralischen Taxifahrer, den uns Giuseppe (Schweizer und Promotor Touristico) von Minca organisierte, ging’s vorerst nach St Marta zurück und am folgenden Tag mit dem Bus nach Cartagena zum Boot. Es ist immer eine Erleichterung das Boot unversehrt wieder anzutreffen, besonders wenn es vor Anker liegt – Oliver hat gut dazu geschaut.

Impressionen – Landausflug nach St. Marta und Minca:

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Von den San Blas Islands Panama nach Cartagena Kolumbien

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Am 3. Juni 0530 Dingi auf Deck und Aussenbordmotor unter Deck räumen und nach Kaffee und Sonnenaufgang nehmen wir Kurs nach Cartagena, knappe 200 sm ost-nordöstliche Richtung.

Wir rechnen mit variablem Wetter – „es findet statt“ – mehr schlecht als recht, wie sich herausstellen sollte. Segeln bei Schwachwind meist hoch am Wind, können aber beim Weg über Grund von 77° und nordöstlichen Winden (angesagt waren südöstliche) den Kurs nur mit leichter Motorunterstützung bewältigen.

Träge Delfine begleiten uns kurz – etwas später treibt ein Einbaumwrack knapp an der Wasseroberfläche 2 Bootslängen neben uns vorbei – nach dem Eindunkeln setzt sich ein Vogel aufs „blaue Band“ und bleibt bis in die Morgenstunden dort sitzen, was auch an seiner Hinterlassenschaft auf dem Deck zu sehen ist. Eigentlich war diese Fahrt mit dem weiteren Verlauf nichts Erhebendes – in der Nacht im vorderen Halbsegment überall Wetterleuchten – am Tag bei Schwachwind und schralender Tendenz wieder Höhe verloren – verstärke am Hals des stehenden Besansegels eine Naht, es funktioniert am besten auf diese Weise und geht so: Nadel mit Spezialwerkzeug von einer Seite her durch mehrere Lagen Segeltuch einstechen – sich bücken und unter dem Besanbaum auf die andere Seite wechseln – Nadel und Garn mit Zange durchziehen – neuer Einstich etc. – Dauer 2 h für knapp 60 Stiche – gute Fitnesslektion auf schwankendem Boot.

Nach 2 Nächten kommt in den frühen Morgenstunden am Horizont im Dunst die Skyline von Cartagena in Sicht – von denn Strohhütten zu den Wolkenkratzern – was für ein Kulturwechsel – leider auch Abschied von glasklarem Wasser zu schmutzig grüner Lagune – aber sonst ganz ok! In der grossen Bucht liegen ca. 40 SY vor Anker und bei unserer Ankunft kommen gleich unsere öesterreichischen Nachbarn zur Begrüssung herbei und geben uns erste Infos über was, wie und wo – tipp-topp.

Beeindruckende und beleuchtete Skyline in der Nacht – gut eschlafen – liegen verkehrt herum am Anker – das Boot sollte noch oft und manchmal heftig drehen – wie in den San Blas Islands ist auch an dieser Küste mit plötzlich drehenden Winden zu rechnen. Sind froh, den schwereren Anker unten zu haben.

Impressionen – Von den San Blas Islands Panama nach Cartagena Kolumbien:

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Bei den Kuna Yala Indianern

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Gestern sind wir hier bei Porvenier vor Anker gegangen – von Westen kommend ist es die erste Anlaufstelle der San Blas Islands.

Beim Einnachten war ständiges lautes Wasserplatschen ums Boot zu hören – dann entdeckten wir im Scheinwerferlicht Rochen, welche Luftsprünge machten – super Schauspiel!

Heute Sonntag 16. Mai wurden wir von zwei Männern in Ruderboot um 07.00 geweckt – wir müssten das Boot verlegen – wir seien direkt in der Anflugschneise des kleinen Flugplatzes von Porvenir – dann fällt uns auf, dass die andern vier hier vor Anker liegenden Yachten links und rechts der Ankerbucht liegen – um 10.00 kommt das Kleinflugzeug auf nur ca 6 m Höhe exakt über unseren vorherigen Ankerplatz, um gleich auf der 2 m über dem Meeresspiegel liegenden „Landepiste“ auf zu setzen…(Anmerkung: unser Hauptmast hat eine Länge von 18 m über Wasser). Der Flugplatz ist der einzige auf San Blas mit seinen über 300 kleinen Inseln und stellt eine Verbindung zu Panama-City her – es gibt täglich einen Flug, Wochentags um 07.00 – am Sonntag 10.00 – es sind jeweils plus/minus 10 Personen, meist Touristen die an- oder abfliegen (können).

Das Einklarieren ist unkompliziert und der nicht sofort erkennbare Beamte (T-Shirt, kurze Hose, Barfuss, ca 30 jährig, spricht Kuna Yala und etwas Spanisch) ist sehr freundlich und erledigt die Papiere innert Kürze.

Letzte Nacht und heute früh regnet es stark – wir sammeln Regenwasser – wasche mich an Deck und geniesse es im Regen zu stehen, der bald darauf aufhört und zu blauem Himmel und Sonne wechselt.

Ankerplatzwechsel zu den nächsten zwei Inseln mit Namen Wichubhuala und Nalunega – nur 2 sm entfernt – Pos. 09°33,0’ N – 078°57.1 W – es handelt sich um dicht bewohnte kleine Dörfer – es kommen mehrere Frauen-Kanus vorbei, um die berühmten Molas (Handstickereien mit verschiedenen Lagen von Tuch) zu verkaufen – auch Fischer und andere: kaufen 1 Mola, 1 Fisch und 2 Gallonen Benzin fürs Dingi – die Kinder fragen nach Caramello, Erwachsene z.T nach Fruchtsaft.

Einerseits gibt es hier ein beeindruckendes Umwelt-Management (Vorschriften), andererseits sehen wir bald den überreichten, leeren Fruchtsaftbeutel und Karamellpapiere auf dem Wasser treiben.

Es gibt hier im ziemlich belebten Teil um Isla Porvenir viel (Motor-) Bootverkehr von und zu den umliegenden Inseln: Ware, Schulkinder in Uniformen, Touristen werden transportiert.

Wir wollen in Wichubhuala etwas einkaufen und kommen uns fast wie Eindringlinge vor, als wir durch die engen Dorfpfade auf Sand zwischen den Strohhütten – meist sehr offen – durchgehen. Wage es nicht zu fotografieren. Die Leute sind freundlich aber eher zurückhaltend – meist tauen sie auf, wenn man ins Gespräch mit Händen und Füssen kommt oder etwas kauft oder hilft die schweren Einbäume aufs Ufer zu ziehen. Frauen in ihren bunten Kleidern (Indianertracht) verrichten Haushaltsarbeiten, waschen Kinder, sitzen und schwatzen vor den Hütten. Die meisten Männer sind wohl beim Fischen. Es gibt hier sogar eine Bäckerei und zwei Spezereiläden mit „Basics“, sowie farbigen Stoffen und Nähzeug, woraus die berühmten Molas in Handarbeit hergestellt werden. Eine qualitativ gute Mola – erkennbar an den ganz vielen kleinen Nadelstichen kostet je nach Motiv 15 – 20 $ und benötigt ein Tag und eine Nacht für die Herstellung, wie uns eine Einheimische erklärte.

„Hüpfen“ 2.5 sm weiter zur nächsten Inselgruppe, den Lemmon Cays. Bei der Anfahrt stellt sich wieder mal heraus, dass die Seekarte nur begrenzt stimmt – also eines von uns am Bug das andere am Steuer: Fahrt nach Beobachtung Wasserfarbe, Tiefe, bzw Richtungsweisung zwischen den Riffen durch.

15 SY plus 1 Motoryacht sind hier vor Anker in bereits gewohnter Umgebung kleiner Inseln, die äusserst sauber und gepflegt sind. Der Sandboden wird gereinigt – Schwemmholz gesammelt, Abfälle von Zeit zu Zeit verbrannt, Aludosen (Getränke praktisch nur so erhältlich) werden gesammelt und verkauft. Auf der Insel „Naguarchirdup“ (2 Strohhütten) gibt es neuerdings in der Strandbeiz-Strohhütte Internet – wohl der einzige Ort, von den über 300 Inseln auf San Blas, der über Internet verfügt. Ob die Moderne Einzug halten wird? Wohl nur begrenzt – siehe dazu Bericht „San Blas Islands – Kuna Yala Indianer-Land“.

Schnorcheln mit Rochen der 2m tiefer Runden zieht – Beobachten die glasklare Unterwasserwelt bei den Riffen vom Dingi aus – Versorgen uns mit Süsswasser aus Wasserloch bei Nachbarinsel „Miriadup“. Es kann auch leicht lästig werden, wenn dauernd Einheimische kommen und Ware feil bieten – meist wenn ich gerade meinen „Mittagsnuck“ mache tönt es dann: „Ola, ola – Mola – Caramello?“ (Kinder oder Mütter fragen danach – ja wir haben für solche Fälle) – Leena verhandelt…

Abends oft lesen – ab und zu Rösslistumpen oder Krumme Villiger, um Mücken zu vertreiben (;-).

Schlafe meist im Cockpit wo ein leichter Luftzug etwas Kühlung verschafft.

Nach 3 Tagen geht es 3 sm weiter zu den Chichime Cays, nur teilweise bewohnte Inseln in traumhafter Umgebung. Es herrscht ein relativ emsiges Treiben von kommenden und ablegenden Yachten. Hier etwas weiter draussen gibt es praktisch keine Mücken – es regnet oft – wieder Wassermanagement: Sammeln Regenwasser vom Bimini und Dingi – genug für Wäsche, Douchen und Wassertanks füllen. Am Abend ist viel Lärm: Spanisch sprechende Yachties reden in gewaltiger Lautstärke – eine Motoryacht lässt ganze Zeit den Motor oder Generator laufen – jemand ruft von Zeit zu Zeit nach Nicole (ist sie auf der Insel?) – viel und anhaltendes Hundegebell – später Trommeln auf einer der Inseln – Fackeln wirbeln durch die Luft – ein Ritual?

Ein Früchte- und Gemüse-Versorgungsboot hätte kommen sollen – haben noch 2 Äpfel und 1 Zitrone sonst aber eigentlich alles. Hören noch die Funkrunde des Panama Connection Net – neben Wetter, das erfahrungsgemäss sowieso zu 80 % nicht zutrifft, gibt es zwei bis drei echte Anliegen von Teilnehmern, viele wollen etwas sagen, das tönt etwa so: „you do a great job on the net“ (wird von freiwilligen Yachties geleitet)… thank you so much for that… the sea is here beautifull flat… Flecki (Hund) and I are on the SY… we wish every body a nice day… right now we’r sitting in the cockpit by breakfast and appreciate this lovely day…oh dear, that’s great (die andere hat einen Kuchen gebacken)… blah, blah, blah, no comment! Weil es Wind gibt starten wir, setzen aber für die kurze Strecke von 10 sm nur die Genua – es ist schwarz am Himmel – wissen nicht was kommen wird, freuen uns aber, dass es 15 Kn Wind aus S sind statt der 3 angesagten Knoten „variabel“. Auf Wetterprognosen ist hier an der Panamaküste kein Verlass – offenbar ist es schwierig im Zusammenhang mit der Festlandküste, den Bergen, Land- Seewind, Thermik, Regenfällen – alles kann sich sehr schnell verändern – verlässliche Prognosen zu erstellen. Eigentlich ist die einzige Konstante die, dass es nie den Prognosen entspricht (;-)… später mehr dazu.

Die nächste Inselgruppe die wir anfahren, sind die Western Holandes Cays. Auch hier gibt es wie bei den meisten Inselgruppen am Aussenriff ein Wrack – meist ein Frachter – Mahnmal und oft erlesenes Schnorchelrevier zugleich. Gehen im Lee der Insel Miriadiadup – einer der schönsten Plätze bis jetzt – vor Anker – sind alleine hier – Schnorcheln und Check des Ankers.

Anderntags fahren wir in das grosse daneben liegende Riffbecken mit heiklen engen Passagen – es soll dort Haie zu sehen geben. Die Sicht ist gut bei blauem Himmel. Nach dem Ankern kommt jedoch relativ starker Wind auf – ob der Anker hält? Die Sicht wird auch wegen Wellen schlechter – wir treten vorsichtig die Rückfahrt an – fahren aber gleichwohl nach 15 Minuten auf Grund – die Tiefe sollte hier laut 2 verschiedener Seekarten im Umkreis von ca. 20 m 3 – 6m Tiefe aufweisen, was für unsern Tiefgang von 1.85m und die Tide von 30 cm kein Problem wäre – einmal mehr: das Auge ist am zuverlässigsten (wenn es die äusseren Bedingungen erlauben) – kommen aber ohne Probleme kurz danach wieder frei. Etwas später sind wir wieder am alten Ankerplatz zurück. Beobachte schnorchelnder Weise das Verhalten des Ankers an relativ kurz gesteckter Kette (25 m bei 5 m Tiefe) als ihn Leena „einfährt“ – dabei geht dieser „wie durch Butter“ durch den Sand – werden wohl demnächst den Anker durch den schwereren auswechseln, da es die häufigen Situationen mit beschränkten Platzverhältnissen nicht immer erlauben, dass mehr Kette gesteckt werden kann.

Am Abend treffen Maureen und Ueli mit ihrer kleinen aber seetüchtigen „ Pandura“ ein – beim Sundowner tauschen wir Geschichten die das Leben schrieb – Maureen, Australierin, eine zierliche und erfahrene Skipperin und 10 Jahre allein und von Sydney Australien kommend auf den Weltmeeren unterwegs. Ueli ein Tessiner ehemals Deutscher verkaufte Haus und Geschäft – seit 2 Jahren sind sie verheiratet und gemeinsam unterwegs. Wir tauschen Erfahrungen und lustige Geschichten aus. Als wir u.a. auf Kuba und die mühsamen Behördenkontrollen zu sprechen kommen – geht man in die Stadt, muss man beim Verlassen und wieder Kommen in der Marina (Cienfuego) jedes Mal Taschen öffnen und zeigen – sagte sie, dass sie genug hatte, alles auspackte und lauthals sagte „here are my lipsticks, then the condoms and the tampons…“ die Behörden waren bestürzt und beim nächsten Mal wenn sie kam winkten sie ab.

Am folgenden Morgen noch gemeinsamer Kaffee und weitere Geschichten, dann herzliche Verabschiedung bis irgendwann und irgendwo. Wir segeln 11 sm weiter zur Inselgruppe der Coco Bandero Cays – wo es hinter einem langen Riff, schon fast selbstverständlich mit einem Wrack, kleine Inseln und 8 andere SY gibt. Darunter entdecken wir etwas versteckt hinter einer Insel die „forty-two“ – bekannt von Providencia und Shelterbay. Ausflug mit dem Dingi zum Wrack und am Abend BBQ mit den Seglern vor Ort auf einer der Inseln. Alle bringen etwas für alle – was für eine interessante Auswahl plus Geschichten aus verschiedenen Ecken der Welt.

Treffen Vorbereitungen zum Wechsel des Ankers – der 27 kg CQR wird ausgetauscht gegen den etwas zu schweren 48 Kg CQR (aber die neue stärkere Ankerwinsch wird es wohl schaffen) – warten windarmen Moment ab – ziehen Anker auf – ab- und umschäckeln, was nicht ganz einfach von statten geht – dann neu ankern et voilà, gerade richtig bevor eine wie immer willkommene Brise einsetzt. Gehe mit Carsten zum Schnorcheln – er harpuniert einen Fisch – zu klein für 2 Personen, erwischt aber keinen mehr. Wir tauschen noch Videos und machen Abendkino.

Alsdann wollen wir uns nach dem schönen Cartagena Kolumbien absetzen. Davor steht eine Rückfahrt zu den Lemmon Cays – wir wollen dort nochmals aufs Internet – dann nach Porvenir zum Ausklarieren und wieder zu den Holandes Cays wo nochmals Schnorcheln angesagt ist – traumhaft – bin ständig in einem grösseren Fischschwarm drin und etwas weiter begleiten mich 2 grosse Exemplare, dazu unerhört schöne Korallenwelt im glasklaren Wasser.

Dies werde ich in Cartagena wohl vermissen – das Wasser soll dort sehr schmutzig sein, so stark , dass wie einem Segler geschehen, der Motor nach 3 Wochen nicht mehr gestartet werden konnte, da Propeller und Welle derart zugepflastert waren, dass sie sich nicht mehr drehten (Anmerkung: nachweislich kein Seemannsgarn).

Impressionen – Bei den Kuna Yala Indianern:

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Vom Rio Chagres ostwärts nach San Blas

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Für die nächsten fünf Tage ist „kein / wenig“ Wind, oft etwas regnerisch, angesagt. Wir haben viel Zeit und ein gutes Gefühl dabei, dass wir unsere Pläne etwas auf Langsamkeit umgestellt haben – ist Langsamkeit doch lernbar (;-)? Wir planen auf dem Weg nach San Blas – Indianerland Kuna Yala – möglichst viele Ankerplätze anzulaufen.

Am 30. April steuern wir vom Rio Chagres herkommend die Isla Naranjo an und ankern hinter dem Riff.

Generell gilt es ab sofort vermehrt auf Untiefen bei der Anfahrt von Ankerplätzen in diesen Riffgebieten entlang der Küste Panamas zu achten – meist ist die An- bzw Riffdurchfahrt und Untiefen bei gutem Wetter und wenig Welle an der Farbe des Wassers erkennbar – auf elektronische Seekarten ist, wie wir feststellen, oft kein Verlass. Ausserdem ist es ratsam, Ankerplätze nicht spät oder im Gegenlicht der Sonne anzufahren. Vor Ort gibt es gelegentlich Platzmangel auf genügender Tiefe, weshalb wegen der häufg drehenden Winde dem Schwojeraum spezielle Beachtung geschenkt werden muss – z.T. mehrere Ankerversuche oder Platzwechsel sind beinahe die Regel.

Nun, wir sind alleine hier und haben genügend Platz – Lesen – Baden – Check des Unterwassers: ein Plastikfetzen im Propeller – das Wasser ist hier trüb, wohl wegen den Raffinerie-Anlagen von Colon – in den ersten Nachtstunden ist ein ständiges Plantschen von grossen Luftsprünge machenden Fischen zu hören. Im Nachhinein erfahren wir, dass der Platz, der nur von Dschungel umgeben ist, etwas unsicher sei – wir hätten aber auch aus einem ganz anderen Grund darauf verzichtet, hätten wir etwas von der Mückenplage hier gewusst.

Die folgenden 2 Tage ankern wir in der Bahia Buenaventura – hier lernen wir, den im Handbuch erwähnten „Hekke Perkele“ (finnischer Fluch) und seine Frau Maria – beide Finnen – kennen. Er hat von weitem unsere Finnenflagge gesehen und uns zu seinem Haus am Wasser herangewunken – Neben Englisch auch Gelegenheit Finnisch zu sprechen, wenn auch nur mit spärlicher Beteiligung meinerseits. Hier ihre Kurzgeschichte:

Sie besassen einen kleinen Frachter, den sie mit ihrer kleinen Tochter zu zweit navigierten. Trieben damit Handel in der Karibik und wurden hier sesshaft. Die Tochter haben sie anfänglich selber schulisch betreut – sie ist heute Biologin und arbeitet in Panama City – Hekke ist ein dynamischer Typ. Er kennt hier alles und jeden und arbeitet 2 – 3 Tage pro Woche an einem Wilderness-Institut und baut zusammen mit Maria an ihrem neuen Haus. Sie erlebten und erzählten von bewegter Zeit, mussten sich noch mit Pferden fortbewegen, da es noch keine Strassen für Autos gab. Den Frachter wie auch eine kleine Segelyacht verkauften sie an Panamesen, die damit nicht umzugehen verstanden und die Boote vernachlässigten. – nun liegen beide Boote als Wracks und als Erinnerung in unmittelbarer Nähe auf dem Riff vor dem Hause. Ob sie nie daran gedacht hätten nach Finnland zurück zu kehren – nein, nie, es sei dort zu kalt.

Nach 2 Tagen motoren wir 2.5 sm „um die Ecke“ und ankern unterhalb des Fortes San Fernando in der Bucht von Portobello – 15 SY sind verteilt vor Anker hier.

Columbus entdeckte die Bucht 1502. Durch die geeignete Lage und von 2 Forts geschützt entwickelte sich Portobello zum wichtigsten Handelsplatz für den Transport der süd- und zentralamerikanischen Reichtümer. Tonnen von Gold flossen dem spanischen Empire in Sevilla zu. Zwischen 1574 bis 1702 waren 45 Flotten von Galleonen unterwegs, jede mit nicht weniger als 3 Millionen Pesos an Reichtümern!

Auch hier begegnen wir wieder den Spuren des Piraten Henry Morgan, der die Stadt mit 460 Mann einnahm.

Der verschlafene Ort wirkt heute vernachlässigt und schmutzig. Die Kirche der schwarzen Christen von Portobello beherbergt den Schwarzen Jesus, eine Holzstatue von Jesus von Nazareth. Es werden ihr Wunder nachgesagt, weshalb sie heilig gesprochen wurde.

In 2 Tagen gab es hier viel Regen – die Flüsse bringen Schwemmholz und Schmutzwasser in die Bucht – die Wolken bleiben an den hohen Bergen hängen – wie in Luzern (;-) – und gilt als Spülbecken der Region – etwas weiter kann es gleichzeitig ganz passables Wetter geben.

Am 4. Mai beschliessen wir morgens der Küste entlang, zu dem 8 sm östlich entfernten Ankerplatz bei Isla Linton zu fahren. Weil kein Wind – seit einem Monat meist nur Schwachwind – und entsprechend Wetterprognosen, stellen wir uns auf Motorfahrt bei ruhiger See ein. Unterwegs wollen wir noch eine Ankerbucht und etwas weiter die Panamarina ansehen. Null-Wind bei Start – kaum aus der Bucht, zeigt sich schöner aufkommender Nordost mit 14 Knoten – also weshalb nicht auf Umweg bzw. mit einem langen Schlag auf die See hinaus und einer Wende nach Linton segeln statt Motor! – knappe 30 Min später haben wir 32 Kn und segeln mit stark gereffter Genua und Besan hart am Wind, jetzt bei ENE und kurzen Wellen von 2.5 m – eine Stunde später auch noch starke Gegenströmung (bekannt hier) und Raumen des Windes auf SE – d.h. es wird nichts mit dem zweiten Schlag nach Linton – Wind voll auf die Nase – unten fliegt einiges Material herum; das neue Dingi muss notfallmässig besser fixiert werden, weil es, obwohl an den Davits vertäut, teilweise die See touchiert Der Wind lässt etwas nach, die Wellen bleiben, wir haben die Segel geborgen und motoren Linton zu – dabei auf Buchtanfahrt und auf zwei Frachter aufpassen, die wohl wegen des unerwarteten Wetters nahe an der Küste entlang fahren. Als wir die schöne und gut geschützte Ankerbucht erreichen – es liegen hier mehr als 50 SY zur Zeit – hat der Wind weiter nachgelassen. Alles so geschehen innerhalb von 4 Stunden – genau die Zeit als wir unterwegs waren – dass die Wetterprognosen wieder mal, wie so oft hier daneben waren, konnte uns nichts anhaben – am meisten ärgerte uns das herumliegende nicht verstaute Material, aber es war auch gut so und hat uns gezeigt, dass wir uns von langen windlosen Perioden nicht einlullen lassen dürfen. Übrigens waren wir nicht die einzigen; einige Yachties wurden auch in der geschützten Bucht etwas geschüttelt und ein paar gingen auf Drift.

Die Tage hier am Anker verfliegen nur so:

Finden endlich heraus, woher das Salzwasser unter der Pantry herrührt – es ist die Fusspumpe, die immer mehr rinnt, was nun bei Betätigung sicht- und fühlbar wird. Also wenn’s nur das ist… andere Pumpe anhängen, dann ist ein Problem das uns seit langem beschäftigte erledigt.

Oelwechsel, Einbau eines Ventilators für das Kühlaggregat der Kühlbox, Weiterarbeit am Jordan-Series.Drogue (Treibanker-System), geben Roman, einem ausgezeichneten Segelmacher, unsere Genua für Check und Nachnähen einiger Stellen, erledigen viele Kontakte via E-mail , Logbuch nachführen, Reiseberichte, Fotobearbeitung etc.

Werden Zeugen von allerlei Manöver welche beim An- und Ablegen, oder bei Drift erfolgen. Beobachten eine Yacht, mehr segelndes Wrack, wie sie hinter dem Riff herumgurkt – hat wohl wenig Ahnung vom Segeln. Beim Näherkommen stellt sich heraus, dass es ein junger Einheimischer ist, der englisch spricht und eine vor Jahren gestrandete SY wieder „fahrbar“ gemacht hat – ohne Gross, mässig passender Genua und Kuttersegel, ohne Motor, keine Ankerwinsch für das immerhin ca. 8 Tonnen schwere Boot. Ankern unter Segel und singel hand also sowieso nicht ganz einfach. Er löst es so, dass er wie die Einheimischen mit ihren mit Segel ausgerüsteten Kanus unter Segel zum Ankerplatz fährt, dann mit einem Heckanker (haben Einbäume nicht) das unter Vorwind fahrende Boot abbremst, dann die Segel birgt etc. Mit 3 Dingis (andere haben es ebenfalls beobachtet) helfen wir das Boot vor Anker zu bringen. Na ja… wir haben ja alle auch mal mit Segeln begonnen… aber… in diesem Fall… Am nächsten Morgen ist er ganz in unsere Nähe abgedriftet. Er beginnt bei ordentlichem Wind Segel zu setzen. Ich frage, ob er Hilfe benötige und was er im Sinne hätte… er wolle nach Portobello (ca 8 sm) segeln und ja, eventuell wäre er froh um Hilfe beim Ablegen… wenn das nur gut geht… da es nicht sinnvoll gewesen wäre ihn davon abzubringen und der Wind mit NE aus der richtigen Richtung steht, unterstützen wir zusammen mit der kleinen Dingi-Flotte (3 Dingis – wir kennen uns und ihn bereits) seine Bemühungen etwas Freiraum zu bekommen. Dann kann er Segel setzen, dankt uns und strahlt als er ganz flott aus der Bucht fährt…

Mit dem Dingi fahren wir eines Tages durch den Dingi-Pass. Es handelt sich um einen Wasserweg, der innerhalb der Küste Linton mit der Panamarina verbindet: heikle Riffpassage, dann Dschungelgebiet und etwas später ein von Mangroven überdachter, enger Wasserlauf der zur gut geschützten Panamarina führt, die von einem franz. Seglerpaar unterhalten wird. Die Marina eignet sich gut um das Boot bei Abwesenheit in Sicherheit zu wissen, nicht aber um selber längere Zeit dort zu bleiben, wegen Mücken, Mücken… wir machen eine prov. Reservation für später, gehen aufs Internet und fahren am Abend zurück durch die „Alte Aare“ (;-) bzw den Dingipass. Ein Waschbär überquert über uns lässig die Mangrovenbrücke in dem Moment als wir passieren!

Bei Rückkehr hat unterdessen ein Schweizerboot neben uns geankert – ein Ex-Bieler, wie sich beim Sundowner herausstellt! Ist eigentlich das ganze Seeland in der Karibik unterwegs – wir kennen nun bereits einige aus der Region Biel die mit Segelbooten in der Gegend cruisen.

Eines Morgens stehen wir früh an der Bushaltestelle um nach Colon zu fahren und Einkäufe zu tätigen – eine vorbeigehende Frau teilt uns mit, dass der Bus bereits durchgefahren sei – 20 Min früher als sonst – einfach so – südamerikanisch halt. Da die Busse nur spärlich fahren, machen wir stattdessen einen Dingi-Ausflug zur Isla Grande, so etwas wie eine Ferien- und Touristeninsel mit schwieriger Riffzufahrt, einem Super-Surfspot, schönen Häusern und Pfaden entlang des Wassers und zum Leuchtturm.

Wir lesen viel und sind auch mal einfach so vor Anker bis es uns (mich etwas mehr) weitertreibt. Dann Planung für nächsten Tag – trotz trübem regnerischem Wetter legen wir am 10.5. ab. Kurs Ost, mit den Optionen, Halt bei der Green Turtle Bay und oder bei Miramar oder allenfalls zurück nach Linton. Vorerst Wind mit 19-20 Kn auf die Nase (damit rechneten wir), dann am Wind und gegen ziemliche Welle zur Turtle Bay – einem schönen aber auch gefährlichen Ort – fahren bei starken Wellen in die Riff besetzte Bucht, wieder hinaus und segeln weiter nach Miramar – dort dasselbe: diesmal ankern wir direkt am Riff, vorher noch ein Versuch in die enge geschützte Passage einzufahren – Wenden nicht möglich und Untiefen – es meldet sich niemand am Funk, also 17.5 sm zurück nach Linton – Weiterfahrt nach San Blas wäre „strafbar“, würden wir doch erst beim Einnachten ins dortige Riffgebiet einfahren. Sodann feines Segeln mit raumem Wind um 15 Kn zurück nach Linton. Wieder am Anker können wir feststellen, dass die Rückkehr ein guter Entscheid und das Ganze ein gutes Erlebnis war. Dies verstärkte sich noch als in der folgenden Nacht heftige Böen durch die Bucht fegten – war 3 x (wie andere Segler auch) auf Ankerwache und am folgenden Morgen war eine unbesetzte, schon früher abgedriftete Yacht weiter draussen in der Bucht…

Fuhren mal nach Panama-City mit dem Bus – dh 1 ½ Std Busfahrt nach Colon (2.50 $ pro Person), umsteigen, dann mit Überlandbus nochmals 1 ½ Std nach Panama-City (2.50 $ / Person). An diesem Tag hätten wir gerne die Windjammerflotte in Colon gesehen, welche aus Anlass „100 Jahre freies Südamerika“ von Rio via Cap Horn und versch. Zwischenhalten im Pazifik, heute durch den Panamakanal in den Atlantik kommen sollte – alles war unklar – niemand wusste genaueres – und den letzten Bus nach Linton wollten wir nicht verpassen – also blieb es bei kleinen Einkäufen – andern Seglern erging es ebenso – schade war doch das Ereignis gross angekündigt worden in der Touristenzeitschrift.

Am nächsten Morgen – ich schreibe Berichte und höre Funk, als die Meldung kommt: „… there’s a boat aground – I guess they need help…“ durch das Fernglas sehe ich die amerik. Sy bei den Riffen der heiklen Durchfahrt zur Isla Grande. Als ich mit dem Dingi dort eintreffe, sind bereits 3 andere da – die 48 Fuss-Yacht ist ziemlich arg aufgefahren: stossen mit allen Dingis nützt nichts, auch durch Ziehen an Fall von Masttop mit einem Dingi, die andern stossen, reicht nicht. Ein 5. Dingi kam hinzu (nun waren es 3 à 15 PS, 1 mit 8 PS und 1 mit 2 PS). Sodann ziehen 2 Dingis vom Masttop her um den Neigungswinkel zu vergrössern, 3 stossen in Bugnähe während die Yacht selbst Vollast vorwärts gibt. Diese Aktion führte nach etwas mehr als einer Std zur Erleichterung des Skippers zum Erfolg. Ich durfte es auch als persönliche Genugtuung verbuchen: es war „Rat eines Schweizers unter Amis“- frei übersetzt „eines Freundes unter Freunden“ (;-).

Nach dieser lebendigen Zeit und nach längerer und trüber Wetterperiode mit viel Regen, wollen wir weiter – Das Wetter soll sich bessern, jedoch ist kaum Wind zu erwarten. Wir befürchten, dass wir die 45 sm nach San Blas vor allem mit Motor bewältigen müssen.

Am 15.5. 0600 legen wir ab – es gibt schönen Wind – leider von der falsche Richtung.

Statt schwachen WNW 5 Kn gibt es ENE 15 Kn, Gegenströmung und Welle 2 – 2.5 m – alles gegen uns – die Option umzukehren verschieben wir auf später. 3.5 Std später dreht der Wind leicht nördlich – ob er anhält? – setzen Genua und Besan und etwas später auch das Gross – es wird immer besser. Wind jetzt aus N. Nach schöner Fahrt nehmen wir die „sichere Anfahrtsroute“ von Osten her und ankern bei Porvenier.

Nun sind wir also in Kuna Yala – Indianersprache für San Blas, worüber wir soviel gehört und gelesen haben, in mitten einer Umgebung von Riffen, kleinen Palmen-Inseln mit Strohhütten und sauberem klarem Wasser – kaum angekommen, paddeln zwei Mädchen mit einem Einbaumkanu und kleinem Kind herbei, um freundlich und ernst Mangos und Avocados zu verkaufen.

Impressionen – Vom Rio Chagres ostwärts nach San Blas:

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Im Rio Chagres

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Der befahrbare Teil des Rio Chagres liegt nur unweit südwestlich der Shelterbay (Marina). Der längste Fluss Panamas ist eng verbunden mit der Geschichte von Pionieren bevor die Panama Railroad gebaut wurde, sowie im Zusammenhang mit dem Bau des Panamakanals.

„Der Rio Chagres hat mehr Gold gesehen als alle Flüsse der Welt zusammen“…

1910 wurde der Fluss eingedämmt und bildet seither den Gatunsee, dessen Wasser zum Betrieb der Schleusen des Panamakanals verwendet wird. 6 Seemeilen sind von See her kommend bis knapp unterhalb des Gatun-Staudamms navigierbar.

Am 28. April fahren wir mit dem Frühbus von der Shelterbay-Marina nach Colon und klarieren aus. Dort man nimmt sich Zeit – im Büro sind 7 Angestellte – alle tratschen kreuz und quer, lesen Zeitung etc. – eine Person bedient uns als wäre dies das erste mal… – dann zurück und wir verabschieden uns von verschiedenen Bekannten.

Ablegen und Ausfahrt durch die Wellenbrecher, sodann „scharf links“ – wegen Schwachwind fahren wir mit Motor und teilweiser Unterstützung durch die Genua und erreichen nach ca 10 Seemeilen am frühen Nachmittag die wegen Riffen, Brandung und Untiefen heikle Einfahrt in die Flussmündung. Über dieser trohnt die Ruine von Fort San Lorenzo. Die relativ ruhige See und die exakten Waypoints erlauben eine aufregende aber schliesslich problemlose Einfahrt in den Rio Chagres, der alsdann bis hinauf zum Gatunstaudamm und zu den Ufern hin eine Tiefe von 6 – 10 m aufweist.

Es ist ein mystischer Ort im Dschungel. Die Stille wird ab und zu von Tierlauten, besonders dem Gebrüll von Brüllaffen, die man aber nicht zu Gesicht bekommt, unterbrochen. Wir fahren flussaufwärts – treffen unterwegs einen vor Anker liegenden Catamaran und sehen kurz darauf erstmals ein frei lebendes Krokodil, das aber bevor ich den Fotoapparat bereit habe, in ca 30 m Distanz vor uns abtaucht. Beim Staudamm treten wir die Rückfahrt an und ankern am Abend in der Nähe des Cats und lassen dort das etwas mystische Ambiente auf uns einwirken.

Beim Eindunkeln sind die Grillen zu hören, nachher ist es absolut still…stiller geht nicht! Wir schlafen ausgezeichnet und ohne Mückenplage, die wir befürchtet hatten.

Am nächsten Vormittag regnet es eine knappe Stunde wie aus Kübeln – wir sammeln 20 Lt „kühles“ Regenwasser ein und verlassen am Mittag den absolut ruhigen Ankerplatz und fahren bis zum Mündungsbecken zurück, wo wir in 500 m Distanz zum Fort Lorenzo erneut vor Anker gehen. Dort probieren wir unser neues Dingi aus, gehen an Land und besuchen nach einem kurzen Umweg und Fussmarsch das Fort San Lorenzo.

Zu dessen Geschichte: Es wurde im Auftrag vom spanischen König Phillip II zur Befestigung bzw zum Schutz gegen Piraten erbaut. Aber knapp 50 Jahre später begegnet man hier wiederum dem Seeräüber Henry Morgan. Ein Plakat weiss folgendes zu berichten: Er eroberte 1670 das Fort als ersten Schritt auf dem Weg nach Panama City – nur 30 von über 300 Spaniern überlebten – er liess 500 Mann zur Bewachung, sowie 150 Mann in Schiffen im Rio Chagres zurück und machte sich mit 1200 Mann ! auf die schwierige Reise durch den Rio Chagres dann durch den Camino del Cruces – attakierte und zerstörte Panama City – kehrte zum Fort San Lorenzo zurück – verteilte die Beute und zerstörte das Fort.

Wir bleiben noch eine Nacht im Rio Chagres bevor wir unsere Reise ein Stück zurück in nordöstlicher Richtung mit späterem Ziel San-Blas-Inseln fortsetzen.

Ipmpressionen – Im Rio Chagres:

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