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Unser Bootsnachbar Oliver und seine Frau Jane von der SY Waka Tete erwähnen wie schön die Gegend um Santa Marta mit dem Nationalpark der Sierra Nevada sei.
Da unsere geplante Flugreise nach Peru für kurze Zeit zu aufwändig und teuer wäre, kommt uns ein Ausflug zum Fuss der Sierra Nevada de Santa Marta gerade recht.
Oliver offeriert uns auch noch zum Boot am Anker zu schauen und bringt uns mit seinem Dingi an Land – damit unser Dingi nicht die ganze Zeit dort am etwas lädierten Dingisteg im Schmutzwasser bleiben muss.
Eine fünfstündige Busfahrt führt uns an z.T. verslumten Orten, über Sumpf- und Grasland mit Rinderzucht und armselig wirkenden Fischerdörfern in praller Sonne und umgeben von Plastikabfall, nach Santa Marta.
Die Stadt mit langem gepflegtem Strand und Promenade wurde 1525 gegründet und war wichtiger Ausgangsort bei den Plünderungen des Goldes der Sierra Navada durch die Spanier. Später spielte Santa Maria nur noch eine Nebenrolle neben dem aufstrebenden Cartagena. Heute ist es touristischer Ausgangspunkt für das Küstengebiet und die Sierra Nevada de Santa Marta. U.a. entsteht zur Zeit eine Marina. Hier starb 1830 Simon Bolivar, der als Befreier von den 6 Latein-Amerika-Ländern Kolumbien, Equador, Panama, Peru, Venezuela und Gründer von Bolivien gilt.
Wir wollen unsererseits nach Strand- und Stadtrundgang morgen weiter nach Minca (Capital ecologica), geniessen noch ein feines Nachtessen – danach suchte mich ein junger Angestellter des Restaurants in den nächtlichen Strassen und brachte mir mein liegen gelassenes Portemonnaie samt Kreditkarte …! Wow!
Mit dem Taxi geht es für 30’000 Pesos (ca 20 CHF) zum ca 15 Km entfernten Minca hinauf das sich auf 600 müM befindet und am Fuss der Sierra Nevada de Santa Marta liegt. Es ist ein Bergdorf mit 600 Einwohnern, davon 330 Kinder. Auf der einen Seite hat man einen unerhörten Ausblick Richtung St Marta und Karibik, währenddem sich im Hintergrund der Pico Colon, der höchste Berg der Welt der sich mit über 5700 m direkt aus dem Meer erhebt. Die einheimischen Indianerstämme glauben, dass dieses Gebirge das Herz der Welt ist.
Bis vor 5 Jahren gab es in diesem Gebiet ständige Schiessereien zwischen Guerillas und Paramilitär. ZumTeil gibt es noch Unruhen im Grenzgebiet zu Panama, aber die Bosse und bekannten Mörder werden, wie schon Plakate auf der kolumbianischen Insel Providencia zeigten gnadenlos verfolgt. Heute ist es friedlich hier und dürfte auch so bleiben. Präsident Uribe – Anmerkung: heute sind Wahlen für einen neuen Präsidenten – hatte erreicht, dass Kolumbien von seinem Drogen- und Schiesserei-Image wegkommt, besonders indem Familien unterstützt wurden, statt Kokain Kaffee und Kakao anzubauen.
Wir beziehen Unterkunft in der ausserordentlich schönen und gastfreundlichen Finca Mirador bei Fernando und Margarita.
Die Temperatur hier oben ist mit der leichten Bergbrise und ca 5° weniger als an der Küste, sehr angenehm. Siesta in der Hängematte und dann Dorfbesichtigung: freundliche Leute, relativ sauber dank einem Freiwilligen Projekt, wie wir am nächsten Tag erfahren. Es gibt relativ viele Motorräder, da auf den ausgewaschenen, schlechten und steilen Strassen nur mit diesen oder mit Allradfahrzeugen schneller als zu Fuss vorwärts zu kommen ist.
Nach feinem Frühstück zusammen mit Julia und Nicolas, Medizinstudenten und zur Zeit Backpackers aus Nürnberg, wandern wir zu den Wasserfällen des Rio Minca, eine Gegend fast wie an der Grossen Emme zu Hause in der Schweiz, die mich an vergangene herrliche Kanufahrten erinnert.
Am Nachmittag kommt eine Gruppe junger Leute – Englisch, Spanisch, Deutsch, Holländisch und Schweizerdeutsch ist heraus zu hören – mit einheimischen Kindern zur Finca, wo sie diese unterrichten.
Es geht lebhaft zu und her und als die Kinder entlassen wurden, lernen wir die Leute kennen. Es handelt sich um ein Freiwilligen-Projekt, zu dem sie sich aus Freude an der Sache und dem Gefühl, dass sie hier gebraucht werden, zusammen gefunden haben – eigentlich hatten alle andere Pläne. Sie wollen besonders für die einheimischen Kinder – inzwischen wollen auch viele Erwachsene mitmachen – etwas tun. Die Schule fällt 2 von 5 Malen in der Woche aus und es gibt nichts……. Kein Wunder sind sie hoch motiviert um an diesem Projekt mit Sport, Englisch, Kunst, Theater, Handwerk, ökologischen Aktionen etc teilnehmen zu dürfen. Nicht alle können alles machen, es wären zu viele. Jedenfalls eine äusserst gute Sache wie uns scheint, welche ausgezeichnet angelaufen ist und sich in Zukunft etablieren wird. Es werden weitere Freiwillige und Gelder für Material gesucht. Die Initianten haben aus eigenen Mitteln Schulhefte (für 1 Euro gibt’s 3), 1 Ball, 1 Gitarre, und anderes gekauft. Wer mehr erfahren oder mit kleinem Beitrag helfen möchte, wende sich an: Benny.Benz@yahoo.de. Erfahren auch einiges über die engagierten Leute selbst. Einige müssen irgendwann wieder nach Hause (Studium, etc.), wollen wieder kommen oder haben Land gekauft wie der Schweizer Giuseppe, der hier mit seiner kolumbianischen Freundin sesshaft werden will.
Am nächsten Morgen führe ich noch ein Gespräch mit Benjamin, dem Träger des Projektes – evtl ergeben sich Möglichkeiten via Schweiz – werde am Ball bleiben…
Mit dem Moto-Taxi wollen wir hinauf – zu weit um zu Fuss zu gehen – zur Kaffeeverarbeitungs-Anlage. Das bedeutet aufwärts, je ein Motorradfahrer mit Leena und einer mit mir -später abwärts ist nur ein Fahrer nötig und zur Verfügung – also zu dritt hinunter. Jorge ist Betriebsleiter, Mechaniker und Elektriker in einem, zeigt uns die Kaffeeverarbeitungs-Anlage und erklärt uns detailliert und geduldig auf Spanisch den Betriebsablauf: die Kaffeebohnen kommen von den weiter oben gelegenen Plantagen auf dem Wasserweg durch Rohre zur Verarbeitung. Der ganze Vorgang erfolgt organisch wofür der kolumbianische Kaffee bekannt ist. Von hier weg erfolgt der Transport mit Lastwagen nach St Marta und Cartagena sowie per Schiff weiter nach Europa. Jorge ist erfreut darüber, dass wir Schweizer sind und erklärt mit Augenzwinkern, dass der elektrische Teil der Anlage schweiz. Herkunft sei.
Indessen macht mir die Sommergrippe Mühe – Leena geht es seit Tagen wieder bedeutend besser. Wir beschliessen jedenfalls zurück nach Cartagena zu fahren, um auch wegen den Präsidentschaftswahlen zurück auf dem Boot zu sein. Ein gewisses Mass an Zweifel, ob dies ruhig verläuft, spielt dabei eine Rolle. Unnötig wie sich dann zeigt, aber… z.B. wurde von Freitag bis Sonntag nirgends Alkohol verkauft und vermehrt waren Sicherheitskräfte zu sehen.
Mit Hans (Vater Deutscher, Mutter Kolumbianerin) dem fröhlichen und theatralischen Taxifahrer, den uns Giuseppe (Schweizer und Promotor Touristico) von Minca organisierte, ging’s vorerst nach St Marta zurück und am folgenden Tag mit dem Bus nach Cartagena zum Boot. Es ist immer eine Erleichterung das Boot unversehrt wieder anzutreffen, besonders wenn es vor Anker liegt – Oliver hat gut dazu geschaut.
Impressionen – Landausflug nach St. Marta und Minca:
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