Panama, vom 17.Sept. bis 9.Okt. 2010

mit Besuch nochmals im Indianerland Kuna Yala

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Tagebuch eines Segel-Greenhorns auf der SY Nicone      
von Alfred Heimgartner

 

Zur Einleitung und quasi als Vorwarnung hatte ich zur Kenntnis genommen: in Europa ist alles tipp topp organisiert und funktioniert bestens, in Panama soll vom Verkehr übers Wetter bis zur Bürokratie einiges unplanmässig und teilweise etwas chaotisch sein.

Gut! so soll es sein! denke ich als Neurentner und vogelfreier Opa, als ich mich aus Zürichs Vergnügungsviertel (sprich Baden) via Stuttgart in Richtung Zentralamerika aufmachte.

Was hier in der Folge zu lesen ist, ist eine unvollständige Aneinanderreihung von Erlebnissen. Profi-Segler mögen mir meine mangelnde Sachkenntnis verzeihen, Irrtümer bei Ortsangaben, mangelnde Sprachkenntnisse, geographische „Verschiebungen“ können als Beweis herhalten, wie entspannt und frei ich mich in dieser Zeit mit Leena und Peter auf ihrer 41 Fuss langen und 16 Tonnen schweren 2 mastigen Segelyacht gefühlt habe.

 

Freitag,17.Sept. 10

Abflug in Stuttgart aus unbekannten Gründen mit 45 Minuten Verspätung (eigentlich klappt ja alles bestens in Europa….)

…… und als Folge davon absoluter Transferstress in Amsterdams Schipol Airport, keine Infos, deshalb Sprint durch Terminals, Kontrollen Rollbänder, sorry, ..excuse me…, excuse me…, sorry…, bis zum Zoll, no hurry, das Gate ist bereits closed… sch….. darf nicht sein,  letzte Energiereserven, letzter Sprint, Terminal E, Gate 7  : „Gate closed…  Letzte Anwesende Person greift zum Telefon, dann ein Nicken :“Sie können an Bord gehen“……

Das war mein Abschied von Europa, übrigens nochmals nach einer 40 minütigen Wartezeit im Flugzeug wo doch eigentlich alles perfekt klappt.

Panama Airport Tocumen: Anflug mit 15 minütiger Warteschlaufe, Gepäckempfang auf Nachfrage mit Verspätung im zweiten Paket……. Endlich angekommen !

Und dann: mein Privattaxi „Alfred“ wartet geduldig, fährt mich in dunkler Nacht durch Panamas Verkehrschaos, vorbei an Zahlstellen, Polizeikontrollen auf der Autobahn, überqueren bei den Gatunschleusen den Panamakanal. Roger, mein Driver erzählt mir unterdessen seine jüngere Lebensgeschichte, hält zwischendurch bei einer Tankstelle an um sein Vehikel in fahrtüchtigem Zustand zu halten und zwischen der Hafenstadt Colon und Shelterbay-Marina spricht er vom Dschungel links und rechts der Strasse, etwas später passieren wir eine Militärkontrolle und viele zerfallene Gebäude einer früheren amerikanischen Miltärbasis. Die ca. 2 stündige Fahrt für 75 Dollar fühlte sich kurz wie 15 Minuten an und der Empfang von Leena und Peter war herzlich. Obwohl wir uns mehrere Jahre nicht gesehen hatten, kam es mir vor, als  hätte ich sie erst gestern am Wohnsitz in der Schweiz verlassen.

Nachtessen und erste Nacht auf der Nicone in der Shelterbay-Marina, dem „Tor zum Pacific“.

 

Samstag, 18.Sept.10

Die Shelterbay-Marina liegt auf der Atlantikseite an der Einfahrt in den Panamakanal.

Aufwachen – Frühstück – mich zurechtfinden auf der Nicone – Verlassen der Marina – Diesel auftanken am Tankschiff mit heftigem Disput mit dem Tankwart. Die Tankstelle gleicht weniger einer Zapfsäule als einem BP Bohrloch im Golf von Mexico. Ablegen und Fahrt durch den Wellenbrecher hinaus, der Zu- und Ausfahrt des Panamakanals mit den wartenden Riesenpots und dann…

Mein erster grösserer Segeltörn beginnt. Wir haben laut Peters Aussage seit langem wieder einmal fast perfekte Segelbedingungen (wenn Engel reisen so lacht der Himmel  ;-)).

Mit Vollbesegelung, will heissen Genua, Grosssegel und Besan, rauschen wir mit Halbwind Richtung Ost unserem Reiseziel entgegen. Bis zu 7,1 Knoten zeigt die Geschwindigkeitsanzeige. Nach ca. 4 Stunden erreichen wir bei abnehmendem Wind unseren Ankerplatz in der Bahia Buenaventura.

Am späteren Nachmittag treffen wir Heikki „perkele“, ein Finne der schon lange mit seiner Frau hier wohnt. Wir fahren mit ihm im Dingi zum Riff und ich geniesse meinen ersten Schnorcheltrip in den Gewässern von Panama.

 

Sonntag, 19.Sept.10

Versuch eines kleinen Segeltörns > Wind flaut ab und wir tuckern nach Portobello, einer geschichtsträchtigen Ankerbucht ein paar Seemeilen östlich. Die Kanonen und Ruinen eines zerfallenen Forts zeugen von den Schlachten und Seeräubern nach den Zeiten Kolumbus, spanischen Eroberungen und Golddiebstählen.

Ein paar Delphine besuchen uns – und dann gibt unser Dieselmotor den Geist auf. Vergebliche Suche nach Fehlerquellen, nach einer Stunde läuft er wieder, warum weiss niemand. Heikki lädt uns für morgen zu einem kleinen Trekking ein. Ein starker Regenguss lässt alles ringsherum für Momente von der Bildfläche verschwinden.

 

Montag, 20.Sept.10

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Dschungeltrekking mit Heikki, der für einen Nationalpark tätig ist:

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Frühmorgens Autofahrt via Colon in die Hügel zu „seiner“ Forschungsstation. Abenteuerliche ca. 1 ½ stündige Fahrt auf fast unbefahrbarem Weg. Unterwegs nehmen wir einen Einheimischen mit.

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Der alte Mann ist nach einem Einkauf zu Fuss mit zwei Tragtaschen auf dem ca 4-stündigen Heimweg.

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Infos über die Forschungsstation > beobachten der Tier- und Pflanzenwelt, dokumentieren und Schutz derselben. Dann zu Fuss ab in den Dschungel um eine Fotofalle aufzustellen. Antonio, sein Helfer hat eine Schneise geschlagen, um in den Wald einzudringen. Wir sichten u.a. Jaguar- und Pumaspuren.
Auf dem Heimweg machen wir einen Lunch-Stopp und kleine Einkäufe in einem Einkaufcenter. Nach unserer Rückkehr geht es ohne Wind, dafür mit  stark einsetzendem Regen unter Motor zurück an den Ankerplatz nach Portobello, .

 

Dienstag, 21.Sept. 10

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Fahrt mit dem Dingi ins Dorf.
Anschliessend Busreise nach Colon. Der Bus füllt sich bis er fast aus den Nähten platzt. Übergewichtige junge Mütter stillen seelenruhig ihre Babys oder zwängen sich an der Haltestelle geduldig zur einzigen Tür. Stau auf der Strasse.
Peter und Leena müssen noch einen Gang zu den Marine-Behörden machen, um das Check-in ihrer kürzlichen Herreise von Bocca del Torro – ca 200 sm westlich – vorzunehmen, sowie um eine Korrektur der von der Amtsstelle fehlerhaft ausgefüllten Jahresfahrt-Bewilligung (Gültigkeit für 12 statt lediglich 6 Monate) durch zu setzten, was 13 $ extra kostet  – die Behörden liessen sich für ihre eigenen Fehler bezahlen (;-)

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Auf der Rückfahrt noch einmal maximale Beladung im Bus: viele Schüler, ständige ohrenbetäubende Musik mit vibrierendem Bass, dass Kopf und Bauch schmerzte. Während eines kurzen heftigen Gewitters werden die Haltestellen kurzerhand in die Quartierstrassen verlegt. Die Busbemalung ist eine Augenweide für jeden Graffitiliebhaber.

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Zurück in Portobello benütze ich die Gelegenheit für ein paar Fotos vom alten Fort.

16.30 Uhr lichten wir den Anker und tuckern bei Windstille weiter der Küste entlang nach Linton. Hier habe ich die Ehre mein Amt als Chef der Bordkasse anzutreten damit wir auch mit unseren finanziellen Aktivitäten auf Kurs bleiben.

 

Mittwoch, 22.Sept.10

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Die Positionslichter auf dem Grossmast müssen ersetzt werden. Das gibt mir die Gelegenheit nach Peters Reparaturarbeit selbst einmal in die Lüfte zu steigen und die Welt von oben zu geniessen. Nach Ankunft auf Top of Nicone (18 Meter über Wasser) stellte ich beruhigt fest, dass der Schweiss auf der Stirne nicht Angst als Ursprung hatte sondern viel mehr der Kletterei in grosser Hitze zuzuschreiben war.

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Peter hatte mit Andreas, einem Schweizer Skipper, in der Panamarina ein Treffen vereinbart. Wir fahren mit dem Dingi auf einem kleinen romantischen Wasserlauf durch einen dichten Mangrovenwald hinüber zur Marina. Mittagessen (Lasagne) bei Jean-Claude, dem Marinabetreiber. Gelegenheit für Internet. Unterdessen starker Gewitterregen. Peter und Leena erledigen Schreibarbeiten, Korrespondenz, Mails, etc. Plauderkaffee mit Andreas. Zum Schluss noch Sundowner auf seiner Yacht und anschliessend Rückfahrt durch die Mangroven zur Nicone. Wir beschliessen, das Nachtessen bei Hans, einem Holländer mit Panamesischer Frau, im Restaurant am Wasser zu geniessen.

 

Donnerstag, 23.Sept.10

Lazy Day, Peter fährt nochmals zur Panamarina für weitere Abklärungen zur Stationierung der NICONE für die Zeit ihres bald beginnenden 3-monatigen Schweiz- Aufenthaltes. Leena und ich schreiben, lesen und plaudern. Zwischenhinein starkes Gewitter. Danach gibt’s Besuch von einem Segelmacher zwecks Absprache über die zu erledigenden Arbeiten in Abwesenheit von Peter und Leena.

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Wir beschliessen, nachts zu den San Blas-Inseln aufzubrechen. Start um 23.30 Uhr. Nachtfahrt mit eingeteilter Wache. Matter Mondschein. Wind wechselnd , um ca. 03.00 kleine Flaute mit Motorfahrt, dann schöne 14 Kn Wind ergibt mit Genua und Besan (ohne Grosssegel) 6,5 Knoten Geschwindigkeit. Ankunft und ankern auf den Chichime-Islands um 09.00 Uhr.

 

Freitag, 24.Sept.10

Damit sind wir in den San Blas Islands (Kuna-Yala) angelangt. Das ist Territorium der Eingeborenen Kuna’s. Sofort nach der schwierigen Riffeinfahrt bei den Chichime-Inseln werden wir von Kunas besucht, die in ihrem primitiven, aus einem Baumstamm geschlagenen Kanu Ware verkaufen wollen.

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Der Wind wird stärker und die Wetterprognose veranlasst uns, nach dem Brunch den Standort zu wechseln und zu den benachbarten Lemon-Islands zu segeln (starker Wind und Wellengang).

 

 

 

Der neue Platz ist hinter den Riffs und der Insel besser geschützt. Eine Kuna-Frau kommt mit dem Kanu vorbei und zeigt kunstvoll genähte Molas, eine typische Kunaspezialität. Ich kann nicht widerstehen mein erstes Souvenir zu kaufen.

 

Samstag, 25.Sept. 10

Wir liegen in den Lemon Cays vor Anker. Der Wind ist von 8 auf ca. 6 Beaufort abgeflaut. Fühlt sich aber immer noch stark an mit entsprechender Brandung am Riff.

Wir geniessen den sonnigen Morgen, verschieben das Dingi wieder vom Deck auf den angestammten Platz am Heck. Darauf kurze Wellenfahrt auf die kleine Hauptinsel. Möglichkeit für Internet. Es gibt ca. 20 Backpackers die hier ihre Zelte aufgeschlagen haben. Alberto, der Kuna Chief macht die Insel touristentauglich (Bar, Internet, Service Gas, Benzin, etc.) und Yogi, ein Deutscher managt ihn aus dem Hintergrund. Wie ich später feststellen musste, ist es auch der einzige Ort, an dem das Abfallproblem beachtet und organisiert war.

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Anschliessend kleiner Schnorcheltrip am Riff. Am Nachmittag haben wir Besuch von Kuna-Fischern. Wir kaufen frisch gefangenen Fisch fürs Nachtessen. Hier zeigt sich mir Leenas Kochkunst, die mit ihrer sehr schmackhaften Zubereitung meine Skepsis gegenüber Meerfischen sehr schnell verfliegen lässt.

 

Sonntag, 26.Sept.10

Die gute Wetterlage lockt und so segeln wir mit gutem Halbwind in ca. 2½ Stunden zu den Hollandes-Cays. Sehr schöner Ankerplatz windgeschützt hinter Insel und Riff. Gleich hinter dem Ankerplatz nützen wir die gute Schnorchelgelegenheit. Ein wunderschöner Tag wie er im Buche steht.

 

Montag, 27.Sept.10

Früh Morgens Sonnengruss, schwimmen zur Insel, kleiner Spaziergang (Achtung, Kokosnussgefahr von oben), nach Rückkehr wie immer feines Breakfast mit Müesli und Früchten, Toast, alles mit feinem Kaffeeduft in der Luft…. und in der Tasse. Auch individuelle Wünsche hatten ihren Platz, sei es Käse, ein Ei oder Tee. Fahrt mit Dingi zum Aussenriff, incl. Schnorcheln; Begegnung mit grossem Rochen.

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Auf der Yacht haben wir wieder mal Besuch von Kunas, die uns ihre schönen Mola’s anbieten. Prado ist ein sogenannter „Molamaker“ (Künstler). Die feine, filigrane Art der Molas überzeugt mich – ich besitze nun schon 3 davon.

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Julia, die jüngere Schwester darf sich noch nicht Künstlerin nennen, obwohl auch ihre traditionellen Bilder viel Ausdruck enthalten.

Bei einem weiteren Besuch vereinbaren wir mit Roger, dem Kunajüngling ein Nachtessen in der Hütte seiner Familie auf der Insel. Vorher reicht es gerade noch für einen zweiten kurzen Schnorcheltrip.

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Zum Nachtessen kurven wir mit dem Dingi vor Sonnenuntergang ums Riff herum zu den Eingeborenen, einer 10- köpfigen Familie, die hier für 6 Monate zuhause ist. Die Frauen haben die Zubereitung an ihrer Feuerstelle schon hinter sich und nach kurzer Begrüssung steht feinster Lobster  und Conche (grosse Muschel) auf dem Tisch. Als Beilage gibt’s Reis gekocht in Kokosmilch. Ein Prachtsabend unter der offenen Strohhütte direkt am Wasser – Brandungswellen, Sonnenuntergang inklusive.

 

Dienstag, 28.Sept.10

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Wir entschliessen uns nach dem Frühstück den guten Wind zu nutzen und segeln Richtung südost zu den Coco Banderos Inseln. Nach drei Stunden Fahrt erwartet uns wieder ein Bijou mit kleinen Palmeninseln, Riffen und gut geschütztem Ankerplatz. Perfekter Tag mit Sonne, segeln, schnorcheln, schwimmen, Siesta. Beim Kunabesuch – mit Lebensmitteln beladenes Kanu – kaufen wir Brot, Getränke und bestellen Gemüse, Früchte und Kartoffeln.

 

Mittwoch,29.Sept.10

„Frühschwimmen“ – Breakfast – schnorcheln – schreiben – zeichnen – lesen – Siesta – plaudern,…….sun, fun and nothing to do

 

Donnerstag, 30.Sept.10

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Die grosse “Stahlratte” – eine alte Segel-Stahlyacht, welche Fahrten für Backpack-Touristen anbietet – weckt mich frühmorgens mit ihrem hämmernden Motorengeräusch. Sie verlässt die Cocos und nimmt Kurs Richtung Ost auf Cartagena (Kolumbien).

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Nach Frühschwimmen und Breakfast lichten wir unseren Anker und tuckern mangels Wind zum Einkauf nach Nargana . Feuchte Hitze (nah der Küste und Windstille) und Umweltverschmutzung (Abfall) sind hier überwältigend, besonders krass nach unseren Trauminseln. Wir verweilen nur kurz um Benzin fürs Dingi und ein paar Lebensmittel und Wasser einzukaufen. Alles immer in Begleitung eines eifrigen Einheimischen, der uns zur richtigen Hütte mit der entsprechenden Ware führt.

Primitive, schmutzige Verhältnisse, aber fast in jeder Hütte läuft ein Fernseher (z.T. Grossbild) mit dazugehörigem Antennenwald über dem Dorf, das im Gegensatz zu den allermeisten Inseln über Elektrizität verfügt. Die Leute sind sehr freundlich und hilfsbereit. Trotzdem sind wir froh, das Dorf bald wieder verlassen zu können.

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Nächste ca. 2 Std. bei schwüler windstille Tuckerfahrt Richtung West. Unterwegs kurzer Delphinbesuch.

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Welcher Kontrast bei unserer Ankunft bei den Cancombia-Islands: Palmeninsel, Ankerbucht nach Bilderbuch. Besuch von Kunafrau, die ihre Molas feilbietet. Kaufe ein Armband. Wir sind einziges Boot hier und beobachten das Treiben der Kunas bei ihren Hütten auf ihrer Insel. Kleiner Schnorcheltrip, windstill, spiegelglattes, smaragdgrünes Wasser, vermehrt Mücken.

 

Freitag, 1.Okt.10

Nach Schnorcheltrip und Frühstück entschliessen wir uns für einen weiteren Inselhupf zu den East Lemon Islandes bei den Hollandes Cays (gehört alles zu den San Blas Islands). Ankerlichten wieder bei Windstille und spiegelglattem, klarem  Wasser. Ca. 2 Std Motorfahrt. Einmal mehr Bilderbuchtag in eben solcher Umgebung.

Nach Ankunft geniesst Peter eine Siesta, während ich mich neugierig auf den nächsten Schnorcheltrip begebe. Interessiert zieht eine Schildkröte an mir vorbei und ein grosser Rochen verzieht sich hinter dem nächsten Riff. Zum Sundowner haben wir Besuch von Carsten und Mercedes, einem deutschen Paar von der SY „Forty-two“, die Peter und Leena schon früher getroffen haben.

Schwarzer Samstag 2. Okt.10

Bei Hitze und Windstille lichten wir ca. um 10 Uhr unseren Anker und nehmen Kurs in Richtung West zu den Lemon Cays. Der Horizont verdunkelt sich mit herannahenden Gewitterwolken und in Kürze gibt’s Wind, mit bis zu 24 Knoten, was uns veranlasst die Genua zu reffen. Wegen schwierigen Wasserverhältnissen und Wind ändern wir unsere Ankerabsicht um zwei Inseln westlicher mit sicherer Riffeinfahrt.
Dieser „nice Spot“ scheint ein beliebtes Ausflugsziel zu sein, denn die kleine Insel ist voller Besucher/Touristen, die zum baden, schnorcheln, trinken mit Motorbooten hierher gefahren werden. Der Gewitterwind ist vorbei und wir beobachten das bunte Treiben. Der Schock kommt nachdem die Boote mit den Besuchern die Insel verlassen haben. Zwei Kuna-Jünglinge paddeln in ihrem Kanu etwas von der Insel weg und vor unseren Augen versenken sie vier Säcke ins Meer. Wir können es nicht glauben und nehmen mit dem Dingi einen Augenschein. Wir müssen die Tatsache zur Kenntnis nehmen: der Abfall für den sie vorher kassiert hatten, wurde wenige Meter vor der Insel dem Meer übergeben. Als wir an der Insel anlegen, kommen diese zwei jungen Männer und verlangen auch noch einige Dollars für das Betreten der Insel. Uns platzt der Kragen und die laute Stimme von Peter, der auch noch mit dem Chief der Insel spricht, macht sie verlegen. Frustriert fahren wir zur Nicone zurück.

Sonntag, 3.Okt.10
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Nach dem Frustsamstag der Lustsonntag: wir haben Lust zum Segeln, der Windmesser zeigt 15-20 Knoten. Wir nehmen Kurs auf die Chichime-Inseln, segeln aber vorerst daran vorbei, um mal (für Peter wieder) Wind, Wellen und Segel so richtig zu spüren. Für Landratten wie mich ein eindrückliches Erlebnis: Wasser so weit das Auge reicht, einen Bug, der die aus steilem Winkel anrollenden Wellen
zerteilt und die Gischt sprühen lässt, Segelmanöver im Team mit voller Besegelung (Genua, Gross und Besan). Ich kann zwar das Team Leena und Peter physisch gut unterstützen, wenn es aber um Timing und Koordination bei Wendemanövern geht komme ich des öftern ins Strudeln. Doch Spass macht es alle Male. Nach ca. 4 Stunden bei nachlassenden Winden kurven  wir durch das Riff und setzen hinter der Hauptinsel Chichime Anker. Wir liegen gut, die Kunas sind auch schon hier. Peter hält das Logbuch à jour und Leena und ich gehen auf der Insel etwas Brot posten. Die Hütte für das Brot ist auf der anderen Seite, also gibt es einen kleinen Abendspaziergang durch den sandigen Palmenwald und dies in Begleitung eines Hausschweines!

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Montag, 4.Okt.10

Wind und Wellen haben zugelegt. Die Nicone wird tüchtig geschaukelt. Ich weiss natürlich, dass Peter und Leena schon ganz andere Stürme erlebt haben. Jetzt kann ich mich als Steuermann bewähren. Mit grossen Wellen von Halbwind gar nicht so einfach. Unsere stürmische Fahrt führt zu den East Lemons wo wir uns erst nach der zweiten Ankerung sicher fühlen.

 

Dienstag, 5. Okt.10

Peter und Leena erledigen am einzigen Internetanschluss weit und breit Vorbereitungsarbeiten für ihren nahenden Schweizaufenthalt (www mit Betonung auf world wide waiting). Mein Panama-Aufenthalt nähert sich mit riesigen Schritten dem Ende und wir planen an der Rückfahrt nach Linton. Meine Gastgeber wollen mir noch ein schönes Kunadorf zeigen. Die noch verbleibende Stunde bis zur Dunkelheit haben wir genutzt, um das saubere, gepflegte und einfache Eingeborenendorf anzusehen und ein paar von den wunderschönen, farbigen Handarbeiten zu kaufen.
Heute geht es früh in die Kojen, denn …

 

Mittwoch, 6. Okt.10

um 3 Uhr ist Tagwache. Ankerlichten in stockdunkler Nacht; dann starten wir zu unserer Rückreise Richtung Linton. Etwas Zeitreserve ist eingeplant. Die Winde kommen ziemlich steil auf die Nase. Bei dieser Dunkelheit zeigen sich wieder einmal die Fortschritte der Technik. Problemlos navigiert Peter um die Insel durch die Riffausfahrt. Immer via Satellit genau im Bild über Position, Wassertiefe, Windrichtung. Dumm nur, sollte einmal die Seekarte nicht stimmen. Doch es klappt bestens, nach ca.1 Fahrstunde erreichen wir die offene See, verlassen die San Blas Islands und drehen Richtung West. Die raffinierte Windsteuerung am Heck übernimmt jetzt das Ruder und wir nehmen unseren Schichtbetrieb auf. Konkret heisst das, einer überwacht die Instrumente, Bootsverhalten und die See. Die andern gönnen sich den wohlverdienten Schlaf.

Im Laufe des Morgens versuchen wir unser Anglerglück und schleppen einen Köder im Heckwasser. Die Hoffnung war schon am Einschlafen als Peter heftigen Zug auf der Leine entdeckt. Die Aufregung wird grösser, denn was da an der Angel gegen Peter kämpfte, entpuppte sich als Hai von ca. 1.3 m Länge (Bordwandhöhe).

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Leena war in Gedanken schon beim Menuplan, Peter bei der Strategie wie er diesen Fang ins Jenseits schicken kann; dann gab’s einen kurzen Schlag gegen die Bordwand und das wunderbare Tier befreite sich mit einem Ruck von der Angel und entschwand unseren verblüfften Augen in die Weite der See. Irgendwie waren aber alle erleichtert, denn zuschauen oder sogar mithelfen zu müssen, um diesem Tierleben ein Ende zu bereiten wäre mir schwergefallen.

Erstaunlicherweise wiederholte sich die ähnliche Szene kurze Zeit später wieder, der unbekannte Fang war gefühlsmässig noch grösser, konnte sich aber befreien bevor er das Heck der Nicone erreicht hatte.

Unterdessen war Linton schon in Sichtweite und wir planten bereits unser Abschiedsessen in einer Hafenkneipe. Der Gedanke war wohl zuviel für unseren Volvoantrieb (der Wind war unterdessen voll auf der Nase) und ohne Vorwarnung war plötzlich nur noch das Piepsen der Zündung zu vernehmen.

Jetzt galt es schnellstens eine Entscheidung zu treffen: Eine Riffdurchfahrt ohne Motorhilfe und nur mit Segel zum Hafen von Linton war bei diesem Wind und Wellengang schnell von der Liste gestrichen. Zu hohes Risiko! In höchster Eile suchte Peter  einen Ankerplatz diesseits des Riffs und der vorgelagerten Klippen. Mit mehrfachem Aufkreuzen auf engem Raum ankerten wir schliesslich an der steil abfallenden Küste.

Was nun? In den nächsten Stunden versuchte Peter mit all seinem nicht unerheblichen Fachwissen für Motoren, diesen wieder in Gang zu bringen… erfolglos….

Statt Strandbeizbesuch bei Hans, gab’s Essen aus der Bunkerkiste (mit Leenas Kochkunst doch immer ein Genuss), und zum Einschlafen sangen uns die Brüllaffen das Gutenachtlied.

 

Donnerstag, 7.Okt. 2010

Bevor wir abends zum Schlemmen bei Hans anlegten, hatte uns der Tag ganz schön gefordert: weitere Pannensuche mit Telefonhilfe von Heikki, Abschleppdienst organisieren mit warten und hoffen, die Batterieladung an Bord und das Guthaben auf dem Handy gingen zu Ende, Ankerlichten und  –setzen mit Muskelkraft (Peters Rücken lässt grüssen…), zweistündiges Abschleppmanöver während Gewitterregen…. und, und…

 

Freitag, 8.Okt.2010

War es der gestrige aufregende Tag, das üppige Nachtessen, oder die Wehmut der letzten Nacht auf der Nicone? Schlaf als Erholung ist anders….

Während Peter am Morgen mit aktiver Hilfe von Heikki noch immer versuchte den Motor zum Leben zu erwecken galt bei mir: Packen, reisefertig machen, Koje räumen, adieu sagen zu Nicone, Panama und meinen Gastgebern. Kaum zu glauben, dass die 3 Wochen schon um sind.

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Noch nach mehreren Tagen in der Schweiz brauchte ich morgens nach dem Erwachen einige Momente, um zu realisieren, dass da draussen nicht Meer und Palmeninsel liegen sondern zur dieser Zeit grauer Herbstalltag.

Danke, Leena und Peter, für die Fülle von Abwechslung, neuen Erfahrungen und Eindrücken aus einer mir fremden Welt, die ihr mir ermöglicht habt! Ich habe mich jederzeit sicher und gut aufgehoben gefühlt. Eure Hingabe, mir meinen Aufenthalt zu einem guten Erlebnis werden zu lassen, hat mich sehr berührt und gefreut.

Baden, Oktober 2010, A. Heimgartner

 

Anmerkung der NICONE-Crew:

Alfred Heimgartner ist ein ehemaliger Schulkollege. Unsere Wege haben sich bis vor etwa 10 Jahren privat, im Sport wie auch beruflich immer wieder gekreuzt. Nach der Pensionierung gab er sich einen Ruck und besuchte uns auf der NICONE in Panama… und war ein guter Matrose

 

Von Portobello zur Westseite (Atlantikseite) von Panama und zurück zur Shelterbay

August bis Mitte September

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Am 9. Aug. hüpfen wir 3 Seemeilen weiter in die uns bekannte Bahia de Buenoventura – eine schöne und stille Bucht, wo wir alleine vor Anker liegen und ein Wiedersehen mit Heikki dem hier ansässigen Finnen haben. In Rufweite des Hauses vereinbaren wir uns zum Snorkeln – als ich ihn mit dem Dingi abholen will, war  er schon  knappe 10 Min im Wasser und hatte bereits einen ansehnlichen Snapper harpuniert. Er zeigt mir an einer Stelle gleich 3 Lionfische – sehr farbig mit blumenartigen Flossen und sehr giftig – es handelt sich um einen nicht in die karibischen Gewässer gehörenden Fisch, der „ausgesetzt“ oder aus einem defekten Aquarium entronnen ist und sich, weil ohne natürliche Feinde, rasch verbreitet – ein unerhört prächtiger Fisch, dessen Gift zu Lähmungen führt oder tödlich sein kann – „eine gefährliche Seuche“ wie uns gesagt wird.

In der Bucht gibt es viele Fische die aus dem Wasser springen oder an der Oberfläche „plantschen“, sowie grosse Schwärme kleinster Sardinen, die, wenn von andern Fischen gejagt, aus dem Wasser springen, was aussieht wie eine glitzernde Brandungswelle. Ausserdem viele Pelikane, welche die reiche Fischtafel offenbar zu schätzen wissen – mehr als anderswo sehen wir wie sie im Sturzflug senkrecht ins Wasser hinunter stürzen – einmal waren es 7 gleichzeitig, was dann auch gefährlich aussieht und ein grandioses Schauspiel ist, besonders als sie gleich darauf auffliegen eine Runde um unser Boot vollziehen um im nächsten Moment erneut aufs Wasser hinunter zu stürzen.

Gehen mal noch am Aussenriff schnorcheln – ein eindrückliches Riff mit einer besonders vielfältigen Korallen- und Fischwelt – Leena begleitet Heikki und mich mit dem Dingi – da gibt es flache Riffs, Canyons, Höhlen, dann wieder fällt es senkrecht in grosse Tiefen ab – Die Korallen sind von unglaublicher Vielfalt in Formen und Farben – ebenso die Fische – eine exotische Unterwasserwelt mit Wald, Pflanzen, Blumen, Pilzen, Tieren … schade habe ich (noch) keine Unterwasserkamera.

Wegen starkem Schwell in die Bucht, segeln wir an den  vermeintlich etwas besser geschützten Ankerplatz von Portobello zurück – dann aber kommt enormer Regen – d.h. es schüttet fast 24 Std wie aus Kübeln und dazu starker Wind und Schwell, so dass die vor Anker liegenden Boote heftig taumeln und teilweise selbst die am nächsten liegenden Boote kaum zu sehen sind. Die Szenerie wird von Blitz und Donner begleitet.

Gut nicht unbedingt auf offener See zu sein – erhalten denn auch ein E-mail von Freunden welche auf Curaçao einen Blitzschlag am Boot erlitten, der viele elektronische Geräte zerstörte… nicht einfach zu ersetzen…

Die Südküste der Karibik soll zu den am meisten mit Blitz, Donner und manchmal Regen (;-) gesegneten Gegenden der Welt sein.

Am 15. Aug. fahren wir wieder in „alte Gefielde“ zur Shelterbay Marina, wo wir für 1 Woche buchen, um viele anstehende Anliegen zu erledigen und nebenbei den Luxus der Marine-Annehmlichkeiten zu geniessen. Gleichzeitig mit uns trifft ein australischer Catamaran ein – sie kamen von Trinidad und mussten 7 Tage lang motoren – meist kein Wind oder auf die Nase – das kennen wir ja auch, obwohl nicht in diesem Ausmass… bis jetzt.

Leena sorgt für Wäsche, Reinigung Kästen, Böden, Roste, „Möbel“, Entrümpelung – will immer meine geliebten alten Kleider entsorgen… – habe selber ein 11-Punkte-Programm und vergass darüber sogar unsere Funkabmachungen mit Andreas in der Panamarina. Konnte unter anderem  die hier früher falsch eingekaufte Leine im Wert von 600 $ tauschen, die  wir für unseren Jordan-Series-Drogue benötigen – Leine mit 135 kleinen Treibankern für allfälligen schweren Sturm -. Endlich kam ich auch dem Lichtausfall der Tricolorlaterne auf die Spur – es gab im Kabel gleich 3 korrodierte Stellen – habe dafür eines Tages einen neuen Rekord aufgestellt, indem ich 7 x ! im Masttop war – auch für einen ehemaligen Sportlehrer ganz schön anstrengend (;-) – ausserdem zum Vergnügen oder evtl. Bedauern der Beobachter. Gut liessen wir früher Maststufen fixieren, so dass Leena nur zu sichern brauchte. Musste ein neues Kabel einziehen – nun funktionieren alle Lichter wieder bestens (für Nichtsegler: es gibt am Grossmast die Tricolore, das Ankerlicht, das Headlight und das Deckslicht) – baden im Pool, Sundowner, dann feines Nachtessen – manchmal muss man sich selber etwas belohnen…

Hören am Funk, dass bei Cartis, San Blas eine vor Anker liegende Ketsch verschwunden sei, während die Eigner 3 Tage abwesend waren… wie ist das möglich? Was steckt dahinter ist man geneigt zu fragen…

Nach einer Woche, in welcher neben „Arbeit“ auch Zeit blieb für Austausch mit andern Yachties und einem Abend mit einer Musikband, waren wir zufrieden, mehr als erwartet, erledigt zu haben – neu gebunkert mit Lebensmittel aus Colon, Wasser, Gas und Diesel hat die Nicone 2 cm mehr Tiefgang, was an der Wasserlinie sichtbar ist.

Wir verliessen die Marina und nahmen Kurs West zur 100 Seemeilen entfernten Isla Escudo de Veraguas. Auf der Route dorthin sahen wir von weit her ein Militärboot – beim Näherkommen stellten wir fest, dass es sich um ein honduranisches Militärboot handelte, das sich aber in Panama-Gewässern (9 Seemeilen zur Küste) befand. Wir wurden angefunkt, zuerst in Spanisch, dann miserablem Englisch (schliesslich funktioniert der internationale Seefunk auf Englisch) und nach woher, wohin, Crew, Nationalität etc. gefragt – wir wundern uns – geben Auskunft – dann werden wir freundlich verabschiedet.

Nach einer Tag- und Nachtfahrt  von 101 sm mit viel Motor – es herrschen vor allem westliche Winde und Gegenströmung vor – hoffentlich dann auch auf der Rückreise – ankern wir auf Pos. 09°05.2’N – 081°34.0’W am südwestlichen Zipfel der Insel, wo wir 2 Nächte bleiben. Sind wie so oft einziges Boot – trübes und regnerisches Wetter und viele Mücken wollen uns „geniessen“.

Weiter zur 28 Seemeilen entfernten Laguna de Bluefield, die auf der Anfahrt viele Felsen aufweist, sonst aber tief ist, ausser einem Spot mitten in der Bucht, der nur 5 -8 m Tiefe aufweist und wo wir den Anker fallen lassen (zum 75. x  in diesem Jahr).

Es kommen viele Kanus auf der Durchfahrt bei uns vorbei – vor allem Schüler in Schuluniformen – 2-3 Mädchen pro Kanu sowie 1 – 2 Knaben pro Kanu. Sie machen einen Zwischenhalt bei uns – kommen aus der Schule und müssen die Bucht diagonal durchpaddeln – ca ¾ Std.

Wir bleiben auch hier 2 Nächte – es ist still hier – auch sind wir wiederum einziges Segelboot – machen mit Dingi eine Buchttour – fixiere weitere Kegel auf Treibankerleine – wir baden und ich entferne einige Seepocken am Unterwasser – kaufen Bananen und Yuka (Wurzelgemüse) von Kanu-Händler und vergeben „alte“ Kleider.

Was uns auffällt hier im Westen von Panama:

–       die Gegend ist hügelig und von vielfältiger Pflanzenwelt auf Vulkangestein

–       die Häuser am und im Wasser sind auf Pfählen und aus Brettern

–       die Menschen sind neugieriger, offener und freundlicher, weniger strenge Gesichtszüge  als z.B. Kuna Yala-Leute – kommen auf Schwatz vorbei.

–       sie haben kleinere Kanus, von eleganter Form, welche von allen mit gekonnter einseitiger Paddeltechnik gefahren werden.

–       Es gibt hier in der Bluefield-Laguna wenig Fische, dafür viele Krebse und Langusten, weshalb es praktisch keine Pelikane hat, wie sie sonst mehr oder weniger überall vorkommen.

Nach weiterer absolut stiller Nacht mit nahezu Vollmond und glatter See verlassen wir  früh morgens die Bucht – mit Verabschiedung bei der Buchtausfahrt durch 2 Delfine und 2 Kanus – Wind auf Nase – Kurs Boca del Torro – später vorsichtige Anfahrt von Boca-Town – die gesamte Bojenmarkierung im Channel zwischen den Inseln Bastimentos und Carenero existiert seit nicht allzu langer Zeit nicht mehr, wie wir vorgewarnt wurden – dann kurz vor dem Ankerplatz böse Überraschung beim Toilettenbesuch – das (Süss-) Wasser des Waschbeckens läuft und verursachte eine kleinere Überschwemmung – zum Glück früh bemerkt – etwa 50 – 60 Liter sind ausgeflossen. Ankern beim südl. Ankerplatz von Boca-Town, wo weitere 18 Yachten liegen. Melden uns gemäss Vorschrift via Funk beim Port-Captain – niemand antwortet – also mit Dingi hin, aber es ist bis nächsten Montag niemand da, wie wir im Hotel nebenan erfahren.

Boca Town ist eine lebendige Kleinstadt mit rel. viel (Touristen-) Betrieb: Autos, Wassertaxis, Flugplatz, Restaurants, Musik … sind uns gar nicht mehr gewohnt.

Chris, ein Bekannter von Providencia, kommt vorbei um hello zu sagen und warnt vor nächtlichen Dieben am Ankerplatz – er ist hier fast zu Hause und kennt die Situation recht genau – im Gespräch meint er auch, dass mit dem neuen Präsidenten (Martinelli) in Panama alles schlechter werde – besonders die ohnehin arme Bevölkerung leide unter den erhöhten Taxen – das Monatseinkommen eines Arbeiters betrage hier 250 – 300$

Treffen Vorbereitungen für Landausflug – gehe u.a. zum Zahnarzt, der mir einen erneut losen Stiftzahn (für 15$) befestigt  – bringen das Boot für die Zeit unserer Abwesenheit in die Marina Carenero vis à vis – wo wir neben der uns bekannten Schweizeryacht „Kyahola“ am Steg liegen – Jürg, der Eigner ist derzeit zu Hause.

Wieder mal warme Kleider hervorholen denn die Reise geht nach Cerro Punta auf der Südseite der Zentral-Kordilleren auf knapp 2000 m – mit Wassertaxi 10 Min nach Boca Town – dann mit Schnell-Motorboot in ¾ Std nach Almirante „brettern“ – Taxi zur Busstation – mit Bus 4 Std zuerst „erhöht“ der Küste entlang ostwärts, dann über die Zentral-Koordilleren südwärts nach der Stadt David hinunter, wo wir eine Nacht  im Purple-Haus verbringen.

Die Fahrt als solche war interessant – auffallend sind die einfachen Häuser, sehr oft Bambus-Strohhütten auf der Atlantikseite im Gegensatz zu schönen teilweise prunkvollen Gebäude auf der reicheren Pazifikseite der Zentral-Koordilleren. Gab’s auf der Karibikseite noch gutes Wetter, so änderte sich dies schlagartig nach der Passhöhe, wo es danach fast immer regnete und dies oft nicht zu knapp. Ebenfalls interessant: die gesamte Fahrt von mehr als einem halben Tag, d.h. 2 Wassertaxis, Busfahrt und 2 Strassentaxis zum sagenhaften Preis von insgesamt 14$ pro Person! Das Ganze auch noch mit hervorragenden Verbindungen!

Im sogenannten Purple-House in der Stadt David waren wir gut aufgehoben – es gab viele Durchreisende – nur war mir speziell etwas zu viel des Guten bezüglich der violetten Farben – das Haus hatte 3 verschiedene Violettfarbtöne – gilt auch für Wände innen sowie violettes Geschirr, Kästen, Decken, selbst der Hunde-Teller und die Kleider der Hausdame alles in violett… Es regnet in Strömen – also kaufen wir noch Knirpse im Supermarkt.

Am nächsten Tag weitere Busfahrt von 1 ½ Std nach Cerro Punta, das auf knapp 2000 m ü M liegt. Der Ort  an den Hängen der Kordilleren ist bekannt für Hiking und Planzen aller Art: Gemüse an steilen Hängen, Erdbeeren, Blumen – es gedeiht hier auf der Vulkanerde in dieser Höhe mit dem „Regenklima“ einfach alles. Überall wird in den steilen treppenförmig angelegten Pflanzungen gearbeitet. Im Ort gibt es Pferde und Rinderzucht vom Feinsten. Wir besuchen die „Finca Dracula“ am Rande des Dorfes. Eigentlich handelt es sich so um etwas wie eine Gärtnerei in einem Park – unerhört schön angelegt am Hang mit Bergbach, Blumen – man kennt hier 80 verschiedene Orchiden – Dschungelpflanzen, Teiche – eine Augenweide – selbst der Regen, der am Nachmittag einsetzte, vermochte diese Eindrücke nicht zu vermiesen.

Am Abend – es ist kalt geworden – kommen wir durchnässt in’s Hotel zurück – das Bett hat 3 Decken, die auch nötig sind in dieser feuchten Kälte!

Wir ziehen am nächsten Morgen wohlgemut die Wanderschuhe an für eine  Wanderung zum Wasserfall – Leena meint noch, dass sie sehr zufrieden sei mit den alten guten „Bergfinken“… mit dem Taxi geht’s zum Ausgangspunkt am Fusse des Nationalparks – dann auf dem wasserdurchtränkten Dschungelpfad relativ steil aufwärts – nicht ganz ohne für unsere Seebeine und eher etwas eintönig – wir sehen und hören auch keine Tiere – also beschliessen wir auf halben Wege umzukehren – etwas später verliert Leena eine Schuhsohle… die wir mehre Male mit dem Schuhbändel befestigen. Es beginnt auch wieder zu regnen. Unten in einem Hotel mit Regenausrüstung für Hiker kaufen wir ein paar Stiefel…

Eigentlich hatten wir die Absicht noch nach dem ebenfalls bekannten Boqueta zu fahren – es gibt dort den „besten Kaffee“ (Plantagen) und River-Rafting, das ich früher zwar relativ viel, aber lange nicht mehr praktiziert habe. Als es aber am nächsten Tag schon morgens regnete, beschlossen wir wieder „nach Hause“ aufs Boot zu fahren und verzichten darauf nochmals im Regen „herumzufotzeln“ bzw.  aufs River-Rafting, das wahrscheinlich eingestellt ist und zudem mit 5 Std auch anstrengend wäre.

Die Rückfahrt verläuft grössten Teils im Regen – die Kordillerenkette ist stark Wolkenverhangen – erst in Almirante drückt die Sonne rechtzeitig durch für die Fahrt mit dem Schnell-Motorboot nach Boca-Town.

Anmerkungen / Diverses:

Trotz des Regens war es ein spannende und interessante Reise die wir nicht missen möchten.

Das Transport-System zu Wasser und zu Lande ist ausgezeichnet und billig. Die längste Wartezeit dauerte knappe 15 Minuten. Die Kleinbusse fahren sehr häufig und sind mit Chauffeur und Türsteher versehen. Der Türsteher kassiert irgendwann, behält Übersicht, hilft mit Gepäck, hilft besonders alten oder behinderten Leuten beim Ein-Aussteigen, gibt Auskünfte und ist generell sehr freundlich – „Kontakt zum Kunden“ wird hier aufs Eindrücklichste gelebt.

Auf dem Weg nach Cerro Punta gibt es ein Ort „Nueva Suiza“ auf ca. 1700 m ü M  -jemand meinte, es handle sich um Schweizer die sich hier niedergelassen hätten – es ist relativ steiles Gelände und die Häuser weisen steile Dächer auf  – ausserdem soll es in der Gegend auch Pflanzungen von Nestle unter Schweizer Management geben.

Fühlten uns wohl im Hotel Cerro Punta (gleicher Name wie Ort) – die ältere Hausdame – sehr freundlich , religiös und aufgestellt schaute gut zu uns – sie war stets warm angezogen und trug immer Gummistiefel… was uns, wenn sie servierte, sehr beeindruckte (;-)

Wir sind noch 2 Tage in der Marina wo Mary (Eignerin) und Babette (Sekretariat), beide Amerikanerinnen, das Zepter führen und wir gut aufgehoben sind. „Arbeiten“ einen ganzen Tag an Plänen für 2011: Atlas, Routen, Berichte, Distanzen, Zeitberechnungen (Hurrikans…), Winde, Strömungen, Ausrüstung und Ersatzbeschaffungen, To do’s,  auch kritische Orte wie das „Samoa – Tonga – Fiji – Dreieck“ das viele nicht in den Karten aufgeführte Untiefen aufweist – was bei den obligaten Langstrecken auch Nachtfahrten bedingt und deshalb keine Sichtbeurteilung erlaubt und deshalb, wie nachzulesen, schon etlichen SY zum Verhängnis wurde.

Tags darauf Funkkontakte, Bericht und Fotos, Motorölwechsel, mit Spezialist Check des Inverters, welcher Störungen aufweist, während Leena in Boca-Town Einkäufe erledigt. Sie bereitet  einen feinen Dessert  vor für den Abend, zu welchem wir anlässlich des Labourdays mit 5 Amerikanern vor Ort zum Essen eingeladen sind – nach feinem Essen mit etwas Wein, etwas Smalltalk waren nach 1 ½ Std danach fast alle müde – wir lesen noch eine Weile.

Nach einer weiteren Nacht vor Anker mit 21 andern SY vor Boca-Town durfte man sich wieder einmal wundern über die völlig unterschiedliche Lage und widersprüchliche Ausrichtung der Boote – es herrschen in der Bucht starke Strömungen und Verwirbelungen vor, die stärker sind als der Wind aus SE der mit 12 Kn weht.

Fahren zur Isla Cristobal und ankern im „Trouble Hole“, einer von Mangroven umgebenen Bucht, welche an Finnische Seenlandschaft erinnert. Reinige beim Baden noch etwas die Wasserlinie als mich eine kleinere Medusa erwischt und an meiner Hüfte eine zwar ertragbare aber doch brennende Spur hinterlässt. Am Abend ist seltenes Vogelgezwitscher zu hören, ansonsten ist es absolut still und friedlich mit leise vorübergleitenden Kanus. Am Morgen darauf gehen Kinder mit Kanus zur Schule; kleinere Kinder werden von einem Elternteil dorthin gepaddelt.

Unsererseits legen wir ab  und fahren noch etwas weiter Richtung Festland zur kleinen Insel Pastores – die Geschichte weiss, dass 3 englische Brüder 1880 mit ihren Sklaven von der Insel St Andres (nahe Providencia Island) hierher zogen und die Insel kolonialisierten – die drei Brüder zeugten mit den Sklavinnen und den indigenen Frauen eine grosse Anzahl Kinder – so viele, dass sie eine eigene Schule und einen Druggstore eröffneten. Wir lassen für einen Mittagshalt den Anker fallen um beim nahen Riff zu schnorcheln – als ich ins Wasser steige bin ich schnell wieder hinaus – es wimmelt von grossen Quallen – ich wurde erst gestern von einer kleinen „beehrt“. Dann umfahren wir die schöne Insel mit den einzelnen Häusern um ans Nordende in die „Big Bight“ der Insel Cristobal wieder in die Nähe von Bocas-Town zu gelangen, wo wir morgen auschecken wollen für die Rückreise nach Shelterbay. Auf der Route dorthin „ist’s zum Möggen“: wieder Wind auf die Nase – gehen wir südwärts haben wir Wind von Süd – geht’s nordwärts Wind von Nord…usw. Können dann am Nachmittag doch noch ganze 2 sm bis ans Buchtende segeln wo wir an diesem einsamen und wunderschönen wiederum von Mangroven umgebenen Ort ankern. Erst als wir mehrere Kanus zwischen den Mangroven verschwinden sehen, erraten wir den Zugang zum nahen Dorf  und fahren  mit dem Dingi hin. Es stellt sich heraus, dass es ein sehr schönes und sauberes Dorf in hügeligem Gelände mit freundlichen Leuten ist. Wir treffen einen jungen New Yorker der hier seit 2 Jahren lebt und von einem Förderungsprojekt der UNO angestellt ist. Er erlebte eine schöne aber auch harte Zeit wie er uns erzählt, gibt es doch z.B. keine Elektrizität – das Projekt läuft seit 4 Jahren – und ist für weitere 4 Jahre gesichert.

Am Freitag 10.9. machen wir uns auf den Rückweg nach Shelterbay und wollen unterwegs noch 3 Orte anlaufen. Dazu haben wir noch 1 Woche Zeit um dann den erwarteten Besuch eines Freundes, dessen Wege sich seit der Schulzeit immer wieder mit den unseren kreuzten, in Empfang zu nehmen.

Vorerst bietet sich als nächster Zwischenhalt die bereits bekannte Lagoon Bluefield an – beim Näherkommen gab’s ein paar Delfine – die gleichen die uns hier vor einiger Zeit hier verabschiedeten? Wir konnten die 30 sm segeln mit teilweiser Motorunterstützung. Statt in die Bluefild Lagoon zu fahren machen wir einen kleinen Abstecher zu einer sehr schönen kleinen Insel (Felsen)-Gruppe Cayo Toro, wo wir wegen des ruhigen Wetters (ansonsten, weil zu ungeschützt, nicht zu empfehlen) für die Nacht auf Pos. 09°08, 9’ N – 081°57,2’ W ankern. Kaufen von Fischern 2 kleine Makrelen und erleben einen sehr schönen Abend. Es gibt zwar recht starke Strömung – steige deshalb nur mit den Flossen ins Wasser – und fast die ganze Nacht Vogelgezwitscher (lauter Nachtvögel?) von den Felsen her. Zwei davon landen wohl vom Licht angezogen und unbeabsichtigt (eher abstürzend) auf den Sonnenkollektoren. Ebenfalls ein Fisch der offensichtlich von der Taschenlampe angezogen wurde, schwamm an der Wasseroberflache mit Speed direkt in die Bordwand, dass es knallte. Die Nacht war dann wegen aufkommendem Wind und etwas Schwell nicht ganz so ruhig wie erhofft, aber jedenfalls ein lohnender Ankerplatz.

Weiter ging’s zur Tobobe Bight, die in Luftlinie nur ca. 7 sm östlich liegt, aber durch notwendiges Umfahren der Halbinsel Valiente, 16 sm beträgt. Die Fahrt ist nichts Besonderes, dafür Schönwetter. Erst die Anfahrt nach Waypoints zwischen Untiefen erfordert erhöhte Aufmerksamkeit. Bekomme am Ankerplatz Gelegenheit, das Kinderkanu eines Jungen auszuprobieren – ganz schön wackelig aber toll. Dann darf ich Damencoiffeur spielen und die Haare der Bordfrau etwas kürzen – mit Erfolg wie sie meint. Wollen im Dorf noch Bananen erstehen und das Dorf ansehen – die Bevölkerung spricht praktisch nur die hiesige Ngobere-Sprache – werden von einem Burschen in gutem Englisch angesprochen – er meint es gebe evtl. keine Bananen zur Zeit – es war uns auch nicht so wichtig – aber wir könnten mal gemeinsam sehen und dabei das Dorf durchwandern, das er uns gerne zeige – ok, machen wir. Es gibt wohl selten Touristen hier und wir werden neugierig von Jung und Alt beobachtet. Wie alle bisher besuchten Dörfer dieser Art sind die Familien sehr kinderreich – 5 bis 8 Kinder pro Familie sind keine Ausnahme. Clemenc führte uns durch das schöne am Strand gelegene Dorf. Dabei lernten wir an Stelle „buenas tardes“ oder „hello“ das Wort „niantoro“ (in Ngoberesprache), das von den Einwohnern herzlich erwidert wurde.

Die Kinder wollten fotografiert werden, um sich dann selber zu sehen. Clemenc kennt fast alle Dorfbewohner obwohl er zur Zeit im Nachbardorf vis à vis der Bucht wohnt und hierher zum Ladengeschäft kam um etwas zu kaufen und sein Mobiltelefon aufladen zu lassen. Unterwegs sahen wir eine Gruppe Frauen bei einer solarbetriebenen Telefonstation sitzen, die aber leider wegen des verstopften Münzautomaten momentan nicht funktionierte, wie unser Guide herausfand. Nach einigem Nachfragen gelangten wir am Dorfende zu einer Hütte, wo wir bei einer Frau Bananen kaufen konnten. Es gibt im dünnbesiedelten Dorf 3 Kirchen – Adventisten, Zeugen Jehovas und ? Babtisten oder Methodisten – später auf dem Boot hören wir beim Einnachten vom Ufer her lauten (oft etwas falsch tönenden – was soll’s) Chorgesang und einen Prediger und Vorsänger.

Wir haben Clemenc am folgenden Morgen zum Kaffee eingeladen, was er gerne annimmt, besonders da er noch nie ein Segelboot wie unseres von nahe gesehen hat. Er kam mit dem Kanu und ist dann auch begeistert von „unserer Wohnung“ und macht Fotos innen und aussen.

Er erzählt uns aus freien Stücken aus seinem und dem Leben hier: Er ist 25 Jahre alt, hat 3 ältere und 2 jüngere Brüder – alle offenbar in guter Stellung – er selbst macht den Eindruck eines eher besser gestellten unter seinesgleichen. Die letzten 2 Jahre arbeitete er als Guide in Costa Rica und führte Touristen nachts zu Schilkröten-Plätzen – deshalb auch seine Englischsprachkenntnisse – er will sich eine Existenz im Tourismusbereich aufbauen. Zur Zeit wohnt er bei seinem Vater – sie hätten Kakao-Pflanzungen dort und wenn er Geld benötige, transportiere er mit einem grösseren Motorboot 500 – 600 Pfund zu einem Händler und bekomme für 100 Pfund 80$. Geld allgemein sei ein Problem für die Bevölkerung – sie leben vom Fischen und was die Natur hergibt – das Tauchen nach Krebsen sei harte Arbeit und brauche Glück dazu – Krebse können im Laden abgegeben werden, wofür 2.50 $ pro Stk ausbezahlt werden. Gegessen wird meist 3 Mal das gleiche pro Tag, grundsätzlich Fisch und gekochte Gemüsebananen – seltener Reis, weil für sie teuer. Er selbst zeigt auch grosses Interesse für unsere Bordinstrumente und Computer – er versteht auch einiges davon, da er bei seinem Bruder, einem Informatiker vieles gelernt hat.

Für uns eine Gelegenheit, unseren alten kaum noch verwendeten aber gut funktionierenden Computer „an den richtigen Mann“ zu verschenken – er kann es kaum glauben, als wir ihm denselben, nach Entfernung aller persönlichen Daten,  überreichen. Dann taucht noch die Frage wegen der Volt-Spannung auf – als wir feststellen, dass er auch für die hier üblichen 110 Volt funktioniert, fällt ihm ein Stein vom Herzen. Er will den Computer bei seinem Bruder in der Stadt einsetzen, wo er auch elektrische Energie hat.

Zum Abschied meint er – er werde uns nie vergessen und wir sollen das gleiche tun – versprochen!

Gegen Mittag legen wir ab und können zur hellen Freude (entgegen den wieder mal falschen Windprognosen – was denn sonst…) mit regelmässigem Halbwind unser nächstes Ziel, die bereits bekannte „am Wege“ liegende Insel Escudo de Veraguas anfahren. Mit dem Ankern stellt der Wind ab – wir liegen hier mit einem Militärboot, das sich später absetzt. Spät in der Nacht wurde es etwas unruhig, was sich auf uns abfärbte. Der Wind setzte wieder ein, nahm zu und drehte gleichzeitig, womit  wir uns im Luv der Insel und dazu noch in der Flucht zum Riff befanden – der Anker, besonders seit wir den massiv schwereren verwenden, hielt bestens.

Beim Start dann zum Rio Chagres ist  wieder tote Hose bezüglich Wind. Also nehmen wir die 100 sm, einer Tag- und Nachtfahrt, mit Motor in Angriff. Dazwischen gab es Ansätze von Wind, meist aber von kurzer Dauer. Setzen den Spi, den wir bis dato nie benützen konnten seit der Reparatur, um alle Funktionen zu testen – arbeite danach den ganzenTag an den Leinen des Bergeschlauch-Systems. Etwas grosse aber träge Delfine kommen vorbei und gegen Abend schwirren 6 Schwalben um’s Boot, kommen auch ins Cockpit und setzen sich dann nebeneinander auf die Genuaschot. Auch das Blitzlicht des Fotoapparates vermag sie nicht zu stören und selbst meine Anwesenheit auf dem Vordeck vertreibt sie nicht. Dort bleiben sie bis ich schliesslich um Mitternacht die Genua setzte, was ihnen dann doch zu viel wurde und sie in die Nacht hinaus flogen. Auf der Nachtwache fixierte ich weitere 12 Kegel auf der Treibankerleine. Zur positiven Überraschung können wir bis zur Anfahrt des Rio Chagres segeln, wo wir um 10.00 die Flussmündung erreichen und bis zum ersten Flussknie aufwärts fahren um dort im Süsswasser, das aus dem Gatunsee kommt, zu ankern. Etwas Schlaf nachholen, einige Haushaltarbeiten erledigen und am Abend noch eine Dingitour dem Ufer entlang. Dabei auch kurz in Seitenarme gefahren, um Krokodile zu sehen – aber nicht einmal Vögel sehen wir – hören die Brüllaffen – und scheuchen unter einem Steg in einem Seitenarm ca 20 Fledermäuse auf, die sich kurz darauf wieder an die Stegunterseite „kleben“. Leicht enttäuscht  kehren wir zurück, hatten wir doch erwartet eine vielfältige Tierwelt zu sehen (verwöhnt von einem früheren Australienaufenthalt?).

Nach herrlichen 10 Stunden Schlaf ohne Unterbruch starten wir zur knapp 12 sm entfernten Shelterbay-Marina. Beim Verlassen der Flussmündung gilt es wegen starken seitlichen Strömungen im kritischen Tiefenbereich aufzupassen. Fahren dann schon wie selbstverständlich, weil zum dritten Mal durch den, dem Panamakanal vorgelagerten Wellenbrecher zur Shelterbay-Marina, die wir einen Tag früher als vorgesehen anlaufen, um noch in Ruhe einiges zu erledigen bevor schon bald unser Freund und Gast für 3 Wochen zu uns aufs Boot kommt.

Impressionen – Von Portobello zur Westseite von Panama und zurück zur Shelterbay:

img_9826-b-ausblick-aus-bucht-buenaventura img_9846-machen-ebenfalls-zwischenstation-in-der-shelterbay_thumb img_9852-anfahrt-isla-escudo-de-veraguas_thumb img_9853-allein-am-ankerplatz img_9864-bluefield-lagoon_thumb img_9869-bluefield-lagoon_thumb img_9878-bluefield-lagoon_thumb img_9888-bluefield-lagoon_thumb img_9889-bluefield-lagoon_thumb img_9900-auf-dem-seeweg-nach-boca-del-torro-_thumb img_9901-marina-carenero_thumb img_9902-kleiner-aber-feiner-stegnachbar img_9904-siedlung-neben-marina-carenero_thumb img_9908-start-landausflug-mit-schnellwassertaxi-nach-almirante_thumb img_9911-mit-bus-ueber-die-zentral-kordilleren_thumb img_9915-kuestenlandschaft-karibikseite_thumb img_9924-ueber-die-zentral-kordilleren_thumb img_9929-regen-auf-der-pazifikseite-der-kordilleren_thumb img_9930-cerro-punta-auf-2000-m-hoehe_thumb img_9931-in-den-pflanzungen-auf-vulkanerde-waechst-einfach-alles_thumb img_9932_thumb img_9937_thumb img_9939_thumb img_9940_thumb img_9941_thumb img_9944_thumb img_9956-zur-finca-dracula_thumb img_9961_thumb img_9969_thumb img_9971_thumb img_9972 img_9975a img_9976 img_9978-dschungelwanderung-auf-2200-m-hoehe_thumb img_9984-landarbeiter-werden-zu-den-pflanzungen-transportiert-verdienst-1-bis-max-2-pro-std img_9991-sobald-die-sonne-etwas-druckt-dient-der-regenschirm-als-sonnenschirm_thumb img_9995-mit-power-gehts-zurueck-nach-boca-town_thumb img_10027-check-der-wetter-grib-files-fuer-die-weiterfahrt_thumb img_10037in-der-big-bay-von-isla-cristobal_thumb img_10038-auf-dem-schulweg_thumb img_10043-seltenes-seetier-oder-kokosnuss_thumb img_10045-kurzes-segeln-zur-baboo-bight_thumb img_10046-dorfzugang-in-der-bamboo-bight_thumb img_10047-das-dorf-ist-nur-mit-kanus-zwischen-mangroven-erreichbar-_thumb img_10050-schoenes-sauberes-dorf-ohne-elektrizitat_thumb img_10052-traegt-mit-stirnband-die-last-nach-hause-_thumb img_10057-versorgt-das-hausschwein_thumb img_10059-dorfbewohner_thumb img_10061-verstaendnigungsfragen-beim-dorfladen_thumb img_10096-atlantic-spottet-dolphine-begleiten-uns-von-den-bocas-zu-den-cayos-de-toro-_thumb img_10101-ausblick-vom-ankerplatz-zu-den-cayos-de-toro_thumb img_10102-von-fischern-2-makrelen-gekauft_thumb img_10111-a-daemmerung img_10112-a-vogel-im-dunkel-auf-sonnenkollektoren-abgestuertzt img_10115-a img_10120-ankerplatz-in-tobobe_thumb img_10123_thumb img_10125-erinnerungen-an-kanuzeiten-werden-wach-beim-skipper img_10127_thumb img_10135_thumb img_10137_thumb img_10138_thumb img_10144_thumb img_10145-was-ist-denn-das-entpuppt-sich-als-ein-stueck-bambus_thumb img_10146-in-der-frueh-auf-fischfang-in-der-bucht-von-tobobe_thumb img_10149_thumb img_10151-clemenc-unser-guide-kommt-zu-besuch_thumb img_10156-a-schwarzfahrende-schwalben-begleiten-uns-nachts img_10157-nach-100-sm-wieder-an-der-flussmuendung-des-rio-chagres_thumb img_10166_thumb img_10168_thumb img_10169_thumb img_10175_thumb img_10178_thumb img_10183-fledermaus img_10184-einmal-mehr-stiller-ankerplatz img_10194-gelassen-vorbei-an-grossen-poetten_thumb img_10197-anfahrt-etappenziel-shelterbaymarina_thumb

Bald zurück in der „neueren“ Welt von Panama

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von den East Lemon Cays zum Bambushütten-Internet auf West Lemon Cays

  • windstill, 3.5 Seemeilen, bei Anfahrt (Route nach Waypoints) und einer Stelle mit Tiefenangabe 20 m sind es effektiv nur 0.8 m unter dem Kiel!
  • Treffen hier auf verschiedene Bekannte – SY Genesis, „Yogi“ der Deutsche der bei der Insel Elephant mit Bambushütten-Internet zum Rechten schaut, dann kommen Sandra und Georg sowie die SY Modus Vivendi.
  • Wiedersehensbesuche, Infoaustausch, Büchertausch, besprechen mit Hagen seine persönliche und die „Weltlage“ was jedenfalls spannend ist.
  • benötigen bald mal Wasser, da es 2 Wochen, uncharakteristisch in dieser Zeit, praktisch nie geregnet hat – hatten seit fast 3 Monaten von Reserven und Regenwasser gelebt. Werden dazu zu einer andern Insel beim Festland fahren, welche eine Anlegestelle hat und eine Wasserleitung vom Festland.
  • Treffen Leo und Gesina aus der Schweiz, welche eine 2 jährige Auszeit genommen haben und mit einer 42 Fuss-Ovni unterwegs sind.

 

Zum Wasser bunkern zur Isla Soledad Miria

  • Es sind 6 Seemeilen zur Insel, wo wir Wasser am Steg via Schlauch direkt, statt mit Bidons und Dingitransport, bunkern können. Erst nach Diskussion unter den Einheimischen ist klar wie, wo, was. Vorerst ankern – dann an Steg – hilfsbereite Hände – geben 2 Bier und 2 Fruchtsäfte für Erwachsene und Caramels für 2 Buben, die dann ins Dorf rennen und dann kommen ca 20 weitere Kinder vorbei…
  • Wegen wenig Druck läuft das Wasser nur sehr langsam – Zeit für den Dorfchief (spricht nur Kuna Yala), seinen Sekretär (Interpreter – spricht auch etwas Spanisch) und ein Einwohner (spricht Englisch – hat früher bei der Panamakanal-Kompagnie gearbeitet) mit uns auf dem Boot über woher, wohin und Inselleben zu sprechen. Es ist klar, dass die drei nicht zufällig gekommen sind. Weiteres Bier und Fruchtsaft; das Wasser kostet 7$ und das Anlegen beim Dorf 5$
  • als wir anlegten wollten viele helfen – als wir ablegen „ist kein Schwanz mehr da“…

 

und gleich 9 Seemeilen weiter zur Isla Narbagandup Pipigua (kleine Limone)

  • wir wollen hier eine Nachricht von der SY Pandura überbringen. Wegen Motorschaden und zur Zeit in Cartagena könnten sie den Dorfleuten Farbe, Malermaterial und allfällige technische Hilfe für das „Dorfboot“ erst später bringen, als vereinbart; ob das ok sei.
  • Es beginnt die Suche nach Cebaldo – er ist bald gefunden – sagt, dass er dies am Abend im Congresso besprechen müsse und er gebe uns Bescheid was wir per Telefon – ihres geht nicht – an Ueli und Maureen von der SY Pandura weiter leiten sollen…
  • Bis alles geregelt ist vergehen noch 2 Nächte und 1 Tag – wir sind am Anker und gehen mal mit Dingi zum Dorf, wo wir sofort von vielen Kindern umringt sind, kurz danach auch von Frauen mit Kleinkindern, welche Hautkrankheiten haben und nach Medikamenten fragen und andere, die Stickereien verkaufen möchten – Leena verhandelt und gibt Auskünfte – ich frage ob ich ein Foto machen dürfe, als eine Alte kreischt: „money, money“… wohl das einzige Wort das sie auf Englisch weiss und vielleicht deshalb, weil es in Panama City Fotos von den Kunas zu kaufen gibt…
  • Es kommen ca 15 Kanus, davon etwa die Hälfte Kinder in kleineren „Kinderkanus“ zu unserem Boot. Teils aus Neugier, teils weil sie Caramellos möchten, Erwachsene um Riesen-Crabben, Langusten, Fisch, Molas, zu verkaufen, oder Frauen mit Kindern die Ekzeme haben, wieder andere welche nach Illustrierten fragen…

Während Kinderkanus – die selbst von sehr kleinen Buben mit hervorragender „Einseiten-Paddeltechnik“ gelenkt werden, eher etwas schüchtern auf Distanz bleiben und uns mit grossen ,Augen erwartungsvoll mustern, kommen Erwachsene meist direkt längseits und bumsen manchmal mit den schweren Holzkanus gegen die Bordwand, wenn wir im Boot sind oder es nicht vorher abwenden können. Sie haben „kein Gefühl“ für fremdes Eigentum; wenn man ihnen aber zu verstehen gibt, das Boot nicht zu touchieren, oder einen Fender platziert, ist es kein Problem. Wir erlauben nur in wenigen Fällen, dass jemand an Bord kommt – das ganze Dorf würde kommen… Freunde luden andern Ortes eine Kuna-Familie ein und sagte ihnen, dass sie das Boot besichtigen dürfen, wobei sich diese vor allem für das Bootsinnere interessierte und jeden Kasten und jedes Schapp öffnete… es war kein Problem, aber erstaunt waren die Eigner schon… andere Kulturen andere Sitten…

 

Für 4 Tage zurück nach West-Lemon-Cays

Früh am Samstag 24.7.10. fahren wir für verschiedene Zwecke zurück zu den West-Lemon-Cays, die wir nun schon mehrmals besucht haben. Es sind sehr viele Yachten hier – offenbar wegen des 50. Geburtstagsfestes des Insel-Chefs, das gestern gefeiert wurde und zu welchem alle Yachties eingeladen waren. Auf dem Grill gibt es immer noch Reste eines ganzen Schweines – wir sollen uns bedienen.

Beate und Wolfgang übergeben uns das bestellte Original Holzpaddel, das ein Kuna für uns geschnitzt hat – aus Platzgründen und weil wir es als Andenken wollten, bestellten wir nur ein kurzes Modell-Paddel. Wolfgang nahm es in unserer Abwesenheit entgegen und erzählte, dass unser Kunafreund mit ein paar andern Kunas ein normales Kinderpaddel übergeben wollte und nur wegen Wolfgangs Intervention hätten sie schliesslich das Modellpaddel herausgerückt, hätten sich aber halb zu Tode amüsiert so im Sinne „wie kann man nur so ein kleines Paddel kaufen, das man nicht gebrauchen könne“…

Wir erledigen in diesen Tagen viele Bordarbeiten wie Freibord entgilben, Chromteile reinigen, Unterwassercheck, wobei Leena dazwischen Wäsche macht, Brot und Kuchen backt (Süsses ist ausgegangen). Dabei entdecke ich eine Unterwant, bei welcher ein paar Lizen gebrochen sind – es ist eine Want die wir erst vor etwas mehr als 1 Jahr mit allen andern Wanten und Stagen ersetzt hatten – die alten hielten mehr als 20 Jahre! – ja… ja… liebe Firma… – weil nicht einfach ersetzbar, mache ich vorderhand aus 2 Wanten eine, bis eine Riggingfirma gefunden werden kann. Dabei wie befürchtet festgestellt, dass die für 10 mm Kabel-Durchmesser bestimmte neue Wantenschere weder 10 noch 8 mm zu schneiden vermochte – besser war da die Handsäge. Werde für den Notfall ein halbes Dutzend Sägeblätter beschaffen.

Haben noch Besuch von den Schweden Janne und Elizabeth, SY Nordic Lady – sie freuten sich mit Leena etwas Schwedisch sprechen zu können – es war ein interessanter und auch lustiger Abend, ehe wir am nächsten Tag nach Porvenir ablegten.

 

Von den West Lemon-Cays via Porvenir wieder in die neuere Panamawelt zur Ankerbucht Isla Linton

Nach Porvenir – ein 3 Seemeilen-Hupf – gehen wir nur um (endlich) Einzuklarieren – was praktisch alle so machen nach dem Ausklarieren in Kolumbien, weil es hier einfacher ist als direkt nach der Grenze von Kolumbien. Ausserdem ist es auch abhängig von der Routenwahl.

Der Chef ist nicht da, wir sollen doch in 5 Tagen wieder kommen, wenn er von einer wichtigen Konferenz vom Festland zurück sei. Als wir insistieren und sagen, dass wir bereits morgen weiter wollen, bekommen wir vom Immigrationsoffizier etwas widerwillig die Passeinträge – wir müssen dann später in Colon die restlichen Papiere erledigen.

Einen Tag später verlassen wir das Indianerland San Blas in westlicher Richtung nach Linton. Die meiste Zeit haben wir Leichtwind – setzen alle Tücher – müssen aber beim Am-Wind-Kurs und starker Gegenströmung den Motor zu Hilfe nehmen. Damit erreichen wir nach 44 Seemeilen bei guten Tageslichtverhältnissen die grosse Ankerbucht von Isla Linton, die wir vor ein paar Monaten auf dem Weg nach San Blas besuchten. In Linton stellt sich heraus, dass es sich bei einer gleichzeitig die ganze Zeit parallel mehr unter der Küste mit Motorhilfe segelnden Yacht, um die uns alt bekannte „Eclipse“ handelte.

Nach einem Monat Aufenthalt bei flachen Palmeninseln ist die neue hügelige Küste eine Abwechslung – hören verschiedene Vögel und Brüllaffen und das Wasser, obwohl nicht mehr so klar, glitzert von vielen kleinen springenden Fischen, was wie eine Welle aussieht.

Es befinden sich ca. 40 SY in der grossen Bucht – viele davon waren schon bei unserem früheren Besuch hier – ca. die Hälfte liegt ohne Crew vor Anker, weil die Eigner für ein paar Monate nach Hause geflogen sind. Das alleine lassen eines Bootes vor Anker ist nicht ganz ohne Risiko, wie wir es bereits früher beobachteten. Unser Nachbarboot begann eines Tages zu driften – der Cat begann bereits auf eine andere verlassene SY aufzulaufen. Zusammen mit einem Bootsnachbar eilten wir mit dem Dingi herbei – zum Glück steckte der Motorschlüssel, so dass wir vorfahren, den Anker heben und neu platzieren konnten. Wie sich herausstellte, musste der Eigner blitzartig handeln als er hier ankam. Er musste seine Frau, welche plötzlich schwer erkrankte schnellstens im Flugzeug nach Deutschland begleiten – gemäss Aussagen war sie in akuter Lebensgefahr.

Eigentlich wollten wir hier bei einer Segelmacherin einige Näharbeiten wie Dingi-Cover, Sail-Cover, Abdeckungen für Windpilot etc. machen lassen. Gemäss früherem Telefon hätte sie gleich bei unserer Ankunft – wir richteten es – damit begonnen – nun teilte sie uns mit, dass es erst in 5 Tagen möglich sei und… und… – wir teilten ihr unsererseits höflich aber bestimmt mit „so nicht!“ – wir werden später weitersehen.

Fahren mit dem Bus nach Colon – es wird uns bewusst, dass seit wir vor 1 Monat Cartagena verlassen haben, erstmals wieder Autos sehen.

Besorgen uns bei der Autoridad Maritima das Cruising Permit. Die Erlaubnis zum Befahren der panamesischen Gewässer kann inzwischen nur noch für ein ganzes Jahr gelöst werden und kostet 193.- $ – viel für solche die nur auf Durchreise sind.

Machen noch Einkäufe im Ship-Shop und natürlich schätzen wir nach den Basic-Läden auf den Inseln wieder die grosse und feine Lebensmittelauswahl im Supermarkt.

Eines Abends haben wir Besuch von der franz. Artistenfamilie von der SY La Loupiote, deren 10 jährige Tochter sehr hohes Fieber hatte als wir uns noch auf den East-Lemon-Cays befanden – jetzt ist alles ok und die 2 jährige Schwester „adoptierte“ den Schreibenden und wollte gar nicht mehr zurück aufs Boot mit den Eltern.

Sie begleiten uns anderntags – da wir die Riffpassage kennen – durch den Dingipass zur Panamarina – eine eindrückliche Fahrt von 20 Min. Dort gibt’s Internet und damit „Weltverbundenheit“.

Lernen daselbst den Berner Andreas von der SY Jeannette kennen und haben in den paar Tagen einen geselligen Kontakt mit gegenseitigen Besuchen. Er wartet auf die Rückkehr seiner Frau, die zur Zeit in der Schweiz weilt.

Am Abend des ersten August gehen wir ins Restaurant zu Hans dem Holländer – seine dunkelhäutige Frau präsentiert sich in prächtigem orangem Abendkleid – offenbar will sie heute Abend nicht in die Küche – aber Hans ist auch ein sehr guter Koch – es dauert halt etwas – er pflegt einen Jungvogel den er füttert und ihm nicht freiwillig von der Schulter weicht – eine grosse Fledermaus zieht unter dem Vordach ihre Kreise – an den Wänden und Netzen gibt es kleine krabbelnde Eidechsen und vom angrenzenden Wald hört man Vögel und Brüllaffen – wegen der Mücken, stellt Hans Räucherstäbchen auf und ich zünde mir eine Brissago an – es ist ein schöner und sauberer Platz hier am Wasser, der trotz der Tiere oder gerade deshalb dem Ort ein geschätztes spezielles Ambiente verleiht.

Meist Abends lesen wir oft und viel „seit wir Zeit haben“(;-) – waren es früher vor allem Fachbücher und -Zeitschriften (nicht zu vergessen die vielen Sitzungsprotokolle (;-)), so sind es heute vor allem Bestseller mit geschichtlichem Hintergrund, welche uns zu fesseln vermögen. Dies gilt offenbar für viele Yachties und es findet ein reger Büchertausch statt.

Am Weekend rasen hier mehrere Idioten mehrmals (sorry mir fällt dazu nichts anderes ein) mit Wasser-Scoutern mit Höchstgeschwindigkeit kreuz und quer durchs Ankerfeld in der Bucht – wehe den Schwimmern unterwegs…

 

Nur 10 Seemeilen nach Portobello

Bereits ist wieder eine Woche am Anker in Linton vorbei und wir legen ab nach Portobello, dem früheren spanischen Gold-Umschlagplatz und Piratenhafen – schon deshalb ein interessanter Ort, obwohl davon heute nur noch ein paar Überreste der Festungen und Dutzende von Kanonenrohren zeugen.

Es gab schönen Wind – leider genau auf die Nase (wie fast immer…)

In der Ankerbucht haben wir jetzt via Antenne unerwartet Internet auf dem Boot, was wir schätzen und ausnützen. Es gibt interessante Skype-Gespräche – mehrmals, sofern wir nicht zuvor gekommen sind, haben andere entdeckt, dass wir erreichbar sind, um mit uns zu Neuigkeiten auszutauschen. Das Internet bedeutet für uns und wie es scheint für fast alle Cruising-Segler „Bauchnabel und Tor zur Welt“. Die Nachrichten von Angehörigen, sowie Freunden und Bekannten weltweit, sind dabei die spannendsten… daneben Schlagzeilen aus aller Welt und etwas Polittheater aus der Schweiz wegen zwei zurücktretenden Bundesräten und tägliche Berichte über Roger Federer – wir sind wieder im Bilde – danke für das Up-date.

Mit andern Seglern, wovon zwei in Beziehung zu einer bevorstehenden Taufe stehen, sind wir in die Kirche des schwarzen Jesus eingeladen mit anschliessender Feier bei „Captain Jack“ auf der Terassenbar. Dort werden mitgebrachte Fingerfood und feine Kuchen – einer davon von Leena – offeriert, dazu Bier. Die meisten Anwesenden sind amerikanische Segler, welche „das Feld beherrschen“. Man amüsiert sich bei Karaoke – es gibt dabei einige geübte Sänger und es herrscht ausgelassene Stimmung, die auch noch am Tag danach in der Seefunkrunde spürbar ist.

Impressionen – Bald zurück in der „neueren“ Welt von Panama:

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Von den kolumbianischen Inseln wieder zu den panamesischen San Blas- Inseln

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Von den kolumbianischen Inseln wieder zu den panamesischen San Blas- Inseln

100 sm von Isla Fuerte Colombia nach Isla Pinos Panama

Es steht eine Tag- Nachtfahrt bevor. Trotz „bösem Blick“ bzw. stark entzündetem Auge der Bordfrau, heben wir den Anker und segeln los Richtung Panama – ja, wenn auch hart am Wind, es ist wieder mal „richtiges Segeln“ -. Sollte der Wind nicht, „wie versprochen drehen“, werden wir wohl aufkreuzen müssen. Mit SW-Wind segeln wir über 30 Seemeilen in nordwestlicher Richtung auf die See hinaus, dann dreht der Wind auf WSW. Mit einer Wende steuern wir Panama an und als der Wind weiter auf NW dreht können wir das Ziel, die Insel Pinos, direkt anliegen. Genau um Mitternacht stellt der Wind ab und wir den Motor an. In der Nacht gibt’s noch ein paar Böen und vor allem bis zur Dämmerung ringsum Wetterleuchten mit gezählten 30 – 70 Blitzen pro Minute – ein gewaltiges Schauspiel für den jeweils Wachhabenden. Die an und für sich stockdunkle Nacht wurde zum Tag. Ebenfalls gewaltig und bedrohlich, die sich bei Dämmerung von achtern heran schiebende Wolkenwalze, welche sich aber schlussendlich, mit etwas Böen und Regen, harmloser auswirkte als sie aussah.

In den frühen Morgenstunden tauschen wir die kolumbianische gegen die panamesische Höflichkeitsflagge und fahren in die Ankerbucht von Isla Pinos oder in Kuna Yala-Sprache Tupbak (Wahl) an. Von Weitem sieht die Insel wie ein Wahl aus.

Sonntagsfrühstück – etwas Schlaf nachholen – Landgang: beim Steg zum Dorf treffen wir auf Horatio, ein kleiner Mann von 71 Jahren, der mir bis zu den Schultern reicht und Englisch spricht. Er führt uns zum Assistenten des Dorfchefs, wo wir für das Betreten des Dorfes eine Einmalgebühr von 8 US$ bezahlen müssen. Er zeigt uns sein neues Haus, das noch im Bau ist; fragt, ob ich einige Fotos machen und ihm geben könne, im Weiteren ob ich evtl einen Generator reparieren könne… mache viele Fotos von Horatios Haus, das er mit seiner Sippe (9 Personen) bewohnen will sobald das Dach gedeckt ist. Der Hausbau dauert ein Monat, das Dachdecken mit Palmwedeln deren zwei. Das Dach hält 15 Jahre und ist absolut dicht.

Knapp ausserhalb des Dorfes wird mit der Axt an einem neuen Einbaumkanu gearbeitet, was uns natürlich interessiert. Die drei anwesenden erklären uns, dass mit 10 Mann eine Zeder gefällt und durch den Dschungel zum Ufer des Dorfes geschleppt wird. Dort erfolgt in 6 tägiger Arbeit die Fertigung des Bootes zuerst mit einer Motorsäge, dann mit der Axt – das Boot „lebt“ dann ca 30 Jahre.

Bevor wir zu unserem Dingi bzw Boot zurückkehren sagt uns Horatio noch, dass wenn wir irgend etwas möchten, dann sollen wir den Dorfchef fragen und mit Bestimmtheit fügte er bei: ich werde euch Morgen besuchen – wann es uns recht sei? Auf dem Steg hören zwei Junge das Fussball – WM – Finalspiel Spanien – Holland am Radio; wir schliessen uns an – Spanien das von der Schweiz geschlagen wurde wird Weltmeister… na so was…

Andern Tags um 10.00 kommt Horatio im Einbaum mit gekonnter Paddeltechnik zur Nicone. Als erstes fragt er, ob wir evtl. Leim hätten um ein Plastikbecken zu reparieren. Während er einen Fruchtsaft trinkt, repariere ich das Becken vor Ort. Weil unsicher ob es hält, geben wir ihm noch eines von uns. Die Fotos seines Hauses konnte ich leider wegen defektem Drucker nicht ausdrucken, gebe ihm aber einen Stick mit den Fotos drauf, damit er weitersehen kann evtl. mit andern Yachties oder sonst wie. Leena gibt ihm noch Salbe für sein schmerzendes Knie. Wir fragen ihn, ob es allenfalls möglich sei am täglich stattfindenden „Congresso“ teilzunehmen – ja sicher, er wolle aber noch den Dorfchef fragen; wir sollen am Abend zu seinem Haus kommen und den Computer mitnehmen, damit seine Leute die Fotos des Hauses ebenfalls betrachten können.

Als wir am Abend erscheinen, zeige ich seinen Leuten die Hausfotos – sie betrachten diese zwei Mal interessiert, ohne dass erkennbar ist ob es ihnen auch gefällt.

Dann fragt Horatio den Dorfchef ob wir beim Congresso dabei sein können – ja, kein Problem.

Anmerkung: am Congresso, der zwei Stunden dauert, werden vom Dorfchef und seinen Mitarbeitern im Besonderen die anfallenden Arbeiten des nächsten Tages besprochen und verteilt. Schade war niemand zugegen, der uns etwas hätte übersetzen können – Horatio hat sich wegen seines schmerzenden Knies zurückgezogen – es wurde Kuna Yala gesprochen.

Gespannt betreten wir die grösste Hütte des Dorfes. Es gibt im halb erhellten Raum 14 Hängematten, die praktisch alle besetzt sind, die meisten von Frauen, welche ihre Babys säugen. An den Seiten sind einfache Bänke – ein paar auch in der Hütte verteilt. Einige Frauen sticken mit Stirnlampe an Molas (spez. Indianerstickereien). Es wird auch während der Versammlung verhalten geplaudert und manchmal von Frauen wie von Männern gezielt auf den Boden gespukt – das haben wir schon bei Horatios Küchenhütte beobachtet. Teilweise findet auch ein Kommen und Gehen von einzelnen statt. Es sind zwischen 60 und 70 Personen anwesend – Horatio erklärte uns vorher, dass es sich vor allem um die „werktätige“ Bevölkerung handle. Zu Beginn sprach ein jüngerer Mann – es gibt Räuspern bei den Frauen und Rufe (Protest?) von Männern. Etwas später hält ein älterer Mann – evtl. so etwas wie ein Berater des Chiefs – dieser selbst scheint zu schlafen – einen langen Monolog bei welchem es relativ ruhig ist und einige gespannt hinhören. Für einige Zeit erlöscht plötzlich das Licht – der Monolog geht weiter. Wir sind zwar beeindruckt von der Szene und wie das Dorfleben „gesteuert“ wird, aber es ist für uns mühsam, verstehen wir doch nichts, weshalb wir etwas vorzeitig zum Boot zurück gehen.

Früh als es hell wird, sind am nächsten Tag, wie schon früher beobachtet, einige Einbaumkanus, von ein oder zwei Mann gepaddelt beim Fischen oder zum Festland unterwegs – später um die Mittagszeit kehren sie schwer beladen mit Palmblättern, oder Bananen, oder Kokosnüssen und Bambus zum Dorf zurück.

Anmerkung: Das Tageswerk beginnt früh, wobei längere Kanufahrten oder Fussmärsche dazu gehören. Am frühen Nachmittag kehren die Kunas zurück um den Nachmittag mit der Familie, oder mit den Kindern beim Fischen zu verbringen. Am Abend ist dann der Congresso – es wird früh geschlafen (Hängematten) – viele Inseln haben keinen elektrischen Strom – auf den dichter bewohnten Inseln gibt es oft einen Generator und oder Solarpanele.

 

Weiter zum grössten Dorf in San Blas nach Ustupu

Die Fahrt ist mit 3 Stunden / 13.5 Seemeilen kurz und unspektaktulär. Nichts mit Baden, das Wasser ist am Ankerplatz schmutzig und „Kugellager“ sind zu sehen. Kaum angekommen, sind zwei Männer mit einem Boot bei uns und halten uns eine Rechnung/Quittung für 8 US$ (Betretungsgebühr wie in I. Pinos) entgegen – wir bezahlen mit einer 20 $-Note, die sie erst am Ufer wechseln müssen – sehen erst später, dass das Herausgeld nur 11 $ beträgt…

Wir unternehmen einen Dingi-Tripp in den Sugandi-River, der auf etwa zwei Km befahrbar ist. Im oberen Teil gibt es beidseitig Totenhütten. Der Dschungel ist eher locker und wirkt wie ein wildromantischer Garten. Sehen nur wenig Vögel und es ist still hier.

Beim anschliessenden Gang ins Dorf sind wir Zuschauer wie viele andere auch als kleine Kinder unter Anleitung ein Theater einüben (müssen).

Im Restaurant spricht uns ein katholischer Missionar an – er kennt Franziskaner Schwestern aus der Schweiz, welche hier lange Jahre unterrichteten – er selbst praktiziert einen angewandten Katholizismus. Die Kinder werden im Alter von 6 – 8 Jahren in „Kuna-Religion“ und dann 3 Jahre in katholischer Religion unterrichtet. Danach können / sollen sie selber entscheiden, was sie wollen. Er beklagt sich, dass Kinder die in die Highschool nach Panama City gehen, nachher nicht mehr zurück kommen.

 

Von Ustupu nach Mono Island

Als wir ausserhalb der schmutzigen Bucht sauberes Wasser erreichen, kommen Delfine heran, wobei zwei von ihnen bei Saltos rückwärts knapp über der Wasseroberfläche ihren weissen Bauch zeigen – super Tagesbeginn.

Dann stimmte Verschiedenes nicht:

  • Schon nicht mehr überraschend die unzuverlässigen Seekarten -Ausnahme Panama-Guide – schon beim Ablegen wären wir über Land und später über Korallenbänke die an die Oberfläche reichen gefahren…
  • Wind aus NW auf die Nase statt aus E (wäre toll) wie Prognose
  • Der Ankerplatz bei Mono Island ist gemäss Handbuch aus allen Richtungen exzellent geschützt und Extrahinweis, es sei der Ort wo man sicher ruhig auch im Masttop arbeiten könne… Sch… wir haben volles Rohr Wind und Wellen am Ankerplatz.
  • Siesta, dann Pfiffe und Winken von der Insel her, wo 2 Junge mit ihrem Einbaum Schutz vor Wind und Wellen gesucht hatten. Als ich mit dem Dingi bei ihnen bin – ein 16- und sein 10 jähriger Bruder, dem Angst und Tränen im Gesicht standen – stellt sich heraus, dass sie Wasser geholt haben (am Festland?) und noch Kokosnüsse holen wollten und dabei nicht mehr gegen Wind und Wellen ankamen. Der ältere meinte die Kraft – er zeigt auf Schulter und Oberarme – reiche nicht, um auf ihre 3 Seemeilen entfernte Insel im Luv zurück zu kehren – verständlich. Wir binden den Einbaum kurzerhand an’s Dingi und fahren los – es ist ziemlich schwierig den mit Wasserbidons beladenen Einbaum zu schleppen, weil er auszubrechen droht und auch Wasser fasst. Der Junge setzte sich in’s Heck des Kanus und steuert mit dem Paddel und schöpft manchmal auch gleich übergekommenes Wasser aus. Er tat dies gekonnt und mit „indianischer“ Gelassenheit. Sein jüngerer Bruder verkroch sich im Bug des Dingis und beruhigte sich schnell.
  • Wir kamen nur langsam gegen Wellen und Wind der mit 20 und mehr Knoten blies und uns immer wieder heftige Spritzer bescherte voran. Nach einer Stunde – in einer weiteren wird es dunkel sein – kam ein etwas grösserer Einbaum mit ebenfalls mit Aussenbordmotor heran – offenbar der Vater der beiden – nahm seinerseits die beiden in Schlepp und bedankte sich – ich fuhr mit Wind und Wellen im Rücken zurück.

Damit nahm der Tag ein versöhnliches Ende – ich benötigte dazu noch trockene Kleider und weil ich etwas kalt hatte bekam ich noch ein oder zwei Tassen Tee-Ruhm serviert.

Später legten sich Wind und Wellen komplett und weil es ringsum Mangroven gibt, erschienen dafür die Mücken.

Machen am nächsten Tag einen Dingi-Tripp in den Mono-River – es soll dort grosse Krokodile geben – sahen aber keines – auch gut so – es beschlich uns zeitweise ein komisches Gefühl, besonders wenn sich der Fluss auf ein paar Meter verengte.

Fahren dann zum Dorf San Ignacio, kaufen Eier und bez. für ein eisgekühltes Pepsi-Cola nur gerade 0.5 $, und 10 $ für das Betreten des Dorfes. Auf dem Rückweg sehen wir eine SY die in die Bucht kommt – es ist das erste Segelboot das uns begegnet seit Verlassen der Ankerbucht Cholon in Kolumbien. Die Holländer sind auf dem Weg nach Cartagena. Sie fragen uns, ob wir Fisch haben wollen, sie hätten einen grossen gefangen und zuviel für sich – wir müssen leider verneinen, haben wir unterwegs doch soeben einem Fischer 5 kleine Fische abgekauft.

 

Von Mono Island zur Isla Tigre

Es ist den ganzen Tag trüb, aber das zählt nicht. Was dafür zählt ist, dass wir die ganzen 28 Seemeilen unter Volltuch und mit Halbwind segeln können. Da die See dazu auch noch „ruhig“ ist, kommen wir rassig voran. Wir verbleiben den Rest des Tages am Ankerplatz und geniessen die von Leena selbsgemachten feinen Pizzas.

 

Von der Isla Tigre …………

… bin mit Schreiben soweit voran (wie nie zuvor (;-), dass ich momentan noch nicht genau weiss, ob wir heute Abend noch hier oder bei welcher Insel wir sein werden…

Habe gute Funkverbindung mit der Mambo – sie sind diese Woche von Cartagena direkt zu den Holandes Cays gefahren. Eventuell werden wir sie bald treffen.

Am frühen Nachmittag sind wir im „Swimmingpool“ der East-Holandes Cays – so genannt wegen der ihn umgebenden Inseln mit dazwischen liegenden Riffs und dem glasklaren Wasser das zum Schnorcheln einlädt. Weil zudem gut geschützt, ist es ein beliebter Ankerplatz – es sind zur Zeit 8 SY hier.

 

Zu den East Lemon Cays

Es ist Sonntag 18.7.2010 – die Zeit scheint mal wieder davon zu laufen – woran das liegen mag? Die australische „Virgo’s Chield“ und die kanadische Ketsch legten schon früh ab. Funk mit der Mambo – werden sie wohl heute nocht auf den East Lemon Cays treffen. Tel mit meiner Mutter – es ist heiss in der Schweiz mit jeweiligen Abendgewittern – etwa so wie bei uns – sonst alles ok. Erhalten Mail von Marina in Bocas del Torro, wo wir evtl. das Boot stationieren werden, wenn wir im Oktober für 3 Monate nach Hause gehen.

Dann Anker auf und … kaum 5 Min unterwegs, sind wir sehr langsam zwar aber eben auf eine Sandbank aufgefahren – kommen wieder frei – haben einfach zu wenig aufgepasst in diesem schwierigen Gelände – der Tag beginnt ja „interessant“ zu werden – dann Fahrt bei spiegelglatter See zu den East Lemon Cays, einer sagenhaft schönen Inselwelt. Sehen die Mambo schon von weitem und auch die beiden Boote, welche am Morgen vor uns weggefahren sind. Auch hier ist äusserste Vorsicht geboten um nicht auf Grund zu fahren. Als wir ankern haben wir nur wenig Spielraum unter dem Kiel, weshalb wir nach Begrüssung und Wiedersehen mit der Mambo, den Ankerplatz in grössere Tiefen (10m) verlegen. Wie wir vernehmen hat die SY Virgo’s Child via Funk Hilfe angefordert, weil sie bei der Anfahrt hier auf Grund gelaufen war und nicht selbst freikam.

Kaum da, kommen verschiedene Kanus herbei, um Ware anzubieten: wir kaufen Bananen, 2 Molas, 1 Fisch, 1 Kokosnuss, geben den jeweiligen Kindern Caramellos. Die Familie, welche zur Zeit die neben uns gelegene Insel bewohnt, kommt auch herbei. Sie sind zu fünft, wovon zwei der drei Kinder Albinos sind. Er möchte von mir einen Gilette-Rasierer und unser Handy benützen – er fragte nach beidem ziemlich bestimmt – hält uns eine Telefon-Nummer hin die ich einstellen soll, damit er offenbar ein wichtiges Gespräch – in grosser Lautstärke und Kunasprache – erledigen konnte. Am Abend sind wir auf einer Insel zum Sundowner zusammen mit Canadiern, Australiern, Franzosen, Oesterreicher, Schwede/Engländerin – der Kunamann ist mit einem Vogel auf seiner Schulter und 2 Albino-Kindern anwesend, um Muscheln, Kokosnüsse oder Molas zu verkaufen. Es gibt da und dort Albinos bei den Kunas – dadurch wohl, dass Kunas nur Kunas heiraten dürfen…

Am nächsten Tag legt die Mambo früh ab mit Ziel Linton – wir wollen ebenfalls weiter aber es kam anders aus 3 Gründen:

Wir wollten Brot kaufen das auf einer der Inseln gebacken wird und sehr gut sein soll – als wir hinkamen gab es keines mehr aber der Bäcker sei bei der andern Insel, wo wir ihn finden, aber er hat auch kein Brot mehr, will aber sowieso heute nochmals backen – wir sollen um 13.00 vorbei kommen – als ich wieder komme spinnt der Ofen etwas…weshalb es etwas länger daure… spielt ja keine immense Rolle, also mache ich Fotos und warte noch eine knappe Stunde bis ich das noch heisse Brot erhalte.

Ein Schwede sagt uns seine Bootsnachbarn seien ebenfalls Schweizer – als wir vorbeigehen, frage ich ob sie deutsch oder französisch sprechen – dann ruft die Frau ja natürlich dich kenne ich doch von Magglingen – es war eine Segelexpertin, welche an Kursen an der Sportschule Magglingen war und in Leubringen wohnte… wir staunen wieder mal und tauschen Erlebnisse und Erinnerungen aus… die Zeit vergeht…

Etwas später kommt der franz. Bootsnachbar vorbei – er ist mit Frau und 3- und 10 jähriger Tochter mit dem Segelboot unterwegs – und sagt er habe gehört dass Leena evtl medizinsche Beratung geben könne, die 10 jährige Tochter habe 40.3°C Fiebertemperatur – Leena schaut sich das Kind an, gibt Ratschläge – als sich das Fieber trotz entsprechender Tabletten nach einiger Zeit nicht senkt sondern noch etwas erhöht – wir haben Mögllichkeiten besprochen – liften sie den Anker um noch bei Tageslicht nach Carti-Island zu gelangen, wo es eine Kuna-Klinik gibt…Nun hoffen wir, dass sich das Ganze zum Guten wenden wird.

Impressionen – Von den kolumbianischen Inseln wieder zu den panamesischen San Blas- Inseln:

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Kolumbien: von Cartagena zu nahe gelegenen Inseln im Südwesten

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Vorerst sind wir noch am Anker in Cartagena

Kolumbien hat soeben einen neuen Präsidenten gewählt. Santos heisst der Nachfolger von Uribe und gehört der gleichen Partei an.

Zu Hause gibt es ein Fest zum 85. Geburtstag meine Mutter.

Ausserdem ist die Fussball-WM in Südafrika in vollem Gange – dass die Schweiz Spanien schlug, hat aufhorchen lassen. Spanien ist trotzdem Weltmeister geworden.

Es dauerte noch 10 Tage bis wir unseren Ankerplatz in Cartagena verliessen. Hauptgrund: Eine Sommergrippe hielt hartnäckig an und als ich wieder besser auf die Beine kam, erwischte Leena eine 3 tägige Magengeschichte, welche sie komplett „ausser Gefecht“ setzte.

In diesen Tagen machen wir nur kleine Sprünge, zu mehr sind wir nicht imstande.

Die Hauptbeschäftigungen sind kleine Einkäufe, Gang zur Apotheke, Bericht schreiben, Internet, Fotos ordnen, Kopien leere Logbuchblätter machen, zwischendurch schlafen, Tee, Tabletten, dann Vorräte überprüfen – Leena findet ganz kleine Viecher in vakuumverpackten Teigwaren – Ergänzungsliste für Fahrt nach Panama erstellen – ist mit ca 200 sm nicht sehr weit, wollen aber zuerst in Kolumbien ein paar Inseln und dann in Panama weitere der vielen Inseln anlaufen, wo Einkäufe beschränkt möglich sind, wobei wir ca. ein Monat unterwegs sein werden.

Treffen eines Tages beim Dingisteg plötzlich den altbekannten Hagen von der SY Modus Vivendi, den wir erstmals auf der Atlantikinsel San Fernando de Noronha und wieder in Trinidad und St. Lucia getroffen hatten. Natürlich gibt es viel zu erzählen. Er ist ehemals in Ostdeutschland aufgewachsen – er weiss vieles und es ist auch interessant mit ihm über politische Entwicklungen und die Weltlage zu diskutieren. Wie viele Segler hier, will er 2 evtl. 3 Segeltörns für Backpackers von Cartagena nach San Blas bzw. in Gegenrichtung anbieten. Es handelt sich um ein Packet, Essen inkl. für 380.- US$ pro Person und dauert 5 – 6 Tage – die Ausschreibung erfolgt in Youth Hostels. Hagen ist ein Typ, der sich bemüht ihnen einen guten und schönen Törn zu ermöglichen.

Anmerkung: wir kennen inzwischen einige Segler, welche solche Törns nur wegen des Geldes, das vielen offenbar ausgegangen ist, anbieten. Einige sagen es offen, dass es sie ankotzt, aber sie brauchen das Geld…dabei versuchen viele Segler möglichst viele der jungen Leute mitzunehmen.

Es ist teilweise unverschämt mit welcher Leichtfertigkeit bezüglich Verantwortung umgegangen wird – einige haben weder eine seglerische noch irgend eine andere Ausbildung…

Ein Beispiel von vielen: auf einer kleinen SY mit einer Grösse von 36 – 38 Fuss werden 5 – 6 Leute mitgenommen, mit Skipper u. evtl. „Assistentin“ also 6 – 8 Personen!…

Georg und Sandra, welche in der Szene offenbar als seriöse Törnanbieter gelten, kommen eines Tages mit Backpackern von San Blas nach Cartagena zurück und berichten, dass es unruhig sei auf gewissen Inseln in San Blas – die Kunas würden jetzt Geld verlangen für das Betreten einiger Inseln – klar, sie wollen wohl auch etwas vom Kuchen für sich – und es sei eine Strohhütte abgebrannt, dabei ist unklar durch wen und ob im Zusammenhang mit Yachties.

Unterwegs hat Georg in der letzten Nacht 2 Bonitos (Thunas) gefangen und gibt uns einen davon – was uns für zwei volle Mahlzeiten reicht.

Die Coastguard ist täglich unterwegs und fährt langsam durchs Ankerfeld der ca. 40 SY – wir haben nie gesehen, dass sie jemanden speziell angesprochen oder kontrolliert hätten – beim Passieren wird freundlich gegrüsst.

Zwei mal erleben wir Verfolgungsjagden à la James Bond – offenbar übungshalber – 2 Coastguardboote jagen mit horrendem Tempo ein anderes Motorboot, das nur wenig langsamer ist und durch Bogenschlagen zu entkommen sucht – das ganze unterstützt von einem Helikopter.

An einem windstillen Morgen sehen wir, dass ein Motorboot eine uns bekannte SY, die Pandura, die wir vor nicht allzu langer Zeit trafen, zur Marina schleppt. Von Ueli und Maureen erfahren wir, dass sie wegen Motorschaden und weil es keinen oder nur Gegenwind gab, acht Tage benötigten, um von San Blas hierher zu gelangen – für die letzten Seemeilen baten sie über Funk um Schlepphilfe. Sie müssen eine Motorrevision vornehmen, was etwas dauern wird.

Als es mit unserer Gesundheit wieder besser steht haben wir mit ihnen zusammen einen interessanten und auch lustigen Abend.

Nach 3 Wochen Aufenthalt haben sich in diesem Schmutzwasser viele Entenmuscheln am Rumpf festgesetzt.

Alberto, der Taucher, reinigt zuerst zwei Stunden lang das Unterwasser der Waka Tete, unser Nachbarboot und gleich anschliessend unser Boot. Nochmals 2 Stunden, wobei er einen guten Job macht, wie ich später im sauberen Wasser von Cholon feststelle. Kostenpunkt 60’000 Pesos ca. 35 CHF pro Boot – ein beachtlich guter Verdienst für ihn (gemessen an kolumb. Verhältnissen!) – und eine gute Sache für uns.

Erledigen Ausklarierung mit dem Agenten – machen Lebensmittel-Grosseinkauf,

bunkern Diesel, Benzin und „etwas Bier“ – reinigen die Ankerkette – so schön Cartagena ist, aber die Lagune von Cartagena ist wirklich eine „Dreckpfütze“ – wir freuen uns auf sauberes Wasser um wieder baden zu können.

Weil wir nicht ganz alles erledigen können und es auch viel Regen gibt, verschieben wir unsere Abfahrt um einen Tag und haben einen interessanten Abend mit andern Seglern zusammen in der Pizzeria. Dabei lernen wir Heinz und Sylvia vom Cat Mambo kennen – sie schwärmen von Equador, das wir am Rande auch schon mal in unsere Pläne einbezogen haben…

 

20 sm weiter in südwestlicher Richtung zur Ankerbucht Cholon

Vor dem Ablegen noch schnell in die Stadt um einen Inverter zu tauschen – vergeblich – dann bei Richard (amerik. Nachbar) Beschreibung von Cholon mit Waypoints der Anfahrt holen und Kurzbesuch bei der Mambo-Crew für Infoaustausch (Adr., Daten von unserem Dingi und Verkaufsstelle sowie Infos zu Equador).

Wir haben guten Wind, leider genau auf die Nase und können nur gerade 1 Std bei der Buchtausfahrt die Segel setzen. Wie geahnt und von Seglern bestätigt, stellt sich bei der Anfahrt der Ankerbucht von Cholon heraus, dass die Riffs und Inseln nicht mit der elektron. Seekarte übereinstimmen – bin froh um die erhaltenen Waypoints von Richard – welche eine sichere Anfahrt in die Bucht erlauben. Bei der Einfahrt kommt uns ein Dingi entgegen – es sind Carmella und Ivon die Canadier von der SY Taima, welche ebenfalls hier liegen und die wir zuletzt in San Blas sahen. In der grossen Bucht liegen 12 SY, meist Amerikaner, welche schon mehre Monate oder sogar Jahre hier liegen und teilweise zwischendurch nach Hause fliegen. Ringsum gibt es Mangroven und private Ferienhäuser der Oberschicht von Cartagena, wie man uns sagt. Wir ankern neben einem kleinen Inselchen auf welchem gerade genug Platz ist für die dortige Ferienwohnung.

In der Bucht liegt auch ein Shrimp-Kutter, der dem pensionierten Amerikaner Robert mit Haus auf dem Hügel gehört und als Treff für die Segler gilt. Am Freitagabend ist Happy Hour und Spaghettiessen, zu welchem sich etwa 15 Segler/innen treffen. Robert, der mit Ponytail und Kopftuch wie ein Pirat aus dem Film „Fluch der Karibik“ aussieht, ist ein sympathischer Kerl. Er war wie seine Vorfahren Moto-Cop in LA und seine anwesende Tochter ist es ebenfalls. Als ehemaliger Segler ist er bemüht in der Bucht für die Segler ein gutes Ambiente zu schaffen, zu welchem verschiedene Services gehören. Er hat eine gute Reputation und wie es den Anschein macht, verdient er (noch) nicht mal etwas dabei.

Wir bleiben noch ein paar Tage – pflegen Kontakte mit Yachties und via Funk und E-mail mit der „übrigen Welt“ – versuchen das Deck mit viel Salzwasserdouchen wieder schön zu kriegen – finden mit Damon Electronicspezialist (ehemals bei der US Marine und mit 48 pensioniert) heraus, dass das AIS-Gerät und die Antenne wegen Interferenz def. sind – wann, wo, wie Ersatzteile und Reparatur bleiben momentan offen.

 

16 Seemeilen zu den Islas Rosario bzw. Isla Grande

Als wir nach lässigem Segeln die Insel Rosario – sie ist eine von mehreren Insel dieser Inselgruppe anlaufen um zu ankern, kommt ein Motorboot herbei – die beiden erklären uns freundlich, dass die Insel neu unter Naturschutz sei und Ankern nicht erlaubt. Sie geben uns eine Broschüre mit möglichen Ankerplätzen bei der Isla Grande. Ein „zufällig?“ vorbeifahrendes kleines Motorboot führt uns durch die schlecht erkennbare betonnte Seestrasse u.a. mit einer Sandbank (Anzeige unseres Echosounders 0,0 m unter Kiel). Ausserdem gibt es viel Treibholz bzw. Pfähle und Baumstämme die im Wasser treiben und nicht markierte Betonmoorings die sehr schlecht erkennbar sind – sind froh ein „Lotsenboot“ zu haben. Der Ankerplatz ist ruhig, jedoch die Ferienhausanwohner nicht. Bis um 04.00 dröhnt via Lautsprecher Musik zu uns, da nützten auch unsere Ohrstöpsel nicht viel. Wir verabschieden uns um 06.00 mit 3 maligem langgezogenem lautem Hupen.

 

30.5 Seemeilen zu den Islas San Bernardo

Kommen kaum südwärts voran – Wind auf Nase, ebenso Wellen und Gegenströmung – die Windprognosen sind natürlich wieder verkehrt – laufen trotz Südwind, weil sicherer durch Riffs und Untiefen, die Südseite (Luvseite) der Insel Tintipan an – wollen dann allenfalls weitersehen, sollte der Ankerplatz unsicher sein. Während Leena am Ankerplatz das Boot hütet und Brot backt, fahre ich mit dem Dingi zum Dorf Islote vis à vis. Bereits von Weitem ruft mir ein Junge zu, dass Deutschland bei der Fussball-WM soeben ausgeschieden sei. Er zeigt mir in 10 Minuten sein Dorf, das etwa 200 x 200 m misst und wo es sehr lebhaft zu und hergeht. Er rät mir auf meine Frage hin, das Boot wegen möglichem auflandig starkem Wind von der Insel weg mehr zum Dorf hin zu verlegen, was wir auch tun und ein guter Entscheid war, konnten wir doch ruhiger schlafen.

Am nächsten Tag hätten wir weiter Wind gegen uns gehabt und es regnete teilweise wie aus Kübeln – also Dingi leeren (zu ein Drittel voll), Wassermanagement – wir benötigen keinen Watermaker (;-) – bleiben noch einen Tag hier – einmal mehr eine interessante Feststellung am Ankerplatz: das Boot legt sich gegen die einsetzende Strömung und nicht wie normalerweise gegen den Wind – dieser bläst mit 8 -10 Kn von achtern genau gegen die vorhandene Strömung von 1.5 – 2 Kn. Trotzdem richtet sich das Boot nach der Strömung und nicht nach dem Wind aus.

 

32.5 Seemeilen zur Isla Fuerte

Schon wieder Freitag – meinten die ganze Zeit es sei erst Donnerstag – Start um 06.10 – treffen im „Canal Herrera“, einer engen Passage zwischen Untiefen, auf mehrere Fischerkanus – ein kleines Kanu mit zwei Fischern kommt heran und fragt nach Trinken und etwas Essbarem – sie bedanken sich dann überschwenglich.

Die Fahrt gestaltet sich wegen Schwachwind meist auf Nase eher mühsam mit Motor

– dazwischen kommt Hoffnung auf „guten Wind“ auf – also mindestens Genua mal setzen – leider vergebens. Wie bei den letzten beiden Inseln sind wir hier alleinige SY. Nach der Siesta gehen wir ins Dorf Puerto Limon – am Ufer warten bereits zwei: der eine will das Dingi hüten – ist uns recht – dar andere Dorf und Läden zeigen – ist auch ok – wie auf allen Inseln gibt es fast nur Basics, haben aber diesbezüglich alles und können aber viele Früchte kaufen.

Leena hat seit gestern eine starke Augenentzündung am rechten Auge – wir wägen Möglichkeiten bezüglich allfälliger medizinischer Hilfe und worst-case Szenarien ab und warten bis Morgen, um dann zu entscheiden ob wir den ca 100 Seemeilen-Sprung nach Panama wagen wollen.

Impressionen – Kolumbien: von Cartagena zu nahe gelegenen Inseln im Südwesten:

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