Woche 17 20. – 26.04. 2009 Autoreise

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von Maceio an der Küste nordwärts

7 Tage als Landkrebse mit dem Auto im Landesinneren

Auto-Rundreise – 1600 Km – Land und Leute – vom östlichsten Punkt von Brasilien im Gegenuhrzeigersinn – Staaten: Paraiba – Pernambuco – Alaguas – die Routenwahl erfolgte zum grössten Teil nach dem Lust- und Zufallsprinzip – für die Reise mussten wir den internationalen Führerausweis (Englisch) auf Portugiesisch übersetzen und beglaubigen lassen – sonst gibt’s wirklich hohe Bussen wie wir von gebüssten Seglern erfahren.

1.Tag    von Marina Jacaré via Joao Pessoa nach Inga

Die Fahrt ins Blaue beginnen wir zum Angewöhnen auf guter Strasse, die uns auf langen Geraden mit hügeligem Charakter westwärts führt.
Wir besuchen einen  prähistorischen Ort bei Inga mit in Stein gehauenen Inschriften und Dinosaurierknochen.
Am Abend essen wir auf Empfehlung des Pousada- (Pension) Besitzers über der Strasse Hamburger und gehen aus Sicherheitsgründen nicht ins Zentrum. Dafür sind wir herzlich umgeben von Kindern, Familien, Verwandten und sprechen mit Händen und Füssen – man sprich t nur Portugiesisch – wir (noch) zu wenig! Ein Junge machte auf Geheiss des Vaters dann doch noch einen Spaziergang ins Zentrum mit uns und wusste ein paar Worte Englisch – wir hatten jedenfalls bei Eiscreme und Internet anregende Unterhaltung. Vor dem Schlafen gehen im sehr einfachen Zimmer bewundern wir noch die grossen Kröten die überall im Hof auftauchen – sie sind ca 3 x so gross wie in Europa was aber noch kleine seien wie uns erklärt wird.
Anmerkung: die Pension mit sehr einfachem Zimmer wurde uns von einem Verwaltungs-
angestellten des Gerichtes empfohlen, wobei er uns gleich begleitete und sagte, dass wir „confiança“ haben können – es kostete 20 Real (ca 10 CHF!) – der Besitzer begleitete uns danach persönlich zur Sehenswürdigkeit Ingastone

2. Tag     von Inga nach Patos

Relativ gute Hauptstrassen verbinden die grösseren Städte – dennoch ist ständige Vorsicht geboten, sei es wegen Löchern, Unebenheiten, entgegenkommender Fussgänger oder Velofahrer. Besonderheit: überall, auch in den kleinsten Orten, gibt es Strassenschwellen die meistens mit Tafeln (manchmal durch Pflanzen verdeckt!) angezeigt werden und nur im Schritttempo überfahren werden können. Eigentlich eine sinnvolle Einrichtung wie wir finden, aber wehe…
Auf Empfehlung hin sind wir nie nachts gefahren, wegen Fahrzeugen ohne Licht, Rasern, im Dunkeln entgegenkommende Fussgänger, Mopeds, Velofahrer auf der eigenen Strassenseite, nicht sichtbaren Löchern, Schwellen, Gegenständen etc.
Wir erhalten einen Eindruck über die Weite des riesigen Landes – man ist nach hunderten von Kilometern noch „nirgendwo“ – die bergige Landschaft ist jetzt in der Regenzeit grün und die Flüsse führen viel Wasser. Ab und zu sieht es fast wie in Finnland aus mit Seen die von sattem Grün umgeben sind, dann folgt wieder Steppengebiet. Es sind kaum Häuser zu sehen und nur ab und zu gibt es Fussgänger welche Ware tragen – woher, wohin?
Viel (warmer) Regen begleitet uns unterwegs – wie es sich für den hiesigen Herbst gehört.
Am Abend haben wir im Hotel Internet und sind mit der „übrigen Welt“ verbunden.

3. Tag von Patos nach Pedra

Vor der Wegfahrt in Patos mussten wir wegen Überschreiten der Parkzeit noch eine Parkbusse bezahlen – eine entsprechende Tafel war nirgends  auszumachen – Kostenpunkt 2 Real (ca 1 CHF!!!) – die junge Beamtin die herbei gerannt kam, nahm die Sache sehr ernst und füllte den Busszettel aus – eben so wie in der Schweiz (;-)
Sonstiger Tagesverlauf:
grössere Polizei- oder Militärtruppe, alle in gleichem Turntenu, trabte vorbei. Dabei gab es einen Vorsprecher und die Truppe antwortete lautstark im Sprechchor
wage es nicht beim Wasserfall ausserhalb Patos zu baden (Wasserqualität!)
viele Fotohalte, sonstige Stopps: Suche nach Geldautomat, Städtehalte, Mittagessen (Preis nach Gewicht- für uns zwei inkl. Getränk 7 Real also ca 3.5 CHF)
begegnen bösem Strassenunfall: Velo, grosser Laster, PW
durchqueren Texeira – nehmen an Bushaltestelle autostoppenden Lehrer mit nach Monteira und erfahren von ihm in gebrochenem Englisch etwas über Land und Leute
in Sertania geleitete uns eine junge Frau zu einem entfernten Bankautomaten, der auch VISA akzeptierte
sind unterdessen im Staat Pernambuco
durchqueren die ärmlich und mit vielen Auto- und Pneuwerkstätten versehene Stadt Arkoverde und erreichen am Abend Pedra (Fels wie Petra)
nach Hotelbezug mit privatem Ambiente essen wir im Zentrum in einem Restaurant, das eher einer Garage ähnelt, aber viele Gäste hat und der Wirt sagt wir sollen gleich in die Küche kommen um zu sehen was er hat und lädt uns ein gleich dort zu essen – war prima und in speziell freundlichem Ambiente
zurück im Hotel gabs noch „Gespräche“ (u.a. mit Zeichenstift und Papier) mit Frau, Tochter und Sohn des Hotels sowie einen Caepirinha (Ruhm-Frucht-Drink – hmm!)

4. Tag    von Pedra nach Maceio an der Küste

Nach feinem Frühstück besteigen wir den riesigen glatten Felsen, von dem der Ort seinen Namen hat und uns natürlich an unsere Tochter Petra erinnert. Am Fusse des Felsens, wo sich Wasser sammelt, baden Kinder und Frauen waschen und legen die Wäsche zum Trocknen auf dem warmen Felsboden aus.
Tanken, dann weiter südwärts mit Zwischenhalt in der geschäftigen Stadt Palmeiros dos Indios. Wir sind nun im Staat Alaguas. Unterwegs sehen wir viele Männer, welche mit Pferden unterwegs sind, bzw. diese vor Restaurants tränken – selber machen wir einen Kaffeehalt bei einem Strassenkiosk – der Mann will kein Geld dafür – wir sind überrascht und erfahren später, dass Kaffee aus Thermoskannen unterwegs gratis ist! Weiter geht’s ostwärts zur Küste – die Landstriche sehen aus wie das Emmental in der Schweiz, wären da nicht Palmen. Viele Rinderfarmen prägen das Hinterland der Küste. Es wird bereits dunkel (ab 17.30 Uhr geht’s schnell) und wir haben in Maçeio endlich eine Unterkunft gefunden. Weil uns an der Reception bedeutet wird, dass es draussen nachts mehr oder weniger gefährlich sei, beschliessen wir beim 50m entfernt liegenden Strassenplatz feine grillierte Spiessli zu essen, die eine Frau vor Ort anbietet. Nach einer Stunde – gerade im Hotel zurück – quitschen Autobremsen, Geschrei – schwer bewaffnete Polizisten zerren „Kriminelle“? aus Autos und legen den am Boden liegenden Handschellen an – unterdessen stürmen weitere Polizisten ins Hotel – fragen uns nach Zimmer-Nr – dann können wir aufs Zimmer – nach ¾ Std ist der Spuk vorbei – hinterlässt aber komische Gefühle …

5. Tag    an der Küste nord- bzw. wieder aufwärts

Kurzer Strandbesuch an der langen weissen Sandbucht, die jetzt im Winter – es gibt 28° C! – menschenleer ist – Touristenboom ist um die Weihnachtszeit. Trotzdem ist es gut, dass es im Auto eine Klimaanlage gibt! Die Fahrt nordwärts ist fast wie Aufkreuzen mit dem Segelboot – wir müssen an  der Küste viel Zick-Zack fahren – erst später gelangen wir direkt an die Küste und fahren durch malerische Dörfer – irgendwo machen wir Badehalt und kurze Siesta – dieser schöne Flecken war auch ausgesuchter Platz für einen Bus voller Touristen aus Rio de Janeiro wie sich heraus stellte – endlich können wir uns etwas auf Englisch unterhalten. Auf der Weiterfahrt hatten wir plötzlich das Gefühl ins Niemandsland zu fahren – also zurück und nach mehrmaligem fragen entdecken wir die Fähre, die uns über einen Meereseinschnitt bzw. Sumpfgebiet ans richtige Ufer bringt – es war ein besonderes Erlebnis über Bretter, die zurecht gelegt wurden auf die zerbrechliche Fähre zu gelangen, was wir aber mit 3 andern Autos wagen – ob sie uns sicher hinüber bringen wird? – tat sie! – In einer sehr schönen Pousada am Strand unterhalb von Itaparinga gelegen, lassen wir uns verwöhnen: Pool – feines Essen – „Gespräche“ mit der Familie – Hängematte – schlafen.

6. Tag

Nach reichlichem Frühstückstisch folgen wir noch etwas der Küste entlang – es ist Ebbe und weit draussen sind Riffe und Menschen zu sehen.
Etwas später fahren wir wieder landeinwärts – wir wollen nach Caruaru, wo es Samstags Reiterspiele geben soll. Die Strasse führt uns durch riesiges Zuckerrohranbaugebiet – wir befinden uns während Stunden links und rechts der Strasse „im Grünen“, offenbar ansonsten durch ärmliches Gebiet. Dabei machen sich schon auch Gefühle der Ohnmacht breit. Da sitzen besonders bei den Strassenschwellen, wo nur im Schrittempo gefahren werden kann z.B. 3 ca. 40-50jährige Männer und verkaufen Nüsschenpakete für 1 R$ (0.55 CHF). Selten kommt ein Auto vorbei und sie schauen dich erwartungsvoll an – meist haben diese Leute kinderreiche Familien – müssen sie davon leben? – anhalten etwas kaufen – etwas weiter andere Strassenverkäufer, dann wieder andere etc… dabei hält sich diese Armut noch in Grenzen vergleicht man sie z.B. mit derjenigen der Strassenkinder…Wir diskutieren die Situation mit Freunden…
Die Strasse weist zeitweise enorme Löcher auf – nach einer Kurve erwischen wir ein solches Loch, das breiter ist als das Auto – ausweichen oder vorher bremsen nicht mehr möglich und „rums“ darüber – später auf der Autostrasse haben wir als Folge einen Platten – Pneuwechsel – in Caruaru regnet es in Strömen als wir bei der erst besten Pneuwerkstätte (es gibt viele – sind auch nötig) Halt machen. Dort wird mit einfachen Mitteln zuerst die Felge neu gerichtet und im 2. Anlauf ein Occasionspneu montiert.
Caruaru erweist sich als Enttäuschung – es finden keine Reiterspiele statt und die Stadt selbst…na, ja – machen Museumsbesuch – regional wohl interessant – etwas spannender ist die Geschichte der Stadt im Internet nachzulesen: sie wurde durch entlaufene und sich organisierende Sklaven gegründet und zählt heute 280’000 Einwohner.

7. Tag

Heute geht es zurück auf’s Boot. In Olinda – bekannt schöner Ort – machen wir einen Zwischenhalt und werden sofort von sog. Guides umringt, welche uns ihre Dienste und die Sehenswürdigkeiten des Ortes anpreisen – nach Preisverhandlung begleitet uns ein solcher – hat aber offensichtlich keine Ahnung was er uns über die vielen alten schönen Gebäude, Plätze und deren Geschichte (in mässigem Englisch) sagen könnte – statt dessen führt er uns schnurstracks zu Souvenierständen… nach ¾ Std „entlassen“ wir ihn, als er mehr hinter uns als mit uns weitergeht.
Der restliche Rückweg ist nicht erwähnenswert – wir machen in Jacare Atlantikseite noch einen Badestopp und kehren müde aber wohlbehalten zur NICONE zurück, die wir ebenfalls wohlbehalten vorfinden – die Nachbarn hatten ein Auge drauf – bei einem Drink diskutieren wir über gegenseitige Brasilienerfahrungen und Bedeutung für uns selbst.

Impressionen – Woche 17 20. – 26.04. 2009 Autoreise:

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Woche 15 & 16 04. – 19. April 09 Angewöhnung an Brasilien

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Marina Jacare

In erster Linie bedeuteten die ersten zwei Wochen Angewöhnung an das feucht heisse Klima mit viel Regen – häufig schlecht geschlafen – Mückennetze (wie Himmelbett) montiert – viel Wasser getrunken – oft müde (willkommene Siesta) – Leena erträgt alles viel besser als ich – wir gehen häufig „kalt“ douchen oder in den Pool oder stelle mich auf Deck in den Regen um etwas Kühlung zu haben.
Nach ersten Orientierungen am Wochenende vor Ort in Jacare (Jacare heisst Krokodil – das letzte wurde „vor langer Zeit“ gesichtet) –  fahren wir montags früh mit dem Zug nach Cabadelo, wo wir uns anmelden müssen – Segler und Handbuch weisen darauf hin, dass für das Erscheinen bei den behördlichen Stellen „anständiges Aussehen“ verlangt wird, ansonsten könne man zurückgewiesen werden – dazu gehören lange Hose und geschlossene Schuhe. Wir bringen die Papierübung mit den sehr freundlichen Behörden nach 2 ½ h hinter uns – wurden u.a. in die Stadt geschickt um Fotokopien machen zu lassen (im sonst modernen Büro gab’s keinen Kopierer) – dabei zeigt uns der gut englisch sprechende Beamte stolz das Projekt einer Kirche, bei welchem seine elfjährige Tochter massgeblich beteiligt ist – es wird uns auch kühles Trinkwasser angeboten – dabei geht uns durch den Kopf wie das auf einer Schweizer-Polizeistelle wäre – auf der Capitanerie versteht man wie prakt. überall nur portugisisch – kein Problem – die Gesundheitsbehörden könnten wir weglassen – und falls wir noch auf die Toiletten müssten seien sie da…
Dann geht’s zurück mit dem Zug – 0,50 R$ (25 Rp) egal ob 3 oder 30 Km – Hans ist etwas reisenervös  – klar, er verlässt uns am Abend mit dem Taxi Richtung Recife, Flug nach Salvador, Frankfurt, Zug nach Biel.
Der Liegeplatz am Steg – wir haben ihn sicherheitshalber gewechselt und liegen an 2 Murings und mit dem Heck am Steg – ist etwas Besonderes – die Tide beträgt hier 2,.50 – 3 m und verursacht starke ein- und besonders auslaufende Strömung mit entsprechenden Fliessgeräuschen. Das Wasser ist schmutzig grün und hinterlässt am Unterwasser bald seine Spuren und Ablagerungen mit Kleinmuscheln.
An den beiden Stegen der Marina gibt es vor allem französischsprechende Segelcrews aus Frankreich, Belgien, Schweiz, was mit dem französischen Marinabesitzer zusammenhängt, der hier seine brasilianische Liebe gefunden hat. Die Marina gilt als sicherer Platz – was nicht von überallgesagt werden kann. Nachts wird sie wie viele öffentliche Gebäude und Orte von Sicherheitsleuten bewacht.
Der Steg mit den verschiedenen Booten, mit unterschiedlichen Besatzungen, Alleinsegler, Paare, Familien, Kinder, Hunde, entspricht dem eines lebendigen Dorfquartiers: Informations-austausch, Smalltalk, Aushilfe, etc. Das Gefühl auf andere zählen zu können gibt Sicherheit.
Da gibt es auch versch. kleine Dienstleistungen besonders durch die franz. Frauen: Afrolook, Unterricht in Portugisisch – Helena gab uns die ersten Lektionen – Herstellung von Art, etc.
Einen Schreckensmoment gab es am Ostertag als ein 2 ½ jhriger Bube von einem Katamaran ins trübe ausfliessende Flusswasser fiel, was Leena beobachtete und Alarm schlug – der Vater hechtete und schwamm hintennach und erwischte ihn – ein Ostergeschenk – allseitiges aufatmen!

Die Brasilianer erleben wir als sehr freundlich und hilfsbereit, obwohl da auch immer eine Portion Skepsis mitspielt – dies inbesondere wegen den vielen Hinweisen, „Geschichten“ und Begebenheiten, welche sich um Kriminalität drehen. Es sind uns unterdessen mehrere Segler bekannt, welche überfallen wurden. Da ist z.B. John unser Segelnachbar der schon längere Zeit in Brasilien lebte. Er wurde mehrmals von Kindern mit Pistole bedroht. Die letzte „Geschichte“ die uns erreichte, handelte von einem Deutschen Segler der kürzlich erschossen wurde weil er sich wehren wollte. Die Polizei habe den noch nicht 12jährigen Täter erwischt (kann aber wegen seines Alters nicht entsprechend Tat zur Rechenschaft gezogen werden). Der zweite etwas ältere Junge (Anstifter) sei bekannt aber die Polizei hätte mitgeteilt, falls sie ihn erwischen, würden sie ihn gleich erschiessen, statt im Gefängnis durchzufüttern…
Nun, es stellt sich die Frage wie mit solchen „Geschichten“ umzugehen ist… klar ist, dass die hier vorherrschende Kleinkriminalität von der häufigen Armut – auch Bildungsarmut – geprägt ist und es bei diesen Kriminellen oft um tägliches Überleben, offenbar auch für deren Angehörige geht. Viele Leute leben buchstäblich auf und von der Strassse.
Dies wirkt oft bedrückend und persönlich entstehen Ohnmachtsgefühle vis a vis der vorherrschenden Situation. Was können wir als Einzelne beitragen? können wir überhaupt? Direkthilfe zur Selbsthilfe?
Die Vehaltensregeln für den Selbstschutz, welche selbst von Touristenbüros bekannt gegeben werden lauten dabei an Land – sich nicht auffällig als Tourist benehmen, keine Uhr bzw. Schmuck tragen, nur wenig Geld bei sich haben, keine Photoapparate benützen, nicht in Seitenstrassen gehen, nicht nachts unterwegs sein, Taxis benützen und im Falle einer Bedrohung sich nicht zu wehren, sondern „hergeben“ etc. Auf dem Wasser heisst dies u.a. nicht alleine ankern, abgelegene (meist sehr schöne) Ankerplätze meiden, Marinas (es gibt sie nicht allzu häufig) aufsuchen.

Jacare selbst ist eigentlich zweiteilig: der eine Teil wo wir sind liegt am Fluss Paraiba, der andere am Atlantik mit weit vorgelagerten Riffen. Etwas oberhalb der Marina befindet sich der Touristenstrand, bekannt für die Sonnenuntergänge – die wegen den hier am Horizont vorherrschenden Wolken fast nie stattfinden oder im Regen untergehen – aber täglich von einem Saxophonisten ganz in Weiss auf einem Boot um 17.00 mit dem Bolero von Ravel eingeleitet werden und um 18.00 mit dem Ave Maria enden. Danach gibt es brasilianische Unterhaltungsmusikvon Lifebands, an Weekends oft bis morgens um 06.00 (;-(

Nach zwei Wochen gewöhnen wir uns so langsam an die brasilianischen Lebensbedingungen.

Impressionen – Woche 15 & 16 04. – 19. April 09 Angewöhnung an Brasilien:

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Woche 12, 13 und 14 Di. 17. März – Fr. 03. April 2009

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fliegender Fisch geangelt

Atlantik-Crossing von Kap Verden nach Brasilien

Kap Verde – Inseln Peter und Paul passiert – Insel Noronha – Cabadelo / Jacare / Brasilien

…ein Bericht wie von vielen, welche den Atlantik überqueren…

Vor dem Start liegt einige Ungewissheit in der Luft – wir werden in der nächsten Zeit länger als bisher auf uns selbst und unsere eigenen Ressourcen  gestellt sein – nun wir sind nicht die ersten und sicher lange nicht die letzten die eine Atlantik-Überquerung mit dem Segelboot unternehmen – dennoch….

Am 17.03.09 um 17.00 UTC legen wir nach dem Dieselbunkern im Fischerhafen von Mindelo, Kap Verde ab Richtung Brasilien. An Bord ist Leena – sie freut sich auf das was da kommen mag – Hans, der auch schon früher mit uns in der Türkei dabei war – es ist wie er meint, wohl die Chance in seinem Leben den Atlantik per Segelboot zu überqueren. Dann ist da noch der Verantwortliche für das Unternehmen, der mit der Einstellung „wir tun es heute hier und jetzt“ ins Rennen geht und daraus etwas Gutes machen will. Ob es gelingt…
es sind da doch ein paar Dinge die es speziell zu meistern gilt: haben wir genügend Bord-Energie via Solarpanele unterwegs? bringen wir die Windpilotanlage besser zum Selbststeuern? Gesundheit der Crew? – die Krankenschwester und der Arzt inklusive Medikamente sind an Bord, also was soll’s. Werden wir die Wetterbedingungen und Kontakte (E-mails) mit der Aussenwelt mit Pactor  bewerkstelligen können? Was wird sein wenn…

Aber nach den Vorbereitungen über längere Zeit, sind wir zuversichtlich.
Das erste Tagesetmal war mit nur 56 sm bei sehr schwachem Wind nicht gerade berauschend. Danach setzte mehr und mehr der NE-Passat-Wind ein, so dass wir Etmale um 100 sm erreichten.
Am 3. Tag – das Bordleben begann sich einzuspielen – nahmen wir eine erste Bilanz vor. Dabei stand u.a. zur Diskussion: können Batterien genügend geladen werden – notfalls ja mit 1 bis 2 Std Motor pro Tag – Windpilot spinnt etwas – müssen wir selbst steuern? – der autom. Pilot braucht Energie und soll geschont werden – Pactor-Wetterbericht zur Zeit tote Hose…
Es wäre jetzt querab der südlichsten Insel Fogo von Kap Verde eigentlich der letzte Moment um allenfalls unter relativ harten Bedingungen gegen Wind, Wellen und Strömung umzukehren. Das aber wollen wir nicht.
Ab Mittag können wir den Spi setzen und kommen mit 6 – 7 Knoten ganz flott voran. Am Abend dann gute Pactor-Verbindung mit San Diego via Las Palmas. Für die Nacht „sichere Besegelung“ gesetzt. Nachtwache im 2 Std Rhythmus, d.h. 2 Std Wache / 4 Std Schlaf von 21.00 – 09.00.
Am 4. Tag ab Mittag wieder Spi-Segeln – können wir es wagen unter Spi in die Nacht hinein zu segeln? – für Nichtsegler sei erwähnt, dass das Bändigen des Ballonsegels von 130 m2 nicht ganz einfach ist, falls der Wind aufdreht und dies noch nachts – nach längerem Abwägen der Kriterien wagen wir es… dann nimmt der Wind zu, d.h. etwas schwierig und riskant den Spi in der Nacht zu bergen – also rauschen wir durch die Nacht mit eingeschaltetem autom. Pilot (in diesem Fall etwas sicherer als von Hand zu steuern oder mit mech. Windpilot). Im Verlaufe des kommenden Morgens Spi niedergeholt als der Wind weiter auf 23 Knoten (6 Bf) zunahm. Fliegender Fisch an Deck und mehrere übers Wasser fliegen sehen. Tagesetmal 143 sm. Mit gutem Speed unter ausgebaumter Sturmfock und Genua geht’s in die meist sternenklare nächste Nacht, wobei das Meeresfunkeln in der Gischt am Rumpf der Nicone prächtig leuchtet.
5. Tag: letzte Nacht mehrere Lichter sichtbar, die sich mit Radar als 3 Schiffe feststellen liessen – melden sich nicht auf Anruf über Funk. Am Morgen 2 fliegende Fische an Deck – mehrmals elegante Seevögel gesehen, notabene ca 700 sm von Land entfernt. An die Nerven gehende Versuche mit Windpilot bzw. unterschiedlicher Besegelung und Trimm. Um 23.00 AIS-Alarm (Autom. Identifikations System). Ein Frachter kreuzt uns in ungefährlicher Distanz und etwas später ein zweiter achterlich.
6. Tag: Vor allem bei mir, Gefühl zu langsam voran zu kommen – letzte Nächte spürbar wärmer – am Steuer trotzdem kühl – segeln – segeln – Berechnungen anstellen über Winkel, Kurs, Speed, Distanzen, Zeit – hintereinander mehrere Schwärme fliegender Fische vor dem Bug vorbei geflogen – Körperpflege mit Salzwasser aus der Pütz an Deck und „etwas“ (sparen!) Süsswasser zum Abspülen – E-mails und Wind-Gribfiles über Kurzwelle / Pactor hereingeholt: keine Windänder-ung in den nächsten Tagen – Hans erfindet das „Bergfest“, d.h. Halbdistanz erreicht zwischen Kap Verden und Insel Fernando de Noronha (zu Brasilien gehörend), wo wir einen Zwischenhalt einschalten wollen. Ab jetzt geht es „bergabwärts“ und dabei nur um das Wohl der Crew! Diese Zwischenbilanz feiern wir mit Bratwurst und einem Glas Roten – Anmerkung: es blieb bei einem Glas, denn er hatte etwas „Zapfen“, aber, so die Bordfrau: „es war ein gäbiger Tag“.
Die nächsten Tage sind ausgerichtet auf das Passieren der Vulkaninseln Peter und Paul, welche aus der Tiefe des Atlantiks nur knapp über die Meeresoberfläche aufragen. Meist unter Genua, Passatsegel, gerefftem Grossegel und Besan kommen wir mit 4.5 bis 5 Knoten Speed voran. Es ist trüb. Dazwischen Nieselregen und der Versuch immer mal wieder eine „Mütze Schlaf“ zu erwischen. Ebenfalls versuchen wir einen Fisch an die Angel zu bekommen – alle reden von erfolgreichem Fischen – wir nicht! – hingegen könnte meine Rechnung mit dem hier mehr auf Ost drehenden Wind aufgehen, damit wir die Inseln Peter und Paul, die etwas mehr südwestlich von uns liegen, direkt ansteuern können.
Nach 9 Tagen erleben wir einen ereignisvollen Prachtstag: Noch ca 50 sm bis Peter und Paul – vorerst unklar bezüglich Winddreher, Besegelung – das Unterliek fegt mir beim Arbeiten auf dem Vordeck meine heiss geliebte, mehrmals geflickte und reparierte Pilotenbrille vom Kopf in Neptuns Reich – dann dafür gutes Vorankommen unter Spi, gerefftem Gross und Besan mit direktem Anliegerkurs auf „Peter und Paul“ – um 15.30 Fischleine ausgeworfen und sofort einen fliegenden Fisch an der Angel – juhui unser erster selbstgefangener Fisch – dieser reicht aber nicht für drei Personen, also weiterer Versuch und eine Stunde später haben wir eine prächtige Goldmakrele an der Angel (ist wirklich goldfarbig) – na geht doch – um 17.40 Land in Sicht – die Inseln Peter und Paul sind erst 3 – 4 sm vorher im Abendlicht erkennbar – um 18.15 haben wir die Inseln in nur 1 sm Distanz an Steuerbord quer ab – es ist wie im Film: einmaliges Ambiente (Licht, Wellen, Brandung, Delfine und Seevögel wie zur Begrüssung) und wir passieren dieses Einod unter Spi.
Wir feiern diesen herausragenden Tag mit feinem Fischgericht (frisch, selber gefangen, und zubereitet) und starten unter Spi in die Nacht.
In der folgenden Nacht sind wir bis 03.30 mit 5.5 Knoten und mehr gut unterwegs – dann plötzlich windstill, enormer Regen, der nasse Spi vertörnt sich wegen Wellen und Schaukeln – mit einiger Anstrengung auf Deck geholt und etwas abgekämpft in die Koje gegangen. Am folgenden Vormittag bei sehr trübem Wetter, erneutem Regen und kaum Wind, Spi klariert und neu gesetzt. Rechtzeitig für die Äquator-Überquerung klart es etwas auf und mit guter Geschwindigkeit und unter Spi überqueren wir am Freitag 27.3. um 14.40 UTC den Breitengrad mit der Marke 00°00,0’ von Nord nach Süd auf der Länge 30°01.8’W – ein guter Tropfen ist dabei! Nun sind wir also auf der Südhalbkugel unserer lieben Mutter Erde und ein paar Dinge werden etwas anders sein als vorher. Darunter und für uns wichtig zum Beispiel das, dass sich ein Hochdruckgebiet hier im Gegenuhrzeigersinn dreht, ein Tief dementsprechend rechtsdrehend ist, der Mond umgekehrt zu- und abnimmt , etc.
Die nächsten Tage sind Schwachwindtage, was denn sonst hier in den Rossbreiten. Es ist feucht und oft heiss – in den ersten Tagen ab Kap Verde benötigten wir noch warme Kleidung und Mütze in der Nacht – nun seit Tagen trage ich nur noch Shorts und T-shirt und bin die ganze Zeit Barfuss – eben auf der Barfussroute. Berühmt für Schwach- oder kein Wind, kann dieser Kalmengürtel sehr mühsam sein. Wie den meisten bekannt, haben die Rossbreiten ihren Namen von Segelschiffen die im 17. und 18. Jh. Pferde in die amerikanischen Kolonien transportierten und wegen der verlängerten Segelzeit viele Pferde wegen Nahrungsmangel verendeten und über Bord geworfen wurden. Nun, wir haben einen Motor den wir zwar zögerlich aber doch einsetzen.
Der  Sonntag 29.3. ist besonders gekennzeichnet durch schwache und drehende Winde. Dazu bedeckt, oft dunkel und Regen, wovon wir etwas in Eimern auffangen. Ringsum immer wieder Gewitterherde. Einer davon trifft uns mit heftigen Böen und Schauern. Wir planen unsere Ankunft auf der Insel Fernando de Noronha so, dass wir nicht in der Nacht den Landfall haben. Ein paar Delfine bringen etwas Abwechslung in den trüben Tag unter Motor. Am Abend gibt es neben Aufhellungen eine Douche an Deck mit gesammeltem Regenwasser und anschliessend zaubert Leena ein feines Menü mit Elchfleisch (aus der Dose), Spätzli, Preiselbeeren, Rotwein, Dessert, Kaffee und Grappa auf den Tisch. Anmerkung: weil unter Motor und relativ ruhigen Verhältnissen, können wir statt aus einem Tableau auf den Knien mit tiefen Tellern und Gefässen, ganz normal am Tisch essen. Dann geht’s weiter unter Motor in die Nacht.
Bei Wachübernahme durch Peter um 03.00 kommt Wind auf – sofort Segel gesetzt und nach vielen Motorstunden gibt es herrliches Nachtsegeln – so schön, dass die folgende Wache der Bordfrau (sie schläft derweil herrlich und wird es zu schätzen wissen) auch gleich durchgestanden wird. Um 05.00 ist das Leuchtfeuer von Fernando de Noronha klar voraus sichtbar. Später weckt uns der wachhabende Hans, damit wir den herrlichen Sonnenaufgang nicht verpassen – zugleich ist Land (Insel F. de Noronha) in Sicht und ein Segelboot von Backbord kommend. Später liegen wir Seite an Seite neben diesem Boot am Anker. Es sind zwei junge Deutsche welche ebenfalls von den Cap Verden kommend hier Halt machen.
Die Naturschutz-Inseln Fernando de Noronha sind einmalig schön und liegen ca 300 sm östlich vom Festland Brasilien (östlichster Punkt) entfernt. Wir liegen am einzig erlaubten Ankerort mit einigen andern Segelyachten und Motorbooten ausserhalb der Hafenmauer – im Hafen selbst gibt es wegen Untiefe keine Liegemöglichkeit für Segelboote – und sind umgeben von Felsen sowie kleinen Inseln. Der Platz ist phänomenal gelegen, das Wasser bis auf grosse Tiefen glasklar, jedoch auch geprägt von viel Schwell, so, dass z.B. das Umsteigen ins Dingi zur Akrobateinlage werden kann. Die Insel macht sich einen Namen für Ökotourismus und kann praktisch nur mit ansässigen Institutionen (Tauchen Schnorchel, Ausflüge, Delfin-Watching etc) besucht werden.
Von  andern Seglern die wir schon auf Lanzarote trafen, wussten wir, dass ein Besuch der Inseln mit dem Segelboot teuer würde. Es scheint so, dass behördlicherseits kein Interesse an Yachtbesuchern besteht. Man ist zwar freundlich aber der Preis ist wohl als Abschreckung gedacht, gibt es doch überhaupt keine Infrastruktur, wenn man dann per Dingi mal über die grossen Wellen das Land erreicht hat. Wir bezahlten für eine Nacht (es werden 2 Tage verrechnet!) für Boot und 3 Personen etwas über 400 Real – ca 200 CHF – ohne Gegenwert notabene ausser schöner Landschaft. Immerhin können wir hier für Brasilien einklarieren. Die zwei Polizisten kommen extra aus der Stadt, sind sehr freundlich und effizient und der Papierakt ist gratis. Wir machten nur einen kurzen Besuch auf der Insel für kleine Einkäufe, Geldwechsel, etwas Sightseeing vom Bus aus (ebenfalls teuer – für Einheimische offenbar gratis) und beschlossen am folgenden Nachmittag Richtung Festland abzulegen.
Vor dem Ablegen kommen noch unsere 2 deutschen Nachbarn vorbei, um Auszüge von unserem Küstenhandbuch Brasilien zu fotografieren. Sie haben keine Unterlagen und wollen ebenfalls ans  Festland, um einen Freund abzuholen, mit welchem sie dann hierher zurück kommen wollen um das Tauchparadies der Inseln zu besuchen – es soll bis zu 40m Tiefe klar sein! Während wir das Dingi wieder zusammenlegen, schwimmt zum Abschied eine Riesenschildkröte vorbei. Dann sehen wir die Inseln noch sehr lange achteraus.
In der Nacht vom 31.3. auf 1.4.09 ist es langweilig in Bezug auf Wind und Vorwärtskommen, dafür schöner Sternenhimmel mit hängender Mondsichel (zunehmend), wie eine Schaukel. Aus dem Logbuch: bei Morgendämmerung sieht es nach Rückdreher des Windes aus, also Spi vorbereitet, dann etwas raumer Wind… hält er an? Bald schlagen die Segel wieder – etwas anluven, später wieder tiefer fahren mit Spi… 12.50: fünf kleine Wale (5-6m) begleiten uns während 20 Min dicht neben dem Boot. Nach dieser Ablenkung wieder viel Arbeit mit Segel: kein Wind, wenig Wind, drehend – soll das lustig sein… als ein Frachter auftaucht nehme ich Funkkontakt auf und frage nach dem Wetterbericht – danach wird es, wie nicht anders zu erwarten in etwa gleich schwachwindig sein in den  nächsten Tagen – ein freundlicher Belgier gab mir die Auskünfte und fand es toll, dass wir als Schweizer eigentliche Nachbarn seien. Eine weitere Ablenkung bildet das Haareschneiden an meinem Kopf, damit ich nicht dermassen schwitze: Hinterkopf durch Leena, Rest durch mich selbst. Das gemeinsame Resultat lässt sich sehen, meint Hans, der eine Coiffeuse zur Frau hat, also muss er es wissen.
In der kommenden Nacht vorwiegend Motor – ab 07.00 haben wir über 2 Std lang Delfine-Begleitung durch ca 12 Tiere, welche uns das ganze Programm ihrer eleganten Künste zeigen oder auch nur gemächlich direkt am Bug dahin gleiten. Tagsüber dann Wind? Ein wenig, doch nicht… mehrere Segelumstellungen… – dies sind halt die Kalmen – man kennt ja das – soll man es einfach aushalten durch Treiben lassen, Beiliegen bzw. nicht vorwärtskommen, Geknarre, schaukeln, etc. bis wieder etwas Wind aufkommt oder soll man künstlich eingreifen und den Motor starten…? Eigentlich haben wir Zeit, da sich aber etwas Stalldrang bemerkbar macht und es mit unserem Dieselvorrat gut bestellt ist, soll Morgen der Zielort Cabadelo / Jacaré erreicht werden. Um 17.30 taucht ein riesiges Kriegsschiff auf, das mit AIS und Radar nicht erfasst werden kann, von Auge aber sehr gut sichtbar ist. Es kreuzt unsern Kurs sehr langsam ca 6 sm achterlich. Es ist bestückt mit gewaltigem Radar und grossen Satellitenempfängern – etwas unheimlich verschwindet es in der Dämmerung. Nach feinem Essen und Dessert geht’s leider mit Motor in die letzte Nacht vor dem Landfall… immer unter dem Aspekt dass alles nach Plan verläuft!
Um 05.00 sind  Lichter sichtbar – es müssen wohl 3 Schiffe sein die sich in gleichmässigem Abstand nähern – Um 07.30 stellt sich heraus, dass es sich um einen Schleppverband von 3 Schiffen handelt, welche mit uns auf Kollisionskurs sind  – ausweichen ist angesagt – zugleich kommt relativ viel Wind auf und Land ist in Sicht. Wir können das Festland am beinahe westlichsten Punkt von Brasilien mit gutem Speed unter Segel anlaufen, was unsere Stimmung natürlich wesentlich hebt.
Ich muss dabei an meinen Urgrossvater, den ich als Knirps, im Gegensatz zu meinem Grossvater noch gekannt habe, denken. Er war für ein Jahr nach Brasilien ausgezogen – ging in Sao Paulo an Land und dann ins Landesinnere, wo er auf einer Farm arbeitete – als die Familie nicht nachziehen wollte, kehrte er wieder nach Hause zurück. Die Fahrten verdiente er sich mit Kohle schaufeln auf Frachtschiffen.
Schon bald ist die erste Tonne des Fahrwassers nach Cabadelo erreicht. Wir segeln dann weiter dem Flusslauf des Paraiba-Rivers folgend ca 5 sm aufwärts bis Jacaré, wo wir in der „Marina  Jacare Yacht Village (www.marina-jacare-village.com) am Steg festmachen und den dortigen Komfort geniessen können, sind wir doch etwas von der feuchten Hitze und der Reise geprägt. Dann am Abend erster Landgang in Brasilien durch die arm, aber freundlich wirkende Hauptstrasse von Jacaré. Anschliessend lädt uns Hans zur Feier unserer Atlantik-Reise zum Nachtessen in einem Restaurant ein. Es folgen erste Kontakte mit zu Hause.

Versuch einer Zusammenfassung wesentlicher Punkte:
Die Wahl von den Kanaren nach Brasilien zu segeln und nicht in die Karibik, erfolgte zur Hauptsache aus Zeitgründen. Wir hätten nur noch sehr knappe zwei Monate in der Karibik verbringen können, weil diese dann wegen der einsetzenden Hurrikanzeit von Ende Mai bis November von den Segelbooten verlassen werden muss.
Also wählten wir die Route ab Kanaren über die Kap Verden, passierten die kleinen Vulkaninseln Peter und Paul (Anlegen nicht möglich), besuchten kurz die unter Naturschutz gestellten Inseln Fernando de Noronha und weiter zum Festland Brasilien.
Die 750 sm von den Kanarischen zu den Kap Verden segelten Leena und ich zu zweit bei 5 Tagen Schwachwind in 7 Tagen, 21 Std und 50 Min. Für die eigentliche Überquerung von den Kap Verden nach Brasilien waren wir zu dritt. Für diese Strecke von 1570 sm benötigten wir  bei oft schwachen Winden 15 Tage, 15 Std und 20 Minuten.
Neben einigen rassigen Segelsequenzen, könnte man für die gesamte Strecke von 2320 sm ab Kanaren bis Brasilien sagen „relativ oft Schwachwindsegeln“, etwas Nachhilfe mit dem Motor bes. im Kalmengürtel.
Leena war in Hochform, während sich Hans unser Bordarzt in den ersten Tagen eine Rippenprellung zuzog, die ihn die ganze Zeit über schmerzhaft begleitete und in den Bewegungen einschränkte. Persönlich erging es mir, abgesehen von gehäuftem Schlafbedürfnis bestens; hatte aber mal Glück als das Fall des Spi mir am rechten Auge entlang schrammte. Danach unterlief es in schönen Blautönen.
Zum Teil wegen Problemen mit dem mech. Windpilot, haben wir viel von Hand gesteuert, aber auch sonst gab es immer viel zu tun und wir hatten kaum Zeit speziellen Vorlieben nach zu gehen. Auch die Erholung und das Schlafbedürfnis tagsüber mussten berücksichtigt werden.
Der Wachrhythmus von 2 Std ab 21.00–0900 hat sich in unserem Fall mit 3 Personen bewährt – tagsüber nach Bedarf.
Die Bordfrau sorgte generell für gute und regelmässige Kost, was je nach Seegang oder Dünung einiges an Können und „Stehvermögen“ in der Kombüse abverlangte: In der Regel ausgiebiges Frühstück; Lunch, frühes Nachtessen – auch bei heftigerem Seegang gab’s etwas Feines inkl. Dessert – angerichtet wurde à la Tellerservice in einem Körbchen in tiefen Tellern oder Schüsselchen – gegessen haben wir im Cockpit.
Der sparsame Wasserverbrauch aus den Wassertanks betrug 200 Lt, bzw. 4.Lt pro Tag und Person für Körperpflege und Kochen. Der Geschirrabwasch erfolgte natürlich mit Seewasser. Weiter verbrauchten wir 30 Lt Mineralwasser, 10 Lt Süssgetränke, 50 Dosen Bier, 20 Dosen diverse Getränke und 6 Flaschen Wein: davon 1 fürs „Bergfest“, 1 für die Äquatorüberquerung und 1 für die Ankunft.

Impressionen – Woche 12, 13 und 14 Di. 17. März – Fr. 03. April 2009:

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Woche 10 und 11 02. – 15. März 2009

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zwischen Kanarischen und Kap Verden

Kanaren adee – mit Schwachwind zu den knapp 750 sm entfernten Kap Verden

Vorerst war an Ablegen nicht zu denken. Weiterhin mässiges Wetter mit flächendeckendem Starkwind auf dem Atlantik liessen uns noch zuwarten. In La Gomera selbst gab es starke Böen, welche von Sand und Staub begleitet waren, so dass sich die Leute auf der Strasse z.T. hinter die parkierten Autos duckten.
Am 5.März ist es soweit. Die Windprognosen sehen noch heftig aus, aber danach soll es  besser werden.
Start unter gereffter Genua – bereits kurz danach sehen wir mehrere Wale, welche an der Wasseroberfläche ausruhen, wobei wir einen davon fast anfahren!…  etwas später hatten wir noch Delphine-Begleitung, abnehmenden Wind, dafür zunehmende Schaukel, wegen Dünung.
Nach 24 Std hat sich die  Startnervosität – bes. wegen der Wetterentwicklung – gelegt. Das Bordleben für Langfahrt begann sich einzuspielen. Das Schlafmanage-ment  bot  hier keine grösseren Probleme – wegen meiner rel. starken Schlafbe-dürfnisse habe ich natürlich etwas Respekt,  wenn wir bei schwererem Wetter  unterwegs sind. Leena ist sich vom früheren Job her eher gewohnt Wache zu halten. Diesbezüglich war es „Easy-going“. In den folgenden Tagen gab es nur noch Schwachwind. Als Tagesetmale schafften wir  gerade mal 85 – 100 Seemeilen, z.T. während einigen Stunden unter Motor.
Es war schon bald klar, dass Hans, der in Mindelo zu uns stossen wird, dort noch etwas warten muss.
Aus den Zusammenfassungen im Logbuch geht chronolog. Folgendes hervor:
– gut und schnell unterwegs – Schlafmanagement ok  dank autom.  Pilot und Warnsystem – Leena nicht ganz „auf Damm“ aber zuversichtlich – Schwachwind, mech. Windpilot und gewisse Energieprobleme nerven: ist Gelassenheit lernbar? – unerwartet schönes Amwindsegeln statt befürchteter Flaute – Pactor (Wetter und E-mails auf See) scheint sich zu bewähren – Spinaker (Ballon-) Segel gibt Arbeit – Versuche mit versch. Segeltrimm und Passatbesegelung – langsam, langsam… geht’s voran – eines Morgens zieht eine Riesenherde Delfine an uns vorüber: es sind wohl hunderte von Tieren und es wimmelt nur so von auf- und abtauchenden Rückenflossen: unbeschreibliches Schauspiel! – vermissen, obwohl Schönwetter die Sonnentuntergänge, da der Himmel am Horizont die hier typische Bewölkung zeigt. – die ruhige Fahrt erlaubt es sogar Filterkaffee zu machen, der dann aber doch prompt kippt – Planung des Landfalls so, dass wir bei Tageslicht auf Kap Verden eintreffen – in der letzten Nacht gab es zunehmend Wind (Düsenwirkung zwischen den Inseln San Vicente und San Antao) und dies nicht zu knapp.

Am Freitag 13. 03. 09 legen wir in Mindelo auf San Vicente an und haben 746.5 Seemeilen meist bei Schwachwind in 7 Tagen, 21h, 50 Min  zurückgelegt. Ein Etappenziel ist erreicht und wird beim Wiedersehen mit Hans, der am Steg mit frischen Brötchen zum Frühstück  wartet, gefeiert.

Impressionen – Woche 10 und 11  02. – 15. März 2009:

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Woche 09 / 23. Februar – 01. März 2009

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nur 8 Grad C hier auf 2000m unten am Meer 22 Grad C

Gran Canaria – Teneriffa – La Gomera

Den letzten Abend und die  Nacht waren wir vor Anker ausserhalb des Hafens von Mogan / Gran Canaria. 3 gute Gründe sprachen dafür: wieder mal den Sonnen-untergang sehen (ohne Hafenmauer), Hauch der Freiheit spüren und am Morgen Ablegen ohne die andern zu stören.
Auf der Fahrt nach Teneriffa sahen wir einen „Riesendelfin“ in 2 Bootslängen Distanz von uns und wie sich herausstellte war es ein Wal. Dann begleiteten uns eine ganze Menge kleiner wohl junger Delfine – herrliches Schauspiel – und als wär’s noch nicht genug, entdeckten wir noch eine grosse Schildkröte, welche sich an der Wasseeroberfläche treiben liess.. Wegen starken Böen und Drehung des Windes um 180° mussten wir den angepeilten Ankerplatz  auf der Westseite von „Punta Montana Roja“ auf  dessen Ostseite verlegen. Nach unruhiger Nacht mit Geräuschen, unstetem und drehendem Wind (hält der Anker?) segeln wir anderntags nur ein kurzes Stück in die Marina San Miguell – ruhig, zwar etwas abgelegen und in der Nähe von 3 Golfplätzen und dazugehörenden Hotels.
Für den nächsten Tag ist  Insel-Sightseeing angesagt – dazu gehört  natürlich eine Fahrt zum Teide. Der 3717m hohe Berg ist das Wahrzeichen von Tenneriffa und  ist unterhalb von 2000m von prächtigen Fichtenwäldern umgeben. Auf der Weiterfahrt zum nördlichen Teil der Insel besuchen wir Puerto de la Cruz. Merkmal: schöner (Touristen-) Ort mit gewaltigen Brandungswellen. Auf der Rückfahrt noch einkaufen für „grosse Fahrt“ – wohin alles verstauen auf dem Boot ? – aber schliesslich schaffen wir auch das und stellen fest, dass die Nicone nachdem alles gebunkert ist, etwa 2-3 cm mehr Tiefgang aufweist.
Dann segeln wir zur Insel La Gomera – ein Halbtageshupf – zum geschichts-trächtigen San Sebastian, wo Christoph Kolumbus nach „Westindien“ aufgebrochen war.
Kaum angelangt, treffen wir auf Uwe und Maren alte Bekannte von Puerto Calero, Lanzarote, die uns am Steg herzlich begrüssen. Mit ihnen und Karl und Karen erleben wir in La Gomera den Karnevall. Am Abend wird dabei am Strand eine Pap-Sardine mit Feuerwerkskörpern verbrannt – erinnert uns etwas an den „Bög“ von Zürich.
Das Wetter ist durchzogen mit starken Regenschauern und Windböen – eine Weiterfahrt zu den Kap Verden ist nicht gerade erstrebenswert in nächster Zeit. Dafür unternehmen wir zu sechst eine Bergwanderung die wir am Abend mit einem Fondue auf der Nicone abschliessen.

Impressionen – Woche 09 /  23. Februar – 01. März 2009:

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