Ablegen zur nahen Insel Itaparica – weiter zum Rio Paraguaçu – und zurück
Die grosse Baja de todos os Santos – Bucht aller Heiligen – verfügt über zahlreiche Inseln und geschichtsträchtige Orte.
Vorerst segeln wir wieder mal unter besonderen Bedingungen – wir sind darauf abonniert – Richtung „Ferieninsel der Salvadorianer“. Mit gutem achterlichem Wind, viel Welle und noch mehr Regen geht’s nur unter Genua und Windpilotsteuerung mit 7 Knoten zwischen den auf Reede liegenden Frachtern hindurch, von denen doch prompt einer Anker auf und kurzfristig unter lautem Hupen Kurs auf uns zu hält – na denn, der ist stärker… wir weichen (halt) aus. Der Windpilot funktioniert tadellos, hält Kurs und „eiert“ nicht einmal gross, wie man dies von andern Modellen her kennt. Gerne gebe ich dieses Feedback über Funk an Manfred weiter, der darauf brennt, zu hören, dass es gemäss seiner Überzeugung gut gehen muss, nachdem er den Fehler entdeckt hatte.
In Itaparica gehen wir vor der Marina vor Anker, wo etwa 15 andere Boote vertäut sind – im Nachhinein vernehmen und sehen wir, dass in der sehr kleinen Marina kein Platz mehr ist und die Einfahrt „Sandbankgefährdet“ ist.
Wind und Regen legten noch zu und hielten auch noch am nächsten Tag an – keine Lust an Land zu gehen.
Dann endlich schön und nur leicht bewölkt – treffen auf junge Schweizer Familie aus Lausanne. Sie sind bereits 5 Monate hier auf ihrem Boot, bzw. Salvador und Umgebung und
wollen demnächst nach Franz. Guyana aufbrechen um dort Arbeit zu suchen und den Sohn in die nächst höhere Schule schicken.
Wir besuchen den historischen Ortsteil mit dem von den Holländern 1647 erbauten Fort, sowie den aus der Kolonialzeit stammenden Gebäuden – alles sieht gepflegt, freundlich und farbenfroh aus. Eine Frau fragt ob wir in der Marina seien und preist uns ihre Wäscherei und Eingemachtes an. Wir sind erstaunt, wie wir immer wieder sofort als Touristen erkannt werden, wo wir doch besonders heute darauf acht gaben, nicht aufzufallen und wie Einheimische (einfach) gekleidet, zu erscheinen…
Als besonders erholsam – wie Ferien (;-) – empfinden wir einen kurzen Dingi-Abstecher zu den nahen Sandbänken, welche bei Niedrigwasser trocken fallen.
Am Tag von Corpus Christi (Fronleichnam) gehen wir ein weiteres Mal ins Dorf – es sieht etwas ausgestorben aus. Wir sehen erstmals kleine freilebende Affen. Auf dem Dorfplatz spielt eine Band an einem Beizentisch sitzend brasilianische Rhythmen – wir sind als Zuhörer herzlich willkommen.
Bereits in Cabadelo empfahlen Stegfreunde den Besuch der Gegend des Rio Paraguaçu und das Küstenhandbuch spricht von 5 Sterne „not to be missed“ – also nahmen wir die 20 sm in Angriff und segelten vorerst den Seestrassenzeichen folgend, zur Flussmündung und dann zum beabsichtigten Ankerplatz flussaufwärts. Wir fühlten uns in frühere Zeiten versetzt – Fischer mit Einbaumbooten; diese werden bei günstigem Wind mit Segel gefahren, ansonsten wird gerudert – rel. grosse Segelboote, sog. Serveios mit quadratischen Segeln dienen für (gemächlichen) Warentransport – es ist ruhig auf dem Fluss der links und rechts von Wald, meist Palmen gesäumt ist – paradiesisch auch der Ankerplatz hinter einer kleinen Insel, wo noch zwei Segelboote vor Anker lagen, was uns recht war, denn gemäss Empfehlungen sollte wegen ungebetenen Gästen nicht alleine geankert werden. Es war längere Zeit zurück, dass wir an einem solch friedlichen Ort vor Anker lagen.
Am folgenden Morgen lichteten wir früh den Anker – er sass fest im Schlick und musste inkl. 45 m ausgelegte Kette zuerst gereinigt werden – nach einem kurzen Stück ankerten wir erneut in einem Nebenarm, um im nahe gelegenen Ort Maragojipe den dort bekannten Samstags-
Markt zu besuchen – wiederum ein besonderes Ereignis: sehr grosser Gemüse- und Früchtemarkt zu unglaublich billigen Preisen – praktisch keine Autos, dafür Esel und Wagen, sowie jene Menge Schubkarren mit denen die Leute die gekauften Waren transportierten.
Selber mit frischem Gemüse und vielen Früchten kehrten wir zum Dingi zurück, das von einem alten Mann für ein paar Reais gehütet wurde – dann noch ein weiteres Stück fluss-aufwärts – mit Besichtigung von alten Kappellen und Kirchen am Wasser vom Boot aus – Rückkehr zum auserlesenen Ankerplatz – am Sonntag ging’s unter Motor gegen den Wind flussabwärts und ab Mündung hatten wir herrliche Segelbedingungen zurück nach Itaparica.
Impressionen – Woche 24 08. – 14.06 2009:
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