Woche 17 20. – 26.04. 2009 Autoreise

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von Maceio an der Küste nordwärts

7 Tage als Landkrebse mit dem Auto im Landesinneren

Auto-Rundreise – 1600 Km – Land und Leute – vom östlichsten Punkt von Brasilien im Gegenuhrzeigersinn – Staaten: Paraiba – Pernambuco – Alaguas – die Routenwahl erfolgte zum grössten Teil nach dem Lust- und Zufallsprinzip – für die Reise mussten wir den internationalen Führerausweis (Englisch) auf Portugiesisch übersetzen und beglaubigen lassen – sonst gibt’s wirklich hohe Bussen wie wir von gebüssten Seglern erfahren.

1.Tag    von Marina Jacaré via Joao Pessoa nach Inga

Die Fahrt ins Blaue beginnen wir zum Angewöhnen auf guter Strasse, die uns auf langen Geraden mit hügeligem Charakter westwärts führt.
Wir besuchen einen  prähistorischen Ort bei Inga mit in Stein gehauenen Inschriften und Dinosaurierknochen.
Am Abend essen wir auf Empfehlung des Pousada- (Pension) Besitzers über der Strasse Hamburger und gehen aus Sicherheitsgründen nicht ins Zentrum. Dafür sind wir herzlich umgeben von Kindern, Familien, Verwandten und sprechen mit Händen und Füssen – man sprich t nur Portugiesisch – wir (noch) zu wenig! Ein Junge machte auf Geheiss des Vaters dann doch noch einen Spaziergang ins Zentrum mit uns und wusste ein paar Worte Englisch – wir hatten jedenfalls bei Eiscreme und Internet anregende Unterhaltung. Vor dem Schlafen gehen im sehr einfachen Zimmer bewundern wir noch die grossen Kröten die überall im Hof auftauchen – sie sind ca 3 x so gross wie in Europa was aber noch kleine seien wie uns erklärt wird.
Anmerkung: die Pension mit sehr einfachem Zimmer wurde uns von einem Verwaltungs-
angestellten des Gerichtes empfohlen, wobei er uns gleich begleitete und sagte, dass wir „confiança“ haben können – es kostete 20 Real (ca 10 CHF!) – der Besitzer begleitete uns danach persönlich zur Sehenswürdigkeit Ingastone

2. Tag     von Inga nach Patos

Relativ gute Hauptstrassen verbinden die grösseren Städte – dennoch ist ständige Vorsicht geboten, sei es wegen Löchern, Unebenheiten, entgegenkommender Fussgänger oder Velofahrer. Besonderheit: überall, auch in den kleinsten Orten, gibt es Strassenschwellen die meistens mit Tafeln (manchmal durch Pflanzen verdeckt!) angezeigt werden und nur im Schritttempo überfahren werden können. Eigentlich eine sinnvolle Einrichtung wie wir finden, aber wehe…
Auf Empfehlung hin sind wir nie nachts gefahren, wegen Fahrzeugen ohne Licht, Rasern, im Dunkeln entgegenkommende Fussgänger, Mopeds, Velofahrer auf der eigenen Strassenseite, nicht sichtbaren Löchern, Schwellen, Gegenständen etc.
Wir erhalten einen Eindruck über die Weite des riesigen Landes – man ist nach hunderten von Kilometern noch „nirgendwo“ – die bergige Landschaft ist jetzt in der Regenzeit grün und die Flüsse führen viel Wasser. Ab und zu sieht es fast wie in Finnland aus mit Seen die von sattem Grün umgeben sind, dann folgt wieder Steppengebiet. Es sind kaum Häuser zu sehen und nur ab und zu gibt es Fussgänger welche Ware tragen – woher, wohin?
Viel (warmer) Regen begleitet uns unterwegs – wie es sich für den hiesigen Herbst gehört.
Am Abend haben wir im Hotel Internet und sind mit der „übrigen Welt“ verbunden.

3. Tag von Patos nach Pedra

Vor der Wegfahrt in Patos mussten wir wegen Überschreiten der Parkzeit noch eine Parkbusse bezahlen – eine entsprechende Tafel war nirgends  auszumachen – Kostenpunkt 2 Real (ca 1 CHF!!!) – die junge Beamtin die herbei gerannt kam, nahm die Sache sehr ernst und füllte den Busszettel aus – eben so wie in der Schweiz (;-)
Sonstiger Tagesverlauf:
grössere Polizei- oder Militärtruppe, alle in gleichem Turntenu, trabte vorbei. Dabei gab es einen Vorsprecher und die Truppe antwortete lautstark im Sprechchor
wage es nicht beim Wasserfall ausserhalb Patos zu baden (Wasserqualität!)
viele Fotohalte, sonstige Stopps: Suche nach Geldautomat, Städtehalte, Mittagessen (Preis nach Gewicht- für uns zwei inkl. Getränk 7 Real also ca 3.5 CHF)
begegnen bösem Strassenunfall: Velo, grosser Laster, PW
durchqueren Texeira – nehmen an Bushaltestelle autostoppenden Lehrer mit nach Monteira und erfahren von ihm in gebrochenem Englisch etwas über Land und Leute
in Sertania geleitete uns eine junge Frau zu einem entfernten Bankautomaten, der auch VISA akzeptierte
sind unterdessen im Staat Pernambuco
durchqueren die ärmlich und mit vielen Auto- und Pneuwerkstätten versehene Stadt Arkoverde und erreichen am Abend Pedra (Fels wie Petra)
nach Hotelbezug mit privatem Ambiente essen wir im Zentrum in einem Restaurant, das eher einer Garage ähnelt, aber viele Gäste hat und der Wirt sagt wir sollen gleich in die Küche kommen um zu sehen was er hat und lädt uns ein gleich dort zu essen – war prima und in speziell freundlichem Ambiente
zurück im Hotel gabs noch „Gespräche“ (u.a. mit Zeichenstift und Papier) mit Frau, Tochter und Sohn des Hotels sowie einen Caepirinha (Ruhm-Frucht-Drink – hmm!)

4. Tag    von Pedra nach Maceio an der Küste

Nach feinem Frühstück besteigen wir den riesigen glatten Felsen, von dem der Ort seinen Namen hat und uns natürlich an unsere Tochter Petra erinnert. Am Fusse des Felsens, wo sich Wasser sammelt, baden Kinder und Frauen waschen und legen die Wäsche zum Trocknen auf dem warmen Felsboden aus.
Tanken, dann weiter südwärts mit Zwischenhalt in der geschäftigen Stadt Palmeiros dos Indios. Wir sind nun im Staat Alaguas. Unterwegs sehen wir viele Männer, welche mit Pferden unterwegs sind, bzw. diese vor Restaurants tränken – selber machen wir einen Kaffeehalt bei einem Strassenkiosk – der Mann will kein Geld dafür – wir sind überrascht und erfahren später, dass Kaffee aus Thermoskannen unterwegs gratis ist! Weiter geht’s ostwärts zur Küste – die Landstriche sehen aus wie das Emmental in der Schweiz, wären da nicht Palmen. Viele Rinderfarmen prägen das Hinterland der Küste. Es wird bereits dunkel (ab 17.30 Uhr geht’s schnell) und wir haben in Maçeio endlich eine Unterkunft gefunden. Weil uns an der Reception bedeutet wird, dass es draussen nachts mehr oder weniger gefährlich sei, beschliessen wir beim 50m entfernt liegenden Strassenplatz feine grillierte Spiessli zu essen, die eine Frau vor Ort anbietet. Nach einer Stunde – gerade im Hotel zurück – quitschen Autobremsen, Geschrei – schwer bewaffnete Polizisten zerren „Kriminelle“? aus Autos und legen den am Boden liegenden Handschellen an – unterdessen stürmen weitere Polizisten ins Hotel – fragen uns nach Zimmer-Nr – dann können wir aufs Zimmer – nach ¾ Std ist der Spuk vorbei – hinterlässt aber komische Gefühle …

5. Tag    an der Küste nord- bzw. wieder aufwärts

Kurzer Strandbesuch an der langen weissen Sandbucht, die jetzt im Winter – es gibt 28° C! – menschenleer ist – Touristenboom ist um die Weihnachtszeit. Trotzdem ist es gut, dass es im Auto eine Klimaanlage gibt! Die Fahrt nordwärts ist fast wie Aufkreuzen mit dem Segelboot – wir müssen an  der Küste viel Zick-Zack fahren – erst später gelangen wir direkt an die Küste und fahren durch malerische Dörfer – irgendwo machen wir Badehalt und kurze Siesta – dieser schöne Flecken war auch ausgesuchter Platz für einen Bus voller Touristen aus Rio de Janeiro wie sich heraus stellte – endlich können wir uns etwas auf Englisch unterhalten. Auf der Weiterfahrt hatten wir plötzlich das Gefühl ins Niemandsland zu fahren – also zurück und nach mehrmaligem fragen entdecken wir die Fähre, die uns über einen Meereseinschnitt bzw. Sumpfgebiet ans richtige Ufer bringt – es war ein besonderes Erlebnis über Bretter, die zurecht gelegt wurden auf die zerbrechliche Fähre zu gelangen, was wir aber mit 3 andern Autos wagen – ob sie uns sicher hinüber bringen wird? – tat sie! – In einer sehr schönen Pousada am Strand unterhalb von Itaparinga gelegen, lassen wir uns verwöhnen: Pool – feines Essen – „Gespräche“ mit der Familie – Hängematte – schlafen.

6. Tag

Nach reichlichem Frühstückstisch folgen wir noch etwas der Küste entlang – es ist Ebbe und weit draussen sind Riffe und Menschen zu sehen.
Etwas später fahren wir wieder landeinwärts – wir wollen nach Caruaru, wo es Samstags Reiterspiele geben soll. Die Strasse führt uns durch riesiges Zuckerrohranbaugebiet – wir befinden uns während Stunden links und rechts der Strasse „im Grünen“, offenbar ansonsten durch ärmliches Gebiet. Dabei machen sich schon auch Gefühle der Ohnmacht breit. Da sitzen besonders bei den Strassenschwellen, wo nur im Schrittempo gefahren werden kann z.B. 3 ca. 40-50jährige Männer und verkaufen Nüsschenpakete für 1 R$ (0.55 CHF). Selten kommt ein Auto vorbei und sie schauen dich erwartungsvoll an – meist haben diese Leute kinderreiche Familien – müssen sie davon leben? – anhalten etwas kaufen – etwas weiter andere Strassenverkäufer, dann wieder andere etc… dabei hält sich diese Armut noch in Grenzen vergleicht man sie z.B. mit derjenigen der Strassenkinder…Wir diskutieren die Situation mit Freunden…
Die Strasse weist zeitweise enorme Löcher auf – nach einer Kurve erwischen wir ein solches Loch, das breiter ist als das Auto – ausweichen oder vorher bremsen nicht mehr möglich und „rums“ darüber – später auf der Autostrasse haben wir als Folge einen Platten – Pneuwechsel – in Caruaru regnet es in Strömen als wir bei der erst besten Pneuwerkstätte (es gibt viele – sind auch nötig) Halt machen. Dort wird mit einfachen Mitteln zuerst die Felge neu gerichtet und im 2. Anlauf ein Occasionspneu montiert.
Caruaru erweist sich als Enttäuschung – es finden keine Reiterspiele statt und die Stadt selbst…na, ja – machen Museumsbesuch – regional wohl interessant – etwas spannender ist die Geschichte der Stadt im Internet nachzulesen: sie wurde durch entlaufene und sich organisierende Sklaven gegründet und zählt heute 280’000 Einwohner.

7. Tag

Heute geht es zurück auf’s Boot. In Olinda – bekannt schöner Ort – machen wir einen Zwischenhalt und werden sofort von sog. Guides umringt, welche uns ihre Dienste und die Sehenswürdigkeiten des Ortes anpreisen – nach Preisverhandlung begleitet uns ein solcher – hat aber offensichtlich keine Ahnung was er uns über die vielen alten schönen Gebäude, Plätze und deren Geschichte (in mässigem Englisch) sagen könnte – statt dessen führt er uns schnurstracks zu Souvenierständen… nach ¾ Std „entlassen“ wir ihn, als er mehr hinter uns als mit uns weitergeht.
Der restliche Rückweg ist nicht erwähnenswert – wir machen in Jacare Atlantikseite noch einen Badestopp und kehren müde aber wohlbehalten zur NICONE zurück, die wir ebenfalls wohlbehalten vorfinden – die Nachbarn hatten ein Auge drauf – bei einem Drink diskutieren wir über gegenseitige Brasilienerfahrungen und Bedeutung für uns selbst.

Impressionen – Woche 17 20. – 26.04. 2009 Autoreise:

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