Panamakanal

Vorbereitungen für Panama-Kanalpassage in der Shelterbay-Marina

Es war schon ein feines Gefühl als wir gestern Sonntag 20.02. bei herrlichen Bedingungen wie von Geisterhand mit dem Windpilot und zügigem Nordost zur Shelterbay-Marina segelten.

Zuvor bei der Inbetriebnahme des Windpiloten, nach doch längerer Zeit, wollte dieser nicht so recht funktionieren, weil der Feststellschieber noch fixiert war. Die Bordfrau machte sich schon Gedanken darüber ob wir nach dem Atlantik nun auch den Pazifik von Hand steuern müssten…

Unser Panamakanal-Agent kam schon einen Tag darauf, erklärte uns das Prozedere, das wir schon recht gut aus eigener Linehandler-Erfahrung und von anderen Seglern kennen:

  • Termin Kanalpassage voraussichtlich bereits in 5-7 Tagen
  • Kurz vorher Abmeldung und Fahrt-Bewilligung einholen
  •  Bootsvermesser wird kommen und weitere Instruktionen geben
  • Durchfahrt mit Start Mittag / Abend – Übernachten im Gatunsee – Weiterfahrt mit Ankunft im Pazifik nach dem Mittag
  • Ein Advisor wird an Bord kommen und die Fahrt überwachen
  • Fahrt wird allein oder im Paket mit anderem Boot oder angedockt an Schlepper erfolgen
  • Jedes Boot benötigt neben dem Skippper 4 weitere Personen zur Handhabung der Leinen (Boot zu Personen auf Schleusenmauer) zusätzlich ein Advisor – total 6 Personen
  • Der Agent bringt Pneus (Fender) und Leinen die auf der Pazifikseite wieder abgegeben werden.
  • Kosten total: 909.- US$

Die Linehandler sind bereits „engagiert“: neben Leena stellen sich Marie-Therese und Paul von der „Mabuhay“ sowie Manfred von der „Pan Gea“ zur Verfügung. Es müssen 4 Linehandler sein, ob sie dann alle zum Einsatz kommen bleibt offen und ist davon abhängig wie geschleust wird (allein, Paket, an Schlepper). Wird z.B. im Paket mit 2 Booten aneinander gedockt geschleust, benötigt jedes Boot nur 2 Linehandler. Dieser Entscheid fällt erst vor der Schleuse. Die Regel gilt auch für kleine Segelboote, welche ohnehin wenig Platz haben. Sie bekunden dann oft Mühe mit so vielen Leuten an Bord.

Als der Vermesser kommt, ist das Boot schnell vermessen – es interessiert nur die Länge über alles von Anker bis Davits (13.30 m), somit weniger als 50 Fuss und damit niedrigere Preisklasse. Es gibt einige Administrativpapiere auszufüllen sowie Anweisungen zu berücksichtigen – darunter Verpflegung für den Advisor, Vorschrift für Leinenlänge, Durchmesser und Schlaufengrösse , Frage nach Toilette/n, Max-Speed, Dieseltankinhalt und Verbrauch etc.

Neu gibt es in den umliegenden Orten Hafen-Kapitäne, so auch hier in der Shelterbay, die nach neuen Regeln handeln, welche während unseres Schweiz-Aufenthaltes in Kraft getreten sind. Er will unsere Papiere sehen und meint, dass wir mit einer Busse rechnen müssten, weil wir letztmals nicht am entsprechenden Ort ausgecheckt hätten… denkste… er erkundigte sich beim Amt in Colon und vermeldet uns am nächsten Tag es sei ok.

Zur Zeit gibt es hier einige Bewegung in der Marina – viele Segler bereiten die Saison vor – täglich kommen und gehen ein paar Segelboote. Besonders die Boote welche in den Pazifik wollen, gilt es auszurüsten, zu bunkern, Ersatzteile zu besorgen, nötige Reparaturen vorzunehmen, da entsprechende Möglichkeiten rar werden, wenn Panama achteraus liegt.

Spruch des Tages von Marlies SY Pan Gea: „Segler reparieren sich mit dem Boot um die Welt“.

Überall wird an den Booten gearbeitet – hinter uns fällt dabei die schöne Sarah ins Wasser, was ihr und den andern aber eher Freude bereitet und als ihr Sonnenhut vom Wind getrieben vorbeischwimmt, hechtet sie elegant nochmals hinterher.

IMG_1696 Holzmotorboot Odyssey_thumb.jpg  IMG_1697 neue Planken und Kalfaterung_thumb.jpg  IMG_1698 neue Spanten_thumb.jpg

Auf der Werft besuchen wir die „Odyssey“, das grosse Motorboot, das beinahe mit samt Crew versunken wäre (im Jan/Feb- Bericht erwähnt). Die Arbeiter die uns sofort erkennen, zeigen und erklären uns stolz die Fortschritte am Boot, das schon wieder ganz passabel aussieht – gute Zimmermannsarbeit – es wurden eine Anzahl neue Spanten und Planken eingesetzt sowie das ganze Boot kalfatert – in 2 Wochen soll es wieder im Wasser sein.

Leena macht grosse Wäsche. Nach den vorherigen Arbeiten unter Deck mit dazu gehörendem Chaos (Panamarina) richtete sie alles schön her. Leider vergassen wir wieder mal die Bananen zu verstauen – ein Fressen für die Fledermäuse in der Nacht und ärgerlich wegen vielen Kotflecken auf den frischen Polsterüberzügen!

Grosseinkauf in Colon – daselbst Bankproblem – der Automat belastete zwar unser Konto, aber die 500$ spukte er nicht aus… wird uns noch beschäftigen…

IMG_1737 Beobachten der Kapuzineraffen_thumb.jpg  IMG_1742 Kapuzineraffe_thumb.jpg
Gehen abends in den Dschungel um sieben Kapuzineraffen beim Fressen zu beobachten. Marie-Therese weiss zu erzählen, dass die Weibchen bestimmen wann sie Sex wollen, dann zwinkern sie mit den Augenbrauen – das ist das Zeichen für die Männchen… Da unsere Frauen die Augenbrauen (noch) nicht bewegten… gehen wir auf ein Bier zur Mabuhay.

Ärger – und natürlich wieder mal am Freitag: E-mail aus Miami – die bei Arturo bestellte Ware kommt in ca 2 Wochen, statt der versprochenen 3-5 Tage… heisst warten auf Pazifikseite – die Kanaldurchfahrt ist inzwischen für Sonntag festgelegt.

Dann Last Minute-Vorbereitungen: Leena macht noch Frischwareneinkäufe in Colon – bereitet Essen vor für die Crew während Passage – selbst bereite ich das Deck vor: beseitige Stolpermöglichkeiten (Leinen und Schoten), decke Solarpanele ab, damit die Affenfäuste, die im Kanal zugeworfen werden, keinen Schaden anrichten können…etc. etc.

Sind am Abend nach geschäftigem Tag zum Sundowner auf der Mabuhay eingeladen.

Spruch von Paul: „ ich werde 124 Jahre alt – bin heute schon halb tot“

Kanal-Passage 27. und 28. Feb. 2011

Etliche Fragen beschäftigen besonders den Skipper:  wird alles klappen? Boot ok? – z.B. ein Motorausfall bzw. Schlepp im Kanal würde sehr teuer – Crew? Timing? Advisor? Linehandling? Paul wird wohl wegen seiner Handverletzung während des Schleusens  das Steuer bedienen, währenddessen ich „seine“ Leine bedienen werde!? Bojenplatz Gatunsee? Übernachtung?…

Werden Pneus (Fender) und Leinen noch rechtzeitig angeliefert? – ja 2 Std vorher.

Kommt Joaquino wegen Seefunk noch vorbei heute Sonntag? – ja er kam.

 

Es kommen Freunde um sich zu verabschieden – sie folgen später oder segeln weiter auf der Atlantikseite.

  • 13:45 Willkommen Crew  – der Advisor wird später an Bord gebracht
  • 14:04 Ablegen und Fahrt bei Starkwind zum Ankerplatz vor Kanal – Anmeldung über Funk – Rückmeldung, dass Advisor (erst) um 18:00 an Bord gebracht wird – Seemannsgarn, Bad bei Welle, schlafen, Käsekuchen…
  • 18:00 Advisor kommt an Bord – Fahrt vor die erste Schleuse, wo wir mit einem alten 60-Fuss Renn-Segler (Holländer) ein Paket bilden. Unterdessen ist es dunkel geworden und es gilt bei dem vielen Verkehr aufmerksam zu sein.

IMG_1762 Paul.jpg   IMG_1763 Marie-Therese.jpg   IMG_1764 Manfred.jpg  IMG_1769 Advisor Edwin.jpg
IMG_1765 Bordfrau & Skipper.jpg  IMG_1748 Einfahrt in die erste Panamaschleuse.jpg
Überall Aufregung: ein grosser Frachter konnte bei der Anfahrt offensichtlich nicht genügend Fahrt aus dem Schiff nehmen und musste den Anker werfen – er kam diagonal zu stehen- Schleppboote eilten herbei – unterdessen fahren wir in die Schleuse ein – vor uns ein Frachter, dann ein Schubverband und wir dahinter. 

IMG_1773 Rampe.JPGDie Durchfahrt durch die 3 Schleusen im Lichtermeer der geschäftigen Anlagen ist spannend und verläuft problemlos – wir haben ja auch eine erfahrene Crew und Edwin ist ein sympatischer Advisor, hingegen bekunden unsere Kollegen auf der grossen holländischen Yacht teilweise etwas Mühe mit dem Linenhandling und den Winschen. Das in die Schleusen IMG_1786 Schleusenambiente.jpgeinfliessende (Süss-) Wasser des Gatunsees verursacht unterschiedliche z.T. starke Strömungen und Wasserpilze… eindrücklich.

IMG_1777 so ein Mist - Ueberleaufer auf der Winsch unserer Kollegen.jpg

  • 21:10 Nach der dritten Schleuse wird das Bootspaket aufgelöst – noch ein kurzes Stück Fahrt – dann anlegen an einer grossen Boje für die Nacht – ein US-Segler ist bereits an der selben Boje – der freundliche und von der Crew begeisterte Advisor (oder war es eher Leenas Essen) wird abgeholt – wir essen unsererseits und gehen jeder in seine Koje: Manfred in der Bugkabine, Leena im Salon, Marie-Therese in der Achterkabine, Paul und ich im Cockpit.

 

Montag 28.2. Pazifik wir kommen

     IMG_1808 uebernachtet an Boje auf dem Gatunsee.jpg   IMG_1815 es beginnt zu tagen auf dem Gatunsee.jpg

  • 05:45 erster Kaffee – der neue Advisor wird erst um 07:15 per Boot gebracht statt wie erwartet 1 Std früher.
    IMG_1819 neur Advisor kommt an Bord.JPG
  • 07:35 Ablegen zur Fahrt über den Gatunsee – wir sind nun 4 Boote welche dem Pazifik entgegen motoren (segeln verboten) – die 3 anderen eilen voraus – ob’s was bringt? – schöne Fahrt durch den „Banana-Cut“, dann einschwenken auf Hauptrou
    IMG_1832 Titan-Monsterkran auch Herman the German genannt.jpg
  • 10:50 auf Pos.09°06,8’ N – 079°48.8’W passieren wir den geschichtsträchtigen „Titan-Kran“ – ein Monsterkran, der 350 Tonnen heben kann – im Hitler-Deutschland gebaut – von den Amerikanern „konfisziert“ – später für 1 $ an Panama abgetreten – weiter in Betrieb zum Heben der schweren Schleusentore
    .IMG_1838 Begegnung beim Culebra.Cut.jpg
    1 Std später durchfahren wir den Landeinschnitt „Culebra-Cut“ und kurz darauf sind wir vor der Pedro-Miguel-Schleuse – wir haben die andern 3 Boote, die aus irgendwelchen Gründen ihre Fahrt verlangsamen mussten, überholt.
  • 12:30 Erneut wird unser Paket für die 3 „Abwärts“-Schleusen geschnürt.
    IMG_1846 im Paket von der Pedro-Miguel - zur Miraflores-Schleuse.jpg  IMG_1856 Crew an deren Boot wir angedockt sind.jpg  IMG_1868 Paket hinter uns.jpg
    In der mittleren (Miraflores-) Schleuse sind wir mit „zu Hause“ in telefonischer Verbindung – sie können unser Boot via der dort installierten Webcam (klein zwar) ausmachen – „Freude herrscht“…
  • 14:05  …das letzte Schleusentor  öffnet sich – wir sind im Pazifik! – eine „Seemeilenboje“ (Meilenstein) im Seglerdasein.
    Lösen des Bootspaketes – Verabschiedung von den Holländern.
    IMG_1871 letzte Schleuse  - Tor zum Pazifik.jpg

Alles ist gut verlaufen – alle sind happy – wir können anstossen!

IMG_1876 Panamericana-Brücke.jpg

  • 15:50 Der Anker fällt in der Ankerbucht Las Brisas / Isla Perico,  einer weit vorgelagerten Insel von Panama-City, neben der uns bekannten „Sail-away“.
    IMG_1949 Ankerplatz mit Panamericana Brücke_thumb.jpg

Abschied von unserem Topp-Linehandler Manfred – er fährt noch gleichen Tags zurück zur Shelterbay, während Marie-Therese und Paul noch bleiben. Super: Paul, ganz Mechaniker, will mit mir die leckende Wellenlagerdichtung – eine Folge des Bruchs einer Motorauflage (Jan/Feb-Bericht) auswechseln – keine einfache Sache!.


Hektik Tags darauf:

Um die Wellenlagerdichtung zu ersetzen, muss das Boot aus dem Wasser. In der Überzeugung in Panama-City eine neue Wellenlagerdichtung kaufen zu können, mache ich in der nahe gelegenen Flamenco-Marina eine Reservation für den Travellift: geplant morgen 13.00 Auswassern – 2-3 Std Arbeit – wieder Einwassern.

Am Nachmittag suchen wir per Taxi in allen möglichen Geschäften nach dem Ersatzteil – was zu Hause ein Pappenstiel wäre, ist hier eine Riesenübung – das Teil ist nicht aufzutreiben, aber… Paul hat auf seinem Boot in der Shelterbay genau einen solchen Ersatz! Also los – Taxifahrt zur Shelterbay zurück, wo wir vor 2 Tagen zur Kanaldurchfahrt starteten – Marie-Therese bleibt dort auf ihrem Boot, während wir mit dem Ersatzteil sofort zurück zu unserem Boot fahren, das wir müde um 21:00 erreichen.


Tag zum Vergessen:

…eigentlich begann es ganz gut – wir waren froh gelaunt über den Husarenstreich gestern und machten kleine Unterhaltsarbeiten. Am Mittag fuhren wir dann zur nahe gelegenen Flamenco-Marina – legten an – ich musste vor dem Ausheben im Büro die Gebühr bezahlen.

Unterdessen kamen drei Personen (Gesundheits-Inspektor, Agrikultur-Beamter und eine Dame vom Zoll) vorbei – später hörten wir, dass es sich um eine Willkür-Aktion handelte, wie sie auch anderen passiert ist. Der Inspektor führt sich auf als wären wir Verbrecher und droht das Boot an die Kette legen zu lassen bis wir die entprechenden Gebühren bezahlt hätten. Anmerkung: wir waren immer bemüht alle Papiere in Ordnung zu haben – alle andern Segler wussten auch nichts von dieser Regelung. Niemand informierte behördlicherseits darüber und im Marinabüro gab man mir zu verstehen, dass ich nicht bezahlen solle… genützt hat es nichts.

Der Beamte, der nur Spanisch sprach, wurde etwas freundlicher als wir zu verstehen gaben dass es nicht unser Problem sei wenn Informationen fehlen und oder Regeln dauernd ändern. Dabei kam er wegen einer TV-Sendung die gerade lief, auf den Sport zu sprechen. Ich erwähnte nebenbei, dass ich mal Olympiateilnehmer war… er versank fast vor Ehrfurcht  und sagte dass er sich geehrt fühle… blah, blah…

Schliesslich erhielt ich eine Menge Papiere, u.a. für Ausräuchern des Bootes sowie Check, dass wir keine spezielle Sorte Viecher an Bord hätten – notabene ohne dass irgend eine diesbezügliche Aktion vorgenommen worden wäre.

Kosten: 100.- $ Gesundheitspapiere, 40.-$ Agrikulturpapier und 25.-$ für Zollpapier… mit dem Vermerk, dass es später in Galapagos teurer wäre… ich verlangte Namen und Quittungen – muss überlegen ob und was ich unternehmen werde.

Mit viel Verspätung haben wir das Boot ausgekrant und machten uns mit Hochdruck an die Arbeit – aber so einfach war die Sache nicht – jeden falls reichte die Zeit, wegen der „Behördenübung“ nicht mehr um die alte Wellendichtung aus- und die neue einzubauen und gleichen Tags wieder einzuwassern.

Der freundliche Marinamanager meinte, es sei kein Problem wenn wir das Boot erst morgen (wegen Tide erst 13:30) einwassern – nur sei es nicht erlaubt auf dem Boot bzw. Marinagelände zu übernachten – also mit dem Taxi in die Stadt zu einem Hotel – dann Pizza und beim Schlummertrunk blicken wir hundemüde und Sprüche klopfend auf die Tagesereignisse zurück.

IMG_1975 SY Aroah unruhig am Ankerplatz vor der Kullisse von Panama-City.jpgFrüh am nächsten Morgen verlassen wir das Hotel – Leena macht Einkäufe – mit Paul, der schon die nächsten genauen Arbeitsschritte im Kopf hat, mache ich mich auf den Rückweg und an die Arbeit – gab es gestern noch Knacknüsse zu lösen, so war es heute eine wahre Freude die Teile wieder ein- und zusammen zu bauen. Guter Job – merci Paul! Gleich noch Diesel mittels Bidons gebunkert. Paul der die „Bauleitung“ inne hatte ist rechtschaffen müde und macht ein Nickerchen bevor die Nicone wieder zu Wasser gelassen wird und wir befreit von Behördenkram, sowie Lärm auf der Marinawerft, zum Ankerplatz fahren.

Mittagsschlaf, baden, Lagebesprechung, dann fällt Paul auf, dass unser Boot beim derzeitigen Wellengang ruhiger liegt als die meisten andern – schön für uns – wir diskutieren über die Gründe – geniessen Sundowner, gefolgt von feinem Znacht und krumme Villiger (Heimatgefühl (;-))

Heribert von der „Wasaby“ kommt früh vorbei – er hatte ähnliche Probleme wie wir bei den Behörden und ist nochmals auf dem Weg dort hin – er will heute noch ablegen zu den Perlas-Inseln.

Paul fährt „nach Hause“ auf die Mabuhay in der Shelterbay um seinerseits einen hier gekauften neuen Autopilot-Computer einzubauen.

Spruch von Paul in Anspielung auf aufwändigen Bootsunterhalt und Beschaffungsfallen denen Segler ausgeliefert sind:

„Wenn Du einem Kollegen etwas antun willst, musst Du ihm ein Boot schenken!“

Wir machen viele Erledigungen in der Stadt – gehen bei  Arturo vorbei um zu vernehmen, dass unsere Ware (aus USA) auf die wir längst warten, zwar beim Zoll sei, dort aber bis nächsten Donnerstag wegen des Carnevals niemand arbeite – somit wächst die Lieferzeit auf satte 3 Wochen an, statt der versprochenen 3-5 Tage (Extragebühr von 130.-$ für Express- Lieferung inklusive).

IMG_1901 Mast verloren_thumb.jpgHaben im Ankerfeld schon am ersten Ankunftstag ein Boot ohne Mast gesehen. Jetzt sehen wir den Eigner und erkennen ihn sofort – haben ihn letztmals in Kuba getroffen – er verlor vor acht Monaten ca. 500 sm nördlich von hier in einem kurzen heftigen Sturm den Mast – als der neue Mast endlich geliefert wurde, war dieser auf dem Transport verbogen worden –  nun „kämpft“ er mit der Versicherung und ist natürlich deprimiert – er will weiter…

Treffen am Abend noch Erik und Monika, die soeben von einem Behördengang zurück kehrten und stocksauer sind auf deren Willkür – kommt uns bekannt vor…

Überprüfung des Seefunks bzw. Pactor / Tuner durch Electronik-Fachmann – wie diesen finden?

Ich frage Heribert, der weiss es sicher.

Heribert sagt: frag doch mal den Ali, der kennt hier alle… mache ich

Ali sagt : frag doch mal den Heinz oder den David, sind beide ok… mache ich

Heinz sagt: frag doch mal den Peter, den kann ich Dir sehr empfehlen… mache ich

Peter, obwohl Deutscher, vormals aus Dresden spricht nur gebrochen deutsch – englisch fällt ihm leichter – er ist pensionierter Elektroniker für Marinegeräte, wohnt hier und führt diesen Job weiter als Hobby aus. Er will das Gerät prüfen und hernach mit mir einbauen und testen – melde sich in zwei Tagen wieder.

IMG_1915 Peter Marxen, Elektroniker, Panama-City_thumb.jpgHole ihn dann mit dem Beiboot ab –  wir machen Messungen und Tests mit SSB-Radio, Leitungen, Tuner, Antenne: alles i.O  Beim Lunch erwähnt Peter (Ex DDR), dass er 1972 letztmals in Deutschland, nämlich als Athlet (Fussballer) an den Olymp. Spielen in München gewesen sei… wir freuen uns natürlich mächtig über die überraschende Gemeinsamkeit.

 

IMG_1960 als ob der Regen noch nicht genügen würde, werden  alle abgespritzt_thumb.jpgAm letzten Carnevalstag, wollen wir noch den Umzug sehen. Wir fahren zu viert zum Ort des Geschehens an der Küstenstrasse. Das Gelände ist von viel Militärpolizei abgeriegelt. Alle Personen werden abgetastet und Ausweise mit Computerdaten verglichen – als wir uns in die Warteschlange stellen, werden wir ohne Kontrolle freundlich auf der Seite durchgeschleust … gibt zu denken…
Der IMG_1964_thumb.jpgUmzug sei erst am Abend, dafür gibt’s Musik und die dichtgedrängte Menschenmasse bewegt sich (soweit dies überhaupt möglich ist) im Rhythmus dazu.

Das Spezielle: obwohl es zu diesem Zeitpunkt gerade regnet werden die Menschenmassen von Tankwagen aus regelrecht abgespritzt – was offenbar allen gefällt.

 

 

IMG_1962 alle und alles platschnass_thumb.jpg
Alle Fotos Panamakanal Februar / März

Reisevorbereitungen

Januar – Februar 2011
IMG_1692a Bewegungen Jan Feb.jpg
Die Weihnachts- und Neujahrspfunde sind weg – wir trinken hier mehr als wir essen mögen! Andererseits träume ich von den feinen Fastnachtsguetzli die es zu Hause gibt in der Winterzeit…Hier gibt es 28 – 30°C – Wassertemperatur 27/28°C. Wie wir vernehmen, hat Finnland zur Zeit ein Auf- und Ab mit den Temperaturen mit bis zu 40° Minusgraden und hier, wenn die Temperaturen abends auf 25° fallen und der Wind etwas weht, reden wir davon dass es kühl sei…

 

26.01.11 Auswassern – Trockenplatz Shelterbay-Marina

Auswassern ist immer ein besonderes Ereignis – unter Seglern ein spannendes Thema – nicht ganz zu unrecht  – einem Freund in Brasilien passierte es: als das Boot bereits am Travelift über dem Wasser in der Luft hing, riss die vordere Traggurte, worauf das Boot nach vorn wieder ins Wasser kippte, der Mast und das gesamte Rigg schlug gegen den Querbalken des Liftes und wurden abgerissen. Dem Stahlboot selber passierte nicht viel, hingegen dauerte die Wiederinstandstellung des Schadens seine Zeit.

Bei uns geht’s (diesmal, wie ein anderer Segler augenzwinkernd meint) problemlos – eine andere Crew wartete bis ihr Boot nach einem Tag sicher auf den Stützen an Land war – das Boot hing in den Gurten in der Luft, aber der Motor des Traveliftes wollte nicht mehr und musste zuerst repariert werden.

IMG_5901 if you have nothing to do ....jpg
Das „Unterwasser“ sieht noch erstaunlich gut aus – wir beginnen sofort mit Spachtel und Schleifpapier den Rumpf zu bearbeiten, besonders um die Spuren der Seepocken zu entfernen – es ist eine mühsame und schmutzige Arbeit, besonders unter den Flügeln des Kiels.

Am Abend  kommen unsere Trockenplatz-Bootsnachbarn von der „Alchimist“ At mit einem kühlen Bier vorbei – genau richtig, als wir schon sehr „geschafft „ waren – danke schön!

IMG_1492 blau sind nur die Haare vom Schleifstaub.jpg
Wir sind blau – nicht vom Bier sondern vom blauen Antifouling – ab unter die Douche

Früh am folgenden Tag – vom Dschungel, der bis an die Marina heran reicht, sind Brüllaffen und Vogelgezwitscher zu hören – setzen wir die Schleifarbeiten fort und können noch am Abend mit der „Neumalerei“ beginnen.

Sechs Arbeiter sind neben uns an einem ca. 20 m langen Motorboot aus Holz mit dessen Überholung beschäftigt – morgens wenn sie kommen trinken sie vorerst Kaffee und nehmen Frühstück – den ganzen Tag wird viel geschwatzt – manchmal (selten) sind alle beschäftigt oft aber schauen mehrere zu wie einer sägt und geben Kommentare ab oder schauen uns bei der Arbeit zu. Sie sind sehr nett und helfen uns mit Tipps und Handreichungen – wir mit Fruchtdrinks.

IMG_1516 kalfatern und neue Planken sind noetig nachdem das grosse Holz-Motorboot beinahe sank.jpg
Wie wir vernehmen, hatte sich der Skipper – er war im Auftrag unterwegs – geweigert mit dem Boot weiter zu fahren – es stand offenbar alles im Zeichen, dass die Crew nicht überlebt hätte – u.a. drangen letztlich 400 Gallonen Wasser pro Std (1500 Lt) ins leckende Schiff ein, die Notpumpen waren am Anschlag und nur mit Not konnten Taucher das Hauptleck etwas abdichten – das Boot hat den bezeichnenden Namen Odyssey.

Auf der anderen Seite sind 2 Arbeiter dabei, auf dem Werftgelände einen grossen Catamaran endgültig zu zerlegen, welcher für die Szene eines James-Bond-Films zum Explodieren gebracht wurde.

Am Abend des dritten Tages auf dem Hartplatz – wir haben wegen Müdigkeit „einen Gang zurück geschaltet“ – sieht die Nicone, nach einer Epoxy-Arbeit am Skeg und zwei neuen Schichten Antifouling, schon wieder toll aus – wir weniger – wir sind wieder blau – heisst voller Farbe.

IMG_1526 Herstellung von 8.5 Tonnen-Blocks für Dammbefestigungen.jpg
Über das Weekend folgten übliche Kleinarbeiten und eine dritte Schicht Antifouling – fertig. Dazwischen Spaziergang zum Ort neben Werftgelände, wo  Dammbefestigungsblöcke (8 ½ Tonnen pro Stück) hergestellt werden, sowie baden im
IMG_1538 frueh uebt sich....jpgPool mit den zukünftigen Seglern.

Einwassern  –  ein Wiedersehen nach 4 Jahren  –  zurück zur Panamarina

IMG_1542a Vorbereitung Einwassern.jpg   IMG_1547 wird zurueck in ihr Element transportiert.jpg
31.01.11: am Abend nach dem Einwassern und Einkäufen in Colon, gibt’s ein Wiedersehen mit Marie-Therese und Paul, welche wir vor 4 Jahren letztmals bei uns zu Hause gesehen hatten, als sie sich aufmachten, um mit Ihrer SY Mabuhay (Beneteau Oceanis 42) zur See zu fahren. Unsere Wege kreuzen sich wieder – auch sie auf dem Weg in den Pazifik.

IMG_1582 b Seeweg Panamarina.jpg
Während sie noch eine Weile hier in der Shelterbay-Marina bleiben, stellt sich uns die Frage, ob wir gegen den Wind und Wellen von 2.5 – 3m auf die Nase zur Panamarina zurückfahren wollen – viele raten ab – da aber unser Mechaniker Michel dort wartet und für die nächsten Tage noch stärkerer Wind angesagt ist, wollen wir es versuchen – können ja immer noch umkehren – wir ziehen durch – und erreichen nach 7 Std ruppiger Seefahrt erneut die Panamarina.

IMG_1555 Watermaker - feine Technik unter Sitz.jpg
Andern Tags starten wir sofort mit dem Einbau des Watermakers – sägen, bohren, schrauben, feilen, montieren – wir arbeiten alle (Leena, Michel und ich) gut Hand in Hand und am nächsten Tag erfolgt bereits der Testlauf – wir feiern den Erfolg mit einer „Flasche feinem entsalztem Wasser“ – es schmeckt wunderbar!

Überraschung

Alles lief bisher mit den beabsichtigten Arbeiten und Saison-Vorbereitungen bestens – wir liegen im Zeitplan und dies ist hier zu Lande doch eher eine Überraschung – der positiven folgt auf dem Fuss die unerwartete negative Überraschung.

„Es gibt etwas, das du auf einem Boot immer erwarten kannst, und das ist das Unerwartete“ (Mike Peyton, englischer Schriftsteller, Satiriker und Segler aus Leidenschaft)

…ja, machmal schafft das Segeln Leiden – noch in angehobener Stimmung und Freude über die grösser gewordene Unabhängigkeit betreffend Trinkwasser dank neuem Watermaker, sind wir im nächsten Moment schon beinahe sprachlos bei der Entdeckung einer gebrochenen Motorauflage. Sofort sind wir uns bewusst, dass dies zur Folge hat, dass der Motor angehoben werden muss, um den Träger auszubauen, dass Abklärungen bevorstehen, ob das Teil geschweisst werden kann, oder ein neues Teil eingeflogen werden muss, dann wieder Einbau… im besten Fall 7 – 10 Tage Verzögerung – es können auch 3 Wochen werden …

…aber besser jetzt als später auf der Pazifikseite unter voraussichtlich schlechteren Bedingungen…

IMG_1678a Motor bei Nachbarsyacht ausgebaut.jpg
Da ist man an wunderschönen Gestaden bei herrlichem Segelwetter und hat den Kopf im Motorraum… und wir sind nicht allein – an einem andern Boot wird der ausgebaute defekte Motor auf ein Floss gehievt und dann an Land gebracht…

IMG_1560 Tohuwabohu.jpg
Der Ausbau des gebrochenen Trägers ging zügiger als erwartet voran – den Motor haben wir vom Cockpit aus mittels Flaschenzügen, die wir an Querbalken im Cockpit  befestigten, angehoben. Dank intelligentem Zugang zum Motorraum – Lob an die Bootkonstrukteure – kein sonderliches Problem. Derweil herrscht auf dem Boot  ein Riesenchaos – Ware aus- und umräumen, Werkzeuge hier und dort, Teile ebenfalls.

Nach einer guten Woche waren der geschweisste Träger und der Motor wieder an ihrem Platz – juhui, habe viel gelernt dabei und erst noch mein Französisch (Michel ist Franzose) aufgebessert – alles ist eben für etwas gut.

Zwischenzeitlich nahmen wir uns verschiedene Dinge vor, die wir schon länger auf der Liste haben. Z.B. polierte Leena sämtliche Chromteile an Deck und ich die Bordwände im Dingi stehend – meine Kopfrechnung (ab und zu übe ich (;-)) ergibt dazu Folgendes: für 30 cm Bordlänge = 10 Min – bei 1260 cm Bordlänge = 42 x 10 Min x 2 (zwei Seiten!) = total 840 Min bzw 14 Std Polieren – Verteilung auf mehrere Tage ist geplant – dies ist wohl der Grund, dass ich immer noch nicht fertig bin.

Daneben gab’s sogenannte „Allerleitage“ mit diversen Besorgungen, Optimierungen, Einkäufen, Installationen und Internetbesuchen in der Panamarina.

Der Montag 07.02 begann harmlos: wieder ein Stück Bordwand polieren (siehe oben). Am Nachmittag beschlossen wir mit dem Dingi durch den Dingipass – romantische schmale Wasserstrasse, welche von Mangroven gesäumt und überdacht ist – zur Ankerbucht von Linton hinüber zu fahren. Wir vermuteten dort einen Freund, den wir lange nicht gesehen hatten. Er war nicht dort, dafür Sylvia und Heinz vom Cat Mambo, die wir erstmals in Cartagena trafen – wir gingen zum  gemeinsamem Essen in die Strandbeiz – wir wollten eigentlich noch bei Tageslicht durch die schwierige Riffpassage am Eingang des Dingipasses fahren – da es aber spät und finster wurde, offerierten uns die beiden bei ihnen zu übernachten. Wir wollten versuchen die Passage zu finden und erhielten eine Taschenlampe mit auf den Weg.

IMG_1682 Dingi in stockdunkler Nacht vom Riff wegziehen.jpg
Der erste Versuch die Riffpassage in stockdunkler Nacht zu finden scheiterte kläglich – die Taschenlampe vermochte nichts auszurichten. Die nicht  sehr hohen aber langen Wellen trugen uns aufs Riff – Schuhe anziehen, wegen Verletzungsgefahr, aussteigen – Leena bleibt im Boot – Dingi vom Riff wegziehen bis ich bis zum Bauchnabel in Kleidern im offenen Meer stehe IMG_1684 Riffdurchfahrt Dingipass.jpg– sehr vorsichtiger zweiter und dritter Versuch ebenfalls erfolglos – also kehren wir zur Mambo zurück, wo wir noch einen lustigen Abend beim Kartenspiel verbringen und wo uns diese Nacht Asyl geboten wird – na ja, wie heisst es doch bei Udo Jürgen „mit 66 Jahren fängt das Leben erst an“.

Eines Tages fällt uns ein Boot auf, das wir bereits vor ¾ Jahren bei einem Zwischenstopp am gleichen Bojenplatz gesehen hatten – auf die Frage, ob denn das Boot schon so lange unbewohnt sei, bekommen wir von einem ansässigen Franzosen zur Antwort, dass das Besitzerpaar seit 4 Jahren im Gefängnis sei und noch 3 Jahre dort wegen Drogenhandel einsitzen müsse…

Es könnte einen aber auch unwissentlich treffen, wie im Falle eines Seglers (so wurde uns erzählt), der als er in einer karibischen Bucht ankerte, Besuch von Polizeitauchern erhielt, welche ein an seinem Kiel befestigtes Drogenpaket zu Tage förderten…er wusste anscheinend nichts davon, dass er als Transporteur missbraucht wurde.

Also häufige Unterwasser-Boots-Checks vornehmen (;-) …

 

Inzwischen ist es Mitte Februar geworden:

Weil wir mit Michel mehr als einen guten und zuverlässigen Mechaniker und Elektriker haben, und der als langjähriger Segler viel Erfahrung hat, nützen wir die Zeit um gemeinsam dies und jenes zu optimieren. Wir verbessern u.a. die Situation Bilgenpumpen, Leitungen und Ventile, alle unter der Wasserlinie liegend, um allfällige Unliebsamkeiten zu verhindern und die das Seglerleben bequemer, sicherer und beruhigender machen.

IMG_1686 Dingifahrt im strömenden Regen.JPG
Michel und seine Frau Françoise laden uns in ihr Haus zum feinen Diner nach französischer Art ein – doch vorerst gab’s eine 20 minütige Dingifahrt im strömenden Regen.

IMG_1615 a Michel & Françoise.jpgWir verbringen einen interessanten und auch lustigen Nachmittag, während es draussen meist wie aus Kübeln schüttet. Die beiden freut’s, ging doch langsam das Trink- bzw. Regenwasser der Neige zu. In der Tat hat es seit unserer Rückkehr nach Panama kaum geregnet. Wir tauschen, wie in solchen Fällen üblich, einiges über unsere Lebensgeschichten aus. Nach 16 Jahren Segeln zur See, wurden sie hier vor 7 Jahren sesshaft und gehen alle 2 Jahre nach Paris zurück um ihre Kinder zu besuchen. Es ist einfach in Panama eine Niederlassungsbewilligung zu erhalten. Wer ausweisen kann, dass sein Einkommen mehr als 1000.-US$ pro Monat beträgt, kann ansässig werden und bezahlt keine Steuern! Da es nur eine Trocken- und eine Regenzeit mit kleinen Temperaturschwankungen gibt, braucht es  wenig Kleider und das Leben hier ist billig. Weisse Ausländer – in der Regel besser gestellt als Einheimische – leben unbehelligt neben den allgemein freundlichen Panamesen (meist jedoch ohne spezielle Kontakte).

Eine Alternative hier zu leben ist es allemal aber selber verfolgen wir andere Pläne…

Die technischen Arbeiten sind praktisch abgeschlossen – genau genommen sind sie es nie – ist etwas erledigt tauchen oft 2 neue, z.T. als Folge davon auf.

Dann noch anstrengende Einkäufe in vielen verschiedenen Läden in Colon – Michel und Françoise wissen wo auch schwierig zu findende Artikel erhältlich sind – neben Spezialgeschäften gibt es Billigläden – 1 Paar schicke Damenschuhe (Schickimiki) für 1 $ 99! – gute Herrenschuhe von 8.- bis 34.-$ – teurere gibt es nicht. Besonders in grossen Kaufhäusern „weiss das Personal nichts“ – latscht und schwatzt herum – fragt man etwas, ist die Antwort häufig „haben wir nicht“, bis man freundlich insistiert – na ja es gäbe halt Arbeit… zu verurteilen ist aber fehl am Platz – es wäre vermessen mit europäischen Standards zu vergleichen; u.a. beträgt der Monatslohn 250.- bis 300.- US$…

Auffallend: wenige Leute lesen – oder wenn, dann meist nur „Mist“ (es gibt fast nur solchen) – Michel zeigt auf eine Auslage mit ca 10 verschiedenen „Bildzeitungen“, alle mit Titeln wie:  dieser Mann ein Mörder – Überfall mit Toten – Polizei erwischt Drogenhändler – Unglück, Misshandlung etc. Na ja, (Aus-) Bildung wo bleibst du?

Laden Michel und Françoise unsererseits ein – verbringen einen schönen Abend – dann heisst es wieder mal Abschied nehmen von liebgewonnenen Freunden.

IMG_1687 Anker streichen.JPGNoch 1 Tag Arbeit mit Anker streichen, Kettenmarkierungen anbringen, restliches Freibord und Deckaufbauten polieren – die herausgeputzte NICONE ist innen wie aussen wieder ein schöner stolzer Schwan.

 

 

IMG_1667a Orchideenstrauss von Freunden zum Abschied.jpg   Orchideen – am ruhigen Boots-Standort


Fahrt zur Shelterbay bzw zum Panamakanal

Am18.2.11 verlassen wir die familiäre Panamarina, wo wir uns gut gefühlt haben und segeln mit raumem und achterlichem Wind aus NE sowie gutem Speed unter Genua und Besan zur 10 Seemeilen entfernten Ankerbucht Buenaventura – andern Tags noch 3 Seemeilen zurück nach Puertobello, wo Michel nochmals kurz an Bord kommt, wegen Bilgenpumpentechnik.

Dann am Sonntag, unter gleichen Verhältnissen wie 2 Tage zuvor, ein weiterer feiner Segelritt bei Wind mit 18 Knoten aus NE – das wäre der Wind den wir uns für die bevorstehenden Langstrecken wünschen! – Es war eine tolle Fahrt bis zur 20 Seemeilen entfernten Shelterbay-Marina, wo wir Marie-Therese und Paul wieder sehen und wo wir nun die Kanaldurchfahrt in den Pazifik organisieren wollen…

Bis später…

Alle Fotos „Reisevorbereitumg“

24. 01.11 das Boot hat uns wieder – ausgefüllte Tage

1
Wie recht sie  hat, meine Mutter, als sie uns in einem Gedicht, das sie uns beim Abschied widmete, unter anderem folgendes (Schweizerdeutsch) sagt:

I freue my, dass i das alles darf erläbe,
in Gedanke mit euch fahre, ganz vergäbe.
Dir sind sicher gspannt wie’s de Nicone goht,
öb no alles richtig lyt und stoht!?

Wahrschinlech hend ihr Arbeit bis gnue,
bis Dir s’Schiff hend nach sinere Rueh.
Die technische Sache müend funktioniere,
dir wend jo sicher gar nüt riskiere!

Nach einem ausgefüllten und erlebnisreichen Schweiz-Aufenthalt, kehren wir nach knapp drei Monaten zurück nach Panama.

Mit viel Gepäck, zwar fast ohne Kleider (benötigen wir vorläufig nicht), dafür mit vielen Bootsteilen, Büchern und feinen Sachen von zu Hause, fliegen wir via Amsterdam in 15 Std nach Panama-City, wo uns fast 30°C Temperaturdifferenz Hitze entgegenschlägt – haut einen um. Das „Hoftaxi“ der Panamarina wartet schon und bringt uns in fast drei-stündiger Fahrt quer durch Panama auf die Atlantikseite zum Bootssteg – dort steht auch schon unser Dingi bereit und im Scheinwerferlicht sehen wir die Nicone schwimmen – soll sie ja auch.

…übersetzen – nach 3 x ist’s geschafft – Gepäck hinaufstemmen – wir sind wieder da.

…wie zu erwarten, innen muffige Luft und alles schimmlig – das gibt Arbeit – aber es geht allen gleich – eine ordentliche Belüftung war wegen des andauernden Regens nicht möglich – die Regenzeit (in unsere Abwesenheit) war dieses Jahr besonders schlimm und führte sogar kurz zur Schliessung des Panamakanals und im ganzen Land zu Erdrutschen – im nahen Portobello wurden Strassen und Häuser verschüttet und es gab mehrere Tote. Das war im Dezember – wir waren zu Hause darüber informiert und nach einiger Zeit konnten wir wieder Kontakt aufnehmen und erfuhren, dass es zwar schlimm sei, alle uns Bekannten aber wohlauf seien und auch mit unserem Boot alles ok.

Wir begannen sofort mit der Reinigung  des Bootes – nach langer Reise und einem sehr langen Tag (plus 6 Std Zeitverschiebung), setze ich um Mitternacht Panamazeit die Borduhr in Gang – dann verfielen wir in einen Ohnmacht ähnlichen Schlaf.

Am nächsten Morgen… wo sind wir? …ah auf dem Boot…!

Gas und Herd funktionstüchtig machen – dann mässiger Filterkaffee – dieser ist im Gegensatz zu allen eher feuchten Dingen ziemlich ausgetrocknet…

Telefon nach Hause – alles ok

Der starke Wind und das gute Wetter, das wir gemäss Ansässigen mitbrachten, erlaubten gute Bootslüftung und einen ersten Putztag bis fast zum Umfallen.

Michel – Franzose mit gepflegtem Französisch, ehemals Segler, seit 7 Jahren hier mit seiner Frau ansässig und bekannt für zuverlässige Arbeit – Mechanik und Elektrik auf Booten – der in unserer Abwesenheit das Boot betreute, kam vorbei um uns zu begrüssen und zu melden, dass bis auf das kaum mögliche Lüften alles ok sei – wir vereinbarten mit ihm weitere Arbeiten in den folgenden Tagen.

Wir holen Segel, Decken und Zubehör ab, die wir vor unserer Abreise den beiden Segelmachern Alain und Hervé zur Überprüfung, Reparatur bzw Neuanfertigung hinterliessen – sauberer Job!

Während Leena weiter putzt, auf- und einräumt, beginne ich mit dem Check der Geräte – allgemein ok – ein paar  Lichter funktionieren (noch) nicht – wie zu erwarten, wegen Korrosion, wie sich herausstellt… und die Toilette vorne ist blockiert… Sch…

Auch am nächsten und den weiteren Tagen gibt’s volles Programm.

Der Morgenkaffee schmeckt immer besser – zwar nicht ganz so gut wie derjenige zu Hause „mit dem Schäumchen“…

Die Fledermäuse haben uns letzte Nacht wieder besucht und drei Bananen angefressen – wir vergassen diese in die Kühlbox zu legen… geschehe nichts Schlimmeres…

Die Bordfrau nützt die Gunst der Stunde – Schuld gibt sie der Feuchtigkeit – um viele Dinge die ich aufbewahrte – alles ist irgendwann nützlich auf einem Boot – zu liquidieren.

Teppiche, Fischrute, alter defekter Drucker, verrostete Büchsen – darunter die Büchse die wie ein Buch aussieht und liebevoll „Buch der Weisheit“ hiess und in der Regel feine Naschwaren beinhaltete – wo sollen die jetzt sein!? Aber auch fragwürdige Esswaren und vieles andere brachten wir mit Herzschmerz zur vorbildlichen Separat-Müllentsorgung der Marina.

2Mit Michel machen wir uns an den Einbau der mitgebrachten Neuteile – erneuern die Kupplungsinnereien, montieren eine mechanische und eine elektrische Dieselförderpumpe – später kontrollieren wir die Batterien – die 4 Bordbatterien sind ok , die erst 1 1/2 jährige Starterbatterie dürfte es nicht mehr lange machen, sie wird demnächst ersetzt. Weiter mit Ventilcheck, Lüftereinbau für Kühlbox, Anschliessen des UKW-Seefunkgerätes (Garantie-Ersatz) und  Programmierung der Identifikations-Nummer, Pactor für Wetter und E-mails auf hoher See wieder installieren und… und…natürlich sind wir hundemüde.

Am Samstag nach der 4. Nacht kann ich um 05:00 nicht mehr schlafen – vieles dreht sich mir im Kopf – hatte mich im Traum in einer völlig anderen (auch sehr schönen) Welt bewegt.  Jetzt wach und zurück im realen „harten“ Leben ziehe ich eine erste Bilanz der kurzen Zeit seit unserer Rückkehr:

3– Es geht uns gut – die Zeitumstellung, die viele Arbeit – habe einen ausgewachsenen Muskelkater von all den Verrenkungen beim Arbeiten am Boden (Motor, Ventile etc) – die Temperaturdifferenz – all das haben wir noch nicht ganz im Griff.

– Gesamthaft sind wir in kurzer Zeit jedoch bedeutend weiter vorangekommen als erhofft – besonders mit dem Einbau von Ersatz- und Neuteilen dank Michel.

– bis auf einige kleinere Dinge funktioniert die „autarke Zelle Nicone“ wieder flott. Der Segelmacher, dessen Boot neben unserem liegt und unser Werken mitbekommt, meinte, wir könnten froh sein, dass wir ein gutes Boot hätten und keinen „Yogurtbecher“ (er nannte sie namentlich), deren Besitzer hätten grosse Sorgen um ihre Boote nach der Regenzeit wieder in Betrieb nehmen zu können.

– besonders zwei Dinge werden uns noch beschäftigen:

die Rettungsinsel, die zwar gut aber doch in die Jahre gekommen ist, sollte neu gewartet werden – da dies hier für unseren Typ nicht möglich ist und ausser dem teuer wäre, beschliessen wir eine neue zu beschaffen, statt weiter zu zuwarten.

Zudem verspricht der Einbau eines Watermakers (Wasserentsalzungsanlage) weitere Unabhängigkeit und Sicherheit. Beides, Rettungsinsel und Watermaker sind ins Gewicht fallende Budgetposten und müssen aus den USA herbeigeschafft werden. Dies wiederum wird wohl unsern Zeitplan belasten.

Unterdessen ist es an diesem Morgen 07:00 geworden – die Bordfrau möchte Kaffee…

Das Wetter zeigt sich weiterhin von der guten Seite, abgesehen von einem kurzen 1-2 minütigen Regensprutz pro Tag. Da wir Lebensmittel und Geld benötigen fahren wir mit dem Bus nach Colon. Auf der Fahrt sehen wir das Ausmass der durch Regen und Erdrutsche verursachten Schäden – wo Häuser standen gibt es jetzt Schuttkegel – aber das Leben geht weiter – im alten Bus selber gibt es wie üblich Musik – heute schöne, eher etwas melancholische und nicht all zu laut. Jedes Mal wenn der Bus bremst, quitschen die Bremsen, gleichzeitig leuchten innen an der mit roten Federn verzierten Front rote Lichter auf und ebenfalls ein Herz das aufleuchtet – so können die Fahrgäste „mitleben“ – Leena meint: wir sind definitiv wieder in Panama!

Wegen der gewichtigen Einkäufe (beschränkter Platz im Bus) und Geld vom Automaten (Sicherheitsüberlegung) fahren wir mit dem Taxi zurück.

Den Rest des Tages noch dies und das, wie meine Haare schneiden (Leena Hinterkopf, ich selbst den Rest) – hatte einfach keine Zeit mehr zu Hause – dann Internet – und prompt meldet sich die Cousine und ihr Mann aus Brasilien via Skype und von der SY Anne-X erfahren wir, dass sie mit andern uns bekannten Oesterreichern als Linehander  durch den Panamakanal unterwegs sind und diesen bald selbst queren wollen  – wann sind wir wohl soweit?

Am Sonntag dann war „easy-going“ vorgesehen, nachdem wir in den letzten Tagen  wirklich hart geschuftet hatten – dies gelang erst, als am Nachmittag unser Bootsnachbar zu uns kam – er ist Baske, Koch, Alleinsegler und heisst Juan-José – er interessierte sich für unsere Solarzellen – daraus ergaben sich weitere interessante Gespräche – u.a. will er nach Kuba, dann zurück nach Mogan auf Gran Canaria und von dort aus dann mit Kollege und einer Harley Davidson die Türkei und den Iran bereisen.

Leena macht feines Z’nacht – dann noch etwas lesen und dabei leider bereits alle herrlichen, aus Finnland stammenden Lakritze, vertilgt – dabei wollten wir doch einige noch sparen… na ja…

5Die nächsten Tage sind ausgefüllt mit Wäsche machen, Segel anschlagen, alle Funktionen an Deck checken, Aussenbordmotor für Dingi in Betrieb nehmen, weitere Geldbeschaffung bei der Bank in Colon aus dem Automaten, als Vorleistung für den Watermaker – eine heikle Angelegenheit unter den Augen bewaffneter Security- Leute. An diesem Tag konnten wir mit Michel nach Colon fahren – er zahlte das Geld sogleich wieder ein – zurück ging’s mit dem Bus und dann in grosser Hitze und ohne ein Hauch von Wind 40 Min mit Gepäck noch zu Fuss zur Marina.

Informationen einholen und geben, weitere kurzfristige Planungen, wann ist was wo und wie möglich – Kommunikation mit Internet – step by stepp geht’s voran.

Eines Morgens, ich bestellte beim Segelmacher noch eine Sonnenschutzdecke, begrüsste mich jemand mit „guete Morge, wie goht’s“ – es handelte sich um Niklaus, einen Deutsch-Schweizer, der vor vielen Jahren nach Kanada ausgewandert war.

Jemand sagte ihm dass wir Schweizer seien. In 3 Minuten erzählte er mir seine Lebensgeschichte: in Biel geboren, auf einem kleinen Bauernhof im hintersten Thurgau aufgewachsen – ausgewandert – gute Geschäfte gemacht – alles (4 Millionen $) wieder verloren – Familie entzweit – Neuanfang – zweite Ehefrau, Holländerin, die fast ein Kopf grösser ist als er (und schon deshalb seine Chefin sei) – Segelboot gekauft – kann selber nicht segeln und ist deshalb mit einem gemieteten Skipper unterwegs…

Etwas später: ein Bayer unterhält sich mit eben diesem Niklaus und erzählt ihm, dass sein Sohn auch in der Schweiz sei und an der „Universität Biel“ arbeite, wo Sportler getestet würden… – kam leider nicht dazu, mich noch mit ihm zu unterhalten – es dürfte sich aber bei seinem Sohn um jemanden handeln, den ich von der Sporthochschule Magglingen her kenne.

Dann noch „Wassertag“ – hiess Wasserlinie schwimmend reinigen –  an einem Wasserauslass (unter Wasser)  Holzpropfen testen, der verhindern soll, dass Wasser ins Boot dringt, wenn wir später mit dem Mechaniker das innen liegende defekte Ventil auswechseln wollen – Tauchgerät „Freediver“ ausprobieren mit dem man z.B. gut am Boot unter Wasser arbeiten kann. Ist ok, noch etwas gewöhnungsbedürftig – Ruder des Windpiloten im Wasser montiert, weil einfacher (Auftrieb) als später an Land hoch aufgebockt.

Zum Schluss ein Tee-Ruhm wegen leichter Unterkühlung trotz 26°C Wassertemperatur.

Via Internet erfolgte von der „forty-two“-Crew, guten Bekannten, eine Anfrage, ob wir wüssten wo Roland (der von unserem Nachbardorf Scheuren /Schweiz) sei, sie hätten lange nichts gehört von ihm – wir leider auch nicht – dann grosse Überraschung: Roland müssen die Ohren wie verrückt geläutet  haben, denn noch am selben Abend trifft von ihm ein langes Sailmail ein; hier seine Geschichte: nach der Panamadurchquerung im letzten Jahr, wo wir als Linehander dabei waren, hatte er auf dem Weg nach Galapagos grosse Motorenprobleme und musste nach Panama zurückkehren – auf Teile warten – einbauen – dann noch ein Blitzschlag ins Boot – praktisch alle elektronischen Geräte defekt – wieder auf Teile warten, dann einbauen – Testfahrt mit Riss des Gaskabels… seine Pechsträhne nahm erst neulich ein Ende – er fuhr erneut zu den Galapagos und kurz darauf weiter – sein Mail erreichte uns offenbar kurz nach dem Ablegen in Richtung Marquesas. Falls alles klappt folgen wir in ein paar Wochen seiner Spur – hoffentlich nicht mit derartigen Begleiterscheinungen.

Wir sind nun bereits 10 Tage hier – haben uns wieder an Klima und Rhythmus gewöhnt – am Abend blieb sogar Zeit zum Lesen ohne dass uns sofort die Augen zufielen – es handelt sich in meinem Fall auch um spannende Lektüre des Literatur-Nobelpreisträgers Vargas: “Tante Julia und der Kunstschreiber“, mit tragik-komischen Begebenheiten aus Peru – sehr zu empfehlen.

Am folgenden Tag – wir haben in der Panamarina alles erledigt, als gute Nachrichten folgten:

Tel von Dave, Shelterbay – wir können am nächsten Mittwoch das Boot auswassern – werden dann das Antifouling erneuern.

Tel mit Michel – das neu bestellte Liferaft wird mit einem früheren Schiff als erwartet eintreffen und der Watermaker kommt rechtzeitig per Flugzeug.

Ausserdem hat der Schweizer Cuche die Abfahrt beim „Ski-Erzfeind“ Oesterreich (aber man mag sich) in Kitzbühel gewonnen.

Wir beschliessen sofort abzulegen und in einem ersten Hupf 9 Seemeilen nach Portobello zu fahren und freuen uns auf den ersten Seetag 2011.

Als wir ablegen – Jean-Paul und sein Helfer Mino lösen vom Dingi her die Leinen – steigt unsere Spannung – wir kurven zwischen den Riffen durch die Bojenstrasse der See zu… wow… es ist ein spezielles Erlebnis an diesem herrlichen Tag – der Nicone gefällt’s offenbar ebenso – sie tanzt auf den Wellen „wie ein freigelassener Hund, der lange an der Leine war“ (war sie ja auch).

 

4In der Ankerbucht von Portobello treffen wir nicht ganz unerwartet erneut mit Hagen von der SY Modus Vivendi zusammen. Mit seinem Mitsegler verbringen wir einen feinen Abend bei viel Seemannsgarn auf unserem Boot. Vorher machten wir uns noch ein Bild über die Verwüstungen durch Erdrutsche im nun noch tristeren Portobello.

Am folgenden Sonntag steuern wir nun innerhalb von ¾ Jahren zum vierten Male die 20 Seemeilen entfernte Shelterbay-Marina an – bei der Anfahrt mit schönem Halbwind befinden sich wiederum viele Frachter und Tanker vor und innerhalb des  grossen Wellenbrechers, welche vom Pazifik kamen oder in Gegenrichtung durch den Panamakanal wollen.

6
Hier in der Shelterbay treffen wir gleich auf 4 Ehepaar- / Partner-Crews denen wir schon in früheren Zeiten begegnet sind. Heute legen 3 Boote ab um in den Pazifik zu gelangen.

Wir beginnen gleich andern Tags mit Vorbereitungen zum Ausheben der Nicone in 2 Tagen. Dann erfolgt Check des Unterwassers, Schleifarbeiten, Erneuerung des Antifoulings und der Annoden und…es gibt zu tun.

11. 01.11 Ausblick – Die See lockt wieder

crew
… dabei ist alles so toll und bequem zu Hause – (fast) alles funktioniert bestens und gilt hierzulande als selbstverständlich. Nach einem schönen und ereignisvollen Aufenthalt packt uns wieder die Reiselust – es erwartet uns wieder ein Leben mit vielen Unbekannten in einer sich ständig wandelnden Umgebung.

… was ist es denn „dass wir uns dies antun“ werden wir manchmal gefragt, wo doch  zu Hause alles geregelt und bequemer ist. Und dann noch dies: wir werden

bald Grosseltern und sind dann einige tausend Seemeilen entfernt, wenn ein neues uns nahestehendes Leben beginnt, an dem wir vorerst wenig Anteil haben werden…

Die Antwort ist nicht einfach, und eigentlich wissen wir es gar nicht so recht, besonders auch deshalb nicht, weil wir ja „nicht auf der Flucht“ sind.

Ist es die Sehnsucht nach einfachem Nomadenleben in salziger Luft und noch salzigerem Wasser, die Neugierde auf neue Herausforderungen, auf nicht alltägliches Leben mit Hochs und Tiefs, welche z.T. stark von der Norm abweichen? Sicher gehört dazu „the real life“ nahe am Naturgeschehen in der weiten Welt mit anderen Menschen in anderen Kulturen. Wohl auch, sich selber vor Ort ein Bild und eine Meinung zu machen, an Stelle vorgeprägter Informationen. Ist es die Vielfalt neuer Erlebnisse und Erkenntnisse, die uns in der persönlichen Entwicklung reifen lassen?

Es ist wohl ein besonderer Reiz etwas mit ungewissem Ausgang zu wagen, und dabei in vielen Fällen zu akzeptieren, dass es nicht immer nach unserem Gusto läuft. Werte, die wir nicht missen und auch nicht ungeschehen machen möchten. Es zeigt uns, dass es sich lohnt, manchmal unbequeme Entscheide zu fällen, Herausforderungen anzunehmen, und ihnen mit Respekt und einer guten Prise Demut zu begegnen. Welch ein Gefühl, nach einer unruhigen Nacht auf See einen herrlichen Sonnenaufgang zu erleben…

Dabei kann es recht hart sein, euch liebe Familie, Freunde und Bekannte zu verlassen und relative Sicherheit mit vielen Ungewissheiten zu tauschen.

Nun, die Kommunikationswege mit den heutigen technischen Mitteln sind selbst auf hoher See auf Segelbooten einfacher geworden – wir bleiben dran und freuen uns über Kontakte von und mit euch.

 

17. Okt 2010 bis 11. Jan 2011 Aufenthalt Schweiz – ein kurzer Rückblick — Nicone

index

17. Okt 2010 bis 11. Jan 2011 Aufenthalt Schweiz – ein kurzer Rückblick

Wir freuten uns mächtig nach zwei Jahren Abwesenheit unsere Liebsten, Freunde, und Bekannten zu sehen, Haus und Umgebung zu geniessen und die Schweiz als Landkrebse zu spüren. Dabei war es gar nicht so selbstverständlich ob es klappen würde, hatte doch der Schreibende eine Woche vor der Heimreise ein arges Rückenproblem – der „Admiral“ (lies Bordfrau) musste mir viele Arbeiten abnehmen und sorgte mit Medikamenten dafür, dass die 15 Stunden Flugreise einigermassen erträglich waren. Mit der Besserung ging es zwar langsam (es ist wohl immer zu langsam), aber dank guter Arzt- und Bord- bzw. Hausfrau-Unterstützung stetig, aufwärts.

herbst-an-der-aareDafür ging’s, kaum zu Hause eingetroffen, mit andern Dingen rassig voran – Familientreff – Hochzeit von Tochter Miriam und Marc – Time-out (oder sagt man Flitterwochen) der Frischvermählten auf den Kanarischen Inseln, später noch Finnland, derweil wir Haus und Katzen hüteten bzw. Besorgungen und Vorbereitungen für unsere weitere Seereise erledigten. Aufenthalt Leena für 10 Tage bei den Angehörigen in Finnland -Tochter Petra machte in ihrer Zweitausbildung den Master of Arts.

margrith-baeni
Nach einem schönen Martinisommer dann wieder mal Schnee schaufeln (au mein Rücken). Es war ständig viel los mit Besuchen, Treff mit Familie, Freunden, Bekannten – dabei mehrere Besuche bei der Mutter, welche immer noch selbständig Haus und Garten besorgt – und immer waren es mit allen auch sehr feine Begegnungen.

Die Schweiz feierte die neuen Bundesräte, stimmte über die Ausschaffungsinitiative ab, Tennis-Ass Federer ist (auch weltweit) in aller Munde, zwei uns nahestehende Politiker „kämpfen“ bei einem Nachtessen für die Stadt- und Regionalpolitik… es scheint dies von übergeordneter Wichtigkeit im Weltgeschehen zu sein… die Sportschule Magglingen, mein früherer Arbeitgeber, entwickelt sich… unterschiedlich, nach Meinung früherer Cracks mit denen ich mich traf – wahrscheinlich kann die „übrig gebliebene Crew“ machen was sie will, es wird nie so gut sein wie in alten Zeiten (;-)

Indessen geniessen wir all die funktionierenden Bequemlichkeiten, die Sicherheit, die politische Wachsamkeit und alles was dieses Land ausmacht – dies manchmal auch mit einem zwinkernden Auge, wenn ein paar Leute hierzulande der Meinung sind, dass das kleine Land mit Sonderstatus im Herzen Europas, den Bauchnabel der Welt bedeute, einer Welt mit einer Bevölkerung von immerhin 7 Milliarden Menschen.

img_0878eeigermnchjungfrau_thumb
Eine Anmerkung zu unserer sicher nicht Mass gebenden jedoch Anteil nehmenden Aussensicht zur Situation der Schweiz momentan: Sie macht ihre Sache gut und darf stolz sein auf ihre Errungenschaften. Das sieht man auch meisten Ortes im Ausland so, soweit die Schweiz bekannt ist. Die (Aussen-) Politik braucht sich nicht zu verstecken, hat jedoch auch keinen Grund sich aufzuspielen. Statt sich intern parteipolitisch jahrelang z.B. über die Frage eines  EU-Beitrittes ja/nein zu zerfleischen, wäre es wohl angezeigt, die Kräfte endlich darauf zu fokussieren den Weg eines „einig Volk von Brüdern…“ zu beschreiten…

Daneben galt es Abklärungen mit der Bank und Versicherungen vorzunehmen, Bootsteile die wir in Panama nicht erhalten, zu bestellen und abzuholen, wie Wante (Stahlkabel für Mast), neues Besansegel, mechanische und elektrische Dieselförderpumpe, neues Funkgerät (Garantiefall), „Freediver-Tauchgerät“, Drucker, Kleinteile uam.

Herantasten an die Stabilität des Rückens mit Schwimmen, Velofahren und Langlaufen im geliebten Jura mit erfreulichem Ergebnis.

sitzplatz-im-schneeAuch Zeit für Planung Weiterreise 2011: Timing der Vorbereitungsarbeiten und der Reiseroute – sofern alles klappt, steht das „Jahr der langen Distanzen“ im Südpazifik an.

 

 
Zwei Wochen vor Abreise begann das bekannte Kribbeln – die Gedanken konzentrierten sich stark auf das, was uns wohl wartet. Es stellen sich dabei natürlich Fragen über nahe und ferne Bewältigung der Dinge, die da kommen werden, die wir wohl bald beantworten können – we are ready to go.

img_1122posniconeschwadernau_thumba