Boot überholen in Neuseeland — Nicone

Februar – März 2012

Schweiz – Neuseeland – zurück aufdie NICONE

Mittwoch 8.2.2012

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21.15 Uhr Snack im Flughafen Kloten – es ist soweit – nach 2 Monaten Schweiz-Aufenthalt fliegen wir via Hongkong nach Auckland NZ zurück und mit dem Bus geht’s dann nach Whangarei auf‘s Boot in der Stadt-Marina.

Unsere Gefühle machen derweil Höhen- und Tiefflüge zugleich, getreu dem lachenden und weinenden Auge. Da ist die gespannte Erwartungshaltung wie es wohl auf der andern Seite der Erdkugel bei der Fortsetzung unseres Seefahrerlebens weiter gehen wird.

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Hinter uns lassen wir eine feine Zeit des Aufgehoben seins und derVerbundenheit mit Familie Freunden und Bekannten, auch die Frage fürwie lange und natürlich werden wir besonders unser Enkelkind bzw.das neue Menschlein Sanna vermissen – sie hat in den 2 Monatenriesige Fortschritte gemacht – kann jetzt fast gehen und hat jedenTag Neues entdeckt – ein Wunder an Gestik, Kommunikation undimmenser Energie – was habe ich wohl bei den eigenen Töchternverpasst? Ihr strahlendes Wesen begleitet uns.

In der Schweiz bewegten dieBundesratswahlen teils heftig die Gemüter, auch das Regenwetter undin höheren Lagen der viele Schnee, sowie in letzter Zeit die eisigeKälte – sie überraschte mich an meinem Geburtstag mit einemWasserleitungsbruch am Hause, so dass der Bagger auffahren musste –jedoch kein Vergleich mit der nordischen Kälte in Kuusamo (Lappland)in Finnland mit – 43° C, wohin wir zum Glück noch vor dem eisigenKälte einen 10tägigen Ausflug unternahmen, um unsere Leute inFinnland zu besuchen.

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Von dort in Erinnerung bleiben besonders die weitenSchneelandschaften, die Gastfreundlichkeit, ein 70igster Geburtstagvon Leenas Bruder, 1 Tag

Langlauf und daselbst Begegnung mit derhübschen Russin Swetlana – Darauf wurde ich krank – nicht wegenSwetlana (;-) – eine Grippe hielt mich volle 4 Wochen in Schach undverhinderte viele geplante Absichten und Treffen mit Freunden.

Auf der internationalen Bühne stehtdie Eurokrise im Vordergrund, der Volksaufstand in Syrien, dasKreuzfahrtschiff Costa Concordia, das mit über 4000 Personen inItalien auf Grund gelaufen ist und und…

 

Whangarei New Zealand

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Die Schweiz weicht während des langen Flugeslangsam aus unseren Gedanken.

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Ankunft in Auckland. 30 °C Temperaturunterschied zur Schweiz machenzu schaffen. Vor unserer Busfahrt nach Whangarei besuchen wir trotzgrosser Müdigkeit den Fernsehturm und die erfolgreiche NZ-Yacht„Steinlager“.

 

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Sodann sind wir also wieder in der Marina in unserer „Wohnung“.Das Boot, haben wir, abgesehen von den platten Batterien, vomEx-Commodore des Yacht-Clubs Whangarei, bestens betreut, vorgefunden.

Treffs mit hiergebliebenen und vor unszurückgekehrten Yachties, welche u.a. die Festtage ebenfalls zuHause verbracht hatten. Sofort Kontaktaufnahme mit Marina undHandwerks-betrieben – es gibt ja viel zu tun.

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Schnell sind wir wieder eingerichtet und ein volles Programm startet– u.a. ist der

 

Schnell sind wir wieder eingerichtet und ein volles Programm startet– u.a. ist der neue Motor da und will eingebaut werden. Dadie Stadt-Marina keinen Hartstand hat, müssen wir zurRiverside-Drive-Marina wechseln, wo gleich nebenan dieBootsmotorenfirma liegt.

Bereits am 4. Tag fahren wir etwasabwärts an den Arbeitsstandort, wo die Nicone ausgewassert wird –vorher aber heisst es noch die Batterien laden – Boot für denTrockenstand vorbereiten – Motor und alle Geräte checken –Mechanik der Gangschaltung auswechseln – dann läuft der VolvoPenta nach 25 Jahren zum letzten Mal auf der Nicone.

 

Lange, interessante undabwechslungsreiche Arbeitstage

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Mit dem Auskranen beginnt sofort das Anschleifen des altenAntifoulings (Rumpfteil unter Wasser) und die Bearbeitung einerschier endlosen To-do-Liste – alles eine sehr spannende oft aberauch ermüdende Sache – dies auch im Wissen, dass wenn 10 Punkteerledigt sind, gleich 5 neue Folgepunkte warten – „Boat-Life“halt – dass das so ist wissen alle Hochsee-Segler/innen – derSpruch unter ihnen lautet denn auch „hast Du etwa ein Boot, dass duso viel zu tun hast?“

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Für die nächsten Wochen sind wir nun also auf dem Hartstand hochüber der Marina zu Hause – das Boot ist Wohnung und Werkplatzzugleich und sieht auch so aus – hier der steile Zugang zur„Atika“.

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Zur Zeit sind ca 35 Boote in der Marina – es ist eine von vierMarinas in der näheren Umgebung –auffallend: darunter gleich 6Schweizerboote – starke „Seefahrernation“ (;-)

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Zur Zeit sind ca 35 Boote in der Marina – es ist eine von vierMarinas in der näheren Umgebung –auffallend: darunter gleich 6Schweizerboote – starke „Seefahrernation“ (;-)

Die Bootseigner erledigenÜberholarbeiten oder machen Ausflüge ins Landesinnere. Ein paarwenige, wie die soeben abgereisten Norweger, unterbrechen hier dieSeereise, um für ein Jahr zu Hause zu sein und der Arbeitnachzugehen. Mit den andern trifft man sich zu einem kurzen Schwatz,holt oder gibt Infos weiter, wo, was, wie erhältlich ist oder vonwem erledigt werden kann. Am Sonntagabend ist gemeinsame Grill-Party,wo sich die meisten der hier in der Marina anwesenden zusammenfinden– man bringt etwas für die Allgemeinheit und für sich selbstetwas zum Grillieren.

 

Die hauptsächlichen Arbeiten die unsbevorstehen in dieser Zeit sind:

 

– alter Motor ausbauen – er wirdseinen Dienst in Zukunft auf einem grösseren Wohn-Fischerboot vorAukland fortsetzen.

– neuen Yanmar einbauen, anpassen undmit entsprechenden Neuteilen wie Armaturen, Kupplung, Propeller,Schläuche, Leitungen etc versehen.

– Polier- und Malerarbeiten am Freibord

– Unterwasser: Schleifarbeiten,Antifouling, Service-Arbeiten am Bugstrahler, Anoden und 2 Ventileauswechseln.

– Ankerkette galvanisieren undLängenmarkierungen anbringen

 

Weitere Arbeiten erfolgen dann nach demEinwassern: Verdeck, Grossegel, Windgenerator, Lackier-Arbeiteninnen.

 

An Stelleeiner textlichen Fortsetzung des Berichtes über unserer Werktage,dazu gehören auch Sonntage (;-) – aber auch kurze, netteUnterbrüche – lassen wir zur Abwechslung „nur“ Fotos mit Textsprechen…

Impressionen Boot überholen:

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Von Tonga nach Neuseeland

„Auf hoher See kann man alles finden, je nachdem, wonach der Geist verlangt.“ Joseph Conrad

Vorwort

Als zuständiger Webadministrator, drittmaliger Gast auf der SY Nicone und nicht zuletzt als Neffe der Eigner, gebührt mir die Ehre, die Berichterstattung der Reise von Tonga nach Neuseeland zu übernehmen. Der Rückblick erfolgt aus meiner persönlichen Sicht und betrifft die Reiseroute von Tonga bis Neuseeland. Ich bedanke mich bereits am Anfang meines Berichtes bei Leena und Peter für deren Gastfreundschaft sowie das entgegengebrachte Vertrauen.

Die Ankunft

Nach 36-stündiger Reise von Zürich via Dubai, Sidney und Auckland bin ich endlich, abends um 20.30 Uhr, am Fua’amotu International Airport auf Tongatapu angekommen. Bereits die Einreise ist speziell. Peter mailte mir vorab eine Bestätigung, welche unseren gemeinsamen Segelturn nach Neuseeland bestätigte. Da ich über keine offizielle Hoteladresse verfüge, muss ich erst einmal zum Chef des sogenannten „Immigration-Office“. Jener erklärt mir, dass ich ein spezielles Einreise-Visum kaufen müsse, dessen Kostenpunkt 230.- Tonga$ beträgt. Leider reichen meine mitgebrachten US$ nur für T$ 210.-. Dies sei kein Problem, meint der Vorsteher der Immigrationsbehörde, denn draussen habe es einen Geldautomaten. Ohne Pass kann ich grosszügig die Sperrzone verlassen und begegne auch gleich Leena und Peter, welche mir die fehlenden 20.- Tonga$ geben.

Zurück bei der Immigrationsbehörde, bekomme ich alle nötigen Stempel und Papiere. Nun muss ich nur noch das Gepäck holen. Trotz vollumfänglicher Deklaration aller meiner Mitbringsel kann ich den Zoll ohne weiteres als Letzter passieren. Der Feierabend sei allen gegönnt; und nun kann ich Leena und Peter endlich richtig begrüssen.

Nach 30-minütiger Taxifahrt erreichen wir die Hauptstadt Nuku’alofa. Dort besteigen wir ein Wassertaxi zur nahen Insel Pangaimotu, vor dessen Sandstrand die Nicone zusammen mit anderen Yachten ankert. Ein letztes Umladen des Gepäcks in das Dingi und wir sind wenig später auf dem Schiff. Ich beziehe die Kabine des „ersten Offiziers“. Nach schnellem Umziehen in sommerliche kurze Hosen und T-Shirt überreiche ich die mitgebrachten Geschenke – natürlich ist vor allem die Schokolade äusserst begehrt. Bei einem kühlen Drink, Chips und „Lozärner Rägetröpfli“ tauschen wir die neusten Geschehnisse der Südsee und der Schweiz aus.

Tonga

Tonga besteht aus 170 Inseln, davon sind 36 mit gesamthaft 121‘000 Menschen bewohnt. Das Gebiet wird in vier Inselgruppen unterteilt: Die Niau-Gruppe, die Vava’u-Gruppe, die Ha’pai-Gruppe sowie die Tongatapu-Gruppe. In letzterer verweilten wir bis zu unserem Aufbruch nach Neuseeland. Umstritten ist, ob die 500 km südwestlich liegenden, unbewohnten Minerva-Riffe auch dazu gehören.

Tonga wurde zirka 4000 v. Chr. besiedelt. 900 n.Chr. entstand das erste Königreich, welches bis 1200 n. Chr. Samoa, Fidschi und die Tokelau-Inseln einbezog. Die ersten Europäer entdeckten Tonga anno 1616. Die Unabhängigkeit Tongas wurde bis heute anerkannt. Das Staatsoberhaupt im monarchisch gegliederten Staat ist der König. Zusammen mit 9 Vertreter der Adelsfamilien sowie neun gewählten Vertreter des Volkes, bilden sie das Parlament in einem Einkammersystem, das sogenannte Fale Alea. Der royale Sitz befindet sich in Nuku’alofa.

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Die nächsten Tage verbringen wir mit Schnorcheln, Erkunden der Stadt, Einkaufen und der Durchführung diverser Reparaturen: Eine der Dieselleitungen leckt, die Ankerwinsch vermag die Ankerkette nicht mehr vollständig einzuziehen, ein neues Ruder für die Windsteuerung ist vonnöten; und auch der Windgenerator funktioniert nicht mehr folgerichtig.

P1020375 Freude beim Abholen des Ruders.jpgAm dritten Tag ist endlich der Ersatz für das verloren gegangene Ruder aus Deutschland eingetroffen. Wir können es beim Cargo des Zollamtes abholen. Mit Taxi, Wassertaxi und Dingi bringen wir das Paket auf das Boot. Peter und ich benötigen den Rest des Tages für den Zusammenbau und die Montage.
Stolz betrachten wir beim Sundowner unser Tageswerk. Später beim alltäglichen Checken der Seamails erfährt Peter, dass das Ruder von einem Segler beim Schnorcheln gefunden wurde. Die befreundete Yacht „Sail away“ habe das Ruder an Bord genommen und werde es bis zu einem Wiedersehen in Neuseeland hüten.

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Um nach Neuseeland zu gelangen, warten die Yachten hier in Nuku’alofa auf ein baldiges gutes „Wetterfenster“. Die Strecke ist bekannt für schnell wechselnde Wetterverhältnisse. Das Wetter zieht von West nach Ost, mit abwechselndem Hoch und Tief. Der Idealfall ist, während des Durchzugs eines Hochs die ganze Strecke zu bewältigen.

Beim Frühstück berichtet uns Peter, dass für die nächsten Tage ein selten gutes Wetterfenster angekündigt ist. Gemeinsam beschliessen wir, am kommenden Nachmittag aufzubrechen. Da die Motorenproblematik noch nicht gelöst ist, bricht Peter in die Stadt auf, zu T&T Diesel, einer kleinen Werkstatt. Diese stellte einen Ersatz in Aussicht. Ohne funktionierenden Motor ist ein Aufbruch auf See praktisch ausgeschlossen. Glücklich kehrt Peter zurück;  er konnte eine Ersatz-Pipe ergattern, allerdings muss diese noch mechanisch angepasst werden. Wiederholt zu Dritt gehen wir down-town, um die Abmeldung bei der Immigration und beim Custom zu vollziehen.

Auf dem Markt und im Supermarkt decken wir uns mit Lebensmittel für die Überfahrt ein. Die Besorgungen und Formalitäten bei den Behörden kosten uns alsdann den Rest des Tages. Zurück auf der Nicone repariert Peter den Motor. Die Pipe passt und sie ist dicht. Der Motor läuft – well done Captain ! Neuseeland, wir kommen. Am Abend treffen wir die anderen “Yachtis“ am Strand von Big Mama’s Resort. Sie hat zum Barbecue geladen und es wird gemütlich gegessen und geplaudert.

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Am nächsten Morgen stehen wir früh auf. Leena und ich wollen noch auf den Markt und eine kleine Sightseeing -Tour machen, währenddessen Peter die letzten Vorbereitungen für die bevorstehende Abfahrt tätigt.

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Zum letzten Mal nehmen wir das Wassertaxi nach Nuku’alofa. Beim Hafen wurde ein grosser Markt aufgebaut. Jeden Samstag ist dies der Treffpunkt der Stadt. Es gibt alles zu kaufen. Wir decken uns mit Rasierklingen, Souvenirs und den noch fehlenden Lebensmittel ein.

Nach dem Markt mieten wir uns ein Taxi und fahren zu „Capitain Cook’s Landing Site“. Hier landete angeblich der berühmte Capitain James Cook, als er im Jahre 1778 Tongatapu betrat. Eine Gedenktafel erinnert an ihn. Im Schatten des „Cook-Tree“, ein Ficus, soll er sich ausgeruht haben. An der Stelle des Originals wurde längst ein neuer gepflanzt.

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Bei der Entdeckung Tongas ist Cook von der Freundlichkeit der Einheimischen so überwältigt, dass er sie „The friendly islands“ nennt. Heute weiss man, dass die Einheimischen planten, ihn und seine Mannschaft zu töten, jedoch fanden sie keine Einigkeit, wer dies tun solle. In Unwissenheit dessen reist James Cook unbeschadet weiter. Auf seiner dritten Reise in die Südsee starb er 1779, während einer Auseinandersetzung auf Hawaii.

Nach unserem Cook-Besuch besichtigten wir das „Ha’amonga Maui Trilithon“. Es wird auch „Stonehenge“ von Tonga genannt. Es handelt sich dabei um ein massives, zirka fünf Meter hohes und 120 Tonnen schweres Steintor aus Korallenblöcken.

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Die Legende besagt, dass der Halbgott Maui jenes Steintor auf seinen Schultern auf die Insel Tongamotu getragen habe, daher auch der Name. Eine andere Theorie vermutet, dass das Steintor der Eingang eines Königspalasts war. Einritzungen auf der Oberseite lassen astronomische Zusammenhänge vermuten, da diese am längsten und kürzesten Tag auf die aufgehende Sonne zeigen. Leena und ich glauben an zweiteres. Es ist zweifellos erstaunlich, wie solch schwere Gesteinsblöcke hierher transportiert wurden. Zurück am Hafen geht es wieder nach Pangaimotu und auf die Nicone, wo uns Peter bereits erwartet.

Die Überfahrt nach Neuseeland    
Nach einem kleinen Snack lichten wir am Samstag, 22. Oktober 2011 um 13.40 Uhr den Anker und brechen nach Neuseeland auf. Mit zirka 1‘050 sm Distanz die bisher längste Überfahrt für mich.

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Mit Motor und Segel gelangen wir zu den Aussenriffen. Drei weitere Yachten folgen uns.
Trotz Einnahme von Stugeron überkommt mich eine leichte Reisekrankheit. Daher will ich die erste Nacht noch nicht alleine Wache halten. Ich teile die Wache jeweils mit Leena und Peter. Ich darf auch etwas mehr schlafen – früh morgens ist die Übelkeit wieder verflogen. Für den Rest unseres Törns habe ich keinerlei Symptome mehr.

Wir haben ein perfektes Wetterfenster erwischt. Bis auf den letzten Tag und Nacht, haben wir im Durchschnitt 15-17 Knoten Wind aus Süd-Süd-Ost bis Süd-Ost. Die Wetteraussichten sind meist als sonnig zu bezeichnen. Je mehr wir jedoch südwärts kommen, nehmen die Temperaturen dementsprechend ab. Von sommerlichen Temperaturen um die 30° C in Tongatapu, kühlt es bei unserer Ankunft in Opua NZ auf 18°C mittlere Tagestemperatur ab.

Während der Reise pendelt sich ein Tagesrhythmus ein. Morgens gemeinsames Frühstück, danach Abwasch. Peter führt jeweils das Logbuch nach, holt Wetterdaten und Sailmails per Kurzwellenfunk herein, funkt mit befreundeten Yachten und dem „Southern Cross Net“, liest, schreibt oder bearbeitet Fotos. Ich zeige ihm paar Photoshop-Tricks.

Das „Southern Cross Net“ ist ein Verbund hauptsächlich neuseeländischer Yachten, welche im Pazifik unterwegs sind. Leena und Peter lernten während ihrer Reise von Panama nach Tonga verschiedene Paare und Eigner aus diesem Netz kennen und schlossen sich an. Bei Beginn der Überfahrt meldet man sich beim Netztmoderator an und gibt dann täglich die aktuelle Position per Funk durch. Bei der Ankunft meldet man sich per Funk und zusätzlich per Mail wieder ab, dass man heil angekommen ist. Das Netz dient für mehr Sicherheit bei der Überquerung, zum Austausch von Wetterdaten, aber auch zur Geselligkeit untereinander.

Leena und ich verbringen den Tag viel mit Lesen. Leena kocht uns immer was Feines zu Essen. Ich halte mich tagsüber meist auf Deck auf, geniesse das schöne Wetter, lese, kontrolliere den Kurs und führe, wenn nötig, die Fahrtrichtung an der Windsteuerung nach.

Nach dem gemeinsamen Nachtessen beginnt die Nachtwache. Wir wechseln uns im 2- Stunden-Rhythmus ab, so dass man jeweils 4 Stunden dazwischen schlafen kann. Jeder hat 2 Mal Wache.

Folglich ein paar Eckpunkte unserer Reise:

  • 22. Oktober 2011
    -13.40 Uhr Beginn Überfahrt nach Neuseeland.
  • 23. Oktober 2011
    -Kontakt nach Hause per Satelliten-Telefon.
    -Peter stellt fest, dass wir immer etwas zu wenig Strom haben.
  • 24. Oktober 2011
    -Passieren der Minerva-Riffe.
    -Stromfresser gefunden: Peter bemerkt beim Aufstehen Wasser beim Abfallkorb. Er kontrolliert die Bilge. Es hat leicht Wasser und die Pumpe läuft. Bei der Überdrucköffnung (hinter dem Abfallkorb) läuft das Wasser wieder raus. Ein stetiger Kreislauf. Durch die elektrische Pumpe verbrauchen wir Strom. Peter öffnet ein Ventil gegen aussen, damit das Wasser abfliessen kann. Die Bilge wird mit dem Schwamm abgeschöpft und wird weiter beobachtet.
  • 25. Oktober 2011
    -Leena bereitet frisches Brot und Jogurts zu.
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  • 26. Oktober 2011
    -Reparatur des Segels: Ein kleiner Riss im Gross-Segel droht grösser zu werden. Peter näht unter Fahrt Verstärkungen ein.
    P1020439.jpg   P1020437.jpg-Bergfest: Heute haben wir halbe Distanz geschafft.
  • 27. Oktober 2011
    -Heute kreuzt uns das einzige Schiff während der ganzen Überfahrt. Es ist ein deutscher Frachter: BBC Elbe. Peter funkt sie an. Der deutsche Funker freut sich wohl wieder mal in seiner Muttersprache zu reden. Sie halten einen 15-min Schwatz. Infos über beide Schiffe werden getauscht, wie auch Ladung und Ziele.
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    -Schuhputztag: Wegen der strengen Quarantänebestimmungen in NZ müssen wir unsere Schuhe, vor allem die Sohlen, von Dreck und möglichen Samen, die eingeschleppt werden könnten, reinigen.
  • 28. Oktober 2011
    -Das gemeinsame Ausfüllen aller Einreispapiere für Neuseeland benötigt über 1.5 Stunden
    -Leena sortiert Lebensmittel und Medikamente
  • 29. Oktober 2011
    -schlechtere Windverhältnisse nachmittags und nachts
  • 30. Oktober 2011
    16.50 Uhr: Ankunft Opua, Neuseeland, am Quarantäne-Dock.

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Einen besonderen Dank gilt Leena für alles, was sie uns täglich aus der kleinen Bordküche auf den Tisch zaubert.
Man muss sich vorstellen, welche Schwierigkeiten das Kochen an Bord mit sich bringt: Während der gesamten Überfahrt befand sich die Nicone in einer seitlichen Schräglage von zirka 10 – 20°. Wegen des Wellengangs und der Schräglage musste sich Leena beim Kochen mit einer Gurte sichern, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren oder gar durch das Schiff geschleudert zu werden. Trotz erschwerender Umstände kochte und backte sie immerdar, als wäre sie zu Hause in Schwadernau.

Am Morgen gibt es jeweils ein reichhaltiges Frühstück mit Müesli, frischen Früchten, selbstgebackenem Brot und reichlich Kaffee. Mittags kommt meist ein kleiner Snack oder eine Suppe „ins Körbchen“, gefolgt von Kaffee und etwas Süssem 😉 Zum Z‘nacht bereitet Leena immer einen Salat, Hauptspeise und Dessert zu – wir werden also richtig verwöhnt!

Um zu verhindern, dass das Essen nicht über das ganze Deck geschleudert wird, erhalten alle ein Körbchen mit rutschfestem Boden. Mit diesem auf den Knien, gefolgt von genügender Balancehaltung, lässt man es sich alsdann sicher munden.

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Ich habe mal die Menuliste der Überfahrt zusammengestellt:

1. Tag:
Grüner Salat, selbstgemachte Lasagne, Vanille-Creme mit Papaya

2. Tag:
Grüner Salat, Rindsgeschnetzeltes mit Salzkartoffeln und Rüebli, Vanillecremé mit Erdbeeren

3. Tag:
Grüner Salat, Pouletgeschnetzeltes mit Peperoni und Tomaten, Erdbeer-Johannisbeer-Cremé mit Rahm

4. Tag:
Kohlsalat mit Papaya, frische Rösti mit Spiegelei und Randen, Caramelcremé

5. Tag:
Kohlsalat mit Feigen, Ravioli, Caramelcremé

6. Tag:
Crackers mit Blauschimmelkäse, dazu eingelegte Birnen und gedünstete Auberginen, gefolgt von warmem Milchreis mit Zimt und Zucker, dazu eingelegte Pfirsiche

7. Tag:
Tomaten-Peperoni-Mais-Salat, Delikatess-Schinken, Salzkartoffeln, Sauerkraut, Vanillecremé mit Apfelmus

8. Tag:
Kohlsalat mit Datteln, Linseneintopf mit Fleisch, Vanillecreme mit Apfelmus

 

Ankunft Neuseeland

In unserer letzten Nacht vor Ankunft haben wir die schlechtesten Windbedingungen der ganzen Reise, abgewechselt von fehlendem und sehr schwachem Wind – die Genua wird eingerollt und der Motor gestartet. Mit dem Sonnenaufgang verbessern sich die Windverhältnisse; wieder unter Segel geniessen wir ein herrliches Sonntags-Frühstück mit frischer “Zöpfe“ und 3-Minuten-Eier. Am 30. Oktober 2011, um 11.35 Uhr ist fern im Dunst Land in Sicht – Neuseeland zeigt sich.

Alsdann bereiten wir uns für die bevorstehende Ankunft vor: mit Peter zusammen erneuern wir sämtliche, durch die Sonne ausgebleichten oder vom Winde ausgefransten Flaggen und  ziehen die Gastland- und die Quarantäneflagge auf. Beide der genannten Flaggen müssen bei, respektive vor Ankunft auf neuem Staatsgebiet gehisst werden. Die zweite – also die Quarantäneflagge, darf erst nach Inspektion der Gesundheitsbehörde wieder entfernt werden.

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Um 14.10 Uhr erreichen wir die Bay of Islands. Wir bringen das Schiff auf Vordermann, putzen, sorgen für Ordnung und so weiter.

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Um 16.50 Uhr erreichen wir den Einklarierungsort Opua und legen am Quarantäne-Dock an. Dabei handelt es sich um einen Steg, der über keine Verbindung zum Festland verfügt und sich somit vor der Marina befindet. Das Quarantäne-Dock darf erst nach Inspektion und Kontrolle durch die Zoll- sowie durch die Gesundheitsbehörde verlassen werden.

Wir melden unsre Ankunft vorrangig per Funk an und kurze Zeit später erscheinen Zöllnerin und Gesundheitsinspektor mit ihrem Dingi. Sie kommen an Bord. Das Prozedere verläuft freundlich und unkompliziert. Das genaue Ausfüllen der Formulare hat sich gelohnt. Den Müll und gewisse Lebensmittel nehmen die Beamten zwecks anschliessender Verbrennung mit. Da das Marinabüro zu diesem Zeitpunkt bereits schon geschlossen hat, verlegen wir die die Nicone an die Verlängerung des Q-Docks. Die gelbe Quarantäneflagge können wir entfernen. Zum Ankertrunk öffnen wir eine Flasche Champagner und wir feiern unsere Ankunft in Neuseeland. Für Leena und Peter ein emotionaler Moment, sie haben die halbe Welt umsegelt!

Neuseeland

Am nächsten Tag, noch vor dem Frühstück,  können wir das Boot an einen herkömmlichen Marinaplatz verlegen. Nach der Anmeldung auf dem Marinabüro geniessen wir alle eine lange warme Dusche. Den Rest des Tages kaufen wir ein, waschen und geniessen den Landgang. Im Marina-Shop des Hafens findet Peter was sein Herz begehrt.

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Nach den nur schwierig zu bekommenden Ersatzteilen und Zubehör bei der Durchkreuzung des Pazifiks, wähnt er sich jetzt im Paradies. Hier in Opua treffen Leena und Peter viele „alte“ Bekannte. Wir werden zum Sundowner eingeladen, können auf Shoppingtour nach Paiha mitfahren oder Leena lädt zu Kaffee und Kuchen.

 

Ausflug Waitangi Treaty Grounds

Am Mittwoch, den 02. November unternehmen wir einen Ausflug nach Waitangi. Das Gebiet Waitangi ist von grosser historischer und nationaler Bedeutung. An diesem Ort wurde am 6. Februar 1840 ein Vertrag zwischen den Maori und der englischen Regierung geschlossen. Auf dem Gelände gibt es viel Interessantes zu entdecken. Das „Waka House“ (Kanuhaus) beherbergt ein 25 Meter langes Kriegskanu. Das Kanu benötigt eine Mannschaft von 76 Paddlern. Am Jahrestag Neuseelands wird es zu Wasser gelassen und von den Maori wird eindrücklich demonstriert, wie im Gleichtakt gepaddelt wird.

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Ebenfalls zu sehen am Hobson-Strand ist eine kleine Siedlung, wie die Maori früher gelebt hatten.

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Das „Vertragshaus“ diente als englische Residenz von James Busby. Mit Hilfe Busbys und Reverend Williams unterzeichnete William Hobson, Abgesandter der Britischen Krone, den Vertrag zusammen mit 42 Häuptlingen der Maori. Auf der vor dem Haus liegenden Wiese wurde der legendäre Vertrag abgeschlossen. Ein Flaggenmast markiert heute jene Stelle.

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Der Vertrag von Waitangi machte Neuseeland zur britischen Kolonie. Bis heute gibt es streitige Fragen um jenen Vertrag. Im Jahre 1975 wurde das Waitangi Tribunal gegründet, um die Ansprüche und Rechte der Maoris zu sichern. Am 25. Juni 2008 verpflichtete sich die  neuseeländische Regierung, 300 Millionen Franken wegen Verletzung des Vertrags von Waitangi an die Maoris zu bezahlen. Neben dem „Vertragshaus“ steht das „The whare Rungahaus“, das Versammlungshaus der Maori.

Das Versammlungshaus wurde zum 100-Jahr-Jubiläum des Vertrags eröffnet. Es dient als Symbol der Beteiligung der Maori am Vertag.

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So viele Entdeckungen geben auch Hunger – auf dem Rückweg gönnen wir uns Fish’n Chips auf einem trocken gelegten Kahn.

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Weiterfahrt Bay of Islands – Ost Küste

P1020553.jpgNach vier Tagen Landgang brechen wir auf, um die „Bay of Islands“ zu erkunden. Unser erster Stopp ist Russell der ersten Hauptstadt Neuseelands. Mit dem Dingi gehen wir an Land. Früher wurde es als „Höllenloch des Pazifiks“ bezeichnet, galt der Ort doch als Zentrum der Walfänger. Stetig wuchs die Bevölkerung, bestehend aus desertierten Seeleuten, entflohenen Gefangenen, Schnapshändlern und Walfängern. So bekam die Siedlung den Ruf als gesetzloser Hafen.

Trotz der bewegten Vergangenheit zeigt sich Russell heute als kleines idyllisches Städtchen mit etwas über 1‘000 Einwohner. Die Häuser sind im viktorianischen Stil gebaut. Wir besuchen die älteste Kirche Neuseelands, die „Christ Church“. Auffallend sind die selbst gestickten Kissen auf den Bänken

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Nach dem Einkauf im örtlichen Supermarkt kehren wir auf die Nicone zurück. Nächste Station wird Orokswa Bay sein, wo wir über Nacht bleiben.

Am darauf folgenden Tag wechseln wir unseren Standort nach Moturua Island und ankern in der Awaakiaroa Bay. Die SY Amigo (österreichische Bekannte von Leena und Peter) gesellt sich zu uns.

Am nächsten Tag machen wir eine Inselrundwanderung. Ein „Bushwalk“ führt um die ganze Insel. Wir sind fasziniert von der vielfältigen Flora und Fauna. Einsame Strände laden zum Verweilen ein.

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Nach dem Marsch müssen wir uns stärken, Helga und René von der Amigo kommen zu Kaffee und Kuchen auf Besuch. Peter erzählt René von seinem Windgenerator- Problem.

René meint eine ähnliche Problematik erlebt zu haben und thematisiert dessen Abhilfe, respektive Lösung. Peter holt gleich nach dem Besuch den Windgenerator vom Mast.

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Am darauf folgenden Tag, kurz nach dem Frühstück, kommt René rüber, und gemeinsam reinigen sie die Schleifkontakte des Generators. Nach der Wiedermontage ist der gewünschte Erfolg leider ausgeblieben. Die Reparatur muss bis Whangarei warten.

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Gemeinsam „hüpfen“ wir zur nächsten Insel Urupukapuka, zur gleichnamigen Bay. Die Landschaft hat sich inzwischen deutlich verändert: Saftig grüne Wiesen mit Schafen erinnern mich sehr an Irland.

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Zusammen mit Helga und René, der Crew von der Amigo, unternehmen wir einen ausgedehnten Spaziergang. Am Abend sind wir zum Sundowner auf der Amigo eingeladen. Tags darauf starten wir wiederum gemeinsam, um an die Ostküste zu gelangen.

Nach Umrundung des Cape Brett machten wir ein Zwischenstopp in der Whangamumu Bay. Dort stehen die Überreste einer alten Walfangstation. Lediglich die Wasserrampe, ein paar Betontanks und ein verrosteter Wärmetauscher sind zu sehen. Alles ist überwachsen und verwuchert, nur die Info-Tafeln erinnern an das blutige Treiben in der idyllischen Bucht.

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Die Amigo-Crew will über Nacht hier bleiben. Wir brechen wieder auf. Nach ein paar Seemeilen haben wir Wind von achtern, perfekt um den Spinnaker zu setzen. Da ich noch nie Spi gesegelt bin, nutzen wir die Gelegenheit. Der blaurote Halbballon treibt uns gemütlich südwärts. Kaum haben wir den Spi wegen Windmangel wieder geborgen, wechselt das Wetter mit Wind bis 20kn auf die Nase. Den Spi unter diesen Bedingungen zu bergen wäre sehr schwierig geworden – Glück gehabt. 😉

Gegen Abend erreichen wir die Whangaruru Bay. Wir ankeren vor einem Campingplatz. Wegen Mangel an Schokolade an Bord (;-), macht Peter einen Landgang. Der Laden ist leider geschlossen, jedoch lernt Peter ein österreichisches Ehepaar kennen, das ihm eine Schokolade schenkt. Es stellt sich heraus, dass der Ehegatte, Peter Kubisch, Obmann des Kanu Clubs Forelle ist. Mitglied dieses Vereins ist auch der ehemalige Weltmeister Kurt Presslmayr, welcher Peters Mitstreiter an der Kanu-WM 1965 in Spittal (A) war. Die Welt ist klein – glücklich kehrt Peter mit seiner Trophäe heim.

Früh morgens brechen wir folgenden Tags auf. Trotz „Vollbesegelung“ müssen wir fast den ganzen Tag motoren. Auf den letzten 10sm, bis zur Einfahrt des Whangarei-Harbour-Beckens, können wir mit Windgeschwindigkeiten bis zu 20kn segeln. Kurz vor dem Bream Head bergen wir die Segel und fahren ums Eck, zur Smugglers Bay. Beim Landgang treffen wir auf eine Herde Rinder und geniessen die Abendstimmung bei einem Spaziergang.

Donnerstag 10. November, unsere letzte Etappe steht uns bevor. Das Wetter ist grau und regnerisch. In der Seestrasse Richtung Whangarei kämpfen wir gegen den Wind, hohe Wellen und die ausströmende Tide. Ein Rudel Delfine begrüsst unsere Ankunft im Whangarei Harbour. Nachmittags erreichen wir Port Whangarei, von welchem der Hatea River ins Stadtzentrum führt. Wegen der niedrigen Tide können wir nicht zur Marina fahren und ankern im seichten Gewässer. Schlussendlich haben wir bei Niedrigwasser nur noch 30cm unter dem Kiel. Wir beschliessen, gleich dort am Anker über Nacht zu bleiben.

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Whangarei

Schönstes Sonnenwetter begrüsst uns am nächsten Tag. Bei Hochwasser fahren wir die letzten 2 sm zur Town Basin Marina von Whangarei. Nun ist das Jahresziel von Leena und Peter, zusammen mit der Nicone am 11.11.11 erreicht.

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Die Marina liegt inmitten der Stadt. Das Marinabüro, Restaurants und Shops im viktorianischen Baustil umgeben den Hafen. Wir dürfen die erste Nacht am Willkommens-Steg bleiben und uns dann einen Bootsplatz aussuchen. Ein neuseeländischer Bekannter, Roy, überrascht uns mit einem Besuch. Wir verabreden uns zum Nachtessen, mit anschliessender privater Sightseeing-Tour.

Die Stadt hat zirka 72’000 Einwohner. Alles ist sehr übersichtlich und gut zu Fuss erreichbar. Ein Supermarkt, diverse Läden, das Touristenbüro sowie die Schiffswerkstätten sind in unmittelbarer Nähe. Die nächsten zwei Tage verbringen wir mit Einkaufen, Haushalten und den üblichen alltäglichen Dingen. Peter beginnt mit Vorabklärungen für die bevorstehenden Arbeiten. Ich meinerseits organisiere meine Weiterreise nach Auckland.

Mein letzter Tag an Bord beginnt mit einem wunderbaren Sonntagsfrühstück, wie es auf der Nicone üblich ist. Tagsüber unternehmen wir eine kleine Wanderung auf den Mount Parihaka, welcher eine fantastische Aussicht auf die Stadt und die Umgebung bietet.

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Am Abend gehen wir gemeinsam fein essen. Nach rund einem Monat lassen wir unsere gemeinsame Zeit bei einem guten Glas Wein Revue passieren.

Der Tag meiner Abreise ist gekommen: Leena und Peter begleiten mich zur Busstation, welche nahe der Marina zu finden ist. Wir verabschieden uns; ich besteige den Bus nach Auckland. Wir werden uns bald wiedersehen, an Weihnachten, in der Schweiz.

Auckland

Meine letzten zwei Tage in Neuseeland verbrachte ich in Auckland. Es gab viel anzuschauen, leider war meine Zeit etwas knapp. In Auckland leben 1.4 Millionen Menschen. Nach der Unterzeichnung des Vertrags von Whaitangi war William Hobson auf der Suche einer geeigneten Hauptstadt. Vorübergehend wählte er die Stadt Okiato, südlich von Russell. Auf Grund der schlechten geographischen Lage gründete er 1840 – zusammen mit William Cornwallis Symonds, welcher Grundbesitzer des Ngāti-Whātua-Gebietes war – die Stadt Auckland, benannt nach Georg Eden, 1. Earl von Auckland, einem Freund und Gönner Hobsons. Auckland war die neue Hauptstadt, bis 1862 Port Nicholson (heutiges Wellington) diesen Status übernahm.

Ich möchte mich in meiner Berichterstattung auf drei Highlights der Stadt beschränken:

Ein Muss für jeden Besucher Aucklands ist natürlich der Besuch des Skytower. Der 328 Meter hohe Fernsehturm bietet eine einmalige Rundsicht über die ganze Stadt. In nordwestlicher Richtung ist die grosse Harbour-Bridge zu sehen, davor der Yachthafen inklusive American’s Cup-Gelände, wo unter anderem die Schweizer Alinghi ihre Base hatte.
Nördlich des Towers ist auf die Insel Devonport zu sehen, welche auch ein beliebtes Ausflugsziel sei. Nordöstlich erstreckt sich der Frachthafen, gefolgt vom Auckland Domain Park mit dem Auckland Museum in südöstlicher Richtung. Im Süden bis Südwest liegen die Wohn- und Vorstadtgebiete. Wer genügend Mut hat, kann einen 360 Grad Sky Walk, gesichert mit Seilen, im Freien und luftiger Höhe um den Turm machen. Ich beschränkte mich auf den Stand auf eine Glasplatte. 😉

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Besonders eindrücklich ist das unmittelbar am Hafen gelegene Voyager New Zealand Maritime Museum. Der Museumsbesuch beginnt mit einem Film über die Entdeckung Neuseelands von den Maoris, welche mit Holzsegelbooten von Polynesien herreisten. Weiter zeigt die Ausstellung die Geschichte der Schifffahrt im Pazifik, die Reisen Cooks, über den Walfang, sowie der Beginn der Personenschifffahrt auf Fähren.

Ein eigener kleiner Hafen beherbergt Schiffe aus verschiedenen Zeitepochen. Eine spezielle Ausstellung ist Sir Peter Blake gewidmet, welcher im Jahre 1995 das neuseeländische Team, mit der Segelyacht Black Magic zum Sieg am 29. America’s Cup führte. Als erstes nicht amerikanisches Team verteidigten sie ihren Titel im Jahr 2000. Neben dem America’s Cup engagierte er sich als Umweltschützer. Nach dem Tod von Jaques Cousteau wurde er Vorsitzender der Cousteau Society. Am 6. Dezember 2001 kam Sir Peter Blake bei der Gegenwehr eines Piratenüberfalls auf seiner Segelyacht in Brasilien ums Leben.

Die Ausstellung „Blue Water Black Magic – A Tribute to Sir Peter Blake“ zeigt sein Leben und die Geschichte des American Cups. Im Jahre 2003 gewann das Schweizer Team Alinghi den America’s Cup gegen die Neuseeländer und holte die Regatta nach Europa. – Ein rundum gelungenes Museum, sehr empfehlenswert. Man sollte sich jedoch einen halben Tag für den Besuch einplanen.

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Auch das Auckland Museum lädt zum längerem Verweilen ein. Eine grosse Ausstellung zeigt die Geschichte der Maoris. Auch ein Versammlungshaus wie in Whaitangi ist aufgebaut.

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Über 1‘000 Exponate der Maorikultur sind ausgestellt. Weiter gibt es eine Ausstellung über ganz Ozeanien: Ein Nachbau kleiner Strassen zeigt Auckland in dessen Kolonialzeit. Die Exponate sind in den Schaufenstern der Geschäfte zu sehen.

Das Museum ist riesig und beherbergt neben zwei grossen Ausstellungen über den ersten und zweiten Weltkrieg auch noch eine Naturhistorische Abteilung. Meine Zeit reichte leider nicht aus, um alles zu sehen.

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Am nächsten Tag flog ich wieder in die Schweiz zurück. Für mich war es eine sehr interessante Zeit, welche ich mit Leena und Peter verbringen durfte. Ich habe viel erlebt und konnte mich gut entspannen und los lassen. Die Eindrücke werden mir lange in Erinnerung bleiben. Ich möchte den Beiden nochmals danken.

Der nächste Bericht wird dann wieder – wie gewohnt – vom Captain kommen.

Toby Lüscher / toby@360degrees.ch

Fahrt von West-Samoa nach Tonga

September – Oktober 2011

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Am 13. September sind wir bereit, um ein zweites Mal – Motor wieder ok – nach Tonga abzulegen.

Auf Grund der leicht unklaren Wettersituation, planen wir für die knappen 200 Seemeilen zwei Nachtfahrten mit Start um die Mittagszeit – nach anfänglichem Motorsegeln rassige Fahrt entlang der Nordküste – Spinnerwind zwischen den beiden Samoa-Inseln – anschliessend „blochen“ wir am Wind SW-wärts in die Nacht – schon bald ist klar, dass wir nur knapp zu langsam sind für einen Landfall bei Tageslicht des folgenden Tages auf Niuatoputapu (neue Kartoffel), unserer ersten Insel auf Tonga – also „bremsen“ und reffen – geplant langsam geht es bei unkonstanten Winden weiter – ständiges Trimmen nötig – um Mitternacht in der 2. Nacht passieren wir am Mittwoch 14. Sep. die Datumslinie – d.h. der Donnerstag existiert einfach nicht – es ist bereits Freitag der 16. Sep. – den Verlust können wir verschmerzen – evtl. schon bald – falls wir für 2 Monate nach Hause fliegen, holen wir den verlorenen Tag einfach mit der Reise in die „Vergangenheit“ wieder zurück (;-).

Um 01:00 passieren wir die Curacoa-Shoal – einem Anstieg aus 1500 m Meerestiefe bis auf 15 m unter der Wasseroberfläche – da hier weit und breit keine Schiffe und wir noch zu früh sind, reffen wir auf minimalste Segelflächen; lassen uns treiben und können damit beide gleichzeitig 3 Std schlafen. Bei Tagesanbruch dann Gastlandflagge setzen und Vorbereitungen für den Landfall – bei der Anfahrt der Insel Niutoputapu sehen wir von weitem einen Segler der die Insel in südlicher Richtung verlässt und werden über Funk angerufen – es ist die Su An die sich IMG_3030a Minuten nach dem Ankern.jpgverabschiedet und uns noch Infos für die nicht ganz einfache Riffpassage der Inselzufahrt gibt –  Minuten nach dem Ankern giesst es 2 Std wie aus Kübeln – Sicht null – Glück gehabt wegen Sicht in der Passage – dann kommt schon bald die Zolldame und der Immigrations–Offizier an Bord – sie wurden von einer andern SY, die soeben einklariert hatte, per Dingi zu uns gebracht – der Skipper hatte die beiden an Land abgeholt und über Funk fragten die Beamten den Skipper, ob er ihnen nicht Regenzeug bringen könnte…klar kein Problem.

Erste Eindrücke:

Nach freundlicher Abfertigung durch die Beamten werden wir von andern Yachties – 5 SY liegen vor der Insel, darunter die Sail away, für den Tag „programmiert“ – die Schlechtwetterfront hat sich verzogen.

IMG_3032a Sightseeing per Lastwagen.jpg  IMG_3046a Essen am Strand.jpg

Es gibt eine Inseltour auf der Ladebrücke eines Lastwagens mit anschliessend feinem Essen am Strand, das mit dem zweiten Insel-Lastwagen durch einen Familien-Clan gebracht wurde – ursprünglich war der Ausflug einen Tag später geplant gewesen, weil aber morgen unerwartet das Versorgungsschiff kommt – letztmals vor zwei Monaten – werden dann die beiden Lastwagen gebraucht – die Ankunft des Versorgungsschiffes ist für die Inselbewohner wie Weihnachten…
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Auf der abgelegenen Insel ist das Leben offensichtlich hinter der Zeit geblieben – einfachste Häuser und ärmliche Hütten

Viele Kinder und überall frei herumlaufende Schweine und eher scheue, aber freundliche Menschen prägen das Dorfbild.
IMG_3058a Lolly, Lolly.jpg  IMG_3060a Kindergrillpartie .jpg

Es gibt eine Gras bewachsene, selten benützte Flugpiste mit dazu gehörendem „Airport“ bzw. Hütte mit offenstehenden Türen – drinnen steht eine Batterie um das Funkgerät zu bedienen
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Etwa ein bis zwei Mal pro Jahr kommt der König nach Niuatoputapu – dann residiert er in einem gepflegten, nach unseren Masstäben, einfachen Haus.
IMG_3062a Residenz des Koenigs wenn er auf Inselbesuch kommt.jpg

Die „Tankstelle“ ist gleichzeitig Treff der Dorfjugend – hier treffen wir auch einen amerikanischen, für 2 Jahre hierher „verbannten“ jungen Missionar.
IMG_3063a die Tankstelle ist auch Jugendtreff.jpg

Auch eine Bank mit offenen Türen, damit der Wind etwas durchziehen kann, ist vorhanden mit einer freundlichen Chefin und einem Bankangestellten, wo wir US$ in Paanga-$ wechseln können – Geld benötigen wir hier nur um die Einklarierungs- und

Gesundheits-Gebühr zu bezahlen – sonst gibt es nichts zu kaufen. Die Gesundheitskontrolle wird von der einzigen Insel-Krankenschwester , einer sehr netten Dame (es gibt auf der Insel keinen Arzt) im Büro des Gesundheits-Zentrums in einem Frage-Antwort -Gespräch vorgenommen – es interessiert mehr das woher, wohin, gegenseitige familiäre Verhältnisse und dabei erfahren wir dies und jenes über die Inselverhältnisse. Die nach hiesigen Massstäben „teure“ Gesundheitsinspektion kostet 100.- Paanga (ca. 60.-CHF) für Segler, welche hier Halt machen – damit wird offenbar auch der Toyota-Pick-Up finanziert, mit dem Paia die Inselkrankenschwester uns und die Crews von 2 weiteren SY am Sonntag abholt und zur Kirche fährt – wegen der Gesänge etwas besonderes.

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Wie auf Samoa ist der tonganische Sonntag sehr heilig und die Menschen tragen ihre schönste Kleidertracht – in der langen Predigt vom zuständigen Kirchen-Minister von Tonga wurden wir Segler besonders herzlich begrüsst – dann werden wir von Paia wieder abgeholt – sie wollte selber nicht in die Kirche mitkommen, da sie einer andern Kirche, der Pfinstgemeinde angehöre – nach einer Rundfahrt bringt sie uns zum Pier zurück und erklärt uns, dass es nichts koste, solche Dienstleistungen gehörten zum Service.

Am Nachmittag gibt’s bei uns Kaffee und von Leena selbstgebackenen Kuchen zu dem auch die Crews Elbe und Sail away eingeladen sind – überraschend stellt sich heraus dass Elli und Bernd ihren 3.Hochzeitstag feiern und eine feine Flasche …mitbringen. Wir wollen Morgen alle 3 SY weiter zur 170 Seemeilen südlich gelegenen Vavau.Gruppe nach Neiafu weiter segeln – Beratung Wetter – Start Morgen Abend – 2 Nächte, damit Reserve bleibt bei Tageslicht.

Trotz oder wegen der bescheidenen Verhältnisse hat es uns hier sehr gut gefallen

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Weiter zur Vavau-Inselgruppe

Am 19. September morgens ausklarieren – Windgenerator gecheckt – funktioniert nicht mehr, weil die Enden der drei Rotorblätter abgebrochen sind als wäre eine Leine evtl ein Vogel? hineingeraten – später meinte ein erfahrener Weltenbummler, dass es auch ein fliegender Fisch hätte sein können – so hoch!? – d.h. also weniger Energie bis Neuseeland – Ersatz vorher ist ausgeschlossen.

Das Wetter sollte die nächsten Tage recht gut sein.

IMG_3485a Sail away gleich auf kurz nach Start in Niuzoputapu.jpgWir starten – 3 SY, die Elbe, Sail away und Nicone in einen schönen Abend – hier die Sail away gleich auf kurz nach Start in Niuatoputapu – jedoch bereits 5 Stunden später ist fertig lustig – zunehmende Bewölkung mit stark drehenden, zu- und abnehmenden Winden, dazu Squolls mit Böen und Regen – Fortsetzung am nächsten Tag mit wenig Wind – trimmen – umtrimmen – als der Wind endlich etwas stabiler ist, wird er zunehmend stärker und kommt auf die Nase – mit Motor und gegen die Wellen geht es in die zweite Nacht – die Elbe meldet über Funk, dass der Motor zeitweise aussetzt – wir verlangsamen und bleiben in unmittelbarer Nähe um allenfalls Schlepphilfe leisten zu können – Werner von der Sail away, die etwas voraus ist, gibt Ratschläge via Funk – das Problem „verstopfter Feinfilter“ konnte gelöst werden – noch bleibt die Elbe direkt neben uns bis klar ist, dass der Motor keine weiteren Aussetzer hat. Inzwischen haben Wind und Wellen gegen an weiter zugenommen – sollen wir weiter die ganze Zeit (ca 18 Std) motoren?

Um Mitternacht entscheiden wir uns für Aufkreuzen bzw. Segeln statt Motor – dies ist angenehmer auch wenn es eine Nacht länger dauert – wir machen einen weiten Schlag von 33 Seemeilen SE-wärts bevor wir am folgenden Morgen wenden – dann auf Beinahe-Anliegerkurs den ganzen Tag unter stark gerefften Segeln, hart am Wind bei rauer See, Regen und 20 – 28 Kn Wind der Vavau-Inselgruppe entgegen – keine Kaffetour aber zweckmässig geht es in die dritte Nacht – wir rechnen mit zwei weiteren, relativ kurzen Kreuzschlägen bis zur Einfahrt in die Inselgruppe auf deren Leeseite. Daraus wurde nichts – der Wind drehte zur selben Zeit brüsk – somit wieder auf die Nase – also doch noch Motor.

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als es hell wird fahren wir in den geschützten Inselbereich und legen das Boot im Hauptort Neiafu an eine Muring – Erleichterung, besonders bei der Bordfrau – was sogar der Skipper versteht.

Kurzrückblick:
Die Wetterprognosen waren gut für die 180 sm (daraus wurden 225 sm) – leider stimmten sie überhaupt nicht – im Nachhinein wurde eine Konvergenzzone dafür verantwortlich gemacht – merke: Wetterfritzen sind nie die Bösen – sie sind auch nicht zu eruieren – es sind die Computermodelle…
Entscheid Segeln statt Motor mit einer zusätzlichen Nacht war zweckmässig.
Nicht nur wegen des Windes, auch um nicht zu früh in der dritten Nacht anzukommen ( zu riskant ) haben wir stark gerefft. Dabei musste das Boot so getrimmt werden, dass es noch in genügender konstanter Fahrt gegen die Wellen gehalten werden konnte.

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In der bekannten und geschützten Ankerbucht von Neiafu liegen ca 80 SY – fast alle auf dem Weg nach Neuseeland oder Australien, darunter viele bekannte – gleich 6 Dingis kommen im Laufe des Vormittags herbei um uns zu begrüssen.

Noch mit etwas „Kater in den Knochen“ Boot klarieren – Dingi pumpen, wassern, Aussenborder montieren – Landgang zu Immigration und Zoll – auf dem Rückweg Wiedersehen mit weiteren bekannten Yachties – etwas Schlaf nachholen, dann ist bereits Treff bzw Pizza-Essen mit fünf andern Crews – einer unserer deutschen Freunde hatte bereits in einem Restaurant Platz reservieren lassen (nötig wegen vielen Gästen die die Rugby-WM am TV sehen wollen) und zusätzlich hat er dabei einen billigeren Bierpreis ausgehandelt (;-) – trotz Regen war es ein geselliger, schöner Abend.

Am anschliessenden Freitag weiterhin trüb und Regen wie aus Kübeln – sind wir eigentlich in der Südsee oder am trübsten Novembertag zu Hause?… also lesen, kochen, Computer, Fotos ordnen, Logbuch, Aufbereitung Reisebericht, dazwischen Service-Arbeiten Motor.

Die folgenden Tage sind mässig schön und bringen dies und das – Einkauf, besonders Früchte und Gemüse – Inselwanderung mit Freunden – Besuch bei Günter im Schweizer-Restaurant, wo es feine Rösti gibt – hören am Funk von einer Schweizer-SY, welche „Wasser macht“ (offenbar Riss neben dem Kiel des Stahlbootes) und alle zwei Std mit der Handbilgenpumpe geschöpft werden muss… – treffen hier auch Frank, dessen Yacht wegen gerissener Muring in Palmerstone aufs Riff gesetzt wurde und als Wrack endete. Es geht ihm natürlich nicht gut – er wurde zur Weiterfahrt von einer andern Yacht aufgenommen – wegen heftigen Magenproblemen kann ich nicht an einer „Bergtour“ auf einen 140m hohen „Hügel“ teilnehmen und bekomme von Walter von der SY Double Moon Medikamente und Manuka-Honig.aus Neuseeland. Walter ist zur Zeit Alleinsegler und überzeugter Schulmediziner mit starkem Hang zu Naturheilmitteln. Er schrieb ein bekanntes Büchlein über das Wundermittel Teebaumöl, wovon er mir etwas gibt – bin anderntags wieder einigermassen fit und helfe ihm beim Bunkern seines Bootes. Er schätzt Gesellschaft „allein segeln ist nicht alles“ wie er meint. Er ist froh wenn er Bundaberg in Australien erreicht. Dort will er nach vielen Jahren mit Segeln aufhören und das Boot verkaufen. – Jetzt hat es Leena mit einer starken Erkältung erwischt. Sie hat während Tagen kaum noch eine Stimme… was Wunder bei dem speziellen Südsau- sorry Südsee-Wetter der vergangenen Woche.
IMG_3676a Schueler-Blasmusik Neiafu.jpg  IMG_3681a  auf der Suche nach Leckerem bei Ebbe.jpg   IMG_3684a Riesentapa - Bilder auf Baumrinde.jpg
IMG_3685a Neben guter Roesti gibt es beim Schweizer Guenter auch Mahimahi .jpg

Es folgte endlich wieder eine Schönwetterphase:

Walter hat abgelegt nach Fiji, Vanuatu, Australien – „gute Fahrt Double Moon, nächster Treff bei Dir als Landratte auf Ibiza – wie abgemacht!“

Wir haben noch 2 ½ Wochen Zeit bis Neffe Tobias in Tongatapu, auf der südlichsten Tonga-Inselgruppe zu uns stösst, um mit uns nach Neuseeland zu segeln.

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Vorerst besuchen wir die schönen Ankerplätze der Vavau-Inseln. Der Tonga-Guide für Segler ist dabei ein unerhört guter Begleiter und beschreibt ausgezeichnet die Fahrten, Gefahren und Geschichtliches der Inseln, Buchten und Orte.

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Es ist wirklich ausserordentlich idyllisch an diesen Plätzen – mal kommen zwei Frauen im Auslegerkanu vorbei, ob wir am Strand essen möchten, sie würden kochen – sie machen keinen Preis, wir könnten auch etwas tauschen oder einfach etwas geben nach Gutdünken – man stelle sich so etwas zu Hause vor! – mit der Elbe-Crew sagen wir zu – machen am Abend einen Dorfspaziergang und essen dann am fein gedeckten Tisch mit vielseitigem Essen am Strand
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Dominica leistet uns derweil Gesellschaft, erzählt vom Inselleben und verscheucht Mücken – einmaliges Ambiente, persönlich und unvergesslich. Wir haben für ihre Kinder die auch am Strand sind Farbstifte und Papier und geben ein angemessenes Entgelt – sie ist freudig überrascht als ich ihr dann noch ausgedruckte Fotos gebe – Fotos die ich vorher mit ihrer Erlaubnis von ihr selber machte und auf dem Boot ausdruckte.
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An einem speziell prächtigen Ankerplatz der nur bei ruhigen Wetterverhältnissen – die haben wir – benützt werden sollte, liegen wir zwischen zwei Inseln hinter einem Riff in türkisfarbigem Wasser mit 3 andern SY

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Beim Schnorcheln innerhalb des Riffs habe ich eine Begegnung mit einem weissen Manta, der voraus schwimmt und ein paar Mal wieder in meine Nähe zurück kommt – erwische ihn mit dem Fotoapparat – super – gehe andern Tags auf die Riffaussenseite zum Schnorcheln und staune einmal mehr über die prächtige Unterwasserwelt mit verschiedenen Korallen und einer Vielfalt von grossen und kleinen Fischen.
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Es sind herrliche Stunden und Tage hier beim Lesen (zur Zeit „die See gehört mir“ von Uwe Röttgering – gut mit einer Prise Selbstironie), Baden, Schnorcheln – leider nicht für Leena, welche immer noch erkältet ist .

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über Funk laden die Southern-Cross-Net-Betreiber (vorab Yachties aus NZ) persönlich zu einer Party an einem bestimmten Ankerplatz ein – es ist für viele die am Funknetz teilgenommen haben eine Gelegenheit, sich mal zu sehen statt nur zu hören, da schon bald nach Ankunft in NZ das Funknetz aufgelöst wird. Man soll verkleidet erscheinen – hm…- etwas zu essen und Trinken mitbringen – pot luck (Glückstopf) eben – man isst dann wonach man Lust hat

IMG_4043 a.jpgEs wurde ein geselliges Treffen am Strand mit Liedern am Lagerfeuer in vielen Sprachen – die beteiligten Nationen waren u.a. aufgefordert ein Lied aus der Heimat vor zu tragen – das ergab ein lustiger Mix – mit „es Burebüebli mag i ned…“ nur erster Vers, dafür laut – und es verstand es ja niemand sonst – lösten wir entgegen meinen Befürchtungen etlichen Beifall aus – bleibt anzufügen, dass ich im Gegensatz zu Leena kein Sänger bin, aber was nicht ist …(;-). Es ist auch etwas Melancholie im Spiel – geht doch für viele Weltumsegler in NZ ein jahrelanges Seefahrerleben zu Ende – dies wird noch durch einen Iren verstärkt, der hervorragend Gitarre spielt und ein begnadeter Sänger und Interpret ist. Ein gelungenes Fest!

IMG_4045 a.jpgMehrere Segler haben in den letzten Tagen direkt vor der Küste Wale gesichtet – wir fahren hinaus und haben Glück – es ist schon ein Schauspiel diese Meeresriesen, teils mit Nachwuchs zu beobachten – bald werden sie wieder auf Wanderschaft südwärts gehen, nachdem sie hier in den warmen Gewässern ihre Jungen zur Welt gebracht haben.

Zurück an unserem Lieblingsankerplatz reinige ich noch das Unterwasser – mit dem Free-Dive-Gerät kein Problem – am nächsten Morgen entdecke ich beim Routine-Motor-Check etwas Diesel in der Bilge – auf der Suche nach dem woher ist die Ursache eine leckende Hochdruckleitung – nicht einfach zu reparieren, wenn überhaupt! – wieder ein mal werden dadurch unsere Pläne und Absichten in Frage gestellt… – Fahrt zurück nach Neiafu, um dort festzustellen, dass auch noch das Hilfsruder des Windfahnenpilots, das am Morgen noch vorhanden war, einfach fehlt… es muss auf der Fahrt abgefallen sein – Suche zwecklos – erzähle es den finnischen Bootsnachbarn – sie haben die gleiche Windfahnensteuerung – worauf sich herausstellt, dass ihnen vor kurzem dasselbe passiert ist !

Der Lieferant in Hamburg macht Vibration dafür verantwortlich… er will sofort ein neues Ruder per Luftfracht nach Tongatapu senden…natürlich gegen Bezahlung. Für die Reparatur der Dieselleitung finden wir einen „Spezialisten“ der die Leitung im dritten Anlauf so hart löten kann, dass sie provisorisch hält – jedes Mal liegt ein Test und ein Tag dazwischen – lasse sicherheitshalber noch eine zusammen gebastelte Leitung herstellen, die wiederum beim Anschluss leckt…versuche noch, ob Tobias eine solche aus der Schweiz bringen kann – er kommt in einer Woche zu uns – leider ohne Erfolg.

So trüb wie das Wetter sind zur Zeit unsere Gedanken – kommen wir heil nach Neuseeland, wo es alles gibt und Reparaturen kein Problem sind? Die Analyse beinhaltet vorab mangelnde Energie – fraglich funktionierende Ankerwinsch – hält die rep. Dieselleitung und damit der Motor als Energielieferant? – Windgenerator wegen defekten Rotorblättern unbrauchbar – Benzingenerator funktioniert nicht wegen Starterleine die nicht zurück gezogen wird – erhalten wir (rechtzeitig) ein Ersatzruder für den mechanischen Windfahnenpilot? oder müssen wir die 1000 Seemeilen bis Neuseeland von Hand steuern weil nicht genügend Energie für den automatischen Windpilot zur Verfügung steht? Was kommt als nächstes? Dazu hat Leena immer noch mit starker Erkältung und ich teilweise mit Rückenschmerzen zu kämpfen… eigentlich alles (noch) nicht wirklich bedrohend… aber… wir arbeiten an der Sache und hoffen auf bessere Tage.

Am 13.10. – andere starten weder an einem 13. noch an einem Freitag – legen wir zu der am südlichsten gelegenen Tonga-Insel-Gruppe ab, und planen entsprechend Wetter nach 100 Seemeilen einen Zwischenhalt auf der Haapei-Inselgruppe.

Wir kommen mit Ostwind gut voran und als wir die Vavau-Inselgruppe verlassen, sehen wir in einigem Abstand wie ein Walfisch drei Mal aus dem Wasser springt, sich dabei dreht und auf den Rücken wieder ins Wasser platscht – nach Bestimmung der Art haben wir es mit einem Orca zu tun – wow! welch ein Schauspiel!

Um elektrische Energie zu sparen steuern wir von Hand – dann in der Nacht stelle ich beim Steuern fest, dass ich praktisch nichts selber machen muss – das Steuer macht leichte Bewegungen nach links und rechts kommt aber immer wieder in die Ursprungsposition zurück – dann unglaublich aber wahr – ich lasse das Steuer ganz los – die Nicone steuert selbständig! – traue der Sache noch nicht, aber dann macht sie während fast 2 Stunden brav ihren Weg und dies ohne autom. Pilot wie auch ohne menschlichen Einfluss und ohne mechanischen Windpilot – offensichtlich mit gutem Trimm – als wollte sie sagen: ich finde den Weg auch alleine… nicht zu vergessen, das Ganze bei 17 Kn Wind, Böen bis 21Kn und Wellen von 2.5m! wunderbar!

Dann am nächsten Morgen Anfahrt zwischen Riffen zur kleinen Hafeva-Insel auf Haapei, wo bereits die dänische SY Dana liegt – später folgen noch 3 weitere. Nach einer ruhigen Nacht gab’s schon vor dem Frühstück blasende Wale in der Bucht zu sehen.

IMG_4094a auf Hafeva, Hapai-Group.jpges folgte eine heftige und andauernde Front und brachte die Boote am Anker zum Tanzen, weshalb wir den Tag und eine weitere Nacht dort verbringen, derweil es draussen stürmt und die Wellen ganz schön übers Riff hereindonnerten. Mache mit Schnorchel noch einen Ankercheck bei der Nachbaryacht und bei uns – sieht gut aus.

Statt Inselbesuch wegen windigem Regenwetter demontiere ich den Benzingenerator – mit Leenas Hilfe kann ich den Rückzug der Starterleine reparieren – das, was die Werkstatt in 3 Anläufen nicht fertig brachte, machte mich ganz schön stolz. Nun ist er wieder einsatzfähig – das Energieproblem ist insofern ein Stück weit gelöst.

Am Sonntag ist das Wetter wieder ganz passabel – weil wir erst am Nachmittag ablegen wollen, statten wir der Insel, zusammen mit der Crew der finnische SY KasteHelmi (Tau-Perle) einen Besuch ab.

Interessanterweise liegt das Dorf auf der windwärts (Ost) gelegenen Inselseite – wir kommen am Friedhof mit bemerkenswerten Gräbern vorbei – die meisten Leute kommen gerade vom Kirchenbesuch und tragen die besten Kleider – es gibt für die wenigen Einwohner vier verschiedene Kirchen.
IMG_4121 am Friedhof von Hafeva vorbei.JPG  IMG_4124a kommen vom Kirchbesuch.jpg  IMG_4125a fragen uns nach woher , wohin.jpg

Start am Nachmittag mit Nachtfahrt nach Tongatapu – mit leichten Winden aus östlichen Richtungen wird es eine ruhige Fahrt

Nach 80 sm ankern wir in der Bilderbuch-Ankerbucht Pangeimotu etwas abseits von Nukualofa der Haupstadt Tongas – hier ist das Ressort von „Big Mama“ – die Eignerin sieht auch so aus und nennt sich selber so – ihr Mann will sich um meine Dieselleitung kümmern.
IMG_4136a dass es nicht immer so schoen ist hier, davon zeugt das bei Sturm gestrandete Wrack.jpg  IMG_4130a Bilderbuch Ankerbucht Pangaimotu, Nukualofa Tonga.jpg  IMG_4169a Big Mamma.jpg

Mit dem Wassertaxi geht es nach Nukualofa zum Einklarieren – der Machotyp vom Zoll wird freundlicher, als ich ihn frage, ob er wisse dass die Kinder des tonganischen Königs in der Schweiz zur Schule gingen (;-)

Via Sailmail erreicht uns eine Schreckensnachricht – Stefan vom Segelcat Bayu wurde offenbar von einem Einheimischen auf Nuku Hiva zur Jagd eingeladen und ermordet – wir können es nicht fassen, kennen wir ihn und seine Freundin doch persönlich von Begegnungen in Cuba und später wieder auf Caiman Island. Kommt hinzu, dass wir selber mit Feunden an Kultorten mit kanibalischer Vergangenheit in der Nähe der schönen Anoa-Bay waren, wo es geschehen sein soll, wie spätere Zeitungsartikel melden.

IMG_4198a Tobias.jpgAm 18.10. trifft mit dem Abendflug aus Auckland Neffe Tobias ein – kaum angekommen , schon beim Schnorcheln am Wrack – er wird uns nach Neuseeland begleiten – es wird seine dritte und bisher längste Seereise mit der Nicone sein – mit Tobias erreichen uns neben persönlichen Nachrichten und Fotos von zu Hause auch feine Sachen – schon lange gab’s keine oder keine gute Schockolade mehr – jetzt ist sie da und im nu verringert sich die Anzahl der edlen, mit Kirsch gefüllten „Luzärner-Rägetröpfli“… (;-)


Der nächste Bericht folgt von Tobias selbst, der über die Weiterreise aus seiner Sicht berichten wird.

Von den Gesellschaftsinseln (franz. Polynesien) via Suwarrow (nördl. Cook-Isl / NZ) nach Western Samoa

August – September 2011

Sonntag 21. Aug. 2011

In Finnland ist Samuels-Tag – so hiess auch Leenas Vater – und zugleich ist dies der Beginn der Entenjagd – im nördlichen Finnland fiebert die ganze Sippschaft auf diesen Tag hin – später dann Hasen- und Elchjagd. Also Kontaktnahme, weil sich alle Geschwister von Leena an diesem Tag traditionsgemäss im Mutterhaus treffen.

Wir unsererseits verabschieden uns an diesem Tag früh von der „forty-two“ – Carsten und Mercedes sind neben uns in der Bucht und extra um 06:00 aufgestanden – wir verlassen Tahaa, unseren letzten Ort in franz. Polynesien.

Die Wetterprognosen sind durchzogen: für die nächsten 2-3 Tage wenig, dann stark zunehmender Wind mit ebensolchen Wellen.


780 Seemeilen nach Suwarrow

Ursprünglich wollten wir die südlichere direktere Route nach Tonga nehmen, entschieden uns aber für eine nördlichere, da das angekündigte Schlechtwetter später eintreffen soll und Suwarrow als Zwischenhalt attraktiv ist.

IMG_2871 Wolkenparade.jpg  IMG_2875.JPG  IMG_2876.JPG
Was sagen uns diese Wolken wohl?
Vorerst kaum Wind mit schönstem Wetter – viel Motor – nicht einmal der Spinnaker will stehen – haben ab Tag 2 Funk-Kontakt mit der „Sail away“, die einen Tag früher von Bora Bora ebenfalls nach Suwarrow unterwegs ist und mit der „Su An“, welche etwas hinter uns auf einem südlicheren Kurs segelt.

IMG_2879 a .jpg  IMG_2880 was sagt die Grossraumwetterkarte.jpg
Ab 3. Nacht frischt der Wind auf – Reff im Gross-Segel – es gibt starke Bewölkung und Regenschauer – Check und Vorbereitung für Schlechtwetter.

IMG_2886 a Wind hat zugenommen - reffen.JPG
Tag 4 ist grau, trüb und stürmisch – Reffen, bis wir schliesslich nur noch einen kleinen Fetzen Genua haben, im Gross 3 Reffs und den Besan geborgen – laufen damit immer noch 7 – 8 Knoten mit achterlichem Wind – eine Sturmmöve begleitet uns – ihr gefallen die garstigen Bedingungen – absolut phantastisch ihr beim Segeln zu zu sehen

IMG_2918 graue See baut sich auf.JPG  IMG_2919 Wellenberge wachsen.JPG
Die See sieht wütend aus und benimmt sich teilweise auch so – trotzdem verzeichnen wir konstante Fahrt und brauchen keine Trimmänderungen vorzunehmen – für die Nacht nehmen wir das Gross ganz weg – lohnende Schwerarbeit – Speed noch 5.5 – 6.0 Knoten – jedoch vermehrt Schaukelbewgungen bei 3 – 3,5 m Welle.

An Tag 5 vorerst 25 – 30 Kn Wind aus SSE – ENE drehend – lässt später etwas nach und es gibt Schönwetter

IMG_2923 anrollende Welle von achtern.JPG
Es ist ein „mächtiger Segeltag“ – mit Welle von 4 – 4,5 m von achtern und Speed von 7 – 8 Kn – habe eine ganze Weile selbst gesteuert, um die Kräfte Wind, Welle, Boot zu spüren – muss allerdings zugeben, dass der Mensch (in diesem Fall der Schreibende) etwas schlechter steuert als der automatische Pilot, dafür die Wellen besser berücksichtigt (;-). Zwei Hauptereignisse prägten den Tag – zum einen musste ich bei diesem Seegang die Gasflasche wechseln und purzelte aus Kauerstellung und angegurtet hintenüber – schmerzhafte Rippenprellung als Folge – zum andern gab’s einen heftigen unerwarteten Squoll mit Erhöhung des Speed auf 9.2 Kn – wow – heute mehrmals Segel geschiftet.

Die Nacht verläuft gut und ebenso der folgende Tag mit stabilen Windverhältnissen – es gab einen Moment wo wir uns fragten ob der Wind allenfalls einbrechen könnte, was eine Verzögerung bis Suwarrow zur Folge hätte – die Bordfrau meint:

„sonst machen wir halt einen Tag länger, wir haben ja das Restaurant dabei“ und backt dann noch Brot. Funk am Abend: die Sail away ist gut durch den Atoll-Pass in Suwarrow eingelaufen – Su An geht wegen der guten Segelbedingungen in den nächsten 5-7 Tagen, überraschender Weise Non Stop nach West-Samoa.

 

Suwarrow

Wir haben Landfall am Samstag 27.8.11 auf Suwarrow:
Hunderte von Möven zur Begrüssung vor der Atoll-Einfahrt – wir sind etwas zu früh und haben 4.5 – 4.8 Knoten Gegenströmung im Pass – der beinahe Neumond bewirkt höhere Tide und damit stärkere Strömung – umkehren warten bis aus fliessende Strömung nach lässt? – nein, wir versuchen es ohne den Motor zu überfordern – benötigen allerdings eine volle Stunde für eine knappe Seemeile. Sail away, seit gestern am Ankerplatz, funkt uns an – Werner kommt mit dem Dingi vorbei und macht Platzanweisung zwischen den Korallenstöcken – die Frau eines Nachbarbootes war am Schnorcheln und kontrollierte unseren Anker – die Kette hatte sich teilweise um einen Korallenstock gelegt – wir fuhren etwas vor, damit die Kette locker wurde – sie tauchte ab – kam lange nicht wieder herauf – und sagte dann, dass sie sie gelöst hätte – Superleistung danke. Am Ankerplatz sind 14 Segelyachten und es gibt immer noch 20 Kn Wind.

Suwarrow ist eine weit abgelegene, paradiesische Insel im Norden der Cook-Islands, welche ihren Namen 1814 von einem russischen Schiff (Wahlfänger?) erhielt, das hier war.

IMG_2930 a Tom Neal- Denkmal.jpg
Bekannt wurde die Insel durch Tom Neal der sich 1952 – 1977 hierher zurückzog, das noch stehende Haus baute und sein Robinsonleben hier in einem Buch beschrieb „An Island to Oneself“.

Heute ist es ein Nationalpark mit sehr strengen Regeln.

IMG_2934 a zum Einklarieren auf Suwarrow.jpg
Auf dem Weg zum Einklarieren.

IMG_2936 a James einer der freundlichen Ranger von Suwarrow.jpg
James ist einer der zwei sehr freundlichen und eindrucksvollen Rangern die hier während 6-8 Monaten wohnen, die restliche Zeit in der Hurican-Saison in Rangiora. James und John, die Parkwächter tun alles, um den Yachties einen angenehmen Aufenthalt zu ermöglichen – nehmen andererseits gerne Mitgebrachtes entgegen – im Guide wird darauf hingewiesen – es geht dabei um Früchte, Gemüse, Bier, Ruhm, Benzin für den Aussenborder etc – Dinge an die sie sonst nicht kommen.

IMG_2947 a danke fuer die Warnung.jpg
Die Insel ist praktisch nur mit Privat-Yachten erreichbar – es gibt ein reiches Tierleben – inner- und ausserhalb des Atolls gibt es sehr viele Haie – Fische dürfen mit den Rangers gefangen werden, müssen aber an Land ausgenommen und die Abfälle auf die Aussenseite des Atolls ins Wasser geworfen werden, um die aggressiveren Haie nicht in die Lagune anzulocken –  am besagten Ort sind bei unserem Erscheinen sofort ein Dutzend! Haie im seichten Wasser herangeschwommen.

IMG_2948 a Gerissene Naht am Gross-Segel.jpg
Der Riss der Segelnaht als Folge des rauen Seewetters der letzten Tage muss vor dem nächsten Ablegen in Handarbeit genäht werden.

 

IMG_2951 a Suwarrow- Ankerbucht.jpg
Weil das Wetterfenster für die nächsten Tage für die Weiterreise nach West-Samoa hervorragend ist – wer weiss wie es später aussehen wird – beschliessen wir schweren Herzens zusammen mit der Sail away die tolle Insel nach nur zwei Tagen zu verlassen – 7 von den 14 dort ankernden SY haben das gleiche beschlossen und legen mit verschiedenen Zielen am 29. 8.11 ab.

 

500 Seemeilen nach West-Samoa

IMG_2959 Wellen bei der Passausfahrt.JPG  IMG_2960 a 2 SY bei der Atollausfahrt.jpg
Nach Ausklarieren, Fotos, Souvenierstempel im Pass, Bier für die Ranger und Benzin für ihr Dingi, geht es Anker auf Richtung Pass-Ausfahrt – diese ist problemlos – es gibt diesmal 4.5 Kn Mitstrom – mit total 8,5 Kn Geschwindigkeit rauschen wir der offenen See zu.

Es wartet uns genussvolles Segeln

IMG_2965 a die Sail away unter Passatsegel an Steuerbord.JPG  IMG_2966 a Nicone z Z ohne gesetztes Gross-Segel mit kleinem -  nicht sichtbarem Passatsegel - von Sail away fotografiert.jpg  IMG_2970 a unterwegs nach Samoa.jpg
Die Sail away (links), etwas grösser als unser Boot und mit grossem Passatsegel, ist vor dem Wind etwas schneller als wir. Nicone z. Z. ohne gesetztes Gross-Segel mit kleinem – nicht sichtbarem Passatsegel – von Sail away fotografiert

Nach guter Fahrt durch die Nacht kommen wir mit wechselhaften und pendelnden Winden am folgenden Tag etwas weniger gut voran – wieder Zeitzone überfahren – Sailaway 9 sm voraus – guter Funkkontakt mit Günters Funkstation auf Contadora Panama, sowie mit Su An und Sail away. Die Berechnung ergibt, dass wir Apia auf West-Samoa nur am Freitag bei Tageslicht erreichen können wenn der Wind mehr seitlich und stärker einfallen würde – tut er aber nicht – also Schwerarbeit Spinnaker setzen – juhui, statt 4.5 Kn jetzt 6 – 7 Kn Speed – den Spi haben wir nur gesetzt, weil das Wetter als schön – voraussichtlich ohne Squolls – angesagt ist – Spi-Segeln ist immer ein Abenteuer und will gut geplant sein – besonders bei 140 m2 Segelfläche und nur 2 Crew. Es wurde ein Prachtssegeltag – in 9 Std unter Spi segelten wir 68 sm – die Hochrechnung für 24 Std ergäbe ein Etmal von 180 sm. für die Nacht wurde er problemlos geborgen – zu diesem Zeitpunkt passieren wir im Abstand von 12 sm einen eindrucksvollen Unterwasser-Berg, wie aus den elektron. Seekarten ersichtlich – der Fuss ist auf 5000 m Tiefe, der Durchmesser 10 Km – das Plateau / Bergspitze befindet sich 1426 m unter Wasser – somit handelt es sich um einen 3574 m hohen kreisrunden Zylinder – ein Riesenturm.

Im Dunst ist American-Samoa sichtbar, das wir jedoch ohne anzulaufen passieren.

IMG_2975 a gut voran mit dem frei fliegenden Spinnaker - ohne Spibaum.jpg
Am nächsten Tag gleiches Spi-Prozedere – wenn nur das Setzen und Bergen etwas weniger anstrengend wäre – für Bordfrau und Skipper! – für die Nacht neben Genua und Besan kleines Passatsegel gesetzt. Funk mit der Su An – sie ist gut in Apia auf Samoa angekommen – Memo: sie segelte direkt dort hin ohne Suwarrow anzulaufen.

IMG_2980 a Haustier Geko nascht im Dunkeln.jpg
Sorry für mässiges Foto – es war schon beinahe dunkel als ich unser Haustier „Christina“ beim Naschen in einer abgestellten Teetasse erwische. Der Geko hat seinen Namen von Christina von Lanzarote, die gerne mit uns mitgefahren wäre und uns nun seit über 6000 sm begleitete und auch bei Inselstopps offensichtlich nicht von Bord gehen will (;-)

Am Freitag 2.9.11 11:20 liegen wir nach 516 sm guter Fahrt und 2 Std nach der Sail away ebenfalls in Apia West-Samoa in der Marina am Steg. Treffen hier neben der Su An auch die Amigo (letzmals Trinidad 2009) und die Elbe (eine Woche hier).

Vorerst auf dem Boot bleiben bis alle Formalitäten erledigt sind: die Behörden Gesundheit, Umwelt, Marina, Zoll und Immigration kommen an Bord – alle freundlich und unkompliziert.

 

Apia West-Samoa

IMG_2988 a Fischer auf Samoa.jpg

Erster Landgang mit Anne und Werner – Orientierung und kleine Einkäufe in der Stadt – später Essen im Fischrestaurant zu dem auch Gaby und Lutz (SY Su An) dazu stossen.

Lernen noch Finnen Helena und Risto von der SY Valentina kennen. Sie sind mit ihrer nachgerüsteten Bavaria 36 durch die Magelan-Street in den Pazifk gekommen – es sei schön, aber seglerisch nichts Besonderes gewesen… die Finnen die spinnen (;-), gilt doch

IMG_2989 a Markthalle in Apia Samoa.jpg
Geniessen folgenden Samstag auf dem riesigen Früchte- und Gemüsemarkt – kaufen Creditkarte für Internet – funktioniert auf Boot – Gehen zusammen mit den Crews von Amigo, Sail away, Elbe und Valentina zum Essen im Schiffsrestaurant.

Um Mitternacht klopft es – ein Angestellter der Marina meldet Tsunami-Alarm – hat aber selber keine weiteren Infos – also Kanal 16 abhören – auf der Südseite der Insel war ein Erdbeben spürbar – bereits ¾ h später erfolgt Entwarnung…

…man ist hier sensibel und nahe dran: 2009 gab es einen Tsunami der grosse Teile der Südküste dem Erdboden gleich machte und 170 Tote hinterliess…

IMG_3000 a Ausflug mit der Finnen-Crew von der SY Valentina.jpg
Unternehmen zusammen mit den Finnen einen Ausflug mit einem Guide, der uns die Ostseite der Insel zeigt – Andy der Guide und Fahrer ist Lehrer (und Schlitzohr) und angeblich Sohn eines Chiefs, der kürzlich verstorben ist – evtl ist Andy Nachfolger „weil die Brüder des Ex-Chiefs zu wenig smart seien für diesen Posten“ – erfahren viel über die Lebensweise der Samoaner – es ist Sonntag und alles steht still – Kirchen hoch im Kurs – aber auch fordernd betreffend Obolus von den Familien –
IMG_3032 a  offene Wohnhaeuser.JPG
viele Häuser haben keine Wände, damit Brise durchziehen kann – auch kaum Möbel – gehen bei Ressort baden und zum Lunch –
IMG_3036 a 2009 fegte hier ein Tsunami alles weg.jpg
hier hatte 2009 der Tsunami gewütet – davon ist nach nur 2 Jahren fast nichts mehr zu sehen –

IMG_3002 a Wasserfall auf Samoa.jpg

IMG_3041 a .jpg  IMG_3042 a.JPG  IMG_3043 a.jpg
Wasserfälle und Blumen unterwegs –
IMG_3045. a Bahai-Tempel.jpg  IMG_3049 a.jpg  IMG_3052 a Kuppel desBahai-Tempels.jpg
Sehen den gepflegten Ort des Baha’i-Tempels – unabhängige Weltreligion mit ca 5 Millionen Mitgliedern aus verschiedenen Nationen und Glaubensrichtungen

IMG_3019 a Andy unser Guide gibt eine Demonstration auf einem Klangholzz.jpg
Andy demonstriert uns versch. Geräte, hier ein Klangholz und erzählt die Geschichte des „Gesichts der Kokosnuss“ – er singt uns Songs vor – darunter einen für seinen verstorbenen Vater, den er selber komponiert hat – ein interessanter Tag.

IMG_3061 a Robert Louis Stevenson - Schriftsteller u.a. die Schatzinsel.jpg  IMG_3065 wieder errichtetes Wohnhaus von RL Stevenson - heute Museum.JPG
Wir besuchen in Apia das Robert- Louis-Stevenson-Museum – nachgebautes riesiges Wohnhaus – Memo: Stevenson, Schotte, 1850 – 1894, davon die letzten 4 Jahre auf Samoa, gestorben an Tuberkulose – Schriftsteller berühmt schon zu Lebzeiten dies und jenseits des Atlantik – sein wohl bekanntestes Buch ist „die Schatzinsel“ – interessante Führung.
Bergwanderung zur Grabstaette R L Stevenson.jpg
Machen anschliessend Bergwanderung zu seinem Grab – der Dschungelweg ist steil und es ist heiss – der Ort heisst Vailima – fünf Ströme (kleine Quellflüsse – heute heisst das nationale Bier ebenso) oben treffen wir auf junge Samoanerinnen mit der traditionellen Blume am Ohr – Blume am linken Ohr heisst bin noch Single.
IMG_3079. a Blume am linken Ohr heisst bin noch Single.jpg

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Am Weg gibt es eine Fülle üppiger Pflanzen zu bewundern. Zurück auf der Hauptstrasse werden wir alle sechs ohne unser Zutun von einem Pick-Up in die Stadt mitgenommen.

Am Abend ist unser neuer japanischer Bootsnachbar „Hammer“ (Übername) bei uns auf Besuch – er ist seit 2 ½ J mit seiner Maverik – ein relativ kleines Holzboot – auf der Fahrt von Ost nach West um die Welt – allein und das mit jetzt 71 Jahren – er hat alle 4 Kaps passiert und „nur“ noch ca 4000 sm nach Hause bis Tokio to go – bescheiden meinte er, er hätte eigentlich nicht viel Erfahrung – Hut ab vor dieser Leistung.

IMG_3109 a Samo-Tanz- und Gesangshow .jpg
Die Tage vergehen schnell – besuchen an einem Abend eine amüsante Samoa-Tanz-Show – dabei die Crews von Su An, der Sail away und Nicone
IMG_3110 Gaby und Lutz SY Su An.JPG  IMG_3112 a Anne und Werner SY Sail away.jpg  IMG_3113 a Leena und Peter SY Nicone.jpg

Eine Schweizer Yacht, die „Green Coral“ kommt in die Marina – Peter und Rosmarie sind seit 6 Jahren unterwegs und die dritte Saison im Gebiet Tonga, Samoa, Neuseeland – wir tauschen Erfahrungen und Erlebnisse aus und erhalten gute Informationen von den „Insidern“.

IMG_3114 a Haeusergruppe am Wasser in gleicher Farbe wie das Wasser.jpg
Unternehmen dann zusammen mit der Sail away noch eine Tour auf der Inselwestseite mit einem Mietwagen – Werner fährt uns sicher durch den kaum vorhandenen Linksverkehr

IMG_3115 a .jpg  IMG_3116.JPG  a Polizeideress mit Vavala früher Bastrock.jpg

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Überall treffen wir auf fröhliche Kinder und ausserordentlich freundliche Menschen.

IMG_3120 Kirche .JPG
Wir staunen über die vielen Kirchen – jeder Ort und mag er noch so klein sein, hat eine bis mehrere davon – das Leben ist sehr stark von den Glaubengemeinschaften geprägt und wird durch Regeln entsprechend beeinflusst.

IMG_3123 a Baseball am Sonntag nicht geduldet.jpg
So ist z B Sport am Sonntag nicht erlaubt – Kinder dürfen nicht einmal schwimmen gehen

a Kunstdackbau ohne Naegel.jpg
Mehrere traditionelle Häuser haben ein kunstvolles Dachgebälk ohne Nägel.

Wie schon festgestellt, gehören praktisch alle Läden eingewanderten Chinesen und es werden mehr – ein hier ansässiger Neuseeländer, der vor langer Zeit ins Land gekommen ist und viel Kulturerhaltungsarbeit leistete, erklärte es so: die Samoa-Regierung lasse zu, dass Chinesen mit viel Geld ins Land kommen, etwas „gratis“ aufbauen mit eigenen Leuten und importiertem Material aus China, alles bezahlen um im Gegenzug von der Regierung von Samoa weitere Einreisen von Chinesen zu verlangen – die Samoaner hätten rein gar nichts davon…

IMG_3125 Bushaltestelle.JPG
Wir machen viele Fotos – hier eine Bushaltestelle – und sind in Gedanken dabei, dass wir Morgen hier draussen mit dem Boot die Westspitze zwischen den Inseln runden würden, um südwärts nach Tonga zu segeln.

Daraus wurde vorerst nichts, obwohl wir ausklariert und die Marina verlassen hatten – jedoch nur für fünfzehn Minuten – der Motor erhöhte die Drehzahl unmotiviert und selbständig, um im nächsten Moment wieder langsamer zu werden… der Entscheid war kurz – so wollen wir nicht starten, denn später wird es immer schwieriger… ist schon hier schwierig genug um Fachkräfte zu finden, falls wir es nicht selber lösen können.

An diesem Tag legen 3 Boote nach Tonga ab – Werner von der Sail away ebenfalls, hilft aber vorher noch bei der Schadensuche – Vorfiltercheck – Wechsel Feinfilter – Entlüften – Problem besteht weiter… wieder sorgenvolle Gesichter bei uns. Gehe zum Trans-Ocean-Stützpunkt, der über die Strasse liegt und vom Schweizerpaar Urs und Françoise geführt wird mit der Frage, ob es eine Möglichkeit gäbe einen qualifizierten Mechaniker zu finden – Urs meint es werde wohl schwierig sein, aber er werde sich mal bei den „Gestrandeten“ hier schlau machen – gemeint sind einige Segler aus aller Welt, welche hier hängen geblieben sind und sich jeweils zum abendlichen Bier treffen…

Andern Tags treffe ich auf Julien, einen Franzosen mit australischer Frau und Pass, den wir in Raiatea trafen und der zusammen mit einem andern Franzosenboot ebenfalls in die Marina eingefahren ist – im Gespräch meint er – er komme mit seinem Freund vorbei (er Marine-Mechaniker und Pierre Ingenieur) um nach dem Motor zu sehen – sie kamen und engten das Problem (falsche Luftzufuhr mit Diesel) immer mehr ein – nach 21/2 Std lief der Motor wieder normal – er bekam Luft ab Ansaugstutzen – weshalb das Problem überhaupt entstand, steht wohl in den Sternen geschrieben, hatten wir doch vorher nichts dergleichen fetgestellt. Wir waren erleichtert, sahen wir uns doch schon mit Warten auf Teile vom Ausland konfrontiert – Super-Job – wollten nichts annehmen dafür, das sei ja üblich unter den Cruiser-Seglern – wir wussten dies mit einer feinen Flasche zu würdigen auch wenn wir bei anderer Gelegenheit andern helfen werden.

Urs kam auch noch vorbei um sich zu erkundigen – beim Kaffee erfuhren wir vieles über das Leben hier und seine Sicht der Dinge nach 16 Jahren Abwesenheit von der Schweiz – er ist alles andere als „auf der Flucht“ und hat interessante und intelligente Ansichten – so gesehen war die „ganze Übung“ bereichernd.

Wir sind bereit, um ein zweites Mal nach Tonga abzulegen.

IMG_3128 a Koralle an Anlegesteg 50 cm unter Wasser - Ueberwasserfoto.jpg
Koralle am Bootssteg 50 cm unter Wasser – Überwasser-Aufnahme

Von den Tuamotus-Atollen zu den Gesellschafts-Inseln — Nicone

Juli – August 2011

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Kurs und Fahrt nach Tahiti

Am Vormittag des 2.Juli verabschieden wir uns zusammen mit „Blue Dame“ und „Barnstorm“ von den Finnen Eva und Tapio (SY Irene) im Apataki-Atoll.

Wir haben 240 Seemeilen bis Papeete, Tahiti vor uns, wo Margrith von der Barnstorm wegen eines Krankheitsfalles zu Hause den Heimflug nach Neuseeland antreten will.

Da wir von Tapio alle Waypoints bezüglich Korallenköpfen und Perlfischerbojen haben, übernehmen wir den Lead vor Blue Dame und Barnstorm für die ersten Stunden innerhalb des Apataki-Atolls bis zu dessen Nord-Pass.

IMG_2156 Jan steigt auf Mast.jpgUnterwegs dorthin steigt Jan (76 J.) noch auf den Mast wie wir beobachten – er erklärte später, dass er ein Problem an der Saling kontrollierte. Ausserhalb des Passes setzen sich die beiden grösseren und schnelleren Boote bald etwas ab. Beim Einnachten um 18:00 sind wir dank leichter Motorunterstützung wieder gleich auf.

Ab dann sollte es zunehmend ungemütlicher werden. Bis Mitternacht haben wir die „Blue Dame“ im Abstand einer knappen Seemeile ständig an unserer Steuerbordseite – dann findet, wie über Funk gehört, ein Wachwechsel statt – bei zunehmendem SSE legt die Blue Dame etwas an Tempo zu – die Barnestorme liegt zu diesem Zeitpunkt ein paar Seemeilen voraus – die Berechnung ergibt, dass keines der Boote vor der Dunkelheit des folgenden Tages Papeete erreichen wird. Da wir nicht in der Nacht durch den Riffpass fahren und auch nicht davor warten wollen bis es zu tagen beginnt, beschliessen wir den Speed so zu drosseln, dass wir beim Morgengrauen des übernächsten Tages hinter das Riff in Papeete einfahren können. Wir lassen die andern ziehen und beginnen zu reffen – später bei Squolls, Böen und ruppigen Wellen, weitere Reffs (Genua 4, Gross 2 Reffs) – perfid: Wind lässt plötzlich nach – innert Minuten nur noch 3 Kn Fahrt – ausreffen – dann wieder Böen – reffen – Weiterfahrt mit 6-7 Kn – unangenehme Welle – Spritzer ins Cockpit – die andern zwei Boote waren ebenfalls stark am Reffen – sie kamen in der nächsten Nacht früher als wir in Tahiti an, wo es überraschend ruhige Verhältnisse gab auf der Leeseite der Insel – warteten aber dort das Tageslicht ab – via Funk vereinbarten wir zuvor, uns gemeinsam beim Pass zu treffen.

IMG_2163 Morgendaemmerung vor Tahiti.jpg

Wir schafften es, exakt bei Dämmerung bei der Einfahrt zu sein und mussten eine ganze Weile warten bis die etwas schnelleren Boote sich dann ebenfalls dort einfanden – …„die ersten werden die Letzten sein“ (;-)…

IMG_2171 innerhalb des Riffs zum Ankerplatz  - im Hintergrund Nachbarinsel Moorea.jpg  IMG_2173 ueberall wo wir hinkommen wird eifrig im Auslegerboot trainiert.jpg
Innerhalb des Riffs absolut glattes Wasser – kaum zu glauben dass auf der Ostseite der Insel raues Seewetter herrscht – dann dem Flugplatz entlang zum Ankerplatz, wo verstreut und auf begrenztem Raum, 140 Segelyachten vor Anker lagen, davon ein paar bekannte.

Darunter auch das kleine Schwedenboot, welches wir beim Start in Galapagos gesehen hatten – sie sind via Osterinseln nach Tahiti gesegelt.

Mehrere Paare aus Neuseeland sind nach 7-10 Jahren Weltumsegelung auf dem Heimweg und haben bis Neuseeland „nur noch ca. 3000 sm to go“ – für einige beginnt sodann ein neues anderes Leben an Land – sie werden das Boot verkaufen – andere wie Roy von der Barnestorme sehen dem Landkrebsdasein mit etwas Skepsis entgegen und behalten das Boot, um für den Fall… zumindest für längere Törns…

Hochzivilisiertes teures Thahiti

Nach längerer Zeit „in der Prärie“ des Pacific … sind wir plötzlich wieder mitten drin im hektischen, dynamischen Alltagsbetrieb, wie er eben zur Hochtourismuszeit auf Tahiti statt findet: Autos, Verkehr, Lärm, Flugzeuge, Touristen, Motorboote, Leben nach der Uhrzeit, geschäftige Franzosen und Chinesen – weniger die Polynesier – Supermärkte die rund um die Uhr geöffnet sind…

Wir beabsichtigen etwa 2 Wochen zu bleiben für Erledigungen aller Art, sowie um Kultur-Events zu besuchen.

Mit 11 Std Schlaf letzte Nacht haben wir unser Schlafmanko von wenig bis kaum Schlaf bei der Fahrt hierher wettgemacht. „Pflichten“ warten: Papiere von Einchecken abholen – Einkäufe – Wäsche – Internet – Kontakte mit zu Hause (Einplanung Zeitverschiebung 12 Std) – im Industriegebiet, das wie viele Geschäfte von Chinesen „beherrscht“ wird, können wir einen neuen Windmesser bestellen – er wird aus USA später in Raiatea zur Verfügung stehen – Memo: ein Sturm auf Ua Huka / Marquesas hatte uns denselben vor etwas mehr als einem Monat weggerissen – seither segelten wir nach alter Väter Sitte nach Flaggenstellung, Windfäden etc und verliessen uns auf Gefühl und Erfahrung – gute Übung zwischen durch – was des nachts zwar etwas schwierig sein kann – es sollte noch einen Monat dauern bis das neue Windmessgerät wieder im Masttop seine Funktion übernahm….und nicht funktionierte…

Die Preise allgemein sind im Bereich derjenigen der Schweiz – viel für Polynesien – einiges wie Alkohol kostet drei mal mehr als zu Hause – in der obersten Liga, sind z.B. gemäss eines Vergleichs auch die Flugpreise der Air Tahiti – in andern Bereichen wie Käse, Butter und dergleichen, die von Neuseeland importiert werden , sind die Preise recht vernünftig, dem gegenüber herrscht bei vergleichbaren Importartikeln aus Frankreich (Mutter von Polynesien) genau das Gegenteil. Dies wussten wir bereits zuvor und stellten uns darauf ein.

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Den ganzen Pacific-Raum erlebten wir wie auch andere Cruiser als absolut sicher und nicht im geringsten kriminell – dennoch warnte ein Polynesier – es sei in der Umgebung von Papeete schon sehr unsicher geworden, man könne beim Parkieren des Autos nicht einmal mehr den Schlüssel stecken lassen…

Sprichwörtliche polynesische Freundlichkeit – Hintergrund: ich tue Dir etwas Gutes – Du machst das selbe für jemanden andern

Ein paar Beispiele: auf dem Früchte- und Gemüsemarkt am Sonntag früh von 04:00 bis 08:00 ist sowieso alles anders – hier findet man günstig Früchte und Gemüse, die im Supermarkt meistens das 2 -3 fache kosten. Kommt hinzu, dass es die Verkäufer gut mit den Leuten meinen – bei 5 Grapefruits (sind riesig und fein) ist 1 gratis – kauft man nun nur 2, wird gleichwohl eine dritte gratis dazu gelegt. Beim Bananenhändler erkundigten wir uns, ob es auch möglich sei nur eine halbe statt ganze Staude zu kaufen – er bejaht, und schenkt uns darüber hinaus noch eine ganze Staude – Begründung: wir seien doch Segler und auf dem Boot wachsen keine Bananen – Verteilung an 2 weitere Boot-Crews.

Eines Abends nach dem „Heiva“ einem polynesischen Sing- und Tanz-Contest warten wir bei einer Imbissbude auf den Bus – durch die Inhaberin werden wir darauf aufmerksam gemacht, dass kein Bus mehr fahre aber sie werde uns zurück fahren wenn wir wollen – da wir zu sechst waren, fuhr sie die Strecke 2 X und wollte partout nichts dafür annehmen!

Die Polynesier gelten generell und zurecht als zuvorkommend, freundlich, offen und hilfsbereit – ohne Hintergedanken – und zur Nachahmung empfohlen.

Heiva – the Celebration of Live – und Quatorze Juillet

Heiva steht in Polynesien für „wichtiger Gesellschaftsort“ für Zerstreuung, Freizeitbeschäftigung, Sport und Feste. In früherer Zeit waren Tanz und Gesang auch Bestandteil religiöser und politischer Anlässe.

Die ersten Forschungsreisenden, welche Tahiti im ausgehenden 18. Jh. erreichten, waren beeindruckt von der Schönheit der Tänze und den Gesängen bei Festen. Sie erfassten die Bedeutung für die Polynesier – nicht so die auf dem Fusse folgenden Missionare, die darin nur Zeitvergeudung, Erotik und Ausschweifung sahen. Unter diesem Einfluss und dem christlichen Glauben, erliess King Pomare II ein Verbot für den Heiva. 1946 unter dem „Etablissements Français de l’Océanie“ und der späteren Lockerung der politischen und kulturellen Autonomie entstand eine Erneuerung der Festlichkeiten, besonders des Tanzes und der Gesänge.

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Heutzutage finden vor allem im Juli grosse Sing- und Tanz-Wettbewerbe statt.

Wir besuchten einen solchen Anlass im Stadium von Papeete – fotografieren nicht erlaubt – wird streng überwacht – hier deshalb Fotos aus dem Prospekt – es war ein Fest der Sinne – Gruppen mit jeweils über 100 Tänzerinnen und Tänzer gaben sich ein Stelldichein – man kann es nicht erzählen – man muss es erlebt haben…

Der 14 Juli – Franz. Nationalfeiertag – wurde mit spektakulären traditionellen Wettkämpfen gefeiert.

Kanuwettkämpfe Frauen und Männer

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kräftige Damenmannschaft kurz vor dem Einsatz

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16er Damen-Katamaran macht sich bereit

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Zwei 16er-Katamarane im Zweikampf Boot gegen Boot

Speerwerfen – Männer:

IMG_2260 a die Speerwerfergruppen machen sich bereit.jpg
die Speerwerfergruppen machen sich bereit

IMG_2262 a der Speer wird mit spezieller Technik durch die Hand des ausgestreckten Armes gefuehrt
der Speer wird mit spezieller Technik durch die Hand des ausgestreckten Armes geführt

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hat seine Speere geworfen und schaut kritisch den Konkurrenten zu

Steinheben Männer:

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Athlet tritt zum Steinheben an – der „Fels“ muss in möglichst kurzer Zeit auf die Schulter gehoben werden

Kokos-Rinde entfernen – Männer:

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Das Schälen der Aussenhaut verlangt eine spezielle Technik

Kokosnüsse verarbeiten – Frauen-Teams

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Harter und gefaehrlicher Job – Kokosnüsse öffnen (Beil) und Fleisch (Copra) herausschälen

Moorea – Cook-Bay und Opunohu-Bay

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Cookbay der alten Zeit

Nach 10 Tagen am Anker in Tahiti mit Gesellschaftsleben (wir sind ja auf den Gesellschaftsinseln), Besorgungen aller Art – u.a.Gas, das bis Neuseeland reichen muss, sowie Zahnarztbesuche, treffen wir Vorbereitungen zum Ablegen.

IMG_2295 a.jpgDann kurzes Genuss-Segeln bei Halbwind zur 20 Seemeilen entfernten Nachbarsinsel Moorea – Ankern in der vorerst ruhigen Cook-Bay – Besuch von Fuji (Füsi) Japaner, der mit seiner SY Seagull (einer etwas kleineren Contest als unsere) seit 21/2 Jahren Einhand unterwegs ist – dann Besuch von Paddler mit Tochter – haben unsere Schweizer- und Finnlandflagge gesehen – Tochter spricht uns finnisch an – Papa ist Deutscher, die Mamma Finnin und sie leben in der Schweiz – wir werden am Abend zu einem Glas Wein auf deren prächtigen SchonerIMG_2296 a praechtiger alter Schoner mit modernster Technik.jpg
, der mit Crew unterwegs ist, eingeladen. Auf meine Frage, ob er der Skipper des 34 Meter langen Bootes sei, meint er, er sei der, der den Skipper bezahle… – also, der Eigner stellt uns den Skipper und die 5 köpfige Crew vor und zeigt uns die Segelyacht – 1954 gebaut – das originale Boot wurde von Grund auf renoviert und aufs modernste ausgerüstet und lässt keine Wünsche offen.

Wir verbringen einen interessanten und unterhaltsamen Abend.

Am nächsten Tag ist es unruhig in der Bucht – Wind aus allen Richtungen – ebenfalls Strömungen spielen verrückt, so dass die ankernden Boote drehen, sich gegen einander bewegen – Beobachtung – dann: „Seagull“ und „Nicone“ kommen sich nahe – umankern (22 m Tiefe) ? – nicht nötig: verkürzen leicht die Kette – immer noch 70 m. Die „See you later“ kommt in die Bucht

Am Sonntag Gesänge der Kirche, Dingitour rund Bucht, am Abend – Schweiz Morgen – Skype (gute Internetverbindung am Boot) mit zu Hause: Enkelkind sehen später noch köstliche ,Erzählungen lesen, die von eben dieser Bucht handeln (Hollingers Lagune von Vettermann).

IMG_2377 a.jpgAndern Tags unternehmen wir gemeinsam mit Claudia und Edy von der See you later eine Autotour bzw Inselbesichtigung.

Gegen Abend erfolgt auf Kanal 16 eine „Pan-Pan“- Dringlichkeitsmeldung – eine SY hat einen roten Signalfallschirm gesehen – das MRC Papeete leitet die Suche – es wird ein zweites Signal gemeldet – Skipper der Yacht meldet sich nicht – es folgt eine weitere Meldung, um welche Yacht es sich handeln müsse – nach knapp 3 Std wird die Yacht von der Suchmannschaft in eine Marina geschleppt – es bleibt unklar was genau geschehen ist – es gab zur Zeit 25 Knoten Wind und heftige Böen zwischen Moorea und Tahiti – es erfolgte die Meldung, dass Boot und Crew sicher im Hafen seien – dann wurde das Netz wieder frei gegeben.

Anmerkung: Leitung und Einsatz erfolgte durch MRC Papeete in franz. Sprache – da sich aber (nur) englisch sprechende Segler mit wichtigen Infos meldeten, war die Leitung gefordert englisch (offiz. Funksprache) zu sprechen – dies war mangelhaft und führte zu Missverständnissen und Nachfragen – ansonsten aber erfolgte das Ganze recht professionell.

Wir bleiben noch 2 Tage in der Cook-Bay – das Wetter könnte besser sein – zwischendurch fegen Böen und Regenschauer durch die Bucht – also machen wir Arbeiten am Boot – Leena: Haushalt, Wäsche, Kuchen backen, derweil ich mich mit der Deckpumpe, Getriebeöl, etc. befasse – eine ständige Herausforderung ist die Korrosion durch Salzluft und -Wasser (elektr. Verbindungen, Werkzeug etc), die beachtet sein will.

Die Crews der Sail away mit Anne / Werner und der Su An mit Gaby / Lutz – sie ankern in der Nachbarsbucht – wanderten zu Besuch zu uns herüber – hole sie am Ufer mit dem Dingi ab – bei Kaffee und Kuchen gibt’s viel zu berichten.

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Segeln noch für 2 Tage in die Opunohu-Bay – absolut klares Wasser – Gefühl dass man mit dem Boot schon aufbrummen müsste – dabei sind immer noch mehrere Meter unter dem Kiel was durch Echolot und Schnorcheln bestätigt wird.

Huahini

In einer Nachtfahrt – zuerst mit Motor, weil windstill – dann mit leichter Brise, segeln wir zum 38 Seemeilen entfernten Huahini – bis 24:00 sind gemäss Radar, AIS und Lichter, 4 weitere Segelboote parallel im Abstand von jeweils ca 1 sm auf gleichem Kurs unterwegs – mehrmals kreuzen uns auch Fähren.

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aus dem Logbuch – Anfahrt Huahini

Bucht und Wasser hinter dem Riff sind paradiesisch

Pech verfolgt uns – aber nicht nur uns!

Mit der Feststellung von Wasserverlust am Motor, beginnt eine nicht enden wollende Pechsträhnenzeit… dies nimmt uns zeitweise so in Anspruch, dass wir die Naturschönheiten nur mässig geniessen können.

Bespreche die Situation – Süsswasserverlust Umwälzpumpe – mit Heribert von der Wasabi, die neben uns ankert – Teile bringen lassen von Deutschland (falls erhältlich) durch Besuch der bald zu Heribert kommt? und…? oder…? Abklärungen via Sailmails… schwierig… können Motor noch benützen… wie lange…?

Legen ab und fahren auf N-Seite von Huahini, wo es in Fare Internet gibt – weitere Abklärungen – Reparatursatz nicht lieferbar…

IMG_2550 a Fahrt nach Raiatea.jpg Segeln etwas sorgenvoll nach Raiatea – kleine Delfine begleiten uns durch den Pass hinter das Riff – wir wollen es bei der dortigen Wert versuchen – zu unserer Überraschung sind andere bekannte Boot da, um Teile anfertigen zu lassen bzw. Reparaturen vor zu nehmen.

IMG_2553 a im Hintergrund - Berge von Bora Bora.jpg

Zu unserer grossen Zufriedenheit erklärt uns der techn Leiter, dass dies keine allzu grosse Angelegenheit sei – wir sollen in die nahe Marina fahren – das halte der Motor noch aus – sie würden sofort für Ersatzteile aus Papeete oder aus Neuseeland besorgt sein – schliesslich konnte eine neue Pumpe aus Neuseeland eingeflogen werden und innerhalb Wochenfrist war sie inklusive Wärmetauscher der entfernt werden musste, eingebaut – super Job. Anmerkung: die alte Pumpe war komplett defekt (Gehäuse, Achse, Lager, Dichtungen).
IMG_2575 a Apia-Marina auf Raiatea.jpg

Die Wartezeit am Visitor-Dock, wo auch die Schweden Monika und Jon von der Blue Dame angelegt haben vergeht schnell – wir verpassen seglerisch nicht allzu viel, da genau in dieser Zeit raues Wetter herrscht und kaum Segelboote ausfahren (können) – das Charter-Geschäft leidet offenbar. Velo-Fahrten in die Stadt Uturoa für Einkäufe – Ankerkette auf Pier nehmen und neu markieren – neuen Windmesser (hierher bestellt) abholen – Bootpflege sowie gemeinsame Aktionen mit Monika und Jon waren Hauptmerkmale.

IMG_2576 Bordvelos reparieren.jpgAnsonsten ergab die To-do-Liste viele Kleinigkeiten, die es aber manchmal (zeitaufwändig) in sich haben: Wasser bunkern, Haare schneiden (gegenseitig!), Dingi reinigen und Benzin auffüllen, Wäsche, Generator 3x hintereinander zur Reparatur wegen gerissener Starterleine, Suche nach Marinebootsteilen, Bordvelo entrosten, kleine Gasflaschen zum Füllen bringen / holen – daneben…

Nach dieser Zwangspause segeln wir noch nach Uturoa, wo am Pier auch die Elbe und die Su An angelegt haben: – Lebensmittel-Grosseinkauf – Treff mit Canadier Richard, Elektronik-Fachmann wegen Windmessgerät das nicht funktioniert… am Abend sind wir zusammen mit Gaby und Lutz von der Su An bei einem Glas Wein bei Elli und Bernd auf der Elbe – interessant:: Gaby und Lutz haben beruflich 10 Jahre in Asien verbracht.

Tahaa
Alle 3 Boote legen tags darauf mit unterschiedlichen Zielen zur Zwillingsinsel Tahaa ab – wir wollen uns später wieder treffen. Die Fahrt erfolgt gänzlich innerhalb des Riffs.

Nach nur 12 Seemeilen rassigen Segelns innerhalb des Aussenriffs, sehen wir die Sail away an lauschigem Platz mit andern SY vor Anker liegen – also ebenfalls Anker ab – sofort werden wir zu Tee und feinem Bord-Gebäck eingeladen – nach Schnorchel-Check bzw. wegen Korallenköpfen.ist „Umparkieren“ angesagt – dabei quitscht die Ankerwinsch erbärmlich…

Gemeinsam umrunden wir am nächsten Morgen Tahaa um beim „Korallengarten“, wo auch die Su An ist, zu ankern und zu Schnorcheln – die Ankerwinsch quitscht wieder, geht nur noch sehr langsam und der Ankerwinschmotor wird heiss! – neue Sorgen? – ja, wie sich herausstellt.

IMG_2647 a Demontage der defekten Ankerwinsch.jpgWerner und Lutz helfen das Problem einzukreisen – elektr. oder mechanisch? – beides! – Korrosion als Ursache an der Basisplatte – dadurch grosse Reibung und Mitleidenschaft des Ankerwinschmotors – die ganze Winsch ist erst 1 ½ jährig! – unglaublich! Lutz und Werner – Ingeneure und Segler, finden, dass die Konstrukteure ihre Fehler selber mal „ausbaden“ müssten. Sie helfen die Winsch soweit gängig zu machen, dass Freifall des Ankers möglich ist – der Motor muss unbedingt überprüft werden…

IMG_2650 am Pier von Uturoa, Raiatea.jpgStarten sofort zurück nach Uturoa, Hauptort von Raiatea – legen nach 11 sm erneut am Pier fest. Hier ist ebenfalls die See you later und die Elbe ist zurück mit (ohne) abgerissener VHF-Antenne… wir übergeben den Motor an den Elektro-Fachmann Richard, der ihn prüfen will.

Am Montag früh um 06:00 – mässig geschlafen – Ankrwinschproblem! – ob Richard den Motor rep. kann? – oder sind wir wieder zum Warten verurteilt?

Beobachte wie das Leben der Stadt erwacht: Warenlieferungen an Geschäft, alte Frau welche ein Velo voller Taschen schiebt, ein Junge mit grossen Harassen auf der Schulter eilt vorbei, Edi von der See you later macht sich auf zum Lauftraining und um frische Baguettes zu holen, Fähre von Papeete entlädt Touristen und Leute die hier arbeiten, eine Fähr-Crew baut ihren Frühstückstisch auf dem Pier auf und isst gemütlich, kleine Motorboote von den Inseln der Umgebung kommen und gehen, eine Frau mit Tasche sitzt am Wasser „wie bestellt und nicht abgeholt“… in diesem Moment hält ein Auto und nimmt sie mit. Um 06:35, genau Bug voraus erhebt sich die Sonne aus dem Meer zum fast wolkenfreien Himmel – Zeit um unsere Flagge zu hiessen und die Bordfrau mit Kaffee und einer Nackenmassage zu versehen.

 

Kurz nach Mittag bringt Richard den Motor zurück – meldet, dass Windungen etwas gelitten hätten – selbst in Tahiti schlecht zu rep. wäre und er eine vorläufige Lösung bis Neuseeland empfehle: „Anker auf“ funktioniert gut bei richtigem Polanschluss – „Anker ab“ funktioniert nicht – ist aber auch nicht nötig, da „Freifall“ (wieder) möglich sei. – Wir bauen auf diese Lösung – Zeitgewinn – Garantieabklärung mit Italien etc. und hoffen damit bis Neuseeland zu kommen.

Baue Motor ein – schliesse an – ok – Erleichterung! – Feiern dies am Abend mit einer guten Flasche Wein und feinem Bordmenu.

 

Da wir zwar schon länger in Raiatea und Umgebung sind aber davon wegen „Beschäftigungen“ wenig gesehen haben, wollen wir dies etwas nachholen.

IMG_2684 a Andre zeigt uns seinen Garten am Fluss.jpgFahrt zur Faaroa-Bay – Dingitour flussaufwärts.  Treffen auf André, der einen botanischen Garten anpflanzt – erhalten frische Kokosnuss zu trinken – er will uns gratis Bananen, spez. Spinat, Zitronen und Papaya geben – akzeptiert aber

unsere Bezahlung im Sinne einer Win -Win Angelegenheit.

Wieder zurück in Uturoa wollen wir letzte Erledigungen tätigen bevor wir Morgen nach Bora Bora segeln werden – ausklarieren – Leena macht Besorgungen auf dem Markt – ich radle mit „Super-Tony“ (Bordvelo) zur Werft hinaus – kaufe Propeller-Annode inkl. Reserve – von alter Annode ist nach 1/2 Jahr praktisch nichts mehr vorhanden – benötige 2 Std „Unterwasserarbeit“ (Schnorchel) und dann eine Douche und einen heissen Tee-Ruhm, weil auch 27°C warmes Hafenwasser mit der Zeit kalt wirkt.

IMG_2690 a am Pizza-Stand von Elda & Stephane - beste Pizzas in French Polynesien - stimmt.jpg
Holen am Abend bei Stephane & Elda Pizzas – die besten in Polynesien – stimmt! und treffen uns noch mit Linda und Jim von der Chesapique (US), denen wir esrtmals auf den Marquesas begegneten.

Bora Bora

IMG_2700 a Brandung am Bora Bora-Riff.jpg Berühmter Name… sahen es aus der Ferne mit seinen markanten Gebirgszügen schon seit langem – es sollte unser Ausgangspunkt sein, um uns von Franz. Polynesien nach den Cook Islands NZ abzusetzen… dachten wir…

Frühe Morgenfahrt zum Westpass von Tahaa, wo wir nach 17 Tagen im Schutze der umgebenden Riffe auf offene See fahren – fotografiere das faszinierende und beeindruckende Schauspiel der

Brandungswellen neben dem Atoll-Pass von Taha und am Riff von Bora Bora

IMG_2701 a sich ueberwerfende Brandungswelle in hohem empo von rechts nach links.jpg
donnert sich überwerfend in hohem Tempo heran

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Welle bricht am Korallenriff und fällt mit dumpfem Donnern in sich zusammen

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bricht unter Getöse

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gleitet von links nach rechts und baut sich auf

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Elemente

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gläserner Wellenkamm wird gleich brechen

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unbändige Energie

 

Es gibt eine leichte Brise – zum Teil Motor nötig – feines Klingelgeräusch von Motor beunruhigt – erster Check ergibt nichts – Passeinfahrt ist problemlos – Ankern in glasklarem Wasser und auf sandigem Grund – gehe noch zwei mal auf den Mast und reinige die Kontakte – evtl lässt sich das Windmesserproblem endlich lösen…

Ein genauerer Check der neuen Süsswasserpumpe ergibt eine bewegliche Keilriemenscheibe, die leicht das Motorgehäuse streifte… nein es darf nicht wahr sein! – nicht schon wieder – Pech und Sorgen wollen nicht enden! Daran ändert auch die kurze Ablenkung durch den Riesenmanta nichts, der neben dem Boot durchs untiefe klare Wasser gleitet – ein Wunder der Natur.

Es lässt sich nicht sagen ob nur ein Defekt an der Keilriemenscheibe vorliegt oder ob auch wieder an der Pumpe – Nach tel Abklärungen werden wir nach kurzem Aufenthalt morgen wieder nach Raiatea zurücksegeln… wenn möglich ohne den Motor zu gebrauchen.

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Früh morgens segeln wir ab Ankerplatz los – die See you later, die gestern ebenfalls hier eingetroffen ist, begleitet uns zum Pass, dann segeln wir hart am Wind – mit 20 Kn haben wir mindestens guten Wind, wenngleich genau auf die Nase, wieder nach Raiatea zurück – weil wir aufkreuzen müssen, sind es 38 Seemeilen statt nur 25 – den Motor setzen wir für die Passdurchfahrt und Anfahrt an die Marina-Pier nur kurz ein.

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Am Visitor-Dock gibt’s scheuen und neugierigen Besuch.

Es stellte sich heraus, dass die Keilriemenscheibe sich „verkannten“ konnte (Montagefehler? – kann passieren) – zum Glück war die Pumpe selbst ok – da die Keilriemenscheibe ausgeschlagen und keine neue oder andere erhältlich war, wurde das Loch ausgebohrt ein Wellenstück eingepresst und alles neu angepasst – die Angelegenheit war am nächsten Tag ausgestanden – zu Lasten der Firma, die sich alle erdenkliche Mühe gab! Hut ab!

IMG_2737 a.jpgam Abend kommt Fuij von der Seagull (Japan) der hier eingetroffen ist, mit einer Flasche Rotwein vorbei – wir sprechen nicht nur über seine und unsere Reise – er ist seit 2 ½ Jahren Einhand unterwegs… und er liebt unseren Kirsch.

Dann nochmals Fahrt in den Hafen von Uturoa – kennen wir inzwischen gut (;-) – wollen noch Diesel bunkern – muss mit Bidons und Dingi bei der Tankstelle besorgt werden – kurz vor der Tankstelle tritt Rauch aus dem Aussenbordmotor und stirbt ab – auch das noch – hört es denn nie auf??? Muss ich auch noch einen neuen AB-Motor kaufen? — ein halbwegs starker AB-Motor ist auch eine Sicherheitsfrage – also mache ich mich vorerst rudernd mit den gefüllten Bidons auf den langen Rückweg – ganz schön anstrengend – dann habe ich zum ersten Mal Glück an diesem Tag – ein bekannter Yachtie fährt ebenfalls zur Tankstelle und schleppt mich hernach ab – gehe sofort zur hier vorhandenen Yamaha-Vertretung und wen treffe ich da ?

IMG_2740 a Nicolas mit neuer Taetowierung.jpgEs ist Nicolas – hier mit neuer Tätowierung, welche auch in den kleinsten Details einen polynesischen Bezug hat – der unsern Motor reparierte und dem der Laden gehört – er meint das sei wohl nur die Kühlung und wenn er das Ersatzteil noch mit der Fähre von Papeete erhalte, könne er die Reparatur problemlos erledigen – gesagt, getan – nun schnurt der alte AB-Motor wieder – zum zweiten Mal „Schwein gehabt“ heute – und es sollte noch besser kommen – Richard kommt mit einem Occ. Windmessgerät das sofort funktioniert – es sollte später aber bald wieder „aussteigen“…

 

 

Abenteuer und Risiko Langzeit-Segeln

Dass das Abenteuer Langzeit-Segeln wie alles im Leben eine Kehrseite haben kann erfahren viele – eigentlich alle in unterschiedlicher Form – unterwegs. Die Definition Pech hat viele Schattierungen und beinhaltet je nach Vorfall und Empfinden Unerwartetes, Unangenehmes, von „nur“ sehr lästig , wie wir es erlebten, bis Aufgabe wegen Krankheit oder sonst lebensbedrohend – von gröberem Pech sei hier noch die Rede, handelt es sich doch alles um Freunde, die in der selben Zeit wie wir bedeutend unangenehmer betroffen waren.

Neben Mastverlust der einen und Aufgabe eines Katamarans, welcher ein Loch im Rumpf hatte, gab es

Hier der leicht gekürzte Bericht der Schweizeryacht Mabuhay:

„… zu den harten Tatsachen des Lebens. Wir sind zwar auf den Tuamotus, im Atoll Kauehi gut angekommen, allerdings, nach einer schrecklichen Fahrt. Vor uns lagen 520 Seemeilen… am Freitag Mittag, 15.Juli von Nuku Hiva (Taiohae) losgesegelt,…Wellen hoch, sehr ruppig und unbeständig… dicke Brecher ins Cockpit und ein paar Mal sogar in den Niedergang – Tag und Nacht sehr viel Wind – wir wurden salz nass – In der ersten Nacht nicht geschlafen.

In der zweiten Nacht, um 03h ist die Hydraulikpumpe ausgefallen und somit die ganze Steuerung – der Autopilot sowieso – und so trieben wir steuerlos auf dem Pazifik und die Wellen haben die arme MABUHAY erbarmungslos durchgeschüttelt. Das Ganze war ziemlich genau in der Mitte der 520 sm. Von 03:00 h bis 08:00 h hat Paul versucht die Situation in den Griff zu kriegen. Wir haben 2,5 Liter Hydrauliköl eingefüllt und der grösste Teil davon versickerte im Nirgendwo. Paul konnte schliesslich den Autopiloten überbrücken, so dass wir wenigstens von Hand steuern konnten, d.h. Paul konnte! Ich nicht. Wieder Öl einfüllen, Entlüften und endlich, um 08:00 h konnten wir wieder segeln. Paul, der Arme sass dann stundenlang am Steuer. Ich habe ihn wachgehalten mit meiner Anwesenheit. Irgendwann konnte er nicht mehr und wir haben die Segel eingerollt und uns einfach treiben lassen, damit er sich ein wenig erholen konnte. Aber es war schrecklich schaukelig und lärmig! 3 lange Nächte. Kurz und gut, wir sind am Mittwochnachmittag ins Atoll eingefahren und liegen jetzt vor dem Dorf Tearavero…

….es ist wunderschön in dieser Lagune… und wir liegen herrlich ruhig, ohne jedes Geschaukel, ah, herrlich! Es geht es uns wirklich gut, wir haben noch genug zu Essen und zu Trinken…, also macht Euch keine Sorgen!“

Dieselbe Yacht half Freunden, welche im Kauehi-Atoll bei starker Strömung, wegen Motorausfall bzw. Getriebeschaden auf grosser Tief ankern musste und Glück hatte, dass der Anker hielt und sie nicht auf das Riff getrieben wurden…

Am Funk erreichte uns die Nachricht, dass englische Freunde soeben in Palmerstone auf einem Riff strandeten, weil die dortige Muring riss – das Boot musste aufgegeben werden und es werde versucht möglichst viele Dinge noch vom Boot abzubergen…

… und vor 2 Tagen noch eine E-mail-Nachricht von Freunden, die sehnlichst die Weiterreise von Panama nach Galapagos erwarteten und bei denen nach ohnehin viel Pech in den letzten zwei Jahren, jetzt auch noch der Blitz eingeschlagen hatte und sämtliche elektronischen Geräte zerstörte…

… ja alles ist relativ…

Kurz-Betrachtungen zu Franz. Polynesien heute

… basierend auf Gesprächen mit Polynesiern, Berichten zum Zeitgeschehen und persönlichen Erlebnissen während unserer Zeit von Mai bis August 2011.

Zur Zeit der Atomversuche auf dem Mururoa-Atoll bezahlte Frankreich riesige Summen – es muss gesagt sein – um keine Unruhen aufkommen zu lassen.

Diese Zeiten sind vorbei – immer noch fliesst viel Geld, aber…die Wirtschaftslage ist seit 2005 desastreuse…

Im Vergleich mit der ähnlich gelagerten Situation von Neukaledonien, das 2008 ein PIB pro Einwohner von 36’395 US$ ausweist, hat dasjenige von Tahiti lediglich ein solches von 21’244 US$ vorzuweisen… und fällt weiter…

IMG_2750 .jpgDer (kritische) Direktor des „Tahiti Pacifique“ schreibt, dass die Kräfte Regierung, Administration, Verteilung Salaire, etc ineffizient und nicht wie vorgegeben „des forces vives“ seien, sondern genau das Gegenteil… es herrsche ein Denken des kurzfristigen Profits…

Das System Polynesien beruht auf der l’administration de la Françe – u.a. Französisch als Schul- und Amtssprache für alle Inseln… Vernachlässigung des Polynesischen…

Wer kann es den Polynesiern und deren Präsident Temaru bei den stetig steigenden Preisen (Tahiti ist einer der teuersten Orte der Welt) und den Abhängigkeiten verdenken, dass sie sich ein unabhängiges Polynesien wünschen – zurück zu den Wurzeln aber nach neuen, modernen Werten. Es bleibt zu wünschen, dass dies möglich sein kann!

Wir erlauben uns kein Urteil – versuchen lediglich ein Momentan-Bild festzuhalten – es ist wohl ein etwas anders gelagertes, als das eines Wochenbesuchers in einem Ressort auf Tahiti – selber genossen wir eine warmherzige Zeit, die wir nicht missen möchten.

Abschied von Franz. Polynesien

Unerwartet kommt die Forty two in den Hafen von Uturoa – haben mit ihnen vor ¾ Jahren eine schöne gemeinsame Zeit auf Providencia-Island und San-Blas verbracht – laden sie zum Fondue ein – das franz. Fondue ist nicht ganz so fein wie das zu Hause (;-), aber immerhin – es gibt viel zu berichten.

IMG_2784 .am Riff in Tahaa.jpgDen nächsten Tag verbringen wir zusammen in einer Bucht auf Tahaa, wo Carsten und ich noch Schnorcheln gehen – Mercedes und Leena haben einander frauliches zu berichten – am Abend sind wir zu feinem Sushi eingeladen, bevor wir Morgen zu den Cook Islands ablegen – Carsten und Mercedes bleiben ihrerseits die Saison über in Tonga in einem Hurricanhole und kommen im Winter evtl mal zum Rodeln in die Schweiz, wenn sie dann zurück in Deutschland sind.

Am Sonntag 21. Aug. nach einer reich befrachteten Zeit in Franz. Polynesien geht es Anker auf mit Ziel Suwarrow, das zu den nördlichen Cook-Islands NZ gehört.

Bei Interesse siehe nächsten Bericht und unter Aktuell was bei uns los ist – freuen uns wie immer auf das was sich bei euch so tut…