Woche 36 / 01. – 07. September 2008

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sichtbare Geschichte in Gibraltar

Strait of Gibraltar – lässt besondere Seefahrergefühle aufkommen.

Am 04. Sept. 08 um 10.43 lok. Zeit haben wir „Punta Europa“ an Steuerbord quer ab, was unser Seefahrerherz schon etwas höher schlagen lässt. Auf eigenem Kiel an der Pforte zum Atlantik zu sein, ist ja nicht ganz alltäglich.
Bereits einen Tag zuvor konnten wir den Fels von Gibraltar und etwas im Dunst den höheren Felsen „Jebel Mussa“ in Marokko auf der Südseite der Seestrasse von Gibraltar sehen.
Den gestrigen Abend verbrachten wir als einzige Segelyacht im Fischerhafen von Atenura mit Sicht  von Osten her auf den geschichtsträchtigen Rock.
Die „Strait of Gibraltar“ hatte wohl für alle Seefahrer immer eine besondere Bedeutung. Hier ein paar Infos aus hydrologischer Sicht dazu:

  • eine ständige Strömung setzt vom Atlantik ins Mittelmeer – der Hintergrund ist der, dass das „Mare Nostrum“ mehr Wasser verdunstet als alle hinein fliessenden  Flüsse auszugleichen vermögen. Der Atlantik hat ein 2-3 m höheres Niveau. Diese dauernde West- Ostströmung füllt das Mittelmeer mit kälterem und weniger salzhaltigem Wasser fortwährend auf.
  • die Fläche des Mittelmeers entspricht der einer (interessanten) Pfütze im Vergleich zur gesamten Wasserfläche unseres Planeten und beträgt 1 /140igstel derselben.
  • zur ständig ostwärts fliessenden Strömung kommt der ein- und ausfliessende Tidenstrom mit bis zu 3 Knoten hinzu. Dass dieser unter der Küste und in der Mitte unterschiedlich und sogar gegenläufig ist, macht die die Befahrung nicht geradeeinfach.

 

Eine weitere Spezialität ist Wind und Wetter in der „Strasse“ und erzeugt das typische Gibraltarwetter – sonnig – bedeckt – regnerisch – windig in loser Folge.

  • hier treffen zwei Wettersysteme aufeinander – das kühlere Atlantikwasser trifft auf das wärmere Mittelmeer.
  • die meiste Zeit gibt es entweder Ost- oder Westwind. So wie das Wasser wird hier auch der Wind durch den Düseneffekt stark beschleunigt. An der Engstelle Tarifa herrschen denn auch oft 6 – 8 Bf wenn es 10 sm westlich und östlich davon lockere 4 Bf gibt. Kein Wunder ist dieser Fleck zu einem weltbekannten Eldorado der Windsurfer mutiert. Wegen des ständig andauernden starken Windes soll Tarifa aber auch eine sehr hohe Selbstmordrate aufweisen…

Fasst man alles zusammen, so ist dies ein gutes Schulungsgebiet und eine interessante Herausforderung für Segler, ist es doch so, dass der „Fahrplan“ nicht einfach nach Bedarf, sondern neben Wind und Wetter allein durch die Strömung bestimmt wird. Sonst könnte es sein, dass man stundenlang quasi an Ort segelt oder unter Motor gegen die Strömung ankämpfen muss.

Impressionen – Woche 36 /  01. – 07. September 2008:

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