von Sidi Bou-Said – Cap Zebib – Bizerte – zum Cap Serrat
Gestern haben wir das „geschleckte Dorf Sidi Bou-Said“ das so gar nicht tunesi-schen Charakter hat bzw. für die Touristen hergerichtet ist, verlassen. Dabei war der Tag von lauter speziellen Ereignissen geprägt:
– Wir freuen uns am Cap Farina über die Insel bzw. den Fels der steil und imposant aus dem Meer ragt. Als wir bereits in dessen Nähe sind, sehen wir uns innerhalb von 5 Min von dichtem Nebel umgeben mit einer Sichtweite von 50 – 80 m. Mit GPS und Radar passieren wir die Insel im Abstand von umgerechnet 230 m ohne sie zu sehen – etwas unheimlich ist es schon zu wissen, dass sich in kurzer Distanz diese mächtige Felsinsel befindet. Nach _ Std ist der Spuk vorbei und die Sicht wieder klar.
– Im kleinen Fischerhafen am Cap Zebib – er liegt „in der Pampa“ – wollen wir, weil einziges Segelboot und wegen Untiefen wieder umkehren, werden aber von den Fischern längsseits gelotst. Der Empfang hätte freundlicher nicht sein können. Eine Stunde später fahren sie zum Fischfang aus und müssen sich aus dem Päckli lösen. Dabei sagen sie uns, dass wir uns keine Sorgen machen sollen und vertäuen gleichzeitig neu unser Boot. Als sie um 22.00 Uhr zurück kommen, legen sie sich mit ihrem Kahn beim beschränkten Platz, irgendwie quer hinter uns und wollen nicht, dass wir etwas „bewegen“ müssen – wir sind gerührt und bewundern
die Fertigkeit, mit welcher sie das tun – nicht ganz einfach in finsterer Nacht.
– Vor dem Eindunkeln, als wir vom wunderschönen Felsstrand zurück kamen, schaute noch der „Hafenälteste“ vorbei und brachte neben dem bestellten Brot noch Schockolade, Halva (tunesische Honig-Süssigkeit) und Zigaretten (ich darf in diesem Fall nicht sagen, dass ich keine rauche) – er will keine Bezahlung…!
– Wir erhalten von Petra und Per ein Tel, dass sie uns in einem Monat besuchen wollen – Freude herrscht.
Anderntags wollten wir eigentlich weiter, empfanden es aber fast als Verrat diese freundlichen Fischer schon wieder zu verlassen und blieben noch einen Tag und eine Nacht. Wir tun unser bestes uns zu revanchieren, aber es gelingt nicht so recht; ihre Gastfreundschaft ist echt und unübertrefflich. Wir wollten frischen Fisch kaufen. Der „Hafenwart“ kommt persönlich mit, damit wir guten Fisch erhalten. Dazu führt er uns nicht zur Hafenfischhalle sondern zu einem / seinem? Fischerboot, wo die Fischer soeben daran sind, eine grosse Muräne abzuhäuten und uns andere Prachtexemplare zeigen. Wir müssen uns wehren, dass sie uns nicht Fisch für 3 Tage geben. Sie lesen 2 besonders gute für uns aus und sind fast beleidigt, als wir bezahlen wollen… ob sie Whisky annehmen würden – nun damit hatte ich Erfolg, wobei ich sogleich ein gespendetes Bier mit Ihnen trinken musste / durfte.
Fast überflüssig zu sagen, dass dies der beste aller Fische war… und von Leena entsprechend zubereitet.
Dann „müssen“ wir weiter, dies aber erst als mir 3 Fischer noch 3 Knoten beigebracht haben.
Unterwegs nach Bizerte setzen wir wegen der kurzen Strecke von 12 sm keine grosse Segelgarderobe und besichtigen vom Boot aus 2 grosse und ein kleines Wrack – wie ist dies wohl geschehen? Im Yacht-Harbour Bizerte erwartet uns mit Booten aus verschiedenen Ländern wieder mal etwas internationales Ambiente und wie immer an einem neuen Ort in Tunesien natürlich die Garde Nationale und die Zollbehörde – 3 freundliche Herren – direkt am Steg. Später kommt dann noch einer… wir fühlen uns sicher! Ganz sicher!
Wie andere Segler warten wir günstige Winde ab für die Weiterfahrt bis zur algerischen Grenze oder eventuell für die Überfahrt direkt von hier nach Sardinien. Die Langfristprognosen sind eher mässig, weshalb wir die nächsten Tage hier bleiben und viel Anstehendes erledigen. Darunter Internet: Homepage, E-mails, Abklärungen bezüglich Montage eines mechanischen Windpiloten: Kosten, Transport, Lieferort und natürlich laufende Wetter- bzw. Windentwicklung. Am Sonntag scheinen die Bedingungen gut für die Weiterfahrt der Küste entlang nach Westen – was nichts anderes bedeutet, als dass wir die Überfahrt nach Sardinien von Tabarka aus – letzter Hafen vor algerischer Grenze – starten werden. Leider gab’s fast nur Wind auf die Nase – diese Sch…wetterprognosen – nach 8 Std motoren werden wir am Kap Serrat dafür mit einem Traumankerplatz belohnt: gut geschützt, klares warmes (26°C) Wasser, Felsen und Sanddünen – Abendschwumm, feines Znacht und angestossen auf die ersten 2000 sm in diesem Jahr.
Als Zusatz sehen wir noch den ersten Delfin in Tunesien, der sich in der Bucht tummelt und per SMS werden wir noch über den Fussballfinal im Europacupacup Spanien : Deutschland 1:0 informiert.
Imressionen – Woche 26 / 23. – 29. Juni 2008