Woche 25 / 16. – 22. Juni 2008

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Eingang zum Basar von Tunis

Fischerhafen Nr 2 Kelibia und Nr 3 Sidi Daoud – dann Marina Sidi Bou-Said

Gestern Sonntag sind wir nach „Genesung“, Abmeldung und den besten Wünschen des Polizisten bei Sonntagswetter wieder mal unter Vollbesegelung unterwegs zum nächsten Fischerhafen. Wir geniessen die Fahrt und lassen den automatischen Piloten steuern und den lieben Gott einen guten Mann sein. Kelibia ist für Yachten ein beliebter Ort von und nach Italien oder rund Cap Bon (nördlichste Spitze Tunesiens) Im grossen Fischerhafen gibt’s einen Pier für Yachten, der aber überfüllt ist, weshalb man im Päckli liegt. Tag und Nacht herrscht ein ständiges Ein- und Ausfahren der Fischerboote. Ein riesiger Segelkat aus Portugal hat angelegt um Diesel zu bunkern.
Nach zwei Tagen legen wir ab mit der Absicht nach Sidi Bou Said zu segeln. Mit exakt achterlichem Wind geht’s bei starken Böen aber flacher See rassig rund Cap Bon. Dann haben wir Wind auf die Nase und beschliessen den Fischerhafen Sidi Daoud anzulaufen. Die Anfahrt hat Untiefen und ein Fischerboot  macht einen Abstecher zu uns, um uns die gute Anfahrt vorausfahrend zum dicht belegten Hafen zu erleichtern. Ein Polizist wartet schon und weist uns an einen Platz längs an Fischerboot inmitten vieler Fischerboote. Freundliche Hände helfen beim Anlegen. Der Platz ist vorne und hinten äusserst knapp bemessen. Es folgt wie immer die freundliche aber komplizierte Abwicklung des Papierkrams durch die Garde National d.h. 3 Polizisten sind gleichzeitig mit sich und mir beschäftigt (einer stellt Fragen, der andere schreibt auf und fragt nochmals – steht zwar alles in den Papieren – der dritte telefoniert zum vorherigen Hafenplatz). Alles ok, wir sind willkommen!

Wann werden wir weiterfahren können? Für die nächsten 2 – 3 Tage ist Starkwind angesagt. Alle Fischer bleiben im Hafen – ein Blick aufs offene Meer, Infos von den Fischern und Seefunk bestätigen, dass es gut ist im Hafen zu bleiben.
Zeit um den Fischern bei ihrer harten und langen Tagesarbeit über die Schulter zu schauen. Das Boot an welchem wir längs liegen hat ein Team von 6 Mann und ist auf Langustenfang spezialisiert. Das hat zur Folge, dass die 500 m langen Netze, weil den Grund berührend, stark beansprucht werden und Bodenmaterial hängen bleibt. Die Reinigung und teilweise Reparatur erfordert Teamarbeit: 1 Mann auf dem Boden sitzend zieht das Netz vom aufgeschichteten Haufen Meter für Meter zu sich und zertrümmert die darin verwickelten „Steine“ – 1 weiterer zieht und entfaltet es grob – die nächsten 2 entfalten es endgültig und erledigen Feinreinigung, derweil die letzten 2 das Netz sauber neu aufschichten. Alles geht flink und untereinander sowie mit den Nachbarsfischern werden „arabische Herzlichkeiten“ ausgetauscht, die teilweise auch mich betreffen, wie sich bei meiner Nachfrage auf franz. herausstellt – dies ergibt auch interessante Einblicke.

Als die Windprognosen wider Erwarten etwas besser sind – es könnte trotzdem rauh werden – legen wir anderntags ab und durchqueren den Golf von Tunis mit Zielhafen Sidi Bou-Said. Die Fahrt mit gutem Halbwind bei NW 5-6 Bf  ist von der feinen Sorte und dann nach längerer Zeit, erwartet uns der Luxus der Marina. Gehen noch Baden am Strand und erfahren im Kaffee Interessantes von Ehepaar (Tunesier und Griechin) welche weltoffen sind und ausgezeichnet deutsch sprechen: die Rede ist von Geschäften, Politik, Finanzen und Familie; u.a. solle die Schweiz keines Falls der EU beitreten (Gleichmacherei, Euro = Teuro), er begründet dies als Geschäftsmann mit Einblicken über gewisse Folgen. Im weiteren erfahren wir, dass ein gelernter Handwerker ca. 400 Dinar, ein Ingenieur ca. 600 Dinar und ein Arzt ca. 700 Dinar pro Monat verdient.

In den nächsten 2 Tagen machen wir Ausflüge in die nahe Umgebung sowie nach Tunis. Leena benötigt eine neue Brille, ich einen Akku für meine Nikon und sonstige Kleinigkeiten, die offenbar nur in Tunis zu bekommen sind. Hier auch Besuch des Marktes, Basars und der Medina.
Unter allen positiven Erlebnissen fallen zwei negativ ins Gewicht: Im Gedränge spüre ich wie am Rucksack der Reissverschluss geöffnet wird – ich konnte blitzartig reagieren – drehte mich um und 2 Typen (welcher war es? beide?) gehen mit sturem Blick  an mir vorbei – der Rucksack ist offen aber glücklicherweise noch alles da. Unabhängig davon warnt uns ein Ladenbesitzer, bei welchem ich Glühbirnen für die Taschenlampe kaufe (ist halt wichtig auf dem Boot), auf dem Basar spez. auf Diebe zu achten.
Nach Rückkehr zum Boot bringt uns ein Junge die Wäsche und die neu gefüllte Gasflasche die ich Vortags in der Capitanerie abgegeben habe und sagt uns, dass dies 45 Euro oder 82 Dinar koste! Auf meine Frage wer den Preis – dieser ist horrend und wir könnten hier dafür neue Wäsche kaufen –  festgesetzt habe, zeigt er einen Zettel des Chefs der Capitanerie. Ich sage ihm, dass wir keinesfalls soviel bezahlen, er möchte dies ausrichten. Nach einiger Zeit kommt er zurück, stellt an seinem Handy eine Nr ein und es meldet sich der Capitanerie-Chef. Schliesslich fragt dieser wie viel ich denn zahlen wolle. Aus frühren Erfahrungen weiss ich, dass 30 Dinar für Gas und Wäsche noch ein guter Peis ist und sage ihm das. Zu meiner Überraschung ist er einverstanden – wir haben 52 Dinar gespart! Der Junge, der alles mitbekommen hat grinst übers ganze Gesicht! Später stellt sich heraus, dass seine Frau die Wäsche gemacht hat  (es fehlte eine Pyjamahose, dafür gab es eine Mädchenhose seiner Tochter). Na ja…es gibt Araber die lieben das Geld sehr (und Schweizer die sich zu behaupten wissen (;-))!

Impressionen – Woche 25 /  16. – 22. Juni 2008:

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