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schneller Trimaran im Hafen von Salvador
Leben mit der Tide in der Bucht von Salvador
Gemeinsam mit der „Spirit of Africa“, Cat, aus Südafrika wollen wir ein paar Orte in der Baia de todos os Santos besuchen, darunter nochmals Itaparica und den Rio Paraguaçu – weil es so schön war – und wir die Orte auch Roland und Miki zeigen wollen. Des weiteren haben wir vor einer Woche provisorisch mit „Enki“ einen Treff in Itaparica vereinbart – Christoph ist zur Zeit alleine mit einer Hallberg Rassy unter CH-Flagge unterwegs -.
Schon von weitem sehen wir sein Boot zwischen anderen Ankerliegern und gehen nach einer ruhigen Segelfahrt dort ebenfalls vor Anker. Er wird uns morgen weiter zum Rio Paraguaçu begleiten.
Fahren am folgenden Tag mit auslaufender Tide los um später mit einlaufender Tide den Rio Paraguaçu hinauf zu segeln – daraus wurde nichts – wegen Windmangel mussten wir das eiserne Segel (Motor) einsetzen und konnten auf gewissen Passagen die Genua als Motorunterstützung gebrauchen. Wegen des grösseren Tiefganges macht Christoph mit seinem Boot leicht grössere Umwege. Unterwegs nehmen wir mit der Nicone einen Einbaumsegler in Schlepp – er kommt am Wind kaum voran und nimmt unser Angebot gerne an. Dazu entfernt er kurzerhand den Mast mit Gaffelsegel und paddelt dann noch etwas weiter als unsere drei Boote beim vereinbarten Ankerplatz eintreffen. Nehmen noch ein Bad – wegen Tidenströmung ist etwas Vorsicht geboten um nicht abgetrieben zu werden – treffen uns dann zum Ankertrunk auf Christophs Boot, und erfahren einiges über seine fünfjährige Reise, welche ihn zuletzt von Neuseeland kommend durch den Beagle-Kanal – südlich Magelanstrasse – nach Salvador führte.
Der Samstag gilt dem Marktbesuch in Maragojipe, den Leena und ich bereits früher besuchten – dort herrscht im Gegensatz zum brasilianischen gemächlichen Tagesrhythmus ziemlich dynamisches Treiben, was noch durch eine laute Karnevalsgruppe untermauert wird.
Am Abend, zurück auf dem Boot werden wir Zeugen eines spirituellen Rituals, offenbar eines sog. Candoblé, das unter der schwarzen Bevölkerung in dieser Gegend zelebriert wird.. Es ist schon dunkel als wir vom Ankerplatz aus eine Gruppe von sieben Personen in der Mitte des langen Steges von Maragojipe unter einer Laterne sehen. Aufmerksam wurden wir, weil eine Frau laut, beinahe schreiend zum Wasser hin und himmelwärts gestikulierte – die andern standen herum und bewegten sich kaum bzw. nur die Arme und begleiteten die laute Frau mit „Sing-Sang“ – dies dauerte eine knappe Stunde – dann bildete die Gruppe einen Kreis und hielt sich bei den Händen – es folgte leiser Gesang und spezielle Bewegungen von einzelnen – eine Frau hebt rhythmisch die Ferse an, ein Mann wiegt ständig seinen Oberkörper, ein anderer streckt die ganze Zeit die Arme zum Nachthimmel, einer bewegt ständig seine gebeugten Arme vor- und rückwärts, alsdann fährt noch ein Einbaum – ob dies etwas mit dem Ritual zu tun hatte? – unten dem Pier entlang.
Die Szene wirkte etwas gespenstisch aber friedlich – die letzten zehn Minuten stehen alle ruhig im Kreis und nach 11/2 Std machen sie sich auf den Weg.
Ein kurzer weiterer Segelausflug bringt uns, unter Beachtung der vielen Untiefen bzw. Sandbänke, mit raumem Wind zu einer Klosterruine, wo wir unmittelbar davor ankern und per Dingi an Land fahren. Wegen des tiefen Wasserstandes müssen die Dingis weit ans Ufer hinauf getragen werden. Das Kloster (Ruine!?) ist geschlossen. Im Dorf, das armselig wirkt, gibt es viele Jungs zu Pferd (statt Moped?), Familien, oder meist Frauen und Mädchen sitzen im Schatten vor den Häusern auf Treppen oder in Eingängen. Wie überall gibt es laute Musik – sie bedeutet den Brasilianern sehr viel und scheint jederzeit allen zu gefallen.
Wir segeln noch etwas weiter flussaufwärts – ohne Karten – es gibt keine – aber nach Tiefenmesser – kehren bald um und müssen höllisch auf Untiefen und zugleich auf die eben von den Fischern ausgelegten Netze achten – bei zunehmendem Wind kehren wir mit 12 Kräfte zehrenden Wenden zum Ankerplatz zurück den wir bei Sonnenuntergang erreichen – schön war’s jedenfalls.
Tags darauf fahren wir per Bus zu den sehenswerten Städten Sao Felix und Cachoeira. Leider ist an diesem Tag die berühmte Zigarrenfabrik Dannemann (heute mehr Museum) geschlossen. Dafür gehen Christoph und ich mit gemischten Gefühlen zu einem alten und alteingesessenen Coiffeur – der ist aber ein absoluter Meister seiner Gilde und der Schnitt kostete sage und schreibe nur 5 R£$ (Fr 2.60)! Die Begehung der Brücke welche Sao Felix mit Cachoeira verbindet ist mit losen Brettern etc schon fast ein Abenteuer für sich – immerhin gehen unzählige Fussgänger darüber, auch Zug und Autos, aber ab und zu soll es schon mal zu Todesstürzen gekommen sein…Auf der Rückfahrt am Abend sehen wir wie überall in den Dörfern auf einfachsten Plätzen Fussball gespielt wird – nicht vergebens bringt der Nationalsport Brasiliens so viele Stars hervor.
Es folgt ein Tag am Ankerplatz – alle drei Crews besprechen die weitere Planung: „Enki“ bleibt noch ein paar Tage hier, während wir morgen nordwärts fahren wollen und Christoph später wieder an vereinbarter Position bzw Ankerplatz bei der Insel do Frade treffen werden.
Alle benützen den Ankertag um kleinere Arbeiten am Boot zu erledigen. Leena sorgt für „gutes Innenleben“, backt feinen Kuchen, während ich mit Decksreinigung, Spleissen und Motorcheck beschäftigt bin. Bezüglich „nicht unterwegs sein“ verpassen wir heute wegen häufigem Regen nichts.
Mit leicht gemischten Gefühlen starten wir anderntags nach Sao Francisco de Conde ganz im Norden der Bai. Der Ort wird offenbar nur selten von Segelyachten angelaufen, müssen doch Fahrrinnen und der Tidenzeitplan genau beachtet werden um Grundberührungen mit Sandbänken zu verhindern. Die Fahrt ist spannend und braucht unsere volle Konzentration: an der untiefsten Stelle verringerte sich der Abstand unter dem Kiel von 2.0 m ständig und erreichte den Wert von 10 cm – allerdings bei noch steigender Tide – müssen wir Anker werfen und warten? – die „Spirit of Africa“ mit weniger Tiefgang ist bereits weiter und gibt über Funk bekannt, dass es wieder tiefer würde – kurz danach lief sie selbst auf eine Sandbank auf, konnte sich aber ohne weiteres befreien – problemlos erreichen wir dann den Ankerplatz unmittelbar vor der Stadt. Später gehen wir bei Hochwasser mit dem Dingi von Roland (unseres scheint auseinander zu fallen – die Bodenverklebungen lösen sich (;-(!) an Land und lernen eine wichtige Lektion: als wir nach 4 Std – es ist stockdunkel – zurück wollen, befindet sich das Wasser weit draussen – es ist Niedrigwasser – wie konnten wir das nur vergessen – mit selbstverständlicher Hilfsbereitschaft von drei Brasilianern (sie sind gar nicht erstaunt), tragen wir das Dingi durch zum Teil tiefen Morast zum Wasser – spendable Geste und ein herzliches Danke von uns – dann gelangen wir etwas verschmutzt bei unseren Booten an.
Noch ein Tag hier mit Besichtigung der hügeligen sehr schönen Stadt. Von oberhalb des Ortes gibt es einen guten Weitblick und es ist jetzt angesichts der Sandbänke und Untiefen bei Niedrigwasser kaum zu glauben, dass es mit tiefgehenden Booten möglich ist, hierher zu kommen. Auf dem trocken gefallenen Ufer gibt es viele Einbäume der Fischer. Hier wird besonders nach Crevetten gefischt – sind aber im Restaurant nicht zu bekommen – die flotte Wirtin öffnet aber das sonst geschlossene Restaurant am Abend extra für uns und hat feine Crevetten nach Brasilienart für uns bereit – wir sind von der warmen Gastfreundlichkeit und dem Interesse uns gegenüber gerührt. Bei dieser Gelegenheit findet natürlich ein reger Austausch über das Leben hier und dort statt.
Nach wiederum sehr ruhiger Nacht fahren wir bei regnerischem Wetter und Wind auf die Nase, bei auslaufender Tide zur Insel do Frade, wo wir wieder auf Christoph treffen wollen.
Als wir von einem Dorfrundgang und feinem Lunch zurückkehren ist auch Christoph dort vor Anker – aber die Spirit of Africa ist etwas landwärts abgedriftet – ohne Folgen. Umtrunk bei Christoph und späterer Planung bei uns – fahren morgen nach Aratu. Wegen Engnis bzw. Untiefen und starkem Wind verlegen wir die Nicone sicherheitshalber in etwas tieferes Wasser in die Mitte der Bucht.
Die Nacht war dann aber absolut ruhig und die Fahrt nach Aratu erfolgte vorerst bei fast spiegelglatter See und halbwegs dann am Wind bis zur versteckten Einfahrt in die Bucht von Aratu, wo wir alle drei Boote ankern und einen netten und lustigen Abend in der Beiz der Marina haben, die von „Carlos mit dem Papagei auf der Schulter“ geführt wird. Er kann etwas Englisch, die Köchinen aber nicht. Sie wollten die letzte Flasche Wein, die sie hatten, nicht herausgeben, bevor sie nicht Carlos gefragt haben, der noch beim Segeln war… es klappte aber alles bestens – wir bekamen gutes Essen und die besagte einzige Flasche.
Am Sonntag noch ein Kurzausflug – alle auf der „Spirit of Africa“ zur weiter südlich gelegenen
Marina, um Preise und Umgebung auszukundschaften. In der Bucht findet eine kleine Regatta mit Snipe-Jollen statt, was mich an meine Jugend erinnerte, als ich mit Vater zusammen ein eben solches Boot baute – das Design ist noch dasselbe, aber natürlich haben Material und Ausrüstung geändert.
Morgen wollen wir zurück nach Salvador, wo es vieles zu erledigen gibt.
Impressionen – Woche 27 und 28 29.06 – 12.07 2009:
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