Karibik – von Kuba nach Grande Cayman Island

(vom diktatorischen Sozialismus zum Konsumer-Kapitalismus)

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Eigentlich wollten wir die Strecke von Kuba nach Panama, ca. 780 Seemeilen ohne Zwischenstopp absolvieren. Aber weshalb eigentlich nicht einen Zwischenhalt machen und versuchen, ob wir dort unterwegs allenfalls auch Spi und Windgenerator (Halterung und Windflügel) wieder in Stand stellen können.

Segler meinen zwar, dass Grande Cayman Island nicht unbedingt interessant sei, aber niemand wusste es so genau. Da es praktisch auf unserem Kurs nach Panama liegt, wollen wir diese unter britischer Flagge stehende Insel anlaufen.

Also Kuba adee – es hinterlässt bei uns interessante wie auch einige zwiespältige Gefühle. Wir planen die 180 Seemeilen gemächlich anzupacken – vorher Marina bezahlen, noch etwas Diesel tanken, dann kommt der Immigrationsoffizier an Bord und füllt mehrere Papiere aus, schaut sich im Boot um und in die Kästen (haben keine Schwarzfahrer versteckt).

Geben das verbliebene Restgeld bei der Buchtausfahrt einem Fischer und geniessen das Farbspiel der untergehenden Sonne hinter den Wolken über einer relativ ruhigen See. Bald übernimmt der Windpilot den Kurs südwärts.

In der Nacht nimmt der Wind zu – wir drosseln unsere Geschwindigkeit. Segeln nur mit gereffter Genua und ebensolchem Besan, um nicht am übernächsten Morgen zu früh noch in der Finsternis unser neues Ziel anzulaufen. Ein Boot mit „komischem „ Licht ist lange zu sehen und weckt ebenso komische Gefühle… Wir löschen unsere Lichter… nach 4 Std ist das Boot verschwunden. Wahrscheinlich war’s ein harmloser Fischer. Wir haben beide seit unserem Besuch in Havanna Magen- Darm- Probleme und Unwohlsein, welche wechselnd mehr oder minder auftreten und welche es im Zusammenhang mit den Navigationsanforderungen laufend zu berücksichtigen gilt.

Der auch noch trübe Tag und die folgende Nacht gehören zur Kategorie „nicht besonders erwähnenswert“. Kam noch dazu, dass das Boot wegen Kreuzseen gierte und manchmal schien es so, dass man stöhnende Stimmen zu hören glaubte…

Bei Tagesanbruch fahren gleich 4 Kreuzfahrtschiffe nach George Town auf Grande Cayman Island – wir müssen mit einem davon bei der unmittelbaren Anfahrt wegen Kollisionsgefahr aufpassen.

Über Radio werden wir von der Port Security freundlich angewiesen zu einer bestimmten Mooring zu fahren und dort fest zu machen und auf weitere Anweisungen für das Check In zu warten. Unterdessen werden die Cruiserpassagiere mit Transportbooten ans Ufer gebracht, dann werden sie zu tausenden die Stadt überschwemmen, um Abends zurück an Bord zu gehen und die Reise in der Nacht fort zu setzen.

Unsererseits nehmen wir zuerst ein Bad im glasklaren Wasser, dann 2 Std Schlaf nachholen, später mit dem Boot zum Zollpier und Einklarieren. Erfahren von den sehr freundlichen Beamten, dass sich die Marinas, wo wir unbedingt hin wollen bzw. müssen, nicht hier sondern im „quite a bit“ entfernten Nordsound befinden und es dort sicher möglich sei unsere Anliegen zu erfüllen.

Bleiben an Mooring und gehen am nächsten Tag auf Erkundungstour mit dem Dingi in die Stadt – es gibt nicht mal ein „Dingi-Dock“ oder etwas ähnliches wo man anlegen könnte – überhaupt ist die westliche Seaside für Yachties umständlich – man muss hier einklarieren – was besonders bei auflandigen Winden, sowie Untiefen und Wracks (z.T. sichtbar) unangenehm werden kann!

Dass Georg Town ein riesiger Offshore Finanzplatz mit echten und vielen Briefkastenbanken ist, wussten wir bereits, ansonsten ist neben dem Sieben- Meilen- Beach mit weissem Sand und glasklarem türkisfarbigen Wasser und ebenso viel Privat Property, Villen, Hotels, Souvenierläden nichts besonderes zu sehen. Alles ist sehr neu, hat doch Hurrikan Ivan 2004 die Insel praktisch zunichte gemacht…

Nun, hier kommt es uns vor wie im Schlaraffenland – natürlich nach Kuba – wenn das die Kubaner sehen würden – aber alles hat auch seinen Preis! Wir lassen uns von dem Angebot im Supermarkt etwas anstecken, können seit Sint Maarten hier wieder Dinge, wie feinen Käse etc. kaufen, die das Herz bzw.der Magen begehrt.

Vom freundlichen Port Security Chief erfahren wir einiges über wie, was und wo um unsere To do’s zu erledigen – er empfiehlt uns morgen zur Harbor House Marina im Süden des Nord-Sounds (grosse untiefe Lagune) zu segeln, weil es am Samstag evtl etwas schwierig werden könnte, sei doch eine auf NW drehende Front angesagt.

Diese kam jedoch ein Tag früher – am nächsten Morgen um 07.00 gab es immer höhere Wellen – die 5 Segelboote an den Moorings tanzten arg – alle Kreuzfahrtschiff-Operationen wurden eingestellt und die Riesenboote abgewiesen – und natürlich ist wieder mal Freitag, zum Glück nicht der 13. (;-)

Was tun? An relativ sicherer Mooring mit übermässigem Geschaukel bleiben oder wegfahren in den Nord-Sound, mit unsicheren Vorzeichen wie raue See, Wind, Riffdurchfahrt, Untiefen, Anfahrt zur Marina… Momente wo man sich sagt, was tun wir eigentlich hier, es könnte doch zu Hause in der warmen Stube und draussen Schnee, so schön sein…

…wir legen ab und haben ca 20 Seemeilen vor uns – gut unterwegs mit 2fach gereffter Genua – am NW-Kap 35 Kn Wind – entlang Riffs – dann die heikle, betonnte

enge Riffdurchfahrt beim „Fishermansrock“ – etwas aufatmen, aber nicht lange – haben ständig 0,2m, dann 0,1m und 0.0m unter dem Kiel – ein Stück zurück – Radioanruf bei der Marina – wir müsssen entgegen vorheriger Infos bis am Abend warten bis Tide (hier nur 10 – 30 cm) gestiegen ist – ein Motorboot würde herausfahren und uns dann hinein begleiten. Also Ankern – dies 3x weil der Anker trotz viel Kette nicht halten will. In nächster Nähe findet eine Segelregatta mit J-22 -Booten statt – interessant, wir haben Zeit – Nach 4 Std kommt ein Guideboot der Marina, geleitet uns zum Zufahrts-Channel zur Marina – fahren unter Anleitung auf Grund (;-) – retour und noch 1 Std warten – sie haben sich verrechnet – es steigt noch ca 5 cm – später rutschen wir regelrecht in die Marina hinein und werden an den Pier geschoben, wo wir bei fallender Tide aufsetzen werden, aber das mache nichts es sei weicher Untergrund. Sitzen wir in der Falle?

Nehmen um 19.00 – es ist stockdunkel unterdessen – einen Sundowner. Leena: „die Sun ist längst verschwunden und wir down“! Recht hat sie!

Machen uns am Samstag sofort daran um nötige Arbeiten zu org. bzw. zu fragen in welcher Zeit was möglich sei etc. Alle sehr hilfsbereit. Bereits 10 Min später ist Monica die Segelmacherin da – sie wolle sich den Spinnaker ansehen und sei wohl machbar (wir können es fast nicht fassen) – später meldet sie sich und sagt uns Preis und dass sie sofort mit der Reparatur beginnen wolle. Vincent kommt vorbei und meint er komme morgen (Sonntag) mit Spezialist zum Schweissen unserer Halterung für den Windgenerator vorbei – er hatte uns gestern früh noch an Mooring in Georg Town gesehen und ist erstaunt uns nun hier zu sehen; ob die Fahrt bei dem stürmischen Wetter gut gegangen sei?

Am Sonntag geht es Leena gar nicht gut und ich selber bin auch noch „angeschlagen“ seit Magen-Darm-Problemen ab Havanna – starten Antibiotika-Massnahmen.

Wie verrsprochen kommt Vincent mit Cain vorbei, welcher morgen unsere Halterung machen könne, die Fixation der 24 Maststufen könne sofort in Angriff genommen werden. Man merke es ist Sonntag! Um 09.00 bringt Monica den rep. Spinnaker! Ja, weil 2farbig und arg zerrisssen sei es schon etwas ein Puzzle gewesen; sie hatte 8 Std genäht! Wir sind glücklich, ist doch der grosse Spi so etwas wie das Wahrzeichen unserer NICONE.

Um 16.00 sind auch alle Maststufen montiert – während der junge Schwarze Kingsley im Seemansstuhl, die Bohr- und Befestigungsarbeiten vornahm, sicherte ich ihn. Endlich nimmt diese endless story ein gutes Ende, hat es doch früher immer wieder am Willen der Firma, an der Zeit bzw. fehlenden Nieten etc. gefehlt.

In den nächsten Tagen kann ich noch die Montage der geschweissten Halterung und des Windgenerators vornehmen – die Windflügel waren in knapp 3 Tagen da (wurden von den USA eingeflogen). Monica näht noch 120 Cones (kl. Treibanker, welche auf Leine gespleisst werden), die ich in mehrstündiger Arbeit aus feinem Nylon ausschneide und mit Leena 360 Bänder (3 Stk pro Cones) zuschneide und markiere – Leine kaufen und Spleissen folgen später – damit sind wir in Zukunft mit unserem „Jordan-Series Drogue“ auch für sehr schweres Wetter, wie es eben auf Langfahrt auftreten kann vorbereitet.

Wir luden Vincent mehrmals zum Abend-Bier ein – er ist wohl knapp 70jährig und bereitet sich aufs Segeln zur See vor – hatte früher eine eigene Bootsbaufirma und betrieb Tauchcharter und kennt alles und jeden hier – er weiss Interessantes zu Hurrikans, Seefahrt, Kriminalität, Drogenschmuggel etc zu berichten und fragt uns nach dem Befinden und wünscht sich seine alten Tage mit interessanten Leuten zu verbringen.

Nach einer spannenden und effizienten Woche verlassen wir die Marina – bleiben bei der kritischen Sandbank stecken – auch ein Motorboot mit 125 PS vermag nichts zu bewegen – erst ein etwas grösseres mit 3 x 275 PS-Aussenbordmotoren bringt uns, nachdem die Trosse gerissen und eine andere montiert war, in tieferes Wasser!

Segeln zum Governors Harbor, einer Lagune die mit Villen und Golfplätzen sowie Sumpfgebiet umgeben ist, und wo wir gut geschützt vor Anker liegen.

Ausgesprochene Gedanken beim Sonntagsfrühstück:

Wir sind in komfortabler Lage – rel. sicherer Ankerplatz – Boot und wir ok – können Pläne schmieden…

Haben in bald 3 Jahren viele schöne (auch weniger schöne) Orte gesehen und interessante Menschen kennen gelernt – haben aber nie den Drang verspürt, irgendwo sesshaft sein zu wollen – fühlen, dass unsere Wurzeln dort sind wo wir herkommen – wägen Pläne für Weiterreise ab – müssten uns bereits auf die Socken machen, falls wir durch den Panamakanal fahren möchten (Durchfahrt, Zeit, dann …

günstige Winde und Wetter) – hätten noch nichts von San Blas, den Kuna-Indianern und den 300 Inseln Panamas erlebt, die man als Segler um keinen Preis missen dürfe… evtl. noch auf der Atlantikseite bleiben? Noch Landreisen machen? Im nächsten Winter nach Hause gehen, Haus hüten wenn Miriam und Marc auf Reisen gehen? Frühzeitig im 2011 in Pazifik starten?

Andern Tags segeln wir nach Georg Town zurück – klarieren aus und verlegen uns an die Südküste, was alle Segelboote wegen der neuen nahenden Schlechtwetterfront ebenfalls tun und verlassen einen Tag später Grande Cayman Island mit Ziel Providencia Island, einer kleinen Insel, die ausserordentlich schön sein soll.

Impressionen -Karibik – von Kuba nach Grande Cayman Island:

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