Karibik – von den kleinen zu den grossen Antillen – von Sint Maarten nach Kuba

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10.02.2010

Start nach Kuba – zuvor noch Hektik – Kabelsalat der neuen Ankerwinsch „büschelen“, Liegeplatz und Arbeit bezahlen, letzte Einkäufe, Ausklarieren, Brückenzoll (Lagune) bezahlen – dann Ausfahrt aus Lagune – gehen vorerst an Anker; baden, es kommt noch Besuch eines Finnischen Bootes (sind auf dem Weg gegen Wind und Strömung nach Brasilien – so verrückt können fast nur Finnen sein)

Dann sind wir startklar – Boot gebunkert – (fast) alles erledigt was wir wollten – Wetter findet statt… Route südlich Puerto Rico, Dominikanische Rep. nach Kuba passt zur Zeit besser zu den vorherrschenden Windprognosen der nächsten 5 – 7 Tage als nördlich davon.

Mit sanften Winden starten wir in die Abend- und Nachtstunden

Am Tag 2 haben wir auf der Höhe von St Croix „Spinnerwind“ und müssen entgegen „aller Regeln und Prognosen“ mühsam aufkreuzen (ob es mit dem Namen zusammenhängt?…)

Am Tag 3 segeln wir an der Südküste von Puerto Rico entlang und können für einige Stunden den Spinnaker setzen: Etmal bei leichtem ESE-Wind 120 Seemeilen

In der Nacht auf Tag 4 gierte das Boot wegen Fetch aus Süd und Windsee aus E (Ost) relativ stark; in den Morgenstunden dann angenehme Bedingungen bis Abend, dann kein bzw. Schwachwind aus versch. Richtungen; mühsam; Nachhilfe mit Motor. Haben unterdessen die Südküste der Dominikanischen Republik erreicht

Um 0830 des 5. Tages setzen wir bei Schwachwind erneut den Spinnaker und segeln gemächlich in den Tag hinein; dazwischen überschütten wir einander mit einer Salzwasserdouche auf dem Vordeck. Über Satellitentelefon erfahren wir dass Alinghi verloren hat, in Montserat, das wir vor einiger Zeit passiert hatten, ein Vulkanausbruch statt fand mit Aschenregen über Guadeloupe; können Hans der uns mit Wetterinfos bedient durchgeben, dass bei uns alle und alles ok ist; Segeln „wie auf Schienen“ unter Spi in die Nacht hinein.

Bei meiner Wachübernahme um 06.00 gibt’s am Tag 6 einigen Schiffsverkehr am Südkap und Übergang von der Dom. Rep. zu Haiti (Frachter mit Ziel Jamaika; Gross-Segler 134 Fuss nach Dom. Rep. ; Tanker und wir selbst nach Kuba); heute ist Genusssegeln mit frei fliegendem Spi: schnell, ruhig und stabil; Etmal 146 Seemeilen; schreiben, schlafen, Wettergribfiles studieren, Zeitberechnungen und E-mails nach Hause.

Tag 7: weiterhin unter Spi; super; zum Frühstück begrüssen uns 3 Delfine! Stellen fest dass wir seit gestern in neuer Zeitzone sind und diese anpassen müssen (UTC – 5h statt wie bisher -4h / Schweiz somit + 6h); meine Wache dauert 1h länger (;-)

Um 03.00 des 8. Tages beschlossen wir, wegen Windzunahme (nicht den Wetterprognosen entsprechend) den Spinnaker zu bergen, er stand zu diesem Zeitpunkt ununterbrochen während 67 Stunden! – leider klemmte der Bergeschlauch, so dass wir ihn unter Motor im Wind seitlich bergen mussten – alles schien ok bis er etwas unters Boot und in den Propeller geriet – Motor stellte ab.

Es stellten sich Fragen: wie sieht das aus unter dem Boot? Können wir noch steuern bzw. den Spi und oder die Leinen aus dem Propeller befreien? Gemäss Windprognosen war für die nächsten 2 Tage weiterhin mit relativ starken Winden aus Nord zu rechnen. Also nichts mit Tauchen und Nachsehen unter dem Boot bei diesem hohen Seegang. Als feststand, dass Segeln und Steuern funktionierte, entschied ich mich für den Umweg ( plus ca 250 sm) via Südküste von Jamaika, um bei Tag unser Glück mit Tauchen im evtl. windgeschützen Inselbereich (Leeküste) zu versuchen – also segelten wir bei rauen Verhältnissen und bei Kreuzwellen (Fetch aus SE und Windsee aus NE) mit 2/3 des Spi an Deck fest gezurrt und einem Drittel unter dem Boot der Südküste von Jamaika entgegen. Die Fahrt war geprägt von mässigem Speed (klar bei der Tuchbremse) und z.Teil heftigen Schaukelbewegungen, welche wohl für das nächste bedeutungsvolle Ereignis verantwortlich waren:

Um 10.00 – 7 Std nach dem Spi-Spizwischenfall ein Poltern am Besanmast – die neue Halterung des Windgenerators war abgebrochen (schlecht geschweisst, wie sich herausstellte) – der Windgenerator hing an den Kabeln herunter und schlug gegen den Radar – also „durfte“ ich bei schwerem Seegang in den Mast und das Zeug herunter holen… dabei noch Glück gehabt, dass die elektrischen Kabel das Gewicht (6 Kg) des herunterhängenden Windgenerators zu halten vermochten, sonst wäre er auf die Sonnenkollektoren heruntergestürzt…

…ja… so eine Seefahrt die ist lustig… gopfredstutz nomol… weitersegeln…

An Tag 9 nachts um 03.00 Uhr machten wir eine Halse, welche es erlaubte von Osten her die Südküste Jamaikas anzulaufen – zu dieser Zeit hatten wir eine 3 fach gereffte Genua und ein 2 fach gereffter Besan – die Südost-Ecke von Jamaika erwartete uns am Kap mit 35 Knoten Wind und 4 – 5m hohen Wellen – endlich können wir ein paar Stunden später bei immer noch heftigem Wind und Wellen unter Segeln ankern. Erleichterung: konnte mit mehrmaligem Abtauchen den Spi (ein Teil zerfetzt) aus dem Propeller befreien – der Motor war wieder einsatzfähig, wurde aber nicht gebraucht, da wir unsere Reise mit gutem achterlichem Wind an der Südküste von Jamaika fortsetzen konnten.

Alsdann flaute es ab und setzte dafür ab Westküste wieder voll ein, so dass wir gut

voran kamen und nach weiteren 2 Tagen und Nächten sowie nach 1254 Seemeilen

unser Ziel an der Südküste Kubas erreichten.

Dort in Casilda / Trinidad war es nicht möglich in die Marina zu fahren (Untiefen) und auch nicht einzuklarieren wie im Küstenhandbuch beschrieben – der freundliche Beamte teilte uns mit, dass wir nach Cienfuego segeln müssten – also ein Kuba Libre und ein schöner Abend am Anker in der Bucht und andern tags bei 35 – 40 Kn und heftigem Gewitter nach Cienfuego… hier verliess uns Pedro von Lanzarote nach 5 Wochen – seine Frau erwartete ihn dort für gemeinsame Kubaferien.

Soweit alles ok – wollen unsere Pläne aber nochmals überdenken – da es ziemlich schwierig erscheint, hier in Kuba in nützlicher Frist den Spinnaker zu rep. (falls überhaupt möglich), sowie die Halterung des Windgenerators wieder in Stand zu stellen und neue Generatorflügel benötigen wir auch – diese müssen beim Erzfeind USA bestellt und eingeflogen werden, was die politischen Lage natürlich nicht zulässt – in ca 2 Wochen möchten wir weiter…

 

Nun sind wir soweit – haben 2 Wochen Kuba erlebt: Speziell war das Einklarieren – 6 Personen kamen (zum Glück nicht alle miteinander) an Bord: Hafenmeister, Polizei, Zoll, Immigration, Veterinärin und Arzt… und alle haben Zeit… nun wir hatten noch Glück, dass sie nicht, wie bei andern mit dem Drogenhund kamen und das Boot „auseinandernahmen“… alles lief sehr freundlich ab!

Von hier aus in Cienfuego haben wir Trinidad und Havanna mit dem Bus besucht: die Hinterlassenschaft von Fidel Castro gibt z.T. zu denken und ist teilweise bedrückend. Schlangestehen vor Banken und Geschäften gehört zum Alltag – Arme Leute und Bettler ebenfalls – Prachtsbauten aus besseren Tagen, wenig Verkehr, alte Amerikanerautos aus den 50iger Jahren sowie Ladas, Töffs und Velotaxis prägen das Strassenbild. Bilder von Che Guevara und „La Revoluçion“ sind allgegenwärtig. Dank UNESCO-Hilfe wird renoviert und die Touristendevisen werden benötigt seit die Freundeshilfe von der zusammengebrochenen Sowietunion fehlt – also wurde einiges gelockert – z.B. dürfen Handys jetzt benützt werden – mein Satelliten-Tel hingegen wurde versiegelt – Angst über Kontrollverlust wenn es via Satellit geht, dürfte wohl die Ursache gewesen sein – Touristen bezahlen mit spezieller Währung die 24x teurer ist als die nationale Landeswährung – jeder will mit Touris ein Geschäft machen – auch wurden wir immer wieder nach Seife und Kugelschreibern gefragt (Mangelware, bzw. nur in Geschäften für Touristenwährung erhältlich – Kubaner können sich dies nicht leisten – günstig dagegen auch für uns die Markthalle (Gemüse, z.T. Früchte und Fleisch wenn erhältlich) wo wir mit billigem Nationalgeld einkaufen konnten.

Ansonsten war Kuba auch beeindruckend wegen den freundlichen Leuten – waren in Havanna in Casa Particulare (Haus mit 2 erlaubten Zimmer für Gäste) sehr gut untergebracht und assen in anderem Haus zusammen mit 1 Tessiner (auf 3 monatiger Reise) einem Ehepaar aus Weissrussland (er Jagdpilot) und 3 norwegischen Studentinnen – das ergab zusammen mit den Gastgebern, welche uns hervorragend bewirteten, spannende Diskussionen und Erlebnisaustausch, jeweils bei Ruhm und Zigarre!

Gesagt werden muss, dass hier in Kuba für alle irgendwie gesorgt ist und alle offenbar zu essen haben… und das Bildungssystem gehört zu den Besten der Welt – u.a. hervorragende medizinische Ausbildung und Versorgung – Kuba sendet auch ständig eine grosse Anzahl Aerzte in Kriesengebiete.

Als sich bei mir ein Stiftzahn lockerte, ging ich zum nahegelegenen Klinikcenter in der Nähe der Marina und wurde auf der Stelle mit Spezialauto, inkl. Assistentin und Chauffeur in die Stadt zum Zahnarztzentrum (6 Behandlungsplätze nebeneinander) gefahren. Dort Röntgenbild (moderne Apparatur in „Folterkammer“) und der Zahn in 15 Min neu einzementiert – dann zurückgefahren und Bürokratie erledigt – dauerte länger als die Zahnbehandlung – anfänglich wurde ich gefragt, ob ich 25 CUC (Kubanische Währung für Ausländer = ca. 30 CHF) bezahlen könne – am Schluss kostete es dann 60 CUC (wohl weil ich Schweizer bin und natürlich wurde für die Administration der Pass verlangt). Aber innerhalb 1 knappen Std war meine Zahnsituation inkl. Autotransport bestens und für mich billig erledigt!

 

Das Wetter war die ganze Zeit über mässig – es wurde kalt – am Morgen 12°C-14° – tagsüber zwar warm aber fast immer Nordwind (wie Bise) – und dies in der Karibik! – die Einheimischen reden von ausserordentlichen Verhältnissen – kommen dazu die vielen Meldungen über Erdbeben, Vulkanausbrüche, Tsunamiwarnung (wurde wieder rückgängig gemacht) „ringsum“ – die nordamerikanische und karibische Erdplatte sind in Bewegung.

Wir haben die Absicht Morgen Kuba nach einer spannenden Zeit zu verlassen und Kurs Grand Cayman Island (UK) einzuschlagen – wie es dann weiter geht bleibt momentan noch offen…

Hasta la vista Peter und Leena

Impressionen – Karibik – von den kleinen zu den grossen Antillen – von Sint Maarten nach Kuba:

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