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Einfach weil es sehr schön sein soll, wie uns ein in Grande Cayman Island auslaufender Schotte fast beiläufig sagte, nehmen wir am 23.3.210 Kurs auf das 350 Seemeilen im Süden gelegene Providencia Island – zu Kolumbien gehörend.
Bei trübem, regnerischem Wetter, aber dem richtigen Wind mit 18 Kn aus NNE, legen wir an der Südküste von Grande Cayman Island ab und Segeln nur mit Genua südwärts, zudem gut ausgerüstet und voll gebunkert.
Ein kleiner Vogel setzt sich neben mir auf die Reling und fährt eine ganze Weile mit.
Leena näht – weil wir keine besitzen – eine Kolumbianische Gastlandflagge.
Wegen unsicherem Wetter gehen wir die erste Nacht langsam an – später klart es auf und Mond und Sterne füllen den Himmel.
Am nächsten Tag und in der folgenden Nacht hatten wir es mit einer stark nach NNW setzender Gegenströmung von < 2 Kn > zu tun, d.h. ca. 40 Seemeilen weniger Tagesetmal.
Tag drei ist in jeder Beziehung ein Prachtstag: Segeln sozusagen über ein Hochplateau – die Meerestiefe stieg von 3000 m auf plus minus 30 m an – Wind hat auf Ost gedreht – weiter mit Halbwind. Nach dem Frühstück mit Filterkaffee (wegen Kippgefahr des Filters benötigen wir 4 Hände) etwas abfallen, neu trimmen – Logbuch nachführen – ausgefranste Finnenflagge auswechseln – Fischen: nach langer Zeit wieder mal ein Fisch am neuen Spezialköder, den uns Stefan vom Cat Baju aus einem Stück Schlauch anfertigte. Ein relativ kleiner Thuna, dafür kurze Zeit später gleich ein zweiter von gleicher Grösse ging uns an die Angel.
Am Mittag des dritten Tages, nach 353 angenehmen Seemeilen, ankern wir auf Providencia Island. 6 andere SY sind ebenfalls hier in der von Grün und von Bergen umgebenen grossen Bucht. Es gefällt uns auf Anhieb hier, was dann noch verstärkt wird als wir unseren ersten Landgang machen und es mit ausserordentlich freundlichen und hilfsbereiten Menschen zu tun bekommen.
Vorerst war es unsere Absicht nur ein paar Tage zu bleiben und um Ostern weiter zu segeln. Nun es kam wieder mal anders. Es ist bereits die dritte Woche seit wir vor Anker gingen. Inzwischen ist uns die Insel mit der Schwesterinsel Catalina (mit einem Steg verbunden) ans Herz gewachsen. Es ist die freundliche Art der Insulaner, die ursprüngliche Landschaft, die Lebensart, schöne Strände, wenig Tourismus (die Insulaner haben grosse Hotelprojekte etc per Abstimmung abgelehnt), keine Kriminalität, was das Leben hier angenehm macht. Die Seglergemeinschaft ist wie eine Familie.
Die Insel hat 1992 denn auch eine sehr moderne Verfassung erhalten, die in den grossen Zügen folgendes aussagt: „Ein neues Paradigma wird gelegt auf Humanität, auf erhaltende Entwicklung, welche den Zyklus der Natur respektiert und setzt die „Rechte der Natur“ über diejenigen von vernichtender Akkumulation, bzw. Ziele setzt, welche es möglich machen, dass eine produktive Realisation zwischen Mensch und Natur statt finden kann, ohne den Grossteil der Bevölkerung in die Armut zu verbannen“.
Aus unserer (beschränkten) Sicht kann gesagt werden, dass dies hier spürbar und von der Bevölkerung mitverantwortlich gelebt wird. Verständlich, wenn man einen Blick zurück in die Geschichte praktisch aller Karibikinseln macht.
Wer mehr darüber, am Beispiel von Providencia Island (und Nachbarsinsel San Andres), erfahren möchte, dem sei das interessante Buch: „The Hystory of the settling process of the Archipelago of San Andreas, Old Providence and St. Catherine“ empfohlen – Spanisch und Englisch, ISBN: 958-628-129-9.
Logbuch-Auszüge von Providencia in Kürze:
– Elektronische Seekarten und Bojen stimmen nicht überein – Versetzung um 150m! Kann eine französische SY mittels Horn gerade noch vor dem Auffahren auf ein Riff warnen – er bringt uns später dafür harpunierte Fische.
– Arbeit hier und dort bzw.: Check def. Ankerwinsch und Auswechseln zweier angerissener Wanten auf der Genesis – undichtes Fenster demontiert und neu abgedichtet, suche nach Leck für Ansammlung einerseits von Süss- andererseits von Salzwasser unter Pantry – Süsswasser rührte von Boilerüberlauf her – woher Salzwasser kam fanden wir erst Wochen später heraus – es war die leckende Fusspumpe, welche unter dem Wasserlevel liegt! Das Dingi leckt wieder – muss bei jeder Fahrt ein paar Liter schöpfen – Rep. wenig Erfolg versprechend
– Gegenseitige Aushilfe mit Computerknowleage, Programme, Seehandbücher, Karten, Infoaustausch über Orte und Spots wo man gewesen ist oder hingehen will – wir können einiges weitergeben über Kuba und Cayman Island und erhalten spez. Von Renée und Bob einem amerik. Ehepaar, solche über die Küste Panamas und besonders über Colon, der äusserst kriminellen Stadt. Beide leben seit 15 Jahren auf einem 36-Fuss-Boot, 7 Jahre davon an Panamas Küste und wollen diese Saison via Kuba (für Amerikaner etwas delikat) zurück in die USA.
– Infos wo was erhältlich ist werden zunehmend wichtiger, weil beschränkter und betreffen Ausrüstungsgegenstände, Werkstätten, Ersatzteile, Wasser, Diesel, Benzin, Gas (System), Lebensmittel etc – Heute ist ein Versorgungsschiff mit frischem Gemüse und Früchten eingetroffen, also gilt es die Gelegenheit nützen.
– Ein Busausflug bringt uns zur South-West-Bay – Bilderbuch-Strand – es werden auch Zuchtpferde betreut und ein Einheimischer schwimmt mit einem Pferd im tiefen
Wasser. Die Insel hat 17 Km Strasse rundherum und der Bus benötigt 1 Std. Auf der Rückfahrt – es gibt im offenen Bus gute Musik – frage ich den Chauffeur ob er den Namen der Sängerin wisse – er ergreift 2 CD’s, überreicht sie mir und sagt ich solle sie probieren und falls sie mir gefallen, soll ich sie bei Gelegenheit bezahlen! was ich dann auch gerne tue.
– Etwas später – der Buschauffeur strahlt – er macht eine Extrafahrt mit uns – wir gehen mit kleiner Gruppe und einem Guide auf Bergtour mit unerhörtem Ausblick auf die „Paradies-Insel“ und die See – wir hätten diese Tour auch ohne Guide machen können, aber er lieferte uns interessante Infos zum Leben auf der Insel – im Gegensatz zu uns hatte er nichts bei sich (wir Getränke etc.) – er liebte unser Tutti-Frutti, aber als ihm Beate Wasser anbot, lehnte er ab – sie erklärte ihm, dass es gutes Watermakerwasser sei – er hatte noch nie etwas von Süsswassergewinnung aus Seewasser gehört und versicherte, dass er nie in seinem Leben so etwas trinken werde… später erklärte er, dass es mit Arbeit schwierig sei, aber er wolle nicht fort von hier – er sei mal in Bogota gewesen, hätte dort Kriminalität gesehen – nein, er werde sicher auf seiner Insel bleiben und hier sterben. Nach dem „Abstieg“ lud uns abschliessend in sein einfaches und unmöbliertes Haus ein (1 Stuhl, 1 def. Motorrad und 1 TV.Apparat im Wohnzimmer), wo wir auf dem Boden sassen und er uns noch ein Video über einheimische Musik zeigte.
– Zu einem typischen einheimischen Essen im „Bamboo-Restaurant“ kommen 35 Yachties – inzwischen sind 18 SY vor Anker – es gibt: Fisch, Muscheln, gekochte Bananen und „eine Art Knödel“ – dazu spielt eine Band auf, wobei als Ratsche das Skelett eines Pferdekiefers dient.
Impressionen – Von Cayman Island nach Providencia Island: