Vom Mittelmeer in den Atlantik – Atlantikfeeling und Sturm!
Etwas entgegen unserer Absichten – mit unseren Gästen haben wir einen (zu) engen Fahrplan abgesteckt – es könnte ja in nächster Zeit etwas streng werden – starten wir mit Wind auf die Nase bis Tarifa. Dann queren und segeln wir mit herrlichem Halbwind berechnend zwischen den Frachtern hindurch die Seestrasse von Gibraltar. Unsere Planung mit Zeit, Wind, Wetter, Gezeiten und Strömungen ging auf und wir erreichen Tanger mit 20 Minuten Rückstand – gewinnen aber 2 Stunden, da Marokko UTC-Zeit hat. Freundlicher Empfang und effiziente Papierabfertigung.
In der folgenden Nacht touchierte uns ein einfahrendes Fischerboot – dank unsern Fendern kein Problem – ausserdem gab’s starken Regen und Windböen aus SW. Weil wir genau in diese Richtung weiter wollen, warten wir bessere Zeiten ab und bleiben noch einen Tag hier: Stadtbummel, Dingireparatur, im Hafengelände werden 4 „Ganoven!?“ von Polizei und Sicherheitsleuten verfolgt.
Mit auslaufender Strömung verlassen wir bei trübem Wetter dafür freundlichem Harbormaster und Polizei – welcome again – Tanger.
Entlang der Küste von Marokko beginnt eine neue Ära mit Atlantikfeeling und die Nacht steht bevor: es gilt sehr vielen Fischerbooten – z.T. mit und teilweise ohne Licht – auszuweichen! Mit leichten Winden aus W bis NW geht es in den nächsten Tag hinein. Unter Spi segeln wir locker in die nächstfolgende Nacht… aber nicht sehr lange. Nach Genuss der Abendstimmung und beginnender Nacht, werden wir von weit her von einem Fischerboot angeleuchtet und müssen feststellen, dass wir in ein Fischernetz gefahren sind, das sich am Kiel verhedderte. Sofort Spi herunter. Das herangefahrene Fischerboot mit 6 Mann – alle sprechen nur arabisch – kurvt herum – ein Versuch uns weg zu ziehen scheitert – schliesslich geben uns die Fischer zu verstehen, das Netz abzuschneiden, was wir tun. Wir sind nach banger Zeit wieder frei… uff! Es gibt eine freundliche Verabschiedung sogar mit herzlichem Adieu Amigos…
An der marokkanischen Küste hat es nicht viele Häfen, welche sicher angelaufen werden können (viele Sandbänke). Weil wir im 75 sm weiter entfernten El Jadida erst in der folgenden Nacht eintreffen würden (fahre nicht nachts in unbekannten Hafen mit Tide und unbekannten z.T. unbeleuchteten Objekten), laufen wir Mohammedia an. Das nicht weit entfernte Casablanca ist nicht empfehlenswert.
Die „Empfänge“ in Mohammedia sind folgende:
1. sehr freundlicher Marinero – 2. ebenso freundlicher Polizist (zivil) nimmt Einklarierung mit exakter Bootsinspektion vor – 3. lustiger Polizist – 4. hilfsbereiter Clubchef – 5. ernsthafter Polizist – 6. netter Hafenpolizist – 7. nochmals Nr 2: bringt Pässe zurück – 8. nochmals Nr 5: bringt Zolldokument für nächsten Hafen – alles gratis… Gerne hätte ich in diesen 2 Stunden etwas Schlaf nachgeholt! Danach Tanken mit Bidons – dabei fällt Klaus’ Uhr ins Wasser – Internet, weitere Planung.
Nach Abwägen aller Kriterien – besonders Gegenwind – bleiben wir noch einen Tag und wollen in der darauf folgenden Nacht direkt nach Lanzarote ablegen.
Am Morgen vorerst Frühturnen mit Mastbesteigung: die defekte Glühbirne (neu LED) des Tricolore-Lichts muss ersetzt werden; dann „Gassi gehen“ der andern Crewmitglieder, um Gasflaschen auszuwechseln und Einkäufe zu tätigen. Anschliessend Versuch etwas nach oder vor zu schlafen. Einem Taucher vor Ort erklären wir wo genau die Uhr von Klaus ins Wasser gefallen ist – er taucht und bringt sie auf Anhieb wieder an die Oberfläche – Kosten: 12 Euro (die Uhr hat einen Wert von 30 Euro).
In der Nacht wieder Abmelde-Derby – alles kein Problem (für die freundlichen Behörden!) – ich muss mit den Pässen selber antraben, sie wollen den Kapitän sehen und nicht Klaus – aber ich soll doch um 23.30 Uhr nochmals kommen – wir wollen um 01.00 Uhr ablegen – dann meint einer, ja er komme vorbei und werde die Pässe dann bringen – er kam dann auch, wollte aber alle (schlafenden) Crew-mitglieder sehen, winkte aber dann gnädig ab.
Somit legten wir am Sonntag 01.05 Uhr ab mit Kurs nach dem 75 sm entfernten El Jadida, das wir bei Tag anlaufen oder allenfalls bei guten Verhältnissen links liegen lassen wollten, um direkt das 440 sm entfernte Lanzarote anzusteuern. Vorerst galt es wieder in dunkler Nacht den Fischerbooten auszuweichen (wobei die kleinen Holzboote mit Radar natürlich nicht erfasst werden können).
Es folgten etwas Frust und Sturm: Am Vormittag mussten wir hart aufkreuzen und der Wind nahm entgegen aller Prognosen von 4-5 Bf auf 7 Bf zu und Reffen war angesagt. Es war klar, dass wir wegen des zeitraubenden Aufkreuzens El Jadida nicht mehr bei Tag erreichen würden. Am Abend weitere Zunahme auf 7 – 8 Bf und um 22.00 Uhr kam neben grossen Brechern auch noch ein Gewitter dazu. Bei 8-9 Bf und grober See legten wir bei, was uns aber in kurzer Zeit 3 sm abtrieb und wir entschieden El Jadida nach Möglichkeit bei Tagesanbruch anzulaufen. Also weiter mit einem kleinst gerefften Fetzen Genua, Besan und Motor… die wachhabende Crew war gefordert … die andern 2 versuchten etwas zu dösen – an Schlaf war bei diesen rauen Verhältnissen und Herumgeworfen werden auch in den Kojen mit Leesegeln nicht zu denken … nur Christa schaffte teilweise den Tiefschlaf. Um 00.20 Uhr erneutes Gewitter bei anhaltenden 8-9 Bf. Um 0330 Uhr Zunahme auf 9-10 Bf und drittes Gewitter – alle Segel geborgen – Besan dabei wegen gebrochenem Schäkel zerrissen – zweites Mal Beiliegen abgebrochen – Kurs unter Motor gegen Wind und Wellen Richtung Leuchtfeuer von El Jadida, das nahe und doch so fern aufblitzte und wegen des Sturmes nur teilweise zu sehen war. Mit langsamen 1.3 – 2.4 Kn Geschwindigkeit bei abnehmendem SSW-Wind – noch 7-8 Bf – erreichen wir am Montag um 08.00 Uhr endlich El Jadida, können aber wegen Niedrigwasser nicht in den Hafen einfahren und ankern deshalb vorerst ausserhalb desselben. Die Crew ist „leicht angeschlagen“ von den Erreignissen der letzten 33 Stunden und legte sich sofort schlafen – verdient hat sie’s!
Anmerkung: Der Sturm trat entgegen aller Wetterprognosen auf – wir konsultierten verschiedene Wetterdienste – es gab weit und breit keine Anzeichen für die ausserordentlichen Verhältnisse!!!
- Impressionen – Woche 39 / 22. – 28. September 2008: