Noch im letzten Jahr
Der letzte Bericht endete am 14. Dezember in New Castle wo wir für 3 Tage in der Marina bzw. beim Yacht-Club anlegten:
Vernehmen daselbst, dass SY Dreamtime CH vor ein paar Tagen hier ablegte – unsere Bekannten seit Neuseeland sind wie wir ebenfalls südwärts unterwegs.

New Castle ist zweitgrösste „alte“ Stadt in Queensland mit bodenständigem Charme und „easygoing – no worries – attidude“ (lonely planet).

Einerseits grosser Industriehafen – wir ankerten bei Ankunft eine Nacht in gottverlassener Gegend dort. – andererseits alte Gebäude – wie man weiss heisst „alt“ auf australisch wohl älter als ca 100 Jahre – und modernste Stahl-Glas-Bauten entlang des stadtseitigen Flussufers.
Wir benützen die Tage in der Marina für Wäsche, Einkäufe, Besichtigungen – haben auch etwas zu feiern dort (;-) – freuen uns an den abendlichen Christmas-Parties: alle fein gekleidet, die Frauen meist in Minis und Stöckelschuhen, bzw. leichten Röcken, die zu Hause eher als Nachthemden durchgehen mögen… andere Länder andere Sitten und Gebräuche.
Es zieht uns weiter zu neuen Ankerplätzen in der 50 Seemeilen entfernten Brocken Bay – unterwegs gab es Wind von SW über S bis NE sowie viele Frachtschiffe die an der Küste vor Anker lagen oder welche wir in Fahrt passierten.

Erkunden Pittwater, eine grosse lange Bucht mit hunderten von Segel-Yachten an Bojen – haben nie so viele Boote an einem „Haufen“ gesehen – es soll sich zur Hauptsache um Eigner von Sydney handeln – als wir nach Erkundigung das Ok hatten, um an einer freien Boje fest zu machen, raste nach 1 Std ein Motorboot herbei – der Mann schrie „this is my boje“ – na ja tausende von Bojen – viele unbesetzte – alle privat – ankern verboten… also am Rande einer Regatta zurück zum alten Ankerplatz am Palm Beach, wo eine andere ausländische SY ebenfalls zurück kam mit gleicher Erfahrung wie wir.

Am Abend kommen unsere Bekannten mit der SY Ruthea US in die Bucht – sie haben uns via e-mail gesucht und gefunden – seit Fraser Island begegneten wir sonst keiner bekannten SY mehr mit Ausnahme SY Freebird die wir in Stephens Bay gekreuzt haben.
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Wir segelten dann beide Boote weiter in die Bucht hinein zum Cowan-Creek zum (gem. Cruising Guide) „schönsten Ankerplatz der Welt“ – nicht übel, bietet guten Schutz, gilt aber offenbar nur wenn man noch nicht allzu viele Ankerplätze gesehen hat – es gibt 80 Bojen, auch Quallen – unterwegs an einem Kapp näherte sich bei starken Böen eine kleine SY unter Volltuch (für die kurze Strecke setzten wir nur die Genua) – bei starker Böe musst sie anluven, anluven… und zerriss dabei das Segel… aus der Traum uns mit einem kleinen Boot zu überholen was wir dem Singlehander gerne gegönnt hätten.
Geniessen einen sehr schönen Abend auf der SY Ruthea mit Dinner und guten Gesprächen – sie haben ebenfalls eine Contest Ketch 1984, 45 Fuss und ebenso auf dem Weg nach Sydney.
Am Tag darauf kommt Andy ein Australier (Ex Pole) zum Boot „just to say hello“ und woher und wohin – er selbst ist seit 15 Jahren von einer Weltumsegelung mit einem 30-Fuss-Boot zurück und hat inzwischen selber einen Alu-Katamaran „Two to Tango“ gebaut – er segelt mit Frau und Sohn südwärts nach Melburne.
Er sagt dass er uns beneide so unterwegs zu sein und es ist ihm anzumerken dass es seine schönste Zeit war, wenn er an seine Erlebnisse zurückdenkt – er, seine Frau Irina und Sohn Simon sollten gute Freunde werden.
Hochsommer und Weihnachten in Sydney
Am Samstag 22. Dez. legen wir nach 25 sm Motorsegeln in Sydney, vorerst hinter dem Nordkopf der Buchteinfahrt am Store Beach an – noch haben wir kein spezielles Hochgefühl dieses wichtige Zwischenziel, auf das wir uns so freuten, erreicht zu haben – es war ein trüber Tag und da offenbar jetzt Schul- und Weihnachtsferien sind gibt es Ramba-Zamba auf den vielen (Motor-) Booten am Ankerplatz.
Aber von wegen Hochgefühlen – es warten ja noch einige Leckerbissen die da u.a. sind: Start der berühmten Sydney-Hobart Regatta – ganz Sydney wird auf den Beinen oder auf dem Wasser sein – dann die Fahrt mit der NICONE an der Opera und unter der Harbour Bridge vorbei und das grosse Feuerwerk zum neuen Jahr.


Es ist schon ein ungewohntes Gefühl: 27° C und Weihnachtszeit – die Senioren trainieren intensiv im Drachenboot – Kinder spielen mit Wasser – andere schlendern zum Strand – einige Autos sind vorweihnachtlich ausgerüstet mit Hörnern des Elches „Rudolf“ der den Weihnachtsmann begleitet (den Schlitten über den Sand am Strand zieht?)
Sonntag 23.12. sehr schöner Tag:

Mit Dingi zur Davis-Marina – unsere Bekannten von der Flussfahrt auf dem Clarence River sind nicht da, treffen sie aber dann unterwegs auf dem Wasser, als sie uns mit ihrem Segelboot das mit Weihnachtsmännern besetzt ist, kreuzten. Bei der nicht weit entfernten Ferry Station von Manly gehen wir an Land, geniessen das sommerliche Ambiente, besorgen Einkäufe, u.a. dunkles feines Brot von deutscher Bäckerei, Strandbesuch, später bei Kuchen und Kaffee auf der „Two to Tango“, wo wir auch John von der „Amber“ mit Familie kennen lernen – John wird mich später von Eden über die Bass-Strait nach Hobart Tasmanien begleiten, wenn Leena nach Hause fliegt…
Montag 24.12.

Von Manly nach Middle Harbour „gehüpft“ – an Gäste-Mooring fest – Kaffee und Kuchen bei uns mit „Two to Tango“ – dann Privat-Heiligabend
Weihnachten 25.12. ganzer Tag sehr trüb und starker Regen, 20°C
Skype mit Finnland und Schweiz – mit Dingi an Land – unsere Freunde nehmen uns mit zu einem lockeren Gottesdienst mit anschliessend offeriertem Essen

fühlten uns vorerst etwas fehl am Platz – irgendwie war es ein Anlass wie Sankt Nikolaus, Weihnachten, Neujahr und Fastnacht gleichzeitig – schliesslich aber war es eine fröhliche angenehme Angelegenheit!
Am Nachmittag war Treff dreier Crews zum Weihnachts-Lunch auf der SY „Amber“ – mit Dingi bei Sturzbachregen hin gefahren – alle bringen etwas mit – John mit Frau Jutta, Tochter und Sohn sind seit 14 Monaten Boaties auf ihrer Spitzgatt-Yacht von 1978 – sympatische Begegnung unter Cruisern.
Mittwoch 26.12. (Boxing Day)


Verlegen das Boot an den gut geschützten Store Beach – wandern von dort aus auf die Küstenfelsen, um mit hunderten von Leuten den Start und die Buchtausfahrt der grandiosen Sydney-Hobart-Regatta zu verfolgen.
Donnerstag 27.12.

Starten früh zu einer Fahrt mit dem speziellen Moment als wir vor unvergesslicher Kulisse die Sydney-Opera und die Harbour Bridge passieren – haben vor 12 Jahren, als wir für einen Tag in Sydney waren, davon geträumt, welch ein feines Gefühl es sein müsste auf eigenem Kiel … und nun geht ein weiterer Traum in Erfüllung.
Die nächsten Tage sind busy days:

Besuch des bekannten und grossen Fischmarktes unweit unseres Ankerplatzes in der Blackwattle Bay, einem gut geschützten Ort, wo ein paar internationale Segel-Cruiser liegen.


Auf dem Weg in die Stadt, vorbei an vielen zum Teil seltsam anmutenden Verbotstafeln, gelangt man zum Darling Harbour mit dem National- Maritim Museum, Parks, Strassen-Artisten, Einkaufspalästen, Hochbahn, Restaurants… – eine gewaltige und zugleich faszinierende Kulisse, dies besonders wenn man bedenkt dass erst knappe 250 Jahre vergangen sind, seit „Terra nullius“ von Weissen besiedelt wurde und bis anhin Aboriginal-Land war.


Jetzt zur Hochsommerzeit mit Weihnachten und Neujahr ist die Stadt zum Bersten voll mit Touristen; auffallend viele aus Asien. In den Strassen, Läden und Kaffees der nahen Innenstadt herrscht zum Teil ein grosses Gedränge – nur ein paar Strassen weiter gelangt man in grosszügig angelegte Parks – wir unternehmen lange Spaziergänge durch die Stadt und zu interessanten Plätzen – besorgen Bücher für die Weiterfahrt nach Tasmanien.

Erhalten Besuch von Paolo aus Florenz – er ist der Schwager eines Segler-Freundes aus unserer Brasilien-Zeit – wir segeln mit ihm „durch die Stadt“ bzw. die Bucht, als viel und böiger Wind aufkommt und einige Boote in arge Bedrängnis gelangen – bei uns alles i.O. – d.h. erst nach dem Ankern als ich Paolo mit dem Dingi an Land bringen will, streikt der bis anhin zuverlässige Aussenbordmotor – das Anlanden und die Rückfahrt sind etwas ungemütlich nass und anstrengend.
Es folgt der Jahreswechsel
mit einem Riesenspektakel, besonders wegen des berühmten Feuerwerkes über Sydney – Wiedersehen mit Oliver und Daniel (SY Ex-Yellow-Dog, CH), welche für die Neujahrsnacht zu Besuch kommen.

Am Ankerplatz herrscht bereits früh ein Kampf um gute Plätze – es kommt dabei teilweise zu chaotischen Szenen – alles scheint auf dem Wasser zu sein – erfahrene wie auch völlig unerfahrene Boaties, dazu Schwell und wechselnde Windrichtung bei 15-20 Kn plus Ramba Zamba auf einigen Ausflugbooten – wir selber müssen wegen einer alten teuren Prestige– Ketch (steht zum Verkauf für 4 Mil Au$ wie aus Yachtzeitung ersichtlich) umankern – der Eigner ein arroganter Typ qualifizierte und blamierte sich beim Manövrieren unglaublich vor aller Augen – gebe zu, dass auch wir etwas Schadenfreude empfanden.


Dann folgte um Mitternacht das grossartige an sechs verschiedenen Orten über Sydney synchron abgehaltene Feuerwerkspektakel mit separaten Einlagen über der Harbour Bridge.
Alles in allem ein unvergesslicher Jahreswechsel!

Am bekannten Bondi Beach, etwas südlich von Sydney gibt es Hai-Alarm – es gibt pro Jahr gemäss Aussagen ca 3–5 Hai-Attacken in Australien, davon 1-2 tödlich verlaufende – beängstigend, aber verglichen mit der Anzahl Verkehrsunfällen, die einfach hingenommen werden, ist es eine paranoide Angelegenheit.


Wechseln noch zwei Mal den Ankerplatz bevor wir Sydney verlassen – haben unterdessen die Harbour Bridge und Opera bereits mehrmals passiert – immer wieder speziell, auch in Bezug auf Wellen und intensiven Bootsverkehr.
Weiter südwärts nach Tasmanien

Am 2.Januar lichten wir den Anker in der Quarantine Bay – Fahrt zur 25 nm entfernten Botany Bay – bei der Einfahrt herrscht steuerbordseitig starke Brandung – ein Helikopter befindet sich gefährlich nahe auf den mit Personen besetzten Riff-Felsen – es ist nicht auszumachen was dort abläuft.

Industriegebiet säumt die grosse untiefe Bucht – fast im Minutentakt überfliegen uns Flugzeuge von und nach Sydney- wir ankern zuhinterst in der Bucht – dann letzte Dingifahrt mit altem Motor – ein Händler bringt uns den neuen Aussenbord-Motor zum Landesteg – guter Service – zurück zur Nicone – legen sofort ab – Fahrt zur Frenchmans Bay, einer kleinen Bucht nahe Ausfahrt der Botany Bay, wo wir uns über Funk mit „Two to Tango“ verabredeten.

Legen früh am nächsten Tag ab zur 80 nm entfernten Jervis Bay – während die „Two to Tango“ unter der Küste segelt, ziehen wir 12-15 nm draussen parallel südwärts um die Strömung auszunützen – Plan geht auf – gleichzeitig mit unsern Freunden (Katamaran) treffen wir unter Volltuch bei 23Kn raumem Wind bei der Einfahrt zur Jervis Bay ein – dann um die Ecke der hohen Felsen… wir erwarteten ruhige Verhältnisse… statt dessen aber ein „Hammer“ mit Windböen, vorerst 30 -34 Kn, kurz darauf 34 – 38 Kn – reffen, reffen – wackere Bordfrau – „Two to Tango“ hat Mühe (schwache Motor-Power) gegen die Wellen die kleine Target-Bucht in der Jervis Bucht zu erreichen. Später als wir sicher vor Anker liegen meint Andy von der „Two to Tango“, wir hätten einen schönen blauen Kiel – gemeint war wegen der Schräglage vor dem Reffen gut sichtbar (;-)
Wir analysieren die Wetterprognosen und stellen wieder mal fest, dass die offiz. Meteo-Angaben, notabene der Regierung, weit daneben sind und dies trotz der ständig erwähnten Mitteilung, dass die Windstärke u.U. bis zu 40% und der Schwell bis 100% Höhe überstiegen werden können! – Fazit: glaube keiner Prognose – bzw. noch mehr Vorsicht, Alternativen bereit halten je südlicher wir gelangen.
In der folgenden unruhigen Nacht am Anker, werde ich von der Marine Resque auf Grund eines Gespräches zwischen Two to Tango und uns (haben Namen über Funk gehört) angefragt, ob wir eine Notrakete gesehen hätten… nein… es sei bei ihnen eine unklare Meldung eines Bootes in Not eingegangen…

Verlegen das Boot wegen auflandigem Wind 4.5 sm auf die andere Buchtseite an sehr schönen Strand, wo sich am Abend viele Delfine zeigen.
Es folgte genussreiches Weitersegeln zur Batemans Bay, von der bereits Captain Cook sagte, dass sie wegen der trichterförmigen Öffnung nach Ost und Südost keinen guten Schutz biete. Selber wollten wir eigentlich mit einer Nachtfahrt durchstarten, verbleiben aber mit Two to Tango (Irina und Sohn Simon haben etwas Gesundheitsprobleme) in der Bucht.
Am nächsten Tag erfolgt eine Sturmwarnung – der Wind nimmt stark zu – die neben uns liegende SY, die sich auf dem Rückweg des Sydney-Hobart-Race befindet, beginnt zu driften und wechselt den Standort – wir verlegen nachmittags wegen Winddrehung ebenfalls – es ist mit 41° C „der heisse Tag“ an der Ostküste von Australien mit Bränden und Dramen vieler Orts – ausser nie so gefühltem heissem Starkwind und riesigem Durst, sowie versandetem Boot und Zerren an der Ankerkette, haben wir keine Auswirkungen – vor Einbruch der Dunkelheit wechseln wir nochmals an einen andern Platz wegen einer laufend angesagten und diesmal fast Minutengenau eintreffenden Front aus SE.

Bleiben weiteren Tag in der Bucht – 25°C Temperatursturz von gestern 41°C auf heute 16°C!
Wassern Dingi – Kurzausflug zur Snapper Island, welche uns Leeschutz gibt – Einladung bei der Crew von MV „Lindenne“ Au, zum Sundowner – sind ebenfalls nach Tasmanien / Hobart unterwegs – zeigen uns das Boot: ein ehemaliger Fischkutter, Ketch geriggt, Raum statt Kiel mit schwerem grossem Motor – erfahren viel über Land und Leute sowie über schönste Ankerplätze in Tasmanien.
Am 10.1. starten wir nach Eden – letzter Hafen an der SE-Ecke des Festlandes und Ausgangspunkt für Querung der Bass Strait nach Tasmanien. Mit leichten Winden kommen wir weniger voran als geplant – die Ankermöglichkeit im einzig eventuell möglichen Zwischenstopp in Bermagui ist unrealistisch (eng, Strömung, Windrichtung) – deshalb erreichen wir den Ankerplatz in Eden erst in der darauf folgenden Nacht um 03.10 Uhr früh, somit eine Nacht-Anfahrt in einen fremden Hafen wie wir es nicht lieben – „Two to Tango“ kennt die Situation vor Ort und gibt über Funk Ratschläge, die da lauten wenn von NE kommend: Leuchtturm – gelbe – rote – dann weisse Licht-Zone passieren– sodann weisses Flashlight von Jetty sichtbar – nach Passieren desselben hart Steuerbord, dann sind die Boote am Ankerplatz „zu sehen“ – alles klar und gut angekommen – heisse Schokkolade –schlafen – am Morgen Douche – Umgebung Hafen besichtigen – Fish and Chips – Einkäufe im Städtchen auf dem Hügel – Anmeldung Coiffeur für nächsten Tag – wunderschöner Sommerabend mit BBQ am Strand – kleiner Haken: beim Anlanden mit dem Dingi zu wenig aufgepasst – eine Welle hat uns unerwartet erwischt und quer geschlagen – eine Beinahe-Kenterung war die Folge – jedenfalls sind wir beide ins Wasser gefallen… jedoch kein Problem.

Eden hat eine Walfänger-Vergangenheit und in neuerer Zeit eine blühende Fischereiflotte von 36 Fischerbooten – heute seien es nur noch gerade sechs professionelle Fischfangboote, wie uns ein Fischer wehmütig erklärt. Schuld daran seien die “ausgefischte“ See, neue Verbote, aber auch zunehmende Sportfischerei mit zu weichen Vorschriften, so dass die Menge der gefangenen Fische praktisch die gleiche sei wie vorher.
Wegen zunehmendem Wind in Richtung Ankerplatz und Windwarnung, wechseln alle SY (ohne Einheimische an Moorings) auf die andere windgeschütztere Buchtseite.
Die Bordfrau fliegt nach Hause…
…um da zu sein, wenn unser zweites Enkelkind zur Welt kommt… nun auch da gab’s eine Wende – Ari Samuel wollte nicht erst auf die Grossmutter warten und erblickte zwei Wochen früher als geplant das Licht der Welt – alles ok und gut so.
Die Planänderung, dass Leena doch nach Hause fliegen würde, erfolgte erst vor knapp zwei Wochen, besonders zur Freude der wachsenden Familie und ihr selbst.
Leena bereitet vor ihrem Flug nach Hause alles Erdenkliche vor für die Zeit wenn ich 2 Monate alleine bin bzw. wenn John aufs Boot kommt um mich von hier nach Hobart / Tasmanien zu begleiten.
Dann geht es Schlag auf Schlag – Abreise der Bordfrau – bereits am nächsten Tag hole ich John in Eden ab – muss bei etwas groben Bedingungen mit dem Dingi die 2 Seemeilen breite Bucht überqueren – kein besonders gutes Gefühl – bei der Rückfahrt 3 Stunden später ist es ruhiger geworden.
Wegen des guten Wetterfensters, das schon bald wieder ändern wird, möchte ich morgen zur Überquerung der Bass Strait ablegen – ob John vorbereitet ist für diese Unternehmung gemäss Vorgesprächen? – immerhin begeben wir uns in diesem Seegebiet in Teufels Wetter-Küche.
Bass – Strait
Früh am 15.1 starten wir in Eden zusammen mit „Two to Tango“ und „Night Fly“ – erstere wird dann an der Südkküste entlang nach Melbourne segeln – wir andern beide Boote die Bass-Strait queren mit Ziel Flinders Island / Tasmanien, einer vorgelagerten Inselgruppe – bis dort sind es 230 sm und wir wollen bis Donnerstag ankommen, denn ab Freitag ist Sturm aus NE angesagt – wir vereinbaren Funkkontakte um 07:00, 12:00 und 17:00.
Um 15:30 treffen wir an der SE-Ecke Australien auf etwas stürmische Verhältnisse mit 24-31Kn Wind aus NE, ansonsten ganze Zeit eher unkonstante und mühsame Winde und Kurse – ab Mitternacht dann bis zum Mittag normales schönes am Wind segeln mit nachfolgenden drehenden Winden – Schwell nimmt zu – in der zweiten Nacht wird es sehr ruhig – bei Sonnenaufgang und letztem Wachwechsel begleitet uns eine grosse Herde Delphine – immer wieder ein Schauspiel erster Güte – dann Anfahrt auf Leitlinie nach Lady Barron – gemäss Tiefenmesser haben sich hier gewaltige Massen von Sandbänken verschoben – also vorsichtig weiter – an einer Stelle mit 12m Tiefenangabe hatten wir gerade noch 0.4m unter dem Kiel.

Um 11:00, nach 236 sm über die Bass Strait, machen wir in schöner Umgebung an einer Mooring fest – 2 Stunden später trifft „Night Fly“ ein

Wunderschöner Abend mit Delfinen in der Bucht – Einladung zum holländischen Wurst- und Sauerkrautessen auf der „Night Fly“ mit etwas Wein und Austausch „Erlebnis Bass Strait“.

Am Freitag in der Früh trifft die erwartete Westwindfront ein und baut sich auf – um 08:00 15-24Kn/ Baro 993 bei klarstem Schönwetter – 10:00 25-35Kn – die Night Fly-Crew ist früh ans Ufer gegangen – kommt jetzt zurück und erreicht mit dem Dingi mühsam ihr Boot – sie haben mit einem Fischer gesprochen, der ihnen mitteilte, dass unsere Mooring ok sei, nicht aber ihre – sie können ihr Boot an der Seite des Fischtrawlers andocken – inzwischen gibt es 35-42Kn Wind die mächtig an der Nicone zerren und die Muringkette strecken – abwarten überwachen – nehmen weitere Planung vor – übermorgen wollen wir in einer Tag-Nacht-Fahrt die 130 sm zum nächst möglichen Ankerplatz, genannt Wineglass Bay, am Festland Tasmanien anpacken.

Vorerst aber fragen wir uns wo das Drachenboot, welches unweit von uns an einer Muring hing, geblieben ist? losgerissen? – bis am Abend gibt es „nur“ noch plus/minus 20Kn Wind, weshalb wir an Land und in die Taverne zu Fish and Chips gehen – hier trifft sich offenbar jeden Freitagabend ein Teil der Dorfbevölkerung beim Bier – sofort entstehen Gespräche.
In der Nacht wieder Windzunahme – erledigen am nächsten Tag Haushaltarbeiten – die Bordfrau würde es freuen – testen Benzingenerator und anderes.

Gehen auf langen Spaziergang der kleinen Buchten entlang und entdecken dabei das Drachenboot, das losgerissen war und beinahe unversehrt in eine sandige Bucht geschwemmt wurde – treffen den Eigner der uns sagt, dass er morgen wenn es ruhig sei, das Boot wieder flott machen wolle – es sei 1955 für die Olympischen Spiele 1956 in Melbourne gebaut worden, hätte aber die Medaillen verpasst.
Sanfte Roaring Forties (brüllende Vierziger Breitengrade)

Weiterfahrt – Querung der Bank Strait, die gem. Locals „sehr strub“ sein kann – damit hatten wir nicht gerechnet: nämlich mit 18 Stunden Motorfahrt am Stück, wegen Null bis Schwachwind – und dies in den brüllenden Vierzigern bzw. jetzt leise murmelnden Roaring Forties.

Immerhin schönes Wetter, dazu fast den ganzen Tag Delfinbegleitung – wow – grosse Vogelschwärme – Albatrosse und Robben – Silberwellen, verursacht durch sehr kleine Fische an der Wasseroberfläche, die von einem nicht sichtbaren Räuberfisch gejagt werden- Kino live – Abendessen. Ravioli, Salat, Kaffee, Litschis, Guetzli – Nachtwache – um 22:00 kommt endlich Wind auf – Segel setzen

mit Wind genau von achtern (hinten) steuern wir die Wineglass Bay an, eine Perle unter den Ankerplätzen – wieder Delfine – am Ankerplatz treffen wir 3 SY an – auffallend wie bereits in Eden: alle Ketsch geriggt wie wir – am Abend kommen weitere SY in die Bucht, welche auf dem Weg nach Hobart zum Woodenboat-Festival sind, darunter eine mit Jahrgang 1937 hervorragend gepflegte Yacht, welche im Ankerfeld zwischen den andern Booten unter Segel vor Anker geht – well done!

Es folgte ein trüber Tag von A-Z – die 40 sm zur Spring Bay waren geprägt von Wind aus verschiedenen Richtungen, ebenso Schwell und Wellen aus verschiedenen Richtungen, Regen und „rockige“ Fahrt – ungefähr alles was das Segeln erschwert – der Ankerplatz in trister Gegend passte da geradezu ins Bild – mindestens war es sehr ruhig und wir schliefen gut.
Den nächsten Ankerplatz Port Arthur – berühmt wegen der verbannten Sträflinge – 60 sm entfernt, müssen wir entweder morgen erreichen oder wegen danach angesagter Schlechtwetterfront einige Tage abwarten – der Entscheid Ist schnell gefällt – früh ins Bett – sind sowieso hundemüde – und früh auf.


Es sollte ein guter Segeltag werden und dies obwohl der Wind während des Tages in Phasen von West über Süd nach Oste drehte – Start um 05:00 mit auslaufender Tide – am Wind – mehrere Stunden aufkreuzen – wieder begleiten uns fast die ganze Zeit Delfine. Die Felsenküste ist unerhört eindrücklich und abwechslungsreich – am späteren Nachmittag erfolgt eine spektakuläre Passage zwischen hohen Felsen.
In der kleinen Stewart Bay in Port Arthur gehen wir gleich neben einem der berühmtesten Straflager in der neueren Geschichte vor Anker. Wir wollen die nächsten zwei angekündigten Schlechtwettertage diesem Kapitel vor Ort widmen.

Port Arthur’s Vergangenheit ist die Geschichte der Besiedelung durch Strafgefangene, Militär und einigen freien Siedlern. Auf dem Gelände mit den Ruinen, die teilw. wieder aufgebaut und erhalten werden, gibt es ein sehr informatives und interessantes Besucher-Zentrum – man fühlt sich in jene Zeit versetzt.
Von 1830 – 1877 beherbergte Port Arthur 12‘500 Sträflinge, die meisten aus England, welche in mehrmonatiger Seereise möglichst weit weg hierher ans andere Ende der Welt verfrachtet wurden.


Nach überstandener Seereise erfolgte harte Arbeit unter einem harschen Regime, um aus Gaunern und Verbrecher ehrenhafte Männer (auch Frauen) zu machen. Dies beinhaltete Arbeit, Disziplin, Strafe, Religion, Moralerziehung, unterschiedliche Gefängnishaft, Arbeit in Ketten für Schwerstbestrafte (Chain-Gang). Auch Jugendliche wurden wegen nichtiger Vergehen – z.B. Diebstahl eines Brotes (wegen Hunger) zu 7 Jahren Arbeit – nach Van Diemen‘s Land, heute Tasmanien, verbannt. Viele versuchten z.T. mehrmals den tristen Bedingungen zu entfliehen, wurden wieder gefangen und noch härter bestraft. Gearbeitet wurde im Wald, Schiffsbau, Herstellung von Bausteinen, Schuhmacherei, Zimmerei, Schmiedehandwerk, Küche etc. Einige Sträflinge zerbrachen, andere kamen frei – jede/r Gefangene hat eine persönliche Geschichte die betroffen macht, die festgehalten und nachlesbar ist.
Hobart unser Etappenziel in Tasmanien
Bevor wir Kurs nach Hobart nehmen, legen wir am 26.1. ab, um nach Kettering zu segeln, wo ich die von Freunden empfohlene Werft besuchen und begutachten will – eine Woche später möchte ich das Boot ausheben und mit Überholarbeiten beginnen – es wird ein 40sm langer langweiliger Törn mit und ohne Wind aus verschiedenen Richtungen sowie mit und ohne Motorunterstützung.
Legen für eine Nacht am Gästesteg an – haben bei Ankunft Niedrigwasser und 0 cm unter dem Kiel – die Werft hat vernünftige Preise, gute Auskranmöglichkeit, effiziente Fachleute und wie uns andere Boaties sagen, freundliches hilfsbereites Personal – alles ok.
Also ab nach Hobart – anvisiertes Etappenziel in Tasmanien.
Hobart – Etappenziel und Hauptstadt Tasmaniens

Am 27.1.13. segeln Jon und ich mit Wind von achtern bei schönen Verhältnissen die 20 sm nach Hobart – Tricky-Winkeleinfahrt in den Vorhafen, wo wir am Steg auf die Brückenöffnung in den Innenhafen warten – wir haben uns bei der Port Controll angemeldet, um für ein paar Tage am Constitution-Dock anzulegen. Nach Ausfüllen der Anmeldepapiere die der Brückenwärter bringt und Bezahlung von 130 Au$ wird die Brücke geöffnet – wir schlüpfen durch den Engpass und sind damit an der Waterfront und beim Zentrum von Hobart mit seiner grossen Seefahrtsgeschichte

Wir können zufrieden zurücklehnen und auf das Etappenziel anstossen – viele Erlebnisse und Wetterkapriolen, sowie 750 Seemeilen liegen seit Sydney hinter uns – mit der Bordfrau bis Eden und von dort mit John über die Bass Strait nach Tasmanien bis Hobart.

Vorschau
Schon bald ist Auswassern und Überholungsarbeiten angesagt
John kehrt zu seiner Familie und seinem Boot zurück
Das Wooden Boat Festival – Australiens grösste Bootshow findet bald in Hobart statt
Die Bordfrau kehrt Anfang März zurück
Dann geht’s voraussichtlich an der Ostküste entlang wieder Richtung Norden
Allen die uns /mir extra geschrieben haben herzlichen Dank – wegen der gedrängten Ereignisse konnte ich noch nicht alle beantworten – folgt aber…
Wünsche euch allen eine gut ausklingende Winterzeit





















um 10:00 wird der Verkehr des Pacific Highway angehalten und die alte Liftbrücke geht im Mittelteil in die Höhe – wir passieren – wir tel. Graig dem Brückenwart und bedanken uns – da er nicht persönlich anwesend war als wir passierten, fragt er noch ob der Brückenlift auch wieder nach unten gegangen sei, weil der Lift vor kurzem stecken blieb und damit natürlich ebenso der Verkehr – wir hoffen unsererseits, dass sie sich öffnen lässt wenn wir zurück kommen.

























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