Woche 27 / 30. Juni – 06. Juli 2008

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Ankunft an der Südspitze Sardinien

Vom Ankerplatz am Cap Serrat nach Tabarka (letzter Hafen vor Algerien)

Die letzte Nacht in der Ankerbucht war ruhig. Nach Frühschwumm Anker auf und mit stetigem Leichtwind halten wir Kurs auf Tabarka. Dabei begegnen wir wieder mal einem Segelboot und kreuzen eine russische SY welche aufkreuzt.
Nach 26 sm fährt ein Boot der Garde Nationale zu uns heran und es entwickelt sich folgender Dialog zwischen dem freundlichen Uniformierten und uns: „guten Tag, sie kommen von Bizerte?“ –  „guten Tag, ja nicht direkt, wir waren letzte Nacht vor Anker am Cap Serrat“ – wir hatten dies bei der Wegfahrt den Behörden in Bizerte bekannt gegeben – die wollen solche Sachen wissen (;-)) „Aha und das Boot heisst Nicone?“ (er stand genau gegenüber des Namenszuges NICONE) „Ja“  „und wie ist die Nr?“ Ich zeige auf die Nr am Boot – er schreibt eifrig – dann weiter sehr freundlich: „Sie sind 2 an Bord und Sie sind Schweizer?“ wir natürlich auch freundlich, mussten fast das Lachen unterdrücken: „Ja“. Er hatte alles aufgeschrieben, dann folgte ein Gespräch mit dem Bootsführer – dieser führte sodann über Funk ein Gespräch; dann: „Ok, Sie können in den Hafen von Tabarka fahren“ –  er wusste also auch bereits unser Ziel. Es folgte noch eine letzte Frage vom Bootsführer (Chef): „Sind Sie der Skipper und Eigner des Bootes oder ihre Frau?“ Ich: „Ja das hängt etwas von der Situation ab…“ beidseitiges Grinsen und freundliches bonne journée.

Anmerkung: man ist in Tunesien als Segler unter ständiger Kontrolle – in einem Hafen ist es z.B. nicht möglich, diesen für einen Kurzausflug zu verlassen ohne sich bei den Behörden abzumelden (inkl. Papierkram). Selbst eine Ausfahrt mit dem Beiboot würde eine Spezialbewilligung erfordern…
Dem Vernehmen nach sind die Behörden sehr darauf bedacht, dass den Touristen nichts passiert, bzw. es drohen ihnen ihrerseits Sanktionen falls…
Ungewohnt ist es auf jeden Fall… aber noch viel weiter gehen die Behörden in Algerien: ein schwedisches Seglerpaar berichtete uns, dass sie von einem uniformierten und bewaffneten Polizisten auf Schritt und Tritt ins Einkaufszentrum begleitet wurden.

Nach 5 Wochen Tunesien Überfahrt nach Sardinien

Für die Überfahrt des Canale di Sardegna rechneten wir mehrere Varianten durch (Wind, Winkel, Zeit, unter Segel, mit Motor etc.)
Wir tätigen mit den restlichen Dinars noch Einkäufe, melden uns bei Polizei und Zoll ab – der Zollbeamte kommt noch aufs Boot, rühmt es und schwatzt von Whisky und ob wir noch im Besitz aller Gegenstände gemäss Liste seien – sind wir – wir geben ihm eine kleine Flasche Whisky, die er dankend und schnell einsteckt (schliesslich kostet eine normale Flasche Whisky in Tunesien einiges über hundert Dinar!) Er wünscht uns alles Gute und wir legen ab.
Bei der 12 sm- Seegrenze verfolgt uns ein grosser Motorkahn der Marine oder Coast Guard – das Boot fährt aus etlicher Distanz zu uns heran und bleibt mit einigem Abstand an unserer Steuerbordseite – zwei Offiziere schauen mit dem Fernglas zu uns herüber – wir tippen die Flagge – ohne Antwort – nach 5 Min drehen sie ab und fahren zurück: ob das die Kontrolle war, dass wir Tunesien verlassen…?
Bis zur Insel La Galite kommen wir ganz gut voran. Obwohl Spinnerwind einsetzt, beschliessen wir weiter zu fahren, schliesslich liegen noch 80 – 100 sm vor uns. Der Rest ist schnell erzählt: Wind? Dümpeln, warten, Motor, 2 Mal auf Kollisionskurs mit grossen Fischerbooten – beim ersten Mal gehe ich, weil die Situation etwas unheimliches an sich hatte, an Deck und erschrecke, als ich neben mir im Wasser ein Prusten höre. Es ist wie im Film: Ein Delfin taucht auf  und prustet ein weiteres Mal, als ob er mich vor der Kollision warnen wollte! Lieber Delfin – super – vielen Dank jedenfalls!
Auf der Nachtwache ist auch Zeit für das Studium unserer elektr. Energiesituation bzw. Check des Verbrauchs durch all die versch. Bordgeräte – werde im Techn. Logbuch eine neue Seite eröffnen. Ebenfalls Zeit um Seefunkgespräche über VHF abzuhören. Dabei kann ich ein Gespräch zwischen dem Kapitän eines Syrischen Frachters und den Hafenbehörden von Malta ganz klar und deutlich mitverfolgen und dies bei einer Distanz von 290 sm. Dazu muss man sich vor Augen halten, dass VHF-Gespräche normalerweise nur bis ca 30 sm weit funktionieren. In diesem Fall ist es offenbar möglich, weil auf der Achse unseres Bootes bis Malta eine absolut hindernisfreie Verbindung möglich ist. Werde dies noch mit Spezialisten besprechen.
Am Mittwoch nach einer Tag – Nacht – Tag – Fahrt erreichen wir gegen Abend nach etlichen Motorstunden die schöne Ankerbucht Malfatano an der Südspitze Sardiniens.
Donnerstag:
Das ist der Wind mein Kind aus dem die Träume sind. Auf diesen Südost hatten wir für die Überfahrt hierher lange gewartet…einen Tag zu früh gestartet? Wahrscheinlich nicht, sind doch hier andre Bedingungen als noch in Tunesien. Weiter geht’s der Südküste entlang nach Porto Ponte Romano, wo am Abend starker Maestrale einsetzt und den ganzen nächsten Tag anhält. Wir befolgen den Rat der Capitanerie nicht auszufahren und schalten einen Hafentag ein.
Samstag und Sonntag:
mit gemässigtem Maestrale weiter hart am Wind zur Isola di San Pietro- fühle mich, obwohl nicht heilig, auf der Namensinsel wohl am Ankerplatz. Erfahrungsaustausch mit deutschem Paar, ebenfalls unterwegs nach Westen.
Mit Scirocco an der Westküste weiter nordwärts u.a. einen Moment lang mit Delfinbegleitung nach Buggeru – Ankern ausserhalb des versandeten Hafens auf türkisblauem Wasser.

Impressionen – Woche 27 /  30. Juni – 06. Juli 2008:

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