Woche 40 / 29. September – 05. Oktober 2008

dscn8676-kleinbootfischerflotte-agadir-neben-der-nicone
Kleinbootfischerflotte Agadir neben der NICONE

Von Afrika zu den Kanarischen Inseln bzw. von Marokko nach Lanzarote

Am Montag – siehe Bericht Woche 39 – liegen wir bis 13.00 ausserhalb  von El Jadida vor Anker und können dann bei Hochwasser den Hafen anlaufen, wo wir mit 2 andern Booten im Packet liegen.
Es beginnt das Behörden-Rally: Ken der Amerikaner neben uns meint: „It’s a joke!“
Recht hat er! Jetzt bin ich dran und das ging so:

  • ein freundlicher Polizist winkt mir, ihm mit den Bootspapieren und Pässen zu folgen.
  • an einer Mauer mit Türe fragt er ob ich Zigaretten hätte – haben wir für solche Fälle, jetzt aber nicht bei mir – er sagt mir dass ich sie auf dem Boot holen solle.
  • erst als ich damit wieder erscheine öffnet er die Tür – das war die Eintrittsgebühr (;-)
  • dahinter in einem Büro ist ein zweiter Polizist und zusammen beginnen sie die Papiere zu kontrollieren und alles aufzuschreiben – stellen Fragen über Dinge die allesamt in den Dokumenten sind und machen aus nichts Witze und amüsieren sich. Sie versichern mir, dass es gut sei, in den Hafen gekommen zu sein, weil es weniger Probleme gebe als draussen am Anker (später bedaure ich nicht dort blieben zu sein)
  • weiter übers erbärmlich aussehende Gelände zum Hafenbüro – der erste Polizist  begleitet mich – er gibt der netten Dame relativ barsche Anweisungen auf arabisch — sie schreibt neu alles ab was nötig ist – vom Polizisten bekomme ich Bescheid dass es pro Tag 60 Dirham koste (ca 6 Euro) und dass ich mich zu Bürozeiten vor der Abreise melden und zahlen solle.
  • weiter zum Zoll – der Polizist begleitet mich hartnäckig – zwei Zollbeamte stehen draussen vor einem Glashäuschen, wo sie eifrig mit am Tor ein- und ausgehenden Personen diskutieren – dann gehe ich mit einem von ihnen hinein – er ist ausnehmend freundlich – und setzt sich auf einen schäbigen Hocker (demolierte  Kiste?) im ebenso schäbigen Büro bestehend aus nacktem Pult mit Telefon. Er kontrolliert die Pässe genau und freut sich, dass ich ihm eine Crewliste gebe mit (fast) allen Daten drauf. Er macht sich ergänzende Notizen und sagt mirwir seien herzlich willkommen. Das dauerte, weil immer wieder irgend jemand ans Fenster kam und dann wurde wieder diskutiert usw. – lärmig war’s!
  • der begleitende Polizist liefert mich bei der Passpolizei vis a vis ab und verschwindet dann, teilt mir aber noch schnell mit, dass ich halt aussen herum müsse wenn ich zurück zum Boot gehe. Den Passpolizisten hatte ich schon vorher beim Zoll gesehen, wo er einen lautstarken Redeschwall von sich gab und offenbar verärgert war. Freundlich aber bestimmt lässt er mich spüren, dass ich (Tourist) für ihn da bin und nicht er für mich – ein Franzose meinte später grinsend, dass die Marokkaner halt in früheren Zeiten von der französischen Administration gut ausgebildet worden seien.
    Auch er schreibt alles auf – von Hand, wie alle vorher auch – stellt Fragen, wie alle vorher auch – es dauert – dann kommt nochmals der freundliche Zollbeamte von vorhin vorbei und legt mir ein Formular vor – ich müsse halt alle Angaben dort noch ausfüllen – immer nur lächeln (;-(  – auch der Passpolizei muss ich alles noch in ein anderes Formular eintragen, wobei der offenbar Touristen hassende Passpolizist – sie verursachen Arbeit und es ist auch immer noch Ramadan – mir zu verstehen gibt, dass er viel Arbeit habe und ich viel Zeit… usw. usw. usw.

Der regnerische Abend – wir wollten noch Einkäufe tätigen – wegen Ramadan ist bis auf ein paar Früchtestände alles zu – hinterlässt bei der Crew einen zwiespältigen Eindruck: schäbige Strassen, aufgerissene Trottoirs, Steinhaufen im Dunkeln, Gestank, schlechte Beleuchtung und doch müssen hier Leute leben…
Anderntags ist die Wetterprognose besser als erwartet, was auch für die weiteren Tage zutreffen soll.
Gleich alle 3 Boote des Päcklis legen mit dem Hochwasser gleichzeitig ab mit Kurs südwärts. Für Klaus und Christa wird es zu eng um den Flug ab Lanzarote noch zu erreichen. Also Kurs Agadir damit sie dort die Fähre nehmen können.
Schönes Segeln mit raumem Wind, leider ohne den zerrissenen Besan geht es der Küste entlang – keine besonderen Vorkommnisse in der Nacht  und am folgenden Tag – mit langer Dünung geht es in den Abend hinein – herrlich: eine Herde Delphine begleitet uns während 20 Minuten bei Sonnenuntergang – dann nehmen Wind und Wellen zu – Reffen ist angesagt und eine Übung auf Vordeck weil die Furlingleine klemmt – nach rassiger Fahrt in die Nacht und abflauendem Wind in den Morgenstunden legen wir am Mittag längs an der SY Amaya (F) im äusserst verschmutzten Fischerhafen beim Yachtclub von Agadir an.
Lässige Behörde und freundlicher Empfang beim Club – Internet – weil es für K + C keine Fähre nach Lanzarote gibt (wie auf Plan eingetragen), müssen sie umbuchen und kommen weiter mit uns nach Lanzarote. Am Abend kurzer Stadt- Strandbummel, um doch noch etwas von Agadir, welches im Jahr 1960 durch ein Erdbeben fast vollständig zerstört wurde, mit zu bekommen.

Erneut nicht angesagter Sturm! – „es längt jetzt de!“

Am nächsten Morgen, es ist Freitag, legen wir mit allseits guten Wetterprognosen von Afrika bzw. Agadir in Marokko mit Kurs Richtung Kanarische Inseln ab. Vorher noch schnell Dieselvorfilter reinigen. Ich frage einen Mann mit einem Boot das „Aqua Flora Protect“ angeschrieben ist – er sammelt auf dem Wasser treibende Gegenstände ein – ob ich ihm ca 1 Liter verschmutzen Diesel abgeben könne. Er sagt ich solle es einfach ins Wasser ausleeren… !!! was natürlich so nicht geschieht.
Wir freuen uns, dass es sofort etwas mehr Wind als angesagt gibt. 3 Stunden später muss das Gross 2 x und weitere 2 Stunden später das Gross 3-fach und die Genua
2-fach gerefft werden. Noch etwas später muss das Gross geborgen und die Genua
noch weiter gerefft werden –  dadurch müssen wir vom Idealkurs abfallen – der Sturm ohne Ankündigung erreicht um 19.00 Uhr mit 40 Knoten seinen Höhepunkt, hält sich dann nachtsüber mit 30 Knoten in Grenzen – die hohen Wellen begleiten uns weiter.
In den frühen Morgenstunden kann wieder das gereffte Gross gesetzt werden und bei trübem Wetter gibt es richtig gute Atlantikverhältnisse mit konstantem raumem Wind – da schmeckt der Morgenkaffee und das Birchermüesli doppelt!. Sogar die Wind- und Wetterprognose stimmt den ganzen Samstag über. Alle versuchen auch tagsüber viel zu schlafen – komme da was wolle – um fit für Überraschungen zu sein.
Die Nacht auf Sonntag und dieser selbst verliefen ohne Zwischenfälle meist bei 3-4 Bf aus NNE.
Lanzarote ist seit Tagesbeginn sichtbar und um 16.00 lok. Zeit legen wir nach weiteren 230 sm seit Agadir in der südöstlich der Insel gelegenen Marina Puerto Calero an. Mit der Ankunft auf den Kanarischen Inseln ist ein wichtiger Waypoint erreicht. Wir geniessen dies bei einem Abschiedsessen, denn morgen früh verlassen uns Klaus und Christa.

Impressionen – Woche 40 /  29. September – 05. Oktober 2008:

dscn8666-mit-el-jadida-verbinden-uns-maessige-erinnerungen dscn8666x-friedliche-momente dscn8675-anfahrt-fischerhafen-agadir-nach-230-sm dscn8677-papier-papier-freundlich-laessiger-empfang-durch-behoerden dscn8713-anschrift-aqua-flore-protect-siehe-auch-text-wo-40 dscn8715-fast-100-solch-rostige-fischerboote-in-agadir dscn8715a-start-von-agadir-zu-den-kanaren-die-welt-speed-und-wetter-ok dscn8715b-bequemes-steuern-in-schraeglage-bei-aufkommendem-starkwind dscn8715c-4-std-nach-verlassen-von-agadir dscn8724-mit-7-8-bf-in-den-abend-hinein dscn8724x-wieder-sturm-natuerlich-an-einem-freitag dscn8737-muss-ich-tatsaechlich-die-wache-antreten dscn8738-kueste-lanzarote-anfahrt-puerto-calero

Comments are closed.