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Für die nächsten fünf Tage ist „kein / wenig“ Wind, oft etwas regnerisch, angesagt. Wir haben viel Zeit und ein gutes Gefühl dabei, dass wir unsere Pläne etwas auf Langsamkeit umgestellt haben – ist Langsamkeit doch lernbar (;-)? Wir planen auf dem Weg nach San Blas – Indianerland Kuna Yala – möglichst viele Ankerplätze anzulaufen.
Am 30. April steuern wir vom Rio Chagres herkommend die Isla Naranjo an und ankern hinter dem Riff.
Generell gilt es ab sofort vermehrt auf Untiefen bei der Anfahrt von Ankerplätzen in diesen Riffgebieten entlang der Küste Panamas zu achten – meist ist die An- bzw Riffdurchfahrt und Untiefen bei gutem Wetter und wenig Welle an der Farbe des Wassers erkennbar – auf elektronische Seekarten ist, wie wir feststellen, oft kein Verlass. Ausserdem ist es ratsam, Ankerplätze nicht spät oder im Gegenlicht der Sonne anzufahren. Vor Ort gibt es gelegentlich Platzmangel auf genügender Tiefe, weshalb wegen der häufg drehenden Winde dem Schwojeraum spezielle Beachtung geschenkt werden muss – z.T. mehrere Ankerversuche oder Platzwechsel sind beinahe die Regel.
Nun, wir sind alleine hier und haben genügend Platz – Lesen – Baden – Check des Unterwassers: ein Plastikfetzen im Propeller – das Wasser ist hier trüb, wohl wegen den Raffinerie-Anlagen von Colon – in den ersten Nachtstunden ist ein ständiges Plantschen von grossen Luftsprünge machenden Fischen zu hören. Im Nachhinein erfahren wir, dass der Platz, der nur von Dschungel umgeben ist, etwas unsicher sei – wir hätten aber auch aus einem ganz anderen Grund darauf verzichtet, hätten wir etwas von der Mückenplage hier gewusst.
Die folgenden 2 Tage ankern wir in der Bahia Buenaventura – hier lernen wir, den im Handbuch erwähnten „Hekke Perkele“ (finnischer Fluch) und seine Frau Maria – beide Finnen – kennen. Er hat von weitem unsere Finnenflagge gesehen und uns zu seinem Haus am Wasser herangewunken – Neben Englisch auch Gelegenheit Finnisch zu sprechen, wenn auch nur mit spärlicher Beteiligung meinerseits. Hier ihre Kurzgeschichte:
Sie besassen einen kleinen Frachter, den sie mit ihrer kleinen Tochter zu zweit navigierten. Trieben damit Handel in der Karibik und wurden hier sesshaft. Die Tochter haben sie anfänglich selber schulisch betreut – sie ist heute Biologin und arbeitet in Panama City – Hekke ist ein dynamischer Typ. Er kennt hier alles und jeden und arbeitet 2 – 3 Tage pro Woche an einem Wilderness-Institut und baut zusammen mit Maria an ihrem neuen Haus. Sie erlebten und erzählten von bewegter Zeit, mussten sich noch mit Pferden fortbewegen, da es noch keine Strassen für Autos gab. Den Frachter wie auch eine kleine Segelyacht verkauften sie an Panamesen, die damit nicht umzugehen verstanden und die Boote vernachlässigten. – nun liegen beide Boote als Wracks und als Erinnerung in unmittelbarer Nähe auf dem Riff vor dem Hause. Ob sie nie daran gedacht hätten nach Finnland zurück zu kehren – nein, nie, es sei dort zu kalt.
Nach 2 Tagen motoren wir 2.5 sm „um die Ecke“ und ankern unterhalb des Fortes San Fernando in der Bucht von Portobello – 15 SY sind verteilt vor Anker hier.
Columbus entdeckte die Bucht 1502. Durch die geeignete Lage und von 2 Forts geschützt entwickelte sich Portobello zum wichtigsten Handelsplatz für den Transport der süd- und zentralamerikanischen Reichtümer. Tonnen von Gold flossen dem spanischen Empire in Sevilla zu. Zwischen 1574 bis 1702 waren 45 Flotten von Galleonen unterwegs, jede mit nicht weniger als 3 Millionen Pesos an Reichtümern!
Auch hier begegnen wir wieder den Spuren des Piraten Henry Morgan, der die Stadt mit 460 Mann einnahm.
Der verschlafene Ort wirkt heute vernachlässigt und schmutzig. Die Kirche der schwarzen Christen von Portobello beherbergt den Schwarzen Jesus, eine Holzstatue von Jesus von Nazareth. Es werden ihr Wunder nachgesagt, weshalb sie heilig gesprochen wurde.
In 2 Tagen gab es hier viel Regen – die Flüsse bringen Schwemmholz und Schmutzwasser in die Bucht – die Wolken bleiben an den hohen Bergen hängen – wie in Luzern (;-) – und gilt als Spülbecken der Region – etwas weiter kann es gleichzeitig ganz passables Wetter geben.
Am 4. Mai beschliessen wir morgens der Küste entlang, zu dem 8 sm östlich entfernten Ankerplatz bei Isla Linton zu fahren. Weil kein Wind – seit einem Monat meist nur Schwachwind – und entsprechend Wetterprognosen, stellen wir uns auf Motorfahrt bei ruhiger See ein. Unterwegs wollen wir noch eine Ankerbucht und etwas weiter die Panamarina ansehen. Null-Wind bei Start – kaum aus der Bucht, zeigt sich schöner aufkommender Nordost mit 14 Knoten – also weshalb nicht auf Umweg bzw. mit einem langen Schlag auf die See hinaus und einer Wende nach Linton segeln statt Motor! – knappe 30 Min später haben wir 32 Kn und segeln mit stark gereffter Genua und Besan hart am Wind, jetzt bei ENE und kurzen Wellen von 2.5 m – eine Stunde später auch noch starke Gegenströmung (bekannt hier) und Raumen des Windes auf SE – d.h. es wird nichts mit dem zweiten Schlag nach Linton – Wind voll auf die Nase – unten fliegt einiges Material herum; das neue Dingi muss notfallmässig besser fixiert werden, weil es, obwohl an den Davits vertäut, teilweise die See touchiert Der Wind lässt etwas nach, die Wellen bleiben, wir haben die Segel geborgen und motoren Linton zu – dabei auf Buchtanfahrt und auf zwei Frachter aufpassen, die wohl wegen des unerwarteten Wetters nahe an der Küste entlang fahren. Als wir die schöne und gut geschützte Ankerbucht erreichen – es liegen hier mehr als 50 SY zur Zeit – hat der Wind weiter nachgelassen. Alles so geschehen innerhalb von 4 Stunden – genau die Zeit als wir unterwegs waren – dass die Wetterprognosen wieder mal, wie so oft hier daneben waren, konnte uns nichts anhaben – am meisten ärgerte uns das herumliegende nicht verstaute Material, aber es war auch gut so und hat uns gezeigt, dass wir uns von langen windlosen Perioden nicht einlullen lassen dürfen. Übrigens waren wir nicht die einzigen; einige Yachties wurden auch in der geschützten Bucht etwas geschüttelt und ein paar gingen auf Drift.
Die Tage hier am Anker verfliegen nur so:
Finden endlich heraus, woher das Salzwasser unter der Pantry herrührt – es ist die Fusspumpe, die immer mehr rinnt, was nun bei Betätigung sicht- und fühlbar wird. Also wenn’s nur das ist… andere Pumpe anhängen, dann ist ein Problem das uns seit langem beschäftigte erledigt.
Oelwechsel, Einbau eines Ventilators für das Kühlaggregat der Kühlbox, Weiterarbeit am Jordan-Series.Drogue (Treibanker-System), geben Roman, einem ausgezeichneten Segelmacher, unsere Genua für Check und Nachnähen einiger Stellen, erledigen viele Kontakte via E-mail , Logbuch nachführen, Reiseberichte, Fotobearbeitung etc.
Werden Zeugen von allerlei Manöver welche beim An- und Ablegen, oder bei Drift erfolgen. Beobachten eine Yacht, mehr segelndes Wrack, wie sie hinter dem Riff herumgurkt – hat wohl wenig Ahnung vom Segeln. Beim Näherkommen stellt sich heraus, dass es ein junger Einheimischer ist, der englisch spricht und eine vor Jahren gestrandete SY wieder „fahrbar“ gemacht hat – ohne Gross, mässig passender Genua und Kuttersegel, ohne Motor, keine Ankerwinsch für das immerhin ca. 8 Tonnen schwere Boot. Ankern unter Segel und singel hand also sowieso nicht ganz einfach. Er löst es so, dass er wie die Einheimischen mit ihren mit Segel ausgerüsteten Kanus unter Segel zum Ankerplatz fährt, dann mit einem Heckanker (haben Einbäume nicht) das unter Vorwind fahrende Boot abbremst, dann die Segel birgt etc. Mit 3 Dingis (andere haben es ebenfalls beobachtet) helfen wir das Boot vor Anker zu bringen. Na ja… wir haben ja alle auch mal mit Segeln begonnen… aber… in diesem Fall… Am nächsten Morgen ist er ganz in unsere Nähe abgedriftet. Er beginnt bei ordentlichem Wind Segel zu setzen. Ich frage, ob er Hilfe benötige und was er im Sinne hätte… er wolle nach Portobello (ca 8 sm) segeln und ja, eventuell wäre er froh um Hilfe beim Ablegen… wenn das nur gut geht… da es nicht sinnvoll gewesen wäre ihn davon abzubringen und der Wind mit NE aus der richtigen Richtung steht, unterstützen wir zusammen mit der kleinen Dingi-Flotte (3 Dingis – wir kennen uns und ihn bereits) seine Bemühungen etwas Freiraum zu bekommen. Dann kann er Segel setzen, dankt uns und strahlt als er ganz flott aus der Bucht fährt…
Mit dem Dingi fahren wir eines Tages durch den Dingi-Pass. Es handelt sich um einen Wasserweg, der innerhalb der Küste Linton mit der Panamarina verbindet: heikle Riffpassage, dann Dschungelgebiet und etwas später ein von Mangroven überdachter, enger Wasserlauf der zur gut geschützten Panamarina führt, die von einem franz. Seglerpaar unterhalten wird. Die Marina eignet sich gut um das Boot bei Abwesenheit in Sicherheit zu wissen, nicht aber um selber längere Zeit dort zu bleiben, wegen Mücken, Mücken… wir machen eine prov. Reservation für später, gehen aufs Internet und fahren am Abend zurück durch die „Alte Aare“ (;-) bzw den Dingipass. Ein Waschbär überquert über uns lässig die Mangrovenbrücke in dem Moment als wir passieren!
Bei Rückkehr hat unterdessen ein Schweizerboot neben uns geankert – ein Ex-Bieler, wie sich beim Sundowner herausstellt! Ist eigentlich das ganze Seeland in der Karibik unterwegs – wir kennen nun bereits einige aus der Region Biel die mit Segelbooten in der Gegend cruisen.
Eines Morgens stehen wir früh an der Bushaltestelle um nach Colon zu fahren und Einkäufe zu tätigen – eine vorbeigehende Frau teilt uns mit, dass der Bus bereits durchgefahren sei – 20 Min früher als sonst – einfach so – südamerikanisch halt. Da die Busse nur spärlich fahren, machen wir stattdessen einen Dingi-Ausflug zur Isla Grande, so etwas wie eine Ferien- und Touristeninsel mit schwieriger Riffzufahrt, einem Super-Surfspot, schönen Häusern und Pfaden entlang des Wassers und zum Leuchtturm.
Wir lesen viel und sind auch mal einfach so vor Anker bis es uns (mich etwas mehr) weitertreibt. Dann Planung für nächsten Tag – trotz trübem regnerischem Wetter legen wir am 10.5. ab. Kurs Ost, mit den Optionen, Halt bei der Green Turtle Bay und oder bei Miramar oder allenfalls zurück nach Linton. Vorerst Wind mit 19-20 Kn auf die Nase (damit rechneten wir), dann am Wind und gegen ziemliche Welle zur Turtle Bay – einem schönen aber auch gefährlichen Ort – fahren bei starken Wellen in die Riff besetzte Bucht, wieder hinaus und segeln weiter nach Miramar – dort dasselbe: diesmal ankern wir direkt am Riff, vorher noch ein Versuch in die enge geschützte Passage einzufahren – Wenden nicht möglich und Untiefen – es meldet sich niemand am Funk, also 17.5 sm zurück nach Linton – Weiterfahrt nach San Blas wäre „strafbar“, würden wir doch erst beim Einnachten ins dortige Riffgebiet einfahren. Sodann feines Segeln mit raumem Wind um 15 Kn zurück nach Linton. Wieder am Anker können wir feststellen, dass die Rückkehr ein guter Entscheid und das Ganze ein gutes Erlebnis war. Dies verstärkte sich noch als in der folgenden Nacht heftige Böen durch die Bucht fegten – war 3 x (wie andere Segler auch) auf Ankerwache und am folgenden Morgen war eine unbesetzte, schon früher abgedriftete Yacht weiter draussen in der Bucht…
Fuhren mal nach Panama-City mit dem Bus – dh 1 ½ Std Busfahrt nach Colon (2.50 $ pro Person), umsteigen, dann mit Überlandbus nochmals 1 ½ Std nach Panama-City (2.50 $ / Person). An diesem Tag hätten wir gerne die Windjammerflotte in Colon gesehen, welche aus Anlass „100 Jahre freies Südamerika“ von Rio via Cap Horn und versch. Zwischenhalten im Pazifik, heute durch den Panamakanal in den Atlantik kommen sollte – alles war unklar – niemand wusste genaueres – und den letzten Bus nach Linton wollten wir nicht verpassen – also blieb es bei kleinen Einkäufen – andern Seglern erging es ebenso – schade war doch das Ereignis gross angekündigt worden in der Touristenzeitschrift.
Am nächsten Morgen – ich schreibe Berichte und höre Funk, als die Meldung kommt: „… there’s a boat aground – I guess they need help…“ durch das Fernglas sehe ich die amerik. Sy bei den Riffen der heiklen Durchfahrt zur Isla Grande. Als ich mit dem Dingi dort eintreffe, sind bereits 3 andere da – die 48 Fuss-Yacht ist ziemlich arg aufgefahren: stossen mit allen Dingis nützt nichts, auch durch Ziehen an Fall von Masttop mit einem Dingi, die andern stossen, reicht nicht. Ein 5. Dingi kam hinzu (nun waren es 3 à 15 PS, 1 mit 8 PS und 1 mit 2 PS). Sodann ziehen 2 Dingis vom Masttop her um den Neigungswinkel zu vergrössern, 3 stossen in Bugnähe während die Yacht selbst Vollast vorwärts gibt. Diese Aktion führte nach etwas mehr als einer Std zur Erleichterung des Skippers zum Erfolg. Ich durfte es auch als persönliche Genugtuung verbuchen: es war „Rat eines Schweizers unter Amis“- frei übersetzt „eines Freundes unter Freunden“ (;-).
Nach dieser lebendigen Zeit und nach längerer und trüber Wetterperiode mit viel Regen, wollen wir weiter – Das Wetter soll sich bessern, jedoch ist kaum Wind zu erwarten. Wir befürchten, dass wir die 45 sm nach San Blas vor allem mit Motor bewältigen müssen.
Am 15.5. 0600 legen wir ab – es gibt schönen Wind – leider von der falsche Richtung.
Statt schwachen WNW 5 Kn gibt es ENE 15 Kn, Gegenströmung und Welle 2 – 2.5 m – alles gegen uns – die Option umzukehren verschieben wir auf später. 3.5 Std später dreht der Wind leicht nördlich – ob er anhält? – setzen Genua und Besan und etwas später auch das Gross – es wird immer besser. Wind jetzt aus N. Nach schöner Fahrt nehmen wir die „sichere Anfahrtsroute“ von Osten her und ankern bei Porvenier.
Nun sind wir also in Kuna Yala – Indianersprache für San Blas, worüber wir soviel gehört und gelesen haben, in mitten einer Umgebung von Riffen, kleinen Palmen-Inseln mit Strohhütten und sauberem klarem Wasser – kaum angekommen, paddeln zwei Mädchen mit einem Einbaumkanu und kleinem Kind herbei, um freundlich und ernst Mangos und Avocados zu verkaufen.
Impressionen – Vom Rio Chagres ostwärts nach San Blas: