Bei den Kuna Yala Indianern

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Gestern sind wir hier bei Porvenier vor Anker gegangen – von Westen kommend ist es die erste Anlaufstelle der San Blas Islands.

Beim Einnachten war ständiges lautes Wasserplatschen ums Boot zu hören – dann entdeckten wir im Scheinwerferlicht Rochen, welche Luftsprünge machten – super Schauspiel!

Heute Sonntag 16. Mai wurden wir von zwei Männern in Ruderboot um 07.00 geweckt – wir müssten das Boot verlegen – wir seien direkt in der Anflugschneise des kleinen Flugplatzes von Porvenir – dann fällt uns auf, dass die andern vier hier vor Anker liegenden Yachten links und rechts der Ankerbucht liegen – um 10.00 kommt das Kleinflugzeug auf nur ca 6 m Höhe exakt über unseren vorherigen Ankerplatz, um gleich auf der 2 m über dem Meeresspiegel liegenden „Landepiste“ auf zu setzen…(Anmerkung: unser Hauptmast hat eine Länge von 18 m über Wasser). Der Flugplatz ist der einzige auf San Blas mit seinen über 300 kleinen Inseln und stellt eine Verbindung zu Panama-City her – es gibt täglich einen Flug, Wochentags um 07.00 – am Sonntag 10.00 – es sind jeweils plus/minus 10 Personen, meist Touristen die an- oder abfliegen (können).

Das Einklarieren ist unkompliziert und der nicht sofort erkennbare Beamte (T-Shirt, kurze Hose, Barfuss, ca 30 jährig, spricht Kuna Yala und etwas Spanisch) ist sehr freundlich und erledigt die Papiere innert Kürze.

Letzte Nacht und heute früh regnet es stark – wir sammeln Regenwasser – wasche mich an Deck und geniesse es im Regen zu stehen, der bald darauf aufhört und zu blauem Himmel und Sonne wechselt.

Ankerplatzwechsel zu den nächsten zwei Inseln mit Namen Wichubhuala und Nalunega – nur 2 sm entfernt – Pos. 09°33,0’ N – 078°57.1 W – es handelt sich um dicht bewohnte kleine Dörfer – es kommen mehrere Frauen-Kanus vorbei, um die berühmten Molas (Handstickereien mit verschiedenen Lagen von Tuch) zu verkaufen – auch Fischer und andere: kaufen 1 Mola, 1 Fisch und 2 Gallonen Benzin fürs Dingi – die Kinder fragen nach Caramello, Erwachsene z.T nach Fruchtsaft.

Einerseits gibt es hier ein beeindruckendes Umwelt-Management (Vorschriften), andererseits sehen wir bald den überreichten, leeren Fruchtsaftbeutel und Karamellpapiere auf dem Wasser treiben.

Es gibt hier im ziemlich belebten Teil um Isla Porvenir viel (Motor-) Bootverkehr von und zu den umliegenden Inseln: Ware, Schulkinder in Uniformen, Touristen werden transportiert.

Wir wollen in Wichubhuala etwas einkaufen und kommen uns fast wie Eindringlinge vor, als wir durch die engen Dorfpfade auf Sand zwischen den Strohhütten – meist sehr offen – durchgehen. Wage es nicht zu fotografieren. Die Leute sind freundlich aber eher zurückhaltend – meist tauen sie auf, wenn man ins Gespräch mit Händen und Füssen kommt oder etwas kauft oder hilft die schweren Einbäume aufs Ufer zu ziehen. Frauen in ihren bunten Kleidern (Indianertracht) verrichten Haushaltsarbeiten, waschen Kinder, sitzen und schwatzen vor den Hütten. Die meisten Männer sind wohl beim Fischen. Es gibt hier sogar eine Bäckerei und zwei Spezereiläden mit „Basics“, sowie farbigen Stoffen und Nähzeug, woraus die berühmten Molas in Handarbeit hergestellt werden. Eine qualitativ gute Mola – erkennbar an den ganz vielen kleinen Nadelstichen kostet je nach Motiv 15 – 20 $ und benötigt ein Tag und eine Nacht für die Herstellung, wie uns eine Einheimische erklärte.

„Hüpfen“ 2.5 sm weiter zur nächsten Inselgruppe, den Lemmon Cays. Bei der Anfahrt stellt sich wieder mal heraus, dass die Seekarte nur begrenzt stimmt – also eines von uns am Bug das andere am Steuer: Fahrt nach Beobachtung Wasserfarbe, Tiefe, bzw Richtungsweisung zwischen den Riffen durch.

15 SY plus 1 Motoryacht sind hier vor Anker in bereits gewohnter Umgebung kleiner Inseln, die äusserst sauber und gepflegt sind. Der Sandboden wird gereinigt – Schwemmholz gesammelt, Abfälle von Zeit zu Zeit verbrannt, Aludosen (Getränke praktisch nur so erhältlich) werden gesammelt und verkauft. Auf der Insel „Naguarchirdup“ (2 Strohhütten) gibt es neuerdings in der Strandbeiz-Strohhütte Internet – wohl der einzige Ort, von den über 300 Inseln auf San Blas, der über Internet verfügt. Ob die Moderne Einzug halten wird? Wohl nur begrenzt – siehe dazu Bericht „San Blas Islands – Kuna Yala Indianer-Land“.

Schnorcheln mit Rochen der 2m tiefer Runden zieht – Beobachten die glasklare Unterwasserwelt bei den Riffen vom Dingi aus – Versorgen uns mit Süsswasser aus Wasserloch bei Nachbarinsel „Miriadup“. Es kann auch leicht lästig werden, wenn dauernd Einheimische kommen und Ware feil bieten – meist wenn ich gerade meinen „Mittagsnuck“ mache tönt es dann: „Ola, ola – Mola – Caramello?“ (Kinder oder Mütter fragen danach – ja wir haben für solche Fälle) – Leena verhandelt…

Abends oft lesen – ab und zu Rösslistumpen oder Krumme Villiger, um Mücken zu vertreiben (;-).

Schlafe meist im Cockpit wo ein leichter Luftzug etwas Kühlung verschafft.

Nach 3 Tagen geht es 3 sm weiter zu den Chichime Cays, nur teilweise bewohnte Inseln in traumhafter Umgebung. Es herrscht ein relativ emsiges Treiben von kommenden und ablegenden Yachten. Hier etwas weiter draussen gibt es praktisch keine Mücken – es regnet oft – wieder Wassermanagement: Sammeln Regenwasser vom Bimini und Dingi – genug für Wäsche, Douchen und Wassertanks füllen. Am Abend ist viel Lärm: Spanisch sprechende Yachties reden in gewaltiger Lautstärke – eine Motoryacht lässt ganze Zeit den Motor oder Generator laufen – jemand ruft von Zeit zu Zeit nach Nicole (ist sie auf der Insel?) – viel und anhaltendes Hundegebell – später Trommeln auf einer der Inseln – Fackeln wirbeln durch die Luft – ein Ritual?

Ein Früchte- und Gemüse-Versorgungsboot hätte kommen sollen – haben noch 2 Äpfel und 1 Zitrone sonst aber eigentlich alles. Hören noch die Funkrunde des Panama Connection Net – neben Wetter, das erfahrungsgemäss sowieso zu 80 % nicht zutrifft, gibt es zwei bis drei echte Anliegen von Teilnehmern, viele wollen etwas sagen, das tönt etwa so: „you do a great job on the net“ (wird von freiwilligen Yachties geleitet)… thank you so much for that… the sea is here beautifull flat… Flecki (Hund) and I are on the SY… we wish every body a nice day… right now we’r sitting in the cockpit by breakfast and appreciate this lovely day…oh dear, that’s great (die andere hat einen Kuchen gebacken)… blah, blah, blah, no comment! Weil es Wind gibt starten wir, setzen aber für die kurze Strecke von 10 sm nur die Genua – es ist schwarz am Himmel – wissen nicht was kommen wird, freuen uns aber, dass es 15 Kn Wind aus S sind statt der 3 angesagten Knoten „variabel“. Auf Wetterprognosen ist hier an der Panamaküste kein Verlass – offenbar ist es schwierig im Zusammenhang mit der Festlandküste, den Bergen, Land- Seewind, Thermik, Regenfällen – alles kann sich sehr schnell verändern – verlässliche Prognosen zu erstellen. Eigentlich ist die einzige Konstante die, dass es nie den Prognosen entspricht (;-)… später mehr dazu.

Die nächste Inselgruppe die wir anfahren, sind die Western Holandes Cays. Auch hier gibt es wie bei den meisten Inselgruppen am Aussenriff ein Wrack – meist ein Frachter – Mahnmal und oft erlesenes Schnorchelrevier zugleich. Gehen im Lee der Insel Miriadiadup – einer der schönsten Plätze bis jetzt – vor Anker – sind alleine hier – Schnorcheln und Check des Ankers.

Anderntags fahren wir in das grosse daneben liegende Riffbecken mit heiklen engen Passagen – es soll dort Haie zu sehen geben. Die Sicht ist gut bei blauem Himmel. Nach dem Ankern kommt jedoch relativ starker Wind auf – ob der Anker hält? Die Sicht wird auch wegen Wellen schlechter – wir treten vorsichtig die Rückfahrt an – fahren aber gleichwohl nach 15 Minuten auf Grund – die Tiefe sollte hier laut 2 verschiedener Seekarten im Umkreis von ca. 20 m 3 – 6m Tiefe aufweisen, was für unsern Tiefgang von 1.85m und die Tide von 30 cm kein Problem wäre – einmal mehr: das Auge ist am zuverlässigsten (wenn es die äusseren Bedingungen erlauben) – kommen aber ohne Probleme kurz danach wieder frei. Etwas später sind wir wieder am alten Ankerplatz zurück. Beobachte schnorchelnder Weise das Verhalten des Ankers an relativ kurz gesteckter Kette (25 m bei 5 m Tiefe) als ihn Leena „einfährt“ – dabei geht dieser „wie durch Butter“ durch den Sand – werden wohl demnächst den Anker durch den schwereren auswechseln, da es die häufigen Situationen mit beschränkten Platzverhältnissen nicht immer erlauben, dass mehr Kette gesteckt werden kann.

Am Abend treffen Maureen und Ueli mit ihrer kleinen aber seetüchtigen „ Pandura“ ein – beim Sundowner tauschen wir Geschichten die das Leben schrieb – Maureen, Australierin, eine zierliche und erfahrene Skipperin und 10 Jahre allein und von Sydney Australien kommend auf den Weltmeeren unterwegs. Ueli ein Tessiner ehemals Deutscher verkaufte Haus und Geschäft – seit 2 Jahren sind sie verheiratet und gemeinsam unterwegs. Wir tauschen Erfahrungen und lustige Geschichten aus. Als wir u.a. auf Kuba und die mühsamen Behördenkontrollen zu sprechen kommen – geht man in die Stadt, muss man beim Verlassen und wieder Kommen in der Marina (Cienfuego) jedes Mal Taschen öffnen und zeigen – sagte sie, dass sie genug hatte, alles auspackte und lauthals sagte „here are my lipsticks, then the condoms and the tampons…“ die Behörden waren bestürzt und beim nächsten Mal wenn sie kam winkten sie ab.

Am folgenden Morgen noch gemeinsamer Kaffee und weitere Geschichten, dann herzliche Verabschiedung bis irgendwann und irgendwo. Wir segeln 11 sm weiter zur Inselgruppe der Coco Bandero Cays – wo es hinter einem langen Riff, schon fast selbstverständlich mit einem Wrack, kleine Inseln und 8 andere SY gibt. Darunter entdecken wir etwas versteckt hinter einer Insel die „forty-two“ – bekannt von Providencia und Shelterbay. Ausflug mit dem Dingi zum Wrack und am Abend BBQ mit den Seglern vor Ort auf einer der Inseln. Alle bringen etwas für alle – was für eine interessante Auswahl plus Geschichten aus verschiedenen Ecken der Welt.

Treffen Vorbereitungen zum Wechsel des Ankers – der 27 kg CQR wird ausgetauscht gegen den etwas zu schweren 48 Kg CQR (aber die neue stärkere Ankerwinsch wird es wohl schaffen) – warten windarmen Moment ab – ziehen Anker auf – ab- und umschäckeln, was nicht ganz einfach von statten geht – dann neu ankern et voilà, gerade richtig bevor eine wie immer willkommene Brise einsetzt. Gehe mit Carsten zum Schnorcheln – er harpuniert einen Fisch – zu klein für 2 Personen, erwischt aber keinen mehr. Wir tauschen noch Videos und machen Abendkino.

Alsdann wollen wir uns nach dem schönen Cartagena Kolumbien absetzen. Davor steht eine Rückfahrt zu den Lemmon Cays – wir wollen dort nochmals aufs Internet – dann nach Porvenir zum Ausklarieren und wieder zu den Holandes Cays wo nochmals Schnorcheln angesagt ist – traumhaft – bin ständig in einem grösseren Fischschwarm drin und etwas weiter begleiten mich 2 grosse Exemplare, dazu unerhört schöne Korallenwelt im glasklaren Wasser.

Dies werde ich in Cartagena wohl vermissen – das Wasser soll dort sehr schmutzig sein, so stark , dass wie einem Segler geschehen, der Motor nach 3 Wochen nicht mehr gestartet werden konnte, da Propeller und Welle derart zugepflastert waren, dass sie sich nicht mehr drehten (Anmerkung: nachweislich kein Seemannsgarn).

Impressionen – Bei den Kuna Yala Indianern:

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