Kolumbien: von Cartagena zu nahe gelegenen Inseln im Südwesten

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Vorerst sind wir noch am Anker in Cartagena

Kolumbien hat soeben einen neuen Präsidenten gewählt. Santos heisst der Nachfolger von Uribe und gehört der gleichen Partei an.

Zu Hause gibt es ein Fest zum 85. Geburtstag meine Mutter.

Ausserdem ist die Fussball-WM in Südafrika in vollem Gange – dass die Schweiz Spanien schlug, hat aufhorchen lassen. Spanien ist trotzdem Weltmeister geworden.

Es dauerte noch 10 Tage bis wir unseren Ankerplatz in Cartagena verliessen. Hauptgrund: Eine Sommergrippe hielt hartnäckig an und als ich wieder besser auf die Beine kam, erwischte Leena eine 3 tägige Magengeschichte, welche sie komplett „ausser Gefecht“ setzte.

In diesen Tagen machen wir nur kleine Sprünge, zu mehr sind wir nicht imstande.

Die Hauptbeschäftigungen sind kleine Einkäufe, Gang zur Apotheke, Bericht schreiben, Internet, Fotos ordnen, Kopien leere Logbuchblätter machen, zwischendurch schlafen, Tee, Tabletten, dann Vorräte überprüfen – Leena findet ganz kleine Viecher in vakuumverpackten Teigwaren – Ergänzungsliste für Fahrt nach Panama erstellen – ist mit ca 200 sm nicht sehr weit, wollen aber zuerst in Kolumbien ein paar Inseln und dann in Panama weitere der vielen Inseln anlaufen, wo Einkäufe beschränkt möglich sind, wobei wir ca. ein Monat unterwegs sein werden.

Treffen eines Tages beim Dingisteg plötzlich den altbekannten Hagen von der SY Modus Vivendi, den wir erstmals auf der Atlantikinsel San Fernando de Noronha und wieder in Trinidad und St. Lucia getroffen hatten. Natürlich gibt es viel zu erzählen. Er ist ehemals in Ostdeutschland aufgewachsen – er weiss vieles und es ist auch interessant mit ihm über politische Entwicklungen und die Weltlage zu diskutieren. Wie viele Segler hier, will er 2 evtl. 3 Segeltörns für Backpackers von Cartagena nach San Blas bzw. in Gegenrichtung anbieten. Es handelt sich um ein Packet, Essen inkl. für 380.- US$ pro Person und dauert 5 – 6 Tage – die Ausschreibung erfolgt in Youth Hostels. Hagen ist ein Typ, der sich bemüht ihnen einen guten und schönen Törn zu ermöglichen.

Anmerkung: wir kennen inzwischen einige Segler, welche solche Törns nur wegen des Geldes, das vielen offenbar ausgegangen ist, anbieten. Einige sagen es offen, dass es sie ankotzt, aber sie brauchen das Geld…dabei versuchen viele Segler möglichst viele der jungen Leute mitzunehmen.

Es ist teilweise unverschämt mit welcher Leichtfertigkeit bezüglich Verantwortung umgegangen wird – einige haben weder eine seglerische noch irgend eine andere Ausbildung…

Ein Beispiel von vielen: auf einer kleinen SY mit einer Grösse von 36 – 38 Fuss werden 5 – 6 Leute mitgenommen, mit Skipper u. evtl. „Assistentin“ also 6 – 8 Personen!…

Georg und Sandra, welche in der Szene offenbar als seriöse Törnanbieter gelten, kommen eines Tages mit Backpackern von San Blas nach Cartagena zurück und berichten, dass es unruhig sei auf gewissen Inseln in San Blas – die Kunas würden jetzt Geld verlangen für das Betreten einiger Inseln – klar, sie wollen wohl auch etwas vom Kuchen für sich – und es sei eine Strohhütte abgebrannt, dabei ist unklar durch wen und ob im Zusammenhang mit Yachties.

Unterwegs hat Georg in der letzten Nacht 2 Bonitos (Thunas) gefangen und gibt uns einen davon – was uns für zwei volle Mahlzeiten reicht.

Die Coastguard ist täglich unterwegs und fährt langsam durchs Ankerfeld der ca. 40 SY – wir haben nie gesehen, dass sie jemanden speziell angesprochen oder kontrolliert hätten – beim Passieren wird freundlich gegrüsst.

Zwei mal erleben wir Verfolgungsjagden à la James Bond – offenbar übungshalber – 2 Coastguardboote jagen mit horrendem Tempo ein anderes Motorboot, das nur wenig langsamer ist und durch Bogenschlagen zu entkommen sucht – das ganze unterstützt von einem Helikopter.

An einem windstillen Morgen sehen wir, dass ein Motorboot eine uns bekannte SY, die Pandura, die wir vor nicht allzu langer Zeit trafen, zur Marina schleppt. Von Ueli und Maureen erfahren wir, dass sie wegen Motorschaden und weil es keinen oder nur Gegenwind gab, acht Tage benötigten, um von San Blas hierher zu gelangen – für die letzten Seemeilen baten sie über Funk um Schlepphilfe. Sie müssen eine Motorrevision vornehmen, was etwas dauern wird.

Als es mit unserer Gesundheit wieder besser steht haben wir mit ihnen zusammen einen interessanten und auch lustigen Abend.

Nach 3 Wochen Aufenthalt haben sich in diesem Schmutzwasser viele Entenmuscheln am Rumpf festgesetzt.

Alberto, der Taucher, reinigt zuerst zwei Stunden lang das Unterwasser der Waka Tete, unser Nachbarboot und gleich anschliessend unser Boot. Nochmals 2 Stunden, wobei er einen guten Job macht, wie ich später im sauberen Wasser von Cholon feststelle. Kostenpunkt 60’000 Pesos ca. 35 CHF pro Boot – ein beachtlich guter Verdienst für ihn (gemessen an kolumb. Verhältnissen!) – und eine gute Sache für uns.

Erledigen Ausklarierung mit dem Agenten – machen Lebensmittel-Grosseinkauf,

bunkern Diesel, Benzin und „etwas Bier“ – reinigen die Ankerkette – so schön Cartagena ist, aber die Lagune von Cartagena ist wirklich eine „Dreckpfütze“ – wir freuen uns auf sauberes Wasser um wieder baden zu können.

Weil wir nicht ganz alles erledigen können und es auch viel Regen gibt, verschieben wir unsere Abfahrt um einen Tag und haben einen interessanten Abend mit andern Seglern zusammen in der Pizzeria. Dabei lernen wir Heinz und Sylvia vom Cat Mambo kennen – sie schwärmen von Equador, das wir am Rande auch schon mal in unsere Pläne einbezogen haben…

 

20 sm weiter in südwestlicher Richtung zur Ankerbucht Cholon

Vor dem Ablegen noch schnell in die Stadt um einen Inverter zu tauschen – vergeblich – dann bei Richard (amerik. Nachbar) Beschreibung von Cholon mit Waypoints der Anfahrt holen und Kurzbesuch bei der Mambo-Crew für Infoaustausch (Adr., Daten von unserem Dingi und Verkaufsstelle sowie Infos zu Equador).

Wir haben guten Wind, leider genau auf die Nase und können nur gerade 1 Std bei der Buchtausfahrt die Segel setzen. Wie geahnt und von Seglern bestätigt, stellt sich bei der Anfahrt der Ankerbucht von Cholon heraus, dass die Riffs und Inseln nicht mit der elektron. Seekarte übereinstimmen – bin froh um die erhaltenen Waypoints von Richard – welche eine sichere Anfahrt in die Bucht erlauben. Bei der Einfahrt kommt uns ein Dingi entgegen – es sind Carmella und Ivon die Canadier von der SY Taima, welche ebenfalls hier liegen und die wir zuletzt in San Blas sahen. In der grossen Bucht liegen 12 SY, meist Amerikaner, welche schon mehre Monate oder sogar Jahre hier liegen und teilweise zwischendurch nach Hause fliegen. Ringsum gibt es Mangroven und private Ferienhäuser der Oberschicht von Cartagena, wie man uns sagt. Wir ankern neben einem kleinen Inselchen auf welchem gerade genug Platz ist für die dortige Ferienwohnung.

In der Bucht liegt auch ein Shrimp-Kutter, der dem pensionierten Amerikaner Robert mit Haus auf dem Hügel gehört und als Treff für die Segler gilt. Am Freitagabend ist Happy Hour und Spaghettiessen, zu welchem sich etwa 15 Segler/innen treffen. Robert, der mit Ponytail und Kopftuch wie ein Pirat aus dem Film „Fluch der Karibik“ aussieht, ist ein sympathischer Kerl. Er war wie seine Vorfahren Moto-Cop in LA und seine anwesende Tochter ist es ebenfalls. Als ehemaliger Segler ist er bemüht in der Bucht für die Segler ein gutes Ambiente zu schaffen, zu welchem verschiedene Services gehören. Er hat eine gute Reputation und wie es den Anschein macht, verdient er (noch) nicht mal etwas dabei.

Wir bleiben noch ein paar Tage – pflegen Kontakte mit Yachties und via Funk und E-mail mit der „übrigen Welt“ – versuchen das Deck mit viel Salzwasserdouchen wieder schön zu kriegen – finden mit Damon Electronicspezialist (ehemals bei der US Marine und mit 48 pensioniert) heraus, dass das AIS-Gerät und die Antenne wegen Interferenz def. sind – wann, wo, wie Ersatzteile und Reparatur bleiben momentan offen.

 

16 Seemeilen zu den Islas Rosario bzw. Isla Grande

Als wir nach lässigem Segeln die Insel Rosario – sie ist eine von mehreren Insel dieser Inselgruppe anlaufen um zu ankern, kommt ein Motorboot herbei – die beiden erklären uns freundlich, dass die Insel neu unter Naturschutz sei und Ankern nicht erlaubt. Sie geben uns eine Broschüre mit möglichen Ankerplätzen bei der Isla Grande. Ein „zufällig?“ vorbeifahrendes kleines Motorboot führt uns durch die schlecht erkennbare betonnte Seestrasse u.a. mit einer Sandbank (Anzeige unseres Echosounders 0,0 m unter Kiel). Ausserdem gibt es viel Treibholz bzw. Pfähle und Baumstämme die im Wasser treiben und nicht markierte Betonmoorings die sehr schlecht erkennbar sind – sind froh ein „Lotsenboot“ zu haben. Der Ankerplatz ist ruhig, jedoch die Ferienhausanwohner nicht. Bis um 04.00 dröhnt via Lautsprecher Musik zu uns, da nützten auch unsere Ohrstöpsel nicht viel. Wir verabschieden uns um 06.00 mit 3 maligem langgezogenem lautem Hupen.

 

30.5 Seemeilen zu den Islas San Bernardo

Kommen kaum südwärts voran – Wind auf Nase, ebenso Wellen und Gegenströmung – die Windprognosen sind natürlich wieder verkehrt – laufen trotz Südwind, weil sicherer durch Riffs und Untiefen, die Südseite (Luvseite) der Insel Tintipan an – wollen dann allenfalls weitersehen, sollte der Ankerplatz unsicher sein. Während Leena am Ankerplatz das Boot hütet und Brot backt, fahre ich mit dem Dingi zum Dorf Islote vis à vis. Bereits von Weitem ruft mir ein Junge zu, dass Deutschland bei der Fussball-WM soeben ausgeschieden sei. Er zeigt mir in 10 Minuten sein Dorf, das etwa 200 x 200 m misst und wo es sehr lebhaft zu und hergeht. Er rät mir auf meine Frage hin, das Boot wegen möglichem auflandig starkem Wind von der Insel weg mehr zum Dorf hin zu verlegen, was wir auch tun und ein guter Entscheid war, konnten wir doch ruhiger schlafen.

Am nächsten Tag hätten wir weiter Wind gegen uns gehabt und es regnete teilweise wie aus Kübeln – also Dingi leeren (zu ein Drittel voll), Wassermanagement – wir benötigen keinen Watermaker (;-) – bleiben noch einen Tag hier – einmal mehr eine interessante Feststellung am Ankerplatz: das Boot legt sich gegen die einsetzende Strömung und nicht wie normalerweise gegen den Wind – dieser bläst mit 8 -10 Kn von achtern genau gegen die vorhandene Strömung von 1.5 – 2 Kn. Trotzdem richtet sich das Boot nach der Strömung und nicht nach dem Wind aus.

 

32.5 Seemeilen zur Isla Fuerte

Schon wieder Freitag – meinten die ganze Zeit es sei erst Donnerstag – Start um 06.10 – treffen im „Canal Herrera“, einer engen Passage zwischen Untiefen, auf mehrere Fischerkanus – ein kleines Kanu mit zwei Fischern kommt heran und fragt nach Trinken und etwas Essbarem – sie bedanken sich dann überschwenglich.

Die Fahrt gestaltet sich wegen Schwachwind meist auf Nase eher mühsam mit Motor

– dazwischen kommt Hoffnung auf „guten Wind“ auf – also mindestens Genua mal setzen – leider vergebens. Wie bei den letzten beiden Inseln sind wir hier alleinige SY. Nach der Siesta gehen wir ins Dorf Puerto Limon – am Ufer warten bereits zwei: der eine will das Dingi hüten – ist uns recht – dar andere Dorf und Läden zeigen – ist auch ok – wie auf allen Inseln gibt es fast nur Basics, haben aber diesbezüglich alles und können aber viele Früchte kaufen.

Leena hat seit gestern eine starke Augenentzündung am rechten Auge – wir wägen Möglichkeiten bezüglich allfälliger medizinischer Hilfe und worst-case Szenarien ab und warten bis Morgen, um dann zu entscheiden ob wir den ca 100 Seemeilen-Sprung nach Panama wagen wollen.

Impressionen – Kolumbien: von Cartagena zu nahe gelegenen Inseln im Südwesten:

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