
Von Vanuatu nach Neukaledonien –ca. 300 Seemeilen hart am Wind

AmVormittag des 29. September backt die Bordfrau noch schnell einenKuchen für unterwegs – freue mich jetzt schon darauf – amNachmittag verlassen wir Port Vila und nehmen Kurs auf Neukaledonien– mit uns fährt auch SY Sternchen – Feri hupt uns zum Abschied –ob, wann und wo wir uns wieder sehen – irgendwann zu Hausevielleicht – er fährt gegen Osten um die Welt.
In der ersten Nacht dreht der Wind vonSE auf SSE, so dass wir den Kurs hoch am Wind nur knapp beibehaltenkönnen. Sternchen bleibt leicht achteraus auf unseren Fersen –gelegentlich sind wir in Funkkontakt. Es ist mit Vollmond, der ab undzu von Wolken bedeckt wird, eine helle Nacht.

Bereits im Laufe des nächsten Tages zeigt sich, dass wir relativ gutvorankommen und dass wenn es so bleibt, wir bald bremsen müssen, umÜbermorgen früh die Riffpassage – Anfahrt im Süden vonNeukaledonien von E nach W – zum richtigen Zeitpunkt, d.h. beiNiedrigwasser mit einlaufender Tide zu erwischen.
Sehen nach langer Zeit wieder mal 3träge Delfine die knapp hinter dem Boot vorbei schwimmen.
„Sternchen“ hatte die Idee eineseventuellen Zwischenhaltes für eine Nacht auf der Insel Mare, aufder südlichsten der 3 Loyalty-Islands (zu Neukaledonien gehörend),was verlockend wäre, sich aber schnell erübrigte, da wir die Höheam Wind nicht halten konnten und wir sowieso den Tag / Nacht-Rhythmusnicht brechen wollten.
Unterwegs auch Funkkontakt mit SY LardoUS – alles ok.
Um 03:30 in der dritten Nacht steuernwir den Pilot-Punkt der Riffeinfahrt in die „Havannah“-Seestrassean – entgegen „Räubergeschichten“ ist diese unproblematischweil breit und gut befeuert.
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um05:00 beginnt es zu tagen – von hinten kommt der Cruiser „PacificPearl“ mit 19,3 Kn heran – 2 Stunden später kreuzt uns eineSchnellfähre mit 38 Kn (70 Km/h!) – weitere 3 Stunden späterlegen wir zum Einklarieren in Noumea in der Marina „Port Moselle“an, wo uns Bernd von der SY Elbe die Leinen entgegen nimmt – schön!– er hatte am Funk unser Ankommen gehört und kam von derNachbarsbucht zu Fuss herüber.
Kurzrückblick zur Überfahrt vonVanuatu nach Neukaledonien:

330 sm – 68 Std – 3 Nächte – knapp 5Kn Durchschnittsgeschwindigkeit – hart am Wind auf Steuerbordbug –mühsame Momente bei drehenden, auf- und abflauenden Winden(Korrekturen, Segeltrimm) – altes repariertes und wieder montiertes Windfahnenruder hat sich bewährt. – alles ok und beim Sundownermit Freunden sind wir sowieso zufrieden.
Wissenswertes zu Neukaledonien
Neukaledonien ist Übersee-Territoriumvon Frankreich und liegt ca. 1500 Km (800 sm) östlich von Australienund knapp nördlich des Wendekreises des Steinbocks.
Die Hauptinsel ist 400 Km lang und voneinem Riffband bzw. Lagunen umgeben – zugehörig sind die Loyalty-sowie kleinere Inseln.
Bevölkerung: 44% Melanesier, 33%Europäer, 11% Polynesier, 7% Asiaten und 5% andere.
1774 landete James Cook hier und imnächsten Jahrhundert kamen Seeleute und Händler ins Land.
1854 wurde die Haupt- und HafenstadtNoumea gegründet
1863 wurden reiche Nickelvorkommenentdeckt gefolgt vom „Nickel-Rush“.
40‘000 Sträflinge wurden ins Landtransportiert, um unter prekären Verhältnissen für den Bau derStadt Noumea Holz zu fällen, Schienen zu legen und in denNickelminen zu arbeiten.
1942 wurde Neukaledonien eine wichtigeMilitärbasis der Amerikaner im Krieg gegen Japan.
Nickelabbau und heute der Tourismussind die wichtigsten Wirtschaftspfeiler – viele Kreuzfahrtschiffekommen hierher – die relativ kleine Anzahl der Segler dieNeukaledonien anlaufen, spielt dabei eine nicht unwesentliche Rolle,weil sie bedeutend länger bleiben als andere Touristen.
Problempunkte sind militärischeRückstände im Meer, frühere Abholzung und Kontaminierung desBodens durch Nickelabbau – heute werden grosse Anstrengungenunternommen um ein wirtschaftliches und ökologisches Miteinander zugewährleisten – dies ist bei der reichen Flora und Fauna auchnotwendig.
Die Regierung strebt grössereUnabhängigkeit von Frankreich an.
In Noumea – Visum für Australien- weitere Absichten



Nach unserer Ankunft gab’s andern Tags Stegplaudereien mit andernbekannten und bis dato unbekannten Seglern.
Obwohl die Stadt nahe ist, legen wir inden folgenden Tagen lange Fussmärsche zurück – ab- wie auchunabsichtlich um Notwendiges wie Einkäufe zu tätigen, Spezialläden,Immigration, Visastelle der Australischen Botschaft zu finden odereine Ausstellung, ein Museum oder das moderne Aquarium zu besuchen.
Unsere Absicht nach Australien weiterzu segeln erweist sich wegen des Visums vorerst als Stolperstein –wir hatten bereits ein Touristenvisa für 3 Monate, das ursprünglich,wenn wir bereits in diesem Jahr nach Indonesien gesegelt wären,zeitlich genügt hätte. Da wir aber wegen des Schweiz-Aufenthaltesund wegen der Hurrikan-Saison (Dez – Mai) sowie später Fahrt inden Norden (Darwin), ein Jahres-Visum benötigten, setzte dies einigeUmstände und unnötigen Ärger ab – wir dachten, dass es wohl ameinfachsten sei mit allen Papieren direkt bei der Austral-Botschaft.vorbei zu gehen – dazu benötigt man: Antrag, Kopien Pass, Foto,Krankenkasse, Bankauszug, Bootspapiere, Bootsversicherung – nachdem ersten Besuch der Visastelle an einem Freitag, die erst nachStunden und nur mit Insiderhilfe zu finden war, erhielten wirfreundlich Auskunft, mit allen Dokumenten am folgenden Dienstagvorbei zu kommen – also bereiteten wir alles vor – Fehlanzeigevon wegen alles direkt vor Ort erledigen zu wollen – nach längererWartezeit teilte uns die Lady-Offizierin mit, dass seit letztenFreitag das Antragsformular gewechselt hätte – erste Seitenblickeder Bordfrau – dass neben Biodaten und letztem Eintrag (Noumea) derganze Pass zu kopieren sei – weitere Seitenblicke – ausserdem sollich noch einen Brief über unsere Situation schreiben (direkt vorOrt), was ich Zähne knirrschend tat … aber dann schob sie unsnoch ein Formular hin, das Daten über Eltern (Vater gestorben –dies sei egal) Geschwister und deren Kinder verlangte… dieAntragskosten würden 250.- betragen … ob das eine Garantie sei,dass der Antrag bewilligt würde? … nein … wie lange es denndaure bis wir Bescheid erhalten würden? …auch das wusste sienicht, bzw. ca. 10 Tage, es könnten aber auch 3 – 4 Wochen sein -das brachte bei uns das Fass zum Überlaufen – so nicht! – wirkochten innerlich über so viel Schikane – freundlich aber bestimmtfassten wir alle Papiere zusammen –- erklärte der Dame freundlichlächelnd – dazu musste ich mich enorm zusammenreissen – wir würdendieses Theater hier nicht mitmachen – sie möchte doch das ihrenVorgesetzten mitteilen – wir würden voraussichtlich nachNeuseeland statt Australien segeln, weil man dort willkommen sei –thank you and by, by – übrigens mit zustimmendem Nicken vonanderen Anwesenden.
Von andern Seglern hörten wir, dasssie per Internet problemlos und in kurzer Zeit ein Jahresvisumerhalten haben. Dies beabsichtigten wir trotzdem zu tun und falls esnicht klappen sollte, hatten wir uns bereits auf Neuseelandeingestellt, schliesslich machten wir vor einem Jahr guteErfahrungen, würden einige Freunde wiedersehen, dort noch südwärtssegeln und Dinge tun, wozu wir beim vergangenen Besuch keine Zeithatten.
Den Visums-Antrag für Australien habenwir per Internet gestellt – nun müssen wir warten.


Wir segelten vorerst zur Ilot Maitre, einer nur 3 smausserhalb von Noumea entfernten Insel in einem Naturschutzgebiet mitBojenplätzen in türkisgrünem Wasser – wunderbar! Insel undUmgebung stehen unter Naturschutz – das merken wohl auch die Tiere– täglich sind Schildkröten zu sehen, grosse Fische kommen zu denBooten – als ich den Rumpf unter Wasser kontrollierte, kamen zweigrossflächige Fische von 1.2 bis 1.5 m – einer silbrig der andereschwarz – neugierig heran – bin im ersten Moment erschrocken,empfand es dann aber als ganz sympatisch, dass sie sich für mein Tuninteressierten.
Hier trafen wir auch wieder die „Laika“CH, neben welcher wir in Neuseeland gelegen waren.

Einfach so im Sand der Insel…
Die Behörden lassen sich etwaseinfallen um der Natur ihren Platz zu erhalten – die Bojenplätzesind gratis – man will damit verhindern dass mit dem AnkernKorallen beeinträchtigt werden können. Am Ufer wurden mehrereGrillplätze für die Segler eingerichtet und das Holz dafür wirdsogar per Boot angeliefert.
Der französische Einfluss istnatürlich überall spürbar – zu Lande wie zu Wasser ist „alles“gut geregelt: für uns wichtig die zuverlässigen Seemarkierungen,Seewetter, guter Funkverkehr, Überwachung Seegebiet und der Bojen(Verankerung, Leinen), etc.

Tage später treffen wir in der Bay Orphelina Altbekannte –die „Amigo“ und „Sail away“, die schon länger inNeukaledonien sind und hierher kamen um für Australienauszuklarieren – was nur nur in Noumea möglich ist – natürlichAustausch von Neuigkeiten und Übergabe unserer letzten SchweizerSchokolade die ich Amigo „in meinem Leichtsinn“ via E-Mail voreiniger Zeit versprochen hatte.

Wirsegeln mit „Sternchen“ noch zu empfohlenen Ankerplätzen weitersüdlich – machen Halt in der Anse Bay wo Haie zum Bootkommen – Art nicht bekannt, aber mit ca 1.8m gemäss Aussagen nichtzu befürchten – jedenfalls ist bei mir und Georg nach dem Baden„noch alles dran“ (;-).

Schöne Wanderung zu einem der wichtigsten LeuchttürmeNeukaledoniens am Cap Ndoua, von wo aus zur richtigen ZeitWalbeobachtung gemacht werden kann – dazu sind wir jedochjahreszeitlich zu spät – die Wale, die in die warmen Gewässer vonTonga, Fiji, Vanuatu und Neukaledonien zum Gebären gekommen sind,befinden sich bereits auf dem Rückweg in die Antarktis, wo sie sichwieder mit Krill voll fressen werden bevor sie im nächsten Jahrwieder kommen.



In der hervorragend geschützten Carenage Bay – einemHurrican howle – regnet es einen Tag lang wie aus Kübeln –bleiben 3 Nächte am Anker und besuchen mit dem Dingi trotz Regeneine flussaufwärts schön gefasste Thermalquelle – sie ist zwarnur 2 Grad wärmer als das Seewasser – dafür eigebettet in derschönen Landschaft, die von sattem Grün des Waldes und der rotenErde geprägt ist.

Beiphantastischem Wetter erleben wir einen flotten Segeltag zurückzur Ilot Maitre – mit räumlichem Wind von 20 – 28 Knotensegeln wir nur mit Genua und Stagsegel 33 sm der feinen Inselentgegen.

Im sog. Woodin Kanal fällt unser Speed wegen Gegenströmung von 6auf 2.7 Kn zurück – bin nach 4 ½ Std am Steuer (aus Lust die meisteZeit von Hand gesteuert) etwas schlapp. Erholen uns bei einem„Schwumm“ am Ankerplatz und einem Drink zu dem wir bei der „Elbe“eingeladen sind.

Eswurde uns viel von den „Tigerschlangen“ (Laticauda colubrina)erzählt – ca 1.5 m lang / nicht aggressiv / Daumendick / sehrgiftig / lebt tagsüber an Land und geht abends auf die Nahrungssucheins Wasser – weil sie das Dingi nicht aufgezogen hatten, konnte beiFreunden eine Schlange „einsteigen“ – bei einem andern Seglerist eine Schlange via Ankerkette aufs Deck gelangt.

Später beim Grillieren am Ufer sahen wir gleichzeitig 3Exemplare im Umkreis von nur knapp 20 Meter und eine weitere unterder Grillbodenplatte– kein Problem – sogar interessant – manmusste nur aufpassen um nicht auf sie zu treten.
Reinige mittels Freediver den nurleicht grün bedeckten Rumpf unter Wasser.

dieses Mal sind drei grosse Saugfische unter dem Boot – als ich dieKamera holte waren sie immer noch da – die meisten Segler dieAustralien anlaufen reinigen vorher den Rumpf unter Wasser – essoll bald Regel sein, dass ankommende Boote mit Unterwasserkameraskontrolliert (Bio-Security) und im schlechtesten Fall ausgewassertund auf Kosten der Eigner gereinigt werden – ob dies bei Tankern undFrachtschiffen auch erfolgt, entzieht sich unseren Kenntnissen (;-).
PAN-PAN und MAYDAY
Samstag 20.10. – schönstes Wettermit starkem böigem (20-25 Kn) Ostwind – wir sind im Lee einerInsel zusammen mit andern Booten an der Boje – am Nachmittag erfolgteine Pan-Pan–Meldung (Crew und / oder Boot in Gefahr) – einKatamaran ist im Begriff auf der Luvseite der Insel aufs Riff zulaufen – wie am Funk zu hören, sind sofort andere Boote vor Ortfür Hilfeleistung – später ist zu vernehmen, dass für die Crewkeine Gefahr bestand aber das Boot bereits aufs Riff gelaufen war undschwer beschädigt wurde.
Am selben Abend – es ist seit 2 Stddunkel – erfolgte noch eine Mayday-Meldung (Sofort-Hilfe notwendig) –eine Person mit einem kleinen 2.5m langen Boot wird vermisst –treibt evtl. in der Bucht von Noumea – erst zwei Tage spätererfolgt eine Meldung, dass die Person gefunden wurde (ohne weitereAngaben).

In der Orphelina Bay gehen wir 2 Tage vor Anker – erledigenEinkäufe, Wäsche und besuchen von dort aus – Dingi, Fussmarschund Bus – etwas ausserhalb von Noumea das Kanaken-Kulturzentrummit seiner modernen, beeindruckenden Architektur – Türme die einKanaken-Dorf versinnbildlichen – im Innern können Gegenständebesichtigt und die Geschichte verfolgt werden.

Gemäss Wettermeldungen erzeugt in den nächsten Tagen eindurchziehendes Tief starke Winde aus westlichen Richtungen – weilwir somit voll ausgesetzt wären, suchen wir die gut geschützteAnkerbucht der hufeisenförmigen Insel Ile Uere auf. DieseIdee hatten auch andere Segler – 5 Boote waren bereits da und 6weitere folgten noch. Nachts um 02:30 laute Stimmen – ein Bootfuhr bei starken Winden und in stockdunkler Nacht durchs Ankerfeldund ankerte neben uns – es stellte sich heraus, dass es denAnkerplatz wechselte (musste?) – bei Tagesanbruch und nachlassendemWind verliess das Boot ebenso laut die Bucht.

Inzwischen wurde meinem Visumsantrag problemlos statt gegeben undnach weiteren 5 Tagen ebenso jenem der Bordfrau – wir dürfen bisOkt 2013 in Australien bleiben – tipp-topp – also fassen wir mitetwas gemischten Gefühlen Australien ins Auge, hören wir doch immerwieder von Überregulierung, Warnungen, hohen Bussen und Schikanen,wobei selbst australische Segler das nach Hause kommen fürchtensollen. Eine Broschüre, wenn auch sehr freundlich, informativ undlückenlos gehalten, bestätigt vieles und man muss an einiges denkenbei der Anfahrt in Bezug auf die Bio-Sicherheit und anderes – U.a.ist es gut möglich dass man aus der Luft (Helikopterüberwachung)via Funk angerufen wird, es ist strafbar wenn man nicht schriftlichvorangemeldet ist, es ist wichtig, dass man sich bei Annäherung desLandes noch zwei Mal über Funk meldet, auch gut zu wissen, dass manversuchen muss nicht am Wochenende an zu kommen – geht es nichtanders, muss neben der normalen Einklarierungsgebühr von 330.- Au$eine zusätzliche behördliche Überzeitgebühr von satten 288.- Au$bezahlt werden! – je nach Wetterfenster bzw. Planung, ist diesnicht ganz einfach zu bewerkstelligen – In einer Marina auf dem BootBier zu trinken ist erlaubt, jedoch nicht so, wenn sich das Boot amAnker befindet – gilt für Skipper, Crew und Gäste… und vielesmehr.
Wir gehen davon aus, dasswahrscheinlich nicht alles so heiss gegessen wie gekocht wird –dies in der Annahme dass die vielen Regeln vom Motto ausgehen: „alle“sind dumm und müssen vor sich selbst geschützt werden (;-)
Mit dem Port to Port-Rally nachAustralien
Das ausgeschriebene Rally geht auf dieInitiative des Yacht Club Bundaberg mit mehreren engagiertenWeltumseglern zurück, welche den ankommenden Yachties für dieAnkunft und den Aufenthalt in Australien ihre Unterstützung anbieten– die hervorragende und auf die Bedürfnisse der Seglerausgerichtete Organisation ist zeitlich abgestimmt mit derHurrikan-Saison, ist völlig locker – überlässt den BootenZeitpunkt des Starts ausserhalb Australien (die meisten kommen vonNeukaledonien) – hilft bei administrativen Fragen – macht aufwichtige Punkte aufmerksam – ist Bindeglied zwischen Boot undZollbehörden – veranstaltet Seminare, BBQ’s, und… und nicht zuverachten: erstattet die Kosten für die Quarantäne von 330 Au$zurück – rechne: Kosten Rally 220 Au$ – Rückvergütung 330 Au$ -Ersparnis 110 Au$.
Der Erfolg der Organisatoren istbeachtlich – jedes Jahr kommen mehr Yachten nach Bundaberg –davon profitieren offensichtlich alle – vorab Segler, Gewerbe,Behörden, Yachtclub und Marina! Eine Win-Win-Angelegenheit für alleBeteiligten.
Günstiger Zeitpunkt für diePassage nach Australien?
Seit einiger Zeit beobachten wir daslangfristige Wetterfenster für die Passage nach Neuseeland bzw. neunach Australien. Jetzt wo wir im Besitz des Australien-Visums sind,gibt es kaum noch Wind – wir sind bereit, aber für die folgenden 10Tage sagen die Wettermodelle (Modelle lügen manchmal) (;-) windarmesWetter voraus – das angesagte Bisschen Wind kommt zwar meist ausder richtigen Richtung (SE), ist aber über die 800 sm mit Flautenund Variablen versehen – was tun? Eine Woche warten und dann sehenwie es weiter hinaus aussieht? – was, wenn dann immer noch mässig?– Vorentscheid: wir warten ein paar Tage ab.
In den nächsten drei Tagen – wirsind in der Marina – geht es noch dynamisch zu und her – erledigenein paar Dinge die wir schon länger im Auge haben – darunter soun- bzw. wichtige Sachen wie endlich neues Uhrenband, neuenStaubsauger, Moosgummi auftreiben für Erneuerung der Abdichtung vonAnker- und Backkisten, Abklärung Defekt an geliebter Digital Kamera,die mir auf den Boden gefallen war – wurde problemlose und gratisvor Ort durch Fachmann gerettet (;-) – nehme Check undEinstellungen am Rigg vor – studieren Unterlagen Australien –machen Planungsprojekte und besuchen das Heiva-Kulturfestival „150Jahre Thahiti und Neukaledonien“ mit Tänzen und Wettbewerben,ähnlich wie wir sie letztes Jahr in Papeete erlebten.


Immer noch sieht es für die Passagenach Australien nach Schwachwind aus – viele Segler wollen weiterabwarten – wir tun uns schwer mit dem Entscheid – draussen evtl.lange und bei Schwell herum zu dümpeln oder nur mit Motor istwirklich nicht sehr angenehm – aber warten, warten ist auch nichtunsere Sache – wir beschliessen, wie auch schon früher, abzulegen„denn das Wetter findet statt“ – werden uns darauf einstellen.
Also, Aufgabenteilung zwischen Bordfrauund mir, um Ablegen zu können: Behördengang zu Immigration, Zollund Harbourmaster zum Ausklarieren, letzte Einkäufe, Gas holen,Marina bezahlen, von Freunden verabschieden, zu Tankstelle fahren zumBunkern von zollfreiem Diesel – mit vollen Tanks könnten wir die800 sm im Notfall sogar unter Motor zurück legen – hoffentlich nurdas nicht! – Wir rechnen mit 8–10 Tagen Überfahrt beischwachwindigem Wetter.…
Um 15:20 ist es soweit:
29.Okt. 2012 Start nach Australien –800 Seemeilen

Sobald wir Bucht und Riffpass hinter uns lassen und der offenen Seeentgegen steuern, setzt das bekannte, von Zivilisationszwängenbefreiende Gefühl ein… vor uns die untergehende Sonne – hinteruns der Mond der bereits am Himmel steht…

undstatt des angekündigten lauen Lüftchens, fegen wir bei 20 Kn raumemWind – besser geht kaum – mit vorerst 7 Kn Speed durch die helleVollmondnacht.
Tag 2:
auch heute sind wir besser unterwegsals erwartet – stellt auf – allerdings auch die Frage ob schonbald Flaute eintreten wird – 3 weitere deutsche Boote habenebenfalls Noumea verlassen, darunter auch Sternchen, wie am Funk zuvernehmen ist.

Um 19:00 sind wirmit dem Frachter „Nord Hong Kong“ während 1 ½ Std aufKollisionskurs – bei Annäherung auf 3 Seemeilen funken wir – erhat uns gesehen (sagt er…), korrigiert den Kurs und passiert uns0,3 Seemeilen achterlich… komische Gefühle… da ist man imIrgendwo des weiten Pazifik und wird fast über den Haufen gefahren…
Tag 3: „lieber Wind könntest Dunicht etwas regelmässiger blasen, statt im 3 bis 5 Minuten Takt ständig die Richtung hin und her und die Stärke zu ändern?“ –Boot „eiert“ und fährt Slalom – zeitweise Motorsegeln undGegenströmung von 1.5 – 2 Kn – wolkenlose helle Mondnacht.
Tag 4:
War’s das mit dem Wind für dienächsten zwei Tage? – die neuen Prognosen stellen ab dann neuebessere Wind-Daten in Aussicht – passt! – in der Regel sindWettermodelle für 3 bis 4 Tage einigermassen ok, können dann abervöllig anders ausfallen

heute gibt es jedoch Schwachwind, über lange StreckenGegenströmung, am Horizont Regenwolken und prompt einen Schauersowie viel Motorsegeln – daneben aber auch feines von Leena selbstgebackenes Brot.
Tag 5:

mit dem Sonnenaufgang unerwartete Windzunahme – mussten vorher mitFlaute rechnen – sind mit Nordostwind super unterwegs – Besucheiner grossen Möve – dann dreht der Wind über Nord immer mehr aufdie Nase, so dass wir mit WNW-Wind von der Ideallinie in südlicheRichtung abfallen müssen – dürfte kein Problem sein wenn der Windnachts unter dem zu erwartenden Hochdruckgebiet auf Süd drehen wird,so dass wir wieder zurück auf den alten Kurs einschwenken können

weil unerwartet guter Wind bei wenig Welle, war es ein besondersgefreuter Segeltag.
Tag 6:
Logbucheintrag nach Wachablösung um01:30: …Windwechsel von WNW auf SSE in nächsten Stunden zuerwarten… – kaum geschrieben, erfolgt dieser um 02:00 auf einenSchlag auf die unangenehme Art, nämlich mit urplötzlichemWindeinfall inkl. Regenschauer von der Backbordseite her – dieBordfrau aus dem Schlaf aufgeschreckt, hilft beim Umtrimmen der Segelund wechselt dann wegen der Schräglage den Schlafplatz von derBackbord- auf die Steuerbordseite. Dann geht es flott voran, vorerstmit gestrichener Genua segeln wir unter Stagsegel, Gross und Besanbis Mittag mit 7.5 Kn, etwas später mit 3 Reffs im Gross mit 6 Kn –müssen, um nicht am Sonntag in der Nacht anzukommen, weiter„bremsen“ und streichen auch das Besansegel – unangenehmeBegleiterscheinung des guten Windes aus der richtigen Richtung sinddie zunehmenden Chaos-Wellen (alte und neue Wellen die ausverschiedenen Richtungen aufeinander treffen), welche die Niconeteilweise arg schaukeln lassen.
Tag 7:

Feststellung nach (allzu) ruhiger Nacht: wir müssen uns wieder mehrbeeilen, wenn wir morgen rechtzeitig und mit Reserve den Landfallplanen – haben es beide ganz einfach verplempert bzw.„verschlafen“, bis wir gemerkt haben, dass wir zu langsam sind –dazu beigetragen haben nachlassender Wind und Gegenströmung – auchdie Massnahme Gross ausreffen und Besan setzen genügen nicht –also vorderhand zusätzlich leichte Motorunterstützung – etwasspäter wieder gute Fahrt.
Treffen Vorbereitungen für denLandfall morgen (mit Kontrolle durch die Biosecurity): nochmals Checkund innen wie aussen – diverses (u.a. Dingiboden) reinigen – zumGlück keine raue See, wäre sonst etwas mühsam auf dem Vordeck zuarbeiten – Leena hat gut kalkuliert mit den Esswaren – wir habenfast alles gegessen, was uns die Biosecurity sonst abnehmen würde –sie macht mit den letzten Eiern und mit dem Käse noch schnell einenZitronen- und einen Käsekuchen – Zeitumstellung (minus eineStunde) vorgenommen – bereits Gastland- und Q-Flagge gesetzt –Check Prozedere Funkmeldung: wann muss wer angerufen werden – dannangenehme konstante Fahrt in die letzte Nacht.
Tag 8:
Um 04:45 werden Landkonturen sichtbar

dieserKerl oder diese Vogeldame reiste wohl lange mit – das ist ok –was jedoch nicht ok ist, ist die Hinterlassenschaft auf dem Deck –also Reinigungsübung – wir wollen ja mit einem sauberen Bootankommen.
Später Anmeldung wie vorgeschriebenüber Funk bei der freiwilligen Rettungs-Organisation Bundaberg –sehr freundlich und mit den Worten „ yes we have you on the list“ – er werde die Biosecurity, den Zoll und die Immigration informieren– später in der Flusseinfahrt folgen weitere Instruktionen und …“ja ich sehe euch bereits, eine kleine Ketch nicht wahr“ – wirmeinten bis dato ein relativ grosses Boot zu haben (;-)

Wir streichen die Segel undfahren zum Quarantäne-Steg, wo man uns bereits erwartet. AuchFreunde sind da – vorderhand sind wir noch ausgeschlossen.
Es folgte die gründliche und sehrfreundliche Kontrolle durch die Biosecurity mit Informationen überallfällige Schädlingsbekämpfung, besonders was Termiten anbelangt,was schade wäre für unser Holz-Interieur wie der Mann meint. Dieebenfalls freundliche Frau – neu im Job!? – inspizierte Kästen,kroch auf allen Vieren auf dem Boot herum und leuchtete mit derTaschenlampe Ecken aus – alles ok – weggenommen haben sie unslediglich ein paar Zwiebeln, Knoblauch, Ingwer, Muskatnuss, Pfefferund zwei Äpfel – plus Standard-Gebühr von 330.- Au$.
Effizient und locker dann Zoll undImmigration mit den Wünschen „Wellcome in Australia“.
Alle hier einklarierenden Segler sindsich einig, dass sie überrascht sind über die freundliche Art wiedas ganze Prozedere – in unserem Falle in nur 1 ½ Std – gründlichaber korrekt – abgewickelt wurde.
Kurzrückblick zur Überfahrt vonNeukaledonien nach Australien:
797 Seemeilen – genau 160 Std – 7Nächte – eine „easy-going“ Passage – mit Ausnahmen wenig hoheWellen – in kürzerer Zeit als angenommen – problemlose guteFahrt ohne beschwerliche Vorkommnisse.

Nun wollen wir etwas Fuss fassen aufdem neuen Kontinent, dann der Ostküste entlang weiter südwärtssegeln.