April 2012
Ankunft und Überblick:
Wie immer gilt es sich bei Ankunft an einem neuen Ort zu orientieren. Meist hat man bereits Informationen aus Seehandbüchern, von andern Seglern via E-mail oder Seefunk, was sehr hilfreich ist. Vor Ort gibt es einen Trans-Ocean-Stützpunkt. Es handelt sich um einen Club der die Interessen der Segler vertritt und sie unterstützt. Wir sind seit 4 Jahren Mitglied und machen einen Besuch bei Tina (Schweizerin) und ihrem Mann Manolo, die den Stützpunkt leiten und eine Reisevermittlung führen. Bekommen daselbst gute Tips und machten uns schlau über Alltägliches und die neue andere Welt.
Memo
Galapagos-Inseln d.h. urtümliche Vulkanlandschaften mit einer grandiosen Tier – und Pflanzenwelt umgeben von Pazifikwasser. Auch dieser maritime Bereich mit seinen Meeresbewohnern ist geschützt. Die geografische Isolation, sowie die biologische Welt und evolutionären Prozesse in Fauna und Flora sind einzigartig.
1535: der Seefahrer Berlanga, der im
Auftrag des spanischen Königs an der heutigen Küste Kolumbiens unterwegs war, entdeckte die Galapagos-Inseln, nachdem das Schiff wegen Windstille mit dem Strom auf die Inseln driftete.
1835: an Bord der „H:M:S Beagle“ erreichte der damals junge Naturwissenschafter Charles Darwin Galapagos und begründete auf Grund seiner Beobachtungen die revolutionäre „Theory of the Evolution of Specis“, die 1859 veröffentlicht wurde.
1979 erklärt die UNESCO die Galapagos als Natur-Kultur-Erbe und bis dato erfolgten weitere Erlasse zum Schutze der Inseln.
Umgebung:
Segler müssen zum Einklarieren entweder die Insel San Cristobal oder Santa Cruz anlaufen – die Aufenthaltsbewilligung wird nur für 20 Tage Aufenthalt auf den Galapagos erteilt .
Auf San Cristobal, fährt man die Wrack-Bucht mit der Ortschaft Puerto Baquerizo Moreno an. Es ist, obwohl nicht der grösste Ort, zugleich der Hauptort der Galapagosinseln.
In der relativ gut geschützten Ankerbucht
lagen während unseres Aufenthaltes immer etwa 30 SY – die meisten machen hier einen Zwischenhalt auf dem Weg zu den Marquesas. Wir treffen denn auch einige bereits bekannte Boote und lernen neue Bootsleute kennen – interessant: Neuankömmlinge ankern oft neben Booten gleicher Herkunft oder Sprache – in unserem Falle Schweden, Norweger weil wir unter finnischer Flagge fahren – das ergibt
oft äusserst spannende Bekanntschaften wie mit der SY Blue Dame Swe – Monika 66 und Jan 75 sind durch den Beagle-Kanal an der Ostküste Südamerikas mit dem Humboltstrom nordwärts bis Panama gesegelt, dann wieder südwestwärts zu den Galapagos.
In der Bucht herrscht ein reges Kommen und Gehen von Tourist-Booten (Motor-Katamarane für ca 20 Personen), welche die eingeflogenen Touristen zu den verschiedenen Inseln fahren, sowie von Versorgungsschiffen. Diese ankern in der Bucht, dort wird auf flache Lastkähne umgeladen, welche dann ihrerseits die Ware zum untiefen Ufer bringen. Von dort per Lastwagen zu den Bestimmungsorten.
Die Bucht und Umgebung wird beherrscht von den vielen Seelöwen – sie tollen um die Boote, liegen auf denselben, wenn sie hinauf können – Dingis sind beliebte Aufenthaltsorte, weshalb die meisten Segler die billigen Wassertaxis für ½ $/Person und Fahrt benützen und das Dingi auf dem Deck Ihres Bootes belassen.
Dies und das
Wir unternehmen Landgänge, sehen am Internet via Skype unser Grosskind, Familie und Freunde, besuchen Infozentren, Treffen andere Segler zum Infoaustausch und erledigen Alltägliches:
Loser Stiftzahn wird im allg. Hospital wieder eingesetzt – Überraschung total: gratis! – Bezahlung ausgeschlossen! – bringen anderntags „Znüni“, um mind. das Gewissen zu beruhigen.
An einem Abend als wir zum Boot zurück kehren teilt uns der Bootsnachbar mit, dass das Touristboot
auf die Nicone gedriftet sei – die Crew sei mit grossem Dingi dazwischen gefahren – es sei offenbar nichts passiert
möchte gerne Auskunft vom Kapitän des Bootes – keine Antwort am Funk – gehe mit Wassertaxi vorbei – Kapitän nicht da – in der Nacht legte das Boot ab – na ja
habe jedoch nichts
nachteiliges festgestellt.
Wir bunkern teuren Diesel (ca 4 x teurer für Touristen / Segler) , was erst noch behördlich bewilligt werden muss. Da wir im Funk hören dass „Schlaumeiereien“ im Spiel sein können, filtern wir vor dem Einfüllen den Diesel – alles i.O., was wohl auch mit der zuverlässigen Leiterin des Trans-Ocean-Club zu tun hat, wo wir den Diesel bestellten.
Lag es am verflixten 13. des Monats oder woran – wir schalteten einen intensiven
Arbeitstag ein – Leena mit Haushalt und Wäsche – ich mit Check des Riggs, Bolzenwechsel, Stahlsicherungen abkleben, Kielstreifen am Dingi neu befestigen,
Check Motor, Bilge div. Niveaus etc. – als der Motor läuft: plötzlich rote Lampe an der Anzeige – stelle deshalb ab – Suche beginnt – Sicherung? – Elktroschaltgehäuse?
– Hauptschalter? (ersetzt) – nichts tut sich – Motor kann nicht mehr gestartet werden – nochmals Sicherungs-Check – und siehe da
die Spezialsicherung hat einen unsichtbaren Wackelkontakt (unter Lötstelle) – perfider geht kaum – sind aber happy, dass es nichts Gröberes ist.
Etwas gröber sah es bei der SY „Elbe“ aus: sie wollten ursprünglich von Panama aus direkt die Marquesas ansteuern – Ausfall autom Windpilot – somit doch Galapagos angelaufen – warten seit 4 Wochen auf Ersatzteil – ist schon längst
beim Zoll – dort aber wurde es kompliziert.
Inselausflüge:
Auf einem Inselausflug auf San Cristobal geht’s mit einem Auto/Guide zum Fusse des Vulkan El Junco – kurzer Aufstieg auf noch wackeligen Seebeinen zum kleinen Vulkansee – es ist absolut ruhig hier – viele Vögel kreisen über dem Krater, ausserdem Aussicht über Insel – dann zu einer Aufzucht von Landschildkröten – Arterhaltung wegen Dezimierung durch Mensch und Tier – bes. durch Wilderer (Schildkrötenfleisch) und artfremde Katzen und Ratten, welche die Schildkröteneier fressen. Später an schönen Küstenstrich mit Leguanen noch Schnorcheln in brandungsgeschützem Naturpool umgeben von Lavabrocken.
Um die Galapagosinseln in der Gesamtheit etwas zu erfassen leisten wir uns einen geführten 4-tägigen Ausflug mit einem Motorboot zu den Inseln Floriana, Isabela, Santa Cruz. Die Nicone bleibt die in der Zeit unserer Abwesenheit
am Anker in der Ankerbucht von San Cristobal. Das ist am einfachsten so – Bootsnachbarn und ein Wassertaxidriver haben ein Auge darauf.
Es ist eine illustere Gruppe von 16 Personen plus Guide, Kapitän und Assistent, welche gut harmoniert. Neben 3 Segel-Paaren (US, NZ, CH) viele junge Frauen, meist Volontärinnen (Europa), die hier für ein paar Wochen arbeiten und Ausflüge machen.
Das Programm lässt sich sehen; es ist gedrängt und von einem ausgezeichnetem Guide geleitet. Die Ortsverschiebungen auf dem Wasser erfolgen mit einem Motorboot, das 3 Aussenbordmotoren à je 200 PS aufweist. Gegessen wird in verschiedenen Restaurants – überall ausgezeichnete Küche – geschlafen in Hotels, wo es kaum etwas zu bemängeln gab.
1. Tag: mit Motorboot 2 ½ Std zur Insel Floreana – weil etwas Welle werden einige seekrank – vor Ankunft Vogelbeobachtung bei vorgelagerter kleiner Insel und etwas später Schnorcheln mit grossen bunten Fischen. 2 Seelöwen wollen offenbar mit mir spielen und dann kann ich einer grossen Wasserschildkröte folgen – grosse Momente – Roy der NZländer gab später zu, er hätte gar keine Zeit gehabt für die Tiere, denn all die anmutigen Frauen in nächster Nähe im Wasser hätten ihn abgelenkt
Highlandtour auf Insel mit interessanter Geschichte aus jüngerer Zeit – die Darsteller: Zivilisationsflüchtlinge aus Deutschland – eine oesterr. Baronesse mit 3 Lovern – ein ausgesetzter Seemann – Vergiftungen – ungeklärte Morde
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Weiterfahrt nach Villamilla grösster Ort der Galapagos auf der Insel Isabela.
2. Tag: Fahrt zum Fusse des Vulkans Negro auf holpriger Strasse – 5 Std-Wanderung – es wurden 6 – Roy verlor eine Schuhsohle, nahm einen andern Weg jetzt mit Sandalen – fanden ihn wieder nach Umweg – wandern entlang des Kraters von 10 Km Durchmesser! – Fotoapparat steigt aus (;-( – kann vorderhand nicht rep. werden – gegen Abend: Fahrt mit kleinen Booten an Küste und Spaziergang: Pinguine, Wasserschildkröten, Seelöwen, Leguane und vielen interessanten Infos dazu – anschliessend feines Nachtessen und Kuchen: Ann-Sophie (Teilnehmerin), hat Geburtstag.

3.Tag: Fahrt mit offenem Bus zur „Mauer der Tränen“. 1946 landeten 300 gefangene und 30 Polizisten hier und bezogen vom Festland weit entfernt die von Amerikanern hinterlassene Infrastruktur – diese betrieben damals auf der Insel 3 Radarstationen – unter unmenschlichen Bedingungen und als Arbeitstherapie bauten die Sträflinge eine Mauer. Das Straflager bestand bis 1959 und es gibt vor Ort noch beteiligte Personen.
Weiterfahrt zu Flamingo-Lagune Mit dem Motorboot 2 Std zur Insel Santa Cruz – Hochlandtour mit BBQ – wild lebende Riesenlandschildkröten – Besuch eines Lavatunnels – sieht aus wie ein Eisenbahntunnel – er entsand dadurch, dass die Oberfläche abkühlte, darunter aber weiter Lava floss – Besuch der Charles Darwin Station
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4.Tag: Zeit für Spaziergang am Strand – obwohl schön, verzichten die Segler darauf (sehen viele Strände) – machen dafür Einkaufsbummel, der für uns teuer wird: neue Kamera!
Fahrt zurück nach San Cristobal – an Küste nochmals Schnorcheln – versch Riff-Fische – dann heisst es Abschied nehmen – man ist sich einig: das war eine Reise in die Geschichte, an welcher es nichts zu bemängeln gab – die Segler wollen in Kontakt bleiben.
Zurück auf dem Boot hören wir in der Funkrunde von vielen Booten die immer noch bei mässigen Windbedingungen von den Perlasinseln nach Galapagos unterwegs sind – darunter auch die Aroha welche ursprünglich mit uns starten wollte – die Mabuhay, unsere CH-Kollegen, werden demnächst starten.
In der Folge noch ein Kunterbunt von Tätigkeiten, Kontakten, Treffs, letzte Einkäufe, Wäsche, Vorbereitungen am und im Boot, Wetterdaten, Check-out für die längste Fahrt von ca. 3000 sm in unserem Seglerdasein.
Es ist Donnerstagabend 21.4.2011 – die Seelöwen gebärden sich wie verrückt beim Spiel ums, neben und unter dem Boot – bald schöne Erinnerung – morgen Karfreitag
wollen wir ablegen.
Alle Fotos „Im SW der Insel San Cristobal vor Anker – Ausflüge auf Galapagos“