„Stürmischer Abschied von Griechenland“ – nur 11 Seemeilen in die Türkei… aber…

Abfahrt

Gestern sind wir von der Insel Tilos nach Kos gesegelt um heute hier in Griechenland aus zu klarieren und in die Türkei zu segeln. Der Wetterbericht ist gut und schöne 4 Bf sind angesagt.

Wir haben am Vorabend ausserhalb der Marina und des Stadthafens mit 4 andern Yachten geankert, da an beiden  Orten kein Platz mehr war. Mehrere einfahrende Yachten kamen wieder heraus.

08.00 Uhr
aufstehen nach mässigem Schlaf  bei hoher Luftfeuchtigkeit und bei teilweise starkem Wind mit den dazu gehörigen Wellen.
Also baden zum Wecken – wunderbar bei 26°C Wassertemp. / Luft 28°C ; Frühstück, dann Papiere etc vorbereiten für Passpolizei und Hafenamt.

09.30 Uhr
Inzwischen hat der Wind (und Wellen) zugelegt auf  6 Beaufort – Anker prüfen und nochmals etwas Kette stecken – jetzt 35 Meter bei einer Wassertiefe von 4.5 Metern – normal ist 3 – 5 x Wassertiefe, aber schliesslich haben wir etwas schwierige Verhältnisse und die Nicone ist ja auch nicht einfach niemand mit ihren 16 Tonnen.
Da gestern 2 Yachten, offenbar wegen Nichthalten des Ankers, neu ankerten, hatten wir den Verdacht dass der Boden evtl. mit Seegras bedeckt sein könnte, was den Halt des Ankers sehr beinträchtigen kann.
Können wir das Boot unter diesen Umständen überhaupt verlassen, um das Ausklarieren in der Stadt zu erledigen – sollten ja auch noch mit dem Dingi beim Wellengang einigermassen trocken das Ufer erreichen.

10.30 Uhr
Wir waren beide unten, als wir Nebelhornstösse vernahmen – kein gutes Zeichen! Wir schnellten nach oben und sahen, dass das schräg vor uns liegende Boot in knapper Entfernung auf uns zu driftete – sein Anker war ausgerissen – ein weiter weg liegender Neuseeländer hatte dies beobachtet und gab Alarm. Es dauerte eine Weile bis der Eigner überhaupt begriff was vorgefallen war – selber  konnten wir in der verbleibenden Minute nichts unternehmen als dem alten Herrn zuzurufen er möge den Motor seines Bootes starten. Unterdessen driftete das schwere Boot in äusserst knapper Entfernung an uns vorbei und geriet nahe an die Untiefe des Ufers. Nach langer Zeit (30 Min !?) kam das Boot , das 2 weitere Damen an Bord hatte schliesslich frei und suchte das offene Wasser.

11.00 Uhr
also eigene Situation im Griff behalten bzw.  beobachten wie sich der Wind, das eigene und andere Boote verhalten…

11.30 Uhr
… kaum so beschlossen, beobachte ich das Driften des andern noch seitlich vor uns liegenden Bootes und mache die beiden Franzosen rufend auf die Situation aufmerksam – sie „übten“, da sie 2 Anker ausgelegt hatten, fast eine halbe Stunde und fuhren dann ebenfalls weg.

12.00 Uhr
übers Wasser kommt eine Luftmatratze mehr in der Luft als schwimmend geflogen – ich „rette“ sie mit dem Dingi und gehe noch beim Neuseeländer vorbei, welcher die Warnung gegeben hatte. Wir erörtern die Situation und tauschen Neuigkeiten aus.

13.00 Uhr 
unser Boot hält sich gut, also gehen wir mit einem immerhin etwas mulmigem Gefühl in die Stadt, um uns von Griechenland abzumelden. Der Passportpolizist schwärmt von Wimmis, von einem Freund Thomas Lüthi mit welchem er Paragliding machte.

14.00 Uhr
zurück, beschliessen wir bei 6 Beaufort Richtung Türkei abzulegen und erkundigen uns zum Glück vorher tel. nach einem Marinaplatz  (Port of Entry) in Turgutheis, wo wir freundlich wegen Überbelegung bzw. einer einwöchigen Bootsshow abgewiesen werden. Also ab nach Bodrum wie ursprünglich geplant, wo uns „der letzte Platz“ res. wird.

14.30 Uhr
übers Wasser kommt eine weitere gelb leuchtende Luftmatratze zu fliegen, die wir aber „vorbei lassen“, da sie genau auf’s Ufer zu driftet.

14.45 Uhr
kaum haben wir den Anker oben und den Kurs von 40° eingeschlagen, bringen die Wellen etwas orangfarbenes daher, was sich als Mütze herausstellt, die wir fischen – wenn das so weitergeht können wir einen Laden eröffnen…

15.00 Uhr
Nur Genua mit 1 Reff gesetzt und ab geht die Post bei rasch zunehmendem Wind – Logbucheintrag: NW-Wind, 8 Bf, Wellen auf Deck .

15.15 Uhr
Genua weiter verkleinert, dann deckt uns eine grosse Welle zu – alles „patschnass“  im Cockpit inklusiv Logbuch.
Die Nicone pflügt unbeirrt und zuverlässig bei Halbwind durch das aufgewühlte Wasser (Düsenwirkung) der türkischen Küste zu. Es sind keine andern Boote mehr zu sehen.

16.00 Uhr
Wind jetzt bei 8 – 9 Bf konstant, Genua nochmals reffen – ca 25 Boote, davon viele Gulets (Ausflugboote) haben hinter einem Landvorsprung Schutz an der Türkischen Küste gesucht und warten bessere Zeiten ab. Auch grosse Schiffe warten hier.
Erst als wir diese „Schutzzone“ erreichen kann ich die Gastlandflagge wechseln und die gelbe Q-Flagge („alles gesund an Bord“) setzen.

17.00 Uhr
Einfahrt in die Milta-Marina Bodrum – Anmeldung über Funk, worauf wir von einem Pilotbootfahrer sehr freundlich empfangen werden und der uns mit 2 weiteren Kollegen einweist und beim Vertäuen hilft.

17.30 Uhr
an Liegeplatz / Steg / Moorings fest – danach Ankertrunk auf die Herausforderung, die wir – Leena, NICONE und ich – nicht ohne einen gewissen Stolz meisterten.

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