Woche 20 11. – 18.05. 2009

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truebe Schwachwindtage

In 7 Tagen von Jacare zum 600 sm entfernten Salvador da Bahia – kein besonderer Schleck

Nach 5 Wochen Jacare – etwas „in der Prairie“ – ist es schon fast ein Ereignis wenn jemand ankommt oder ablegen will – man kennt sich – hat neue Freunde, Kontakte und gemeinsame Erlebnisse – sieht man sich wieder mal? – etwas Wehmut ist dabei aber die Vorfreude auf Neues ist stärker.
Seit Wochen gibt es nur relativen Schwachwind vor der Küste, trotzdem wollen wir nicht länger zuwarten und rechnen mit langsamem Vorwärtskommen, da z.Teil auch noch Gegenwind zu erwarten ist und unser Boot hier im Flusswasser ein ziemlich verschmutztes Unterwasser bekam, das wohl etwas bremsen würde.
Bei Niedrigwasser und unter Beisein mehrerer Schiffsnachbarn legen wir um die Mittagszeit ab und segeln gegen die beginnende einlaufende Tide flussabwärts zum offenen Atlantik…
aber nicht sehr lange, denn bereits nach knapp 2 sm sehen wir uns gefangen in einem Fischernetz, das vom Ufer bis über die Flussmitte reichte und dort mit einer kaum sichtbaren Boje markiert war… das begann ja gut… nach 15 Minuten kam ein Fischerboot mit 2 Personen heran und die beiden begannen wie selbstverständlich, das am Kiel verfangene Netz zu lösen, wobei der jüngere von beiden mit Taucherbrille tauchen musste. Kein Lamento nichts: nach 20 weiteren Minuten sind wir frei, spendieren eine kleine Flasche Brandy und gegenseitiges freundliches tschüss.
…wir machen Witze: evtl. ist es das Hobby der Fischer, Yachties zu fangen und gegen „Wegzoll“ wieder zu befreien.
Dann nach der Ausfahrt der Seestrasse erreichen wir den blau-grünen Atlantik. Schon der Anblick ist etwas besonderes nach dem trüben Flusswasser des Paraiba-Rivers. Vorerst wollen wir etwas Seeraum gewinnen, d.h. ca 20 – 30 sm hinausfahren, um den nachts an der 50 m-Tiefenlinie operierenden Fischerbooten auszuweichen. Wegen Gegenströmung, Schwach- und Gegenwind müssen wir viel den eisernen Spi (Motor) einsetzen.  An diesem und den folgenden 2 Tagen und Nächten bleibt uns dies erhalten. Zwischendurch scheint Wind aufzukommen, also Segel setzen, doch nichts oder oft nicht lange, also wieder bergen etc. Wir kommen gerade mal mit durchschn. 3.5 Knoten voran…wir haben ja Zeit…
Der frühe Donnerstag (01.00 Uhr) beginnt mühsam: es gibt etwas mehr Wind; um von der Küste wieder etwas weg zu kommen wollen/müssen wir aufkreuzen – dabei regnet es seit Stunden in Strömen – Winddreher zu unseren Ungunsten – Frachter von achtern aufkommend – mehrere Wenden – wieder drehende Winde – „segeln an Ort“ – volles Programm! Am Vormittag dann wieder Schwachwind, der um 15.00 vollends abstellt – zweite Gelegenheit um mit Schnorchel ausgerüstet und gesichert das Unterwasser steuerbords grob von Bewuchs (Kleinstmuscheln) zu befreien – die erste Gelegenheit hatte ich am 2.Tag bei Flaute ergriffen und die Backbordseite grob gereinigt – nach 1 Std bin ich selber ziemlich fertig aber die Nicone ist von den gröbsten Verunreinigungen befreit – sie sollte somit schneller werden…
Ein Zwischenhalt in Recife haben wir von Beginn weg wegen den dort bekannten  Sicherheitsproblemen für Segler ausser Betracht gelassen, haben unterdessen auch Maceio ausgelassen um Zeit zu sparen (Papiere/Behörden, Ankern, Dingi aufblasen und wieder verräumen)
Am Tag vier, bei Halbdistanz, nach viel trübem und regnerischen Wetter, schlechtem Schlaf wegen Turbulenzen, Wellen, Schaukeln weil zu wenig Wind, sowie Killen der Segel sind wir etwas müde und besorgt: Der Motor hatte seit der Wegfahrt in Jacare schlechte Leistung, was ich vorerst auf den Bewuchs am Unterwasser aber auch Gegenströmungen zurückführte – der Windpilot liess uns nach pos. Erfahrungen im Stich – die vor 3 Monaten revidierte Wasserpumpe leckte erneut (Wasser in der Bilge) – es könnte abenteuerlich werden auf den restlichen 250 sm, falls kaum Wind, evtl. Motorausfall und es würde schwierig, dem hier häufigen Frachtverkehr an der südamerikanischen Küste ausweichen zu können etc.
Aber dann am Abend setzt anständiger Wind mit 14 bis sogar 22 Knoten aus Ost ein und hält bis in die Morgenstunden an – es gibt uns das Gefühl „durch die Nacht zu fegen“, juhui!
5. Tag: trüb, häufige Regenschauer, Wind achterlich aus NE, mal schwach, mal kurz heftig, weshalb wir den Spi (Risiko) nicht setzen – Segeln mit dem autom. Piloten – benützen den Benzingenerator zum Laden der Batterien – Motor stottert; wagen ihn nicht mehr zu gebrauchen – am Abend scheint der Wind zuzunehmen, diesmal vom Festland her bzw. aus W – war aber nichts, er drehte auf E – für die Nacht: Passatsegel weg, Genua, gerefftes Gross und Besan an Steuerbord.
6. Tag: letzte Nacht ruhig verlaufen – um 03.00 als sich die Wellen glätten, Check von  Dieseltank und Vorfilter – scheint aber nicht das Motorproblem zu sein – 1 Std später Frachteralarm – genau auf uns zu – haben ½ Std Zeit um auszuweichen – diesmal mit inzwischen gutem Wind kein Problem – abfallen später wieder angeluvt – ganzer Tag trüb und mit Unterbrüchen Regen, Regen – am Nachmittag, wir führen gerade Gespräche über Übersinnliches im Familienkreis, als Möve Adolf (wir nennen sie so) bei uns landete und uns lange begleitete, indem sie immer wieder angeflogen kam und sich neben unserem Boot ins Wasser setzte. Etwas später haben wir noch eine Zeit lang Delfinbegleitung.
Um 16.00 dreht der Wind rassig auf, die Wellen werden höher und mit gereffter Genua, gerefftem Gross und Besan rauschen wir nun mit SE-Wind in die hereinbrechende Nacht. Es ist eine etwas gespenstische Szene: Nachtessen einnehmen neben laufendem und lärmigen Generator, Regen entfernte Blitze, Wellen, Gischt und Lichter vermutlich von versch. Fischerbooten – müssen auf diese aufpassen wegen Kursänderungen – um 21.00 heftige Gewitterfront mit dazugehörigen Böen – wegen gerefften Segeln und bewegter See haben wir die ganze Nacht nur mässige Geschwindigkeit bei Windspeed von 18 – 22 Knoten.
7. Tag: Um 05.00 sollte die Dämmerung einsetzen – es blieb aber wegen tief hangenden Wolken und Gewittern finster – wir sind etwas „abgekämpft“ – um 0700 Wind bei Anfahrt von Salvador (noch 15 sm) bei 26 – 28 Kn, Wellen 3.5 – 5 m, Sicht wegen grau-schwarzen Regenwänden nur 0.5 – 1sm. Bei diesen schwierigen Verhältnissen und der schwierigen Anfahrt wegen Sandbank, Frachter auf Kollisionskurs (nehme Funkkontakt auf – können uns nur auf AIS sehen), sowie wegen Legerwall standen auch schwierige Entscheide bevor: sollen wir südlich an der Sandbank vorbei oder über die Sandbank (voraussichtlich noch höhere Wellen) oder in Landnähe auf Legerwall die SW-Ecke von Salvador passieren, um in die geschützte Bucht zu gelangen? Der Frachter muss/nimmt südl- Kurs um Sandbank – wir fahren zuerst auf Sandbank zu um später noch entscheiden zu können, ob wir darüber fahren oder doch an der Engstelle, wo die Wellen zwar auflandig aus S sind, der Wind aber dort jetzt achterlich aus E weht. Nach einem kurzen aber heftigen Versuch die Sandbank doch noch südlich zu umsegeln – der Frachter auf Kollision dürfte bis dahin diese schon erreicht haben – entscheiden wir die Sandbank oberhalb der nördlichen Tonne zu überfahren um etwas Reservedistanz zur nahen Küste zu haben. Alles offenbar richtig gemacht – wir erreichen die Bucht in Lee zwar etwas „angeschlagen“ aber problemlos – der Motor funktionierte und brachte uns am Fort vorbei zur Marina „Terminal Nautica da Bahia“, wo wir nach 7 Tagen anlegten.
Dort lernen wir „Manfred von Milano“ kennen, der uns erste gute Tips gibt. Dann schlafen wir zuerst 2 Stunden und melden uns nachher in der Marina, wo wir weitere gute Tips erhalten.

Impressionen – Woche 20 11. – 18.05. 2009:
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