Start zu unserer bisher längsten Offshore-Fahrt ab Galapagos – 3000 sm
April – Mai 2011
Die NICONE eine Insel der angehaltenen Zeit in den Weiten des Pacific?
Der Bericht und die Reise sind Petra und Per gewidmet, mit denen wir in dieser Zeit in ganz besonderer Verbindung standen.
Interessant diesmal – obwohl für uns die bisher längste Offshore-Strecke von ca 3000 Seemeilen vor uns liegt, haut uns das nicht aus den Socken. Ist es schon fast so etwas wie (gefährliche) Routine?
Wir glauben zu wissen was in schwieriger Situation oder gar im Seenotfall zu tun, allenfalls zu lassen ist – nur: Wissen ist das eine, richtiges Handeln etwas anderes – kommt das Können dazu sowie das Vorhandensein und Funktionieren der richtigen Mittel. Sind wir genügend vorbereitet? Ist man wohl nie – wir versuchen alles im Auge zu behalten.
Sowohl der Kopf der Bordfrau wie der meinige sind seit geraumer Zeit auf das was da kommen soll, fokussiert. Nämlich schönes Segeln mit dem Südost-Passat – zu den Marquesas.
Wir wollen erst unterwegs entscheiden, ob wir möglicherweise die etwas südlicher gelegenen Gambier-Islands ansteuern wollen – sie sind etwas weniger touristisch – sollen ebenso interessant sein und werden auch von Seglern weniger angelaufen.
Dabei spielen die Windverhältnisse für die Ansteuerung und mittelfristige Überlegungen der Weiterfahrt eine wesentliche Rolle.
Um die guten SE-Passatwinde und Strömungen westwärts zu erreichen, muss vorerst der Kalmengürtel (doldrums) durchquert werden. – in unserem Fall mit den momentananen Wind-Wetterbedingungen 250 Semeilen Südkurs – mit unkonstanten meist schwachen Winden Erst dann setzen die ersehnten Tradewinde ein.
Gut gerüstet verlassen wir am Karfreitag 22. April 2011 die Galapagosinseln, die uns so viele eindrückliche Erlebnisse vermittelten – „unsere Schweden“-.Nachbarn wollten vor einer Woche ablegen, sind dann aber noch hängen geblieben und vorgestern gestartet. Die „Elbe“ hat nach langem Warten auf ein Ersatzteil, dieses endlich erhalten und eingebaut und meldet über Funk, dass sie kurz nach uns ebenfalls Anker auf planen. Dies wiederum hören andere am Funk und wünschen gute Reise.
Am Nachmittag passieren wir eine kleine schwedische SY mit einem sehr jungen Pärchen – wir sahen sie zuvor in San Cristobal und Bekannte von ihnen wussten, dass sie auch nur minimale Ausrüstung besitzen – sichtbar z.B. am Aussenbordmotor – zur Zeit war gerade eine andere SY ganz in der Nähe, die sie möglicherweise begleitet.
Dann letzte Landsicht – die Insel Espaniola verschwindet am Horizont und ein prächtiger Abend stellt sich ein.

Am Rande eines Tiefs kamen wir unter Segel und Südkurs vorerst besser voran als erhofft – dann aber kam es wie erwartet – absolute Schwachwinde in den Kalmen – für diesen Fall beschlossen wir im Voraus nicht zu fackeln und den Motor einzusetzen. Unter voller Besegelung lief der Motor auf niedriger Drehzahl während 17 Stunden am Stück mit.
Der Ostersonntag war eher eine triste Sache: trüb, oft Regen, mal Wind, kein Wind, Motor an, ab – Passat wo bist du? Wir waren unterdessen auf 4° 43’ südlicher Breite
Einschwenken auf SE-Passat-„Autobahn“
… dann am Abend unkonstanter Gewitterwind, der in der Folge in noch zögerlichen stabileren Wind übergeht, so, dass wir in der Nacht langsam auf die „Passat-Autobahn“ einschwenken können und im Laufe des Ostermontags Segeln vom Feinsten erleben. – Wind aus Süd mit 12 – 15 Kn – in der Früh beim Wachwechsel entdeckt Leena kleine fliegende Fische die sich in der Nacht auf unser Deck verirrt hatten.
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Eine zögerliche Sonne hinter Wolken, leitet den Tag ein – ich sitze einfach so im Cockpit und staune und geniesse diesen Morgen – das Boot zieht mit 7.2 – 7.5 Kn
Speed unbeirrt auf seiner Bahn west-südwest-wärts. Gegen Mittag wird es spannend – merken plötzlich, dass die alte Bestmarke des Tagesetmals – 2009 Brasilien – von 152 sm (Strecke von Mittag zu Mittag) ins Wanken gerät – tatsächlich wird diese dann um knappe 1.5 sm überboten – nicht genug damit – wir legen an diesem Tag schliesslich 157,5 sm (Zählweise Mitternacht bis Mitternacht) zurück.
Vorentscheid – Kurs Gambier-Islands oder Marquesas
Wegen des anzulegenden Kurses gilt es bereits einen Vorentscheid Gambier-Islands (auf 23° S Lat. ) wie wir gerne möchten – oder Marquesas auf (10° S Lat.) zu fällen.
Wir studieren die Windinformationen für die nächsten 16 Tage – Anmerkung: die ersten 5 Tage sind in dieser Region in der Regel genau, 6 und 7 tendenzmässig gut und 8 – 16 Berechnung – danach sind die stabilsten Windverhältnisse auf der Westtangente zwischen 7 und 10° Lat. zu erwarten (Richtung Marquesas) – dagegen ständig mehr schwache, drehende und unkonstante Winde vor den Gambier-Islands.
Vorentscheid: wir bleiben (vorerst) auf Kurs Marquesas.
Weiter mit 150 sm Etmal. Treten mal über mehrere Stunden etwas launische Windverhältnisse ein und fällt die Geschwindigkeit gegen 5.5 Knoten, empfinden wir dies als ungewöhnlich – das war bis vor Kurzem noch anders!
Treibende Segel-Yacht!?
An Tag 6 wird In der deutsch sprechenden Funkrunde von einer offenbar treibenden amerik. SY – ca 150 sm? vor Marquesas berichtet – Massnahmen wurden eingeleitet – u.a. kam ein Helikopter bei einer deutschen SY – ebenfalls zu den Marquesas unterwegs – vorbei und erkundigte sich via Funk ob alles ok sei – daselbst ja.
24 Std später wird Entwarnung gegeben – die Segler haben sich am Funk gemeldet und werden bald auf Fatu Hiva erwartet.
Raum, Zeit, Rhythmus
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Sonenaufgänge, oft hinter Wolken und immer achteraus – wechseln sich mit Sonnenuntergängen, meist ebenfalls hinter Wolken auf Steuerbord voraus – gute Fahrt mit dem Tradewind und immer auf Steuerbordbug.
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Bereits ist eine Woche vorüber – ringsum nur Wasser, Himmel und ab und zu ein Vogel oder fliegende Fische zu sehen – ein Dasein jenseits von Zeit und Zivilisation – man kann sich darin verlieren – die Tage und Nächte kommen und gehen einfach so – das Bordleben nimmt seinen Lauf – Rhythmus Essen, Schlafen, Wache, Navigation, Bordarbeiten klappt gut.
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Welche Zeit meinen wir eigentlich? Was ist Zeit? Zeit haben? Zeit nehmen? Unter Zeitdruck stehen? Die Antwort fällt wohl je nach Ort, Kulturkreis und Befindlichkeit anders aus. Zur Zeit sind wir eher zeitlos, haben Zeit, orientieren uns praktisch nur am täglichen Termin der Funk-Netzrunde, ansonsten am Tag- Nachtrhythmus. Dieser wiederum hat sich nach jetzt knapp 3 Wochen verschoben. Wir haben für unsern Gebrauch und Kontakte immer noch die Galapagos-Zeit beibehalten, obwohl wir zwischenzeitlich bereits zwei weitere Zeitzonen überfahren haben – die dritte steht mit dem Überfahren des 135. Längengrades an (Memo: alle 15 Längengrade) – kein Wunder ist es erst morgens nach 09:00 hell. Werden die Galapagos-Zeit bis zur Ankunft beibehalten – dann wechseln wir und müssen aufpassen, weil sich zur Datumslinie hin nicht alles nach der 15°Längen-Regel richtet. Zur Zeit also noch 8 Std Differenz zur mitteleuropäischen Sommerzeit.
Daneben Zeit zum Fischen, Lesen, Schreiben, Studium von techn. Handbüchern Fotografieren. Nach einer Woche sind die Bananen praktisch über Nacht reif geworden. Mit Fischen hatten wir bisher kein Glück – zwar war heute der Plastikköder angefressen und der Haken weg – armer Fisch. Auch blieb eines meiner Hobbys, das Handling des Sextanten auf der Strecke – doch keine Zeit!?
Genialer Freitag
Tag 8 – weil ein Freitag, bin ich abergläubisch skeptisch, was dieser bringen würde.
Seit Mitternacht und dann den ganzen Tag Prachtswetter mit ebensolchen stabilen Windbedingungen – Segeln das keine Wünsche offen lässt – 24 h mit 6.5 – 8.2 Knoten Geschwindigkeit als Beilage. Die Vollbesegelung.ist die gleiche wie vor Tagen. Am Trimm gibt’s keine Veränderungen vorzunehmen. Die Selbststeueranlage macht einen guten Job.
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Es gibt Momente wenn Du unten im Boot bist, da fragst Du Dich, ob der Wind abgestellt habe – es ist ruhig, das Boot fährt beinahe aufrecht fast ohne Schaukelbewegung – dann stellst du fest, dass wir mit 7 Knoten und schneller unterwegs sind – einfach genial.
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Am Mittag dann ein Etmal von 153 Seemeilen (Mittag bis Mittag) und um 24:00 Uhr (Mitternacht bis Mitternacht) 161 Seemeilen – sind nicht zu verachten.
Zum guten Ende gibt’s heute feine Kartoffeln und franz. Käse (aus Spezialgeschäft in Santa Cruz Galapagos) zum Znacht – es war ein Ausnahme-Freitag.
Seit dem ersten Tag haben wir kein Boot mehr gesehen. Letzte Nacht gab das autom. Identifikations-System Alarm – aber es war nichts auszumachen, nichts zu sehen…nur elektronischer Flop?
In der Früh entdeckten wir 7 kleine fliegende Fische und 2 Calamari (haben nicht gewusst dass diese so hoch springen) die sich aufs Deck verirrt hatten. Meine Gedanken: es müssen allein auf dieser Strecke wohl hundertausende von fliegenden Fischen unterwegs sein, damit sich ein paar ausgerechnet auf unser Boot verirren. Weitere Reifung der Bananen und viele schon gegessen – die Staude hatten wir für ganze 2 $ auf dem Früchtemarkt in San Cristobal gekauft – sie sind klein, sehr fein und süss im Geschmack und nicht zu vergleichen mit importierten Bananen in Europa – also weiter Bananen essen… wenn das nur gut kommt.
Der Kurs war bisher richtig angelegt – ist ja auch nicht so schwer – werden diesen bis zu den Marquesas beibehalten statt die Gambier-Islands anzulaufen, wo die Windbedingungen in grösserem Umkreis bedeutend schlechter geworden sind.
Zur Zeit dürften es etwa 12 SY sein, welche gleichzeitig zu den Marquesas unterwegs sind – von der Funkrunde her kennt man einzelne Positionen der Boote.
Wir haben ca 1/3 Strecke hinter und somit noch ca. 2000 sm vor uns.
Überraschungen
Am Sonntag 1. Mai: Wir rätseln beim Frühstück, ob der Geko – wir haben unsern Mitfahrer schon lange nicht mehr gesehen – wohl noch lebe?
Seit Mitternacht torkelnde Winde aus S mit Tendenz zu SW, dann zu ESE macht uns erstmals etwas nervös – die Gribfiles (Windpfeile) sagen etwas anderes, nämlich wie bisher SSE. Wir setzen in Luv das Passatsegel, binden im Gross 3 Reffs ein (weniger Abdeckung der Genua) – Wind zunehmend, weiterhin torkelnd – ein Knall und die Umlenkrolle der Bullentalje zerreisst es in Stücke.
Noch mit Trimm beschäftigt, sieht Leena plötzlich einen riesigen Walfisch in 30 m Entfernung auftauchen und blasen. „Bleib nur schön dort wo du bist…“ – er ist der Lage nach von unserem Bug her nach Steuerbord gekommen. Wir staunen… so sehr, dass ich zu spät nach der Kamera renne – er ist nach Ab- und kurzem nochmaligem Auftauchen verschwunden. Er war länger als unser Boot das eine Länge ü.a. von 13 m aufweist! Was wäre gewesen wenn… ?
Am Nachmittag ist der Wind etwas konstanter, das Boot läuft trotz 2.5 – 3 m Welle stabil.
Dann noch „Übung“ – ein Ventil der Handpumpe in der Bugtoilette ist defekt – 2 ½ Std Arbeit plus „Überschwemmung“ gratis. Diese Übung kennt, wie zu vernehmen, praktisch jeder Skipper auf Langtour – so mein Selbsttrost.
Überraschung: Wie um unsere Frage beim Frühstück zu beantworten krabbelt der Geko beim Nachtessen über meine Füsse – unser Passagier ist noch da.
In der Nacht weckt mich die Wache haltende Bordfrau – das Boot hat bei zunehmendem Wind und Geschwindigkeit stark angeluvt und will nicht auf seinen Kurs zurück – wir durchfahren einen Squoll (kurze Regenzone) – Handsteuerung statt Windpilot – nach 30 Minuten wieder stabile Fahrt.
Tagsüber „Kaiserwetter“ mit wolkenlosem Himmel und Schwärme von fliegenden Fischen. Wieder keinen Fisch gefangen – hätten gerne zum Znacht wieder mal frischen Fisch, aber bitte kein zu grosser. Gemäss Funk geht es fast allen Yachties auf dieser Strecke gleich, d.h. kein Fischerglück – gut dass wir sonst genügend Vorräte haben (;-).
Die Bananenstaude beginnt die reifen feinen Bananen z.T. abzuschütteln – also pflücken, Leena kocht sie z.T ein, und weiterhin Bananen essen.
Via Sailmail vernehmen wir von Pedro auf Lanzarote, dass uns gemäss Internet (Yotrep) 3 weitere SY folgen – es werden natürlich nur diejenigen angezeigt, die ihre Position melden. Zwei davon kennen wir persönlich – mit der SY New Morning (US) haben wir zur gleichen Zeit den Panamakanal durchquert und die SY Barnstorm (NZ) – mit ihnen (Roy ist NZ , seine Frau Margrith CH) haben wir einen 4tägigen Galapagos-Ausflug gemacht. Werden uns wohl auf den Marquesas wieder sehen.
Im Funk hören wir, dass die Mabuhay (CH) die Galapagos nach windarmer Zeit (wie alle) erreicht hat – die SY Alia (CH) kennen wir von Shelterbay her, sucht eine/n Mitsegler für die Strecke Galapagos – Marquesas – ausserdem soll Bin Laden von einem amerik. Spez.-Kommando aufgegriffen und erschossen worden sein…
Halbdistanz
Tag 12: Heute erreichten wir Halbdistanz – feiner Duft durchzieht das Boot – Leena hat zum „Bergfest“ feines dunkles Brot gebacken, dazu gibt’s Käse und … Fruchtsaft. Auf grosser Fahrt trinken wir praktisch keinen Alkohol und haben auch nicht sehr grosses Verlangen danach.
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Im weiteren gibt’s heute 3.5 m hohe Wellen – bisher 2 bis 3 m – stört uns nicht – das Boot wird achtern von den schräg heranrollenden Wogen sanft angehoben – die Welle gleitet unten durch – je nach Konstellation schlingert das Boot etwas – auch die Wellen haben Bergfest.
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Auf dem AIS (Autom. Identifikations System) ist ein Boot in 9 sm Distanz auszumachen – bei den vorherrschenden Verhältnissen von Auge nicht sichtbar – nehme VHF-Funkkontakt auf – es handelte sich um eine grosse und schnelle SY mit 9 Personen unterwegs nach Tahiti – freundlicher Infoaustausch.
Am späteren Nachmittag dann gleich nochmals AIS – diesmal ist es ein Frachtriese unterwegs nach Auckland NZ – um 18:30 passiert er uns im Abstand von nur 1 1/2 sm an Steuerbord, als wäre der Pacific nur eine enge Einbahnstrasse. 11 Tage lang haben wir kein Schiff gesehen und heute gleich zwei – eines digital, das andere real.
In der Nacht wird der Wind unstabil und es braucht einige Korrekturen am Windpilot.
In der Folge generell etwas weniger Wind – die guten Zeiten mit Etmalen um 150 sm
und mehr scheinen vorbei zu sein. Dies sagen auch die neusten Windprognosen, die mit den alten (guten) langfristigen nicht übereinstimmen – nun vielleicht stimmen ja auch diese nicht so ganz – die Reise wird möglicherweise etwa so lange dauern wie wir ungefähr berechnet (4 Wochen) hatten. Auch gut so.
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Noch hängt die Equadorflagge (Galapagos) unter der Steuerbordsaling.
Wie schon gewohnt, sehen wir während des Frühstücks jeweils Schwärme von fliegenden Fischen – das Auffallende: sie sind immer gegen Wind und Wellen unterwegs – d.h. von rechts nach links – hingegen lagen diejenigen die sich nachts auf unser Deck verirrten, alle immer auf der Backbordseite – Antwort? Habe keine, will sie aber am nächsten Morgen fotografieren – sie glitzern so schön wenn sie mit hoher Geschwindigkeit übers Wasser fliegen – am nächsten Morgen haben sie wohl Ruhetag – nach fast einer Stunde warten mit schussbereiter Kamera gebe ich (vorläufig) auf.
Heute Donnerstag spinnt plötzlich die Windanzeige – statt Wind von Backbord zeigt sie Wind von Steuerbord – wie kam das? – Versuche mit Kalibrierung nützen nichts – ist es der Geber? Muss ich auf den Mast? (damit würde ich bis Marquesas warten) – nun es ist nichts von sehr grosser Bedeutung – wir wissen „woher der Wind weht“ – also abwarten.
Nacht: das Boot läuft ruhig mit 5.5 bis 6Kn – wieder prächtiger Sternenhimmel – man könnte sich nach den Sternen orientieren und den Kurs wie die alten Seefahrer danach ausrichten – besonders schön das Kreuz des Südens und der zunehmende Mond, der wieder als kleine Sichel wie eine Wiege wenig über dem Horizont hängt… man wird etwas prosaisch…
…dann wieder ein Freitag der alten Sorte (nichts Besonderes) – kann meinem dringenden Schlafbedürfnis nicht nachkommen – vernehme ein Surren (Motor?) – es dauert eine Weile bis klar ist woher – die Deckpumpe begann unmotiviert selber zu laufen. Allgemein abnehmende Windstärke – von achtern her dunkle Wolken – dann etwas Regen und noch weniger Wind. Kurz vor Einnachten bergen wir das gereffte Gross-Segel – Genua kann sich besser füllen – wenn schon langsam, dann ohne zu „rupfen“. Heute hat wieder kein Fisch angebissen – in der Funkrunde melden sich nur gerade drei SY – ein hörbar enttäuschter Netzbetreiber – ab 21:00 mit mehr Wind in die Nacht.
Bis Sonntag (Muttertag) gute Winde mit Etmalen über 140 sm – gestern letzte Bananen gegessen – heute letzte Birne – es gibt noch Äpfel (und Schokkolade (;-). Hatten bisher köstlich gegessen – ich bewundern immer wieder wie Leena das macht – meist wegen Welle und Bootsbewegungen eingehängt in der Gurte am Herd – keine einfache Sache – weiss sie gute Menus – die Liste lässt sich sehen – zu zubereiten. Als ich vorschlage nur etwas Einfaches zu machen, um sich vom schwierigen Kochen zu befreien, meint sie „so einfaches Zeug, da habe ich einfach keine Freude am Kochen“ – mich freut’s – Koch- und Fitness-Stunde gleichzeitig und ein
gutes Nachtessen. Gegessen wird immer im Cockpit an der frischen Luft aus dem Körbchen auf den Knien bei angerichteten Tellerservice. Dabei gilt es schon mal etwas Vorsicht walten zu lassen – da der Wind räumlich (von hinten) herein bläst, kann es sein, dass er die Speise auf dem Weg von Teller zu Mund wegbläst. Jedenfalls zeugt mein T-Shirt davon.
Wellen
Ein ganz besonderes Thema sind die Wellen und deren ewiges Spiel – etwas salop betrachtet, könnte man von den unregelmässigen Wellen und den langen, in diesem Fall 2.5 – 3.5 m hohen Windseewellen, welche etwa im 8 Sekunden-Takt daher gleiten (entspricht 100 m Länge dazwischen) sprechen
Allein das Beobachten und die damit einhergehenden Geräusche der heranrollenden Wassermassen sind faszinierend genug um es wieder und wieder auf sich wirken zu lassen.
Versuche immer erneut gute Fotos von Wellenbildern zu machen – stelle aber fest, dass dies eine äusserst schwierige Angelegenheit ist: räumliche Betrachtungsweise, richtiger Moment, Winkel, Licht, schaukelndes Boot, etc – die Dynamik der Wellen lässt sich mit meinen Möglichkeiten auf einem Foto nicht annähernd so im Bild fest halten, wie ich das möchte, nämlich um dem Betrachter das Gefühl der Schönheit, der Kraft und Faszination zu vermitteln – schliesslich müsste er von den Spritzern mindestens gefühlsmässig nass werden.
Es gibt auch immer etwas zu kontrollieren, zu reparieren bzw. zu erledigen. Heute beim Deckcheck vor dem Einnachten: 3 kleine fliegende Fische weggeräumt, Passatsegel getrimmt, eine Leine befestigt, Dingifixierung geprüft. … dann wurde mir wieder mal bewusst wie wichtig die Lifeline ist, als ich zwar angegurtet hinfiel mich aber noch halten konnte – es darf einfach kein Über Bord gehen geben!.
Am Morgen noch in der Dunkelheit ein Knall – das Ableuchten des Bootes ergab vorerst nichts – dann das scheppernde Geräusch eines Falls gegen den Mast? – es war die Dirk, welche am Ende des Grossbaumes gerissen war (notabene Lizen-Stahldraht) und nun gegen den Mast schlug und sich dort verwickelte – vorerst also den Baum der auf dem Bimini auflag, so fixieren, dass er keinen Schaden anrichten konnte – als es hell war, galt es bei ziemlichem Seegang auf Deck und am Mast zu turnen um die Dirk zu befreien – dann abzuklären ob sie mit Bordmitteln zu reparieren sei – war es – schliesslich wieder montieren, ok!
Wind!? – versprochen ist versprochen (;-I)
Tag 19: entgegen Windprognosen bläst der Wind statt mit 14 Kn Wind nur mit 10 und etwas später nur noch mit 6 – 8 Kn – nicht gerade das Gelbe vom Ei! Diese Wetterfritzen… Zwar haben wir im Gegenzug dafür praktisch wolkenfreies Wetter. Gemessen an den guten Etmalen dieser Reise – steht ein Steinzeit-Etmal in Aussicht. Hadere etwas… (mit den Wetterfritzen) – warten auf mehr Wind ist angesagt.
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Es gibt einen weiteren Prachtstag – leider wieder entgegen den Prognosen nur mit Leichtwind – interessant dabei, dass praktisch gleichzeitig E-mails von Franz aus Oesterreich, von Pedro auf Lanzarote und Hans aus der Schweiz eintreffen – alle haben sie den gleichen Tenor – „ ja ihr habt ja „schnelle Winde“ wie wir auf unseren Wetterdaten sehen können“ – danke jedenfalls für die begleitende Unterstützung!
Die neusten Gribfiles zeigen (erst jetzt) die windärmere Zone an, mit Besserung für die Nacht auf Freitag 13. (wieder mal Freitag und erst noch der 13.!) Immerhin können wir einen weiteren schönen gemächlichen Segeltag mit ein paar Schönwetterwolken geniessen.
Die Sailmail-Organisation meldet uns, dass wir (ich) zu viel „Sailmail-Stationszeit“ verbraucht hätte – kein Wunder bei den mässigen Verbindungen der letzten Tage und den langsamen Übertragungsraten! – dass sie eine Meldung momentan von uns refusieren, ärgert uns dann aber schon und gibt zu denken, denn schliesslich ist die E-Mail-Verbindung auch Bestandteil der Sicherheit auf See! – die lernen mich noch kennen (;-) …
Nicht sehr oft aber immer öfters
Unsere Registrierungsflagge verkürzte sich auf dieser Reisesehr stark…niemand sieht’s ausser uns. Im Laufe des Donnerstags (21.Tag unterwegs) zeigt das Speedometer an Stelle der 4.3 bis 4.6 Kn jetzt ab und zu deren 4.9 bis 5.2 Kn SOG (speed over ground) – nicht sehr oft aber immer öfters – Anzeichen von etwas mehr Wind? Abwarten, und Kaffee trinken – in diesem Fall mit 2-3 Guetzli dazu und erstmals auf dieser Reise einer genüsslichen „Krummen Villiger“. Denken dabei an unsere Leute zu Hause und dass wir hier schon etwas Besonderes erleben – es ist auch ohne esoterische Betrachtungsweise, eine wohltuende innere Einkehr. Da spielen ein paar Zehntel mehr oder weniger Speed keine besondere Rolle.
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Nun der Tag nahm einen ruhigen Lauf, bezüglich Wind allzu ruhig – weiterer (sinnloser) Versuch fliegende Fische bei ihrem schnellen Glitzerflug zu fotografieren – Wetter – E-Mails, Bericht, Logbuch… und vorschlafen, um Nachtwach-tauglich zu sein.
Fragen uns auch, wo die „Elbe“ steckt, welche mit uns die Galapagos verlassen hat – sie verfügt über keinen HF-Seefunk – kann also mit niemandem kommunizieren, es sei denn mit einem Schiff im unmittelbaren Umkreis von 30 – 40 Seemeilen (muss man erst herausfinden). In diesem Fall ist es kein Problem über den UKW-Funk, über welchen jede seegehende Yacht und die Berufsschiffahrt sowieso verfügt (genügend Bordstrom vorausgesetzt). Ob sie über ein Satelliten-Telefon verfügen haben wir vergessen zu fragen. Ebenfalls sind, wie im Funknetz zu hören, z,wei kleine SY – eine holländische und eine schweizerische, Single Hand unterwegs zu den Marquesas – beide sind mit HF-Seefunk ausgerüstet. Alleine über diese Distanz ist schon bewundernswert – gesund sein und bleiben steht an oberster Position – hätte ich selber navigatorisch und mit dem Alleinsein kein grösseres Problem, so doch mit dem Schlafmanko über lange Zeit und möglicherweise mit dem Kochen – immer Ravioli und andere Büchsenfood ist nicht gerade meines Magens Lieblingsinhalt. Nun was ist mit Leena – sie liebt es wie ich unterwegs zu sein – ist in Bezug auf Bootsführung froh über mich – ich im Gegensatz über das was sie kann und macht – ideale Ergänzung? Nicht sehr oft, aber immer öfters und langjährig geübt (;- )!
Freitag 13.
…. ein Schreckgespenst vieler Seefahrer.
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– also vorsichtig angehen wie der Wind – um Mitternacht können wir dann feststellen, dass wir mit relativ stabilem „Mehrwind“ besser als erwartet vorangekommen sind und rechnen, dass dies für die noch verbleibenden 190 sm so bleiben wird. … aber in der Nacht zum Samstag, 5 Stunden später lässt der Wind plötzlich nach. – na ja, der kommt schon wieder – denkste – statt dessen zieht eine Schlechtwetterfront durch – der Wind dreht auf nie gehabte ENE-Richtung und verabschiedet sich dann endgültig. Im Funknetz ist von Henk dem holländischen Singlehand-Segler zu hören dass er – ein paar Tagesreisen nach Galapagos gute Winde und mit seiner kleinen 8 m- SY stolze 120 sm Etmal hinter sich hat. Nicht schlecht für solch ein kleines Boot! Wir haben diesbezüglich zum Schluss unserer Reise noch einen Wermuthstropfen – erst jetzt sagen die Gribfiles was in unserem Gebiet Sache ist – nützt viel! – vorher aber Passatsegel runter – Segel schiften – Kurs neu, wegen besserem Winkel auf N- statt S-Anfahrt der Insel Fatu Hiva angelegt, falls doch noch Wind aufkommen sollte – der kam aber nicht … und lässt wohl noch einige Zeit auf sich warten. Das Ziel in Griffweite wollen wir aber nicht weiter herumgurken und planen den Landfall für Morgen… halt mit Motor.
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Landfall am Sonntag 15. Mai
05:00 Wachablösung – Leena taucht ab, ich auf – kümmere mich um den Motor – der arme Kerl läuft seit 16 Stunden und natürlich wären wir unter Segel schneller, wenn… Die See ist still, beinahe Vollmond hinter milchigen Wolken.
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Heute also Landfall ohne Wind… oder…
08:30 letzter Wachwechsel dieser Reise – ein leiser Windhauch aus ungewohnter NNW-Richtung – bevor ich noch eine Mütze Schlaf nehme, setzen wir die Genua zur Unterstützung des Motors.
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09:20 Leena weckt mich – Land in Sicht – die Insel Fatu Hiva zeichnet sich mit ihren markanten Bergzügen Backbord voraus am Horizont ab… so müssen es wohl Captain Cook und seine Leute erlebt haben als für sie Neuland auftauchte.
10:00 Neue Gastlandflagge – die „Tres-Colores Equador“ wird ein-, die „Trois Couleur France“ aufgezogen.
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Was erwartet uns wohl auf der bekannt schönen Insel? Welche SY sind in der Ankerbucht mit der einmaligen Kulisse?
Zusammenfassung Seereise SY NICONE Galapagos – Marquesas 2011
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Angekommen. Wir haben die Seereise zu zweit gesund und ohne grössere Schwierigkeiten zurückgelegt und dabei:
3132 sm hinter uns gebracht – etwas mehr als üblich – mussten wir doch anfänglich bei den dann vorherrschenden Wetterbedingungen ziemlich südlich segeln (ca. plus 150 sm) um den SE-Passat zu erreichen.
Dauer: 23 Tage 7 Std 25 Min – eine durchschnittlich gute Zeit für die Nicone, unter Berücksichtigung von 4 Schwachwind- und 1 Flauten-Tag.
Etmale (von Mittag zu Mittag): 5 x 150 sm > / 5 x 140 sm > / 6 x 130 sm > / 3 x 120 sm > / 4 x weniger als 120 sm
Besegelung:
Tag 1 – 10 Genua, Gross, Besan
Tag 11 – 15 Genua, Passat, Gross mit 2 Reff, Besan
Tag 16 – 23 Genua, Passat, Besan
Motor: täglich ca 2 h mitgelaufen um genügend Energie zu haben bes. für Funk, Kühlbox, autom. Pilot (Leichtwind), Computer (Wetter), Watermaker.
Unterhalt und Defekte:
Gerissene Dirk rep., geborstene Umlenkrolle von Bullentalje ersetzt, Ventil Handpumpe Toilette rep., – noch offen: falsche Windmesseranzeige, 30 cm offene Naht an Genua, Führungsleinen Flake-System von Grossegel müssen ersetzt werden. Daneben Alltägliches wie Ersatz eines Mastreiters, Auswechseln einer Leine, Motor- und Geräteservice, Instandhaltung Werkzeuge (Korrosion) etc.
Diverses:
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Die Nachtwachen teilten wir in plus/minus 3 Std -Segmente, wobei auf dieser Route selten andere Schiffe zu erwarten sind…
Es gab gute und abwechslungsreiche Verpflegung – getrunken haben wir meist Wasser oder eine Mischung mit Fruchtsaft … und nur 1 Dose Bier, die wir erst noch unter uns aufteilten – eigentlich hatten wir gar nicht grosse Lust auf alkoholisches und dann ist da auch immer noch die Verantwortung für Boot, Crew, Sicherheit, was sicher auch eine Rolle spielte.
Für uns zählten die Tage und Nächte auf See zu einer Zeit die wir nicht missen möchten. Es mögen viele Gründe dafür sprechen: wir hatten das Glück keine negativen Erlebnisse zu haben – dann war es wohl auch die mentale Einstellung auf Langzeit-Land-Abwesenheit. Nicht zuletzt auch, dass wir fein und gut gegessen haben und den Rhythmus im Einklang mit Wind, See und Bordleben geniessen konnten.