März – Mai 2012
Viele Tiden liegen zwischen dem letzten und dem vorliegenden Bericht – vieles ist bei euch und bei uns inzwischen über die Bühne gegangen. Um euch etwas „bei der Stange zu halten“, haben wir ab und zu mit kurzen aktuellen Meldungen auf uns aufmerksam gemacht
Nachdem wir Fiji erreicht haben – gibt es auch mehr Zeit für anderes als … na, lest selber… falls ihr Lust habt.
Besten Dank allen die uns geschrieben haben – freut uns immer!
Bis zum Einwassern der NIcone…
… dauerte es nur noch 2 Tage. Memo: die Malerarbeiten konnten wegen des andauernden schlechten Wetters längere Zeit nicht abgeschlossen werden. Regenwetter und teilweise stürmische Winde begleiteten uns praktisch täglich.
Am 23. März – der Tag verspricht schön zu werden – kann die Nicone nach 5 Wochen Trockenstandplatz wieder in ihr salziges Element zurück – etwas nervös sind wir schon – letzte Vorbereitungen – an alles gedacht? – schon manches Boot musste gleich wieder ausgehoben werden, weil etwas am Unterwasser oder im Bootsrumpf innen vergessen wurde – aber alles ok – kein eindringendes Wasser – dann Momente der Wahrheit betreffend neuem Motor – anlassen – „guter Sound“ (;-) – einige Checks und Tests durch Grant den Chefmechaniker – kurze Testfahrt – wow – alles bestens – Mehrschub spürbar.
Es war ein gutes Gefühl wieder auf dem Wasser zu sein – ein paar Freunde die noch länger auf dem Trockenplatz ausharren müssen, möchten baldmöglichst ebenso weit sein. Am Steg lassen wir den Motor mit eingeschaltetem Getriebe für ein paar Stunden weiter laufen – dies tun wir in den nächsten Tagen noch des Öfteren um ihn kontrolliert einzufahren – für einen weiteren Motor-Echt- Test verliessen wir eines Tages 2 Stunden vor Hochwasser den Stegplatz, um nach dem ca. 12 sm entfernten Marsden Cove zu fahren, um sodann mit der gleichen Tide (dann auslaufend, also dagegen) wieder zurück zu kommen – knappe 10 Min nach Ablegen sind wir bereits sanft auf eine Sandbank aufgefahren – wir waren in der markierten Seestrasse zwar korrekt unterwegs , hatten aber bei steigender Tide noch ungenügend Wasser unter dem Kiel – einfach etwas Geduld bis uns das Wasser wieder sanft abhob und bereits nach 5 Minuten konnten wir unsere Fahrt fortsetzen, auf welcher wir den Motor nach Anweisung in verschiedenen Tourenbereichen und sonstiges prüften, was alles erfreulich problemlos verlief.
Ansonsten gingen die Arbeiten – nun am Steg – unvermindert weiter:
Neues Verdeck und Bimini in Zusammenarbeit mit Ronny, der einen ausgezeichneten Einmannbetrieb führt und mit Ideen und Begeisterung ans Werk geht – in Zukunft haben wir im Cockpit eine abschliessbare „Kuchenbude“, die uns auch bei Schlechtwetter (von achtern) schützt.
Mit Georg von SY Sternchen – wir helfen einander mit verschiedenen Dingen – machen wir technische Einkaufstouren – kaufen auserlesene Kleinigkeiten als Reservematerial – weil unsere vorhandenen Gasflaschen hier nicht gefüllt werden können, lassen wir in mehreren Anläufen ein Gasschlauch-Verbindungsstück herstellen und können nun selber und unabhängig neuseeländische Gasflaschen, später auch australische, in unsere umfüllen, was wir auch sogleich tun.
Ansonsten bewegt sich die To-do-Liste ständig bei 19 – 24 Punkten und will und will nicht kleiner werden, weil 5 erledigte Punkte meist gleich drei andere nach sich rufen … zwar und zum Glück handelt es sich bei den Bedürfnissen immer mehr um Luxuspunkte.
Kein Luxus ist der Wechsel der Bordbatterien, die Lieferung und wiederholte Anpassung des neuen Gross-Segels, des Lazybags (Segelstau-Vorrichtung auf Grossbaum), des Kutterstages mit einem vom Segelmacher angepassten Stagsegel, wofür wir ein „überzähliges Segel aus der Nicone-Garderobe“ benützten. Auch musste die wichtige Leine der Rollgenua ersetzt werden, weil man unterwegs, sollte diese unter schlechten Wetterbedingungen reissen, sonst „noch älter aussieht als ohnehin“ – beim Öffnen der Trommel auf welcher die Leine befestigt ist, fällt mir die eine
Hälfte derselben über Bord – steige sofort ins nur 2m tiefe aber sehr dreckige Wasser – der Boden ist zudem voller Schlick … und finde das Teil nicht mehr – gut möglich, dass es auch noch weggetrieben wurde, weil der Motor zu diesem Zeitpunkt lief und einige Strömung produzierte… werde von allen Seiten bedauert… vor allem wegen des Schmutzbades – na ja … ein Neuteil ist nicht aufzutreiben, also beginne ich bereits eine Skizze für eine Spezialanfertigung zu kreieren – tel. noch Paul und Marie-Therese, die uns von Opua aus besuchen wollen – er fragt noch beim dortigen Rigger nach – dann Surprise: er werde mir das Teil morgen bringen – uns fällt ein Stein vom Herzen – hätte sonst gedauert und sehr teuer werden können.


Die verschiedenen Arbeiten, zuletzt schleifen und lackieren, werden angenehm unterbrochen von Einladungen zu Drinks, zum Geburtstag von Peter von der Green Corall, von Besuchen bei uns von Neuseeländern die wir vom Segeln kennen, vom deutsch sprechenden Clan SY Amigo (A), SY Mabuhay (CH), SY Sail away (D) – wir waren schon mal zu zehnt im Salon – draussen Regen.
Eines Abends lernen wir den Trans-Ocean-Stützpunktleiter von Whangarei kennen – ich kannte Otwin von früherem E-Mail-Verkehr – er schrieb einen interessanten Artikel über Erfahrungen mit einem Jordan Series Drogue (lange Leine mit vielen kleinen Fallschirmen, welche bei Schwerwetter zu Wasser gelassen wird und das Boot bremst) – wir freuten uns über seinen Besuch und dass er unseren selbstgefertigten JSD mal „ansehen“ wollte – noch mehr freuten wir uns über seinen Kommentar – schliesslich aus dem Munde eines sehr erfahrenen weitgereisten Seglers dem ich grossen Respekt zolle – er hatte nur lobende Worte und gab uns noch ein paar Tipps für die Handhabung.
Karfreitag: helfe Frank und Rita unsern Bootsnachbarn (SY Laika CH) beim Kabel einziehen im Besanmast – vorher wäre Rita beinahe von einer Umlenkrolle deren Befestigungsleine riss, getroffen worden – Glück gehabt.
Am Abend sind wir bei Helga und René auf der SY Amigo A zu einer feinen „Jause“ eingeladen und um das selbstgebraute Bier zu testen – überraschend gut – erhalten sogar ein Osternest.

Ostersamstag: mit Marie-Theres & Paul reissen wir uns los und fahren mit dem Mietwagen nach Auckland – kaufen Guides für Indonesien und Indien-Ocean , wir wollen ja beide Boote am Indonesien-Rally teilnehmen und haben ja auch den „ gleichen Heimweg“ nach Europa – besuchen auch das äusserst sehenswerte Marine-Museum



Weil der Tag lang und die Rückfahrt für MT und Paul bis Opua noch recht ermüdend sein würde, übernachten sie bei uns – bevor wir in die Kojen gehen, grillieren und essen wir genüsslich Schweizer Cervelats (;-), die es hier zu kaufen gab!
Ostern: Kleinarbeiten dies und das – Helga und René kommen zum Frühschoppen – später mit dem rostigen Supertoni (zusammenlegbares Klein-Fahrrad) noch schnell bei SY Green Coral und SY Sternchen vorbeisehen – am Abend ist wie jeden Sonntag Grill-Party-Treff – eine Amerikanerin spielt Gitarre und singt dazu.
Ostermontag: mit Ruedi reinigen und fetten wir 4 von den 11 Winschen und sind am Nachmittag erst noch bei ihm zu Kuchen und Kaffee eingeladen – er wohnt zur Zeit im Marine-Motel – sein Boot ist erneut auf dem Trockenplatz und musste wegen Arbeiten an der Kiel-Boot-Verbindung im Bootsinnern ausgehäutet werden – seine Frau Ursula ist für einen Monat in die Schweiz geflogen um Familiäres zu regeln. Trotz momentanen Problemen mit dem Boot – unerwarteter Zeit- (weitere 6-8 Wochen) und Kostenaufwand , ist Ruedi zuversichtlich.
Auch ein befreundetes Schwedenboot – wollen wie wir am Indonesien-Rally teilnehmen – haben unerwartete Probleme mit dem Dieselgenerator, brauchen schliesslich einen neuen, dies wiederum nimmt 3-4 Wochen in Anspruch – kostbare Zeit wenn man bis zum Start in Darwin im Juli zuerst ca. 4500 Seemeilen zurück legen soll.
Wir sind bei Monika und Jan zu einem auserlesenen Essen eingeladen – treffen uns wahrscheinlich erst am Rally selbst wieder, da sie eine andere Route als wir nehmen wollen – sie sprechen davon, bis 2016 mit dem Boot zurück in Schweden zu sein – vorerst herzlicher Abschied…
… ihm fehlt wohl jedes Verständnis für das geschäftige Tun der Segler da unten am Steg – die Nachosterwoche ist ziemlich hektisch geprägt – es fehlen noch wesentliche Teile wie Windgenerator, und anderes – die Handwerker und Lieferanten „haben teilweise wohl immer noch Ostern“ (;-)

wir möchten wenn möglich am Wochenende nach Opua im Norden segeln, wo wir dann bei günstigem Wetterfenster Neuseeland Richtung Fiji verlassen werden.
Der kommende Sonntag lässt bezüglich Ablegen Zweifel aufkommen – wie oft in letzter Zeit spüre ich den Rücken… und breche noch einen Zahn ab… und habe zusätzlich plötzlich Probleme mit einem Stiftzahn – nun mindestens alles auf ein Mal und besser jetzt als unterwegs – Besuch beim Notzahnarzt am Montag und der Rücken wird allenfalls mit der „Bord-Pflegefachfrau“ schon wieder werden…
17. April 2012 Whangarei: Leinen los und Start in den Norden von Neuseeland

Erinnerungen werden wach – er begleitete uns ein Stück auf dem Weg zur Küste
Vor dem endlichen Ablegen schuften wir wie üblich, um noch 6 Dinge, welche natürlich 3 Folgepunkte nach sich ziehen, zu erledigen.
Noch eine Douche – Verabschiedung von allen Freunden – nicht ohne Herzweh – sehen uns irgendwann, irgendwo…
15:30 Leinen los, by by – mit der auslaufenden Tide fahren wir den langen Seeweg zur Küste, die wir beim Eindunkeln erreichen und in einer Bucht hinter dem Küstengebirge vor Anker gehen. 2 Boote folgten uns – darunter „unsere“ Finnen mit SY Kastehelmi – sie zweigten etwas früher ab zu einer Marina, wo sie noch tanken und morgen sogleich dort ausklarieren wollen.
Auf der Fahrt nordwärts wollen wir die überholte Nicone soweit als möglich testen, um in Opua allenfalls noch Gelegenheit für „Eingriffe“ zu haben vor der Überfahrt nach Fiji.

Wir haben gut geschlafen am ersten Ankerplatz in dieser Saison – wir segeln mit angenehmen Winden aus SE (raum) nordwärts – in der Whangaruru-Bay, die wir von der Herfahrt vom letzten Jahr kennen, ankern wir in einer sehr schönen kleinen Nebenbucht – leider mit viel Schwell in der Nacht, weshalb wir den Schlafplatz in den ruhigeren Salon zügelten.

Weiter zum Cape Brett – dann Überquerung der Bay of Island mit Böen und heftig drehenden Winden nach Kerikeri, wo wir einen Stegplatz beim Yachtclub erhalten – gut so – hierher kommt Craig, um das neue Gross-Segel nochmals abzuholen – er muss es am Schothorn ändern –es ist etwas zu tief geschnitten und berührt leicht das Sonnenverdeck. Ebenfalls Margrit und Roy, unsere Neuseeländerfreunde mit denen wir im letzten Jahr eine Zeitlang unterwegs waren, kommen vorbei – wir gehen zusammen Fish and Chips essen im Club – reden über spannende gemeinsame Zeiten und Erlebnisse, hoffen uns wieder zu sehen und verabschieden uns.
Am folgenden Morgen bereits bringt Craig das geänderte Segel (super – Gratis-Service) und wir fahren durch den „Kentpass“ nach Opua, wo wir Altbekannte treffen.
Hier versammelt sich der grösste Teil der Seglergemeinschaft aus allen Ländern, um jetzt mit dem Ende der Hurrikan-Saison wieder nordwärts in wärmere Gefielde zu segeln.
Für die Fahrt nach Fiji gilt es die Langfrist-Wetter-Entwicklung zu studieren, Planung Reiseroute bis Darwin vornehmen, Formalitäten für Indonesien-Rally erledigen – u.a. beinhaltend viel „elektronisches Papier“, Kosten, Visa Australien, etc – letzte fehlende Gegenstände im Marineshop besorgen, zusammen mit Freunden einkaufen gehen, dann ist die Nicone und wir bereit … fehlt nur noch dass sich ein passendes Wetterfenster zeigt.
Das Wetterfenster für die Strecke von New Zealand nach Fiji
es zeichnete sich für das Weekend ein solches ab – nicht umwerfend – aber auch nicht total daneben. Unter den Seglern und am Funk scheint es das einzige Thema zu sein – einige wollen starten, die meisten noch warten – viele segeln im Verbund eines Rallys, das am 1.Mai starten will.
Wir beschliessen in 2 Tagen am kommenden Samstag abzulegen … das Wetter findet statt (;-)
Die 10-Tage Prognose verheisst schöner Startwind, dann Schwachwind für 1 – 2 Tage – gefolgt von nördlichen Winden die über West nach SE drehen – einige Zeit kräftig und stabil bleiben – in den letzten 3 Tagen dann auf E , und weiter NE drehen sollen – generell mit guten Windstärken und etwas hohen Wellen
Wir stellen uns darauf ein – heisst: vorerst NE- NNE-Kurs bis fast zum Kreuzen des 180igsten Längengrades – Minerva-Riffs dann in Linie – je nach Situation evtl. Stopp dort – mit dem Wind der sich voraussichtlich gegen Uhrzeigersinn drehen wird, langsam von N- auf NW-Kurs abdrehen – dann hätten wir einen Anliegerkurs nach Savusavu das wir anpeilen wollen und welches auf der nördlichen der 2 grossen Fiji-Inseln liegt.
Unsere erste grössere Seereise in dieser Saison
will ich besonders für Segler und Interessierte etwas ausführlicher beschreiben, damit sich Leserinnen und Leser in etwa ein Bild einer Reise über 10 Tage unter Segeln ausmalen können.
28. April Start nach Fiji

Ausklarieren, Aussenborder in Backskiste verstauen, Dingi auf Deck verzurren, New Zealand by, by…
… wir sind unterwegs – herrliches Gefühl – mit Gesamtblick auf die nächsten Jahre, sind wir ab jetzt eigentlich auf der Heimreise…
Schon bald Segel gesetzt – kommen mit achterlichem Wind und 7 Kn Speed gut voran – verlassen die Bay of Island, deren Küstenlinie wir noch knapp bis zur Dämmerung achteraus sehen können.
Wir segeln in die Nacht hinein – 3 Std-Wacheinteilung – Wind lässt nach und schläft um Mitternacht komplett ein – die See bleibt unruhig.
29. April:
Wie zu erwarten heute kaum Wind – ganze Zeit Motor – Kurs NE – hören am Funk, dass gestern mit uns – so quasi mit dem ersten Wetterfenster (das nächste folgt evtl. in ca. einer Woche) – 12 SY abgelegt haben – stelle aber leider fest, dass ich auf Kurzwelle nur empfangen kann und nicht mehr senden! – Scheibe! und dies schon an Tag 2 – vor Wegfahrt beim Radiotest hat’s noch funktioniert – können damit auch keine Gribfils bzw. kein Wetter herein holen – das bedeutet, dass wir für unser jeweiliges Seegebiet auf der ganzen Reise u.U. keinen Wetterbericht haben werden, wenn wir das Problem nicht selbst beheben können. Bleibt, vereinbartes Funknetz abzuhören wo die andern Boote stecken und welche Wetterbedingungen sie haben.
SY Tucan IRL hat uns (AIS) ausgemacht und, da nur einige Seemeilen entfernt, über UKW (Anmerkung für Nicht-Spezialisten: die UKW-Reichweite beträgt „nur“ rund 30 Seemeilen) angefunkt – alles ok.
Am Mittag landet ein müde aussehender Vogel (Schwalbenart) auf dem Boot und will unbedingt unter das schützende Verdeck – nach einigen Minuten fliegt er weg, kommt aber später nochmals für eine ganze Weile zurück.
Gegen Mitternacht kommt schöner Wind auf – sofort Segel gesetzt
30. April:
Seit Mitternacht konstant gute Fahrt am Wind – 06:45 herrlicher Sonnenaufgang – tagsüber wenig Wind aus NNE – somit praktisch auf Nase – für ein paar Std ist deshalb Motorsegeln angesagt – Erreiche über UKW die SY Norsa UK – sie ist nur 10 sm neben uns (nicht zu sehen) – Kontakt via Satellitentelefon mit Paul (SY Mabuhay CH), der noch in Opua ist – er sorgt dafür, dass wir von Winfried (Wetter-Service auf Deutsch) morgen das Wetter für unser Seegebiet und die folgenden Tage erhalten – tipp topp – nach Check des Tuners scheint es, dass wir unser KW-Funkproblem nicht selber lösen können und dieses deshalb bis Fiji warten muss.
Lesen – Routenplanung für spätere Routen im Riff übersäten Fiji – dazwischen immer wieder etwas Schlaf vor- bzw. nachholen.
Nach 21:00 nehmen Wind und Welle zu – weil hart am Wind, stampft das Boot – erste Reffs
1. Mai
Um 02:00 Wachwechsel – die Bordfrau hat einen zuverlässigen Job gemacht, wie immer (;-) –
Der Wind hat weiter zugenommen auf inzwischen 25 – 27 Kn aus NNE – angesagt war für das Seegebiet und diese Zeit ein laues Lüftchen – also weiter reffen – fordernde Decksarbeit in der Nacht.
Bei Tagesanbruch regnet es und wir haben „trümmlige“ 3m hohe Kreuzsee – später klart es auf – danach schönes Segeln zwar bei viel Welle (3 > Meter) und Wind der im Tagesverlauf von NNE über W nach S und schliesslich auf SSE dreht – wir erreichen den SE-Passat – bedeutet auch, dass wir nach dem Schifften der Segel neu und bis Fiji voraussichtlich auf BB-Bug (bisher Stb) segeln werden – heisst zugleich den Schlafplatz im Salon wegen leichter Schräglage auf die andere Seite wechseln, weil dann die BB-Seite bequemer ist – brauchen wegen Wache schieben sowieso nur einen Schlafplatz. Haben nun den Seerhythmus wieder intus.
Segeln nun einen mehr nördlicheren Kurs.
2. Mai

Kommen gut voran – um 12:00 verzeichnen wir ein Etmal von 142 sm – unter einem Himmel der zu 1/3 bedeckt ist – bisher 581 sm hinter uns und bis zum Minerva-Riff (evtl. Halt) sind es genau 300 sm – als wir den Watermaker einschalten, will dieser nicht – wir haben zwar genügend Wasser aber er sollte ca alle 3 Tage mal in Betrieb genommen werden – ein verstopfter Filter ist die Ursache – nach dem neuen Wechsel innert 3 Tagen ist wieder alles ok – dabei haben wir vor dem Start in Opua den Filter gewechselt und den Watermaker getestet – funktionierte wunderbar – aber das Dreckwasser des Hafens hatte ihm offenbar zugesetzt.
Am Nachmittag tanzte das Boot ganz schön auf-, ab- und seitwärts bei gleichem Speed, aber jetzt bei 3.5 – 4m hohen, unregelmässigen Wellen, kommt aber unter dem Diktat des mechanischen Windpiloten immer wieder auf Kurs – wir staunen wieder mal selber was das Boot bewältigt und aushält, z.B. jetzt bei 23 Kn Wind und grossen Wellen haben wir einen regelmässigen Speed von 7.8 Kn – seetüchtig und dennoch entsprechend komfortabel ist die Nicone alle Mal.
Am Abend segeln wir im Fadenkreuz von 28° Breite und 180° Länge fast diagonal von den östlichen zu den westlichen Längengraden – später bei Annäherung an Fiji geht es dann dann wieder zurück auf östliche Längengrade.
3. Mai
Beim Wachwechsel um 02:00 muss sofort die Genua gerefft werden – wir“fliegen“ – ich erhalte dabei eine Salzdouche – das Gross hat schon 2 Reffs bekommen für die Nacht – das Boot fährt absolut ruhig und stabil bei raumem Wind von 20 – 24 Kn aus SE und Speed von 7.5 – 8.2 Kn. – ganze Nacht und vormittags konstant mit rassigem Speed unterwegs – am Morgen finden wir fliegende Fische an Bord – bei Check des mech. Windpiloten und einer Justierung, die ich auf dem Achterdeck vornehme, erwischt mich die zweite Douche – überhaupt segeln wir jetzt recht nass, d.h. es steigen bei dieser rauhen See häufig Wellen an Deck – zusätzlich haben wir richtige Knaller von Wellen, welche gelegentlich breitseits das Boot treffen – kein Problem, aber es fliegt meist doch irgend etwas quer durchs Boot . Das Etmal darf sich bei diesen Bedingungen mit 160 sm sehen lassen.
Um 18:50, also schon dunkel, sind wir in einen Squoll (Gewitterherd) geraten – bekamen Wind von falscher Seite in die Segel – Boot lief aus Ruder – Windgeschwindigkeit erhöhte sich auf 34 Kn – Windmesser stieg aus und ein Brecher steigt an Bord – ich erhalte heute die dritte Salzdouche! Genua auf „Kleinstfetzen“ reffen – nach ½ Std ist alles wieder geregelt, das heisst Leena kann weiter das Nachtessen (Bohnen, Kartoffeln und Würste) zubereiten – ohnehin ein Akrobatik Akt – umziehen – das Bootsinnere hat selbst durch abgedeckte Lüftungsschlitze etwas Wasser bekommen – wir geniessen die einfache aber mundende Mahlzeit nach der Extra-Anstrengung – es geht weiter in die Nacht hinein mit 25 – 29 Kn Wind aus SE und 7 Kn Speed
In solchen Momenten können schon Gedanken auftauchen, ob es nicht Bequemeres gäbe… aber sofort gefolgt davon, dass wir das ja selbst gewählt haben und jetzt wieder alles seinen Verlauf nimmt – nämlich das gute Gefühl auf einer einmaligen 1200 sm langen Passage zu sein.
Die Zwischenbilanz betreffend Strecke ergibt bis dato 700 sm hinter uns – bis zum Minerva-Riff Nord sind es noch 100 sm und bis Fiji noch 500 sm
Ob wir in das Minerva-Riff einfahren werden, lassen wir offen: dafür wird morgen die Ankunftszeit und Wettersituation bestimmend sein… interessant wäre es jedenfalls, sowohl geschichtlich und geografisch, als auch physisch dahin zu gehen, auch nicht zu verabscheuen um sich etwas zu erholen…
4. Mai
03:00 Wind und Wellen haben etwas nachgelassen – jetzt 20–24 Kn – Kurs N
07:00 (Schweiz Vorabend 21:00) Durchgabe Position an Neffe Tobias via Satellitentelefon
08:00 Funk-Frequenz 10090 und 14770 abhören – Wetter von Winfried für Segler
Minerva-Riffe:
09:00 über das Cruiser-Netz auf Frequenz 4036 ist zu vernehmen, dass sich einige der SY des Samstag-Start-Pulkes in der näheren und weiteren Umgebung befinden – ein paar laufen das Süd-Riff an – andere früher oder später das Nord-Riff – 2 SY sind schon dort.
09:45 das Süd-Minerva-Reef haben wir 6 sm an Backbord quer ab – nicht sichtbar
12:30 bei der Anfahrt auf die 4 sm entfernte Riffpassage des N-Minerva-Riffs erscheint auf dem Plotter (Atomatisches Identifikations System) eine weitere SY, die wegen des Seeganges aber erst im Abstand von 1.8 sm von Auge zu sehen ist – zusammen steuern wir die Einfahrt an

13:15 bei stark auslaufender Strömung fahren wir durch die Passage – seltsames Gefühl: eine kreisrunde kleine „Oase“, im Nirgendwo des Pacific – 4 sm Durchmesser, ein Riffkranz knapp über Wasser, der Wellen bricht und der jetzt bei grober See vielerorts überspült wird – der Wind pfeift mit gleicher Stärke wie auf See über das Riff hinweg – zur Zeit mit 25-27 Kn – aber die Wellen sind dafür innerhalb nicht sehr hoch
14:00 / SE 27 Kn / 1/3 bedeckt / vor Anker fest / Pos. 23° 37,83‘ S – 178° 53,85‘ W – es zerrt es ganz schön am Anker.
Am Funk, jetzt da sich einige SY im Empfangsbereich von UKW befinden, beginnt ein nicht enden wollendes, sorry Ladies, belangloses Funkgeschnatter unter Frauen …
Erst mal etwas essen und ausruhen – Funk abstellen (;-)
Ab hier trennen sich die Wege der meisten SY – einige nach Tonga – andere zur Fiji–Südinsel oder wie wir zur Fiji-Nordinsel
5.Mai
Irgendwie war es gut dass wir hier etwas länger schlafen konnten – obwohl unruhig, zerrte der Wind doch die ganze Nacht heftig am Boot.
Es stellt sich heute die Frage, ob noch länger hier bleiben oder weiter segeln?
Funk abhören und Tel mit Paul in Opua – Wetterdaten studieren – es ist verzwickt – Wind lässt erst in 5 Tagen nach – dann schwach – so lange warten, um dann die restlichen 400 sm bei Schwachwind zu absolvieren? – umgekehrt sollen jetzigen starken Winde 1-2 Tage früher über E nach NE und NNE drehen, was bedeutet, dass wir uns sputen müssten, um nicht gegen Schluss hin noch gegen den Wind ankämpfen zu müssen…
Überraschung:
… während wir uns noch mit der Situation auseinander setzen, erreicht uns ein überraschender Anruf unserer Tochter Petra über das Sateliten-Telefon, das sonst ausgeschaltet ist und unsere diesjährigen Pläne auf den Kopf stellen wird – „ob wir fest und gut sitzen?“ – „ja, so gut dies auf einem im Starkwind schaukelnden Boot möglich ist klar“ – wir sind zur Hochzeit im August in der Schweiz eingeladen – wenn das keine gute Überraschung ist – aber stopp, das heisst ja dass wir… und…. und…
… und jedenfalls die gesamte Saisonplanung ändern müssen, dürfen, sollen… wow!
Dann vorerst zurück zur windigen Gegenwart – unter etwas stürmischen Bedingungen weiter segeln oder abwarten?
Der Entscheid lässt nicht lange auf sich warten, obwohl etwas von komischen Gefühlen begleitet – wir segeln los und zwar sofort!
10:30 bei 27-30 Kn Wind setzen wir das neue Stagsegel und jagen dem Riffausgang zu – mit uns noch eine andere SY, welche zum gleichen Entscheid kam.
Vorerst drehte der Wind noch auf – beim Setzen des Gross (3 Reffs) herrschen 30 – 32 Kn – das Boot läuft gut mit Gross und Stagsegel – wird mit dem Bug weniger in die Wellen gedrückt als mit entsprechend gereffter Genua. Später gibt es „nur“ noch 20 Kn aus SE – wir ersetzen das Stagsegel wieder mit der Genua und setzen unsern Kurs nordwärts fort.
6.Mai
Hinter uns ist eine rassig durchsegelte mondhelle Nacht – das Etmal am Mittag beträgt 157 sm – gleichzeitig erreichen wir die ersten Inseln von Fiji (es gibt rund 300 davon) und die kleine Insel Tuvana die genau auf unsere Route liegt, ist nur mit grossem Zoom auf der elektron. Seekarte erkennbar! Nebenbei bemerkt: es ist äusserst gefährlich , besonders hier Routen und Passagen zu befahren, ohne die gesamte Strecke gründlich auf Gefahren hin zu prüfen bzw zu zoomen – letztes Jahr soll eine SY auf dem Weg von Tonga via N-Minerva-Riff nach Neuseeland den Kurs direkt abgesteckt und dabei das Süd-Riff übersehen haben – auf der Fahrt unter Verwendung des autom. Piloten sei sie dann nachts direkt aufs Minerva-Süd-Riff aufgelaufen.
Seit Mittag segeln wir wieder mit 24-28 Kn SE und stark gerefften Tüchern (Genua, Gross und Besan) ständig mit 7.7 – 8.5 Kn Speed bei 3-4m Welle – eine nicht unerhebliche Belastung für Crew und Boot – jedenfalls hat die Bordfrau einige blaue Flecken – beim Skipper bleibt es meist beim Fluchen .
Am Abend sind wir auf dem 20igsten Breitengrad und es wird wärmer und wärmer.
Der Entscheid gestern weiter zu segeln hat sich bis jetzt als hart aber richtig herausgestellt – der Wind soll morgen auf E evtl NE drehen – damit würden wir dann genau zum richtigen Zeitpunkt abfallen können und mit Halbwind einen Anliegerkurs nach NNW bzw. Savusavu segeln können.
7.Mai
Letzte Nacht hat der Wind nachgelassen und lag heute noch bei 14-17 Kn – er drehte dabei von SE über E nach ENE – wie geplant können wir auf der Höhe von 18°50‘ Breite auf einen Kurs von ca 325° abfallen. Die Segel haben wir ausgerefft und erzielen bei deutlich kleineren Wellen gute Fahrt – falls der Wind so durchzieht werden wir im Laufe des nächsten Morgens am Zielort eintreffen.
Aus Funkgesprächen entnehmen wir Folgendes – das meiste ist bekannt: Segeln in Fiji ist wegen der vielen Riffe recht gefährlich – 50 % der SY welche länger Zeit in diesen Gewässern verbringen haben Riff-Kontakt, erleiden Schäden oder sinken im schlechtesten Fall (jährlich ein paar) – bei bedecktem Wetter keine schwierigen Passagen fahren – Karten stimmen nicht immer genau – um Untiefen und Korallenköpfe (nicht alle sind auch verzeichnet) zu erkennen, benötigt man einen Ausguck am Bug oder auf der ersten Saling – der Wind kann gut und gerne 5 Kn und mehr sein als prognostiziert – Vorsicht beim Überfahren von Riffen mit nur 10-20cm Kielfreiheit (um z.B. in eine Lagune zu gelangen) – es könnte sein, dass man längere Zeit eingeschlossen bleibt, falls die Einfahrt bei Höchst-Tide erfolgt – soeben ist diesbezüglich eine CH-Yacht in eine schwierige Situation geraten – konnte sich aber noch knapp „retten“
Ansonsten heute wie sonst auch täglich: Logbuch führen, zwischendurch schlafen, oder lesen, Berechnungen anstellen – diverse Checks durchführen – Bordbetrieb und Segeltrimm überwachen –vieles anderes macht Leena und ohne mein Zutun.
Um Mitternacht sind es noch 50 sm die bis Savusavu zurück zu legen sind.
8. Mai
Mit ca 6 Kn fuhren wir bis in die Morgenstunden durch die Nacht – dann, als hätte der Wind ausgepustet – geht es nur noch mit gemächlichen 4,5 Kn vorwärts – aber es ist ja auch nicht mehr weit und wir sind was auf der bisherigen Reise den Speed anbelangt natürlich „verwöhnt“.
Um 07:00 sind plötzlich 3 SY in grösserer Distanz bei kleiner Welle und guter Sicht zu sehen – eine davon hat uns via AIS erkannt und angerufen – es ist die befreundete SY Kite US mit Jack & Stenca, welche die gleiche Route fast zur selben Zeit unbemerkt hierher gesegelt ist.
Nicht vergessen, noch die Q-Flagge (Qurantäne) zu setzen.

Dann sind wir da – werden, nachdem wir uns über Funk angemeldet haben, bereits an einer Mooring der Waitui Marina erwartet – sie organisiert auch das Prozedere des Eincheckens, das unkompliziert verläuft – die Beamten kommen an Bord: 1. Gesundheit – 170 FI$ irgendwann nächste Tage beim Spital bezahlen – 2. Zoll und Immigration (viel Papier) – ansonsten keine Kontrolle – dafür freundliches Bula – willkommen – morgen komme dann noch die Biosecurity…
Für die 1275 Seemeilen benötigten wir genau 9 Reisetage plus 1 Tag Zwischenhalt im N-Minerva-Riff.
