Woche 18 und 19 / 27. April bis 10. Mai 09
Pactor, Stromaus- und Regenfälle, Portugiesisch, Computer, Verkehrsmittel, Pläne, Entschleunigung
Zusammenfassungen aus dem Logbuch:
nach einer Woche Abwesenheit (Aotoreise) wieder heimisch gemacht auf dem Boot.
Haben
mit Bootsnachbar Gerwald des Öfteren über Pactor bzw. Verbindungen über
Kurzwelle diskutiert, Versuche angestellt und Erfahrungen ausgetauscht.
Unsere technischen Einrichtungen mit Literaturempfehlungen verglichen
und Differenzen gefunden, welche zu Störungen oder keinem Empfang
führen können. Offenbar ist aber diese „Ecke der Welt“ ein allg.
Problem für alle Segler, welche Paktor insbesondere für Wetterinfos
benützen. Habe mich etwas vermehrt in die Funktechnik eingelesen –
schwierig für Nicht-Techniker. Mein „Erfolgserlebnis“: nachdem ich die
Kabelverbindung von der Antenne (Achterstag) zum Tuner erneuert hatte,
konnte ich entgegen aller Erwartungen eine Verbindung mit Halifax
herstellen und dies trotz vieler möglicher Störquellen durch die andern
Boote und deren Geräte etc. – wie sich herausstellte war dies aber
offenbar nur möglich weil am Steg der Strom und somit die meisten
Störquellen ausgefallen waren und der Pactor mit dem Bordnetz
arbeitete.
Von wegen elektrischem Strom: es gab und gibt rel.
häufige Stromausfälle, was auch mit den starken Regenfällen zu tun
haben dürfte, aber dies gehört hier zum Alltag und „man lebt damit“ –
verglichen mit einer Meldung von einem 2 stündigen Stromausfall in der
Stadt Biel war es dort eine Katastrophe und auch noch 2 Tage danach
immer noch ein Medienthema…
Mit Helene, gebürtige Polin,
aufgewachsen in Paris, spricht auch portugiesisch, ist schon längere
Zeit in Brasilien, lernen wir einige wichtige Alltagsphrasen in
Portugiesisch – ganz selten findet sich jemand unter den Brasilianern,
der eine zweite Sprache spricht (wenn dann evtl etwas englisch). Der
Unterricht macht Spass, obwohl die Aussprache für uns mit den vielen
nasalen Lauten schwierig ist.
Sind häufig im Internet sofern dies
funktioniert, und damit mit zu Hause und der Welt verbunden.
Unterdessen haben auch mehrere Bekannte Skype eingerichtet, so dass wir
mit ihnen oder sie mit uns gratis sprechen können - schon phantastisch
auch wenn die Verbindungen nicht immer 100%ig sind. Mit Marc habe ich
hervorragende Hilfe von zu Hause aus, wenn bei uns Computerprobleme
anstehen und dies geschieht doch ab und zu. Da auch
navigationstechnische Programme über den Computer laufen, ist es
wichtig dass diese auf Langfahrt auch zur Verfügung stehen. Dazu haben
wir alles auf einem älteren Compi zusätzlich abgesichert. Aber manchmal
werden wir von den technischen Anforderungen eingeholt – in diesen
Fällen kann dann Marc von der Schweiz aus auf unsere Systeme zugreifen
und via Skype können die Probleme besprochen bzw. gelöst werden.
Mit
Zug oder Bus, dann zu Fuss sind wir jeweils unterwegs für Einkäufe in
Jacare, Cabadelo oder Joao Pessoa. Es kann schon auch vorkommen, dass
ein Zug wegen technischem Defekt ausfällt, was aber gelassen
hingenommen wird. Dann machen sich die Leute halt zu Fuss auf den Weg.
Auch das mit den Bussen ist so eine Sache: Fahrpläne gibt es nicht; es
fährt eigentlich immer mal einer, nur das Warten kann dauern. Beim
Überqueren von Strassen ist grösste Vorsicht geboten – der motorisierte
Verkehr hat immer Vortritt – ein Menschen- oder Tierleben gilt nicht
eben viel!
- Während ich häufig mit technischen Arbeiten im, am
und ums Boot beschäftigt bin, schaut Leena zum Bootshaushalt, backt
ab und zu – so dunkles Brot ist schon eine feine Abwechslung – macht
Reiseplanvorschläge zu Lande und zu Wasser, behält unsere Finanzen im
Griff, treibt Sprache voran, pflegt Kontakte via SMS, Skype, E-mails,
pflegt den Skipper falls mal etwas weh tut und achtet auf gesunde
Verpflegung.
Wenn es um längerfristige Planung geht, tut man gut
daran, die Seehandbücher, Routen, Distanzen, zu welchen (Jahres-)
Zeiten, vorherrschende Strömungen und Winde zu studieren und wenn
möglich Informationen von Seglern, welche die Gebiete besucht haben
einzubeziehen. Vieles ist dann möglich, einiges nicht und anderes als
Variante. Verlässt man nun z.B. Brasilien in Richtung Norden, gibt es
wegen den vorherrschenden Winden und Strömungen praktisch kein Zurück
mehr auf derselben Route. Will man jetzt weiter südwärts segeln, wird
bis September vorwiegend Gegenwind herrschen – nicht gerade ein Traum,
hunderte oder mehr Seemeilen praktisch alles am Wind zu segeln.
Wir
entscheiden uns vorerst ca 600 sm südwestwärts „um die Ecke“ nach
Salvador mit seiner riesigen Bucht, Inseln und Flussgebiete zu segeln.
Dort wollen wir einige Zeit verbleiben, um dann voraussichtlich wieder
nordwärts zurück zu kehren. Später weiter aufwärts – Franz. Guyana –
Surinam – Guyana – um im Nov/Dez die Insel Trinidad als Ausgangspunkt
für die Karibik zu erreichen. Dabei lassen wir jedoch alles offen um
auch für andere Pläne bereit zu sein.
So nach und nach beginnen
wir uns an den brasilianischen Lebensrhythmus zu gewöhnen – verstehen
tun wir ihn noch nicht so recht – müssen uns wohl noch mehr
Hintergrundinformationen aneignen. Jedenfalls ist, verglichen mit der
mitteleuropäischen Lebensweise, Entschleunigung angesagt. Was spielen
denn zwei Stunden oder 1 Tag später für eine Rolle… das Leben hier
richtet sich vor allem nach der Sonne, Mondphasen und Gezeiten… wir
lernen… aber manchmal fragen wir uns schon, ob so viel Gelassenheit wie
hier nötig überhaupt lernbar ist…