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Woche 15 & 16 04. – 19. April 09 Angewöhnung an Brasilien

Woche 15 & 16 04. – 19. April 09 Angewöhnung an Brasilien

Marina Jacare

In erster Linie bedeuteten die ersten zwei Wochen Angewöhnung an das feucht heisse Klima mit viel Regen – häufig schlecht geschlafen – Mückennetze (wie Himmelbett) montiert – viel Wasser getrunken – oft müde (willkommene Siesta) – Leena erträgt alles viel besser als ich – wir gehen häufig „kalt“ douchen oder in den Pool oder stelle mich auf Deck in den Regen um etwas Kühlung zu haben.
Nach ersten Orientierungen am Wochenende vor Ort in Jacare (Jacare heisst Krokodil – das letzte wurde „vor langer Zeit“ gesichtet) –  fahren wir montags früh mit dem Zug nach Cabadelo, wo wir uns anmelden müssen – Segler und Handbuch weisen darauf hin, dass für das Erscheinen bei den behördlichen Stellen „anständiges Aussehen“ verlangt wird, ansonsten könne man zurückgewiesen werden – dazu gehören lange Hose und geschlossene Schuhe. Wir bringen die Papierübung mit den sehr freundlichen Behörden nach 2 ½ h hinter uns – wurden u.a. in die Stadt geschickt um Fotokopien machen zu lassen (im sonst modernen Büro gab’s keinen Kopierer) – dabei zeigt uns der gut englisch sprechende Beamte stolz das Projekt einer Kirche, bei welchem seine elfjährige Tochter massgeblich beteiligt ist – es wird uns auch kühles Trinkwasser angeboten – dabei geht uns durch den Kopf wie das auf einer Schweizer-Polizeistelle wäre – auf der Capitanerie versteht man wie prakt. überall nur portugisisch – kein Problem – die Gesundheitsbehörden könnten wir weglassen – und falls wir noch auf die Toiletten müssten seien sie da…
Dann geht’s zurück mit dem Zug – 0,50 R$ (25 Rp) egal ob 3 oder 30 Km – Hans ist etwas reisenervös  - klar, er verlässt uns am Abend mit dem Taxi Richtung Recife, Flug nach Salvador, Frankfurt, Zug nach Biel.
Der Liegeplatz am Steg – wir haben ihn sicherheitshalber gewechselt und liegen an 2 Murings und mit dem Heck am Steg – ist etwas Besonderes – die Tide beträgt hier 2,.50 - 3 m und verursacht starke ein- und besonders auslaufende Strömung mit entsprechenden Fliessgeräuschen. Das Wasser ist schmutzig grün und hinterlässt am Unterwasser bald seine Spuren und Ablagerungen mit Kleinmuscheln.
An den beiden Stegen der Marina gibt es vor allem französischsprechende Segelcrews aus Frankreich, Belgien, Schweiz, was mit dem französischen Marinabesitzer zusammenhängt, der hier seine brasilianische Liebe gefunden hat. Die Marina gilt als sicherer Platz – was nicht von überallgesagt werden kann. Nachts wird sie wie viele öffentliche Gebäude und Orte von Sicherheitsleuten bewacht.
Der Steg mit den verschiedenen Booten, mit unterschiedlichen Besatzungen, Alleinsegler, Paare, Familien, Kinder, Hunde, entspricht dem eines lebendigen Dorfquartiers: Informations-austausch, Smalltalk, Aushilfe, etc. Das Gefühl auf andere zählen zu können gibt Sicherheit.
Da gibt es auch versch. kleine Dienstleistungen besonders durch die franz. Frauen: Afrolook, Unterricht in Portugisisch – Helena gab uns die ersten Lektionen – Herstellung von Art, etc.
Einen Schreckensmoment gab es am Ostertag als ein 2 ½ jhriger Bube von einem Katamaran ins trübe ausfliessende Flusswasser fiel, was Leena beobachtete und Alarm schlug – der Vater hechtete und schwamm hintennach und erwischte ihn – ein Ostergeschenk - allseitiges aufatmen! 

Die Brasilianer erleben wir als sehr freundlich und hilfsbereit, obwohl da auch immer eine Portion Skepsis mitspielt – dies inbesondere wegen den vielen Hinweisen, „Geschichten“ und Begebenheiten, welche sich um Kriminalität drehen. Es sind uns unterdessen mehrere Segler bekannt, welche überfallen wurden. Da ist z.B. John unser Segelnachbar der schon längere Zeit in Brasilien lebte. Er wurde mehrmals von Kindern mit Pistole bedroht. Die letzte „Geschichte“ die uns erreichte, handelte von einem Deutschen Segler der kürzlich erschossen wurde weil er sich wehren wollte. Die Polizei habe den noch nicht 12jährigen Täter erwischt (kann aber wegen seines Alters nicht entsprechend Tat zur Rechenschaft gezogen werden). Der zweite etwas ältere Junge (Anstifter) sei bekannt aber die Polizei hätte mitgeteilt, falls sie ihn erwischen, würden sie ihn gleich erschiessen, statt im Gefängnis durchzufüttern…
Nun, es stellt sich die Frage wie mit solchen „Geschichten“ umzugehen ist… klar ist, dass die hier vorherrschende Kleinkriminalität von der häufigen Armut – auch Bildungsarmut – geprägt ist und es bei diesen Kriminellen oft um tägliches Überleben, offenbar auch für deren Angehörige geht. Viele Leute leben buchstäblich auf und von der Strassse.
Dies wirkt oft bedrückend und persönlich entstehen Ohnmachtsgefühle vis a vis der vorherrschenden Situation. Was können wir als Einzelne beitragen? können wir überhaupt? Direkthilfe zur Selbsthilfe?
Die Vehaltensregeln für den Selbstschutz, welche selbst von Touristenbüros bekannt gegeben werden lauten dabei an Land – sich nicht auffällig als Tourist benehmen, keine Uhr bzw. Schmuck tragen, nur wenig Geld bei sich haben, keine Photoapparate benützen, nicht in Seitenstrassen gehen, nicht nachts unterwegs sein, Taxis benützen und im Falle einer Bedrohung sich nicht zu wehren, sondern „hergeben“ etc. Auf dem Wasser heisst dies u.a. nicht alleine ankern, abgelegene (meist sehr schöne) Ankerplätze meiden, Marinas (es gibt sie nicht allzu häufig) aufsuchen.

Jacare selbst ist eigentlich zweiteilig: der eine Teil wo wir sind liegt am Fluss Paraiba, der andere am Atlantik mit weit vorgelagerten Riffen. Etwas oberhalb der Marina befindet sich der Touristenstrand, bekannt für die Sonnenuntergänge – die wegen den hier am Horizont vorherrschenden Wolken fast nie stattfinden oder im Regen untergehen – aber täglich von einem Saxophonisten ganz in Weiss auf einem Boot um 17.00 mit dem Bolero von Ravel eingeleitet werden und um 18.00 mit dem Ave Maria enden. Danach gibt es brasilianische Unterhaltungsmusikvon Lifebands, an Weekends oft bis morgens um 06.00 (;-(

Nach zwei Wochen gewöhnen wir uns so langsam an die brasilianischen Lebensbedingungen.