Woche 12, 13 und 14 Di. 17. März – Fr. 03. April 2009
Atlantik-Crossing von Kap Verden nach Brasilien
Kap Verde – Inseln Peter und Paul passiert – Insel Noronha – Cabadelo / Jacare / Brasilien
…ein Bericht wie von vielen, welche den Atlantik überqueren…
Vor
dem Start liegt einige Ungewissheit in der Luft – wir werden in der
nächsten Zeit länger als bisher auf uns selbst und unsere eigenen
Ressourcen gestellt sein – nun wir sind nicht die ersten und sicher
lange nicht die letzten die eine Atlantik-Überquerung mit dem Segelboot
unternehmen – dennoch….
Am 17.03.09 um 17.00 UTC legen wir nach
dem Dieselbunkern im Fischerhafen von Mindelo, Kap Verde ab Richtung
Brasilien. An Bord ist Leena – sie freut sich auf das was da kommen mag
- Hans, der auch schon früher mit uns in der Türkei dabei war – es ist
wie er meint, wohl die Chance in seinem Leben den Atlantik per
Segelboot zu überqueren. Dann ist da noch der Verantwortliche für das
Unternehmen, der mit der Einstellung „wir tun es heute hier und jetzt“
ins Rennen geht und daraus etwas Gutes machen will. Ob es gelingt…
es
sind da doch ein paar Dinge die es speziell zu meistern gilt: haben wir
genügend Bord-Energie via Solarpanele unterwegs? bringen wir die
Windpilotanlage besser zum Selbststeuern? Gesundheit der Crew? – die
Krankenschwester und der Arzt inklusive Medikamente sind an Bord, also
was soll’s. Werden wir die Wetterbedingungen und Kontakte (E-mails) mit
der Aussenwelt mit Pactor bewerkstelligen können? Was wird sein wenn…
Aber nach den Vorbereitungen über längere Zeit, sind wir zuversichtlich.
Das
erste Tagesetmal war mit nur 56 sm bei sehr schwachem Wind nicht gerade
berauschend. Danach setzte mehr und mehr der NE-Passat-Wind ein, so
dass wir Etmale um 100 sm erreichten.
Am 3. Tag – das Bordleben
begann sich einzuspielen – nahmen wir eine erste Bilanz vor. Dabei
stand u.a. zur Diskussion: können Batterien genügend geladen werden –
notfalls ja mit 1 bis 2 Std Motor pro Tag – Windpilot spinnt etwas –
müssen wir selbst steuern? – der autom. Pilot braucht Energie und soll
geschont werden – Pactor-Wetterbericht zur Zeit tote Hose…
Es wäre
jetzt querab der südlichsten Insel Fogo von Kap Verde eigentlich der
letzte Moment um allenfalls unter relativ harten Bedingungen gegen
Wind, Wellen und Strömung umzukehren. Das aber wollen wir nicht.
Ab
Mittag können wir den Spi setzen und kommen mit 6 – 7 Knoten ganz flott
voran. Am Abend dann gute Pactor-Verbindung mit San Diego via Las
Palmas. Für die Nacht „sichere Besegelung“ gesetzt. Nachtwache im 2 Std
Rhythmus, d.h. 2 Std Wache / 4 Std Schlaf von 21.00 – 09.00.
Am 4.
Tag ab Mittag wieder Spi-Segeln – können wir es wagen unter Spi in die
Nacht hinein zu segeln? – für Nichtsegler sei erwähnt, dass das
Bändigen des Ballonsegels von 130 m2 nicht ganz einfach ist, falls der
Wind aufdreht und dies noch nachts – nach längerem Abwägen der
Kriterien wagen wir es… dann nimmt der Wind zu, d.h. etwas schwierig
und riskant den Spi in der Nacht zu bergen – also rauschen wir durch
die Nacht mit eingeschaltetem autom. Pilot (in diesem Fall etwas
sicherer als von Hand zu steuern oder mit mech. Windpilot). Im Verlaufe
des kommenden Morgens Spi niedergeholt als der Wind weiter auf 23
Knoten (6 Bf) zunahm. Fliegender Fisch an Deck und mehrere übers Wasser
fliegen sehen. Tagesetmal 143 sm. Mit gutem Speed unter ausgebaumter
Sturmfock und Genua geht’s in die meist sternenklare nächste Nacht,
wobei das Meeresfunkeln in der Gischt am Rumpf der Nicone prächtig
leuchtet.
5. Tag: letzte Nacht mehrere Lichter sichtbar, die sich
mit Radar als 3 Schiffe feststellen liessen – melden sich nicht auf
Anruf über Funk. Am Morgen 2 fliegende Fische an Deck – mehrmals
elegante Seevögel gesehen, notabene ca 700 sm von Land entfernt. An die
Nerven gehende Versuche mit Windpilot bzw. unterschiedlicher Besegelung
und Trimm. Um 23.00 AIS-Alarm (Autom. Identifikations System). Ein
Frachter kreuzt uns in ungefährlicher Distanz und etwas später ein
zweiter achterlich.
6. Tag: Vor allem bei mir, Gefühl zu langsam
voran zu kommen – letzte Nächte spürbar wärmer – am Steuer trotzdem
kühl – segeln – segeln – Berechnungen anstellen über Winkel, Kurs,
Speed, Distanzen, Zeit – hintereinander mehrere Schwärme fliegender
Fische vor dem Bug vorbei geflogen – Körperpflege mit Salzwasser aus
der Pütz an Deck und „etwas“ (sparen!) Süsswasser zum Abspülen –
E-mails und Wind-Gribfiles über Kurzwelle / Pactor hereingeholt: keine
Windänder-ung in den nächsten Tagen – Hans erfindet das „Bergfest“,
d.h. Halbdistanz erreicht zwischen Kap Verden und Insel Fernando de
Noronha (zu Brasilien gehörend), wo wir einen Zwischenhalt einschalten
wollen. Ab jetzt geht es „bergabwärts“ und dabei nur um das Wohl der
Crew! Diese Zwischenbilanz feiern wir mit Bratwurst und einem Glas
Roten – Anmerkung: es blieb bei einem Glas, denn er hatte etwas
„Zapfen“, aber, so die Bordfrau: „es war ein gäbiger Tag“.
Die
nächsten Tage sind ausgerichtet auf das Passieren der Vulkaninseln
Peter und Paul, welche aus der Tiefe des Atlantiks nur knapp über die
Meeresoberfläche aufragen. Meist unter Genua, Passatsegel, gerefftem
Grossegel und Besan kommen wir mit 4.5 bis 5 Knoten Speed voran. Es ist
trüb. Dazwischen Nieselregen und der Versuch immer mal wieder eine
„Mütze Schlaf“ zu erwischen. Ebenfalls versuchen wir einen Fisch an die
Angel zu bekommen – alle reden von erfolgreichem Fischen – wir nicht! –
hingegen könnte meine Rechnung mit dem hier mehr auf Ost drehenden Wind
aufgehen, damit wir die Inseln Peter und Paul, die etwas mehr
südwestlich von uns liegen, direkt ansteuern können.
Nach 9 Tagen
erleben wir einen ereignisvollen Prachtstag: Noch ca 50 sm bis Peter
und Paul – vorerst unklar bezüglich Winddreher, Besegelung – das
Unterliek fegt mir beim Arbeiten auf dem Vordeck meine heiss geliebte,
mehrmals geflickte und reparierte Pilotenbrille vom Kopf in Neptuns
Reich – dann dafür gutes Vorankommen unter Spi, gerefftem Gross und
Besan mit direktem Anliegerkurs auf „Peter und Paul“ – um 15.30
Fischleine ausgeworfen und sofort einen fliegenden Fisch an der Angel –
juhui unser erster selbstgefangener Fisch – dieser reicht aber nicht
für drei Personen, also weiterer Versuch und eine Stunde später haben
wir eine prächtige Goldmakrele an der Angel (ist wirklich goldfarbig) –
na geht doch – um 17.40 Land in Sicht – die Inseln Peter und Paul sind
erst 3 – 4 sm vorher im Abendlicht erkennbar – um 18.15 haben wir die
Inseln in nur 1 sm Distanz an Steuerbord quer ab – es ist wie im Film:
einmaliges Ambiente (Licht, Wellen, Brandung, Delfine und Seevögel wie
zur Begrüssung) und wir passieren dieses Einod unter Spi.
Wir feiern
diesen herausragenden Tag mit feinem Fischgericht (frisch, selber
gefangen, und zubereitet) und starten unter Spi in die Nacht.
In der
folgenden Nacht sind wir bis 03.30 mit 5.5 Knoten und mehr gut
unterwegs – dann plötzlich windstill, enormer Regen, der nasse Spi
vertörnt sich wegen Wellen und Schaukeln – mit einiger Anstrengung auf
Deck geholt und etwas abgekämpft in die Koje gegangen. Am folgenden
Vormittag bei sehr trübem Wetter, erneutem Regen und kaum Wind, Spi
klariert und neu gesetzt. Rechtzeitig für die Äquator-Überquerung klart
es etwas auf und mit guter Geschwindigkeit und unter Spi überqueren wir
am Freitag 27.3. um 14.40 UTC den Breitengrad mit der Marke 00°00,0’
von Nord nach Süd auf der Länge 30°01.8’W – ein guter Tropfen ist
dabei! Nun sind wir also auf der Südhalbkugel unserer lieben Mutter
Erde und ein paar Dinge werden etwas anders sein als vorher. Darunter
und für uns wichtig zum Beispiel das, dass sich ein Hochdruckgebiet
hier im Gegenuhrzeigersinn dreht, ein Tief dementsprechend
rechtsdrehend ist, der Mond umgekehrt zu- und abnimmt , etc.
Die
nächsten Tage sind Schwachwindtage, was denn sonst hier in den
Rossbreiten. Es ist feucht und oft heiss – in den ersten Tagen ab Kap
Verde benötigten wir noch warme Kleidung und Mütze in der Nacht – nun
seit Tagen trage ich nur noch Shorts und T-shirt und bin die ganze Zeit
Barfuss – eben auf der Barfussroute. Berühmt für Schwach- oder kein
Wind, kann dieser Kalmengürtel sehr mühsam sein. Wie den meisten
bekannt, haben die Rossbreiten ihren Namen von Segelschiffen die im 17.
und 18. Jh. Pferde in die amerikanischen Kolonien transportierten und
wegen der verlängerten Segelzeit viele Pferde wegen Nahrungsmangel
verendeten und über Bord geworfen wurden. Nun, wir haben einen Motor
den wir zwar zögerlich aber doch einsetzen.
Der Sonntag 29.3. ist
besonders gekennzeichnet durch schwache und drehende Winde. Dazu
bedeckt, oft dunkel und Regen, wovon wir etwas in Eimern auffangen.
Ringsum immer wieder Gewitterherde. Einer davon trifft uns mit heftigen
Böen und Schauern. Wir planen unsere Ankunft auf der Insel Fernando de
Noronha so, dass wir nicht in der Nacht den Landfall haben. Ein paar
Delfine bringen etwas Abwechslung in den trüben Tag unter Motor. Am
Abend gibt es neben Aufhellungen eine Douche an Deck mit gesammeltem
Regenwasser und anschliessend zaubert Leena ein feines Menü mit
Elchfleisch (aus der Dose), Spätzli, Preiselbeeren, Rotwein, Dessert,
Kaffee und Grappa auf den Tisch. Anmerkung: weil unter Motor und
relativ ruhigen Verhältnissen, können wir statt aus einem Tableau auf
den Knien mit tiefen Tellern und Gefässen, ganz normal am Tisch essen.
Dann geht’s weiter unter Motor in die Nacht.
Bei Wachübernahme
durch Peter um 03.00 kommt Wind auf – sofort Segel gesetzt und nach
vielen Motorstunden gibt es herrliches Nachtsegeln – so schön, dass die
folgende Wache der Bordfrau (sie schläft derweil herrlich und wird es
zu schätzen wissen) auch gleich durchgestanden wird. Um 05.00 ist das
Leuchtfeuer von Fernando de Noronha klar voraus sichtbar. Später weckt
uns der wachhabende Hans, damit wir den herrlichen Sonnenaufgang nicht
verpassen – zugleich ist Land (Insel F. de Noronha) in Sicht und ein
Segelboot von Backbord kommend. Später liegen wir Seite an Seite neben
diesem Boot am Anker. Es sind zwei junge Deutsche welche ebenfalls von
den Cap Verden kommend hier Halt machen.
Die Naturschutz-Inseln
Fernando de Noronha sind einmalig schön und liegen ca 300 sm östlich
vom Festland Brasilien (östlichster Punkt) entfernt. Wir liegen am
einzig erlaubten Ankerort mit einigen andern Segelyachten und
Motorbooten ausserhalb der Hafenmauer - im Hafen selbst gibt es wegen
Untiefe keine Liegemöglichkeit für Segelboote - und sind umgeben von
Felsen sowie kleinen Inseln. Der Platz ist phänomenal gelegen, das
Wasser bis auf grosse Tiefen glasklar, jedoch auch geprägt von viel
Schwell, so, dass z.B. das Umsteigen ins Dingi zur Akrobateinlage
werden kann. Die Insel macht sich einen Namen für Ökotourismus und kann
praktisch nur mit ansässigen Institutionen (Tauchen Schnorchel,
Ausflüge, Delfin-Watching etc) besucht werden.
Von andern Seglern
die wir schon auf Lanzarote trafen, wussten wir, dass ein Besuch der
Inseln mit dem Segelboot teuer würde. Es scheint so, dass
behördlicherseits kein Interesse an Yachtbesuchern besteht. Man ist
zwar freundlich aber der Preis ist wohl als Abschreckung gedacht, gibt
es doch überhaupt keine Infrastruktur, wenn man dann per Dingi mal über
die grossen Wellen das Land erreicht hat. Wir bezahlten für eine Nacht
(es werden 2 Tage verrechnet!) für Boot und 3 Personen etwas über 400
Real – ca 200 CHF – ohne Gegenwert notabene ausser schöner Landschaft.
Immerhin können wir hier für Brasilien einklarieren. Die zwei
Polizisten kommen extra aus der Stadt, sind sehr freundlich und
effizient und der Papierakt ist gratis. Wir machten nur einen kurzen
Besuch auf der Insel für kleine Einkäufe, Geldwechsel, etwas
Sightseeing vom Bus aus (ebenfalls teuer – für Einheimische offenbar
gratis) und beschlossen am folgenden Nachmittag Richtung Festland
abzulegen.
Vor dem Ablegen kommen noch unsere 2 deutschen Nachbarn
vorbei, um Auszüge von unserem Küstenhandbuch Brasilien zu
fotografieren. Sie haben keine Unterlagen und wollen ebenfalls ans
Festland, um einen Freund abzuholen, mit welchem sie dann hierher
zurück kommen wollen um das Tauchparadies der Inseln zu besuchen – es
soll bis zu 40m Tiefe klar sein! Während wir das Dingi wieder
zusammenlegen, schwimmt zum Abschied eine Riesenschildkröte vorbei.
Dann sehen wir die Inseln noch sehr lange achteraus.
In der Nacht
vom 31.3. auf 1.4.09 ist es langweilig in Bezug auf Wind und
Vorwärtskommen, dafür schöner Sternenhimmel mit hängender Mondsichel
(zunehmend), wie eine Schaukel. Aus dem Logbuch: bei Morgendämmerung
sieht es nach Rückdreher des Windes aus, also Spi vorbereitet, dann
etwas raumer Wind… hält er an? Bald schlagen die Segel wieder – etwas
anluven, später wieder tiefer fahren mit Spi… 12.50: fünf kleine Wale
(5-6m) begleiten uns während 20 Min dicht neben dem Boot. Nach dieser
Ablenkung wieder viel Arbeit mit Segel: kein Wind, wenig Wind, drehend
– soll das lustig sein… als ein Frachter auftaucht nehme ich
Funkkontakt auf und frage nach dem Wetterbericht – danach wird es, wie
nicht anders zu erwarten in etwa gleich schwachwindig sein in den
nächsten Tagen – ein freundlicher Belgier gab mir die Auskünfte und
fand es toll, dass wir als Schweizer eigentliche Nachbarn seien. Eine
weitere Ablenkung bildet das Haareschneiden an meinem Kopf, damit ich
nicht dermassen schwitze: Hinterkopf durch Leena, Rest durch mich
selbst. Das gemeinsame Resultat lässt sich sehen, meint Hans, der eine
Coiffeuse zur Frau hat, also muss er es wissen.
In der kommenden
Nacht vorwiegend Motor – ab 07.00 haben wir über 2 Std lang
Delfine-Begleitung durch ca 12 Tiere, welche uns das ganze Programm
ihrer eleganten Künste zeigen oder auch nur gemächlich direkt am Bug
dahin gleiten. Tagsüber dann Wind? Ein wenig, doch nicht… mehrere
Segelumstellungen… - dies sind halt die Kalmen – man kennt ja das –
soll man es einfach aushalten durch Treiben lassen, Beiliegen bzw.
nicht vorwärtskommen, Geknarre, schaukeln, etc. bis wieder etwas Wind
aufkommt oder soll man künstlich eingreifen und den Motor starten…?
Eigentlich haben wir Zeit, da sich aber etwas Stalldrang bemerkbar
macht und es mit unserem Dieselvorrat gut bestellt ist, soll Morgen der
Zielort Cabadelo / Jacaré erreicht werden. Um 17.30 taucht ein riesiges
Kriegsschiff auf, das mit AIS und Radar nicht erfasst werden kann, von
Auge aber sehr gut sichtbar ist. Es kreuzt unsern Kurs sehr langsam ca
6 sm achterlich. Es ist bestückt mit gewaltigem Radar und grossen
Satellitenempfängern – etwas unheimlich verschwindet es in der
Dämmerung. Nach feinem Essen und Dessert geht’s leider mit Motor in die
letzte Nacht vor dem Landfall… immer unter dem Aspekt dass alles nach
Plan verläuft!
Um 05.00 sind Lichter sichtbar – es müssen wohl 3
Schiffe sein die sich in gleichmässigem Abstand nähern – Um 07.30
stellt sich heraus, dass es sich um einen Schleppverband von 3 Schiffen
handelt, welche mit uns auf Kollisionskurs sind - ausweichen ist
angesagt – zugleich kommt relativ viel Wind auf und Land ist in Sicht.
Wir können das Festland am beinahe westlichsten Punkt von Brasilien mit
gutem Speed unter Segel anlaufen, was unsere Stimmung natürlich
wesentlich hebt.
Ich muss dabei an meinen Urgrossvater, den ich
als Knirps, im Gegensatz zu meinem Grossvater noch gekannt habe,
denken. Er war für ein Jahr nach Brasilien ausgezogen – ging in Sao
Paulo an Land und dann ins Landesinnere, wo er auf einer Farm arbeitete
– als die Familie nicht nachziehen wollte, kehrte er wieder nach Hause
zurück. Die Fahrten verdiente er sich mit Kohle schaufeln auf
Frachtschiffen.
Schon bald ist die erste Tonne des Fahrwassers nach
Cabadelo erreicht. Wir segeln dann weiter dem Flusslauf des
Paraiba-Rivers folgend ca 5 sm aufwärts bis Jacaré, wo wir in der
„Marina Jacare Yacht Village (www.marina-jacare-village.com) am Steg
festmachen und den dortigen Komfort geniessen können, sind wir doch
etwas von der feuchten Hitze und der Reise geprägt. Dann am Abend
erster Landgang in Brasilien durch die arm, aber freundlich wirkende
Hauptstrasse von Jacaré. Anschliessend lädt uns Hans zur Feier unserer
Atlantik-Reise zum Nachtessen in einem Restaurant ein. Es folgen erste
Kontakte mit zu Hause.
Versuch einer Zusammenfassung wesentlicher Punkte:
Die
Wahl von den Kanaren nach Brasilien zu segeln und nicht in die Karibik,
erfolgte zur Hauptsache aus Zeitgründen. Wir hätten nur noch sehr
knappe zwei Monate in der Karibik verbringen können, weil diese dann
wegen der einsetzenden Hurrikanzeit von Ende Mai bis November von den
Segelbooten verlassen werden muss.
Also wählten wir die Route ab
Kanaren über die Kap Verden, passierten die kleinen Vulkaninseln Peter
und Paul (Anlegen nicht möglich), besuchten kurz die unter Naturschutz
gestellten Inseln Fernando de Noronha und weiter zum Festland Brasilien.
Die
750 sm von den Kanarischen zu den Kap Verden segelten Leena und ich zu
zweit bei 5 Tagen Schwachwind in 7 Tagen, 21 Std und 50 Min. Für die
eigentliche Überquerung von den Kap Verden nach Brasilien waren wir zu
dritt. Für diese Strecke von 1570 sm benötigten wir bei oft schwachen
Winden 15 Tage, 15 Std und 20 Minuten.
Neben einigen rassigen
Segelsequenzen, könnte man für die gesamte Strecke von 2320 sm ab
Kanaren bis Brasilien sagen „relativ oft Schwachwindsegeln“, etwas
Nachhilfe mit dem Motor bes. im Kalmengürtel.
Leena war in Hochform,
während sich Hans unser Bordarzt in den ersten Tagen eine
Rippenprellung zuzog, die ihn die ganze Zeit über schmerzhaft
begleitete und in den Bewegungen einschränkte. Persönlich erging es
mir, abgesehen von gehäuftem Schlafbedürfnis bestens; hatte aber mal
Glück als das Fall des Spi mir am rechten Auge entlang schrammte.
Danach unterlief es in schönen Blautönen.
Zum Teil wegen Problemen
mit dem mech. Windpilot, haben wir viel von Hand gesteuert, aber auch
sonst gab es immer viel zu tun und wir hatten kaum Zeit speziellen
Vorlieben nach zu gehen. Auch die Erholung und das Schlafbedürfnis
tagsüber mussten berücksichtigt werden.
Der Wachrhythmus von 2 Std ab 21.00–0900 hat sich in unserem Fall mit 3 Personen bewährt – tagsüber nach Bedarf.
Die
Bordfrau sorgte generell für gute und regelmässige Kost, was je nach
Seegang oder Dünung einiges an Können und „Stehvermögen“ in der Kombüse
abverlangte: In der Regel ausgiebiges Frühstück; Lunch, frühes
Nachtessen - auch bei heftigerem Seegang gab’s etwas Feines inkl.
Dessert – angerichtet wurde à la Tellerservice in einem Körbchen in
tiefen Tellern oder Schüsselchen - gegessen haben wir im Cockpit.
Der
sparsame Wasserverbrauch aus den Wassertanks betrug 200 Lt, bzw. 4.Lt
pro Tag und Person für Körperpflege und Kochen. Der Geschirrabwasch
erfolgte natürlich mit Seewasser. Weiter verbrauchten wir 30 Lt
Mineralwasser, 10 Lt Süssgetränke, 50 Dosen Bier, 20 Dosen diverse
Getränke und 6 Flaschen Wein: davon 1 fürs „Bergfest“, 1 für die
Äquatorüberquerung und 1 für die Ankunft.