Von Tonga nach Neuseeland
Oktober - November 2011
Von Tonga nach Neuseeland
"Auf hoher See kann man alles finden, je nachdem, wonach der Geist verlangt." Joseph Conrad
Vorwort
Als zuständiger Webadministrator, drittmaliger Gast auf der SY Nicone und nicht zuletzt als Neffe der Eigner, gebührt mir die Ehre, die Berichterstattung der Reise von Tonga nach Neuseeland zu übernehmen. Der Rückblick erfolgt aus meiner persönlichen Sicht und betrifft die Reiseroute von Tonga bis Neuseeland. Ich bedanke mich bereits am Anfang meines Berichtes bei Leena und Peter für deren Gastfreundschaft sowie das entgegengebrachte Vertrauen.
Die Ankunft
Nach 36-stündiger Reise von Zürich via Dubai, Sidney und Auckland bin ich endlich, abends um 20.30 Uhr, am Fua'amotu International Airport auf Tongatapu angekommen. Bereits die Einreise ist speziell. Peter mailte mir vorab eine Bestätigung, welche unseren gemeinsamen Segelturn nach Neuseeland bestätigte. Da ich über keine offizielle Hoteladresse verfüge, muss ich erst einmal zum Chef des sogenannten "Immigration-Office". Jener erklärt mir, dass ich ein spezielles Einreise-Visum kaufen müsse, dessen Kostenpunkt 230.- Tonga$ beträgt. Leider reichen meine mitgebrachten US$ nur für T$ 210.-. Dies sei kein Problem, meint der Vorsteher der Immigrationsbehörde, denn draussen habe es einen Geldautomaten. Ohne Pass kann ich grosszügig die Sperrzone verlassen und begegne auch gleich Leena und Peter, welche mir die fehlenden 20.- Tonga$ geben.
Zurück bei der Immigrationsbehörde, bekomme ich alle nötigen Stempel und Papiere. Nun muss ich nur noch das Gepäck holen. Trotz vollumfänglicher Deklaration aller meiner Mitbringsel kann ich den Zoll ohne weiteres als Letzter passieren. Der Feierabend sei allen gegönnt; und nun kann ich Leena und Peter endlich richtig begrüssen.
Nach 30-minütiger Taxifahrt erreichen wir die Hauptstadt Nuku'alofa. Dort besteigen wir ein Wassertaxi zur nahen Insel Pangaimotu, vor dessen Sandstrand die Nicone zusammen mit anderen Yachten ankert. Ein letztes Umladen des Gepäcks in das Dingi und wir sind wenig später auf dem Schiff. Ich beziehe die Kabine des "ersten Offiziers". Nach schnellem Umziehen in sommerliche kurze Hosen und T-Shirt überreiche ich die mitgebrachten Geschenke - natürlich ist vor allem die Schokolade äusserst begehrt. Bei einem kühlen Drink, Chips und "Lozärner Rägetröpfli" tauschen wir die neusten Geschehnisse der Südsee und der Schweiz aus.
Tonga
Tonga besteht aus 170 Inseln, davon sind 36 mit gesamthaft 121‘000 Menschen bewohnt. Das Gebiet wird in vier Inselgruppen unterteilt: Die Niau-Gruppe, die Vava'u-Gruppe, die Ha'pai-Gruppe sowie die Tongatapu-Gruppe. In letzterer verweilten wir bis zu unserem Aufbruch nach Neuseeland. Umstritten ist, ob die 500 km südwestlich liegenden, unbewohnten Minerva-Riffe auch dazu gehören.
Tonga wurde zirka 4000 v. Chr. besiedelt. 900 n.Chr. entstand das erste Königreich, welches bis 1200 n. Chr. Samoa, Fidschi und die Tokelau-Inseln einbezog. Die ersten Europäer entdeckten Tonga anno 1616. Die Unabhängigkeit Tongas wurde bis heute anerkannt. Das Staatsoberhaupt im monarchisch gegliederten Staat ist der König. Zusammen mit 9 Vertreter der Adelsfamilien sowie neun gewählten Vertreter des Volkes, bilden sie das Parlament in einem Einkammersystem, das sogenannte Fale Alea. Der royale Sitz befindet sich in Nuku'alofa.

Die nächsten Tage verbringen wir mit Schnorcheln, Erkunden der Stadt, Einkaufen und der Durchführung diverser Reparaturen: Eine der Dieselleitungen leckt, die Ankerwinsch vermag die Ankerkette nicht mehr vollständig einzuziehen, ein neues Ruder für die Windsteuerung ist vonnöten; und auch der Windgenerator funktioniert nicht mehr folgerichtig.
Am dritten Tag ist endlich der Ersatz für das verloren gegangene Ruder aus Deutschland eingetroffen. Wir können es beim Cargo des Zollamtes abholen. Mit Taxi, Wassertaxi und Dingi bringen wir das Paket auf das Boot. Peter und ich benötigen den Rest des Tages für den Zusammenbau und die Montage.
Stolz betrachten wir beim Sundowner unser Tageswerk. Später beim alltäglichen Checken der Seamails erfährt Peter, dass das Ruder von einem Segler beim Schnorcheln gefunden wurde. Die befreundete Yacht "Sail away" habe das Ruder an Bord genommen und werde es bis zu einem Wiedersehen in Neuseeland hüten.

Um nach Neuseeland zu gelangen, warten die Yachten hier in Nuku'alofa auf ein baldiges gutes "Wetterfenster". Die Strecke ist bekannt für schnell wechselnde Wetterverhältnisse. Das Wetter zieht von West nach Ost, mit abwechselndem Hoch und Tief. Der Idealfall ist, während des Durchzugs eines Hochs die ganze Strecke zu bewältigen.
Beim Frühstück berichtet uns Peter, dass für die nächsten Tage ein selten gutes Wetterfenster angekündigt ist. Gemeinsam beschliessen wir, am kommenden Nachmittag aufzubrechen. Da die Motorenproblematik noch nicht gelöst ist, bricht Peter in die Stadt auf, zu T&T Diesel, einer kleinen Werkstatt. Diese stellte einen Ersatz in Aussicht. Ohne funktionierenden Motor ist ein Aufbruch auf See praktisch ausgeschlossen. Glücklich kehrt Peter zurück; er konnte eine Ersatz-Pipe ergattern, allerdings muss diese noch mechanisch angepasst werden. Wiederholt zu Dritt gehen wir down-town, um die Abmeldung bei der Immigration und beim Custom zu vollziehen.
Auf dem Markt und im Supermarkt decken wir uns mit Lebensmittel für die Überfahrt ein. Die Besorgungen und Formalitäten bei den Behörden kosten uns alsdann den Rest des Tages. Zurück auf der Nicone repariert Peter den Motor. Die Pipe passt und sie ist dicht. Der Motor läuft - well done Captain ! Neuseeland, wir kommen. Am Abend treffen wir die anderen “Yachtis“ am Strand von Big Mama's Resort. Sie hat zum Barbecue geladen und es wird gemütlich gegessen und geplaudert.

Am nächsten Morgen stehen wir früh auf. Leena und ich wollen noch auf den Markt und eine kleine Sightseeing -Tour machen, währenddessen Peter die letzten Vorbereitungen für die bevorstehende Abfahrt tätigt.
Zum letzten Mal nehmen wir das Wassertaxi nach Nuku'alofa. Beim Hafen wurde ein grosser Markt aufgebaut. Jeden Samstag ist dies der Treffpunkt der Stadt. Es gibt alles zu kaufen. Wir decken uns mit Rasierklingen, Souvenirs und den noch fehlenden Lebensmittel ein.
Nach dem Markt mieten wir uns ein Taxi und fahren zu "Capitain Cook's Landing Site“. Hier landete angeblich der berühmte Capitain James Cook, als er im Jahre 1778 Tongatapu betrat. Eine Gedenktafel erinnert an ihn. Im Schatten des "Cook-Tree", ein Ficus, soll er sich ausgeruht haben. An der Stelle des Originals wurde längst ein neuer gepflanzt.

Bei der Entdeckung Tongas ist Cook von der Freundlichkeit der Einheimischen so überwältigt, dass er sie "The friendly islands" nennt. Heute weiss man, dass die Einheimischen planten, ihn und seine Mannschaft zu töten, jedoch fanden sie keine Einigkeit, wer dies tun solle. In Unwissenheit dessen reist James Cook unbeschadet weiter. Auf seiner dritten Reise in die Südsee starb er 1779, während einer Auseinandersetzung auf Hawaii.
Nach unserem Cook-Besuch besichtigten wir das "Ha'amonga Maui Trilithon". Es wird auch "Stonehenge" von Tonga genannt. Es handelt sich dabei um ein massives, zirka fünf Meter hohes und 120 Tonnen schweres Steintor aus Korallenblöcken.

Die Legende besagt, dass der Halbgott Maui jenes Steintor auf seinen Schultern auf die Insel Tongamotu getragen habe, daher auch der Name. Eine andere Theorie vermutet, dass das Steintor der Eingang eines Königspalasts war. Einritzungen auf der Oberseite lassen astronomische Zusammenhänge vermuten, da diese am längsten und kürzesten Tag auf die aufgehende Sonne zeigen. Leena und ich glauben an zweiteres. Es ist zweifellos erstaunlich, wie solch schwere Gesteinsblöcke hierher transportiert wurden. Zurück am Hafen geht es wieder nach Pangaimotu und auf die Nicone, wo uns Peter bereits erwartet.
Die Überfahrt nach Neuseeland
Nach einem kleinen Snack lichten wir am Samstag, 22. Oktober 2011 um 13.40 Uhr den Anker und brechen nach Neuseeland auf. Mit zirka 1‘050 sm Distanz die bisher längste Überfahrt für mich.
Mit Motor und Segel gelangen wir zu den Aussenriffen. Drei weitere Yachten folgen uns.
Trotz Einnahme von Stugeron überkommt mich eine leichte Reisekrankheit. Daher will ich die erste Nacht noch nicht alleine Wache halten. Ich teile die Wache jeweils mit Leena und Peter. Ich darf auch etwas mehr schlafen - früh morgens ist die Übelkeit wieder verflogen. Für den Rest unseres Törns habe ich keinerlei Symptome mehr.
Wir haben ein perfektes Wetterfenster erwischt. Bis auf den letzten Tag und Nacht, haben wir im Durchschnitt 15-17 Knoten Wind aus Süd-Süd-Ost bis Süd-Ost. Die Wetteraussichten sind meist als sonnig zu bezeichnen. Je mehr wir jedoch südwärts kommen, nehmen die Temperaturen dementsprechend ab. Von sommerlichen Temperaturen um die 30° C in Tongatapu, kühlt es bei unserer Ankunft in Opua NZ auf 18°C mittlere Tagestemperatur ab.
Während der Reise pendelt sich ein Tagesrhythmus ein. Morgens gemeinsames Frühstück, danach Abwasch. Peter führt jeweils das Logbuch nach, holt Wetterdaten und Sailmails per Kurzwellenfunk herein, funkt mit befreundeten Yachten und dem „Southern Cross Net“, liest, schreibt oder bearbeitet Fotos. Ich zeige ihm paar Photoshop-Tricks.
Das „Southern Cross Net“ ist ein Verbund hauptsächlich neuseeländischer Yachten, welche im Pazifik unterwegs sind. Leena und Peter lernten während ihrer Reise von Panama nach Tonga verschiedene Paare und Eigner aus diesem Netz kennen und schlossen sich an. Bei Beginn der Überfahrt meldet man sich beim Netztmoderator an und gibt dann täglich die aktuelle Position per Funk durch. Bei der Ankunft meldet man sich per Funk und zusätzlich per Mail wieder ab, dass man heil angekommen ist. Das Netz dient für mehr Sicherheit bei der Überquerung, zum Austausch von Wetterdaten, aber auch zur Geselligkeit untereinander.
Leena und ich verbringen den Tag viel mit Lesen. Leena kocht uns immer was Feines zu Essen. Ich halte mich tagsüber meist auf Deck auf, geniesse das schöne Wetter, lese, kontrolliere den Kurs und führe, wenn nötig, die Fahrtrichtung an der Windsteuerung nach.
Nach dem gemeinsamen Nachtessen beginnt die Nachtwache. Wir wechseln uns im 2- Stunden-Rhythmus ab, so dass man jeweils 4 Stunden dazwischen schlafen kann. Jeder hat 2 Mal Wache.
Folglich ein paar Eckpunkte unserer Reise:
- 22. Oktober 2011
-13.40 Uhr Beginn Überfahrt nach Neuseeland. - 23. Oktober 2011
-Kontakt nach Hause per Satelliten-Telefon.
-Peter stellt fest, dass wir immer etwas zu wenig Strom haben. - 24. Oktober 2011
-Passieren der Minerva-Riffe.
-Stromfresser gefunden: Peter bemerkt beim Aufstehen Wasser beim Abfallkorb. Er kontrolliert die Bilge. Es hat leicht Wasser und die Pumpe läuft. Bei der Überdrucköffnung (hinter dem Abfallkorb) läuft das Wasser wieder raus. Ein stetiger Kreislauf. Durch die elektrische Pumpe verbrauchen wir Strom. Peter öffnet ein Ventil gegen aussen, damit das Wasser abfliessen kann. Die Bilge wird mit dem Schwamm abgeschöpft und wird weiter beobachtet. - 25. Oktober 2011
-Leena bereitet frisches Brot und Jogurts zu.
26. Oktober 2011
-Reparatur des Segels: Ein kleiner Riss im Gross-Segel droht grösser zu werden. Peter näht unter Fahrt Verstärkungen ein.

-Bergfest: Heute haben wir halbe Distanz geschafft. - 27. Oktober 2011
-Heute kreuzt uns das einzige Schiff während der ganzen Überfahrt. Es ist ein deutscher Frachter: BBC Elbe. Peter funkt sie an. Der deutsche Funker freut sich wohl wieder mal in seiner Muttersprache zu reden. Sie halten einen 15-min Schwatz. Infos über beide Schiffe werden getauscht, wie auch Ladung und Ziele.
-Schuhputztag: Wegen der strengen Quarantänebestimmungen in NZ müssen wir unsere Schuhe, vor allem die Sohlen, von Dreck und möglichen Samen, die eingeschleppt werden könnten, reinigen. - 28. Oktober 2011
-Das gemeinsame Ausfüllen aller Einreispapiere für Neuseeland benötigt über 1.5 Stunden
-Leena sortiert Lebensmittel und Medikamente - 29. Oktober 2011
-schlechtere Windverhältnisse nachmittags und nachts - 30. Oktober 2011
16.50 Uhr: Ankunft Opua, Neuseeland, am Quarantäne-Dock.
Einen besonderen Dank gilt Leena für alles, was sie uns täglich aus der kleinen Bordküche auf den Tisch zaubert.
Man muss sich vorstellen, welche Schwierigkeiten das Kochen an Bord mit sich bringt: Während der gesamten Überfahrt befand sich die Nicone in einer seitlichen Schräglage von zirka 10 - 20°. Wegen des Wellengangs und der Schräglage musste sich Leena beim Kochen mit einer Gurte sichern, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren oder gar durch das Schiff geschleudert zu werden. Trotz erschwerender Umstände kochte und backte sie immerdar, als wäre sie zu Hause in Schwadernau.
Am Morgen gibt es jeweils ein reichhaltiges Frühstück mit Müesli, frischen Früchten, selbstgebackenem Brot und reichlich Kaffee. Mittags kommt meist ein kleiner Snack oder eine Suppe „ins Körbchen“, gefolgt von Kaffee und etwas Süssem ;-) Zum Z‘nacht bereitet Leena immer einen Salat, Hauptspeise und Dessert zu - wir werden also richtig verwöhnt!
Um zu verhindern, dass das Essen nicht über das ganze Deck geschleudert wird, erhalten alle ein Körbchen mit rutschfestem Boden. Mit diesem auf den Knien, gefolgt von genügender Balancehaltung, lässt man es sich alsdann sicher munden.

Ich habe mal die Menuliste der Überfahrt zusammengestellt:
1. Tag:
Grüner Salat, selbstgemachte Lasagne, Vanille-Creme mit Papaya
2. Tag:
Grüner Salat, Rindsgeschnetzeltes mit Salzkartoffeln und Rüebli, Vanillecremé mit Erdbeeren
3. Tag:
Grüner Salat, Pouletgeschnetzeltes mit Peperoni und Tomaten, Erdbeer-Johannisbeer-Cremé mit Rahm
4. Tag:
Kohlsalat mit Papaya, frische Rösti mit Spiegelei und Randen, Caramelcremé
5. Tag:
Kohlsalat mit Feigen, Ravioli, Caramelcremé
6. Tag:
Crackers mit Blauschimmelkäse, dazu eingelegte Birnen und gedünstete Auberginen, gefolgt von warmem Milchreis mit Zimt und Zucker, dazu eingelegte Pfirsiche
7. Tag:
Tomaten-Peperoni-Mais-Salat, Delikatess-Schinken, Salzkartoffeln, Sauerkraut, Vanillecremé mit Apfelmus
8. Tag:
Kohlsalat mit Datteln, Linseneintopf mit Fleisch, Vanillecreme mit Apfelmus
Ankunft Neuseeland
In unserer letzten Nacht vor Ankunft haben wir die schlechtesten Windbedingungen der ganzen Reise, abgewechselt von fehlendem und sehr schwachem Wind – die Genua wird eingerollt und der Motor gestartet. Mit dem Sonnenaufgang verbessern sich die Windverhältnisse; wieder unter Segel geniessen wir ein herrliches Sonntags-Frühstück mit frischer “Zöpfe“ und 3-Minuten-Eier. Am 30. Oktober 2011, um 11.35 Uhr ist fern im Dunst Land in Sicht – Neuseeland zeigt sich.
Alsdann bereiten wir uns für die bevorstehende Ankunft vor: mit Peter zusammen erneuern wir sämtliche, durch die Sonne ausgebleichten oder vom Winde ausgefransten Flaggen und ziehen die Gastland- und die Quarantäneflagge auf. Beide der genannten Flaggen müssen bei, respektive vor Ankunft auf neuem Staatsgebiet gehisst werden. Die zweite – also die Quarantäneflagge, darf erst nach Inspektion der Gesundheitsbehörde wieder entfernt werden.

Um 14.10 Uhr erreichen wir die Bay of Islands. Wir bringen das Schiff auf Vordermann, putzen, sorgen für Ordnung und so weiter.
Um 16.50 Uhr erreichen wir den Einklarierungsort Opua und legen am Quarantäne-Dock an. Dabei handelt es sich um einen Steg, der über keine Verbindung zum Festland verfügt und sich somit vor der Marina befindet. Das Quarantäne-Dock darf erst nach Inspektion und Kontrolle durch die Zoll- sowie durch die Gesundheitsbehörde verlassen werden.
Wir melden unsre Ankunft vorrangig per Funk an und kurze Zeit später erscheinen Zöllnerin und Gesundheitsinspektor mit ihrem Dingi. Sie kommen an Bord. Das Prozedere verläuft freundlich und unkompliziert. Das genaue Ausfüllen der Formulare hat sich gelohnt. Den Müll und gewisse Lebensmittel nehmen die Beamten zwecks anschliessender Verbrennung mit. Da das Marinabüro zu diesem Zeitpunkt bereits schon geschlossen hat, verlegen wir die die Nicone an die Verlängerung des Q-Docks. Die gelbe Quarantäneflagge können wir entfernen. Zum Ankertrunk öffnen wir eine Flasche Champagner und wir feiern unsere Ankunft in Neuseeland. Für Leena und Peter ein emotionaler Moment, sie haben die halbe Welt umsegelt!
Neuseeland
Am nächsten Tag, noch vor dem Frühstück, können wir das Boot an einen herkömmlichen Marinaplatz verlegen. Nach der Anmeldung auf dem Marinabüro geniessen wir alle eine lange warme Dusche. Den Rest des Tages kaufen wir ein, waschen und geniessen den Landgang. Im Marina-Shop des Hafens findet Peter was sein Herz begehrt.
Nach den nur schwierig zu bekommenden Ersatzteilen und Zubehör bei der Durchkreuzung des Pazifiks, wähnt er sich jetzt im Paradies. Hier in Opua treffen Leena und Peter viele "alte" Bekannte. Wir werden zum Sundowner eingeladen, können auf Shoppingtour nach Paiha mitfahren oder Leena lädt zu Kaffee und Kuchen.
Ausflug Waitangi Treaty Grounds
Am Mittwoch, den 02. November unternehmen wir einen Ausflug nach Waitangi. Das Gebiet Waitangi ist von grosser historischer und nationaler Bedeutung. An diesem Ort wurde am 6. Februar 1840 ein Vertrag zwischen den Maori und der englischen Regierung geschlossen. Auf dem Gelände gibt es viel Interessantes zu entdecken. Das „Waka House“ (Kanuhaus) beherbergt ein 25 Meter langes Kriegskanu. Das Kanu benötigt eine Mannschaft von 76 Paddlern. Am Jahrestag Neuseelands wird es zu Wasser gelassen und von den Maori wird eindrücklich demonstriert, wie im Gleichtakt gepaddelt wird.

Ebenfalls zu sehen am Hobson-Strand ist eine kleine Siedlung, wie die Maori früher gelebt hatten.


Das „Vertragshaus“ diente als englische Residenz von James Busby. Mit Hilfe Busbys und Reverend Williams unterzeichnete William Hobson, Abgesandter der Britischen Krone, den Vertrag zusammen mit 42 Häuptlingen der Maori. Auf der vor dem Haus liegenden Wiese wurde der legendäre Vertrag abgeschlossen. Ein Flaggenmast markiert heute jene Stelle.

Der Vertrag von Waitangi machte Neuseeland zur britischen Kolonie. Bis heute gibt es streitige Fragen um jenen Vertrag. Im Jahre 1975 wurde das Waitangi Tribunal gegründet, um die Ansprüche und Rechte der Maoris zu sichern. Am 25. Juni 2008 verpflichtete sich die neuseeländische Regierung, 300 Millionen Franken wegen Verletzung des Vertrags von Waitangi an die Maoris zu bezahlen. Neben dem „Vertragshaus“ steht das „The whare Rungahaus“, das Versammlungshaus der Maori.
Das Versammlungshaus wurde zum 100-Jahr-Jubiläum des Vertrags eröffnet. Es dient als Symbol der Beteiligung der Maori am Vertag.


So viele Entdeckungen geben auch Hunger - auf dem Rückweg gönnen wir uns Fish'n Chips auf einem trocken gelegten Kahn.

Weiterfahrt Bay of Islands – Ost Küste
Nach vier Tagen Landgang brechen wir auf, um die „Bay of Islands“ zu erkunden. Unser erster Stopp ist Russell der ersten Hauptstadt Neuseelands. Mit dem Dingi gehen wir an Land. Früher wurde es als „Höllenloch des Pazifiks“ bezeichnet, galt der Ort doch als Zentrum der Walfänger. Stetig wuchs die Bevölkerung, bestehend aus desertierten Seeleuten, entflohenen Gefangenen, Schnapshändlern und Walfängern. So bekam die Siedlung den Ruf als gesetzloser Hafen.
Trotz der bewegten Vergangenheit zeigt sich Russell heute als kleines idyllisches Städtchen mit etwas über 1‘000 Einwohner. Die Häuser sind im viktorianischen Stil gebaut. Wir besuchen die älteste Kirche Neuseelands, die „Christ Church“. Auffallend sind die selbst gestickten Kissen auf den Bänken


Nach dem Einkauf im örtlichen Supermarkt kehren wir auf die Nicone zurück. Nächste Station wird Orokswa Bay sein, wo wir über Nacht bleiben.
Am darauf folgenden Tag wechseln wir unseren Standort nach Moturua Island und ankern in der Awaakiaroa Bay. Die SY Amigo (österreichische Bekannte von Leena und Peter) gesellt sich zu uns.
Am nächsten Tag machen wir eine Inselrundwanderung. Ein „Bushwalk“ führt um die ganze Insel. Wir sind fasziniert von der vielfältigen Flora und Fauna. Einsame Strände laden zum Verweilen ein.
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Nach dem Marsch müssen wir uns stärken, Helga und René von der Amigo kommen zu Kaffee und Kuchen auf Besuch. Peter erzählt René von seinem Windgenerator- Problem.
René meint eine ähnliche Problematik erlebt zu haben und thematisiert dessen Abhilfe, respektive Lösung. Peter holt gleich nach dem Besuch den Windgenerator vom Mast.

Am darauf folgenden Tag, kurz nach dem Frühstück, kommt René rüber, und gemeinsam reinigen sie die Schleifkontakte des Generators. Nach der Wiedermontage ist der gewünschte Erfolg leider ausgeblieben. Die Reparatur muss bis Whangarei warten.

Gemeinsam „hüpfen“ wir zur nächsten Insel Urupukapuka, zur gleichnamigen Bay. Die Landschaft hat sich inzwischen deutlich verändert: Saftig grüne Wiesen mit Schafen erinnern mich sehr an Irland.

Zusammen mit Helga und René, der Crew von der Amigo, unternehmen wir einen ausgedehnten Spaziergang. Am Abend sind wir zum Sundowner auf der Amigo eingeladen. Tags darauf starten wir wiederum gemeinsam, um an die Ostküste zu gelangen.
Nach Umrundung des Cape Brett machten wir ein Zwischenstopp in der Whangamumu Bay. Dort stehen die Überreste einer alten Walfangstation. Lediglich die Wasserrampe, ein paar Betontanks und ein verrosteter Wärmetauscher sind zu sehen. Alles ist überwachsen und verwuchert, nur die Info-Tafeln erinnern an das blutige Treiben in der idyllischen Bucht.

Die Amigo-Crew will über Nacht hier bleiben. Wir brechen wieder auf. Nach ein paar Seemeilen haben wir Wind von achtern, perfekt um den Spinnaker zu setzen. Da ich noch nie Spi gesegelt bin, nutzen wir die Gelegenheit. Der blaurote Halbballon treibt uns gemütlich südwärts. Kaum haben wir den Spi wegen Windmangel wieder geborgen, wechselt das Wetter mit Wind bis 20kn auf die Nase. Den Spi unter diesen Bedingungen zu bergen wäre sehr schwierig geworden - Glück gehabt. ;-)
Gegen Abend erreichen wir die Whangaruru Bay. Wir ankeren vor einem Campingplatz. Wegen Mangel an Schokolade an Bord (;-), macht Peter einen Landgang. Der Laden ist leider geschlossen, jedoch lernt Peter ein österreichisches Ehepaar kennen, das ihm eine Schokolade schenkt. Es stellt sich heraus, dass der Ehegatte, Peter Kubisch, Obmann des Kanu Clubs Forelle ist. Mitglied dieses Vereins ist auch der ehemalige Weltmeister Kurt Presslmayr, welcher Peters Mitstreiter an der Kanu-WM 1965 in Spittal (A) war. Die Welt ist klein - glücklich kehrt Peter mit seiner Trophäe heim.
Früh morgens brechen wir folgenden Tags auf. Trotz „Vollbesegelung“ müssen wir fast den ganzen Tag motoren. Auf den letzten 10sm, bis zur Einfahrt des Whangarei-Harbour-Beckens, können wir mit Windgeschwindigkeiten bis zu 20kn segeln. Kurz vor dem Bream Head bergen wir die Segel und fahren ums Eck, zur Smugglers Bay. Beim Landgang treffen wir auf eine Herde Rinder und geniessen die Abendstimmung bei einem Spaziergang.
Donnerstag 10. November, unsere letzte Etappe steht uns bevor. Das Wetter ist grau und regnerisch. In der Seestrasse Richtung Whangarei kämpfen wir gegen den Wind, hohe Wellen und die ausströmende Tide. Ein Rudel Delfine begrüsst unsere Ankunft im Whangarei Harbour. Nachmittags erreichen wir Port Whangarei, von welchem der Hatea River ins Stadtzentrum führt. Wegen der niedrigen Tide können wir nicht zur Marina fahren und ankern im seichten Gewässer. Schlussendlich haben wir bei Niedrigwasser nur noch 30cm unter dem Kiel. Wir beschliessen, gleich dort am Anker über Nacht zu bleiben.

Whangarei
Schönstes Sonnenwetter begrüsst uns am nächsten Tag. Bei Hochwasser fahren wir die letzten 2 sm zur Town Basin Marina von Whangarei. Nun ist das Jahresziel von Leena und Peter, zusammen mit der Nicone am 11.11.11 erreicht.

Die Marina liegt inmitten der Stadt. Das Marinabüro, Restaurants und Shops im viktorianischen Baustil umgeben den Hafen. Wir dürfen die erste Nacht am Willkommens-Steg bleiben und uns dann einen Bootsplatz aussuchen. Ein neuseeländischer Bekannter, Roy, überrascht uns mit einem Besuch. Wir verabreden uns zum Nachtessen, mit anschliessender privater Sightseeing-Tour.
Die Stadt hat zirka 72'000 Einwohner. Alles ist sehr übersichtlich und gut zu Fuss erreichbar. Ein Supermarkt, diverse Läden, das Touristenbüro sowie die Schiffswerkstätten sind in unmittelbarer Nähe. Die nächsten zwei Tage verbringen wir mit Einkaufen, Haushalten und den üblichen alltäglichen Dingen. Peter beginnt mit Vorabklärungen für die bevorstehenden Arbeiten. Ich meinerseits organisiere meine Weiterreise nach Auckland.
Mein letzter Tag an Bord beginnt mit einem wunderbaren Sonntagsfrühstück, wie es auf der Nicone üblich ist. Tagsüber unternehmen wir eine kleine Wanderung auf den Mount Parihaka, welcher eine fantastische Aussicht auf die Stadt und die Umgebung bietet.

Am Abend gehen wir gemeinsam fein essen. Nach rund einem Monat lassen wir unsere gemeinsame Zeit bei einem guten Glas Wein Revue passieren.
Der Tag meiner Abreise ist gekommen: Leena und Peter begleiten mich zur Busstation, welche nahe der Marina zu finden ist. Wir verabschieden uns; ich besteige den Bus nach Auckland. Wir werden uns bald wiedersehen, an Weihnachten, in der Schweiz.
Auckland
Meine letzten zwei Tage in Neuseeland verbrachte ich in Auckland. Es gab viel anzuschauen, leider war meine Zeit etwas knapp. In Auckland leben 1.4 Millionen Menschen. Nach der Unterzeichnung des Vertrags von Whaitangi war William Hobson auf der Suche einer geeigneten Hauptstadt. Vorübergehend wählte er die Stadt Okiato, südlich von Russell. Auf Grund der schlechten geographischen Lage gründete er 1840 - zusammen mit William Cornwallis Symonds, welcher Grundbesitzer des Ngāti-Whātua-Gebietes war - die Stadt Auckland, benannt nach Georg Eden, 1. Earl von Auckland, einem Freund und Gönner Hobsons. Auckland war die neue Hauptstadt, bis 1862 Port Nicholson (heutiges Wellington) diesen Status übernahm.
Ich möchte mich in meiner Berichterstattung auf drei Highlights der Stadt beschränken:
Ein Muss für jeden Besucher Aucklands ist natürlich der Besuch des Skytower. Der 328 Meter hohe Fernsehturm bietet eine einmalige Rundsicht über die ganze Stadt. In nordwestlicher Richtung ist die grosse Harbour-Bridge zu sehen, davor der Yachthafen inklusive American’s Cup-Gelände, wo unter anderem die Schweizer Alinghi ihre Base hatte.
Nördlich des Towers ist auf die Insel Devonport zu sehen, welche auch ein beliebtes Ausflugsziel sei. Nordöstlich erstreckt sich der Frachthafen, gefolgt vom Auckland Domain Park mit dem Auckland Museum in südöstlicher Richtung. Im Süden bis Südwest liegen die Wohn- und Vorstadtgebiete. Wer genügend Mut hat, kann einen 360 Grad Sky Walk, gesichert mit Seilen, im Freien und luftiger Höhe um den Turm machen. Ich beschränkte mich auf den Stand auf eine Glasplatte. ;-)

Besonders eindrücklich ist das unmittelbar am Hafen gelegene Voyager New Zealand Maritime Museum. Der Museumsbesuch beginnt mit einem Film über die Entdeckung Neuseelands von den Maoris, welche mit Holzsegelbooten von Polynesien herreisten. Weiter zeigt die Ausstellung die Geschichte der Schifffahrt im Pazifik, die Reisen Cooks, über den Walfang, sowie der Beginn der Personenschifffahrt auf Fähren.
Ein eigener kleiner Hafen beherbergt Schiffe aus verschiedenen Zeitepochen. Eine spezielle Ausstellung ist Sir Peter Blake gewidmet, welcher im Jahre 1995 das neuseeländische Team, mit der Segelyacht Black Magic zum Sieg am 29. America's Cup führte. Als erstes nicht amerikanisches Team verteidigten sie ihren Titel im Jahr 2000. Neben dem America's Cup engagierte er sich als Umweltschützer. Nach dem Tod von Jaques Cousteau wurde er Vorsitzender der Cousteau Society. Am 6. Dezember 2001 kam Sir Peter Blake bei der Gegenwehr eines Piratenüberfalls auf seiner Segelyacht in Brasilien ums Leben.
Die Ausstellung „Blue Water Black Magic - A Tribute to Sir Peter Blake“ zeigt sein Leben und die Geschichte des American Cups. Im Jahre 2003 gewann das Schweizer Team Alinghi den America's Cup gegen die Neuseeländer und holte die Regatta nach Europa. - Ein rundum gelungenes Museum, sehr empfehlenswert. Man sollte sich jedoch einen halben Tag für den Besuch einplanen.


Auch das Auckland Museum lädt zum längerem Verweilen ein. Eine grosse Ausstellung zeigt die Geschichte der Maoris. Auch ein Versammlungshaus wie in Whaitangi ist aufgebaut.

Über 1‘000 Exponate der Maorikultur sind ausgestellt. Weiter gibt es eine Ausstellung über ganz Ozeanien: Ein Nachbau kleiner Strassen zeigt Auckland in dessen Kolonialzeit. Die Exponate sind in den Schaufenstern der Geschäfte zu sehen.
Das Museum ist riesig und beherbergt neben zwei grossen Ausstellungen über den ersten und zweiten Weltkrieg auch noch eine Naturhistorische Abteilung. Meine Zeit reichte leider nicht aus, um alles zu sehen.

Am nächsten Tag flog ich wieder in die Schweiz zurück. Für mich war es eine sehr interessante Zeit, welche ich mit Leena und Peter verbringen durfte. Ich habe viel erlebt und konnte mich gut entspannen und los lassen. Die Eindrücke werden mir lange in Erinnerung bleiben. Ich möchte den Beiden nochmals danken.
Der nächste Bericht wird dann wieder - wie gewohnt - vom Captain kommen.
Toby Lüscher / toby@360degrees.ch