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Fahrt von West-Samoa nach Tonga

September - Oktober 2011

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Am 13. September sind wir bereit, um ein zweites Mal - Motor wieder ok - nach Tonga abzulegen.

Auf Grund der leicht unklaren Wettersituation, planen wir für die knappen 200 Seemeilen zwei Nachtfahrten mit Start um die Mittagszeit - nach anfänglichem Motorsegeln rassige Fahrt entlang der Nordküste - Spinnerwind zwischen den beiden Samoa-Inseln - anschliessend „blochen“ wir am Wind SW-wärts in die Nacht - schon bald ist klar, dass wir nur knapp zu langsam sind für einen Landfall bei Tageslicht des folgenden Tages auf Niuatoputapu (neue Kartoffel), unserer ersten Insel auf Tonga - also "bremsen" und reffen - geplant langsam geht es bei unkonstanten Winden weiter - ständiges Trimmen nötig - um Mitternacht in der 2. Nacht passieren wir am Mittwoch 14. Sep. die Datumslinie - d.h. der Donnerstag existiert einfach nicht - es ist bereits Freitag der 16. Sep. - den Verlust können wir verschmerzen - evtl. schon bald - falls wir für 2 Monate nach Hause fliegen, holen wir den verlorenen Tag einfach mit der Reise in die „Vergangenheit“ wieder zurück (;-).

Um 01:00 passieren wir die Curacoa-Shoal - einem Anstieg aus 1500 m Meerestiefe bis auf 15 m unter der Wasseroberfläche - da hier weit und breit keine Schiffe und wir noch zu früh sind, reffen wir auf minimalste Segelflächen; lassen uns treiben und können damit beide gleichzeitig 3 Std schlafen. Bei Tagesanbruch dann Gastlandflagge setzen und Vorbereitungen für den Landfall - bei der Anfahrt der Insel Niutoputapu sehen wir von weitem einen Segler der die Insel in südlicher Richtung verlässt und werden über Funk angerufen - es ist die Su An die sich IMG_3030a Minuten nach dem Ankern.jpgverabschiedet und uns noch Infos für die nicht ganz einfache Riffpassage der Inselzufahrt gibt -  Minuten nach dem Ankern giesst es 2 Std wie aus Kübeln - Sicht null - Glück gehabt wegen Sicht in der Passage - dann kommt schon bald die Zolldame und der Immigrations--Offizier an Bord - sie wurden von einer andern SY, die soeben einklariert hatte, per Dingi zu uns gebracht - der Skipper hatte die beiden an Land abgeholt und über Funk fragten die Beamten den Skipper, ob er ihnen nicht Regenzeug bringen könnte…klar kein Problem.

Erste Eindrücke:

Nach freundlicher Abfertigung durch die Beamten werden wir von andern Yachties - 5 SY liegen vor der Insel, darunter die Sail away, für den Tag „programmiert“ - die Schlechtwetterfront hat sich verzogen.

IMG_3032a Sightseeing per Lastwagen.jpg  IMG_3046a Essen am Strand.jpg

Es gibt eine Inseltour auf der Ladebrücke eines Lastwagens mit anschliessend feinem Essen am Strand, das mit dem zweiten Insel-Lastwagen durch einen Familien-Clan gebracht wurde - ursprünglich war der Ausflug einen Tag später geplant gewesen, weil aber morgen unerwartet das Versorgungsschiff kommt - letztmals vor zwei Monaten - werden dann die beiden Lastwagen gebraucht - die Ankunft des Versorgungsschiffes ist für die Inselbewohner wie Weihnachten…
IMG_3054a Versorgungsschiff Niuatoputapu.jpg

 

 

 

 


Auf der abgelegenen Insel ist das Leben offensichtlich hinter der Zeit geblieben - einfachste Häuser und ärmliche Hütten

Viele Kinder und überall frei herumlaufende Schweine und eher scheue, aber freundliche Menschen prägen das Dorfbild.
IMG_3058a Lolly, Lolly.jpg  IMG_3060a Kindergrillpartie .jpg

Es gibt eine Gras bewachsene, selten benützte Flugpiste mit dazu gehörendem „Airport“ bzw. Hütte mit offenstehenden Türen - drinnen steht eine Batterie um das Funkgerät zu bedienen
IMG_3061a Airport Niuatoputapu.jpg

Etwa ein bis zwei Mal pro Jahr kommt der König nach Niuatoputapu - dann residiert er in einem gepflegten, nach unseren Masstäben, einfachen Haus.
IMG_3062a Residenz des Koenigs wenn er auf Inselbesuch kommt.jpg

Die „Tankstelle“ ist gleichzeitig Treff der Dorfjugend - hier treffen wir auch einen amerikanischen, für 2 Jahre hierher „verbannten“ jungen Missionar.
IMG_3063a die Tankstelle ist auch Jugendtreff.jpg

Auch eine Bank mit offenen Türen, damit der Wind etwas durchziehen kann, ist vorhanden mit einer freundlichen Chefin und einem Bankangestellten, wo wir US$ in Paanga-$ wechseln können - Geld benötigen wir hier nur um die Einklarierungs- und

Gesundheits-Gebühr zu bezahlen - sonst gibt es nichts zu kaufen. Die Gesundheitskontrolle wird von der einzigen Insel-Krankenschwester , einer sehr netten Dame (es gibt auf der Insel keinen Arzt) im Büro des Gesundheits-Zentrums in einem Frage-Antwort -Gespräch vorgenommen - es interessiert mehr das woher, wohin, gegenseitige familiäre Verhältnisse und dabei erfahren wir dies und jenes über die Inselverhältnisse. Die nach hiesigen Massstäben „teure“ Gesundheitsinspektion kostet 100.- Paanga (ca. 60.-CHF) für Segler, welche hier Halt machen - damit wird offenbar auch der Toyota-Pick-Up finanziert, mit dem Paia die Inselkrankenschwester uns und die Crews von 2 weiteren SY am Sonntag abholt und zur Kirche fährt - wegen der Gesänge etwas besonderes.

IMG_3073a Einlaeuten des Gottesdienstes.jpgWie auf Samoa ist der tonganische Sonntag sehr heilig und die Menschen tragen ihre schönste Kleidertracht - in der langen Predigt vom zuständigen Kirchen-Minister von Tonga wurden wir Segler besonders herzlich begrüsst - dann werden wir von Paia wieder abgeholt - sie wollte selber nicht in die Kirche mitkommen, da sie einer andern Kirche, der Pfinstgemeinde angehöre - nach einer Rundfahrt bringt sie uns zum Pier zurück und erklärt uns, dass es nichts koste, solche Dienstleistungen gehörten zum Service.

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Am Nachmittag gibt’s bei uns Kaffee und von Leena selbstgebackenen Kuchen zu dem auch die Crews Elbe und Sail away eingeladen sind - überraschend stellt sich heraus dass Elli und Bernd ihren 3.Hochzeitstag feiern und eine feine Flasche …mitbringen. Wir wollen Morgen alle 3 SY weiter zur 170 Seemeilen südlich gelegenen Vavau.Gruppe nach Neiafu weiter segeln - Beratung Wetter - Start Morgen Abend - 2 Nächte, damit Reserve bleibt bei Tageslicht.


Trotz oder wegen der bescheidenen Verhältnisse hat es uns hier sehr gut gefallen

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Weiter zur Vavau-Inselgruppe

Am 19. September morgens ausklarieren - Windgenerator gecheckt - funktioniert nicht mehr, weil die Enden der drei Rotorblätter abgebrochen sind als wäre eine Leine evtl ein Vogel? hineingeraten - später meinte ein erfahrener Weltenbummler, dass es auch ein fliegender Fisch hätte sein können - so hoch!? - d.h. also weniger Energie bis Neuseeland - Ersatz vorher ist ausgeschlossen.

Das Wetter sollte die nächsten Tage recht gut sein.

IMG_3485a Sail away gleich auf kurz nach Start in Niuzoputapu.jpgWir starten - 3 SY, die Elbe, Sail away und Nicone in einen schönen Abend - hier die Sail away gleich auf kurz nach Start in Niuatoputapu - jedoch bereits 5 Stunden später ist fertig lustig - zunehmende Bewölkung mit stark drehenden, zu- und abnehmenden Winden, dazu Squolls mit Böen und Regen - Fortsetzung am nächsten Tag mit wenig Wind - trimmen - umtrimmen - als der Wind endlich etwas stabiler ist, wird er zunehmend stärker und kommt auf die Nase - mit Motor und gegen die Wellen geht es in die zweite Nacht - die Elbe meldet über Funk, dass der Motor zeitweise aussetzt - wir verlangsamen und bleiben in unmittelbarer Nähe um allenfalls Schlepphilfe leisten zu können - Werner von der Sail away, die etwas voraus ist, gibt Ratschläge via Funk - das Problem „verstopfter Feinfilter“ konnte gelöst werden - noch bleibt die Elbe direkt neben uns bis klar ist, dass der Motor keine weiteren Aussetzer hat. Inzwischen haben Wind und Wellen gegen an weiter zugenommen - sollen wir weiter die ganze Zeit (ca 18 Std) motoren?

Um Mitternacht entscheiden wir uns für Aufkreuzen bzw. Segeln statt Motor - dies ist angenehmer auch wenn es eine Nacht länger dauert - wir machen einen weiten Schlag von 33 Seemeilen SE-wärts bevor wir am folgenden Morgen wenden - dann auf Beinahe-Anliegerkurs den ganzen Tag unter stark gerefften Segeln, hart am Wind bei rauer See, Regen und 20 - 28 Kn Wind der Vavau-Inselgruppe entgegen - keine Kaffetour aber zweckmässig geht es in die dritte Nacht - wir rechnen mit zwei weiteren, relativ kurzen Kreuzschlägen bis zur Einfahrt in die Inselgruppe auf deren Leeseite. Daraus wurde nichts - der Wind drehte zur selben Zeit brüsk - somit wieder auf die Nase - also doch noch Motor.

IMG_3662a Anfahrt Vavau im ruhigen Lee  der Inselgruppe.jpgals es hell wird fahren wir in den geschützten Inselbereich und legen das Boot im Hauptort Neiafu an eine Muring - Erleichterung, besonders bei der Bordfrau - was sogar der Skipper versteht.




Kurzrückblick:
Die Wetterprognosen waren gut für die 180 sm (daraus wurden 225 sm) - leider stimmten sie überhaupt nicht - im Nachhinein wurde eine Konvergenzzone dafür verantwortlich gemacht - merke: Wetterfritzen sind nie die Bösen - sie sind auch nicht zu eruieren - es sind die Computermodelle…
Entscheid Segeln statt Motor mit einer zusätzlichen Nacht war zweckmässig.
Nicht nur wegen des Windes, auch um nicht zu früh in der dritten Nacht anzukommen ( zu riskant ) haben wir stark gerefft. Dabei musste das Boot so getrimmt werden, dass es noch in genügender konstanter Fahrt gegen die Wellen gehalten werden konnte.

IMG_3664a Neiafu Harbour.jpgIn der bekannten und geschützten Ankerbucht von Neiafu liegen ca 80 SY - fast alle auf dem Weg nach Neuseeland oder Australien, darunter viele bekannte - gleich 6 Dingis kommen im Laufe des Vormittags herbei um uns zu begrüssen.

Noch mit etwas „Kater in den Knochen“ Boot klarieren - Dingi pumpen, wassern, Aussenborder montieren - Landgang zu Immigration und Zoll - auf dem Rückweg Wiedersehen mit weiteren bekannten Yachties - etwas Schlaf nachholen, dann ist bereits Treff bzw Pizza-Essen mit fünf andern Crews - einer unserer deutschen Freunde hatte bereits in einem Restaurant Platz reservieren lassen (nötig wegen vielen Gästen die die Rugby-WM am TV sehen wollen) und zusätzlich hat er dabei einen billigeren Bierpreis ausgehandelt (;-) - trotz Regen war es ein geselliger, schöner Abend.

Am anschliessenden Freitag weiterhin trüb und Regen wie aus Kübeln - sind wir eigentlich in der Südsee oder am trübsten Novembertag zu Hause?... also lesen, kochen, Computer, Fotos ordnen, Logbuch, Aufbereitung Reisebericht, dazwischen Service-Arbeiten Motor.

Die folgenden Tage sind mässig schön und bringen dies und das - Einkauf, besonders Früchte und Gemüse - Inselwanderung mit Freunden - Besuch bei Günter im Schweizer-Restaurant, wo es feine Rösti gibt - hören am Funk von einer Schweizer-SY, welche „Wasser macht“ (offenbar Riss neben dem Kiel des Stahlbootes) und alle zwei Std mit der Handbilgenpumpe geschöpft werden muss… - treffen hier auch Frank, dessen Yacht wegen gerissener Muring in Palmerstone aufs Riff gesetzt wurde und als Wrack endete. Es geht ihm natürlich nicht gut - er wurde zur Weiterfahrt von einer andern Yacht aufgenommen - wegen heftigen Magenproblemen kann ich nicht an einer „Bergtour“ auf einen 140m hohen „Hügel“ teilnehmen und bekomme von Walter von der SY Double Moon Medikamente und Manuka-Honig.aus Neuseeland. Walter ist zur Zeit Alleinsegler und überzeugter Schulmediziner mit starkem Hang zu Naturheilmitteln. Er schrieb ein bekanntes Büchlein über das Wundermittel Teebaumöl, wovon er mir etwas gibt - bin anderntags wieder einigermassen fit und helfe ihm beim Bunkern seines Bootes. Er schätzt Gesellschaft „allein segeln ist nicht alles“ wie er meint. Er ist froh wenn er Bundaberg in Australien erreicht. Dort will er nach vielen Jahren mit Segeln aufhören und das Boot verkaufen. - Jetzt hat es Leena mit einer starken Erkältung erwischt. Sie hat während Tagen kaum noch eine Stimme… was Wunder bei dem speziellen Südsau- sorry Südsee-Wetter der vergangenen Woche.
IMG_3676a Schueler-Blasmusik Neiafu.jpg  IMG_3681a  auf der Suche nach Leckerem bei Ebbe.jpg   IMG_3684a Riesentapa - Bilder auf Baumrinde.jpg
IMG_3685a Neben guter Roesti gibt es beim Schweizer Guenter auch Mahimahi .jpg

 

Es folgte endlich wieder eine Schönwetterphase:

Walter hat abgelegt nach Fiji, Vanuatu, Australien - „gute Fahrt Double Moon, nächster Treff bei Dir als Landratte auf Ibiza - wie abgemacht!“

Wir haben noch 2 ½ Wochen Zeit bis Neffe Tobias in Tongatapu, auf der südlichsten Tonga-Inselgruppe zu uns stösst, um mit uns nach Neuseeland zu segeln.

IMG_3700 a.jpgVorerst besuchen wir die schönen Ankerplätze der Vavau-Inseln. Der Tonga-Guide für Segler ist dabei ein unerhört guter Begleiter und beschreibt ausgezeichnet die Fahrten, Gefahren und Geschichtliches der Inseln, Buchten und Orte.


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Es ist wirklich ausserordentlich idyllisch an diesen Plätzen - mal kommen zwei Frauen im Auslegerkanu vorbei, ob wir am Strand essen möchten, sie würden kochen - sie machen keinen Preis, wir könnten auch etwas tauschen oder einfach etwas geben nach Gutdünken - man stelle sich so etwas zu Hause vor! - mit der Elbe-Crew sagen wir zu - machen am Abend einen Dorfspaziergang und essen dann am fein gedeckten Tisch mit vielseitigem Essen am Strand


IMG_3780 a.jpgDominica leistet uns derweil Gesellschaft, erzählt vom Inselleben und verscheucht Mücken - einmaliges Ambiente, persönlich und unvergesslich. Wir haben für ihre Kinder die auch am Strand sind Farbstifte und Papier und geben ein angemessenes Entgelt - sie ist freudig überrascht als ich ihr dann noch ausgedruckte Fotos gebe - Fotos die ich vorher mit ihrer Erlaubnis von ihr selber machte und auf dem Boot ausdruckte.


IMG_3797a Anfahrt eines Ankerplatzes auf Vavau .jpgAn einem speziell prächtigen Ankerplatz der nur bei ruhigen Wetterverhältnissen - die haben wir - benützt werden sollte, liegen wir zwischen zwei Inseln hinter einem Riff in türkisfarbigem Wasser mit 3 andern SY




IMG_3800 a .jpgBeim Schnorcheln innerhalb des Riffs habe ich eine Begegnung mit einem weissen Manta, der voraus schwimmt und ein paar Mal wieder in meine Nähe zurück kommt - erwische ihn mit dem Fotoapparat - super - gehe andern Tags auf die Riffaussenseite zum Schnorcheln und staune einmal mehr über die prächtige Unterwasserwelt mit verschiedenen Korallen und einer Vielfalt von grossen und kleinen Fischen.
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Es sind herrliche Stunden und Tage hier beim Lesen (zur Zeit „die See gehört mir“ von Uwe Röttgering - gut mit einer Prise Selbstironie), Baden, Schnorcheln - leider nicht für Leena, welche immer noch erkältet ist .

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über Funk laden die Southern-Cross-Net-Betreiber (vorab Yachties aus NZ) persönlich zu einer Party an einem bestimmten Ankerplatz ein - es ist für viele die am Funknetz teilgenommen haben eine Gelegenheit, sich mal zu sehen statt nur zu hören, da schon bald nach Ankunft in NZ das Funknetz aufgelöst wird. Man soll verkleidet erscheinen - hm…- etwas zu essen und Trinken mitbringen - pot luck (Glückstopf) eben - man isst dann wonach man Lust hat

IMG_4043 a.jpgEs wurde ein geselliges Treffen am Strand mit Liedern am Lagerfeuer in vielen Sprachen - die beteiligten Nationen waren u.a. aufgefordert ein Lied aus der Heimat vor zu tragen - das ergab ein lustiger Mix - mit „es Burebüebli mag i ned…“ nur erster Vers, dafür laut - und es verstand es ja niemand sonst - lösten wir entgegen meinen Befürchtungen etlichen Beifall aus - bleibt anzufügen, dass ich im Gegensatz zu Leena kein Sänger bin, aber was nicht ist …(;-). Es ist auch etwas Melancholie im Spiel - geht doch für viele Weltumsegler in NZ ein jahrelanges Seefahrerleben zu Ende - dies wird noch durch einen Iren verstärkt, der hervorragend Gitarre spielt und ein begnadeter Sänger und Interpret ist. Ein gelungenes Fest!

IMG_4045 a.jpgMehrere Segler haben in den letzten Tagen direkt vor der Küste Wale gesichtet - wir fahren hinaus und haben Glück - es ist schon ein Schauspiel diese Meeresriesen, teils mit Nachwuchs zu beobachten - bald werden sie wieder auf Wanderschaft südwärts gehen, nachdem sie hier in den warmen Gewässern ihre Jungen zur Welt gebracht haben.

Zurück an unserem Lieblingsankerplatz reinige ich noch das Unterwasser - mit dem Free-Dive-Gerät kein Problem - am nächsten Morgen entdecke ich beim Routine-Motor-Check etwas Diesel in der Bilge - auf der Suche nach dem woher ist die Ursache eine leckende Hochdruckleitung - nicht einfach zu reparieren, wenn überhaupt! - wieder ein mal werden dadurch unsere Pläne und Absichten in Frage gestellt… - Fahrt zurück nach Neiafu, um dort festzustellen, dass auch noch das Hilfsruder des Windfahnenpilots, das am Morgen noch vorhanden war, einfach fehlt… es muss auf der Fahrt abgefallen sein - Suche zwecklos - erzähle es den finnischen Bootsnachbarn - sie haben die gleiche Windfahnensteuerung - worauf sich herausstellt, dass ihnen vor kurzem dasselbe passiert ist !

Der Lieferant in Hamburg macht Vibration dafür verantwortlich… er will sofort ein neues Ruder per Luftfracht nach Tongatapu senden…natürlich gegen Bezahlung. Für die Reparatur der Dieselleitung finden wir einen „Spezialisten“ der die Leitung im dritten Anlauf so hart löten kann, dass sie provisorisch hält - jedes Mal liegt ein Test und ein Tag dazwischen - lasse sicherheitshalber noch eine zusammen gebastelte Leitung herstellen, die wiederum beim Anschluss leckt…versuche noch, ob Tobias eine solche aus der Schweiz bringen kann - er kommt in einer Woche zu uns - leider ohne Erfolg.

So trüb wie das Wetter sind zur Zeit unsere Gedanken - kommen wir heil nach Neuseeland, wo es alles gibt und Reparaturen kein Problem sind? Die Analyse beinhaltet vorab mangelnde Energie - fraglich funktionierende Ankerwinsch - hält die rep. Dieselleitung und damit der Motor als Energielieferant? - Windgenerator wegen defekten Rotorblättern unbrauchbar - Benzingenerator funktioniert nicht wegen Starterleine die nicht zurück gezogen wird - erhalten wir (rechtzeitig) ein Ersatzruder für den mechanischen Windfahnenpilot? oder müssen wir die 1000 Seemeilen bis Neuseeland von Hand steuern weil nicht genügend Energie für den automatischen Windpilot zur Verfügung steht? Was kommt als nächstes? Dazu hat Leena immer noch mit starker Erkältung und ich teilweise mit Rückenschmerzen zu kämpfen… eigentlich alles (noch) nicht wirklich bedrohend… aber… wir arbeiten an der Sache und hoffen auf bessere Tage.

Am 13.10. - andere starten weder an einem 13. noch an einem Freitag - legen wir zu der am südlichsten gelegenen Tonga-Insel-Gruppe ab, und planen entsprechend Wetter nach 100 Seemeilen einen Zwischenhalt auf der Haapei-Inselgruppe.

Wir kommen mit Ostwind gut voran und als wir die Vavau-Inselgruppe verlassen, sehen wir in einigem Abstand wie ein Walfisch drei Mal aus dem Wasser springt, sich dabei dreht und auf den Rücken wieder ins Wasser platscht - nach Bestimmung der Art haben wir es mit einem Orca zu tun - wow! welch ein Schauspiel!

Um elektrische Energie zu sparen steuern wir von Hand - dann in der Nacht stelle ich beim Steuern fest, dass ich praktisch nichts selber machen muss - das Steuer macht leichte Bewegungen nach links und rechts kommt aber immer wieder in die Ursprungsposition zurück - dann unglaublich aber wahr - ich lasse das Steuer ganz los - die Nicone steuert selbständig! - traue der Sache noch nicht, aber dann macht sie während fast 2 Stunden brav ihren Weg und dies ohne autom. Pilot wie auch ohne menschlichen Einfluss und ohne mechanischen Windpilot - offensichtlich mit gutem Trimm - als wollte sie sagen: ich finde den Weg auch alleine… nicht zu vergessen, das Ganze bei 17 Kn Wind, Böen bis 21Kn und Wellen von 2.5m! wunderbar!

Dann am nächsten Morgen Anfahrt zwischen Riffen zur kleinen Hafeva-Insel auf Haapei, wo bereits die dänische SY Dana liegt - später folgen noch 3 weitere. Nach einer ruhigen Nacht gab’s schon vor dem Frühstück blasende Wale in der Bucht zu sehen.

IMG_4094a auf Hafeva, Hapai-Group.jpges folgte eine heftige und andauernde Front und brachte die Boote am Anker zum Tanzen, weshalb wir den Tag und eine weitere Nacht dort verbringen, derweil es draussen stürmt und die Wellen ganz schön übers Riff hereindonnerten. Mache mit Schnorchel noch einen Ankercheck bei der Nachbaryacht und bei uns - sieht gut aus.

Statt Inselbesuch wegen windigem Regenwetter demontiere ich den Benzingenerator - mit Leenas Hilfe kann ich den Rückzug der Starterleine reparieren - das, was die Werkstatt in 3 Anläufen nicht fertig brachte, machte mich ganz schön stolz. Nun ist er wieder einsatzfähig - das Energieproblem ist insofern ein Stück weit gelöst.

Am Sonntag ist das Wetter wieder ganz passabel - weil wir erst am Nachmittag ablegen wollen, statten wir der Insel, zusammen mit der Crew der finnische SY KasteHelmi (Tau-Perle) einen Besuch ab.

Interessanterweise liegt das Dorf auf der windwärts (Ost) gelegenen Inselseite - wir kommen am Friedhof mit bemerkenswerten Gräbern vorbei - die meisten Leute kommen gerade vom Kirchenbesuch und tragen die besten Kleider - es gibt für die wenigen Einwohner vier verschiedene Kirchen.
IMG_4121 am Friedhof von Hafeva vorbei.JPG  IMG_4124a kommen vom Kirchbesuch.jpg  IMG_4125a fragen uns nach woher , wohin.jpg

Start am Nachmittag mit Nachtfahrt nach Tongatapu - mit leichten Winden aus östlichen Richtungen wird es eine ruhige Fahrt

Nach 80 sm ankern wir in der Bilderbuch-Ankerbucht Pangeimotu etwas abseits von Nukualofa der Haupstadt Tongas - hier ist das Ressort von „Big Mama“ - die Eignerin sieht auch so aus und nennt sich selber so - ihr Mann will sich um meine Dieselleitung kümmern.
IMG_4136a dass es nicht immer so schoen ist hier, davon zeugt das bei Sturm gestrandete Wrack.jpg  IMG_4130a Bilderbuch Ankerbucht Pangaimotu, Nukualofa Tonga.jpg  IMG_4169a Big Mamma.jpg

Mit dem Wassertaxi geht es nach Nukualofa zum Einklarieren - der Machotyp vom Zoll wird freundlicher, als ich ihn frage, ob er wisse dass die Kinder des tonganischen Königs in der Schweiz zur Schule gingen (;-)

Via Sailmail erreicht uns eine Schreckensnachricht - Stefan vom Segelcat Bayu wurde offenbar von einem Einheimischen auf Nuku Hiva zur Jagd eingeladen und ermordet - wir können es nicht fassen, kennen wir ihn und seine Freundin doch persönlich von Begegnungen in Cuba und später wieder auf Caiman Island. Kommt hinzu, dass wir selber mit Feunden an Kultorten mit kanibalischer Vergangenheit in der Nähe der schönen Anoa-Bay waren, wo es geschehen sein soll, wie spätere Zeitungsartikel melden.

IMG_4198a Tobias.jpgAm 18.10. trifft mit dem Abendflug aus Auckland Neffe Tobias ein - kaum angekommen , schon beim Schnorcheln am Wrack - er wird uns nach Neuseeland begleiten - es wird seine dritte und bisher längste Seereise mit der Nicone sein - mit Tobias erreichen uns neben persönlichen Nachrichten und Fotos von zu Hause auch feine Sachen - schon lange gab’s keine oder keine gute Schockolade mehr - jetzt ist sie da und im nu verringert sich die Anzahl der edlen, mit Kirsch gefüllten „Luzärner-Rägetröpfli“… (;-)

 

Der nächste Bericht folgt von Tobias selbst, der über die Weiterreise aus seiner Sicht berichten wird.