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Einmalige Indianerwelt - Kuna Yala - glückliche Inseln - San Blas

Siehe dazu auch Berichte im Logbuch und Fotos

Basierend auf Erlebnissen, Erfahrungen und Hinweisen aus „The Panama Cruising Guide“

Die San Blas Islands - mehr als 340 Inseln - erstrecken sich über die östliche Panamaküste auf der Karibikseite Panamas. Es ist die Heimat der indigenen Kuna Indianer, weltweit wohl einmalig was die Erhaltung der eigenen Kultur und Traditionen betrifft. Unberührter Regenwald, glasklares Wasser, unzählige kleine Inseln, umgeben von Korallenriffen - ein Segelgebiet von unerhörter Schönheit in einer hoffentlich intakt bleibenden Umwelt.

Hinweis: wie uns andere Segler, die schon vor 10 und mehr Jahren hier waren sagten, gab es damals kaum Segelboote - seit 3 - 5 Jahren habe sich dies geändert und es gäbe fast ein Boom. Es gibt besonders viele Amerikaner, die nicht allzu weit von den Staaten, oft jahrelang hier sind und ab und zu das Boot stationieren bzw. vor Anker lassen, um nach Hause zu fliegen bis sie in ein paar Monaten wieder kommen. Wind gibt es generell wenig und die Richtung kann entgegen Prognosen schnell ändern. Deshalb motoren die meisten Yachten von Insel zu Insel. Ansonsten gibt es kaum Wellen, weil die vorgelagerten Korallenriffs die meist ohnehin brave Brandung abhalten.

Dieser Teil Panamas - die Inseln und der dazugehörige Küstenstreifen - in der Indianersprache Kuna Yala genannt - wird effektiv von den autonomen Kuna Indianern kontrolliert.

Die Kunas lieben den Namen San Blas nicht, stammt er doch noch aus der Zeit der Spanischen Invasoren. Das Land gehört allen Kunas - es gibt keine Zäune und kaum Privateigentum - die Kunas behandeln ihr Land wie wir einen Ankerplatz - man kann es benützen ohne Besitz ergreifende (industrielle) Ziele und Profit. Das ist der Grund, weshalb es fast immer noch gleich aussieht wie vor 500 Jahren, zur Zeit seiner Entdeckung durch Vasco Nunes de Balboa.

Die Kunas zählen heute ca. 55'000 Personen  - das sind ca. 10% soviel wie vor der Spanischen Invasion. Anmerkung: andere Quellen besagen nur 36'000 Personen.

Die Ahnen der Kunas lebten in den Darien-Bergen - immigrierten aber mit der Zeit zu den Inseln an der Küste - dort hatten sie besseren Schutz vor andern Stämmen, sowie weniger Insekten, keine wilden Tiere oder Schlangen.

Im XVII und XVIII Jahrhundert litten die Kunas ganz besonders unter spanischen Eroberern, Überfällen, Eindringlingen und eingeschleppten Krankheiten. Andere Stämme, sowie Piraten und Privatiers nützten Kuna Yala als Basis für Überfälle auf die reichen Häfen von Puertobello und auf Nombre de Dios.

Um 1750 war genug - die Kunas wurden uncharakteristisch gewalttätig und massakrierten die eingedrungenen Siedler. 1785 wurde ein Vertrag zwischen den spanischen Behörden von „Grosskolumbien“ und dem höchsten Kunachief unterzeichnet, welcher den Kunas erlaubte in Frieden zu leben. Zur gleichen Zeit begann der Kokosnusshandel, welcher bis heute anhält und für viele Kunas das Haupteinkommen darstellt.

Hinweis: Die Kokosnüsse und andere Exportartikel der Kunas wie Lobsters, Krabben und Oktopusse werden von kolumbianischen Händlern mit Holzbooten die mit Dieselmotoren versehen sind, gekauft und abtransportiert. Anderseits bringen sie Basics wie Reis, Kartoffeln, Salz, Öl, Crackers, Diesel, Benzin - praktisch ausschliesslich für Aussenbordmotoren - Gas, Macheten…

Ein anderer Exportartikel sind die von Frauen hergestellten Molas - es sind sehr schöne Stoffstücke meist in der Grösse von ca 30 x 40 cm, welche aus verschieden bunten Stofflagen geschnitten sind und mit feinsten Stichen spezielle Sujets genäht werden. Es gibt kaum ein Ankerplatz, wo nicht Frauen mit ihren Kanus kommen und die handgefertigten Molas anbieten.

Nach der Etablierung des Staates Panama 1903 setzte die Regierung zum Nachteil der Kunas eine repressive Polizei ein. Dies führte 1925 schliesslich zur Rebellion „Holocausto de las Razas“. Dabei wurden die Polizei sowie Mix-Ehen und deren Kinder durch die Kuna-Warriors getötet. Nach der Rebellion erklärte der High Kuna Chief die totale Unabhängigkeit unter dem Namen „Republic of the Kuna“, was zu kurzfristigen Militärkampagnien, inklusive einer US-Navy-Intervention führte - speziell die „USS Cleavland“ soll dabei grösseres Blutvergiessen verhindert haben. Seither leben die Kunas in Frieden und guter Partnerschaft mit der panamesischen Regierung.

Kuna Yala ist offiziell Teil von Panama, regiert sich aber autonom durch den Kuna-Congresso.

Seit der Rebellion von 1925 ist es Kunas nicht erlaubt Nicht-Kunas zu heiraten. Dies hinterlässt genetische Spuren und wir sahen nicht wenige Albinos, die, wie zu hören, eher „vergöttert“ (wohl eher verwöhnt) werden. Wir kennen eine Familie mit drei Kindern, wovon 2 Albinokinder sind - sie leiden hier ganz besonders unter der Hitze.

Die Kunas akzeptieren Gäste, erlauben es aber Nicht-Kunas nicht, sich nieder zu lassen oder Heirat mit Kunas - während unserem Aufenthalt wurde eine junge Kunafrau von einer Insel auf eine andere versetzt, weil sie etwas mit einem Weissen gehabt haben soll…

Fremde können kein Land kaufen oder in Kuna Yala investieren.

Kunas sind kleinwüchsige Leute, gesund, zäh und voller Energie. Sie sind friedlich, nicht aggressiv, treten z.T. recht bestimmt auf und kennen praktisch keine Kriminalität, was die Qualität eines Aufenthaltes hier wesentlich erhöht.

Der Saila (Chief) hat das Sagen in einem Dorf und sein Sekretär sorgt u.a. dafür, dass für das Betreten des Dorfes eine Taxe (Einmalgebühr) erhoben wird, welche in die Gemeindekasse fliesst - in der Regel 5 - 10 $ gegen Quittung.

Sailas sind aber viel mehr als nur politische Oberhäupter - sie sind auch Hüter des „Kuna-Geistes“, der Poesie, des medizinischen Wissens und der Geschichte.

Jedes Dorf hat 3 Sailas, wovon einer oberster Chief ist. Sie leiten jeden Abend den Congresso, wo sich in der grössten Hütte des Dorfes die Dorfbevölkerung versammelt. Hier wird Politik gemacht und die Arbeit verteilt. Die Chiefs geben keine direkten Aufträge. Es sind sogenannte Interpreter, welche die Wünsche der Chiefs „verkaufen“.

Sobald es hell wird, sieht man die Kanus unterwegs zu andern Inseln oder zum Festland oder zum Fischen. Sie holen Wasser „im Rio“ - meist Frauen - wir sahen Kanus mit 5 - 10 Stück 20-Liter Bidons und entsprechendem Tiefgang zurückkehren. Andere holen Kokosnüsse, Bananen (eher selten), Feuerholz, Palmwedel für Hüttendächer, Baumstämme für neue Hütten und anderes. Meistens um die Mittagszeit kehren sie zurück, ruhen sich aus, gehen fischen, oder sind mit der Familie im (Segel-) Kanu unterwegs. Am Abend sind sie im Congresso und gehen dann früh in ihre Hängematten.

Die Frauen kontrollieren Haus und „Geld“ (fast wie überall (;-)) und Männer ziehen in die Hütten der Frauen.

Die Dörfer, meistens aus Bambushütten bestehend, sind sauber, passen in die Insel-Landschaft und sind von ferne (vom Boot aus) oft kaum auszumachen. Der Boden ist harter Sand. Die mit Palmwedeln kunstvoll bedeckten Hütten schützen vor Hitze und sind auch in der Regenzeit absolut dicht.

Die Kunas haben strickte Ideen um ihre Traditionen zu hüten - der Autor des Panama Cruising Guide erlebte es so: weil er und seine Leute einen richtig grossen Fisch fingen, luden sie das ganze Dorf zum Fischessen ein - er schmeckte gut und es war ein gutes Ambiente - anderntags liess ihn der Saila (Dorfchief) rufen um ihm mitzuteilen, dass er etwas unglücklich sei, weil der Fisch nicht auf traditionelle Art zubereitet wurde - er müsse ohne Gräte und mit Kokosmilch, Wasser und grünen Bananen zubereitet werden…

Es gibt eine ganze Reihe von Verhaltensregeln - eigentlich ganz normaler Standard - die zu beachten sind, aber offenbar von gewissen Yachties missachtet werden und deshalb nötig, da es offenbar einige gibt, die vergessen, dass sie bei den allgemein grosszügigen Kunas Gäste sind.

Ein Kuna-Chief hat es so ausgedrückt:

Niemand kam zu uns und sagte „liebe Kunas diese wundervollen Inseln sind für euch, nein, wir mussten Jahrhunderte lang dafür kämpfen und die schönen und friedlichen Strände waren voller Blut von uns. Wer, wenn nicht wir selbst soll zu Kuna Yala Sorge tragen…“

„Nachwort“:

Es stellen sich natürlich Fragen nach der Zukunft dieser bis vor noch nicht allzu langer Zeit „heilen Welt“. Geht es wie allen Minoritäten, dass wenn nicht eine geschützte Hand da ist, welche einen Übertritt in die Moderne unterstützt, das Volk der Kuna Yala bald „nur noch Folklore“ ist?

Es gibt offenbar einige, welche vor allem in Panama City eine höhere Ausbildung geniessen. Diese, heisst es, würden leider nicht mehr oder nur zur Erholung oder Aushilfszwecke jeweils für kurze Zeit auf die Inseln zurückkehren.

 Es scheint ein paar Kunas zu geben, welche „eigene Inseln“ und Geld besitzen und diese ausbauen. Unter anderem die sogenannte Bambushütten-Internet-Insel, die seit unserem ersten Besuch im Mai und nach Rückkehr von Kolumbien im Juli tüchtig ausgebaut wurde und als neuste Errungenschaft eine Eismaschine hat  - es geht weiter mit der Installation von fixen Murings. Wann gibt es dort die erste Marina lautet eine etwas bange Frage.

Besonders die Technik lässt sich nicht aufhalten und hält Einzug. Noch haben sie praktisch kein Werkzeug - sie fragen die Yachties ob sie dies oder jenes bewerkstelligen bzw. reparieren können und erbitten know-how und entsprechendes Material. - z.T. beginnen sie selber einfache Handwerksarbeiten anzubieten, wie Boot reinigen, polieren etc - Bedingung: alles was dazu benötigt wird, muss zur Verfügung gestellt werden.

Einige Kunas haben Mobiltelefone, können diese aber oft nicht wieder aufladen, kommen dann mit den Kanus bei den ankernden Yachten vorbei, um zu fragen ob sie diese aufladen können, was oft nicht geht, je nach elektr. Technik die an Bord ist und endet z.T damit, ob man noch eine Mola kaufen will und ob sie einen Fruchtsaft haben können.

Wir lernten, dass man ihnen einen schlechten Gefallen erweist, wenn man ihnen einfach Dinge gibt - „gratis, denn sie haben ja nichts“ - ihr Leben ist teilweise immer noch vom Tauschhandel bestimmt. Es führt in ihren Augen dazu, dass sie glauben „da kommt eine Yacht, die arbeiten nicht, haben praktisch alles inklusive Geld“, weshalb sollen wir nicht auch etwas haben davon… eigentlich eine logische und natürliche Folge ihrer Sichtweise.

Einem Händler kauften wir Gemüse ab - er sagte er hätte Probleme mit den Augen, ob wir eine Sonnenbrille hätten - ja wir hatten eine die wir geben konnten - sollen wir sie gratis geben? - nein diesmal nicht - wir geben ihm die neuwertige Brille - er probiert sie und findet sie gut und will dann wegfahren - halt stopp: wir vereinbaren, dass er uns ein paar Bananen (kleiner Gegenwert für die Sonnenbrille) bringt - ja klar mache er - sehen ihn am nächsten und übernächsten Tag - frage ihn später ob er Bananen habe - nein aber er würde sie bringen - ich sage ihm freundlich er solle mir die Brille zurück geben, er bekomme sie, wenn er ein paar Bananen bringe… in der Diskussion mit andern Yachtkollegen geben mir diese Recht und jeder weiss von ähnlichen eigenen Beispielen.

Ihr Verhalten ist mit etwas Distanz betrachtet verständlich. Dazu trägt wohl auch das Fernsehen bei, das auf den grösseren Inseln Einzug hält,  was an den TV-Schüsseln auf einzelnen Bambushütten erkennbar ist. Meist handelt es sich, salopp ausgedrückt, um volksverblödende Schrott-Sendungen westlicher Herkunft. Ein Freund drückte es so aus: den Leuten wird oft ein schönes Leben ohne Arbeit vorgegaukelt, in welchem man nur sieht wie der Ehemann am Abend mit teurem Auto vor seinem schönen Haus parkiert und ihn die umsorgte Ehefrau schon mit eisgekühltem Whisky erwartet - von Arbeit keine Rede.

Ein Fischer kam zu uns mit einem grossen Kanu mit Aussenbordmotor und hatte 6 kleine Kinder im Alter von 2 - 10 Jahren dabei - es seien alles seine eigenen - er fragte nach Benzin und schüttelte das leere Bidon - er hätte noch einen weiten Weg auf seine Insel - was tun? - wir können nicht soviel Fisch brauchen wie er Benzin braucht… sie kennen die Werte von Alltagsdingen - und versuchen natürlich möglichst viel heraus zu holen - in unserem Fall ein Fisch der 1 oder 2 $ kostet im Tausch gegen zwei Gallonen Benzin Wert von 8 $.... immerhin bettelte er nicht nur.

Kunas sagen nie „danke“ oder es seien denn solche die etwas Spanisch können - das Wort danke existiert gar nicht in der Kunasprache, was uns anfänglich etwas erstaunte. Sie nehmenn etwas selbstverständlich entgegen und gehen dann ihrer Wege, was nicht unproblematisch sein kann, wenn sie z.B. Medikamente, meist für Kleinkinder mit Hauterkrankungen haben wollen und hilfsbereite Yachties ihnen alles mögliche geben ohne je eine Kontrolle über die Anwendung zu haben.

In seltenen Fällen kann es sein, dass sie sich erkenntlich zeigen, wie ein Fischer, dem wir ein paar neue Unterhosen, auf die ich verzichten konnte, gaben - er kam etwas später mit dem Kanu zurück und brachte einen Gewürzknollen und eine Kokosnuss - wir bedankten uns und nun waren wir es, die kein geeignetes Werkzeug hatten, um die Kokosnuss zu öffnen - fast ungläubig meinte er ob wir keine Machete hätten, so im Sinne: „praktisch jeder Mensch oder Familie hat doch eine Machete (;-)“ - aber kein Problem - er nahm die Kokosnuss wieder mit an Land und kurz darauf brachte er sie uns geöffnet zurück!

Eine Befürchtung die erst in den letzten Jahren auftauchte ist die des steigenden Wassers durch globale Erwärmung - Beobachter sprechen von verschwundenen Inseln, teilweise von absterbenden Korallenbänken. Die Inseln liegen nur knapp über Wasser und sind praktisch alle gut geschützt durch vorgelagerte Riffbänke. Die Tide 20 - 30cm kann ihnen nicht viel anhaben. Wie die gesamte Panamaküste liegt die 200 Km lange Ostküste Kuna Yala unterhalb des Huricangürtels, so dass auch keine Huricans die Südküste der Karibik erreichen. Selbst hatten wir den Eindruck, dass einzelne Inseln kleiner werden wegen Palmen, welche im Ufersand keinen Halt mehr finden, umfallen und dadurch die Uferböschung geschwächt wird. Der Autor des Panama Cruising Guide, der das Kuna Yala Land auch aus der Luft über Jahre beobachtet, spricht davon, dass bei seinen Nachforschungen für Neuauflagen wieder Inseln verschwunden seien.

Es bleibt zu hoffen, dass die paradiesische Schönheit dieser einmaligen Inselwelt erhalten bleibt.