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Ausserordentliche Visa-Verlängerung

Brasilien hat als grösstes lateinamerikanisches Land enorm viele Gesichter. Kurz anwesende Touristen erhalten in der Regel einen eher oberflächlichen Eindruck von Land und Leuten.

Für unseren Teil planten wir neben Segeln und Küstenlandschaft auch punktuelle Inland - Unternehmungen.

Dies kostet natürlich auch Zeit - die haben wir ja - glauben es zumindest - denn da ist noch das drei Monate gültige Visa - das ohne Probleme gegen eine Gebühr um weitere drei Monate verlängert werden kann - was wir auch tun und was uns einen durchaus erlebnisreichen und interessanten Tag kostete.

Wir kamen in der Regenzeit nach Brasilien - unter Regen ist in diesem Fall z.T. eine unaufhörliche graue Schütte zu verstehen - warm zwar aber eben… Leena gefiel es trotzdem - ich hatte mit der ständig feuchtwarmen Luft und dem Regen anfänglich meine liebe Mühe - so nach  dem Motto „was sollen wir hier“ - aber wir sind nun mal da und nach etwas Angewöhnung  gefiel es uns immer besser. Dabei verflog die Zeit und wir beschlossen nach Salvador zu segeln - ein Segelparadies und darüber hinaus mit ungeahnten Begegnungen und Erlebnissen.

Leider hatten wir auch Pech mit Motorproblemen - bei der 7- tägigen Fahrt nach Salvador hatten wir wegen Schmutz im Dieseltank Ausfälle des Motors - nebenbei sei erwähnt, dass der Motor aus Sicherheits- und Energieversorgungsgründen  für Cruiser-Segler höchste Bedeutung hat. Deshallb galt es dies zu beheben - gar nicht so einfach - als es aber geschafft war, wartete weiteres Ungemach: Es gab einen Kurzschluss an Bord, der unsere Navigationsgeräte in Mitleidenschaft zog. Die Spezialisten liessen auf sich warten, ebenso die Lieferung der zu ersetzenden Geräte, sowie die Installierung. Die Zeit würde reichen, um nach Fertigstellung der Arbeiten nordwärts nach Trinidad oder südwärts nach Argentinien abzulegen - in beide Richtungen ca 2000 Seemeilen bis zum Ausklarieren bzw. Ablauf des Visas…

Aber nicht genug mit den erwähnten Verzögerungen - ich musste wegen eines Leistenbruches unerwartet ins Spital - segeln in nächster Zeit nicht erlaubt bzw. nicht möglich. Der Arzt ist auch Segler und kennt die Anforderungen, welche das Segeln verlangt genau, weshalb ich seine Weisungen auch befolgen will, die ausserdem von der Bordkrankenschwester überwacht werden. Marinamanager, Arzt und Polizei sagen, dass eine weitere Visaverlängerung in diesem Fall kein Problem sei. Der Arzt macht ein Attest. Unser „Handyman“ Marcelo der sich um unser Boot und mich selbst kümmert, meint,  dass wir dies direkt über den höchsten Polizeichef (ein Freund von ihm) von Salvador in die Wege leiten werden. Wieder sind 2 Wochen ins Land gegangen - unsere Zukunft für den Verbleib im Lande damit unsicher - wir sollen Kopien von Passport, Schiffspapieren, Rechnungen Spital und Attest mit Gesuch vorbeibringen, aber erst nach dem Wochenende… mit Gesuch, inkl. Übersetzung auf Portugiesisch und 22 ! Kopien fährt uns Marcelo zum Big  Boss  der Police Federal - dort warten - dieser hat keine Zeit - Papiere an offizieller Stelle abgeben - in  48 Std sollen wir Bescheid erhalten - aus Erfahrung warten wir einen Tag länger mit der Nachfrage - ja, die Angelegenheit sei noch bei den höchsten Behörden in der Hauptstadt Brazil und könne nicht vor nächsten Dienstag erledigt werden - wir sollen uns aber keine Sorgen machen… wieder sind 2 Wochen vorbei… unser Visa läuft langsam aber sicher aus und wir benötigen ja auch einige Segelzeit wenn alles gut geht bis zum Ausklarieren… unsere Nerven… was für eine Soapopera mit einer Unmenge Statisten… aber wir können nichts anderes tun als warten…

Wir kennen inzwischen ein paar Segler, die illegal hier sind und dies andern auch noch empfehlen es gleich zu tun… kommt für uns nicht in Frage, können aber bei den gemachten Erfahrungen ein gewisses Verständnis für solches Tun aufbringen.

Nachruf:

Wegen Gesetzesänderung sei es doch nicht möglich das Visa weiter zu verlängern!!!

- unsere Nerven!!! Es tauchten Fragen auf wie „warum haben sie uns das nicht gleich gesagt als wir vor der Operation fragten…“

Nun ja es gäbe eine Möglichkeit: Ich müsse jedes Mal wenn wir einen neuen Hafen anlaufen der Polizei das Attest zeigen und erklären… Wir müssten dann eine „Busse“ bezahlen - nicht weil wir noch im Land sind, sondern weil das Boot „unerlaubt“ nach Visaablauf noch unterwegs sei - mit 8 Real pro Tag zwar nicht viel aber das Prozedere schreckte ab.

Wir waren ausserordentlich enttäuscht und wollten bzw. mussten losfahren, um bei Ablauf des Visas ausserhalb des Landes zu sein - im Klartext: es galt „schnell“ 2000 sm zu absolvieren, was wir auch machten, obwohl dies meine Leistengegend nicht sehr schätzte und Leena ein Teil der Schwerarbeit wie Winschen etc. übernahm.

Es war aber gut so - wir erfreuten uns guter Winde und waren fast (;-) pünktlich ausser Landes.