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Als Linehandler durch den Panamakanal

Segelboote die den Kanal passieren wollen, müssen vorher eine ganze Reihe Bedingungen erfüllen wie Vertrag, Termin, Bezahlung der Kanalgebühren - je nach Bootslänge ca. 600.- bis 1200.- $ - genügend Fender bzw. Autopneus, 4 Leinen à 50 m, welche von 4 Personen bedient werden müssen etc. alles kann durch einen Agenten arrangiert werden.

Am 20.4. treffen Beate und Wolfgang, ein befreundetes Ehepaar, Leena und ich , um 15.00 bei Roland auf der „Connivence“ ein und freuen uns auf das bevorstehende Ereignis -

„Zimmerbezug“ (je zwei in Bug- und Heck-Kabine, der Skipper zur Zeit ohne sonstige Begleitung bezieht den Salon) - Fruchtsaft-Drink - Fahrt zum Ankerplatz vor Schleuse - eine nur 7m lange kleine Amerikaner Yacht und ein holländischer Cat sind schon da - wir werden mit ihnen als Paket durch die Schleusen fahren.

Ein Pilotboot bringt die Guides - je einer sind Vorschrift pro Boot). Unser Guide ist auch Pastor - ruhig und freundlich erklärt er uns wie alles vor sich gehen wird - Anker auf und dann werden die beiden anderen Boote links und rechts an der Connivence angedockt - es folgt die Einfahrt in die erste der 3 Gatun-Schleusen - vor uns bereits ein, die Schleuse ausfüllender, Frachter.

19.00 es ist Nacht - die Schleusen aber hell beleuchtet - die professionellen Linehandler auf der Schleusenmauer werfen die Affenfäuste (gewichtiger kleiner Ball an dünner Leine) zielsicher zu uns hinunter, ziehen dann daran die dicken Leinen die von uns Amateurlinehandlern (es könnten auch Profis angestellt werden - aber wer sind wir denn… (;-) - bedient werden, hoch und befestigen diese an Pollern. Jetzt sind die Schleusentore geschlossen und der Wassereinlass - gespiesen durch den künstlichen und riesigen Gatunnsee - erfolgt.

Da verschiedene Systeme bei der Schleusung von Segelyachten möglich sind, müssen pro Boot je 4 Linehandler vorhanden sein - gleich ob sie dann zum Einsatz kommen oder nicht - in unserem Fall ist die Connivence in der Mitte des Paketes und wir bedienen die Bb-Leinen (die Klampen der kl. Amerik. Yacht wären zu schwach) - an Stb ist der holl. Cat zuständig. Die Linehandler auf den Booten - Wolfgang und ich bedienen die Backbordseite - müssen nun bei steigendem Wasser die Leinen nachregulieren - das Packet der 3 Boote muss in der Mitte der Schleuse gehalten werden und hat ein Bruttogewicht von 25 - 30 Tonnen.

Klar, dass in der ersten Schleuse etwas Aufregung herrscht - alle wollen gleichzeitig „befehlen“ (die Guides, z.T. die Eigner und deren Crew) und dies in Spanisch und Englisch kreuz und quer über die Boote hinweg - ich bitte unseren Pastor - er ist der Chef-Guide - dies zu regeln, was er auch souverän erledigt - dann ist’s ok.

Nach 20 - 30 Min fahren wir bereits in die zweite der 3 Gatunschleusen ein. Während des gesamten Schleusenvorganges laufen die Motoren aller 3 Yachten des Paketes ständig mit, wobei vor allem Roland als Skipper des mittleren Bootes gefordert ist und auf der Schleusenmauer marschieren die professionellen Linehandler mit und führen die Leinen nach.

21.00: nach der dritten Schleuse bzw. nach 26 m Höhenunterschied sind wir im Gatunsee, lösen die zwei andern Boote und fahren zu einer riesigen Tonne, wo wir die Nacht verbringen - die Guides werden mit einem Pilotboot abgeholt - Roland serviert eine feine Spagetthi Bolognese - es ist schwühl und heiss - hätten gerne noch ein Bad im Süsswasser des Gatunsees genommen - ist aber „verboten“ wegen den Krokodilen. Brüllaffen sind zu hören.

Um 05.30 aufstehen und um 06.15 bringt ein Pilotboot drei neue Guides für die 3 Boote - ablegen und Einzelfahrt durch den mit Inseln gespickten Gatunsee. Sehr schöne Fahrt von ca. 25 Seemeilen und ab und zu kreuzen wir in der betonnten Seestrasse einen Frachter - unterwegs gibt’s von Roland selbst gebackene feine Züpfe und Kaffee. Nach langer Fahrt mit durchschn. Geschw. von 5.7 Kn erreichen wir den Culebra Cut - schwierigster Bauabschnitt und Landschaftseinschnitt beim Bau des Kanals - und später danach die „Pedro Miguel-Schleuse“ - die erste der 3 (Abwärts-)Schleusen zum Pazifik - der holl. Cat wird eigenständig und wir zusammen mit der angedockten kleinen amerik. Yacht geschleust - es folgte der kurze Miraflores-See, dann die beiden Miraflores-Schleusen - die letzte ist per Webkamera einzusehen - der Amerikaner des kleinen Bootes war mit seinen Bekannten in tel. Verbindung und auf Kommando winkten wir alle gemeinsam.

Dann sind wir im Pazifik

Die kl amerik Yacht wird abgedockt - sie verabschiedet sich mit einem knappen Hello… etwas sec wie alle finden, nach einem intensiven Gemeinschaftserlebnis und diversen Hilfeleistungen von Seiten der Connivence…

Es folgt die Fahrt zum Ankerplatz mit der Skyline von Panama-City im Hintergrund - 3 Ankerversuche (schlechter Grund) sind nötig - Roland bringt uns an Land - wir vereinbaren uns zum gemeinsamen Nachtessen im Rest „Beirut“ - dort dann feines Essen (unerwartete Einladung/Bezahlung durch Roland) und herzliche Verabschiedung nach schönem Erlebnis (Anmerkung: nicht alle hatten ein solches, wie wir vernehmen wegen „schwierigen Skipper, Guides, Ambiente etc“).

Wir verbleiben noch einen Tag für Besorgungen in Panama-City.